Die Sehnsucht nach Frieden. Immanuel Kants Theorie zur Befriedung aller Staaten „Ein philosophischer Entwurf zum ewigen Frieden“


Hausarbeit, 2015
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Weg zum ewigen Frieden
2.1 Der Aufbau des Friedensvertrages
2.2 Voraussetzungen für den Frieden

3. Garantie auf dreirechtlichen Ebenen
3.1 Die Staatsform – 1.Definitivartikel
3.2 Völkerrechte - 2. Definitivartikel
3.3 Das Weltbürgerrecht – 3.Definitivartikel

4. Ausblick
4.1 Kants Theorie im Lichte der Gegenwart
4.2 Fazit

5. Literaturverzeichnis

"Aber wenn wir nicht mehr wollen: dann gibt es nie wieder Krieg!"[1]

Die Sehnsucht nach Frieden: Eine philosophische Theorie zur Befriedung aller Staaten

1. Einleitung

Der Faschismus in Italien(1922-45), der Nationalsozialismus in Deutschland (1933-45), der Militarismus in Japan (1931-45), derrevolutionäre Kommunismus (1089-98), der Vietnamkrieg (1946-54), der Balkankonflikt (1991-99), der Nah-Ost Konflikt (1948-), der kurdische Freiheitskampf (1978- ), der demokratische Krieg im Irak (2001-03) und Afghanistan(2001-14) und viele weitere militärische Auseinandersetzungen und Interventionen durchziehen die Weltgeschichte.

Unter organisiertem Einsatz erheblicher Mengen von Waffen werden Konflikte mit unausgeglichenen Machtverhältnissen ausgetragen, die durch Gewaltanwendung die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen angreifen und so zur Verletzung bis zum Tod führen.[2] Das Ziel der beteiligten Kollektive ist es, das eigene Interesse durchzusetzen und ihre(n) Macht(einfluss) auszuweiten oder zu sichern. Im Vordergrund der offiziellen Begründungen steht dabei immer wieder die angebliche Demokratisierung vermeintlicher aggressiver Staaten.[3] Den blutigen Kriegen und dem Leid der Zivilbevölkerung sieht die Weltöffentlichkeit in der Regel stillschweigend zu. Wurden historische Kriege mit Friedensverträgen besiegelt, waren diese gemäß den Territorien und den beteiligten Staaten oder Akteuren bindend und verfolgten selten die Idee eines globalen Friedens. Die kriegsführenden Parteien schließen nämlich immer nur zeitige, also befristete Friedensschlüsse, weil die beteiligten Parteien keinen dauerhaften Frieden beabsichtigen. Auch zur jetzigen Zeit befinden wir uns in einem bedeutungsvollen Krieg gegen den Islamischen Staat (IS), der sich momentan noch im Irak und in Syrien abspielt und dessen Sieg auf eineradikale Änderung der Welt abzielt und unbeschreibliche Menschenrechtsverletzungen zur Folge hätte. Der IS hat zum Ziel Regierungen im Irak, Syrien, Libanon und Jordanien zu stürzen und einen islamischen Staat mit einerrauen und Auslegung des islamischen Rechts zu errichten. Von diesem Kalifat aus, will der IS später alle Muslime eine totalitäre Islamisierung nach ihrem Sinne aufdrängen und jene umbringen, die diese Ideologie nicht annehmen. Ebenso ist das Ziel den westlichen Einfluss im Nahen Osten zu beenden und Israel zerstören und zum Kern eines weltweiten islamischen Reiches wird.[4] Die internationale Politik wie beispielsweise die UNO als Organisation, aber auch die Einzelstaaten müssen sich spätestens jetzt für einen weltweiten Frieden und die Beendigung des blutigen Kampfes sowie der Feindseligkeiten einsetzen, denn das zirkuläre Verhalten der Geschichte muss nach so vielen Opfern endlich eine Wende nehmen und eine Möglichkeit eröffnen, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Ethnie, Nation, Religion, Rasse oder Glaube freundschaftlich vereint, gleich und frei nebeneinander existieren können.

Der Friedensgedanke beschäftigte bereits in der Antike die Menschen. Platon spricht davon, dass für einen Staat wechselseitiger Frieden und Wohlwollen das Beste seien und deshalb der Krieg und eine Entzweiung zu vermeiden und gute Politiker Kriege nur um des Friedens willen führen sollten.[5] Immanuel Kant geht mit seinen Überlegungen zu der Frage, wie sich Krieg vermeiden und Frieden zwischen Staaten als ein dauerhaftes Prozessmuster etablieren lässt, weiter und entwickelt in seiner Schrift Zum ewigen Frieden - Ein philosophischer Entwurf die Idee eines Weltfriedens in Gestalt eines Friedensvertrags. Der Frieden sei nämlich kein natürlicher Zustand von Staaten, sondern müsse erst durch eine Leistung der Vernunft erarbeitet werden. Kant war hier der Auffassung, dass ein ewiger Frieden nicht ohne einen Rechtsstaat zurealisieren sei, denn ein formales, niedergeschriebenes Recht sei nötig, um das angeborene Recht des Menschen auf Freiheit zu sichern, da alle Menschen von Natur aus so angelegt seien, ihre Freiheiten zurealisieren. Im Naturzustand herrsche ein Zustand des Krieges und der Feindseligkeiten zwischen den Menschen, weshalb niemand frei sei oder sich in Sicherheit befände, und alle Menschen sich einer immerwährenden Bedrohung ausgesetzt sähen.[6] Er macht sich also keine Illusion darüber, wie der Mensch im Naturzustand handeln würde. Die anthropologischen Prämissen seiner Friedenstheorie sind also unverkennbar negativ gefärbt, weshalb Kantverlangt, dass sich Menschen mit Hilfe der Vernunft in den darausresultierendenrechtlich-gesetzmäßigen Zustand begeben und ihre selbstsüchtigen Neigungen und persönlich-vorteilsbezogenen, unmoralischen Handlungen durch das Entgegenwirken der Vernunft als ein Mittel gebrauchen, den Frieden in der Gesellschaft, aber auch nach außen hin zu sichern.[7] Die Errichtung des Rechts wird somit zum Gebot der praktischen Vernunft, um das kriegerische Potential und die zerstörende Wirkung des Naturzustands zu zügeln, indem die Bürger aus Angst vor der Strafe die Gewalt gegen ihre Mitmenschen zu unterlassen genötigt werden.[8] Da jedoch Politiker die Errichtung dieser komplexen politischen Ordnung und damit die Gewährung des Friedens nicht leisten können, soll Kants philosophischer Entwurf dies ermöglichen, indem die Politik sich der Idee des Rechts unterordnet und sich den elementaren Gerechtigkeitsprinzipien verpflichtet, sodass Frieden unter den Menschen herrschen kann.[9] Wie der Titel des Werks Ein philosop hischer Entwurf zum ewigen Frieden bereits verrät, distanziert sich Kant von seinen zeitgenössischen Politikern und Regenten und spricht alsreiner Philosoph, dessen Theorie von Politikern zu Rate gezogen werden soll.

Ethisch und politisch gesehen ist der Weltfrieden ein wichtiges und hohes Ziel. Geschichtlich gesehen ist es allerdings zweifelhaft, ob und wie ein solcher Frieden erreicht werden kann. Die politische Weltlage zeigt, dass Krieg in jeder Epoche und in allen Teilen der Welt Aktualität und Relevanz besaß. In der vorliegenden Arbeit soll daher die Idee des ewigen Friedens nach Kant näher betrachtet und diskutiert werden. Aus praktischen Gründen wird dabei auf eine detailreiche Analyse der Präliminarartikel verzichtet, da eine solche den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Damit lautet die Frage dieser Hausarbeit: Ewiger Frieden – idealistisch, aber dennochrealisierbar?

2. Der Weg zum ewigen Frieden

Die Idee des globalen Friedens darf nicht als ein naiver Zustand eines utopischen Wunschgedankens betrachtet werden, sondern als ein Leitfaden des geopolitischen Ziels der Friedensgründung und -sicherung. Die Schaffung eines zeitlich undräumlich umfassenden Friedenszustandes verlangt keine sofortige Umsetzung, sondern vielmehr eine Skizzierung der dazu notwendigen politischen Aufgaben als eineregulative Idee und Orientierungshilfe.[10] Idealismus und Realismus werden nicht als Antithesen betrachtet, sondern als aufeinander aufbauend. Dazu setzt sich Kant in seinem philosophischen Regelwerk Zum ewigen Frieden mit der Problematik der Friedensfindung differenziert auseinander und übt Kritik an der Politik. Er wendet sich dabei gegen Verhaltensweisen, die bis zur heutigen Zeit, auch 200 Jahre nach der Verschriftlichung seiner Gedanken zum Frieden, immer noch zur politischen Praxis gehören.[11] Er fordert einen Friedensschluss ohne jeden Vorbehalt[12] und damit einen ernsthaften, ohne Einschränkungen geltenden Frieden, die militärische Nichteinmischung von Staaten in die Verfassung und Regierung eines anderen Staates und keine Feindseligkeiten, die ein zukünftiges Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen würden. Frieden wird bei Kant demnach nicht als ein theologischer Begriff aufgefasst, sondern als ein philosophischer, dessen Erfüllung und Herbeiführung eine Aufgabe von hohem moralischem Rang darstellt und eine unmittelbar der Vernunft folgende Pflicht.[13] Von diesem Verständnis ausgehend entwickelt er eine globale Friedensordnung auf Grundlage einer Rechtsordnung, in der erreligiöse Motive eliminiert und betont, dass überall dort, wo mitrechtlich-moralischen Grundsätzen Konflikte umgegangen werden, es Frieden auf eine unbegrenzte Zeit geben kann.[14] Somit legt diese Theorie des ewigen Friedens den Argumentationsschwerpunkt auf die institutionelle Sicherung des Friedens, geschaffen durch ein System der wechselseitigen Rechtsgarantien. Dabei ist zu beachten, dass der Rechtsfriede im äußeren Verhältnis der Staaten nur dauerhaft sein kann, wenn auch im Inneren die Bedingungenrechtsstaatlicher Art sind.[15] So verurteilt Kant den Krieg im Namen des Menschenrechts und plädiert für eine völkerrechtliche Ordnung. Dieregulative Idee des Entwurfs zum ewigen Frieden ist nicht durch den einzelnen Menschen, sondern nur durch die Menschheit, die auf unterschiedliche Völker verteilt sind, zu erreichen.[16]

2.1 Der Aufbau des Friedensvertrages

Der philosophische Entwurf zum ewigen Frieden enthält die Form eines Friedensvertrages, der nicht wie die meisten Friedensverträge einen bestimmten Krieg in einen Frieden auf Zeit überführen wollte, sondern den Krieg in den Frieden. Er beinhaltet ein Vertragswerk, bestehend aus den dafür notwendigen Bedingungen in sechs Präliminarartikeln, als Verbotsgesetze formuliert, und drei Definitivartikel, durch die ein geordnetes Rechtssystem für die vertragschließenden Staaten gefordert wird, indem sie die vernunftrechtlichen positiven Forderungen darstellen, deren Erfüllung nicht sofort zu erwarten ist.

Moral- undrechtsphilosophische Prämissen stellen Bedingungen für Staaten auf, die ein Friedensbündnis eingehen wollen, wodurch ein Zustand eines dauerhaften Friedens ermöglicht wird. Die Einhaltung dieser Präliminarartikel ist auch die Voraussetzung für die Realisierbarkeit der Definitivartikel, welche als Garanten für den dauerhaften Frieden dienen sollen. Anschließend folgt ein Anhang, indem Kant die Politik allgemein und die Regenten auffordert, die Moral zu beachten und das Recht unter keinen Umständen zu brechen, indem eine Kontrolle durch die Öffentlichkeit stattfindet. Auch wenn es zeitweilig kriegerische Rückfälle gebe, so Kant, sei dennoch der ewige Frieden das teleologische Ziel der Geschichte.[17]

Die Präliminarartikel wenden sich im Gesamtbild an die Politik, d.h. an ihre Akteure, Staatsoberhäupter, Regierungen und Parlamente. Sie benennen Rechtsverletzungen, die zum Zweck des Friedens teils sofort und teils nur möglich aufzugeben sind. Für die zukünftige Garantie des ewigen Friedens ist die sofortige Ausübung des 1., 5. und 6. Präliminarartikels unverzichtbar.[18]

Die Definitivartikel skizzieren die Grundzüge einer vollständigen Theorie desöffentlichen Rechts in Staatsrecht, Völkerrecht und Weltbürgerrecht. Sie enthalten den Kern der Theorie des Friedens und wenden sich weniger an soziale Systeme, sondern eher an Rechts- und Staatsordnungen und die für sie verantwortlichen Entscheidungsträger, wie Verfassungsgeber und Regierungen sowie die autorisierenden Staatsvölker. Sie legen allgemeinerechtsphilosophische Prinzipien dar, worauf sich Kants Konzept des Friedens normativ stützt.[19] Mit dem ersten Zusatz Von der Garantie des ewigen Friedens spricht Kant die Politiker eines Rechtsstaats an und beschreibt eine teleologische Naturtheorie, in der Menschen von ihrer Natur, aber auch vom Endzweck des Friedens bestimmt seien. Der zweite Zusatz Geheimer Artikel zum ewigen Frieden beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Philosophie und der Macht der Politik. Dieser ist adressiert an Politiker, Völker, sowie Philosophen und klärt das Verhältnis von Moral und Politik.

Unüblich für das 17. und 18.Jahrhundert vereint Kants Werk Präliminar- und Definitivvertrag, in denen die ersten und somit negativen und die zweiten und positiven Bedingungen des zukünftigen Friedens aufgeführt werden. Die drei Definitivartikel und die Zusätze formulieren die positive Seite der Ermöglichung und des Garantierens des Friedens.[20] Dieser Vertrag hebt sich durch diese Zusammensetzung von den anderen Verträgen ab, um den ewigen Frieden herstellen und garantieren zu können, denn die früheren Friedensverträge schienen nur die Feindseligkeiten aufgeschoben zu haben, sodass sich die Menschheitsgeschichte als ein von Unterbrechungen gekennzeichneter Kriegszustand kristallisiert. Die Einsicht der moralisch-praktischen Vernunft soll nun dieses menschliche Unglück der Unsicherheit, der Hostilitäten und Kriege beenden[21] Auf die erwähnten Zusätze soll nicht mehr eingegangen werden.

[...]


[1] Vgl. Tucholsky, K.: Schwarz-weiß-rote Erinnerungen, S. 1

[2] Vgl. Schubert, K., Klein, M. : Das Politiklexikon.

[3] Vgl. Rauch, C.: Die Theorie des demokratischen Friedens. Grenzen und Perspektiven, S.88

[4] Vgl. Landeszentrale für Politische Bildung: Islamischer Staat (IS)

[5] Vgl. Hidalgo, O; Kants Friedensschrift und der Theoriestreit in den internationalen Beziehungen, S.39

[6] Vgl. Kant, I.: Zum ewigen Frieden, S.23f.

[7] Vgl. ebd. S.47f.

[8] Vgl. ebd. S. 48

[9] Vgl. Hidalgo, O; Kants Friedensschrift und der Theoriestreit in den internationalen Beziehungen, S.42

[10] Vgl. Höffe, O.: Einleitung. Der Friede - ein vernachlässigtes Ideal, S.9

[11] Vgl. Hackel, M.: Kants Friedensschrift und das Völkerrecht, S.29

[12] Vgl. Ebbinghaus, J.: Kants Lehre vom ewigen Frieden und die Kriegsschuldfrage, S. 24f.

[13] Vgl. Höffe, O.: Einleitung. Der Friede - ein vernachlässigtes Ideal, S.19

[14] Vgl. Kant, I.: Zum ewigen Frieden, S.27

[15] Vgl. Gerhardt, V. : Immanuel Kants Entwurf 'Zum ewigen Frieden'. Eine Theorie der Politik, S.12

[16] Vgl. Kant, I.: Zum ewigen Frieden, S.30 und Laberge, Pierre: Von der Garantie des ewigen Friedens, S.156

[17] Vgl. Kant, I.: Zum ewigen Frieden, S.16

[18] Vgl. ebd., S.21

[19] Vgl. ebd., S.32

[20] Vgl. Saner, H.: Die negativen Bedingungen des Friedens, S.37

[21] Vgl. Kant, I.: Zum ewigen Frieden, S.29

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Sehnsucht nach Frieden. Immanuel Kants Theorie zur Befriedung aller Staaten „Ein philosophischer Entwurf zum ewigen Frieden“
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V318807
ISBN (eBook)
9783668180567
ISBN (Buch)
9783668180574
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Frieden, ewiger Frieden, Vernunft, Krieg, Weltfrieden
Arbeit zitieren
Dilan Ge (Autor), 2015, Die Sehnsucht nach Frieden. Immanuel Kants Theorie zur Befriedung aller Staaten „Ein philosophischer Entwurf zum ewigen Frieden“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318807

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