Deutschland als Zielland für Medizintouristen. Welche Chancen und Risiken birgt der Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland?


Seminararbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3

Patrick Fischer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und Vorgehen

2 Medizintourismus
2.1 Definition des Medizintourismus
2.2 Abgrenzung Medizin- und Gesundheitstourismus

3 Typisierung des Patientengutes
3.1 Motive und Stimuli für den Medizintourismus
3.2 Quellmärkte für den Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland
3.3 Verteilung der Patienten nach Bundesländern und Einrichtungen

4 Auswirkungen und Potenziale des Medizintourismus
4.1 Chancen und Risiken des Medizintourismus
4.2 Umgang mit Chancen und Risiken

5 Organisation von Medizintourismus
5.1 Anwerbung ausländischer Patienten und Marketing
5.2 Prozessorganisation im Medizintourismus
5.3 Exkurs: Praxisbeispiel

6 Fazit
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit bzw. Leistung eigenständig, ohne fremde Hilfe und nur unter Verwendung der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe. Alle sinngemäß und wörtlich übernommenen Textstellen aus der Literatur bzw. dem Internet habe ich als solche kenntlich gemacht.

Neu-Ulm, 02.07.2014…

Abstract

Die vorliegende Literaturrecherche legt den Status Quo des Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland dar. Dabei werden die wesentlichen Quellmärkte, die Nachbarländer, arabische Staaten und Russland einschließlich der jeweiligen Motive behandelt. Ferner befasst sich die Arbeit mit ökonomischen und sonstigen Chancen und Risiken sowie Marketing und Prozessorganisation auf Medizintourismus spezialisierter deutscher Krankenhäuser. Im Zuge dessen wird genauer auf die Rolle des Patientenvermittlers eingegangen. Die Arbeit stützt sich vornehmlich auf die Ausarbeitungen Jens Juszczaks von der Fachhochschule Rhein-Bonn-Sieg. Auf Basis der aktuellen Situation, der Europäisierung des Gesundheitsmarktes und der Bestrebungen in den arabischen und sowjetischen Staaten, den Standard der medizinischen Versorgung im eigenen Land massiv anzuheben, ergibt sich folgende Prognose: Zukünftig bleibt der Markt für Medizintourismus aufgrund der Behandlungsabkommen mit den Nachbarstaaten in diesem Bereich stabil. Sollten die arabischen und sowjetischen Staaten den medizinischen Standard auf das deutsche Niveau anheben können, so ist der Stimulus der hochwertigeren medizinischen Versorgung obsolet. Folglich wäre die Entwicklung in diesen Märkten rückläufig.

Schlagwörter: Medizintourismus, Patiententourismus, internationale Patienten, deutsche Kliniken

The present literature research shows the status quo of the medical tourism from foreign countries to Germany. It addresses the most essential source markets, the neighboring countries, Arabic countries and Russia including the relative motives. Further the research attends to economic and other opportunities and threats as well as marketing and organization of processes concerning specialized German hospitals. In train of that it investigates the role of patient agents. The research mainly bases on the treatises of Jens Juszczak from the University of Applied Science Rhein-Bonn-Sieg. On the basis of the recent situation, the Europeanization of the health care market and the effort of Arabic and Soviet states to lift the standard of medical care in their own countries you can venture the following prognosis: Prospectively the market for medical tourism remains stable because of the arrangements between the neighboring countries and Germany. If the Arab and Soviet countries are able to raise the medical standard to the same level as in Germany, the incentive of a higher value medical care is obsolete. Therefore the development of these markets would be regressive.

Keywords: medical tourism, patient tourism, international patients, German hospitals

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die 5 Hauptgründe für den Medizintourismus

Abb. 2: Die größten Quellmärkte für den Medizintourismus nach Deutschland

Abb. 3: Verteilung der internationalen Patienten nach Bundesländern

Abb. 4: Ökonomische Risiken

Abb. 5: Die Servicekette des Medizintourismus

1 Einleitung

„Das deutsche Gesundheitswesen genießt eine hohe Wertschätzung im Ausland.“ (Frädrich, A., 2013, S. 1616). Das macht Deutschland als Zielland für Medizintouristen besonders attraktiv. Die Organisation, der hohe Wissensstand, die Standardisierung, das Management und vor allem die Qualitätssicherheit machen deutsche medizinische Einrichtung so gefragt (vgl. Frädrich, A., 2013, S. 1616). Die hohen qualitativen Standards und die geopolitische Ausgangssituation in Europa sowie weltweit sind begünstigende Faktoren für den Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland. Die im Folgenden dargelegte Ausgangssituation fungiert als Katalysator dieses Wirtschaftszweiges.

1.1 Ausgangssituation

„Die länderübergreifende Inanspruchnahme ärztlicher Behandlungen gilt als weltweiter Trend und zählt zu den Folgen einer fortschreitenden Globalisierung.“ (Frädrich, A., 2013, S. 1616). Aufgrund dieser fortschreitenden Globalisierung und Internationalisierung verbreiten sich Informationen über neue medizinische Erkenntnisse weltweit in einer sehr hohen Geschwindigkeit. Somit steigen global die Erwartungen an das jeweilige Gesundheitssystem. Da dieses den Anforderungen der Patienten jedoch häufig nicht gerecht wird, entwickelte sich ein internationaler Medizintourismus. Zusätzlich zur Globalisierung schreitet die Europäisierung immer weiter voran. Mit dem Zusammenwachsen der EU an sich, beginnen auch die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedsstaaten in immer umfangreichere Kooperationen zu treten (vgl. Helster, W. & Matuko, B., 2011, S. 1107). Im Hinblick auf diese Entwicklungen kann nun die Zielsetzung der Arbeit und das gewählte Vorgehen betrachtet werden.

1.2 Zielsetzung und Vorgehen

Ziel dieser Literaturrecherche ist es, einen Überblick über den Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland zu bekommen und einen Ausblick auf das Potential dieses Wirtschaftszweigs zu erlangen. Dabei sollen Motive aufgezeigt und das Patientengut typisiert werden. Außerdem werden Chancen und Risiken erörtert und der adäquate Umgang mit diesen diskutiert. Ebenfalls thematisiert werden Marketingaspekte, Wege der Patientenakquise und die Prozessorganisation im Medizintourismus. Abschließend soll auf Basis der beschriebenen Aspekte ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland gegeben werden. Im Allgemeinen beschränkt sich die Recherche hauptsächlich auf den Medizintourismus in deutschen Krankenhäusern. Hauptsächlich baut die Arbeit auf der Literatur von Jens Juszczak von der Fachhochschule Rhein-Bonn-Sieg auf, welcher sich eingehend mit dem Thema Medizintourismus beschäftigt.

2 Medizintourismus

Weltweit reisen Menschen im In- und Ausland, um sich am Zielort medizinisch behandeln zu lassen. Die vorliegende Definition beschränkt sich ausschließlich auf den Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland. Der inländische Medizintourismus wird ausgeklammert.

2.1 Definition des Medizintourismus

Medizintourismus beschreibt das Reisen ins Ausland, mit dem primären Ziel, im Zielland ärztliche Behandlungen und Operationen in Anspruch zu nehmen. Dabei übersteigt die Dauer des Aufenthalts nicht die eines normalen Urlaubes (vgl. Gerzer, R., 2012, S. 241). Medizintourismus ist somit stets krankheitsinduziert bzw. indikationsbezogen (vgl. Frädrich, A., 2013, S. 1617). Es handelt sich dabei um sekundärpräventive und kosmetische Operationen. Diese Form des Tourismus wird häufig auch als Patiententourismus bezeichnet (vgl. Cassens, M., 2013, S. 56). Der Terminus „Patient“ impliziert das Vorhandensein eines gesundheitlichen Problems. Somit ist der Medizin- bzw. Patiententourismus vom Gesundheitstourismus abzugrenzen.

2.2 Abgrenzung Medizin- und Gesundheitstourismus

Grundsätzlich muss zwischen Medizin- und Gesundheitstourismus unterschieden werden. Bei der Abgrenzung und Einordnung der beiden Termini gibt es allerdings verschiedene Ansätze. Einerseits kann der Medizintourismus dem Gesundheitstourismus gegenübergestellt werden. Während der Medizintourismus indikationsbezogen ist, zeichnet sich der Gesundheitstourismus durch die Unabhängigkeit von Indikationen oder Krankheitsbildern aus. Ziele dessen sind die Primärprävention, die Gesunderhaltung und die Gesundheitsbildung und –aufklärung (vgl. Frädrich, A., 2013, S. 1617). Es findet hierbei keine Behandlung im Krankenhaus statt, da keine akuten Erkrankungen behandelt werden. Stattdessen soll in Kur- und Wellnesseinrichtungen Prävention betrieben werden (vgl. Gerzer, R., 2012, S. 241). Auf der anderen Seite kann der Medizintourismus als ein Subbereich des Gesundheitstourismus gesehen werden. Bei dieser Betrachtungsweise werden kurative und präventive Behandlung ebenso dem Medizintourismus zugeschrieben, wie kosmetisch-operative Eingriffe (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 152). Somit wird hierbei sowohl Primär- als auch Sekundärprävention betrieben.

3 Typisierung des Patientengutes

Nachdem der Medizintourismus nun eindeutig definiert und abgegrenzt wurde, sollen die Gründe für diesen aufgezeigt werden. Die Motive, warum sich Patienten im Ausland medizinisch behandeln lassen sind vielfältig. Diese sind in der Regel vom Stand des Gesundheitssystems im Quellland abhängig. Im Folgenden werden somit die Stimuli beschrieben und dem jeweiligen Quellmarkt zugeordnet. Außerdem werden Cluster für die Behandlung ausländischer Patienten in Deutschland aufgezeigt.

3.1 Motive und Stimuli für den Medizintourismus

Im Allgemeinen gibt es fünf Hauptgründe für den Medizintourismus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die 5 Hauptgründe für den Medizintourismus. Quelle: Ehrbeck, T. & Guevara, C. & Mango, P., 2008, S. 4

Der Grafik ist zu entnehmen, dass 40 % der Patienten die fortschrittlichsten Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen wollen, wobei die meist hohen Behandlungskosten primär keine Rolle spielen. Die wesentliche Destination für derart motivierte Medizintouristen sind die USA. Quellmärkte hierfür sind Südamerika, der Mittlere Osten, Europa und Kanada. Der zweitgrößte Stimulus ist eine bessere Behandlungsqualität als im Heimatland. Der Anteil liegt bei 32 %. Dies betrifft hauptsächlich Menschen aus Schwellen- oder Entwicklungsländern, welche über die notwenigen Mittel verfügen, um die Reise und die anschließende Behandlung finanzieren zu können. Diese Patienten stammen meist aus der ehemaligen Sowjetunion oder aus arabischen Ländern und reisen zur Behandlung nach Deutschland. Weitere 15 % reisen aufgrund langer Wartezeiten, vor allem bei aufwändigen Herz- oder Gelenksersatzoperationen, ins Ausland. Dies ist häufig in Großbritannien der Fall. In Deutschland findet diese Art des Medizintourismus nur selten statt, da die Kosten im Gegensatz zu anderen Gesundheitssystemen nicht von der Krankenkasse erstattet werden. Des Weiteren ist die Medizinreise teilweise damit begründet, dass vereinzelte Therapien im Heimatland nicht verfügbar oder nicht zugelassen sind (vgl. Ehrbeck, T. & Guevara, C. & Mango, P., 2008, S. 4). Zusammengefasst ist somit ein Großteil der gesamten Medizintouristen qualitäts- bzw. prestigeorientiert (vgl. Cassens, M., 2013, S.57). Das letzte Reisemotiv sind die geringeren Behandlungskosten im Zielland, sowohl für medizinisch notwenige als auch für beispielsweise plastische Operationen und Behandlungen. Dies trifft auf kumuliert 13 % der Medizintouristen zu. Der größte Anteil dieser Gruppe bilden die Patienten, die von Deutschland ins Ausland reisen, um sich behandeln zu lassen (vgl. Ehrbeck, T. & Guevara, C. & Mango, P., 2008, S. 5). Diese sind primär kostenorientiert. Qualität und Prestige sind hingegen sekundär (vgl. Cassens, M., 2013, S. 57). Im Folgenden werden die Patientengruppen, die zur Behandlung nach Deutschland reisen, extrahiert und die entsprechenden Quellmärkte genauer betrachtet.

3.2 Quellmärkte für den Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland

Die Gesamtheit der Top-15-Quellmärkte lässt sich in vier Untergruppen aufteilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die größten Quellmärkte für den Medizintourismus nach Deutschland. Quelle: Juszczak, J., 2013, S. 153

Bei der Betrachtung der Abbildung fällt auf, dass fast die Hälfte aller Patienten aus den Nachbarstaaten kommt. Weitere Untergruppen bilden zum einen russische Patienten und zum anderen Patienten vom arabischen Subkontinent. Die vierte Gruppe bilden die Höchstpreisländer, inklusive weniger Staaten, welche in keine der drei vorangehenden Kategorien einzuordnen sind. Die größte Gruppe bilden Patienten aus den Nachbarländern, vor allem aus Frankreich und den Niederlanden. Diese reisen aufgrund verkürzter Wartezeiten nach Deutschland. Für Medizintouristen aus Dänemark ist außerdem die höhere Krankenhausdichte in Deutschland entscheidend. Begünstigt wird diese Form des Medizintourismus von individuellen bilateralen Kooperations- und Behandlungsverträgen und der EU-Richtlinie für Behandlungsreisen. Die Richtlinie 2011/24/EU des Europäischen Parlaments beinhaltet die grundsätzliche Kostenerstattungspflicht bei grenzübergreifenden Behandlungen, sollte keine vergleichbare Therapie im Heimatland rechtzeitig möglich sein (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 152). Zwei weitere bedeutende Quellmärkte sind der arabischsprachige sowie der russischsprachige Raum. Für Patienten aus diesen Staaten spielen die Behandlungskosten vorerst keine Rolle. Da die heimischen Gesundheitseinrichtungen den hohen Erwartungen an die Behandlungsqualität nicht gerecht werden, lässt sich dieses Patientenklientel meist in deutschen Universitäts- und Privatkliniken medizinisch versorgen oder operieren. Oftmals sind die gewünschten bzw. benötigten Therapien im Heimatland überhaupt nicht oder nur eingeschränkt möglich (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 153). Perspektivisch weisen die Patientenzahlen aus den arabischen Ländern lediglich geringe Wachstumsraten auf, während der russische Quellmarkt stetig an Bedeutung gewinnt. Dies ist auf die Marktgröße und die geringe Markterschließung zurückzuführen (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 154). Zuletzt sollen neben den bedeutendsten Quellmärkten auch die Höchstpreisländer in die Betrachtung einbezogen werden. Die Behandlungskosten in Staaten wie den USA oder der Schweiz übersteigen das bereits sehr hoch angesiedelte Preisniveau des deutschen Gesundheitssystems. Somit gewähren die jeweiligen Krankenversicherer die Kostenerstattung für Rehabilitationsmaßnahmen und stationäre Krankenhausaufenthalte im Ausland. Weitere Staaten wie Großbritannien oder Norwegen versuchen durch Behandlungsabkommen eine indikationsspezifische medizinische Unterversorgung zu kompensieren und somit Wartelisten abzubauen (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 152).

3.3 Verteilung der Patienten nach Bundesländern und Einrichtungen

Die Verteilung der stationär behandelten Auslandspatienten in Deutschland ist sehr heterogen. Kliniken in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind bei Medizintouristen besonders beliebt (vgl Juszczak, J., 2013, S. 154).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Verteilung der internationalen Patienten nach Bundesländern. Quelle: Juszczak, J., 2013, S. 154

Bevorzugt werden hierbei vor allem die Universitätskliniken und Kliniken in privater Trägerschaft (vgl. Kostrzewski, A., 2012, S. 495). Die Präferenz für diese Kliniken korreliert mit den Indikationen und den nachgefragten Behandlungen. In erster Linie handelt es sich um neueste Krebstherapien, Organtransplantationen, kosmetische Operationen und komplexe, teils orthopädische Operationen. Diese Behandlungen stellen höchste technische und medizinische Anforderungen, welche in Universitätskliniken und privaten Spezialkliniken bedient werden können (vgl. Gerzer, R., 2012, S. 244 – 245).

4 Auswirkungen und Potenziale des Medizintourismus

Der Medizintourismus ist ein zukunftsträchtiger Zweig der Gesundheitswirtschaft und bietet Gesundheitseinrichtungen zum Teil erhebliche Chancen. Neben den positiven Effekten birgt er allerdings auch einige Risiken, welche hinsichtlich der strategischen Planung und Positionierung der entsprechenden Krankenhäuser unbedingt beachtet werden müssen.

4.1 Chancen und Risiken des Medizintourismus

Wenngleich der Anteil der Einnahmen durch ausländische Patienten am Gesamtumsatz der spezialisierten Krankenhäuser mit ca. 4 % relativ gering ist, stellt der Medizintourismus eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle außerhalb des staatlichen Krankenhausbudgets dar. Zu diesen Einnahmen kommen noch Erlöse für Zusatzleistungen wie Übersetzer, Transporte, Einkäufe oder die Unterbringung der Begleitpersonen (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 151). Außerdem helfen die Medizintouristen Gesundheitseinrichtung eventuelle freie Kapazitäten voll auszulasten (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 152). Somit generiert diese Form des Tourismus sowohl einen betriebswirtschaftlichen als auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Im Gegensatz zu den Chancen sind die Risiken nicht ausschließlich ökonomischer Natur. Nichtsdestotrotz existieren erhebliche wirtschaftliche Risiken. Ausländische Patienten verursachen deutlich höhere Aufwendungen. Dies wird vor allem dann zum Problem, wenn es zu Zahlungsverzögerungen kommt oder die Kosten nicht voll erstattet werden (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 156). Folgende Darstellung veranschaulicht diesen Umstand.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Ökonomische Risiken. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Juszczak, J, 2009, S. 51 - 52

Vor allem die zusätzlichen Aufwendungen werden häufig nicht erstattet. Somit entstehen offene Rechnungsposten. Die durchschnittliche Wartezeit auf die Kostenerstattung lag 2009 bei 5,5 Monaten (vgl. Juszczak, J., 2009, S. 51 - 52). Eine weitere Schwierigkeit ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Die Sprachbarrieren führen gelegentlich zu Haftungsproblemen, die wiederrum mit juristischen und gesundheitlichen Auswirkungen und Problemen verbunden sind (vgl. Frädrich, A., 2013, S. 1618). Die grenzübergreifende Übertragung zum Teil multiresistenter Keime und Krankheiten durch Medizintouristen und die Verbreitung in Deutschland stellen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar (vgl. Gerzer, R., 2012, S. 246). Angesichts dieser vielfältigen Chancen und Risiken ist der adäquate Umgang mit diesen von essentieller Bedeutung.

4.2 Umgang mit Chancen und Risiken

Um das Potenzial des Medizintourismus ausschöpfen zu können, bedarf es einer klaren konzeptionellen Ausrichtung. Hierzu ist eine umfassende internationale Vernetzung notwendig. Dies wird durch organisatorische Komplettlösungen und klar ausgerichtete und positionierte Krankenhäuser ermöglicht (vgl. Frädrich, A., 2013, S. 1616). Sind die erforderlichen strukturellen Bedingungen geschaffen, ist der weitere Erfolg von einer effektiven Anwerbung ausländischer Patienten und einer effizienten Prozessorganisation und –durchführung abhängig. Genaueres zu den Themen Anwerbung, Marketing und Prozessorganisation wird im weiteren Verlauf der Arbeit betrachtet.

Ebenso bedeutsam wie der gezielte Umgang mit den Chancen sind Maßnahmen zur Risikoverhütung. Um Zahlungsverzögerungen oder gar –ausfällen zuvor zu kommen, gibt es im Allgemeinen zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist die Forderung an den Patienten bzw. den jeweiligen Kostenerstatter, in Vorkasse zu treten. Dies ist jedoch gleichzeitig mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Eine Alternative dazu ist es, das Zahlungsrisiko an externe Unternehmen abzutreten. Diese Unternehmen führen die Zahlungsabwicklung zwischen Patienten und den beteiligten Kliniken durch. Sie sollten unbedingt über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um eventuelle Zahlungsverzögerungen vorerst auffangen zu können (vgl. Kostrzewski, A., 2012, S. 496). Das nächste Problem, das es zu lösen gilt, sind die Sprachbarrieren. Hier kann auf Patientenvermittler oder das International Office, falls eines vorhanden ist, zurückgegriffen werden. Diese sind unter anderem für die Übersetzung, z.B. von Arztbriefen oder Befunden zuständig (vgl. Juszczak, J., 2013, S. 155 – 156). Auf diese vermittelnden Personen bzw. Abteilungen wird später erneut Bezug genommen. Gesundheitliche Risiken wie die globale Verbreitung von Keimen sind nur schwer einzudämmen (vgl. Gerzer, R., 2012, S. 246). Es bleibt einzig die Möglichkeit, aufzuklären, vor der Gefahr zu warnen und die betreffenden Einrichtungen dafür zu sensibilisieren. Diese Verhaltensprämissen und Maßnahmen haben einen erheblichen Einfluss auf das Marketing und die Prozesse in Gesundheitseinrichtungen, die Medizintouristen behandeln. Somit sind diese im weiteren Verlauf stets in die Überlegungen miteinzubeziehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Deutschland als Zielland für Medizintouristen. Welche Chancen und Risiken birgt der Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland?
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V317674
ISBN (eBook)
9783668167896
ISBN (Buch)
9783668167902
Dateigröße
1258 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutschland, zielland, medizintouristen, welche, chancen, risiken, medizintourismus, ausland
Arbeit zitieren
Patrick Fischer (Autor), 2014, Deutschland als Zielland für Medizintouristen. Welche Chancen und Risiken birgt der Medizintourismus vom Ausland nach Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317674

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