Ökologieorientierte Unternehmensführung. Chancen und Risiken des Produktrecycling in der Kreislaufwirtschaft


Masterarbeit, 2015

93 Seiten

Miriam Deissner (Autor)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABSTRAKT

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.2 AUFBAU UND METHODIK

2 DARSTELLUNG ÖKOLOGIEORIENTIERTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG
2.1 NACHHALTIGKEIT
2.1.1 Nachhaltiges Wirtschaften
2.1.2 Nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility (CSR)
2.1.3 Produktionsfaktorensystem und Nachhaltigkeit
2.2 DARSTELLUNG ÖKOLOGIEORIENTIERTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG
2.3 DARSTELLUNG SPANNUNGSFELD: ÖKOLOGIEORIENTIERUNG ALS UNTERNEHMERISCHE HERAUSFORDERUNG

3 DARSTELLUNG UND DISKUSSION ZUR STEUERUNG VON STOFFSTRÖMEN IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT
3.1 ABGRENZUNG DES STOFFSTROMMANAGEMENTS
3.2 METHODIK DES STOFFSTROMMANAGEMENTS
3.3 BEDINGUNGSRAHMEN FÜR DAS STOFFSTROMMANAGEMENT
3.3.1 Physikalische Rahmenbedingungen
3.3.2 Technologische Rahmenbedingungen
3.3.3 Einzel- und volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.3.4 Sozio-kulturelle Rahmenbedingungen
3.4 INSTRUMENTE DES STOFFSTROMMANAGEMENTS
3.4.1 Ordnungsrechtliche Instrumente
3.4.2 Informatorische und freiwillige Instrumente
3.4.3 Ökonomische Instrumente

4 UMSETZUNG DES STOFFSTROMMANAGEMENTS DURCH RECYCLING
4.1 RECYCLING UND RECYCLINGSYSTEME
4.1.1 Erscheinungsformen des Recycling
4.1.2 Abgrenzung Produktrecycling und Darstellung der Prozesskette des Produktrecycling
4.1.3 Systemcharakter von Recycling
4.2 PRODUKTRECYCLINGMANAGEMENT
4.2.1 Spezifische Problemstellungen des Produktrecycling
4.2.2 Recycling(-management) als Aufgabe der Unternehmensführung
4.2.2.1 Systemcharakter von Recyclingmanagement
4.2.2.2 Unternehmensführungsaufgabe Recycling

5 DARSTELLUNG UND DISKUSSION DER CHANCEN UND RISIKEN DES (PRODUKT-) RECYCLNG IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT
5.1 DIMENSION TECHNISCH-ÖKONOMISCHER ENTWICKLUNGSSTAD
5.2 DIMENSION PRODUKT
5.3 DIMENSION UNTERNEHMUNG
5.4 STRUKTURELLE MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DES PRODUKTRECYCLING

6 FAZIT UND AUSBLICK

ANLAGENVERZEICHNIS

LITERATURVERZEICHNIS

ABSTRAKT

Die vorliegende Masterarbeit beschäftigt sich mit der Analyse und theoretischen Diskussion kreislaufwirtschaftlicher Ansätze unter besonderer Berücksichtigung des Recyclings.

Der Fokus der wissenschaftlichen Arbeit liegt im Rahmen der theoretischen Diskussion der Kreislaufwirtschaft auf das Stoffstrommanagement. Das Stoffstrommanagement als übergrei- fender Steuerungsansatz bildet eine wichtige operationale Klammer für die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft. Das Ziel des Stoffstrommanagements ist die bewusste Steuerung und nachhaltige Gestaltung von Stoffströmen über mehrere Wertschöpfungsstufen. Somit ist das Recycling als konstitutiv für das Stoffstrommanagement anzusehen. Zur Darstellung des Recyc- ling liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Produktrecycling von Altprodukten aus der Konsumption, da durch die hohe Wichtigkeit bzw. Bedeutung der produzierenden Industrie in Deutschland auch eine stetig steigende Anzahl an Produkten am Markt angeboten werden und somit ein vermehrtes Abfallaufkommen an Altprodukten entstehen. Es soll im Rahmen dieser Masterarbeit der Frage nachgegangen werden, in wie weit mit der Realisierung von Recycling- aktivitäten in Unternehmensprozessen ein relativer Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen geleistet werden kann und die Unternehmensführung insoweit mit dem Prädikat „ökologieorientiert“ ausgestattet werden kann. Die aus diesen Aspekten abgeleiteten grundle- genden sowie vielfältigen Fragestellungen, welche sich mit dem veränderten Herausforderungen an die Unternehmensführung ebenso wie mit den Anforderungen und Po- tentialen des Produktrecycling von Altprodukten befassen, sind Kern dieser Arbeit. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden unterschiedliche einschlägige Literaten, wissenschaftliche Aufsätze und Dissertationen herangezogen. Zusätzlich wurden repräsentative Studien verwen- det, welche hinsichtlich der Effektivität des Stoffstrommanagements für die produzierenden Unternehmen Auskunft geben.

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 Zusammenhang zwischen Produktionsfaktoren und Nachhaltigkeit

Abbildung 2 Die Verteilung der Aufgaben im Stoffstrommanagement

Abbildung 3 Recycling im Verlauf des ökologischen Produktlebenszyklus

Abbildung 4 Prozesskette des Produktrecycling

Abbildung 5 Überblick der verschiedenen Konzepte der Nachhaltigkeit

Abbildung 6 Verwertung und Verwendung zur Realisierung von Kreisläufen

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1 Vor- und Nachteile ordnungsrechtlicher Instrumente

Tabelle 2 Vor- und Nachteile informatorischer Instrumente

Tabelle 3 Vor- und Nachteile ökonomischer Instrumente

1 EINLEITUNG

1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT

Das 21. Jahrhundert führt die Menschheit an ihre natürlichen Grenzen. Bei wachsender Weltbevölkerung und somit steigendem Bedarf, nimmt die Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Erz oder Trinkwasser stetig ab. In der Folge werden die Rohstoffe zu- nehmend knapper und teurer. Gleichzeitig gilt es die Treibhausgase deutlich zu reduzieren, um weiteren Klimaveränderungen entgegenzuwirken.1 Vor dem Hintergrund dieser Ent- wicklung besteht zunehmend die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung mit dem Ziel, die Lebenssituation der heutigen Generationen zu verbessern, ohne die Zukunftsper- spektiven der kommenden Generationen zu verschlechtern.2 Die Notwendigkeit des effizienteren Umgangs mit Ressourcen rückt somit als entscheidende Aufgabe immer stär- ker in den Fokus von Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung und Politik.

Neben einer sparsamen Ressourcennutzung sind konsequent geschlossene Stoffkreisläufe ein wesentlicher Schritt in der Bewältigung dieser Herausforderung. Seit dem Ende der 1980iger Jahre befindet sich sowohl die Gesellschaft als auch die Wirtschaft in einem ökologischen Umbruch von einer Durchflusswirtschaft hin in eine Kreislaufwirtschaft. Das kreislaufwirtschaftliche Prinzip basiert auf der Idee zyklischer Stoffströme, in denen die für die Produktion eines Produktes verwendeten Rohstoffe endlos kreisen und das Produkt wiederum als Nährstoff für neue Erzeugnisse fungiert. Es wird beabsichtigt, Rückstände am Ende ihrer Lebensdauer nicht mehr als Abfall anzusehen. Viel mehr wird das Ziel verfolgt, eine erneute Verwendung oder Verwertung der Rückstände anzustreben.3 Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang das vom Deutschen Bundestag im Jahre 1994 verabschiedete und im Oktober 1996 in kraftgetretene „ Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen4. Das generelle Ziel dieses sogenannten Kreislaufwirtschaftsgesetztes besteht nach § 1 KrW/AbfG in der „ Förderung einer Kreislaufwirtschaft zur Schonung der natürlichen Res- sourcen und der Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen “ 5 . Es sind Abfälle zu vermeiden oder in einer Kreislaufwirtschaft der Wiederverwertung zuzuführen. Um ausgeglichene Ressourcenhaushalte zu erreichen, ist es somit zunehmend notwendig, neben der klassischen güterbezogenen Sichtweise eine stofforientierte Sichtweise inner- halb der Prozesse zu etablieren. Die Ziele sind dabei die Senkung des Rohstoffverbrauches, die Ausschleusung von Schadstoffen aus dem Wirtschaftskreislauf sowie die effiziente Rückführung von Abfällen und Produktionsausschüssen in Form von Sekundärstoffen in diesem Kreislauf.6

Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Kreislaufwirtschaft zu einer Reduktion des Abbaus natürlicher Ressourcen, einer Senkung des Abfallaufkommens und einer Verbesserung der ökologischen Ressourceneffizienz führt.7

Die zunehmenden Anstrengungen, eine Kreislaufwirtschaft in der betriebswirtschaftlichen Theorie umzusetzen, haben zu einem breiten Bewusstsein über die Notwendigkeit einer Reduktionswirtschaft als Komplement zu einer Produktionswirtschaft geführt. In Anlehnung an die Anforderungen des Sustainable Development und der Kreislaufwirtschaft zur Stoff- stromgestaltung, diskutiert die Reduktionswirtschaft einen „ geschlossenen Rahmen für die Gestaltung und Planung von Reduktionsbetrieben “ 8 . Wesentliche Planungsgrößen für die Reduktionswirtschaft sind die Entwicklung der Mengen sowie die Zusammensetzung der Abfälle als Inputressource. Die Reduktionswirtschaft plant mit Input- und Output- Ressourcen, führt Transformationsprozesse nach ökonomischen Gewinnmaximierungs- prinzipien durch und setzt Hilfsstoffe und Kapazitäten hierfür ein. Als Instrument der Reduktionswirtschaft formuliert das Stoffstrommanagement9 ganzheitliche Strategien, wie sowohl intragenerational als auch intergenerational diese Stoffströme in der Technosphäre beherrschbar gemacht werden können.10 Das Stoffstrommanagement beschreibt eine zielgerichtete Lenkung und Gestaltung anthropogen induzierter Stoffströme. Das Konzept des Stoffstrommanagements stellt ein gesamtgesellschaftliches Steuerungskonzept zur Realisierung der Anforderungen und Leitregeln der nachhaltigen Entwicklung dar.11 Die Enquete-Kommission erläutert in ihrer Arbeit, dass eine nachhaltig orientierte Stoffpolitik nur durch ein geeignetes Stoffstrommanagement realisiert werden kann.12 Im Rahmen dieser Arbeit wird der Fokus auf das Stoffstrommanagement als Instrument der Redukti- onswirtschaft zur Umsetzung der kreislaufwirtschaftlichen Anforderungen gelegt. Diese Abgrenzung wird gewählt, da zur Bearbeitung der Aufgabenstellung es Notwendig ist, ein Verständnis zur Steuerung von Stoffströmen herzustellen.

In der Literatur werden die aktuellen Herausforderungen zur Umsetzung des kreislaufwirt- schaftlichen Prinzips in der Unternehmung in Bereichen der Produktion bzw. Reduktion und des Handels gesehen.13 Dies gilt im besonderen Maße für Deutschland, dessen Wirtschaft einen sehr starken industriellen Sektor besitzt. Die produzierenden Unternehmen haben in Deutschland mit 29 % den größten Anteil am gesamtdeutschen Energieverbrauch. Zusätz- lich sind sie Hauptverbraucher von Rohstoffen und Material.14 Insgesamt lassen sich die nachfolgenden drei aktuellen Herausforderungen für die Unternehmensführung identifizie- ren:15

- Die ö kologische Dimension wird in der Verknappung und dem Qualitätsverlust von Res- sourcen und den damit einhergehenden steigenden Kosten der Beschaffung sichtbar. Außerdem wird hier die Verknappung an Deponieraum verbunden mit hohen Entsor- gungskosten gesehen. Daraus ist sowohl die Gefährdung der unternehmerischen Leistungserstellung als auch die Gefährdung der Erreichung einer zufriedenstellenden Rentabilität zu sehen.

- Die gesellschaftliche Dimension beschreibt das gestiegene gesellschaftliche Umweltbe- wusstsein. Die Konsumenten und die Öffentlichkeit fordern umweltbewusste

Unternehmensleistungen. Einen besonderen Stellenwert nehmen Staat und Gesetzgeber ein, da sie mit gesetzlichen Maßnahmen einen Zwang zur Umsetzung ökologischer Forderungen ausüben können.16

- Die wettbewerbsstrategische Dimension beschreibt, dass sich durch verschärfte Um- weltauflagen und -gesetze bestehende Wettbewerbsvorteile aufheben und neue entstehen. Des Weiteren werden das Image und der wirtschaftliche Erfolg eines Unter- nehmens zunehmend durch dessen Einsatz für eine ressourceneffiziente und ökologische Produktion geprägt.17

Aus den dargestellten Herausforderungen wird deutlich, dass sich die Unternehmensführung aktiv mit ökologischen Aspekten auseinandersetzen muss. Die gemeinsame Grundlage der ökologischen, gesellschaftlichen und wettbewerbsstrategischen Dimension des Umweltschutzes sind aktuelle als auch potentielle Schäden an der natürlichen Umwelt, die auf Entscheidungen der Unternehmungen beruhen.18

Das Recycling setzt die Forderungen des kreislaufwirtschaftlichen Prinzips um und zielt darauf ab, die aktuellen Herausforderungen für die Unternehmensführung zu bewältigen. Der Recyclingbegriff lässt sich auf das griechische Wort Kyklos = Kreis zurückführen und beschreibt die „ anthropogen bewirkte Schließung von Stoff- und Energieströmen zu einem Produktion-Konsum-Kreislauf “ 19. Der Begriff Recycling ist seit Anfang der 1980iger Jahre im deutschen Sprachgebrauch üblich. Liesegang / Sterr (2003) ziehen zur Definition des Begriffes Recycling die Abgrenzungen von Steven (1995) und Kleinaltenkamp (1985) heran. Steven (1995) definiert Recycling als die „ Rückführung von Material und Energie, die bei der Produktion als Rückstand oder bei der Konsumtion als Hausmüll anfallen, als Ein- satzstoffe in Produktionsprozesse “ 20 Kleinaltenkamp (1985) findet eine inhaltlich ähnliche Definition. Er zählt zum Recycling „ all jene Prozesse, durch die ein bislang nicht verwerteter Materie- bzw. Energieoutput des Wirtschaftssystems diesem als lnputfaktor wieder zugeführt wird “ 21. Damit bezieht sich das Recycling, in Anlehnung an die grundsätzlichen Anforderung der Kreislaufwirtschaft, gleichzeitig auf beide zentralen Schnittstellen zwischen ökonomischem und ökologischem System. Auf der Inputseite ermöglicht das Recycling eine Verminderung des Abbaus natürlicher Ressourcen, auf der Outputseite eine Verminderung der zu entsorgenden Abfälle und somit die nachhaltige Senkung von Beein- trächtigung der Versorgungs- und Trägerfunktion des Ökosystems.22

Im Rahmen dieser Masterarbeit soll insbesondere das Produktrecycling von Altprodukten der Konsumtion untersucht und diskutiert werden. Die Abgrenzung wird gewählt, um einer- seits den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen und andererseits wird hiermit die Fokussierung auf das Produktrecycling von Altprodukten der Konsumtion gelegt, da durch die hohe Wichtigkeit bzw. Bedeutung der produzierenden Industrie in Deutschland auch eine stetig steigende Anzahl an Produkten am Markt angeboten werden und somit ein vermehrtes Abfallaufkommen an Abfallprodukten entstehen. Zur Verminderung dieser Umwelteinwirkungen ist die produzierende Industrie, wie weiter oben erläutert, in den letz- ten Jahren verstärkt in den Fokus der Kreislaufwirtschaft gerückt.23 Die Mengen ausgedienter Altprodukte in Deutschland verdeutlichen das jährliche Potenzial des Pro- duktrecycling. Das Abfallaufkommen an Abfallprodukten in Deutschland betrug im Jahr 2011 nach vorläufigen Ergebnissen 386,7 Millionen Tonnen. Wie das Statistische Bundes- amt weiter mitteilt, ist die Abfallmenge an Abfallprodukten damit gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % angestiegen.24 Daher zählt die Entwicklung und Umsetzung von Konzepten zur Vermeidung von diesen Abfallmengen zu einer der dringlichsten Aufgaben im Umweltschutz. Dabei zeigt sich, dass das Abfallaufkommen nur durch den systematischen Aufbau von Recyclingsystemen erschlossen werden kann.25

Die akute und aktuelle Forderung nach einer Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen und Pro- duktrecycling im Speziellen wird auch in diesem Jahr 2015 durch die angestrebte Novellierung des ElektroG deutlich. Die Bundesregierung will große Geschäfte mit einer Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mehr als 400 m² gesetzlich zur Rück- nahme alter Elektrogeräte verpflichten, um wertvolle Ressourcen wiederverwerten und Schadstoffe umweltgerecht entsorgen zu können. Mit dem neuen Gesetz wird vor allem eine neue EU-Richtlinie umgesetzt. Bis 2016 soll mindestens 45 % des anfallenden Elekt- romülls erfasst und weitestgehend wiederverwertet werden, bis 2019 soll die Quote auf 65 % steigen.26 Insgesamt sind die Wachstumsraten der Elektronikindustrie enerom hoch mit einem entsprechend hohen Aufkommen von ausgedienten Altprodukten und knappen Entsorgungskapazitäten. Unter Berücksichtigung dieser Argumente wäre die Umsetzung von Konzepten des Produktrecycling besonders wünschenswert.27

Das Ziel dieser Masterarbeit ist die Analyse und theoretische Diskussion kreislaufwirtschaftlicher Ansätze unter besonderer Berücksichtigung des Recyclings. Es soll der Frage nachgegangen werden, in wie weit mit der Realisierung von Recyclingaktivitäten in Unternehmensprozessen ein relativer Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen geleistet werden kann und die Unternehmensführung insoweit mit dem Prädikat „ökologieorientiert“ ausgestattet werden kann. Dazu wird die Hypothese aufgestellt, dass das Recycling mit der energetischen Verwertung der Stoffströme eine wichtige ökologische Funktion erfüllt und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffschonung leistet.

Diese Zielsetzung strukturiert den Gang der Arbeit vor.

1.2 AUFBAU UND METHODIK

Im einleitenden Kapitel eins wird zunächst eine knappe Zusammenfassung der aktuellen Auswirkungen der industriellen Revolution auf die heutige Gesellschaft sowie die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten der Anwendung der Kreislaufwirtschat dargestellt. Weiterhin erfolgen ein Überblick über die Zielsetzung dieser Masterarbeit und ein Aufriss der inhaltlichen Struktur zur Orientierung.

Um den begrifflichen Inhalt einer ökologieorientierten Unternehmensführung hinreichend präzise fassen zu können, wird im zweiten Kapitel zunächst die Nachhaltigkeit in Bezug auf das nachhaltige Wirtschaften (Abschnitt 2.1.1.) und die nachhaltige Entwicklung und das CSR (Abschnitt 2.1.2.) eingehend untersucht. Zusätzlich wird der Frage nachgegan- gen, inwieweit nachhaltig orientierte Aspekte im Produktionsfaktorensystem (Abschnitt 2.1.3.) vorkommen bzw. in dieses integriert werden können. In einem nächsten Schritt wird die ökologieorientierte Unternehmensführung aus unterschiedlichen Perspektiven theore- tisch analysiert und präzisiert. Es werden die Schnittstellen zwischen Unternehmung und ökologischem System erarbeitet, um eine Analyse des Spannungsfeldes zwischen ökolo- giebezogenen Ansprüchen und ökonomischer Rationalität durchzuführen. Die Identifikation und Analyse der Merkmale ökologieorientierter Unternehmensführung bilden den Gegen- stand dieses Kapitels.

Im dritten Kapitel wird die Kreislaufwirtschaft mit seinen Grundsäulen vorgestellt. Im Rah- men dieser Arbeit wird der Fokus auf das Stoffstrommanagement als Instrument der Reduktionswirtschaft zur Umsetzung der kreislaufwirtschaftlichen Anforderungen gelegt. Diese Abgrenzung wird gewählt, da zur Bearbeitung der Aufgabenstellung es Notwendig ist, ein Verständnis zur Steuerung von Stoffströmen herzustellen. Das Kapitel zeigt die Entwicklung des Verständnisses der Stoffstromsteuerung auf und verdeutlicht, wie Ziele und Vorstellungen für die künftige Gestaltung von Stoffströmen jeweils unterschiedlich gewichtet werden. Im Anschluss daran wird untersucht, welche Bedingungen für die Reali- sierung des Stoffstrommanagements existieren und schließlich welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Zielsetzung umzusetzen. Insgesamt wird ein grundlegen- des theoretisches Verständnis für das weitere Vorgehen gelegt.

Die Analyse des generellen Themengegenstandes Recycling steht im Mittelpunkt des vierten Kapitels der Arbeit. In diesem Kapitel wird die Umsetzung des Stoffstrommanage- ments durch das Recycling im Allgemeinen und Produktrecycling im Speziellen aufgezeigt. Dazu wird das Recycling in seiner grundlegenden Erscheinung dargestellt. Zudem wird aufgezeigt, inwieweit durch Recyclingaktivitäten ein Beitrag zur Rohstoffschonung geleistet werden kann. Außerdem werden die grundlegenden Bedingungen für (Produkt-)Recycling als Gegenstand von Unternehmensführung theoretisch analysiert und Produktrecyclingma- nagement als spezielle Form ökologieorientierter Unternehmensführung konzipiert.

Der Schwerpunkt des fünften Kapitels beruht auf der Darstellung und Diskussion der Chancen und Risiken des Produktrecycling in der Kreislaufwirtschaft. Die Analyse von Technik- und Technologieentwicklung zeigt, dass hohe Abfallmassen an Altprodukten einerseits einen hohen technisch-ökonomischen Entwicklungsstand einer Gesellschaft voraussetzen und andererseits auf eher niedrigen Wertschöpfungsstufen zu verorten sind. Diese These wird im Kapitel 5.1 begründet. Neben der quantitativen Machbarkeit des Pro- duktrecycling ist die ökonomische Effizienz des Produktrecycling insbesondere durch den Aufwand beeinflusst, der mit der Umsetzung der Recyclingprozesse verbunden ist. Diese werden im Wesentlichen durch die notwendigen logistischen Prozesse für die Sammlung, Sortierung und den Transport der ausgedienten Altprodukte und von der technischen Kon- struktion dieser Altprodukte aufgezeigt. Wenn durch Recycling, gemäß der im Rahmen dieser Arbeit verfolgten Argumentation, ein Beitrag zur Erhöhung bzw. Erhaltung der Trag- fähigkeit des Ökosystems geleistet werden soll, dann dürfen die Beeinträchtigungen der natürlichen Umwelt durch Recyclingaktivitäten nicht größer sein als die bewirkte Verminde- rung von ökologischen Belastungen aufgrund der Einsparung natürlicher Ressourcen und der Vermeidung der Deponierung von Abfällen.28 Dabei ist die effiziente Gestaltung der logistischen Prozesse abhängig von der Verbreitung und Verteilung der Altprodukte in der Fläche. Diese Verbreitung und Verteilung ist die Folge des technisch-ökonomischen Ent- wicklungsstandes einer Gesellschaft und ist somit nicht direkt durch die Unternehmungen beeinflussbar. Anders verhält es sich mit der technischen Konstruktion bzw. mit dem tech- nischen Design von Produkten. Die technische Konstruktion von Produkten ist das direkte Ergebnis recyclinggerechter Produktgestaltung. Die recyclinggerechte Konstruktion von Produkten ist Gegenstand des Kapitels 5.2. Als Voraussetzung für die Umsetzung von Produktrecycling gilt ein hohes technisches Wissen. Die Wechselbeziehung zwischen der Entwicklungs- und Entsorgungsphase eines Produktes veranlasst die Unternehmungen die Entsorgungsspezifika der Produkte bereits in der Produktentwicklung einzugliedern.29 Insbesondere vor dem Hintergrund eines Recyclingmanagements, welches das Produktre- cycling im Zuge der Produktentwicklung als alternativen Produktionsprozess mit konzipiert, kommt diesem Aspekt eine hohe Relevanz zu. Das Wissensmanagement als wesentlicher Teilaspekt zur Begünstigung des Produktrecyclingmanagements ist Gegenstand des Kapi- tels 5.3. Das Ergebnis dieser Überlegungen, hinsichtlich der Qualität von Altprodukten, der recyclinggerechten Konstruktion und dem technischen Wissensmanagement zur Produkti- on und Produktverwendung, werden im abschließenden Kapitel 5.4 zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst, welches die strukturellen Möglichkeiten und Grenzen des Produktrecycling aufzeigt.

Im abschließenden sechsen Teil erfolgt eine Schlussbetrachtung, welche sowohl die Chancen und Herausforderungen als auch einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen beinhaltet.

2 DARSTELLUNG ÖKOLOGIEORIENTIERTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

2.1 NACHHALTIGKEIT

2.1.1 Nachhaltiges Wirtschaften

Das nachhaltige Wirtschaften stellt die Basis sowohl für die ökologieorientierte Unternehmensführung als auch für die Kreislaufwirtschaft dar und wird nachfolgend als theoretische Grundlage dargestellt.

Zur inhaltlichen Klärung des Begriffs nachhaltiges Wirtschaften bietet die aktuelle Literatur eine Reihe von Ansätzen. Als Verständnisansatz ist das Leitbild sustainable development heranzuziehen. Die Definition des sustainable development aus dem Abschlussbericht „Our common future“ der „World Commission on Environment and Development“ ist dabei hervor- zuheben. In diesem Bericht, wird eine Entwicklung als nachhaltig verstanden, „ die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generati- onen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, gilt für alle Länder und alle Men- schen. “ 30 Die Definition ist schwer greifbar und bietet Interpretationsspielraum, was zu Folge hat, dass diverse Autoren bei der Formulierung einer eigenen Definition von Nachhaltigkeit, im Besonderen vom nachhaltigen Wirtschaften, unterschiedliche Aspekte hervorheben und damit den Begriff anreichern.31

Pearce erachtet die nachhaltige Entwicklung als gegeben, wenn die Leistungsfähigkeit und Qualität des natürlichen Kapitalstocks langfristig erhalten bleibt. Wesentlich breiter ausgelegt ist die Definition der Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden - Württemberg: „ Eine nachhaltige, auf Dauer angelegte wirtschaftliche und soziale Entwicklung bedeutet, dass die natürliche Umwelt und der damit verbundene Kapitalstock an natürlichen Ressourcen so weit erhalten werden muss, dass die Lebensqualität zukünftiger Generationen gewährleistet bleibt. “ 32 Auch Majer versteht unter dem Leitbild sustainable development ökologische, öko- nomische als auch soziale Dimensionen. Majer definiert eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung als ein Leitbild, welches in einem langfristigen Such- und Abstim- mungsvorgang zu erreichen ist. Dabei sind die gesellschaftlichen Nutzungsansprüche mit den natürlichen Lebensgrundlagen in zeitlicher und räumlicher Dimension insoweit aufeinan- der abzustimmen, dass interregionale und intertemporale Gerechtigkeit gewährleistet ist.33

Eine konkludente Systematisierung der Definitionsansätze ist überaus schwierig. Dies liegt an den auseinandergehenden Vorstellungen der Autoren, wie nachhaltige Entwicklung zu gestalten ist. Nichtsdestotrotz lassen sich in den Definitionen gemeinsame Bausteine der Nachhaltigkeit festhalten, die zwar unterschiedlich stark thematisiert werden, aber einen Einstieg zur Systematisierung gewähren.34

Insgesamt ist unter einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung ein Vorgang zu verstehen, der zum Ziel hat, ökologische, ökonomische und sozialethische Zielsetzungen in Einklang zu bringen. Der holistische Ansatz des Leitbildes besteht darin, dass der Harmonisierungsgedanke die nachfolgenden Ebenen umfasst:35

- Sachebene (Akteure [Unternehmen, Haushalte etc.], Teilsysteme [Ökonomie, Ökologie, Soziales], Innovationen [Technik, Verhalten, Institutionen])
- Zeitebene (kurz-, mittel-, langfristige Zielsetzungen)
- Raumebene (lokale, regionale, nationale, globale Zielsetzungen)

Im Folgenden werden die unterschiedlichen Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens eingehender, in Bezug auf die Aufgabenstellung, betrachtet. Aufgrund der diversen Teilbereiche der ökologischen, ökonomischen und sozialethischen Zielsetzungen des nachhaltigen Wirtschaftens besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, sondern die Herleitung eines Grundverständnisses zur weiteren Bearbeitung der Aufgabenstellung.

Ö kologische Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens

Pearce beschreibt die Eigenschaften der ökologischen Funktionen anhand eines systemthe- oretischen Ansatzes, der circular economy.36 Das ökonomische Subsystem besteht aus den Bereichen Produktionsprozess, Konsumbereich und Recyclingsektor. Dabei liegt die gesell- schaftliche Zielsetzung in der Nutzenmaximierung. Es werden dem ökologischen Subsystem regenerierbare und nicht regenerierbare Ressourcen entnommen. Zudem dient das ökologi- sche System als Aufnahmemedium.37 Aufgrund der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen beiden Subsystemen lassen sich folgende ökologische Funktionen feststellen:38

- Produktionsfunktion: Regenerierbare und erschöpfliche Ressourcen strömen in den Pro- duktionsprozess ein und führen über den Konsum zur Nutzenstiftung.
- Trägerfunktion: Reststoffe, die nicht in den Recyclingbereich geführt werden können, sind von der Natur aufzunehmen.
- Nutzenfunktion: Die Natur gewährleistet, soweit ihre Stoffkreisläufe und ökologischen Gleichgewichte intakt bleiben, stabile Lebens- und Arbeitsbedingungen für den Menschen und stiftet ihm Nutzen (Ästhetik).

Ein Schaden am ökologischen System kann somit als die Behinderung seiner tatsächlichen Umweltfunktion definiert werden. Die tatsächliche Umweltfunktion beschreibt die Produktions-, Träger- und Nutzenfunktion.39 Somit lassen sich alle Unternehmensentscheidungen, die Umweltschäden, im aufgeführten Sinn, verursachen oder verstärken als Ansatzpunkt für eine ökologieorientierte Unternehmensführung aufgreifen.40

Aus den dargestellten unternehmensbezogenen ökologischen, gesellschaftlichen und wett- bewerbsstrategischen Herausforderungen im einleitenden Kapitel eins wird deutlich, dass sich die Unternehmensführung mit ökologischen Aspekten auseinandersetzen muss.41

Ö konomische Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens

Einige neoklassische Autoren vertreten die Ansicht, dass das gesellschaftliche Wohlfahrtsni- veau nur dann aufrecht erhalten werden kann, wenn durch technischen Fortschritt (Effizienzrevolution) der Verbrauch des natürlichen Kapitalstocks verringert bzw. durch den Aufbau eines künstlichen Kapitalstocks ausgeglichen wird. Vertreter dieser Lehre sprechen von sustainable growth. Daly sieht einen Zielkonflikt zwischen stetigem Wirtschaftswachstum und gleichzeitige ökologische Nachhaltigkeit und formuliert die Vorstellung einer steady - state - economy.42 Ähnlich umstritten wird die Diskussion der Substituierbarkeit von Natur und Kapital geführt. In der neoklassischen Lehre sind beide Faktoren unbegrenzt substituier- bar (weak sustainability).43

Die ökologische Ökonomik beschreibt die (Ziel-)Beziehung zwischen natürlichem und künst- lichem Kapitalstock differenzierter. Dabei ist innerhalb vorhandener Grenzen eine Substitution zwar möglich, „ beispielsweise können bei Konstanz des Produktionsoutputs durch den Einsatz neuer Produktionsmaschinen Rohstoffe eingespart werden “ 44, aber eine vollständige Substitution nicht umsetzbar, da ökologische Systeme eine Reihe lebenswichti- ger Funktionen, z.B. CO2-Kreislauf, erfüllen, welche durch einen künstlichen Kapitalstock nicht ersetzt werden können. Eine weitere Argumentation gegen die Substituierbarkeit von Natur und Kapital ist, dass Merkmalseigenschaften des Naturkapitalstocks wie z.B. Irreversi- bilität oder Komplexität der Abläufe zu der Ansicht führen, dass die natürlichen und künstlichen Kapitalstöcke als bedingt komparabel und damit auch nicht als vollständig substi- tuierbar gesehen werden können.45

In der aktuellen Literatur wird gefordert, dass der natürliche Kapitalstock über die Zeit hinweg konstant gehalten werden muss (strong sustainability). Um dies zu erreichen sind die Wirt- schaftsprozesse an die Umweltfunktionen auszurichten, speziell sind Energie- und Stoffflüsse des Wirtschaftssystems zu Kreisläufen zu schließen. Daneben müssen die Preise für die Nutzung der natürlichen Lebensgrundlagen auch deren tatsächliche Knappheitsgrade widerspiegeln.46

Sozialethische Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens

Die sozialwissenschaftlichen Forderungen zur Nachhaltigkeit beschreiben die Themen Ge- rechtigkeit, Verantwortung, Lebensqualität und Sozialkapital. Unter dem Standpunkt der intratemporalen Gerechtigkeit wird diskutiert, dass die Industrienationen ihre aufwändigen Lebensstile einschränken und den Entwicklungsländern47 bei der Verbesserung ihrer Le- bensverhältnisse helfen.48 Dabei ist aus sozialethischer Sicht eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung gegeben, wenn eine weltweite Grundbedürfnisbefriedigung und generationsübergreifende Gerechtigkeit vorhanden ist.49 Spehl (1994) erweitert die Diskussi- on um den Aspekt der Partizipation. Die soziale Nachhaltigkeit zielt darauf ab, Gestaltungsmöglichkeiten für verantwortliches, ökologisches Handeln aufzuzeigen und die Selbstverantwortung des Einzelnen zu verbessern.50 Somit ist eine zentrale Forderung der sozialethischen Betrachtung mit dem Begriff der Verantwortung angereichert. Jeder Akteur (Industriestaat, Unternehmen, Einzelperson) trägt gegenüber den Entwicklungsländern und künftigen Generationen Verantwortung.51 Eine betriebswirtschaftliche Relevanz erhält diese Aufforderung der Partizipation, wenn die Umsetzungsverantwortung im Sinne einer ganzheit- lichen Produktionsverantwortung, nach dem Verursacherprinzip, den Unternehmungen zugerechnet wird.52 Zur Umsetzung dieser Nachhaltigkeitsaspekte werden drei Grundstrate- gien unterschieden, die darauf zielen, Energie- und Materialumsätze zu vermindern:53

- Effizienzstrategie: Der Einsatz von Stoffen und Energien wird auf allen Stufen des Pro- duktlebenszyklus minimiert, um so Produkte ressourcen- und energieeffizienter zu gestalten.
- Konsistenzstrategie: Es werden wie bei der Effizienzstrategie technische Innovationen vorausgesetzt. Die Konsistenzstrategie zielt auf die Stoff- und Energieströme der Produk- te ab, die im Ökosystem angepasst sind (z. B. Austausch der Öl-Ausrüstungen durch erneuerbare Energieträger). Während Effizienz- und Suffizienzstrategien an physische und psychische Grenzen stoßen, ist die Tragweite der Konsistenz darum kaum limitiert.
- Suffizienzstrategie: Die Suffizienzstrategie zielt auf die freiwillige Entscheidung der Men- schen hin zu einem ressourcensparenden Kauf- und Nutzungsverhalten ab. Dadurch entstehen neue Konsum- und Nutzungsmuster, die den Verbrauch von Produkten verrin- gern.

Die Strategien ergänzen und überschneiden sich gegenseitig. Mehrwegsysteme können zum Beispiel Energie einsparen und konsistenter sein als Einwegverpackungen. Es wird von den Vertretern der ökologieorientierten Unternehmensführung „ die qualitative Analyse neben der quantitativen Analyse als Gleichgewicht betrachtet. Bewertungen werden als unvermeidbar gesehen, jedoch sollten sie nachvollziehbar sein. Somit steht für die […Nachhaltige] Ö kono- mie im Zentrum der Betrachtung […] der Zusammenhang zwischenökologie undökonomie. “ 55 Die Ökonomie kann sich langfristig nur entwickeln, wenn die Tragfähigkeit der Ökologie als Limitiert gilt.56

2.1.2 Nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility (CSR)

Es wird bei der Diskussion der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und der Diskussion von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene der Begriff CSR (Corporate Social Responsibility) verwendet.

Das Corporate Social Responsibility (CSR) beschreibt ein System, welches „ den Unterneh- men als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrie- ren “ 57 . Nach Ansicht der EU-Kommission bedeutet CSR nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten, „ sondernüber die bloße Gesetzeskonformität hinaus mehr zu investieren in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakehol- dern “ 58. Auf Basis der Definition der EU-Kommission werden unterschiedliche Ebenen der Verantwortungsübernahme, nämlich die „ Ebene CSR im Kerngeschäft (eigenes Unterneh- men und Lieferanten) mit den Elementen umweltschonende Leistungserbringung, Beachtung von Arbeitsnormen, Schutz der Menschenrechte und Verzicht auf Korruption, die Ebene CSR in der Zivilgesellschaft (Spenden und Sponsoring, Corporate Volunteering) sowie CSR für die Rahmenordnung (gesellschaftsorientiertes Lobbying, Mitarbeit an freiwilligen Regulie- rungen) “ 59 unterschieden. Es geht somit um die Verantwortung der Unternehmen für die Gesellschaft und die Umwelt, in der und mit der sie Wirtschaften. Es geht um die Verantwor- tung für das Ganze. Deshalb wird in Anlehnung an Baumgartner (2009) im weiteren davon ausgegangen, dass CSR im Sinne von Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene zu verstehen ist, obwohl aus Sicht einer klaren Abgrenzung CSR nur für die soziale Dimension unterneh- merischen Handelns angesehen werden sollte.60

2.1.3 Produktionsfaktorensystem und Nachhaltigkeit

Die effektive und effiziente Verfügbarmachung, Umwandlung und Nutzung von Ressourcen zur Erzeugung von nutzbaren Produkten für den Menschen, ist die grundsätzliche Fragestellung der Ökonomie.61

Der faktortheoretische Ansatz von Gutenberg dient der Charakterisierung und Systematisierung des für betriebliche Prozesse erforderlichen Inputs, die im Produktionsprozess in Produkte bzw. Dienstleistungen umgewandelt werden. Es werden die Produktionsfaktoren Arbeit (ausführende oder dispositive Tätigkeiten)62, Betriebsmittel und Werkstoffe (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) betrachtet.63 Es werden spezielle Produktionsfunktionstypen unterschieden, die das jeweilige Verhältnis von Produktionsfaktoren zueinander behandeln, die für die Erzielung einer bestimmten Outputmenge erforderlich sind. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit nachhaltig orientierte Aspekte im Produktionsfaktorensystem vorkommen bzw. in dieses integriert werden können.

Diese Frage kann unabhängig von speziellen Produktionsfunktionen beantwortet werden. Die Ökosphäre ist als Ressourcenquelle im Produktionsfaktorensystem nach Gutenberg innerhalb des Faktors „Werkstoff“ enthalten. Wenn das Kriterium „Unverzichtbarkeit bei der Leistungserstellung“ herangezogen wird, wird die Wechselwirkung der Produktionsfaktoren mit den Nachhaltigkeitsprinzipien deutlich. Dazu ist es notwendig, die Grenzen dieser Be- trachtung zu erweitern. Im Produktionsfaktorensystem nach Gutenberg sind die Faktoren unendlich vorhanden und somit die Nutzung für Unternehmen gegen Entgelt möglich. Wird bei der Systemerweiterung der Aspekte der Nachhaltigkeit (siehe Kapitel 2.1) miteinbezogen, so ist die Verfügbarkeit der Faktoren sowie die Folgewirkung der Nutzung der Faktoren zu berücksichtigen.64Die Prinzipien Menge und Konzentrationen von Stoffen, Konzentration naturfremder Stoffe undüberlastung natürlicher Systeme sind für die Faktoren Werkstoffe und Betriebsmittel relevant, und zwar einerseits inputseitig, d.h. auf Seite der Ressourcen- quellen, und andererseits outputseitig, d.h. auf Seite der Emissionen und Abfälle, die durch die Faktoren Werkstoffe und Betriebsmittel verursacht werden. Soziale Aspekte betreffen den Faktor Arbeit, d.h. den Menschen bzw. Mitarbeiter. “ 65

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Zusammenhang zwischen Produktionsfaktoren und Nachhaltigkeit66

Die Abbildung 1 zeigt den Zusammenhang zwischen Produktionsfaktoren und Nachhaltig- keit. Die Nachhaltigkeitsprinzipien sind nicht nur bei den Produktionsfaktoren, sondern auch in der Produktion sowie bei den Produkten, Abfällen und Emissionen zu berücksichtigen.67

2.2 DARSTELLUNG ÖKOLOGIEORIENTIERTE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Die Nachfrage nach einer ökologieorientierten Unternehmensführung resultiert aus den im vorherigen Abschnitt dargestellten Aspekten der Nachhaltigkeit und ist ergänzend zu den nachfolgenden Ausführungen der ökologieorientierten Unternehmensführung heranzuziehen.

Der Begriff Unternehmensführung bezeichnet „ die zielorientierte Gestaltung, Steuerung und Entwicklung eines Unternehmens und kann aus institutioneller Sicht und aus funktionaler Sicht betrachtet werden. Die institutionelle Sicht umfasst die Gesamtheit der Führungskräfte, die funktionale Sicht beinhaltet die Mitarbeiterorientierung und die Sachorientierung. Bei der sachbezogenen Führung wird die Gesamtheit der Bestimmungshandlungen betrachtet, die das Verhalten des Systems Unternehmen festlegen und auf einübergeordnetes Gesamtziel ausrichten. “ 68 Im Rahmen dieser Arbeit wird in Anlehnung an Baumgartner der Schwerpunkt der Unternehmensführung auf der Ebene des Gesamtunternehmens hinsichtlich wirtschaftli- cher Grundsatzentscheidungen, wie z.B. die Festlegung von Organisationsstrukturen, gesehen. Im Mittelpunkt steht daher, wie die Nachhaltigkeit in den Abläufen und Tätigkeiten eines Unternehmens berücksichtigt werden kann.69

Es ist eine Bandbreite an Literatur unter den Begriffen „ökologieorientierte Unternehmensführung“, „Umwelt- (orientiertes) Management“70 etc. vorhanden, in der Mög- lichkeiten zur Berücksichtigung ökologiebezogener Anforderungen an Unternehmen durch die Unternehmensführung untersucht und Instrumente für die Umsetzung aufgezeigt werden.

Eine Unternehmung ist ökologieorientiert, wenn zusätzlich ökologiebezogene Begründungen explizit zur Wertgenerierung herangezogen werden. „ Inhaltlich können sichökologiebezogene Argumentationen dabei sinnvoll nur auf, nach dem jeweils aktuellen Stand des Wissens und relativ zu alternativen Verfahren/Prozessen, geringere Belastungen derökologischen Umwelt beziehen, da es um die Generierung neuer, bisher nicht in das Bewusstsein gedrungener Werte geht. “ 71 Die Ökologieorientierung von Unternehmensführungen beschreibt somit im Kern, dass ausgehend von einem Zustand auf Grundlage ökologiebezogener Argumentationen neue Handlungen in einem Unternehmen ausgelöst werden, welche Verfahren und Prozesse im Hinblick auf die damit verbundenen Auswirkungen auf die ökologische Umwelt verbessern.72 Dabei spielt für die ökologieorien- tierte Unternehmensführung das Prinzip der „Öko-Effizienz“, d.h. der Erhöhung der Wertschöpfung73 in Relation zum Ressourcenverbrauch und UmweIteinwirkung, eine wichti- ge Rolle. Dafür hat das World Business Council on Sustainable Development sieben Strategien benannt, die zur Steigerung der Öko-Effizienz beitragen können (Minimierung von 1. Materialintensität, 2. Energieintensität, 3. toxischen Emissionen, 4. Verbesserung der Recyclingfähigkeit, 5. Verlängerung der Produktlebensdauer, 6. Maximaler Einsatz von erneuerbaren Ressourcen, 7. Verbesserung des Service für Güter und Dienstleistungen).74 Die Unternehmensziele können die Kostensenkungen, verringerte Haftungen und Verbindlichkeiten, effizient geschlossene Kreisläufe, Erhöhung des Kundennutzens, langfristiger strategischer Vorteil und die Eröffnung neuer Geschäftsfelder sein.75

Es existieren keine eindeutigen Konzepte zur Systematisierung ökologieorientierter Unternehmensführungskonzepte, da Komplexität und konzeptionelle Unterschiedlichkeiten der Ansätze dazu führen, dass ein Systematisierungskriterium nicht zu benennen ist. Daher finden sich in der Literatur kaum Ansätze, die ein betriebswirtschaftliches Konzept strukturieren. Hervorzuheben ist daher die nachstehende, aufgeführte Arbeit zur Klassifizierung ökologieorientierter Managementkonzepte nach Steinle et al. 76:

theoretisch-geschlossene Ansätze

Die theoretisch-geschlossenen Ansätze zeigen Abhängigkeiten zwischen Unternehmung und ihrer natürlichen Umwelt auf und leiten die Notwendigkeit zur ökologischen Unternehmens- führung davon ab. Der betriebliche Produktionsprozess ist dabei im Mittelpunkt der Betrachtung. Es wird unter Umweltverbräuchen der Input an (knappen) Ressourcen und die Rückstände aus der Produktion verstanden. Der Anreiz zum nachhaltigen und umweltge- rechtem Wirtschaften ergibt sich dabei aus Preisanpassungen von knappen Inputfaktoren. Insgesamt wird dem Staat eine wesentliche Rolle bei der Ökologisierung der Wirtschaft zugetragen.77

Zur Darstellung des theoretisch-geschlossenen Ansatzes greift die aktuelle Literatur verstärkt auf die Systemtheorie zurück. Für die Übertragung des Systemtheoriegedankens auf ein Managementkonzept kann der von Ulrich / Krieg konzipierte St. Gallener Ansatz herangezo- gen werden.78 Die Unternehmung kann sich, diesem Ansatz zufolge, durch die Fähigkeit der Selbstorganisation an verändernde gesellschaftliche Umsysteme anpassen. Es wird davon ausgegangen, dass der langfristige Unternehmenserfolg von der Beziehungsgestaltung zwischen Unternehmen und deren externen und internen Anspruchsgruppen, sog. Stakehol- der, abhängt.79 Das Modell geht dabei von einer dreiteiligen Managementebene, die normative, strategische und operative Ebene, aus. Auf der normativen Ebene hat sich die Unternehmung in Bezug auf sein gesellschaftliches Umsystem zu legitimieren. Auf dieser Ebene wird der Ansatzpunkt des Nachhaltigkeitsleitbildes durch die Formulierung normativer Vorstellungen über erstrebenswerte Zukunftsentwürfe umgesetzt. Auf der strategischen Führungsebene hat die Unternehmung die Aufgabe, veränderte Umweltbedingungen zu antizipieren und zu adaptieren. Die operative Ebene beschreibt die kurzfristige Kosten- Nutzen-Berechnung von Unternehmungen.80 Unter dem systemtheoretisch-evolutorischen Blickwinkel ist festzustellen, dass bei der Gegenüberstellung der aktuellen zu früheren Litera- tur erkenntlich ist, dass sich die aktuelle Literatur weniger auf kurzfristige Kostenoptimierung als auf langfristig-holistische Chancenorientierung umweltgerechten Handelns in der Unter- nehmung konzentriert.81

realökonomisch-sozialkritische Ansätze

Vertreter realökonomisch-sozialkritischer Ansätze sprechen sich für eine auf Mensch und Natur bezogene Wissenschaft aus. Die üblichen Informationssysteme sind nicht in der Lage, ökologische Effekte basierend auf unternehmerischen Handeln zu erfassen und zu bewerten. Daher sind Instrumente zu entwickeln, die unternehmerische Entscheidungen auch unter ökologischen Aspekten beurteilen sollen. Zu nennen sind das Konzept der ökologischen Buchhaltung und die Ökobilanzierung.82

normativ-strategische Ansätze

Die zwei wesentlichen Hypothesen der normativ-strategischen Ansätze sind die Sicherung langfristiger Erfolgspotentiale und die Zielharmonie zwischen ökologischen und ökonomischen Unternehmenszielen. Mit Hilfe von Checklisten und Instrumenten strategischer Unternehmensführung sollen ökologische Chancen und Risiken erkannt und beurteilt werden. Die Integration des Umweltgedankens in die normative, strategische und operative Managementebene ist eine zentrale Aufgabe.83

empirisch-analytische Ansätze

Besonders hervorzuheben ist die Systematisierung anhand empirisch-analytischer Abhand- lungen, welche die Verknüpfung zwischen Theorie und Empirie aufzeigen sollen. Es sind insbesondere die Arbeiten von Meffert / Kirchgeorg, die eine Klassifizierung ökologieorien- tierten Unternehmungsverhaltens vornehmen aufzuzeigen.84 Da die Klassifizierung für die weitere Bearbeitung der Aufgabenstellung nicht relevant ist, wird an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen und auf Meffert, H. / Kirchgeorg, M. (1993 b), S. 16 ff. verwiesen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die dargestellten Ansätze zeigen, dass die Vernetztheit der unternehmensrelevanten Umwelt einen Bewusstseinswandel im Ma- nagementdenken erfordert, der zu einer ganzheitlichen Sichtweise des Systems Unternehmung als Bestandteil eines techno-ökonomischen aber auch natürlichen und ge- sellschaftlichen Umfelds führt. Der Umweltschutz kann als eigenständiges Ziel im Zielsystem eines Unternehmens als Formalziel verankert werden. Um die betriebliche Umweltökonomie in die Ziele des Unternehmens integrieren zu können, ist eine Entwicklung vom Leitbild hin zur Ableitung von konkreten Zielen nötig.85 Dabei umfasst die ökologieorientierte Unterneh- mensführung keine neue eigenständige Kategorie von Unternehmensführung. Sie identifiziert ökologieorientierte Unternehmensführung als eine spezielle Form der generellen Problemstellung und Struktur unternehmerischen Denkens und Handelns: der ständigen Antizipation und ökonomischen Erschließung von neuen Wertschöpfungspotenzialen. „ Die Motivation für dieses Wertschöpfungshandeln entspringt dem unternehmerischen Willen, Preisdifferenzen zu realisieren und sich diese als Gewinn anzueignen sowie, seitens des Tauschpartners aus der antizipierten Handlungsoption, die mit der Ware geschaffen werden soll. Die Preisdifferenz, die letztlich in der qualitativen Beschaffenheit der Ware codiert ist, resultiert dann neben der antizipierten Handlungsoption auch daraus, dassökologieorientier- te Argumentationen Bestandteil der qualitativen Beschaffenheit der Ware sind. “ 86 Die systemtheoretische Betrachtung verdeutlicht dabei die Relevanz einer Einbeziehung gesell- schaftlicher Anspruchsgruppen in unternehmerische Entscheidungsprozesse und fordert eine ständige Auseinandersetzung mit den Interessen und Wertvorstellungen der unterneh- mensinternen und -externen Bezugsgruppen.87

2.3 DARSTELLUNG SPANNUNGSFELD: ÖKOLOGIEORIENTIERUNG ALS UNTERNEHMERISCHE HERAUSFORDERUNG

Ökonomisch motiviertes, unternehmerisches Handeln bewirkt Eingriffe in den natürlichen Kapitalstock, welches im vorherigen Abschnitt als die Ursache ökologischer Problemstellung benannt wurde. Die unternehmerische Herausforderung, natürliche Lebensgrundlagen zu schonen und zu schützten, verbreitet sich nach Lison (2002) zögerlich.88 Eine Untersuchung von Raff é e / Fritz auf Basis einer repräsentativen Stichprobe des verarbeitenden Gewerbes in Westdeutschland belegt, dass das „ Umweltschutzziel für den Großteil deutscher Unter- nehmen noch nicht von herausragender Bedeutung ist. Mit Rang 19 (von 24) erreicht der Umweltschutz in der Zielhierarchie deutscher Unternehmen bei weitem nicht die Relevanz herkömmlicherökonomischer Gr öß en. So stehen Kundenzufriedenheit, langfristige Gewinn- erzielung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit an oberster Stelle. “ 89

Ein zentrales Problem ist, dass sich ökologiebezogene Anforderungen nicht in den traditio- nellen und klassischen Kategorien der Wirtschaftswissenschaften fassen lassen. Die ökologische Umwelt ist in der ökonomischen Theorie ein Kollektivgut ohne Preis. Schädi- gungen an der ökologischen Umwelt, verursacht durch ökonomisch motiviertes Handeln, stellen aus Sicht der klassischen Ökonomie einen externen Effekt dar und können damit als ökonomisch irrelevant betrachtet werden.90 „ Zwischenökonomisch rationalem, der Gewinn- erzielung verpflichtetem Handeln und damit zunächst regelm äß ig nicht kompatiblen, weil mit Aufwendungen verbundenen,ökologiebezogenen Ansprüchen an Unternehmungen wird somit ein Spannungsfeld, ein gesellschaftlicher Zielkonflikt vermutet.“91 Eine weitere Begrün- dung sieht Lison (2002) darin, dass sich die „ö kologische Problemstellungen durch ein hohes Maßan Komplexität, Konfliktpotential sowie Neuartigkeit auszeichnen und sich oftmals auf einen zeitlichen Horizont erstrecken, der die Planungszeiträume von Unternehmen bei wei- temüberschreitet. “ 92 Die Folge ist eine verkürzte operativ geprägte Begründung einer traditionell verstandenen Betriebswirtschaftslehre, wie sie größtenteils noch vorherrscht.93 Danach ist die Umweltorientierung grundsätzlich mit Mehrkosten bzw. Mindererlösen ver- bunden, was dazu führt, dass „ Unternehmungen mit geringer Effizienz aus dem Markt ausscheiden müssen bzw. Unternehmungen mit hoher Effizienz an Wettbewerbsvorteilen einb üß en, wozu sie nicht bereit sind. “ 94

Im Hinblick auf umfangreiche Erkenntnisse aus der empirischen Zielforschung können diese Argumentationen einer ersten kritischen Betrachtung unterzogen werden.

Meffert / Kirchgeorg und Raff é e / Förster / Fritz sind im Rahmen ihrer jeweiligen Untersu- chungen zu dem übereinstimmenden Ergebnis gekommen, dass zwischen ökologischen Zielen und langfristiger Gewinnerzielung eine Zielkomplementarität und -kausalität95 besteht. Zwischen der strategisch orientierten Zielsetzungen, die Sicherung der Wettbewerbsfähig- keit, Mitarbeitermotivation, Unternehmens-/Produktimage als auch die soziale Verantwortung zum Umweltschutz kann nach Lison (2002) Komplementarität unterstellt werden. Da wie oben beschrieben die herkömmlichen ökonomischen Größen, Kundenzufriedenheit, langfris- tige Gewinnerzielung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit eine herausragende Bedeutung für den Großteil deutscher Unternehmen darstellen, ist somit eine Gunstbezie- hung mit umweltorientierten Aktivitäten zur Erreichung dieser Ziele vorhanden.96 Hinsichtlich der Zielbeziehung zwischen Umweltschutz und kurzfristiger Gewinnerzielung, ist eine Unter- suchung von Fritz heranzuziehen. Die Untersuchung zeigt, dass sich Umweltschutzausgaben zunächst negativ auf den Gewinn auswirken, da die dadurch verur- sachten Ausgaben kurzfristig den Gewinn reduzieren. Die Stichprobe weist aber auch kostensenkende Umweltschutzwirkungen aus, welche als Zwischenvariablen, also indirekt, entstehen. Fritz begründet dies damit, dass umweltschonende Produkte verbesserte Absatz- chancen hervorrufen. In der Folge entsteht ein verbesserter Kostenumstand infolge reduzierter Leerkosten und Produktivitätssteigerungen. In der Summe werden die negativen direkten Effekte durch positive indirekte Effekte überkompensiert. Es ergibt sich somit ein schwach positiver Gesamteffekt.97

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Unternehmungen für ökologische Fragestellungen sensibilisiert sind, die damit verbundenen Chancen jedoch nicht erkannt werden. Es wird dem Umweltschutz nicht der notwendige Stellenwert im betrieblichen Ziel- system zugeschrieben, obwohl, wie dargestellt, lang- als auch kurzfristig unternehmerische ökonomische Zielsetzungen besser erreicht werden können. Für Unternehmungen ist der schonende Umgang mit knappen Ressourcen nicht neu und seit jeher Gegenstand ökonomi- scher Betrachtung. Seine Aktualität erhält diese Leitorientierungen durch die Forderung eines nachhaltigen Wirtschaftens. Die Herausforderung besteht für die Unternehmensfüh- rung darin, mit der jeweils antizipierten Schließung von Stoff- und/oder Energiekreisläufen konkrete Wertschöpfungspotenziale zu generieren und zu erschließen.98 „ Stoffwirtschaftlich betrachtet bedeutet dies, dass der wirtschaftliche Einsatz von Ressourcen und deren lang- fristige Sicherung als Nachschub in ein Fließgleichgewicht zu bringen sind, um das industrielle Produktionssystem aufrechterhalten zu können. “ 99 Dazu zählt die Substitution nicht-regenerativer Ressourcen durch regenerative, die Umlauferhöhung von Ressourcen über lange Laufzeiten und die Wiederverfügbarmachung von in Produkten gespeicherten Ressourcen.100 Damit ist die Forderung nach einer Kreislaufwirtschaft für die betriebliche Praxis erklärt. Die Thematik der Kreislaufwirtschaft ist Teil des nachfolgenden Kapitels dieser Arbeit und soll die Steuerung von Stoffströmen im Detail diskutieren.

3 DARSTELLUNG UND DISKUSSION ZUR STEUERUNG VON STOFFSTRÖMEN IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT

Die Kreislaufführung von Stoffen hat in den letzten 20 - 30 Jahren an Bedeutung gewonnen.

Die Idee der Kreislaufwirtschaft lässt sich auf der Grundlage der theoretischen Trennung von ökologischem und ökonomischem System erklären. Das ökonomische System bevorratet Stoffe und Energie im Rahmen seiner Versorgungsfunktion. Diese werden als Primärres- sourcen101 entnommen und durch technische und ökonomische Transformationsprozesse für den Menschen und seine Zwecke nutzbar gemacht. Die Gewinnung, Transformation und Nutzung von Stoffen und Energie beschreibt die klassische Wertschöpfungskette des öko- nomischen Systems. Nach der Nutzung werden diese als Produktions- und Konsumabfälle oder nicht nutzbare Energie an das ökologische System abgegeben, dessen Trägerfunktion darin zum Ausdruck kommt, dass es diese Rückstände aufzunehmen hat. Mit diesen öko- nomisch motivierten Aktivitäten greift der Menschen somit sowohl bei der Ressourcenentnahme als auch bei der Abgabe von Abfällen und nicht nutzbarer Energie in natürliche Stoff- und Energieströme ein. Der Abfallbegriff selbst ist definitorisch in der Litera- tur umstritten. Gem. § 3 Abs. 1-4 KrW-/AbfG sind Abfälle alle Stoffe oder Gegenstände, derer sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss.102 In der früheren Menschheitsgeschichte mit einer geringen Bevölkerungsdichte des Ökosystems haben diese Eingriffe dazu beigetragen, die Tragekapazität des Ökosystems nachhaltig zu erhöhen.103 Diese ökonomischen Eingriffe scheinen aber mittlerweile durch ihre hohe Ausweitung und der Globalisierung eine weitere Erhöhung der Tragekapazität tendenziell eher zu verhindern als zu erhöhen. So wird spätestens seit den Berichten des Club of Rome, wie im vorherigen Kapitel dargestellt, in Frage gestellt, ob die Versorgungsfunktion des Ökosystems für eine wachsende Bevölkerung nachhaltig gesichert ist.104 Ebenfalls an ihre Grenzen zu stoßen droht die Trägerfunktion des Ökosystems im Hinblick auf die Aufnahme von Produktions- und Konsumrückständen in den entwickelten Ländern. Genau hier setzt die Kreislaufwirt- schaft an, indem er die Output-Seite des ökonomischen Systems mit der Input-Seite verbindet und so das Ökosystem in seiner Versorgungs- und Trägerfunktion zu entlasten versucht. Zusätzlich gelten die Kreislaufgedanken und -aktivitäten zur Aufbereitung von Rückständen als konstitutiv für das Recycling.105

Durch die Kreislaufwirtschaft ist eine Verknüpfung der Abfallwirtschaft mit der Produktions- wirtschaft106 auf stofflicher Ebene und die Integration ökonomischer Sachverhalte in die Entscheidungen im Wirtschaftsprozess hergestellt. Es sind industrielle Systeme in Analogie zu biologischen Ökosystemen zu gestalten, indem Rest- und Abfallstoffe eines Systems als lnputstoffe für andere Systeme verwendet werden und so der Bedarf an Rohstoffen und der Anfall von Emissionen minimiert werden. Das Ziel der Kreislaufwirtschaft ist dabei die vor- handenen Stoffe und Produkte am Ende der Nutzungs- bzw. Lebensdauer lange und nach Möglichkeit ohne Qualitätsverlust im Wirtschaftskreislauf zu halten und die Abgabe von Emissionen und Abfällen in die natürliche Umwelt zu verringern.107 Es wird davon ausgegan- gen, dass die Kreislaufwirtschaft zu einer Reduktion des Abbaus natürlicher Ressourcen, einer Senkung des Abfallaufkommens und einer Verbesserung der ökologischen Ressour- ceneffizienz führt.108

Die zunehmenden Anstrengungen, eine Kreislaufwirtschaft in der betriebswirtschaftlichen Theorie umzusetzen, haben zu einem breiten Bewusstsein über die Notwendigkeit einer Reduktionswirtschaft als Komplement zu einer Produktionswirtschaft geführt. In Anlehnung an die Anforderungen des Sustainable Development und der Kreislaufwirtschaft zur Stoff- stromgestaltung, diskutiert die Reduktionswirtschaft einen „ geschlossenen Rahmen für die Gestaltung und Planung von Reduktionsbetrieben “ 109 . Wesentliche Planungsgrößen für die Reduktionswirtschaft sind die Entwicklung der Mengen sowie die Zusammensetzung der Abfälle als Inputressource. Die Reduktionswirtschaft plant mit Input- und Output-Ressourcen, führt Transformationsprozesse nach ökonomischen Gewinnmaximierungsprinzipien durch und setzt Hilfsstoffe und Kapazitäten hierfür ein. Als Instrument der Reduktionswirtschaft formuliert das Stoffstrommanagement ganzheitliche Strategien, wie sowohl intragenerational als auch intergenerational diese Stoffströme in der Technosphäre beherrschbar gemacht werden können. Das Stoffstrommanagement beschreibt eine zielgerichtete Lenkung und Gestaltung anthropogen induzierter Stoffströme. Die Enquete-Kommission erläutert in ihrer Arbeit, dass eine nachhaltig orientierte Stoffpolitik nur durch ein geeignetes Stoffstromman- agement realisiert werden kann.110

Die Enquete-Kommission hat beispielhaft verschiedene Stoffströme betrachtet. Dabei hat die Kommission sechs Problemfelder ausgemacht, die schwerpunktmäßig die Überlastung der Umwelt durch Stoffeinträge betreffen und die daher vorrangig eines Stoffstrommanagements bedürfen:111 (1) Treibhauseffekt, (2) Abbau des stratosphärischen Ozons, (3) Photooxidan- tien (Sommersmog), (4) Versauerung von Böden und Gewässern, (5) Eutrophierung (Überdüngung) von Gewässern und (6) Eintrag toxischer und ökotoxischer Stoffe in die Umwelt.

Mit dem Konzept des Stoffstrommanagements soll ein managementorientierter und ganzheitlicher Weg zur Lösung dieser Problemfelder beschritten werden.

Im Rahmen dieser Arbeit wird im Weiteren der Fokus auf das Stoffstrommanagement als Instrument der Reduktionswirtschaft zur Umsetzung der kreislaufwirtschaftlichen Anforde- rungen gelegt. Es soll untersucht werden, ob durch die Realisierung von Recyclingaktivitäten in Unternehmungen ein relativer Beitrag zum Schutz natürlicher Ressourcen geleistet wer- den kann. Hierfür ist es Notwendig, ein Verständnis zur Steuerung von Stoffströmen herzustellen.

3.1 ABGRENZUNG DES STOFFSTROMMANAGEMENTS

Die ersten Impulse zur Stoffstromdiskussion sind, wie im vorherigen Kapitel dargestellt, mit der Entwicklung des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung verbunden. Ein Stoffstrom beschreibt den Weg eines Stoffes von seiner Gewinnung als Rohstoff über die unterschiedli- chen Phasen der Veredelung bis zur Phase der Endproduktion, den Gebrauch und Verbrauch des Produktes und gegebenenfalls seine Wiederverwendung / -verwertung bis hin zu seiner Entsorgung.112 In Deutschland wurden die Impulse zur Stoffstromdiskussion von Rio durch die Arbeit der Enquete-Kommission des 12. Deutschen Bundestages aufgegrif- fen.113 Es wurden Entwicklungslinien für eine Veränderung der Stoffwirtschaft herausgearbeitet. Insgesamt sind folgende Anforderungen für den Stoffumgang definiert worden: 114

1. Die Abbaurate [hRR] erneuerbarer Ressourcen [RR] darf ihre Regenerationsrate [y] nicht überschreiten (Abbauregel: hRR yRR)

2. Die quantitativen und qualitativen Einträge des industrieökonomischen Systems an Rück- ständen [W] die ökologischen Assimilationskapazitäten [A] nicht beeinträchtigen (Assimilationsregel: W A) und

3. Nicht erneuerbare Ressourcen [ER] dürfen nur in dem Umfang verwendet werden, in dem ein physisch gleichwertiger Ersatz in Form erneuerbarer Ressourcen oder höherer Pro- duktivität der erneuerbaren Ressourcen geschaffen wird (Substitutionsregel: hER Substitutionsrate).

Mit dem 13. Deutschen Bundestag Bericht der Enquete-Kommission sind weitere Umweltziele für eine nachhaltige zukunftsverträgliche Entwicklung erarbeitet worden:115

4. „ Bestandsaufnahme der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der Quellen und der Senken belastender Stoffe,

5. Identifikation von konkreten Problemfeldern und Stoffströmen,

6. Fortentwicklungübergeordneter Bewertungskriterien für den Umgang mit Stoffen, beson- ders bei umweltoffener Anwendung,

7. Normative Festlegung von Umweltzielen und Umweltqualitätszielen,

8. Erarbeitung von Grundlagen für einen nationalen Umweltplan “

[...]


1 Vgl. Braungart, M. / McDonough, W. (2008), S. 37 ff.

2 Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages für Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Bildung und Forschung (WD 8) (2004), Aufrufdatum: 22.10.2014

3 Vgl. Meffert, H. / Kirchgeorg, M. (1993 a), S. 11

4 Im weiteren Verlauf als „Kreislaufwirtschaftsgesetzt“ bezeichnet.

5 Kirchgeorg, M. (1999), S. 2 f.

6 Vgl. Kirchgeorg, M. (1999), S. 2 f.

7 Vgl. Steinborn, J. (2011), S. 8

8 Arendt, M. (2000), S. 22

9 Im Rahmen dieser Arbeit wird Stoffstrommanagement, Kreislaufmanagement, Stoffstromsteue- rung und lndustrial Ecology synonym verwendet.

10 Vgl. Öko-Institut e.V. (2004), S. 8

11 Vgl. Reinhardt, H. W. et al. (2001), S. 9

12 Vgl. Öko-Institut e.V. (2004), S. 8

13 Ebenda

14 Vgl. Bayer, W. (2009), S.10

15 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 2 f.

16 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - Umweltgipfel in Rio. (2013), Aufrufdatum: 18.10.2014

17 Vgl. Uhlmann, E. (2008), S. 524

18 Vgl. Gutowski, T. et al. (2006), S. 623

19 Kaufmann, K.-G. (2001), S. 125

20 Zit. nach Liesegang, D.-G. / Sterr, T. (2003), S. 147

21 Ebenda

22 Vgl. Kirchgeorg, M. (1999), S. 2 f.

23 Vgl. Xander, H. K. (2003), S. 14

24 Vgl. Statistisches Bundesamt (2013), Aufrufdatum: 27.01.2015

25 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 132 f.

26 Vgl. Spiegel Online, Wirtschaft (2015), Aufrufdatum: 12.03.2015

27 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 132 f.

28 Vgl. Schütze, C. (1989), Aufrufdatum: 02.02.2015

29 Vgl. Toffel, M. W. (2003), S. 164.

30 Vgl. BMU (o.J.), Aufrufdatum: 18.11.2014

31 Vgl. Hauff, M. / Jörg, A. (2013), S. 30 f.

32 Zit. nach Lison, U. (2002), S. 20

33 Vgl. Majer, H. (2000 a), S. 223 / Vgl. Lison, U. (2002), S. 20

34 Vgl. Lison, U. (2002), S. 22

35 Vgl. Majer, H. (2001a), S. 4 ff. / Lison, U. (2002), S. 20

36 Vgl. Rogall, H. (2012) S. 175 / Vgl. Hauff, M. / Jörg, A. (2013) S. 123

37 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 3

38 Vgl. Selwig, L.-H. (2000), S. 413

39 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 3

40 Ebenda

41 Vgl. Gutowski, T. et al. (2006), S. 623

42 Vgl. Lison, U. (2002), S. 22

43 Beispielsweise ist es unwichtig, ob - unter der Prämisse gleicher Nutzenstiftung - das Bedürfnis baden zu gehen in einem See (natürlicher Kapitalstock) oder einem Schwimmbad (künstlicher Kapitalstock) befriedigt wird. Vgl. Lison, U. (2002), S. 23

44 Stitzel, M. / Wank, L. (1990), S. 113

45 Vgl. Stitzel, M. / Wank, L. (1990), S. 105

46 Vgl. Ekins, P. (2000), S. 49 ff. / Vgl. Majer, H. et al. (1996), S. 59 f.

47 Die Bezeichnung „Entwicklungsland“ stellt einen Sammelbegriff für Staaten dar, „ die wirtschaftlich und gesellschaftlich gegenüber dem Modell der westlichen Industriestaaten einen erheblichen Rückstand aufweisen. Der Begriff entstammt der Fach- und Alltagssprache der deutschen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit und genießt zwar allgemein hohe Akzeptanz, jedoch existieren keine verbindlichen Kriterien oder Merkmale für Entwicklungsländer. Die OECD unterscheidet nach 'Pro-Kopf-Einkommen':

- Sehr arme Länder ( ‚ Least developed Countries ’ )

- Länder mit niedrigem Einkommen (bis 1.005 US-$ jährlich für das Jahr 2010)

- Länder mit mittlerem Einkommen - untere Einkommenskategorie (1.006 - 3.975 US-$)

- Länder mit mittlerem Einkommen - obere Einkommenskategorie (3.976 - 12.275 US-$)

- Marktwirtschaftliche Industrieländer (über 12.275 US-$) “. Pfaff-Simoneit, W. (2012), S. 4

48 Vgl. Meffert, H. / Kirchgeorg, M. (1993 b), S. 16 ff.

49 Vgl. Kirchgeorg, M. (1999), S. 2 f.

50 Vgl. Spehl, H. (1994), S. 21 ff.

51 Vgl. Lison, U. (2002), S. 23

52 Vgl. Kirchhoff, K. R. (2006), S. 3

53 Vgl. Behrendt (1998) S. 261 f.

55 Hauff, M. / Jörg, A. (2013) S. 123

56 Vgl. Ebenda / Vgl. Rogall, H. (2012) S. 175

57 Zit. nach Bundesministerium für Arbeit und Soziales (o.J.), Aufrufdatum: 03.02.2015

58 Bundesministerium für Arbeit und Soziales (o.J.), Aufrufdatum: 03.02.2015

59 Baumgartner, R. J. (2009), S. 19

60 Vgl. Baumgartner, R. J. (2009), S. 19

61 Dabei streben die Unternehmen an, neue Produkte noch schneller und kostengünstiger als die Konkurrenz auf den Markt zu bringen. Vor allem im Bereich der Konsumgüter ist diese Tendenz zu beobachten. In diesem Bereich ist neben dem eigentlichen Produkt auch die Verpackung mit entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes. Vgl. Liesegang, D.-G. / Sterr, T. (2003), S. 105

62 Es wird unterschieden in ausführende Tätigkeiten, z.B. im Produktionsbereich, und dispositive Tätigkeiten der Organisation und Unternehmensführung

63 Vgl. Baumgartner, R. J. (2009), S. 19

64 Ebenda S. 39

65 Baumgartner, R. J. (2009), S. 39

66 Vgl. Baumgartner, R. J. (2009), S. 41

67 Vgl. Kirchgeorg, M. (1999), S. 8

68 Baumgartner, R. J. (2009), S. 3

69 Vgl. Baumgartner, R. J. (2009), S. 3

70 In der Literatur und in dieser Arbeit werden die Begriffe Umweltmanagement, ökologische Unternehmenspolitik, ökologieorientierte Unternehmensführung etc. synonym verwendet.

71 Kaufmann, K.-G. (2001), S. 16

72 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 16

73 Im Allgemeinen wird in der Literatur die Wertschöpfung als die Wertgröße definiert, um die der Output den Input übersteigt, also eine durch den Transformationsprozess entstehende, dynami- sche (Strom-) Größe. Die Wertschöpfung ist das Ziel produktiver Tätigkeit. Diese transformiert vorhandene Güter in Güter mit höherem Geldwert. Eine höchstmögliche betriebliche Wertschöp- fung (Gewinn) zu erzielen, ist das Hauptziel ökonomischen Handelns. Vgl. Wirtschaftslexikon (o.J. [a]), Aufrufdatum: 09.02.2015

74 Vgl. Strömer, E. (2001), S. 50

75 Ebenda

76 Vgl. Lison, U. (2002), S. 51 ff.

77 Ebenda

78 Im systemtheoretischen Ansatz ist die Unternehmung ein grundlegender Bestandteil des übergeordneten Wirtschaftssystems. Durch das übergeordnete Wirtschaftssystem wird der Raum für ökonomisches Handeln vorstrukturiert. Dabei ist das Wirtschaftssystem als ein Funktionssystem des übergeordneten Gesellschaftssystems anzusehen. „ Die Unternehmung wird als reales System mit bestimmten Eigenschaften wie dynamisch, offen, komplex, zweckorientiert, wirtschaftlich selbsttragend und sozio-technisch charakterisiert. Das System Unternehmung ist Teil eines umfassenden sozialen,ökonomischen, technologischen,ökologischen und gesetzlichen Umsystems, mit dem es in enger Wechselbeziehung und dynamischer Anpassung steht. “ Kaufmann, K.-G. (2001), S. 20 f.

79 Vgl. Ebenda / Zabel, H.-U. (1994), S. 64

80 Vgl. Zabel, H.-U. (1994), S. 64 f.

81 Vgl. Thurow, C. (2009), S. 3 f.

82 Vgl. Warnecke, R. (2012), S. 11

83 Vgl. Lison, U. (2002), S. 51

84 Vgl. Lison, U. (2002), S. 51

85 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 16

86 Kaufmann, K.-G. (2001), S. 109 f.

87 Vgl. Steinle, C. / Lawa, D. / Schollenberg, A. (1993), S. 7 ff.

88 Vgl. Lison, U. (2002), S. 54

89 Lison, U. (2002), S. 57

90 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 16

91 Kaufmann, K.-G. (2001), S. 16

92 Lison, U. (2002), S. 54

93 Vgl. Warnecke, R. (2012), S. 11

94 Warnecke, R. (2012), S. 11

95 Die Zielkausalität beschreibt, dass die Ökologieorientierung einer Unternehmung ursächlich mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden ist. Eine Zielkomplementarität liegt vor, wenn die Erreichung eines Zieles die Erreichung eines anderen Zieles fördert. Vgl. Lison, U. (2002), S. 54

96 Vgl. Feindt, P.H. (2000), S. 492

97 Vgl. Lison, U. (2002), S. 54

98 Vgl. Lison, U. (2002), S. 125

99 Bauer, J. (2008), S. 339

100 Vgl. Bauer, J. (2008), S. 339

101 Dabei bezeichnen Primärressourcen im Folgenden und im Allgemeinen solche Rohstoffe, die aus natürlichen Ressourcen im Interesse menschlichen Handelns gewonnen werden. Dies kann, wie bspw. im Falle der Gewinnung von Aluminium, mit ziemlich aufwendigen Primärproduktionsprozessen verbunden sein. Vgl. Liesegang, D.-G. / Sterr, T. (2003), S. 106

102 Im Rahmen der Definition des Abfallbegriffs wird auf einen Anhang des genannten Gesetzes verwiesen, in welchem einzelne Abfallgruppen aufgelistet sind. In diesen Gruppen werden alle Stoffe abgedeckt, die sich als Abfall definieren lassen, abgerundet durch Ziffer 16: „Stoffe oder Produkte aller Art, die nicht einer der oben erwähnten Gruppen angehören.“ Vgl. § 3 Abs. 1-4 KrW- /AbfG

103 Vgl. Kaufmann, K.-G. (2001), S. 131

104 Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2005), Aufrufdatum: 21.01.2015

105 Vgl. Leisten, R. / Krcal, H.-C. (2003), S. 162 f.

106 Die Produktionswirtschaft beschreibt die Planung, Steuerung und Überwachung der Produktion ganzheitlich unter ökonomischen, ökologischen und humanitären Gesichtspunkten. Sie unterschei- det sich von der Produktionstechnik, die die technischen Aspekte der Produktion betrachtet. Vgl. Wemhoff, H. (2002), S. 4

107 Vgl. Kirchgeorg, M. (1999), S. 1

108 Vgl. Steinborn, J. (2011), S. 8

109 Arendt, M. (2000), S. 22

110 Vgl. Öko-Institut e.V. (2004), S. 8

111 Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys (2005), Aufrufdatum: 21.01.2015

112 Vgl. Deutscher Bundestag (1994), S. 547 f.

113 Vgl. Spannenberg, J.-H. (2005), S. 12

114 Vgl. Öko-Institut e.V. (2004), S. 9 f. / Wemhoff, H. (2002), S. 101.

115 Öko-Institut e.V. (2004), S. 9 f. / Wemhoff, H. (2002), S. 101.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Ökologieorientierte Unternehmensführung. Chancen und Risiken des Produktrecycling in der Kreislaufwirtschaft
Hochschule
Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Autor
Jahr
2015
Seiten
93
Katalognummer
V317548
ISBN (eBook)
9783668167339
ISBN (Buch)
9783668167346
Dateigröße
1528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ökologieorientierte, unternehmensführung, chancen, risiken, produktrecycling, kreislaufwirtschaft
Arbeit zitieren
Miriam Deissner (Autor), 2015, Ökologieorientierte Unternehmensführung. Chancen und Risiken des Produktrecycling in der Kreislaufwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317548

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