Die wertorientierte Steuerung in der Schaden- und Unfallversicherung. Aktuelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
19 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzept der wertorientierten Steuerung
2.1 Wertorientierte Steuerung in der Versicherungswirtschaft
2.2 Kenngrößen der wertorientierten Steuerung
2.2.1 Das Discounted Cashflow-Verfahren
2.2.2 Der Economic Value Added-Ansatz
2.2.3 Return-on-Ansätze

3 Steuerung in der Schaden- und Unfallversicherung
3.1 Kennzahlen zur Steuerung bei Schaden- und Unfallversicherern.
3.1.1 Kennzahlen zu Volumen und Profitabilität
3.1.2 Solvenzkapital und Bedeckungsquote
3.2 Umsetzung und Herausforderungen

4 Zusammenfassung und kritische Reflexion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Versicherungswirtschaft ist eine der bedeutendsten Wirtschaftszweige Deutschlands. Die Schaden- und Unfallversicherer, als Versicherungssparte und als Teil des Versicherungsgeschäftes von großen Versicherungskonzer­ nen, fallen mit einem Beitragsvolumen von zuletzt 62,58 Mrd. Euro im Jahr 2014 in Deutschland und damit über 32 % des Beitragsvolumens der gesam­ ten Versicherungswirtschaft (192,58 Mrd. im Jahr 2014) dabei stark ins Ge­ wicht.1 Durch die schwächelnden Kapitalmärkte und den aktuellen Herausfor­ derungen in der Lebensversicherungsbranche, u. a. hervorgerufen durch den Niedrigzins, steigt jedoch der Druck auf die Sparte der Schaden- und Unfall­ versicherungen.2 Aus diesem Grund und auch in Anbetracht des heutigen Wirtschaftsgeschehens, rückt die „Shareholder-Value-Orientierung“ und da­ mit die wertorientierte Unternehmenssteuerung auch für Schaden- und Un­ fallversicherer immer weiter in den Mittelpunkt.

Die Forschungsfrage, die im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit be­ handelt werden soll, ist in welchem Maße sich die wertorientierte Steuerung dafür eignet, um auf die aktuellen Herausforderungen in der Versicherungs­ branche zu reagieren, wie relevant die wertorientierte Steuerung für Scha­ den- und Unfallversicherer ist und inwieweit diese bisher implementiert wur ­ de. Um diese Frage beantworten zu können müssen zunächst die Grund­ lagen zum Verständnis einer wertorientierten Steuerung behandelt und die wichtigsten Steuerungskonzepte, die bei Schaden- und Unfallversicherern in Frage kommen, vorgestellt werden. Des Weiteren werden die Kennzahlen, die bei der wertorientierten Steuerung von Schaden- und Unfallversicherern von Bedeutung sind, dargestellt. Im Anschluss daran werden die Herausfor­ derungen die sich für die Schaden- und Unfallversicherer ergeben und die Implementierung der Steuerungskonzepte bei ebendiesen charakterisiert.

2 Konzept der wertorientierten Steuerung

2.1 Wertorientierte Steuerung in der Versicherungswirtschaft

Eine Wertorientierte Steuerung ist die Fokussierung der Unternehmens- führung auf die Wertsteigerung des Versicherungsunternehmens. Die Unternehmensführung hat dabei das Ziel, die Interessen der Aktionäre bzw. der Unternehmenseigentümer zu vertreten.3 Diese Interessen münden in einer Maximierung des Marktwertes des Eigenkapitals, sei es durch Kurssteigerungen oder durch Dividendensteigerungen. Da die Eigenkapitalgeber die Risiken des Unternehmens in voller Höhe tragen, müssen die Entscheidungen der Unternehmensführung, auf die Interessen ebendieser ausgerichtet sein.4 Für die Kapitalüberlassung entsteht für den Eigenkapitalgeber ein Residualanspruch aus den Gewinnen des Unternehmens. Anders als für Fremdkapitalgeber, Lieferanten oder anderen Gläubigern, steht der Vergütungsanspruch des Eigenkapitalgebers damit direkt mit dem Unternehmenserfolg in Verbindung.5

Bei einer wertorientierten Steuerung wird der Erfolg des Unternehmens nicht primär auf Basis historischer Leistungen und Kosten gemessen, sondern anhand einer zukunftsorientierten Bewertung von Zahlungsströmen, also Cash Flows, die diskontiert werden.6 Insbesondere bei einer wertorientierten Steuerung von börsennotierten Versicherungsunternehmen muss außerdem berücksichtigt werden, dass ein Wertzuwachs aus Eigenkapitalgebersicht nur dann geschaffen wird, wenn die erwirtschaftete Rendite größer ist als der Kapitalkostensatz. Damit lässt sich auch erklären, wieso das Generieren von Gewinnen nicht zwingend dazu führen muss, dass der Wert des Unternehmens steigt.7

Die Wichtigkeit einer wertorientierten Steuerung lässt sich folgendermaßen verdeutlichen: kapitalmarkt-orientierte Unternehmen können kein weiteres Ei­ genkapital akquirieren, wenn sie nicht dazu in der Lage sind, die Forderun­ gen der Kapitalgeber zu befriedigen. Eine daraus resultierende, mangelnde Profitabilität dieser Unternehmen, würde mit einer Sanktionierung seitens der Kapitalmärkte enden.8 Das Interesse an einer Beteiligung an solchen Unter­ nehmen würde sinken, wodurch es zu einem Angebotsüberhang und damit zu starken Kursverlusten kommen kann, die zu einer Insolvenz oder einer Übernahme durch konkurrierende Unternehmen beitragen.9 Somit ist die Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens, also an eine effizi­ ente wertorientierte Steuerung gekoppelt. Die Bedeutung der wertorientierten Steuerung für Versicherungsunternehmen lässt sich auch durch folgende zwei Hauptfunktionen verdeutlichen: Erstens die Informationsbereitstellung über die Werttreiber des Unternehmens über mehrere Perioden, zweitens die Hilfestellung zur Entscheidungsfindung des Managements.10 Bei der wertori­ entierten Steuerung von Versicherungsunternehmen soll ein effizienter Ei­ genkapitaleinsatz in Bezug auf die Risiko - und Gewinn-Ebene erfolgen. Die wertorientierte Steuerung hat für Versicherungsunternehmen außerdem zum Ziel, die Werttreiber des Unternehmens zu identifizieren, also jene Hand­ lungsfelder deren Performance-Steigerung oder -Senkung einen direkten Einfluss auf das Gesamtergebnis des Unternehmens haben.11

2.2 Kenngrößen der wertorientierte Steuerung

2.2.1 Das Discounted Cashflow-Verfahren

Da eine wertorientierte Steuerung eng mit der Steuerung des Unternehmens­ wertes verknüpft ist, eignet sich in diesem Zusammenhang das sog. Discoun­ ted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) sehr gut um den Marktwert des Eigenkapi­ tals aus Sicht des Anlegers zu bestimmen. Die wichtigste Erfolgsgröße ist da­ bei der zukünftige freie Cashflow. Er enthält alle zu erwartenden Ein- und Auszahlungsströme, die mit den Kapitalkosten zum Gegenwartszeitpunkt dis­ kontiert werden.12 Grundsätzlich existieren zur Berechnung des DCF zwei verschiedene Möglichkeiten: die Entity-Methode und die Equity-Methode. Der Unterschied liegt dabei bei der Vorgehensweise, die letztendlich zur Ermitt­ lung des Eigenkapitalwertes führen soll. Die Entity-Methode ermittelt den Ei­ genkapitalwert durch Abzug aller Ansprüche der Fremdkapitalgeber vom Un­ ternehmensgesamtwert, wohingegen bei der Equity-Methode direkt der Ei­ genkapitalwert errechnet wird.13 Da der Wert eines Versicherungsunterneh­ mens hauptsächlich durch die Struktur des Versicherungsbestandes profiliert wird und diese einen direkten Einfluss auf die versicherungstechnischen Rückstellungen hat, verkörpert die Passivseite der Bilanz das Kerngeschäft der Versicherungsunternehmens. Damit ist die Struktur der Finanzierung maßgeblich für den Wert des Versicherungsunternehmens verantwortlich. Folglich ist die Equity-Methode der Entity-Methode vorzuziehen, da sonst durch den hohen Fremdkapitalanteil die Berechnung der Kapitalkosten mit ungenauen Schätzungen verbunden sein würde.14 Die Bestimmungsglei­ chung der Equity-Methode zur Bestimmung des Eigenkapitalwertes lautet:15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Freien Cashflows [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] welche lediglich auf die Eigentümer entfal­ len, werden mit den Eigenkapitalkosten ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der Perioden u bzw. t diskontiert. Dabei sind die Steuern und die Investitionen bereits berücksich­ tigt.16 Anschließend werden der Restwert des Unternehmens zum Ende des Prognosezeitraums (RW T) , sowie das nicht-betriebsnotwendige Vermö gen (NBW) hinzuaddiert. Problematisch für die Ermittlung des Eigenkapital­ wertes beim DCF-Verfahren, welcher letztendlich an die aus der dynami­ schen Investitionsrechnung bekannten Kapitalwertmethode angelehnt ist,17 ist die Prognoseunsicherheit der zukünftigen Freien Cash-Flows. Schaden- und Unfallversicherer haben aufgrund der Natur ihrer Geschäftstätigkeit mit teilweise starken Schwankungen durch unvorhersehbare Ereignisse, z.B. Na­ turkatastrophen zu kämpfen, wodurch die Auszahlungsströme und aufgrund anderer Faktoren, auch die Einzahlungsströme schwer berechenbar sind. Dies führt zu sehr wahrscheinlich unzuverlässigen künftigen Cash-Flow-Pla­ nungen. Des Weiteren ist beim DCF-Verfahren die periodenbezogene Renta­ bilität eines Geschäftes nicht bestimmbar, wodurch diese Kenngröße zur Auswertung der periodenbezogenen Leistung der Unternehmensführung und deren Steuerung eher schlecht geeignet ist.18

2.2.2 Der Economic Value Added-Ansatz

Der Economic Vaule Added (EVA) ist die dominierende Steuerungsgröße für Schaden- und Unfallversicherungsunternehmen und ist auch gleichzeitig im Allgemeinen, neben dem Embedded Value19, die Standard-Kenngröße für die wertorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen.20 Im Vergleich zum DCF-Verfahren, werden bei dieser Kenngröße keine Freien Cash-Flows zur Berechnung des Wertzuwachses einbezogen, sondern stattdessen die Erträge und Aufwendungen aus den jeweiligen abgeschlossenen Geschäfts­ perioden - also aus den Jahresabschlüssen.21 Die Entscheidungshilfe für das Management ergibt sich also aus den Periodenerfolgskennzahlen, welche wiederum der externen Rechnungslegung entstammen. Diese eignen sich in diesem Zusammenhang besser, als das bisher betrachtete DCF-Verfahren.

[...]


1 Vgl. GDV (Hrsg.) (2015d): Überblick, URL: http://www.gdv.de/zahlen-fakten/branchendaten/ueberblick/#versicherungsbeitraege, (Abruf: 30.11.2015).

2 Vgl. Towers Watson (Hrsg.) (2013): Die großen Herausforderungen in der Schaden-/ Unfallversicherung. Versicherungsgesellschaften müssen das Inflationsrisiko und die aktuellen Markttrends im Blick behalten, URL: https://www.towerswatson.com/de-DE/Press/2013/12/Die-grossen-Herausforderungen-in- d...,der-Schaden-Unfallversicherung, (Abruf: 30.11.2015).

3 Vgl. Nguyen, T. (2008): Handbuch der wert- und risikoorientierten Steuerung von Versi ­ cherungsunternehmen, Karlsruhe, S. 167.

4 Vgl. Oletzky, T. (1998): Wertorientierte Steuerung von Versicherungsunternehmen: ein Steuerungskonzept auf der Grundlage des Shareholder-Value-Ansatzes,Karlsruhe, S. 35.

5 Vgl. Malik, A. (2007): Wertorientierte Steuerung in der Lebensversicherung: Möglichkeit und Grenzen, Saarbrücken, S. 5.

6 Vgl. Gründl, H. (2011): Wertorientierte Steuerung, in: Wagner, F. (Hrsg.): Gabler Versiche ­ rungslexikon, Wiesbaden, S. 762.

7 Vgl. Britzelmaier, B. (2009): Kompakttraining Wertorientierte Unternehmensführung, Lud­ wigshafen, S. 115.

8 Vgl. Wagner, F. / Warmuth, W. (2005): Wertorientierte Bepreisung im Versicherungsge ­ schäft, Karlsruhe, S. 1.

9 Vgl. ebenda, S. 1.

10 Vgl. Ewert, Ralf, Wagenhofer, Alfred (2000): Rechnungslegung und Kennzahlen für das wertorientierte Management, in: Wagenhofer, Alfred, Hrebicek, Gerhard: Wertorientiertes Management, Stuttgart, S.4.

11 Vgl. Schulenburg, J.-M. Graf v.d., Oletzky, T. (1998): Shareholder Value Management Strategie in Versicherungsunternehmen, in: ZVersWiss, Band 87, S.67.

12 Vgl. Nguyen, T. (Steuerung von Versicherungsunternehmen, 2008), S. 169.

13 Vgl. Hallmann, T. / Junglas, A. et al. (Hrsg.) (2014): Steuerung von Versicherungsunter­ nehmen: Grundlagen, Prozesse, Praxisbeispiele, 2. Auflage, Stuttgart, S. 248.

14 Vgl. Kureljusic, G. (2009): Besonderheiten bei der Bewertung von Versicherungsunter­ nehmen in der Praxis, in: Finanz-Betrieb, H. 09, vom 14.09.2009, S. 2 ; Vgl. Nguyen, T. (Steuerung von Versicherungsunternehmen, 2008), S. 171.

15 Vgl. Nguyen, T. (Steuerung von Versicherungsunternehmen, 2008), S. 170.

16 Vgl. ebenda, S. 171.

17 Vgl. Hallmann, T. / Junglas, A. et al. (Hrsg.) (Steuerung von Versicherungsunternehmen, 2014), S.248.

18 Vgl. ebenda, S. 248 f.

19 Der Embedded Value ist eine spezielle Kenngröße zur Wertbestimmung von Personen- und Lebensversicherungsgeschäften. Er repräsentiert den Geschäftswert aus Sicht der Eigner., Vgl. Haep, M. (2011): Methoden zur Bewertung von Lebensversicherungsbestän­ den, in: Wagner, F. (Hrsg.): Standpunkte - Beiträge renommierter Persönlichkeiten der Versicherungswirtschaft in Leipziger Seminaren, Karlsruhe, S.22.

20 Vgl. Hallmann, T. / Junglas, A. et al. (Hrsg.) (Steuerung von Versicherungsunternehmen, 2014), S.243 f.

21 Vgl. ebenda, S. 249.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die wertorientierte Steuerung in der Schaden- und Unfallversicherung. Aktuelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Versicherungslehre)
Veranstaltung
Aktuelle Fragen in der Versicherungswirtschaft
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V315429
ISBN (eBook)
9783668164406
ISBN (Buch)
9783668164413
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wertorientierte, steuerung, schaden-, unfallversicherung, aktuelle, rahmenbedingungen, herausforderungen
Arbeit zitieren
Firas Abusukhun (Autor), 2015, Die wertorientierte Steuerung in der Schaden- und Unfallversicherung. Aktuelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315429

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