Eine Oper für München. Historische Einordnung und Analyse von Mozarts "Idomeneo"


Seminararbeit, 2015

27 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. HISTORISCHE AUSGANGSSITUATION
1.1 politische Situation in München im späten 18. Jahrhundert
1.2 Mozarts Lebenssituation in München
1.3 Entstehungsgeschichte

2. DAS WERK: „IDOMENEO“
2.1 Mythologischer Hintergrund
2.2 Mozarts „Idomeneo“
2.2.1 Handlung
2.2.2 Akt

3. ANALYSE
3.1 Im Überblick
3.2 Akt 1; Rezitativ: Quando avram fine omai (Ilia)
3.3 Akt 3; Nr.28d: Ha vinto amore (Deus ex machina)
3.4 Akt 3; Nr.29a Arie: D’Oreste, d’Aiace

4. BEDEUTUNG DER OPER IM SCHAFFEN MOZARTS

5. QUELLENVERZEICHNIS
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Internetquellen
5.3 Notenbeispiele

7. ANHANG
7.1 Notenbeispiele

Wolfgang Amadeus Mozart – auf der ganzen Welt ist er bekannt. Ein Mensch, der durch seine berühmten Kompositionen ewig leben wird. Fragt man die Menschen nach ihm, fallen die Schlagwörter „Wunderkind“, „Zauberflöte“ oder auch „Die kleine Nachtmusik“. Aber auch „Wien“ und „Salzburg“ tauchen auf, die als Geburts- und Wohnort natürlich eine große Rolle in seinem Leben gespielt haben. Viele jedoch vergessen oder wissen kaum etwas von der Verbindung, die Mozart mit der Stadt München hatte. In der er während seiner Aufenthalte große Spuren hinterließ.

In meiner Arbeit werde ich diese Beziehung deutlich machen und auf seine Oper „Idomeneo“ eingehen, die er für München komponiert hat.

1. HISTORISCHE AUSGANGSSITUATION

1.1 politische Situation in München im späten 18. Jahrhundert

Mit dem Tod des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph im Jahre 1777, der von allen der „Vielgeliebte“ genannt wurde, starb die altbayerische Linie der Wittelsbacher komplett aus. Nach mehr als fünfhundert Jahren lag die Regierungsgewalt über Bayern und die Pfalz erstmals wieder in einer Hand, da die Macht über beide Kurlande an die pfälzische Linie der Wittelsbacher überging. Kurfürst Karl Theodor (Abb.1) hatte schon die ganze Kurpfalz geerbt und sollte nun die Nachfolge in Bayern antreten. Doch diese Erbschaft empfand er eher als Unglück denn als Geschenk. Seine pfälzische Hauptstadt Mannheim war zu dieser Zeit ein bedeutendes europäisches Musikzentrum. Die „Mannheimer Schule“ erlangte durch die Perfektion, mit der die kurpfälzische Hofkapelle unter der Leitung von Johan Wenzel Anton Stamitz musizierte, einen überregionalen Ruf. Die Stadt war voll von Kunst und Kultur. Karl Theodor fiel es nicht leicht, seine geliebte Mannheimer Residenz nach München zu verlegen und sich dort auf die altbayerische, bäuerliche und eher derbe Art der Bevölkerung einzulassen. Es war also nicht verwunderlich, dass er diesen Schritt als Verbannung empfand. Zu Bayern und vor allem zu dessen Hauptstadt München hat er in den folgenden Regierungsjahren nie eine innere Bindung empfunden. Dies spürten seine Untertanen und entwickelten eine große Abneigung gegen ihren neuen Herrscher. Seine französisch geprägte und absolutistische Art zu herrschen machte den vorsichtigen Angängen liberaler und aufklärerischer Reformen seines Vorgängers Max III. Joseph ein Ende. ([1]) ([2]) ([9]) ([10])

1.2 Mozarts Lebenssituation in München

Mit gerademal 7 Jahren erblickte Mozart 1763 am Anfang seiner ersten Konzertreise die Stadt München, konzertierte mit seiner Schwester Nannerl (Abb.2) am Hofe des damaligen Kurfürsten Maximilian III. Joseph und erregte das Aufsehen der Menschen. Auch am Ende der dreieinhalb Jahre langen Reise am 08.11.1766 kam die Familie Mozart in München vorbei, um nochmals für den Kurfürsten zu spielen. Das sollte erstmal sein letzter Besuch gewesen sein, doch man hatte ihn in der Stadt nicht vergessen. Im Jahre 1774 bekam er aus München von Maximilian III. Joseph den Auftrag, eine neue Opera buffa, eine komische Oper für den Fasching 1775 zu schreiben. Da der Kurfürst ausdrücklich darauf bestand, dass Mozart diese komponierte und bei der Aufführung anwesend sei, reiste dieser mit seinem Vater Leopold Anfang Dezember 1774 in die Stadt, um seine Oper „La finta giardiniera“ (Die Gärtnerin aus Liebe) zu vollenden. Der Termin der Uraufführung wurde wegen gesundheitlicher Probleme Mozarts auf den 13.01.1775 verlegt. Im voll besetzten Publikum saßen unter anderen seine Schwester Nannerl, einige Salzburger Freunde und natürlich der Kurfürst. Die Aufführung war ein großer Erfolg. Am Tag darauf berichtete Mozart seiner Mutter in einem Brief von seinem erfolgreichen Auftreten, das mit „erschröcklichen getös“ ([3]a) und „viva Maestro schreyen“ ([3]b) begleitet wurde. Der Münchner Fasching wurde noch ausgiebig gefeiert, bis es wieder zurück nach Salzburg ging. Im Jahre 1777 wurde Mozart auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin aus seinen Diensten beim Erzbischof Hieronymus in Salzburg entlassen. Auch Vater Leopold war der Ansicht, er solle „aus der Salzburger Enge heraus, um in seiner freien Entwicklung nicht gehemmt zu sein“ ([3]c). So machte sich der junge Musiker zum Bedauern seines Vaters nur mit der Mutter als Begleitung auf eine weitere Konzertreise. An seinem ersten Ziel, der bayerischen Hauptstadt München, trafen sie am 24.09.1777 ein. Mit Begeisterung und Erinnerung an seinen Erfolg des letzten Besuches „betätigte er sich an musikalischen Zirkeln auf dem Klavier und der Violine sowie im Ensemble, improvisierte und spielte eigene Werke aus den letzten Salzburger Jahren“([3]d). Aufgrund seiner gesammelten Erfahrungen und Erfolge hoffte der junge Konzertmeister auf eine Anstellung am kurfürstlichen Hof. Doch seine Hoffnungen wurden mit den Worten des Kurfürsten „Ja mein liebes Kind, es ist keine Vakatur da, mir ist leid“([3]e) zerschlagen. Nach dieser großen Enttäuschung verließ Mozart wieder einmal München und reiste mit seiner Mutter nach Italien. Seine Hoffnung auf weitere Anstellungen wurden jedoch auf dieser Reise alle enttäuscht und so kehrte Mozart wieder nach Salzburg zurück. Dort wurde er 1779 zum Hof- und Domorganisten ernannt. Doch schon ein Jahr später reiste Mozart zu seinem nächsten, diesmal jedoch auch letzten Aufenthalt nach München. Er bekam den Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor, ebenfalls für den Fasching eine Opera seria zu komponieren. Der inzwischen 24- jährige Mozart war bis zu diesem Zeitpunkt zwar ein glänzender Virtuose gewesen, hatte jedoch noch nicht die geistige Reife seiner Komponisten-Kollegen erreicht und zeigte ein eher kindliches Verhalten. Nun jedoch erfolgte sein „Wandel zur höheren Reife“ ([3]f) und „Idomeneo ist das erste sichtliche Zeichen dieser Verwandlung“ ([3]g). Nach der Uraufführung der Oper reiste Mozart am 12.03.1781 auf Befehl des Salzburger Erzbischofs (Abb.4) zum letzten Mal aus München ab. Der junge Meister hatte seine Urlaubszeit überschritten und hätte schon Anfang Februar 1781 nach Salzburg zurückkehren müssen. Zudem war er über alle Maßen hinter Frauen her und der Erzbischof wollte ihn wohl fühlen lassen, was es bedeutet, in seinen Diensten zu stehen. So musste Mozart sich wohl oder übel nach Wien aufmachen, wo sich Hieronymus um diese Zeit gerade aufhielt. ([3]) ([18])

1.3 Entstehungsgeschichte

Im Sommer 1780 bekam Mozart den Auftrag von Kurfürst Karl Theodor eine Faschingsoper für das Jahr 1781 zu schreiben. Für dieses Werk wurde wie in Stuttgart und Parma ein italienisch-französischer Mischstil bevorzugt, der von den Zeitgenossen als Opernreform empfunden wurde. Mozart wurde eine Tragedie lyrique des französischen Schriftstellers Antoine Danche vorgegeben, die er zu einem dramma per musica , einer „ernsten“ Oper umarbeiten sollte. Seinen Librettisten , der die italienische Fassung herstellen sollte, durfte er sich dabei selbst aussuchen. Seine Wahl fiel auf Giovanni Battista Varesco, den Kaplan am Salzburger Hof. Während der Umarbeitung konnten die Rezitative größtenteils übersetzt werden, während die Arien und Ensembletexte neu gedichtet werden mussten. Vor allem im dritten Akt waren Änderungen der Vorlage notwendig, da Varesco das tragische Ende der Tragedie lyrique in ein lieto fine, ein glückliches Ende, wie es der Konvention einer Opera seria entsprach, umwandeln musste. Positiv für Mozart in der Entstehungszeit war, dass Karl Theodor, inzwischen Kurfürst von Bayern, mit seiner gesamten Theatertruppe, Sängerensemble und dem Mannheimer Orchester nach München übergesiedelt war. So konnte er von deren weltberühmtem Können profitieren. Während der Umarbeitung stand Mozart vor dem Problem, sowohl der vom Hof geforderten typischen Opera seria als auch der Vorlage der Tragedie lyrique gerecht zu werden. Die Orientierung an der Dramaturgie der Tragedie, in der die Logik der Handlungsführung im Vordergrund steht, brachte Mozart in Konflikt mit dem Prinzip der Opera seria, die die Handlung als Mittel benutzt, um Situationen zu schaffen, die einen Ausbruch von Emotionen rechtfertigen. Mozart trug zum ersten Mal die alleinige Verantwortung für eine Oper, was zu einer Steigerung seines Perfektionismus beitrug. So wurde die Uraufführung im Cuvilles-Theater (Abb.5), dem Hoftheater der neuen Münchner Residenz, wegen der intensiven und zeitaufwändigen Proben vom 20.01.1781 auf den 29.01.1781 verschoben. ([4])([5])

Über den Abend der Premiere gibt es unterschiedliche Quellenangaben. Während die einen berichten, die Aufführung sei ein voller Erfolg gewesen ([5]), gab es auch kritische Stimmen. So schrieben die „Münchner Stats-, Gelehrten, und Vermischten Nachrichten vom 1. Februar 1781“ ([6]a):

„Verfassung, Musik und Uebersetzung sind Geburten von Salzburg. Die Verzierungen, worunter sich die Aussicht in den Seehaufen und Neptuns Tempel vorzüglich ausnehmen, waren Meisterstücke unseres hiesigen berühmten Theaterarchitekts H(er)rn Hofkammerraths Lorenz Quaglio, welche jedermanns Bewunderung auf sich gezogen haben“ ([6]b).

Mozarts Name wurde gar nicht erwähnt. ([6])

2. DAS WERK: „IDOMENEO“

2.1 Mythologischer Hintergrund

Wie in vielen anderen Dramma per musica bedient sich auch Mozarts „Idomeneo“ der antiken Mythologie.

Idomeneus war der König von Kreta und einer der Männer, der sich an der Seite von Odysseus im trojanischen Pferd versteckt hatte. Laut Homer war er ein Urenkel von Zeus , dem Göttervater und Helios, dem Gott des Sonnenlichts ([11]). Da er ein Freier der schönen Helena war, gelobte er, ihre Ehre zu verteidigen und beteiligte sich mit 80 Schiffen am Feldzug der Griechen gegen die Trojaner.([12]) Nach Homer leistete er dort gute Dienste und kehrte nach der Zerstörung Trojas wieder sicher nach Hause zurück.

[...]

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Details

Titel
Eine Oper für München. Historische Einordnung und Analyse von Mozarts "Idomeneo"
Note
1,2
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V314884
ISBN (eBook)
9783668133891
ISBN (Buch)
9783668133907
Dateigröße
4498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, oper, münchen, historische, einordnung, analyse, mozarts, idomeneo
Arbeit zitieren
Friederike Schoppek (Autor), 2015, Eine Oper für München. Historische Einordnung und Analyse von Mozarts "Idomeneo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314884

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