Kulturübergreifende Forschung. Auf der Suche nach Universalien der Musik


Referat (Ausarbeitung), 2014

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Begriffsdefinitionen ... 2
2.1 Definition des Begriffs "Universalie" ... 2
2.2 Definition des Begriffs "Musik" ... 3

3. Allgemeine Überlegungen zu Universalien in der Musik ... 4
3.1 Anatomie und Physiologie ... 4
3.2 Musik und Kognition ... 4
3.3 Musik und Kultur ... 5
3.4 Musik: Die Sprache der Gefühle ... 6
3.5 Musik und Sprache ... 6

4. Ausgewählte Universalien in der Musik in Bezug auf Tonskalen ... 7

5. Säuglingsforschung ... 8

6. Möglichkeiten der Einteilung von Universalien in der Musik ... 9

7. Ausblick … 10

1. Einleitung

Wenn man sich mit musikalischen Universalien beschäftigt, dann merkt man sehr schnell, dass sich hier ein Universum an unterschiedlichsten Fragestellungen auftut und auch andere musikwissenschaftlich viel diskutierte Bereiche in enger Verknüpfung zu diesem Thema stehen, so z.B. die Frage nach dem Ursprung von Musik, ihrem Sinn für den Menschen (etwa nur zum Vergnügen des Menschen (vgl."auditory-cheesecake theory")) oder auch nach dem Zusammenhang von Musik und Sprache. Letzteres spiegelt sich in dem berühmten Zitat von Henry Wadsworth: "Music is the universal language of mankind". Der Wunsch, Musik als die "universelle Sprache der Welt" zu verstehen, die Brücken schaffen kann, wo man mit Sprache nicht mehr weiter zu kommen scheint, ist nach wie vor groß.

Die Suche nach Universalien, die kulturunabhängig sind und damit alle menschlichen Musikkulturen auf dieser Welt zu verbinden vermögen, ist bei der Vielzahl von Musikkulturen, die auf der Welt existieren, keine leichte, und auch die Planung von einem Versuch, der möglichst allgemeine, also universell geltende Resultate bringen soll, stellt große Herausforderungen an die Versuchsleiter. Die Säuglingsforschung bietet hier eine Alternative, wobei sich hier wiederum andere Schwierigkeiten bei der Umsetzung ergeben können.

Für mich persönlich ist es immer wieder faszinierend, dass ein Säugling mit dem Potential zur Welt kommt, sich in jeder Sprache, in jeder Kultur und damit natürlich auch in jeder musikalischen Kultur, zurechtzufinden, in sie hineinzuwachsen und seinen Platz zu finden. So kann ich mir gut vorstellen, dass die Annahme sich bestätigen wird, dass " [t]he cognitive capacity for music-making must be no less than the combination of all the world's musical grammars put together and then some, although this need not imply that all musical styles are equally accessible at the cognitive level(...).": So besitze der Mensch "die Kompetenz für alle erdenklichen Formen und Inhalte von Musik, die es gibt oder jemals gegeben hat, aber seine Performance wird durch die jeweilige Kultur bestimmt, in der er aufwächst"12.

Hier eröffnet sich ein Bereich, den zu betrachten sich sehr lohnt: kognitive Musikverarbeitungs­prozesse. Die Erkenntnisse, die man in diesem wichtigen Bereich macht, können nicht nur beim Aufspüren von Universalien helfen, sondern aufzeigen, nach welchen Prinzipien das menschliche Gehirn arbeitet, wie es lernt, organisiert, strukturiert und speichert und wo seine Grenzen liegen.

Gegenwärtig ist es bestimmt auch lohnenswert, das Thema "Universalien" in Bezug auf musikalische Globalisierungsprozesse zu beleuchten. Dies kann im Rahmen dieser Ausarbeitung nur andeutungsweise angeführt werden. Wie können wir mit Sicherheit sagen, dass es sich bei einer vermeindlichen Universalie wirklich um eine Universalie handelt und nicht etwa um Angleichungsprozesse ? Wäre dem so, könne man nicht ohne Weiteres von Universalien sprechen. So ist es bei der Suche nach Universalien elementar, auch deren Ursprünge zu vergleichen. Der musikalische Entstehungsprozess ist heute mehr denn je international verflochten. Der kulturelle Austausch und die damit einhergehende Vermischung der Musikkulturen war wohl noch nie so stark und so schnell voranschreitend wie in der heutigen Zeit. Im digitalen Zeitalter wirkt die Welt klein. Manches geht dadurch verloren, Manches entsteht völlig neu, Anderes vermischt sich. Musik ist lebendig und ihre Gestalt in ständiger Bewegung. Dieser Austausch birgt Gefahren des Verlustes und der Verfälschung, er kann aber genauso gut auch gewinnbringend sein. In Bezug auf unser Thema ist es deshalb umso wichtiger, dass Experimente durchgeführt, dass das Thema Universalien der Musik intensiv studiert und analysiert wird, damit signifikante Ergebnisse eine Basis für kommende Forschungen in der globalisierten Welt bilden können. An dieser Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die "Suche nach Universalien der Musik" ein laufender Prozess ist, bei dem zur Findung von gesicherten Ergebnissen noch viele Untersuchungen ausstehen.

Zum Aufbau

In dieser Ausarbeitung meines am 27.10.2014 gehaltenen Referats werde ich zunächst die Begriffe "Universalie" und "Musik" definieren, um dann im Folgenden einige ausgewählte Universalien vorzustellen. Daraufhin beschreibe ich verschiedene Möglichkeiten, Universalien zu strukturieren und zu unterteilen und gebe einen Ausblick.

2. Begriffsdefinitionen

2.1 Definition des Begriffs "Universalie"

Das Wort "Universalie" leitet sich aus dem spätlateinischen Wort "universalis", in deutscher Übersetzung "zur Gesamtheit gehörend"3 ab.

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht werden Universalien als "Eigenschaften" definiert, die "allen natürlichen Sprachen gemeinsam sind oder für allen Sprachen gemeinsam gehalten werden."4 Im Zusammenhang mit Sprache bilden Universalien wichtige Voraussetzungen für die zwischenmenschliche Kommunikation und das Erlernen fremder Sprachen. Auf Musikwahrnehmung und -verarbeitung bezogen werden "Universalien" als kulturunabhängige Elemente und Attribute definiert, die angeboren sind und damit also eine gemeinsame biologische Basis bilden. In der Fachsprache werden sie auch als ' ' cross cultural universals ' ' , also als interkulturelle Universalien bezeichnet.5 Oft wird von echten oder absolut geltenden Universalien in Abgrenzung zu " Quasi- oder Nahezu " -Universalien gesprochen. Hier versucht man dem Problem entgegenzuwirken, dass sich für fast jede als "absolut gelten wollende " Universalie Gegenbeispiele finden lassen. Wie kann mit diesen Gegenbeispielen, die Ausnahmen innerhalb einer Universalie bilden, umgegangen werden ? Rolf Oerter schlägt folgende Vorgehensweise bei diesem Problem vor: Die Existenz von Ausnahmen könne bedeuten, dass es keine Universalien in der Musik gebe (mit Ausnahme sehr genereller formaler Merkmale, wie sie Nettl, 2000, formuliert hat)6. Diese Ansicht vertreten meist eher Ethnomusikologen. Musikpsychologen dagegen tendieren eher zu der Annahme, dass es sich bei solchen Ausnahmen um deviante (abweichende) Musikkulturen handele, die sich infolge besonderer Umstände weg von universellen Merkmalen entwickelt haben, d.h. Ausnahmen bilden, die die Regel bestätigen "7.

2.2 Definition des Begriffs Musik

Alle sich im Umlauf befindenden Definitionen von Musik, es gibt sehr viele, haben folgende Gemeinsamkeiten: Musik ist " primär hörbar (...), im Gegensatz zum Naturlaut vom Menschen absichtsvoll und nach gewissen Gesetzen gestaltet(,) (...) hat als bewusst gestaltetes akustisches Phänomen im Gegensatz zur Sprache meist keine eindeutig zeichenhafte Bedeutung und (...) ist vielfach eine kommunikative Aktion im weitesten Sinn. "8 Nach Rolf Oerter ist Musik ihrem Wesen nach ein ideeller Gegenstand, der als Struktur zeitlich geordneter Ton- und Klangfolgen konzipiert werde.9

Ergänzend und im Sinne Bruno Nettls kann Musik als " übergeordnete Bezeichnung für akustische Ausdrucks- und Kommunikationssysteme des Menschen außerhalb des Bereichs der gesprochenen Sprache "10 definiert werden. Die Bezeichnung " System " soll dabei als Grenze zu kommunikativen bzw. Signalcharakter besitzenden Schalläußerungen (einfache Tierlockrufe, Autohupe, Fabriksirene etc.) gesehen werden.11

Die genaue Definition des Begriff Musik ist sehr wichtig, muss doch sicher gestellt sein, dass es sich bei Vergleichen zwischen unterschiedlichen Musik-Kulturen auch wirklich um deren Musik handelt. Hierzu ein Beispiel: "Musik und Sprache überlappen sich im subsaharanischen Afrika viel stärker als im westlich-abendländischen Kulturkreis. So sind z.B. Tonhöhe und Rhythmus dort auch für Sprache erstrangiges Gestaltungskriterium. Die Sprachmelodie hat also im Gegensatz zu unseren Sprachen semantische Bedeutung, und umgekehrt folgen gesungene Melodien dem Sprachduktus. So werden afrikanische Trommelsprachen von Kulturkundigen als Musik gedeutet, sind aber sprachliche Kommunikation und müssen wortwörtlich interpretiert werden".12

3. Allgemeine Überlegungen zu Universalien in der Musik

3.1. Anatomie und Physiologie

Evolutionäre Prozesse haben den Menschen im Laufe seiner Entwicklung zu einem musikalischen Menschen gemacht. So veränderten sich, um hier nur ein Beispiel zu nennen, u.a. die Gehörknöchelchen, deren Funktion sich von der Verstärkung der Kauwerkzeuge hin zur Verfeinerung des Gehörs entwickelte.13

Schall wird vom Menschen weltweit auf die gleiche Weise aufgenommen, weitergeleitet und verarbeitet. Natürlich ist die Interpretation des aufgenommenen Schalls wiederum kulturgebunden. Umgekehrt ist der Mensch überall auf der Welt durch sein Stimmorgan und durch "andere zur Schallerzeugung geeignete Körperorgane"14 im Laufe der Evolution dazu fähig geworden, selbst Schall zu erzeugen. Die starke Kulturabhängigkeit gilt natürlich auch hier (für Sprache genauso wie für die Musik). Gesungen wird in allen Musik-Kulturen und Singen gilt deshalb als Universalie.15

3.2 Musik und Kognition

Die Neurologie des Menschen funktioniert weltweit nach gleichen Prinzipien. Bei der Entschlüsselung dieser mentalen Prozesse steht die Forschung noch ziemlich am Anfang. Das Verstehen der kognitiven Verarbeitungsprozesse von Musik kann helfen, die allgemeine Arbeitsweise und Art der Organisation des menschlichen Gehirns aufzuschlüsseln. Eine wichtige Rolle bei der Enkodierung von Musik kommt den Gestaltgesetze zu. Es wurden u.a. das Gesetz der Nähe, des gemeinsamen Schicksals, der Kontinuität und der guten Gestalt experimentell in Bezug auf Musikverarbeitungsprozesse nachgewiesen.16 Darüber hinaus arbeitet das Gehirn nach bestimmten Mechanismen, stellvertretend sei hier der "chunking"-Mechanismus genannt, mit dem sich „die Ökonomie und Leistungsfähigkeit im Erwerb, in der Speicherung und im Abrufen von Informationen steigern " lassen.17


[…]

1 Brown, S. & Jordania, J., Universals in the world’s musics, S.234
2 Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.13
3 Brockhaus, Suchbegriff "Universalien Sprachwissenschaft"
4 ebda.
5 vgl. de la Motte Haber,
6 vgl.Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.12
7 ebda., S.12
8 Brockhaus, Suchbegriff " Musik "
9 vgl. Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.7
10 Fördermayr, F.: Universalien der Musik. In: Grundkurs Musikwissenschaft - 1.Teil: Was ist Musik?, S. 2
11 ebda., S.2
12 Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.12
13 vgl. Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.2
14 Fördermayr, F.: Universalien der Musik. In: Grundkurs Musikwissenschaft - 1.Teil: Was ist Musik?, S.6
15 ebda, S.7
16 vgl. Oerter, R.: Musik - Einheit und Vielfalt ihrer kulturellen Ausprägung. Eine kultur- und musikpsychologische Perspektive, S.10
17 Fördermayr, F.: Universalien der Musik. In: Grundkurs Musikwissenschaft - l.Teil: Was ist Musik?, S.6

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kulturübergreifende Forschung. Auf der Suche nach Universalien der Musik
Hochschule
Universität Hamburg  (musikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Ursprungstheorien und Funktionen von Musik im Kulturvergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V317044
ISBN (eBook)
9783668165533
ISBN (Buch)
9783668165540
Dateigröße
978 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Universalien, Musik, Sprache
Arbeit zitieren
Daja-Maria de Jong (Autor), 2014, Kulturübergreifende Forschung. Auf der Suche nach Universalien der Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317044

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