Rezension zu "Kairo. Die Entwicklung des modernen Stadtzentrums im 19. und frühen 20. Jahrhundert" von Ihab Morgan


Rezension / Literaturbericht, 2015
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse
2.1 Inhaltliche Zusammenfassung
2.2 Quellengrundlage und methodisches Vorgehen

3. Kritische Würdigung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Besetzung Ägyptens durch Napoleon Bonaparte im Jahr 1798 beginnt der Einfluss (mittel-)europäischer Stadtplanung auf das urbane Kairo. Ihab Morgan untersucht in seiner 1999 eingereichten Doktorarbeit umfassend die Besonderheit der Überlagerung ungleicher Planungsmuster sowie die Gestaltung europäischer Bautypologien im orientalischen Kontext anhand Kairos modernen Stadtzentrums und seiner Agglomeration. Bei der Untersuchung des modernen Stadtzentrums von Kairo beachtet Morgan die verschiedenen sozioökonomischen, kulturellen und klimatischen Verhältnisse, um die Impulse und Tendenzen der örtlichen Entwicklungsfolgen aus historischer, städtebaulicher und statistischer Sicht zu analysieren. Dabei bezieht er sich auf eine äußerst umfangreiche Vielfalt und Menge an Quellenmaterial. Morgan ist 1965 in Kairo geboren und im Stadtzentrum aufgewachsen. Er kam während seiner Schulzeit an der deutschen evangelischen Oberschule in Kairo bereits mit ausländischen Kulturen in Kontakt. Nach einem Architekturstudium an der Universität Helwan in Kairo hat er einige Berufserfahrung im Bereich der Architektur gesammelt, bevor er ein zweites Architekturstudium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich abschloss, um dort später mit der vorliegenden Arbeit zu promovieren.1 Die Aufteilung der Arbeit in drei Hauptteile neben einer Einleitung und einer Zusammenfassung ist chronologisch an der kolonialen Historie Ägyptens orientiert. Im inhaltlichen Teil dieser Rezension wird dieser Teilung gefolgt, um anschließend auf das methodische Vorgehen Morgans intensiver einzugehen und seine Monographie kritisch zu würdigen.

2. Analyse

2.1 Inhaltliche Zusammenfassung

Morgan untersucht die urbane Stadtplanung Kairos unter dem Einfluss europäischer Gebäudetypologien. Die räumlichen Entwicklungsfolgen der Planungs- und Architekturtendenzen des modernen Kairos aus historischer, statistischer und städtebaulicher Sicht sollen analysiert werden.2

Die Monographie ist neben einer Einleitung und einer abschließenden Zusammenfassung mit Schlussfolgerungen in drei wesentliche Teile gegliedert. Die drei Teile sind ebenfalls in Unterabschnitte gegliedert. Die koloniale Historie von Ägypten ist Maßstab für die differenzierte Analyse eines vorkolonialen, kolonialen und postkolonialen Kairos. Im ersten, dem vorkolonialem Teil beschreibt Morgan den von den Franzosen angestoßenen und von Muhammad Aly fortgeführten Entwicklungsprozess in der Institutionalisierung in Sachen Verwaltung und Ausbildung der Bevölkerung. Der zweite Teil nimmt einen direkten Bezug darauf, indem die differenzierte Entwicklung des Zentrums in den verschiedenen Sektoren umfassend thematisiert und die Funktion und Gestaltung der einzelnen Plätze anhand von Beispielen analysiert wird. Ebenso analysiert Morgan im dritten Teil die unmittelbaren planerischen Einflüsse anhand von Beispielen. Am Ende seiner Arbeit fasst er die zentralen Aussagen zusammen und führt seine Schlussfolgerungen untergliedert auf.

Die Besetzung Ägyptens durch Napoleon Bonaparte von 1798 bis 1801 markiert nach Morgan den Beginn des europäischen Einfluss auf die Stadtplanung in Kairo und seinem Umfeld. Die dreijährige französische Besetzung veränderte die Stadtplanung grundlegend, indem sie europäische Maßstäbe in der Organisation und der technischen Ausführung etablierte sowie eine bürgerliche und ökonomische Umorientierung in Gang brachte.3 Auch nach dem Ende der französischen Besetzung Ägyptens blieb die Nachfrage an europäischer Architektur und Stadtplanung erhalten. Durch die Herrschaft von Muhammad Aly von 1805 bis 1848, der, fasziniert von den neu etablierten organisatorischen Formen, einen Modernisierungsprozess in Ägypten und besonders in Kairo anstieß, nahmen ausländische Architekten, Ingenieure und Stadtplaner, sowohl auf private als auch auf öffentliche Bauprojekte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.4 Am Anfang dieses Modernisierungsprozesses steht eine gründliche kartographische Erfassung Kairos. Morgan vergleicht in seiner Monographie die Karten von Niebuhr (1774), Jomard (1821) und Coste (1837) um Kairos Wechselseitigkeit zwischen alt und neu zu verdeutlichen.5 Durch die Gründung von staatlichen Institutionen, vor allem durch das Ordnungsamt, gab es zum ersten Mal eine übereinstimmende Bauregelung und einen allgemeinen Bauplan. Die Einführung des mitteleuropäischen Maßsystems erleichterte zudem die fachliche Verständigung zwischen einheimischen und ausländischen Fachkräften.6 Der Institutionalisierung der Staatsverwaltung sei, laut Morgan, ein klarer Beleg für die stufenweise Adaption des europäischen technischen und wissenschaftlichen Denkens.7 Die Erweiterung des Altstadt-Gebietes wurde durch die Regulierung des Nilufers möglich. Wo die Stadtplanung zuvor stark vom Wasserstand des Nils abhängig war, wurden neue Bau- und Nutzflächen gewonnen.8 Aber auch inmitten der Altstadt, wurde durch den von Muhammad Aly angeordneten Abriss von beschädigten Bauten neues Bauland frei, da die Eigentümer oft nicht in der Lage waren einen Neuaufbau zu finanzieren.9 Generell wurde eine Aufteilung der Bevölkerung zunehmend offensichtlicher. Nicht nur ethnische, sondern auch wirtschaftliche Faktoren spielten bei der Trennung der Gesellschaft eine Rolle. Der einkommensstarken Bevölkerung war ein Einfluss auf das öffentliche Leben durch hochrangige Beamtenstellen, die eine Ausbildung in Europa voraussetzten, möglich.10 Mit der Besetzung Ägyptens durch England 1882 verlor die ägyptische Bevölkerung ihren Einfluss. Die koloniale Wirtschaftspolitik sah eine politische und geistige Beteiligung der einheimischen Bevölkerung als nachteilig an, was zwangsläufig zu einer nationalistischen Bewegung führte.11 Der altägyptische und islamische Architekturstil gewann zwar zunehmend an Bedeutung, jedoch blieb der europäische Einfluss auf die Entwicklung der Neustadt ungebrochen, so dass Kairo fortwährend von westlichen Einflüssen bestimmt wurde.12

Die städtische und wirtschaftliche Erweiterung des modernen Kairos kann, nach Morgan, in fünf Zeitphasen eingeteilt werden.

Von 1820 bis 1840 versuchte Muhammad Aly die Verwaltung Ägyptens und ihre Institutionen nach europäischem Vorbild zu schaffen. Als Folge wanderten die wirtschaftlichen Zentren allmählich von der Altstadt in die neu geschaffenen Gebiete von al-Azbakeia, wobei sich „die traditionellen und die kolonialen Strukturen überlagerten […].“13

[...]


1 Vgl. Ihab Morgan, Kairo. Die Entwicklung des modernen Stadtzentrums im 19. Und frühen 20. Jahrhundert. Bern, 1999, S. 289.

2 Vgl. Morgan, Kairo, S. 259

3 Vgl. ebd., S. 21

4 Vgl. Morgan, Kairo, S. 25f

5 Vgl. ebd., S. 28ff

6 Vgl. ebd., S. 50

7 Vgl. ebd., S. 54

8 Vgl. ebd., S. 37

9 Vgl. ebd., S. 44

10 Vgl. ebd., S. 260

11 Vgl. ebd., S. 83f

12 Vgl. Morgan, Kairo, S. 82

13 Ebd., S. 85

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Rezension zu "Kairo. Die Entwicklung des modernen Stadtzentrums im 19. und frühen 20. Jahrhundert" von Ihab Morgan
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Stadträume
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V318582
ISBN (eBook)
9783668178564
ISBN (Buch)
9783668178571
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezension, kairo, entwicklung, stadtzentrums, jahrhundert, ihab, morgan
Arbeit zitieren
Jannik Lorie (Autor), 2015, Rezension zu "Kairo. Die Entwicklung des modernen Stadtzentrums im 19. und frühen 20. Jahrhundert" von Ihab Morgan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318582

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