Ringen und Raufen im Sportunterricht (10. Klasse, Gymnasium)

Schüler verbessern ihre Gesundheitkompetenz im Zweikampfsport. Betrachtung der Fitness und des Regelwerks


Unterrichtsentwurf, 2015
17 Seiten, Note: 1,7
Manuel Homeier (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Rahmenbedingungen
1.2 Lerngruppe
1.3 Lernausgangslage

2. Sachanalyse

3. Didaktisch-methodische Analyse

4. Sequenzplanung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1 Auswertung
6.2 Reflexion
6.3 Stundenverlaufsplan

1. Bedingungsanalyse

1.1 Rahmenbedingungen

Der Sportunterricht findet in der sechsten Stunde von 12.15 Uhr bis 13.15 Uhr an einem Donnerstag in einer Turnhalle statt. Bei Bedarf könnte auch in die Doppelhalle oder nach Außen auf den Sportplatz ausgewichen werden. Da sich die Sporthalle am Institut für Sportwissenschaft und Sport in Erlangen befindet, stehen ausreichend unterschiedlichste Materialien und Gegenstände zur Verfügung. Dank der Größe der Turnhalle können alle Stationen und Felder vor der Stunde vorbereitet werden und der Aufbau kostet den Schülerinnen und Schülern (SuS) keine wertvolle Bewegungszeit. Da genügend Platz vorhanden ist kann auch angemessene räumliche Distanz zwischen den einzelnen Stationen und Feldern eingehalten werden und so kann für eine höhere Sicherheit garantiert werden. Für die Unterrichtsstunde können die Turnläufer über die Länge der Halle ausgerollt werden.

1.2 Lerngruppe

Bei der betrachteten Sportgruppe handelt es sich um eine 8. Klasse eines Gymnasiums, die den Sportunterricht gemischt besucht. Die SuS befinden sich in der Phase der Adoleszenz und in der Hochphase der Pubertät. In der betrachteten Phase bilden sich Gruppen, in denen die SuS agieren, die zu einem festen Gefüge innerhalb der Klasse führen (Mönks, 2000, S. 196). Diese Gruppierungen aus dem ersten Lehrjahr existieren noch in der betrachteten Klasse. Auch die vorwiegend gleichgeschlechtlichen Gruppen brechen nach der Pubertät laut Mönks auf, weshalb die Jugendlichen in dieser Phase einen Umbruch erleben. Nicht nur innerhalb der Klasse, sondern auch bezüglich ihrer Persönlichkeit erleben die Heranwachsenden eine Originalitätskrise, wobei sie sich von den Eltern lösen und sich stärker an Gleichaltrige binden. Dabei bilden sie ihre eigene Identität.

Neben dieser entwicklungspsychologischen Darstellung beschreibt Berk (2007, S. 546ff.) die emotionale und soziale Entwicklung in der Adoleszenz, die vor allem in der Pubertät bedeutsam wird. Im Lauf dieser Phase wird die Selbstsicht des jungen Menschen komplexer, organisierter und konsistenter. So bewertet sich der Teenager differenzierter. Auch die körperliche Entwicklung schreitet stark voran. Die Proportionen der Extremitäten und eine Gewichtszunahme stellen die Jugendlichen vor neue Herausforderungen. Sie setzen sich mit dem eigenen neuen Körper auseinander und empfinden sich in dieser Zeit als unattraktiv und hässlich (Wilbers, 2014, S. 382).

1.3 Lernausgangslage

In der Sequenzplanung ist diese Unterrichtsstunde als zweite von drei bis vier Stunden einzuordnen. Die SuS haben in der ersten Sequenz praktische Vorerfahrungen gesammelt und erste Übungen zur Körperspannung und Körperkontakt erfahren. Zusätzlich wurde theoretisch in einer vorherigen Stunde ein zehn minütiges Referat zur Geschichte des Ringens und zum Ringsport heute gehalten. Das Sportgerät, die Ringmatte, ist dadurch bereits bekannt. Des Weiteren wurde das Vertrauen in die eigenen MitschülerInnen gestärkt. Die SuS haben Vertrauen entwickelt, um so die Sportspiele im Ringen mit beliebigen PartnerInnen durchzuführen. Aufbauend auf turnerische Elemente in den Vorwochen ist die Zielsetzung der Verbesserung der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Partnerübungen sind für die SuS in diesem Alter eine vertraute Methode und stellen sie lediglich vor die Herausforderung der oben beschriebenen Pubertät. Regeln, Rituale und Methodenkenntnisse sollen in dieser und den folgenden Stunden erfahren und angeeignet werden. Außerdem sollen sie erste grundlegende Grifftechniken kennenlernen und den Unterschied von An- und Entspannung erfahren.

2. Sachanalyse

Der Unterrichtsgegenstand „Zweikampfsport“ beinhaltet unter anderem Ring- und Kampfspiele mit Körperkontakt am Boden sowie im Stand. Hierbei werden durch den unmittelbaren Körperkontakt wichtige Erfahrungen im Mit- und Gegeneinander ermöglicht. Für die geplante Unterrichtsstunde unter der Perspektive Eindruck erweist sich die Zweikampfsportart Ringen als passend. Laut Lange und Sinning (2007, S. 11) steht hier in der pädagogischen Bewertung das unmittelbare Spüren und Wirken eigener und fremder Kräfte im Fokus.

Ringen zählt zu den ältesten Sportarten der Welt und wurde von verschiedensten Kulturen aktiv betrieben. Galt es anfangs noch als Vorbereitung auf den Kampf, wurde schon bald ein beliebter Sport mit ausgebautem Regelwerk und schon damals genau beschriebenen Techniken daraus, bis hin zur Anerkennung als Olympische Sportart. Die Griechen sahen in dem Zweikampfsport aber einen weiteren Nutzen. Er wurde nicht mehr nur als einfacher Volkssport angesehen, sondern auch als wertvoller Bestandteil der pädagogischen und kulturellen Entwicklung und Erziehung (Gain et. al, 1980, S. 9). Ganz allgemein werden zwei Stilarten des Ringkampfes unterschieden. Die griechisch-römische, kurz Greco, bei der im Stand-, wie auch im Bodenkampf nur der Körper oberhalb der Hüfte als Angriffsfläche gilt. Die zweite Stilart ist der Freistil, hier können Griffe überall am Körper angewendet werden. Im Schulsport ist wohl letztere zu empfehlen, da SuS hier weniger Einschränkungen haben und die Grundlagen des Ringens so leichter erlernen können. Griffe, die die Gesundheit des Gegners gefährden oder ihm Schmerzen bereiten könnten sind grundsätzlich verboten. Nicht erlaubt ist außerdem Schlagen, Treten, Beißen und Würgen, das Verbiegen von Fingern und Zehen, und das Fassen von Geschlechtsteilen, Ohren, Augen, Nase und Mund. (Rothert, 1973, S. 144) Um Schmerzen und Verletzungen vorzubeugen ist es wichtig das Regelwerk mit den SuS zu erarbeiten. Das Ziel des Ringkampfes ist es seinen Gegner mit beiden Schultern für einen kurzen Moment gleichzeitig auf dem Boden zu fixieren (Schultersieg) oder nach Punkten zu besiegen (Punktsieg) (Gain et. al, 1980, S.299).

Die pädagogische Perspektive Eindruck meint in erster Linie den Zusammenhang von Bewegungserfahrung und Körperwahrnehmung. Durch umfassende Körpererfahrungen soll die Entwicklung einer bewussten Körperwahrnehmung begünstigt werden. Diese gilt als Voraussetzung zur Entwicklung des Körperkonzepts, sowie auch zur Fähigkeit Stärken und Schwächen einordnen zu können. SuS können Wahrnehmungen und Erfahrungen sowohl des eigenen Körpers, als auch des Körpers anderer Menschen machen (Sygusch, 2007. S.35). Auf Grundlage der Wahrnehmung des Körpers setzt die Reflexion des erlebten an. Dabei vollziehen die SuS bspw. eine Stelle im Körper nach, von der ein besonders hoher Kraftimpuls ausging. Das reflektierende Bewusstmachen in Bezug auf den eigenen Körper stellt die erste Säule der Wahrnehmung dar. Daneben steht die Fremdbeobachtung, und zwar die Beobachtung des Ringpartners und die Einschätzung seines Kraftimpulses. Haben beide die Wahrnehmung eingeordnet muss diese verbalisiert werden. Das bedeutet sie reden und formulieren mit Worten die Differenzen in der Wahrnehmung. Durch Diskussion und nachvollziehen kann der Eindruck gefördert werden. Insbesondere in dieser Stunde wird die Perspektive Eindruck gefördert, dass auch andere Perspektiven gefördert werden ist aufgrund der Überschneidung der Perspektiven möglich. Jedoch wird Eindruck gezielt angesteuert.

Das Sportliche Handlungsfeld Ringen soll über die pädagogische Perspektive Eindruck den SuS die Bewegungserfahrung und die Wahrnehmungsverbesserung ermöglichen. Unter Einbeziehen der Perspektive Eindruck kann den SuS die Möglichkeit geschaffen werden ihre Sinneswahrnehmung zu verbessern, vor allem im häufig vernachlässigten Bereich des Vestibulären, Kinästhetischen und Taktilen, welcher im Ringkampf von besonderer Bedeutung ist (Gerr, 1982, S. 16 ff.). Durch verschiedene Spiel- und Übungsformen, sowie anhand von Grundtechniken und ersten Ringkampfversuchen sollen SuS lernen Innenperspektive und Fremdwahrnehmung zu erfahren und zu deuten. Körpererfahrung und Körperwahrnehmung, ob eigener Körper oder Fremdkörper, ist eng mit Bewegungserfahrung und Bewegungswahrnehmung verbunden. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung, welcher im Ringkampf von zentraler Bedeutung ist, hilft den SuS diese Erfahrungen und Wahrnehmungen einzuleiten und zu verknüpfen. (Küpper, 2000, S. 242ff.)

Die Unterrichtsstunde, so wie auch die komplette Sequenz richtet sich nach dem Konzept der Körper- und Bewegungserfahrung von Jürgen Funke (1992, S. 10ff.). Danach steht hier nicht das Ringen und die Bedeutung die der Ringkampf einmal trug, heute noch trägt oder tragen könnte im Vordergrund, sondern das Subjekt. Zentral sind die Bewegungs- und Körperwahrnehmungsmöglichkeiten, die SuS erhalten und reflexiv begleiten sollen. Der Unterricht ist gedacht um für körperliche Reaktionen und Empfindungen in den Bewegungsabläufen sensibel zu machen und umfangreiche und intensive Erfahrungen im Sich-Bewegen und Sich-Wahrnehmen zu erschließen. (Bräutigam, 2003, S.100ff.)

3. Didaktisch-methodische Analyse

Didaktische Reduktion: Anpassung an die Lerngruppe – Methodische Vorüberlegungen Im Rahmen der didaktischen Analyse werden nun die erläuterten Gegenstände der Sachanalyse und der Bedingungsanalyse in die didaktische Analyse einbezogen. Hierzu zählen die Inhalte (Was), Ziele (Wozu), die Methoden (Wie) und die Hilfsmittel und Organisationsformen (Womit) (Sygusch, 2007, S. 27). Von entscheidender Bedeutung ist hier die Frage nach den Methoden. Die Wahl der Methodik (Wie) ist in großem Maß von den Rahmenbedingungen abhängig (Sygusch, 2007, S. 94ff.). Dies gilt für räumliche Bedingungen als auch Fähigkeiten, die von den SuS mitgebracht werden. Je nach Vorerfahrung und praktischem Können kann in unterschiedlichem Tempo vorangegangen werden. Hierbei ist ein durchschnittliches Lerntempo vorauszusetzen. Auch die Fähigkeit zur Reflexion ist gegeben und kann als bekannt vorausgesetzt werden. Dies ist notwendig, da mehrere Reflexionsphasen eine zentrale Methode der Unterrichtsstunde darstellen. Aufgrund der Platzierung dieser Stunde als Folgesequenz auf Grundlage der Einführung in der Vorwoche sind weitere Vorübungen zur Zielform “Ringen” notwendig. Auch das Aufwärmspiel “Fastfood” greift die Vertrauensbildung durch Körperkontakt auf.

Als zentrale Aktionsform werden Partnerübungen methodisch aufgebaut. Diese unterliegen der didaktischen Reduktion und beleuchten für jede Übung andere Teilaspekte des Ringens. Diese Übungsformen werden von der Lehrkraft deduktiv vorgegeben, da die Zielform mit den Sicherheitsaspekten und Regeln für diese Altersgruppe als komplex zu bewerten ist. Mit didaktischer Reduktion werden fünf Vorübungen zum Ringerduell für die Stunde vorbereitet:

- Bei der Mausefalle liegen zwei Kinder übereinander, dabei muss das unten liegende Kind sich aus der Gefangenschaft, des darüber liegenden befreien.
- Beim Rückenringkampf sitzen zwei Kinder Rücken an Rücken und haken sich mit den Armen ein. Dabei muss der Partner auf den Bauch gelegt werden.
- Für die Übung Beinheben ist eine stehende Ausgangsposition vorgesehen. Hierbei versuchen sie sich gegenseitig ein Bein vom Gegner vom Boden zu lösen ohne dabei selbst den Bodenkontakt zu verlieren.
- Nach näher an der Zielform ist der Handflächenkampf. Die Teilnehmer stehen auf beiden Beinen einander gegenüber und legen die Handflächen aneinander. (2. Durchgang: auf einem Bein stehend). Durch Schieben und Drücken sowie durch geschicktes Führen der Hände versuchen sich beide gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Handkontakt darf nicht verloren gehen. Den Punkt erzielt man, wenn der Gegner hüpft oder den Bodenkontakt verliert.
- Zuletzt das Knieringen. Dabei stehen sich Zwei Kinder im Kniestand gegenüber und fassen einander an Armen oder Schultern. Jetzt soll der Partner auf den Rücken gezwungen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ringen und Raufen im Sportunterricht (10. Klasse, Gymnasium)
Untertitel
Schüler verbessern ihre Gesundheitkompetenz im Zweikampfsport. Betrachtung der Fitness und des Regelwerks
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V315421
ISBN (eBook)
9783668146204
ISBN (Buch)
9783668146211
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Unterrichtsentwurf im Rahmen eines Projektseminars
Schlagworte
Ringen und Raufen, Fitness, Gesundheitskompetenz, Gymnasium, 10. Klasse
Arbeit zitieren
Manuel Homeier (Autor), 2015, Ringen und Raufen im Sportunterricht (10. Klasse, Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315421

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