Strukturen der Stagnation im Machtvollzug gegen Frauenförderung und das Projekt "Politik braucht Frauen"


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gleichberechtigung

3. Politik braucht Frauen

4. Bedeutung des Projektes- mainstream statt malestream

5. Machtverhältnisse und Automatismus

6. Machtvollzug und Sozialisation im Kreislauf

7. Ohne Kenntnis keine Erkenntnis - Rückblick und Ausblick

8. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Im Mai 2015 interviewte ich mit einer Kommilitonin zwei als Mentorinnen agierende Kreispolitikerinnen, sowie zwei Bürgerinnen, welche als Mentees jene Politikerinnen im Rahmen des Mentoringprogrammes "Politik braucht Frauen" bei der täglichen politischen Tätigkeit begleiten.

Im Kontext dieses Interviews und der Auseinandersetzung mit den Themen Gleichberechtigung, Genderfragen, Fairness, Durchsetzungswillen und Teilhabe, habe ich mich entschlossen im Rahmen des Modules 3 -Problemlagen sozialer Kohäsion- diese Fragen aus für mich neuen Blickwickeln betrachten zu wollen. Zu sehr hatte ich den Eindruck gewonnen, dass Frauen nach wie vor stark zu kämpfen haben um Gleichberechtigung und partizipative Teilhabe zu erlangen. Zu sehr hatte ich mir den Eindruck eingestehen müssen, dass die Problematik vielschichtiger ist als ich dachte- und dass meine eigene Sozialisation und mein eigener Habitus mit all meinen manifestierten Konstruktionen hinterfragt gehört um auf neue Ideen einer kohäsiveren Welt zu stoßen.

Da das Thema der Gendergerechtigkeit nie nicht aktuell ist, man denke da beispielsweise an die öffentlichen Diskussionen des aktuellen Kalenderjahres rund um die Lohn- und Gehälterangleichungsforderungen oder die rechtlich neu geschaffene 30% Pflicht- Quotenregulierung für Frauen in börsennotierten Aufsichtsräten, eröffnen sich diverse Stränge, von denen ich hier einige spezielle aufführen möchte.

Zum einen möchte ich auf Machtverhältnisse und Sozialisation eingehen, wozu ich Foucault und Bourdieu heranziehen möchte. Zum anderen möchte ich aufzeigen, dass sich die männliche Stagnationsmacht in einer Art Automatismus befindet- tief verwurzelt im System des Kapitalismus. Ein festgestellter fortwährender Automatismus der Stagnation soll dann Hinweise für repräsentative Veränderungen und die Zukunft von "Politik braucht Frauen" bringen- eine Art Ausblick zum Abschluss dieser Ausarbeitung, welcher direkt auf positive sozialkohäsive Änderungen abzielt.

2. Gleichberechtigung

Normen und Wertevorstellungen sind nach normenbasierten Theorien gesellschaftliche Konstruktionen. Hierzu zählen auch genderspezifische Rollenmuster, welche über Jahrhunderte hinweg manifestiert zu sein scheinen (Schulz & Blossfeld 2006, S. 23 ff.). Die Forderungen nach Gleichberechtigungen zwischen Mann und Frau sind hingegen deutlich "jünger" (zeitlich betrachtet)[1] als jene manifestierten Konstruktionen. Der Zeit um 1789 und der französischen Revolution ist Olympe de Gouge zuzurechnen, welche den Satz prägte: "Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne ebenbürtig in allen Rechten" (De Gouge 1989, S. 4).

Es sollte bis in das Jahr 1957 dauern, dass auf vehementem Drängen von Dr. E. Selbert die rechtliche Gleichstellung beider Geschlechter in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde. Genderwidrigkeiten, wie Stagnation in machtexekutiven "Männerwelten", ließen es nicht zu, dass diese Formulierung früher mit aufgenommen wurde.

"Frauen und Männer sind gleichberechtigt" findet sich heutzutage im Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes. Der zweite Satz des Artikels lautet: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."

Hier kommen Mentoringprogramme wie das Projekt "Politik braucht Frauen auf den Plan. Zu einem besseren Verständnis folgt eine reduzierte Kurzvorstellung des Projektes.

3. Politik braucht Frauen

Das Projekt "Politik braucht Frauen" ist vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung im Jahr 2010/11 initiiert worden.

Hintergrund des Programmstartes war die Absicht zur gezielten Förderung von Frauen, welche sich lokalpolitisch engagieren wollten. Angelegt und fest finanziert ist das Programm für jeweils 1 Kalenderjahr, in dem Kreis- und Gemeindepolitikerinnen, welche als Mentorinnen agieren, eine bürgerliche Mentee sich bei der täglichen politischen Arbeit begleiten lassen. Der Austausch und die Reflexion der so genannten Tandems erfolgt ständig und ein gemeinsames Lernen und Profitieren voneinander ist Ansporn beider Seiten an dem Projekt zu partizipieren (o.A. 2015: niedersächsisches Mentoringprogramm zur Kommunalwahl 2016). Im niedersächsischen Landtag beträgt die Anteil der Frauen aktuell 29,8 %. Der Autor dieser Ausarbeitung geht von der Prämisse aus, dass Gleichberechtigung bei einem 50% Anteil beginnt.

4. Bedeutung des Projektes- mainstream statt malestream

Das Programm "Politik braucht Frauen" zielt auch auf die Dekonstruktion alter männerdominierter Strukturen ab, zu welcher die politische Welt gehört. Kletzing und Lukoschat kamen 2010 in einer Untersuchung zum Ergebnis, dass die Malestreamkultur (Sauer zitiert nach O`Brien 2001, S. 83 ) in der Politik von 57 % der befragten Politikerinnen abgelehnt wurde. Hierzu gehörten aggressiver Ton, Polemiken, Endlosreden und Grabenkämpfe (Oestreich, H. o.J. S.15).

Der bereits genannte Anteil an Frauen im Landtag deutet darauf hin, dass die männliche Fraktion nach wie vor stark in der Übermacht ist. Dieser malestream, ist aber auf multiplen Ebenen problematisch, denn Art. 3 Abs. 2 GG, hat absolut Gültigkeit. Es bleibt also die Frage, wie sich die "strukturelle Diskriminierung" (Leicht-Scholten, C. 1997, S. 45) bearbeiten lässt. Ein Problem des malestreams ist das Problem der Erfassung, die männliche Dominanz, die stagnativen Strukturen und die Diskrepanz (ebd.) lassen sich kaum direkt erforschen, da es sich häufig um manifestierte Meinungen und Handlungsabläufe handelt, welche sozialisiert wurden- und daher von vielen Teilen als normal angesehen werden. Das Problem ist derart abstrakt und dennoch tief verwurzelt, dass Autoren sogar nach einer Diskriminierung in beide Richtungen sprechen, wenn sie über die Gleichstellungsverpflichtung schreiben (Pfarr, H.M.:1988 S. 73). Das geht bis in Überlegungen einer "umgekehrten Diskriminierung"(Leicht-Scholten, C.:1997, S.37), welche durch die Quotendurchsetzung angedacht werden könnte, denn Regelungen sind Verpflichtungen welche nicht immer reibungslos vonstattengehen. Der Aussage von Beck der „Verbalen Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ (Gesterkamp, T.: 2008, o.S.), was die Bearbeitung stagnativer Strukturen betrifft, kann Aktualität attestiert werden, obwohl der Satz von Beck fast 30 Jahre alt ist. Als Autor dieser Ausarbeitung würde ich gerne auf eine andere Ebene eingehen, da ich den Eindruck gewonnen habe, dass Genderfragen in ein höheres und abstrakteres- im Sinne von schwer messbares- Problemsystem eingebettet sind.

[...]


[1] Anmerkung des Autors T. Hempel

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Strukturen der Stagnation im Machtvollzug gegen Frauenförderung und das Projekt "Politik braucht Frauen"
Hochschule
Hochschule Emden/Leer
Veranstaltung
Problemlagen und Handlungsansätze zur Förderung Sozialer Kohäsion
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V316401
ISBN (eBook)
9783668157798
ISBN (Buch)
9783668157804
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault, Bourdieu, Gender, Mentoring, Ehrenamt
Arbeit zitieren
Tobi Hempel (Autor), 2015, Strukturen der Stagnation im Machtvollzug gegen Frauenförderung und das Projekt "Politik braucht Frauen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316401

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