Staatsinsolvenzen. Lösungsansätze im Umgang mit bankrotten Volkswirtschaften


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Herleitung und Begriffsklärung
1.1 Hintergründe über Staatsschulden

2 Umgang mit Staatsbankrotten – Rückblick auf Argentinien
2.1 Argentinien
2.2 Zusammenfassung der ergriffenen Maßnahmen
2.3 Umgang mit Staatsbankrotten – Rückblick auf Griechenland
2.4 Zusammenfassung der ergriffenen Maßnahmen
2.5 Gegenüberstellung der Argentinienkrise mit der Krise Griechenlands – Parallelen und Unterschiede
2.5.1 Die Parallelen
2.5.2 Die Unterschiede

3 Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB)
3.1 Securities Market Programm (SMP)
3.2 Artikel 125 AEUV - Die Nichtbeachtung der No-Bail-Out-Klausel

4 Weitere Lösungsansätze im Umgang mit Staatsschuldenkrisen
4.1 Koordinationsprobleme im Umgang mit Staatsanleihen (collective action problem)
4.1.1 Rush to the exit
4.1.2 Rush to the court house
4.1.3 Hold-Out (Trittbrettfahrerproblem)
4.2 Code of Conduct
4.3 Die Notwendigkeit einer Insolvenzordnung
4.4 Ablehnung einer Insolvenzordnung seitens der Gläubiger und Schuldner
4.5 Sovereign Debt Restructuring Mechanism des IWF (2003)

5 Bewertung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Herleitung und Begriffsklärung

Betrachtet man die Auflistung zahlungsunfähiger Staaten für Europa ab dem Jahr 1800 so zeigt sich, dass diese nicht selten waren. In der europäischen Geschichte führt Spanien mit acht, und Deutschland, Österreich und Ungarn mit jeweils sieben. Staatsbankrotte ab 1980 sind in den europäischen Ländern Russland, Polen, Rumänien sowie die Türkei zu verzeichnen. Die derzeitige Lage Griechenlands stellt demnach keine Ausnahme dar. Das Ausmaß und deren Lösungsansätze sind jedoch einzigartig.

Ein Staat ist bankrott, wenn er Schuldenrückzahlungen oder Zinszahlungen ganz oder auch nur teilweise in der ursprünglich vereinbarten Höhe nicht pünktlich leistet.1

Dies kann sowohl für die eigenen Schulden des Staates gelten als auch für Schulden des privaten Sektors, welche durch staatliche Garantien gedeckt sind.

Auffällig für einen Staatsbankrott ist die Finanzierung durch überwiegend kurzfristige finanzierte Schulden sowie Haushaltsdefizite, die nicht mehr durch Steuereinnahmen gedeckt werden können.

Im Zuge der Globalisierung hat sich auch die Finanzmarktarchitektur innerhalb der internationalen Kapitalflüsse verändert. Staatsanleihen, die von einer großen heterogenen Gruppe gehalten werden, haben die bis in die 90er Jahre vorherrschenden Bankkredite abgelöst. Dadurch entstehen, bei Zahlungsunfähigkeit eines Landes, gravierende Koordinations- und Kollektivprobleme bei der Umstrukturierung von Staatsanleihen. Die Umstrukturierungsmaßnahmen konnte beispielsweise Argentinien bewältigen, wobei Griechenland zur Zeit mit der Umsetzung der Maßnahmen beschäftigt ist. Die vorliegende Arbeit dient der Betrachtung der argentinischen Krisenbewältigung mit dem für Griechenland gewählten Ansatz. Im Anschluss werden mögliche Lösungsansätze im Umgang mit Staatsbankrotten sowie deren Problemstellungen dargelegt.

1.1 Hintergründe über Staatsschulden

Staatsschulden lassen sich in eine Liquiditäts- und Solvenzkrise untergliedern, wobei die Liquiditätskrise durch eher kurzfristige und die Solvenzkrise eher langfristige Probleme darstellt. Beide Krisen sind nicht unabhängig voneinander, erfordern allerdings unterschiedliche Maßnahmen zur Bewältigung.2

Geschichtlich lassen sich unter anderem folgende Gründe für Staatskrisen feststellen:

- hohe Staatsverschuldung durch Kredite ausländischer Kreditgeber wie in Griechenland
- sinkendes Bruttoinlandsprodukt wie in Argentinien
- hohe Arbeitslosigkeit wie in Argentinien
- Korruption in Wirtschaft und Politik wie in Argentinien und Griechenland

2 Umgang mit Staatsbankrotten – Rückblick auf Argentinien

2.1 Argentinien

Die Argentinien-Krise wurde durch das Zusammenwirken mehrerer komplexer Effekte ausgelöst, die 2001 in einer Zahlungsunfähigkeit endeten. Zum einen stieg die Schuldenrate auf nahezu konstant 55 % des Argentinischen Bruttosozialprodukts an3.

Weiter zeigte die Währungsabwertung von Mexiko und Brasilien Auswirkungen auf den Export argentinischer Produkte, da beide Länder wichtige Wirtschaftspartner für Argentinien waren. Der Export brach ein. Ganze Wirtschaftszweige wurden in das günstigere Ausland verlagert. Die Anbindung an den US‑Dollar lähmte die wirtschaftliche Situation des Landes zusätzlich. Argentinien hatte aufgrund des fixen Wechselkurses nicht die Möglichkeit zur Währungsabwertung oder Zinssenkung. Das Land war gezwungen, immer neue Kredite aus dem Ausland aufzunehmen. Der Schuldenstand wuchs und die Kreditwürdigkeit des Landes sank, was die weitere Kapitalbeschaffung erschwerte. Rettungspakete, die geschürt wurden, haben sich als wirkungslos erwiesen, da sie nicht die notwendige Sanierung des Landes herbeiführten. Erst 2001, mit endgültiger Zahlungsunfähigkeit, konnten erste Maßnahmen zur Sanierung des Landes ergriffen werden. Argentinien stellte die Zahlung gegenüber privaten Anleihehaltern ein und bot diesen zwei Jahre später eine Umschuldung an, einen geringen Teil des ursprünglichen Anleihewertes bezifferte.

2.2 Zusammenfassung der ergriffenen Maßnahmen

- Das Konvertibilitätsgesetz, welches den Peso 1:1 an den US‑Dollar koppelte, wurde aufgehoben und der Peso gegenüber dem US Dollar stark abgewertet. Dadurch konnte das Land billiger exportieren und konkurrenzfähigere Preise auf dem Weltmarkt erzielen.
- Die Beschränkung des Abhebens von Bargeld - der Corralon - sowie die Umwandlung aller auf US-Dollar lautenden Konten in argentinische Peso wurde durchgesetzt. Hierdurch wurde Kapitalflucht verhindert und das Bankensystem konnte entlastet werden.
- Es fand eine Umschuldung sowie Schuldenerlass - ein so genannter Haircut: die Verlängerung der Laufzeiten und die Herabsetzung des Nominalwertes der Anleihen oder ihre Verzinsung. - statt, da die Schulden ein Niveau erreicht hatten, das nicht mehr zurückbezahlt werden konnte.

Seit 2003 weist Argentinien wieder ein konstantes Wirtschaftswachstum auf, was auf die positiven Effekte der Währungsabwertung zurückgeführt werden kann.

2.3 Umgang mit Staatsbankrotten – Rückblick auf Griechenland

Griechenland wurde 2001 in den Euroraum aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Land bereits ein massives Staatsdefizit, welches unter anderem durch gefälschte Statistiken unterschlagen wurde. Nach dem Eintritt in den Euroraum nutzte das Land die günstigen Finanzierungsbedingungen an den Euro-Kapitalmärkten, um den Staatskonsum weiter auszudehnen, ohne dabei für entsprechend steigende Steuereinnahmen zu sorgen. So vergrößerte sich der Abstand zwischen Staatsausgabenquote und Staatseinnahmenquote kontinuierlich.

Als die Gesamtschuldenlast nicht mehr zu bewältigen war, halfen im Jahr 2010 der Internationale Währungsfond, die Europäische Zentralbank sowie die Euro-Länder mit Krediten aus.

Griechenland ist mit knapp 370 Milliarden Euro und damit 171 Prozent verschuldet. Zudem schrumpfte die Wirtschaft im Jahr 2011 um fast sieben Prozent.4

2.4 Zusammenfassung der ergriffenen Maßnahmen

In Reaktion auf die griechische Überschuldungskrise wurden Rettungspakete geschürt, die an bestimmte Auflagen gekoppelt sind. Hierzu zählen die Erhöhung der Steuereinnahmen, Kürzung von Staatsausgaben sowie die Minimierung der Beschäftigtenzahl im öffentlichen Dienst. Weiter wurde Griechenland zu einer Neugestaltung der staatlichen Rentenversicherung verpflichtet.

[...]


1 http://www.cesifo-group.de, Abruf am 14.10.2012

2 Vgl. M. Tojner, Staatsschuldenkrisen und Staatsinsolvenzen, Wien 2012, S. 158

3 http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Argentinienkrise.html, Abruf am 14.10.2012

4 Vgl. http//www.wiwo.de/politik/europa/ezb-brandbeschleuniger-der-euro-krise/6249314, Abruf am 21.11.2012

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Staatsinsolvenzen. Lösungsansätze im Umgang mit bankrotten Volkswirtschaften
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Berlin früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V318401
ISBN (eBook)
9783668175419
ISBN (Buch)
9783668175426
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmarkt, Finanzen, Staatsinsolvenz, Finanzkrise, Staatsverschuldung
Arbeit zitieren
Sandra Böttcher (Autor), 2013, Staatsinsolvenzen. Lösungsansätze im Umgang mit bankrotten Volkswirtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318401

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