Altersdifferenzierungen in der heutigen Gesellschaft. Die "jungen Alten" und ihre Bedeutung für die Wirtschaft


Seminararbeit, 2015
31 Seiten, Note: 1,3
Lena Paluszkiewicz (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bevölkerungsentwicklung
2.1. Altersstruktur in Deutschland
2.2. Deutschland wird immer älter

3. Das Alter - Differenzierung
3.1. Alter und Altern
3.2. Differenzierung des „Alters“ in der heutigen Gesellschaft

4. Die „jungen Alten“
4.1. Junge Alte - Abgrenzung
4.2. Fremdbild vs. Selbstbild

5. Die Macht der „jungen Alten“

6. Potenziale der „jungen Alten“

7. Die Bedeutung des Alters für die Wirtschaft
7.1. Konsumverhalten
7.2. Boom-Branchen
7.2.1. Gesundheitswesen
7.2.2. Tourismus und Reiseveranstalter
7.2.3. Freizeitgestaltung
7.2.4. Einrichtungshäuser

8. Die „jungen Alten“ als Zielgruppe für das Marketing
8.1. Die richtige Ansprache
8.2. Heterogene Zielgruppe
8.2.1. Die „Preisbewussten Häuslichen“
8.2.2. Die „Qualitätsbewussten Etablierten“
8.2.3. Die „Anspruchsvollen Genießer“
8.2.4. Die „Kritischen Aktiven“
8.2.5. Die „Komfortorientierten Individualisten“
8.3. Beispiele: Kampagne 50plus

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Altersstruktur der deutschen Bevölkerung zum 31.12.2013

Abbildung 2 Bevölkerungsbestände (in Tausend) in Deutschland in den Jahren 2009 und 2030 Verschiebung der Altersgruppe „Generation Babyboomer“

Abbildung 3 Dove Kampagne "Wahre Schönheit kennt kein Alter"

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Gesellschaft und deren Altersstruktur werden immer bedeutender. Die steigende Lebenserwartung sowie die rückläufige Geburtenrate führen zu einer Altersverschiebung in Deutschland. Besonders zu beobachten sind die Folgen der alternden Gesellschaft bei der Generation Babyboomer, die der heutigen Generation 50plus entspricht. Doch nicht nur die Herausforderungen, die für Renten- und Pflegekassen mit dem Älterwerden der Gesellschaft und besonders dieser Altersgruppe entstehen, sind erwähnenswert. Der demografische Wandel bietet zahlreiche Chancen für Wirtschaft, Gesellschaft und den älteren Menschen an sich. Während das Alter oft in einem negativen Kontext verstanden wird, ist heute zunehmend die Rede von der Verjüngung bzw. der Aktivierung des Alters. Die Alten werden immer jünger und aktiver. Und dies für einen zunehmend längeren Zeitraum. „Grey is beautiful“.1

Die vorliegende Seminararbeit erläutert das neue Verständnis sowie die Differenzierung des Alters in der heutigen Zeit. Welche Bedeutung haben „junge Alte“ für die Wirtschaft und welche Potenziale entstehen für die Gesellschaft? Welche Rolle nehmen die „jungen Alten“ als Verbraucher ein? Welche Branchen können von Best Agern profitieren und welche Auswirkungen haben Kunden 50plus auf das Marketing zahlreicher Unternehmen?

2. Bevölkerungsentwicklung

2.1. Altersstruktur in Deutschland

Während 1871 über 40% der deutschen Bevölkerung das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, sind heute nur knapp 20% dieser Altersgruppe zuzuordnen. Deutschland wird immer älter .2 Die Auswertung „Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland zum 31. Dezember 2013“ des Statistischen Bundesamtes veranschaulicht die aktuellen Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Altersverteilung der deutschen Bevölkerung (Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Altersstruktur der deutschen Bevölkerung zum 31.12.2013

Quelle: Eigene Darstellung nach Statista (2015a), Online-Dokument

Auf Grund der steigenden Lebenserwartung und der sinkenden Geburtenzahl steigt das Durchschnittalter der Deutschen stetig an.3 Im Jahr 2013 ist Deutschland mit durchschnittlich 45,3 Jahren das älteste Land der Europäischen Union.4 In Abbildung 1 sticht die Generation der Babyboomer (Geburtenjahrgänge der Nachkriegszeit bis ca. 1965) besonders hervor.

2.2. Deutschland wird immer älter

Wie in Abbildung 1 deutlich dargestellt, ist der größte Anteil der deutschen Bevölkerung im Jahr 2013 49 Jahre alt. Die nächst größeren Altersgruppen befinden sich im Alter von 41 bis 63 Jahren. Ausgehend von den im Jahre 2013 ermittelten Daten ist der Großteil der deutschen Bevölkerung im Jahre 2020 bereits 56 Jahre alt. Ebenso steigt das Alter der 41 bis 63-Jährigen auf 48 bzw. 70 Jahre an. Laut dem Bundesministerium des Innern ist im Jahre 2060 rund ein Drittel der deutschen Bürger 65 Jahre alt. Eine besondere Zunahme wird es in der Altersklasse 80 und älter geben.5

Aufgrund der sinkenden Geburtenrate in den vergangenen Jahren ist eine Beschleunigung der demographischen Alterung festzustellen. Francois Höpfinger misst besonders der Altersverschiebung der Generation Babyboomer eine große Bedeutung bei. Das Altern dieser Generation gliedert er in drei Phasen. Zunächst ist eine rasante Alterung der Erwerbstätigen zu erwarten.6 Insgesamt sind im März 2015 rund 42,49 Mio. Menschen in Deutschland erwerbstätig.7 Ein Großteil davon ist der Generation Babyboomer zugehörig. Viele dieser Altersgruppe werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand wechseln. Zu erwarten ist damit ein Rückgang der Erwerbstätigenquote bis zum Jahr 2030 um rund sechs Millionen.8 Die zweite Phase der rasanten Auswirkung des demographischen Wandels ist direkt mit dem Eintritt in das Rentenalter der Babyboomer-Generation verbunden. Eine starke Zunahme der sich im Ruhestand befindenden Bevölkerung erfordert beispielsweise eine Angleichung der Rentensysteme.9 Sobald diese Generation in die Altersklasse der Hochbetagten einzuordnen ist, beginnt die dritte und letzte Phase des beschleunigten demografischen Wandels. Die längere Lebenserwartung der einzelnen Bürger ist unter anderem auf eine längere Phase der Gesundheit bei qualitativ hochwertiger Versorgung zurückzuführen. Doch auch ein Teil der Generation Babyboomer wird ab einer bestimmten Lebensphase von der Pflegebedürftigkeit betroffen sein. Dies wird vor allem zu einer großen Herausforderung für die Pflegekassen werden.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Bevölkerungsbestände (in Tausend) in Deutschland in den Jahren 2009 und 2030 Verschiebung der Altersgruppe „Generation Babyboomer“

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2010), S. 7!

Abbildung 2 veranschaulicht die Altersverschiebung der Babyboomer-Generation und lässt die damit einhergehenden Herausforderungen für Renten- sowie Pflegekassen nur erahnen.

3. Das Alter - Differenzierung

3.1. Alter und Altern

Der Duden beschreibt drei Bedeutungen des Begriffes „Alter“. Zunächst ist darunter eine „[hohe] Anzahl von Lebensjahren“11, der letzte Abschnitt des Lebens bzw. ein langer Existenzzeitraum zu verstehen. Die zweite Bedeutung des Begriffes umfasst die gesamte Zeit des Daseins einer Person (Lebenszeit) und zielt damit nicht nur auf die letzte Phase des Lebens ab. Die dritte und letzte Bedeutung des Wortes „Alter“ beschreibt den alten Menschen.12 Zunehmend erschwert ist jedoch die Einstufung eines Menschen in die Kategorie „alt“. Dies ist hauptsächlich mit der steigenden Lebenserwartung zu begründen.13 Die Soziologie beschreibt das Alter als die Phase nach dem Erwerbsleben.14 Darüberhinaus ist das Alter eine der wichtigsten Kategorien unserer Gesellschaft. Beispielsweise wird anhand des Alters die Volljährigkeit oder das Mindestalter für die Wahl zum Bundespräsidenten bestimmt.15

Das Altern beschreibt den Prozess des Älterwerdens bzw. des Altwerdens. Altern ist ein lebenslanger Prozess, der mit der Geburt bzw. schon mit der Befruchtung der Eizelle beginnt. Neben zahlreichen positiven Erfahrungen wird dieser Prozess von einigen belastenden und erfolglosen Erlebnissen begleitet. Vor allem im fortgeschrittenen Alter muss mit verschiedenen Veränderungen umgegangen werden.16 Diese Veränderungen sind zum einen abhängig von Verhaltensweisen (z.B. Sport / gesunde Ernährung) und der Arbeitsbelastung aus früheren Jahren17, zum anderen sind körperliche Veränderungen biologischer Natur zu nennen. Biologen erklären das Altern mit verschiedenen Abbauprozessen. Beispielsweise steigt die Wahrscheinlichkeit zu versterben mit dem Abbau der Funktionsfähigkeit. Eine klare Definition des Alterns ist aus biologischer Sicht kaum möglich, da sich Zeitpunkte für den Beginn einzelner Abbauprozesse nicht vorweg bestimmen lassen. Die Forschung der Gerontologie zielt darauf ab, den Abbau und den Verlust von Funktionsfähigkeit zu verstehen und diesen zumindest zu verringern. Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaftler sehen im Prozess des Altwerdens jedoch nicht nur den Abbau körperlicher Funktionsfähigkeiten. Sie betrachten neben den negativen Aspekten des Altwerdens auch die positiven Seiten dieses Prozesses.18

3.2. Differenzierung des „Alters“ in der heutigen Gesellschaft

Vor allem die sozialpolitischen sowie die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch die Zunahme der Anzahl an älteren Menschen entstehen, führen zu einem negativen Altersbild.19 Kranken- sowie Rentenkassen sind im Rahmen der alternden Gesellschaft dazu aufgefordert, die steigenden Ausgaben über Beitragszahlungen Jüngerer zu kompensieren. Darüberhinaus wird mit negativen Auswirkungen auf die Ökonomie sowie mit einer abnehmenden Innovationsfähigkeit gerechnet. Um die hohe Anzahl älterer Menschen in Deutschland zum Ausdruck zu bringen, werden häufig Bezeichnungen wie Altenrepublik, Altenlast und Überalterung gebraucht.20 Herausforderungen, welchen alte Menschen zunehmend gegenübergestellt sind, sind Altersarmut, Hilflosigkeit, Vergreisung, Krankheit und der Verlust von Angehörigen. Doch das Alter hat ein zweites Gesicht. Die steigende Lebenserwartung sowie der strukturelle Wandel des Alters haben zu einer ausgeprägteren Differenzierung des dritten und vierten Lebensalters geführt. Vor allen Dingen wird zwischen den sogenannten „jungen Alten“ und den „alten Alten“ unterschieden.21 Während früher das Rentenalter als letzter kurzer Lebensabschnitt erachtet wird, macht dieser heute fast ein Drittel der durchschnittlich erwarteten Lebenszeit aus. Dies führt dazu, dass alte Menschen nicht ausschließlich älter werden, sondern eine Verjüngung des Alters festzustellen ist.22 Ob die durch den Anstieg der Lebenserwartung gewonnene Zeit zunehmend in Gesundheit oder in Krankheit verbracht wird, ist umstritten. Ebenso herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Gesundheitsausgaben aufgrund der längeren Lebensphase im letzten Drittel des Daseins ansteigen werden. Die Kompressionsthese besagt, dass die gewonnene Lebenszeit zunehmend in Gesundheit verbracht wird. Gesundheitsleistungen sollen erst gegen Ende des Lebens oder ein bis zwei Jahre vor dem Tod vermehrt in Anspruch genommen werden.23 Die dem bisherigen Altersbild zugehörigen Risiken treten somit erst bei den Hochbetagten (80. bis 85. Lebensjahr) in Erscheinung.24 Demgegenüber steht die sogenannte Medikalisierungsthese, die davon ausgeht, dass mit steigendem Alter die Gesundheitsausgaben wachsen werden. Dieses Ausgabenwachstum lässt sich anhand der steigenden Lebenserwartung erklären, da die gewonnen Jahre zunehmend in Krankheit verbracht werden und somit auch die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigen wird.25 Durch die Aktivierung und Verjüngung des Alters bekräftigt das zunehmend positive Altersbild die Kompressionsthese. Belegt wird diese Annahme durch die Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen, welche unter anderem bestätigt, dass ältere Mitarbeiter länger aktiv und gesund sind und die Krankheitsphase erst in den späten Jahren eintritt.26

4. Die „jungen Alten“

Wie in Punkt 3.2. kurz erwähnt, hat sich eine neue Sozialfigur in unserer Gesellschaft herausgebildet. Die „jungen Alten“.

4.1. Junge Alte - Abgrenzung

Eine genaue Altersabgrenzung der sogenannten „jungen Alten“ ist in der Literatur schwer aufzufinden. In dieser Arbeit wird vor allem auf die Generation Babyboomer, welche gegenwärtig den „jungen Alten“ entspricht, eingegangen. Auch Prof. Dieter Otten, der das Buch „Die 50+ Studie - Wie die jungen Alten die Gesellschaft revolutionieren“ verfasst hat, ordnet die 50 bis 70-Jährigen den „jungen Alten“ zu.27 Im Vergleich zu Gleichaltrigen vor noch ein bis zwei Jahrzehnten stehen die „jungen Alten“ heute für Aktivität, ein Leben in langer Gesundheit, finanzielle Absicherung, hohe Qualifikationen sowie ein hohes Bildungsniveau.28 „Junge Alte“ sind sportlich aktiv, haben zahlreiche Hobbys und sind politisch sowie kulturell interessierter, als die Altersgruppe 50plus vor 20 Jahren.29 Zudem sind Menschen in den besten Jahren sehr konsumfreudig, aber auch anspruchsvoll, qualitätsbewusst und kritisch.30 Aufgrund des wachsenden Bevölkerungsanteils gewinnen „junge Alte“ für die Wirtschaft zunehmend an Bedeutung (siehe Punkt 6).31 Häufige Bezeichnung die in der Literatur und in den Medien für die Altersgruppe der „jungen Alten“ Anwendung finden, sind unter anderem Best Ager, Generation 50+, Silver Ager, Third Ager, Mid Ager und Mature Consumer.32

4.2. Fremdbild vs. Selbstbild

Wie bereits in Punkt 3.2. erwähnt, besteht neben einem zunehmend positiven Altersbild ein negatives Bild des Älterwerdens in der Gesellschaft. Alte Menschen werden oft als einsam, hilflos, schwach und unproduktiv wahrgenommen. Einzig die Biografie und die Erfahrungen, die im Laufe des Lebens gesammelt werden, werden als positives Merkmal des Alters verzeichnet.33

Die heutigen „jungen Alten“ erleben dagegen einen regelrechten Wandel. Sie sind vitaler, vielfältiger, anspruchsvoller, selbstbewusster und genießen das Leben.34 Sie selbst sehen sich nicht länger als eine Randgruppe, vielmehr sehen sie sich als Kern der Gesellschaft.35 Auch das Aussehen ist für Menschen über 50 Jahren von hoher Bedeutung. Umfragen zum Thema Aussehen und Alter ergeben, dass sich ein Großteil der „jungen Alten“ um einiges jünger empfindet, als er tatsächlich ist. Eine Studie mit 533 Befragten kommt zu dem Ergebnis, dass sich 43,7% der über 50-Jährigen aufgrund ihres Äußeren rund fünf Jahre und weitere 40,5% etwa zehn Jahre jünger einschätzen würden, als sie tatsächlich sind. Zu einer weiteren Abweichung des kalendarischen Alters kommt es, wenn die „jungen Alten“ ihr gefühltes Alter zum Ausdruck bringen. Von 611 Befragten fühlen sich knapp 50% zehn Jahre, 16% rund 15 Jahre und weitere 16% bis zu 20 Jahren jünger, als das biologische Alter vorgibt. Gerade einmal 14% der Befragten fühlen sich so alt wie sie tatsächlich sind.36

Ausnahmen bestätigen die Regel. „Grey is beautiful“ - mit diesen Worten möchte Wolfgang Joop (70 Jahre alt) auf die Schönheit des Alters hinweisen. Weiße Schläfen und graue Haare seien längst keine Makel mehr.37 Fraglich ist jedoch, ob ein Mann im besten Alter, der Falten und graue Haare durch den Einsatz von Botox und Haarfärbemitteln bekämpft, eine solche Aussage treffen kann und wie glaubwürdig sie empfunden werden kann.38

5. Die Macht der „jungen Alten“

Etwa 40% der deutschen Bevölkerung gehören im Jahr 2009 der Generation 50plus an. Bis zum Jahr 2050 wird ein Bevölkerungsanstieg dieser Altersgruppe auf bis zu 53% erwartet.39 Aufgrund dieses starken Zuwachses wird zunehmend die Macht der „jungen Alten“ diskutiert. Neben den in Punkt 5 und 6 erläuterten Potenzialen für Wirtschaft und Gesellschaft, hat die neue Bevölkerungsstruktur auch Auswirkungen auf die Politik. Die Generation Babyboomer hat den größten politischen Einfluss.40 Dies lässt sich unter anderem bei genauer Betrachtung des politischen Interesses der einzelnen Altersgruppen feststellen. Generell ist die Wahlbeteiligung der Deutschen sehr hoch. Sie unterscheidet sich jedoch stark zwischen den einzelnen Altersklassen. Während die politische Beteiligung der „jungen Alten“ sehr hoch ist, lässt das politische Interesse der jüngeren Generationen zu wünschen übrig. 80% der 60-70 Jährigen gehen im Jahr 2009 zur Wahl. Dagegen beteiligen sich nur 53,1% der 21-25 Jährigen an den Bundestagswahlen.41 Im Jahr 2013 stellen die Best Ager rund ein Drittel aller Wahlberechtigten. Auch die Wahlbeteiligung dieser Altersgruppe ist höher als erwartet. Nur knapp ein Sechstel aller Wahlberechtigten sind 30 Jahre alt und jünger. Wie im Jahr 2009 ist auch im Jahr 2013 die Wahlbeteiligung der jüngeren Generationen geringer als die der „jungen Alten“. Anhand der Wahlbeteiligung und dem damit verbundenen politischen Interesse sowie an der Bevölkerungsstruktur zeigt sich, dass die Generation 50plus den größten Einfluss auf den Wahlausgang haben.42

6. Potenziale der „jungen Alten“

Der fünfte Altenbericht „Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geht unter anderem auf die Potenziale älterer Menschen, und wie diese für die Gesellschaft genutzt werden können, ein. Eine große Rolle für die Nutzung dieser Potenziale spielt das Altersbild. Negative Assoziationen zu älteren Menschen erschweren die Nutzung der vorhandenen Leistungsfähigkeit. Stärken sowie Ressourcen Älterer müssen von Betrieben und Unternehmen erkannt und wertgeschätzt werden.43 Aufgrund des demografischen Wandels ist der Arbeitsmarkt zukünftig mit einem wachsenden Mangel an jungen qualifizierten Arbeitskräften konfrontiert. Dieser Mangel muss durch die alternde Belegschaft kompensiert werden.44 Potenziale, die für die Gesellschaft und die Wirtschaft von besonderer Bedeutung sind, sind Kompetenzen, Erfahrungen sowie das Wissen Älterer. Eine Aktivierung erwerbsloser Arbeitsnehmer im besten Alter würde sich, aufgrund der bisher nicht genutzten Potenziale, positiv auf die Produktivität vieler Einrichtungen sowie das Bruttoinlandsprodukt auswirken.45 Die Gesellschaft hat größtenteils erkannt, dass „junge Alte“ nicht diejenigen sind, die das Arbeitsleben in naher Zukunft verlassen werden, die aus gesundheitlichen Gründen häufig arbeitsunfähig sind, die Veränderungen abweisen oder ihren Leistungshöhepunkt bereits hinter sich haben. Viel mehr sind sie diejenigen, die als Mentor und Wissensvermittler die jüngeren Generationen auf das Arbeitsleben vorbereiten oder diejenigen, die aufgrund ihrer Erfahrung und Reife bei großen unternehmerischen Entscheidungen ein gewisses Beurteilungsvermögen vorweisen.46 Besondere Produktivität tritt in sogenannten altersgemischten Teams in Erscheinung. Auf diese Weise werden Vorzüge älterer und jüngerer Arbeitnehmer kombiniert. Im Vergleich zu früheren Generationen weisen die heutigen „jungen Alten“ ein sehr hohes Qualifikations- sowie Bildungsniveau vor. Teilnahmen an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, sowie ein ausgeprägteres Interesse an verschiedensten Themenstellungen sind nur einige Gründe hierfür.47 Neben den Beiträgen, die die Generation 50plus für die Gesellschaft im Rahmen der Erwerbstätigkeit und der Bildung liefert, sind „junge Alte“ im Bereich

[...]


1 Reidl, A. (2006), S. 397 (Zitat Wolfgang Joop)

2 vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2013), S. 12

3 vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2013), S. 6

4 vgl. Statista (2015b), Online-Dokument

5 vgl. Bundesministerium des Innern (2015), Online-Dokument, vgl. Anhang I

6 vgl. Höpfinger, F. (2015), S. 1

7 vgl. Statistisches Bundesamt (2015), Online-Dokument!

8 vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2010), S. I

9 vgl. Höpfinger, F. (2015), S. 2!

10 vgl. Höpfinger, F. (2015), S. 2

11 Duden (2013), Online-Dokument, vgl. Anhang II

12 vgl. Duden (2013), Online-Dokument, vgl. Anhang II

13 vgl. Bertelsmann Stiftung (o.J.), Online-Dokument, vgl. Anhang III

14 vgl. Backes, G. (2006), S. 215

15 vgl. Wahl, H./Heyl, V. (2015), S. 13f

16 vgl. Wahl, H/Heyl, V. (2015), S. 15!

17 vgl. Seyfried, B. (2011), S. 9

18 vgl. Baltes, P. (1994), S. 10

19 vgl. Wahl, H./Heyl, V. (2015), S. 12!

20 vgl. Dyk, S./Lessenich, S. (2009), S. 11

21 vgl. Höpfinger, F. (2014), S. 6, Online-Dokument!

22 vgl. Dyk, S./Lessenich, S. (2009), S. 11!

23 vgl. Breyer F. (2004), S. 83!

24 vgl. Höpfinger, F. (2014), S.6, Online-Dokument

25 vgl. Breyer F. (2004), S. 83

26 vgl. Kroll, L./Ziese, T. (2009), S. 10

27 vgl. Otten, D. (2009), S. 17

28 vgl. Dyk, S./Lessenich, S. (2009), S. 11

29 vgl. Reidl, A. (2006), S. 397

30 vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie/Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (2010a), S. 3

31 vgl. Reidl, A. (2006), S. 397

32 vgl. Pompe H. (2012), S. 19

33 vgl. Wahl, H, Heyl, V. (2015), S. 16

34 vgl. Hansen, M. (2006), S. 111

35 vgl. Michael, B. (2006/2007), S. 90

36 vgl. Hunke, R/Gerstner, G. (2006), S. 238f

37 vgl. Reidl, A. (2006), S. 397

38 vgl. Mindlands Solutions (2015), Online-Dokument, vgl. Anhang IV

39 vgl. procontra (2009), S. 46

40 vgl. Voelpel, S. u.a. (2007), S. 61

41 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2009), Online-Dokument, vgl. Anhang V

42 vgl. Deutscher Bundestag (2013), Online-Dokument, vgl. Anhang VI!

43 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend (2005), S.34

44 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend (2005), S.38!

45 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011), S. 7

46 vgl. Hertel, J./Urval, M. (2012), S. 257f

47 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend (2005), S. 454f

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Altersdifferenzierungen in der heutigen Gesellschaft. Die "jungen Alten" und ihre Bedeutung für die Wirtschaft
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm  (Gesundheitsmanagement)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
31
Katalognummer
V316915
ISBN (eBook)
9783668172395
ISBN (Buch)
9783668172401
Dateigröße
1293 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerontologie, Demographie, Wirtschaft, Alter, Rente
Arbeit zitieren
Lena Paluszkiewicz (Autor), 2015, Altersdifferenzierungen in der heutigen Gesellschaft. Die "jungen Alten" und ihre Bedeutung für die Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316915

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