Die Situation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland. Wie sieht die aktuelle Lebenswelt der türkischstämmigen Kinder und Jugendlichen aus?


Seminararbeit, 2015

15 Seiten, Note: 12 Punkte

Anonym


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

I. Muslime in Deutschland
I.I Begriffsdefinition – Muslime
I.II Überblick – Muslimische Schüler und Schülerinnen

II. Lebenswelt türkischstämmiger Kinder und Jugendliche
II.I Die dritte Generation
II.II Lebensbedingung(en)
II.III Normen und Werte

III. Schulalltag
III. I Beziehung(en) zu deutschen SchülerInnen

Schluss

Einleitung

Die türkische Bevölkerung, die seit ca. 60 Jahren in Deutschland lebt, ist immer noch von der Ungerechtigkeit und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen geprägt. Seit den 1990er Jahren erlebt diese Bevölkerungsgruppe eine starke Skepsis und Einsamkeit binnen der Republik. Beschaffen ist diese Verschlossenheit vor allem durch die Gesetzgebung, aber auch durch die konfliktreichen Problematiken gegen die türkischen Staatsbürger. Zurzeit leben ca. 1,9 Millionen Türken in Deutschland. Diese Gruppe ist somit die größte ethnische Minorität im Land. Interessant ist dabei, dass sich die Lebensweise, sowohl zu ,,rein“ türkischen als auch zu deutschen MitbürgerInnen, stark differenziert. Wie nun ,,die“ aktuelle Lebenswelt der türkischstämmigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland aussieht, wird die Leitfrage in dieser Hausarbeit sein, auf die eine Antwort gesucht wird. Ein deutlicher Schwerpunkt wird auf der Umgebung dieser Kinder und Jugendlichen liegen. Hier wird genauer untersucht, inwieweit diese Kinder und Jugendlichen sich als die dritte Generation betrachten und welche Lebensbedingungen diese haben. Im Zusammenhang damit werden die Normen und Werte herausgearbeitet, die für sie prägend sind. Die Forschungslage zu diesem Thema ist weitestgehend erforscht worden. Unter dieser Berücksichtigung wird das Augenmerk ,,türkische Kinder und Jugendliche“ durch meine eigenen Erfahrungen dargestellt. Dementsprechend ist die Literatur, auf die sich die Hausarbeit stützt, begrenzt. Die Hauptwerke dieser Seminararbeit sind „Muslime in Deutschland“ von dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, das Werk von Nina Coumont „Muslimische Schüler und Schülerinnen in öffentlichen Schulen“, sowie „Nirgends zu Hause!?“ von Ibrahim Firat. Berücksichtigt wurde auch die Literatur von Ulrich Ruh[1] und die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“[2]. Entsprechend der Leitfrage ist die Seminararbeit wie folgt aufgebaut: Im ersten Teil werden die „Muslime“ bzw. muslimische Kinder und Jugendlichen in Deutschland dargestellt. Im zweiten Kapitel wird die Lebenswelt türkischstämmiger Kinder und Jugendlichen analysiert und explizit erläutert und im dritten Abschnitt soll der Schulalltag dieser Kinder und Jugendlichen untersucht werden. Im Schlussteil wird die Leitfrage beantwortet und somit der Rahmen der Hausarbeit geschlossen.

I. Muslime in Deutschland

Sind Muslime ein Teil unserer Bevölkerung? Gehört der Islam überhaupt zu unserem Land? Mit diesen und vielen weiteren Fragen müssen sich seit Jahren Muslime in Deutschland auseinandersetzten. Die türkischen Staatsbürger sind davon soeben betroffen wie Marokkaner, Afghanen oder Albaner. Welche Auswirkungen diese Gerüchte, vor allem auf das Schulleben muslimischer SchülerInnen haben, ist vorstellbar. Laut der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ leben knapp 4 Millionen Muslime[3] in der BRD. Das entspricht ca. 5% der Gesamtbevölkerung. Viele Muslimen beten täglich. Einige von ihnen gehören unterschiedlichen Organisationen an. Die meisten stammen aus der Türkei. Im Folgenden soll erst einmal der Begriff ,,Muslime“ definiert werden, sodass eine Grundlage geschaffen wird, um fortführend einen Überblick über ,,muslimische“ SchülerInnen zu verschaffen.

I.I Begriffsdefinition – Muslime

Unter einem „Muslim“ versteht man eine Person, die den Islam angenommen hat und von diesem überzeugt ist. Übersetzt bedeutet der Begriff „sich Ergebender“[4]. Ursprünglich, sprich vor dem Auftreten des Propheten Mohammeds in Saudi-Arabien, ist der Muslim als „Hanif“ bezeichnet worden. Danach hieß er Muselman, welches im Türkischen Müslüman lautet. Nach der Enzyklopädie des Islams ist die Herkunft des Begriffes Muslim dieselbe, wie die von „taslim“ (Ergebenheit) und „salam“ (Frieden)[5]. Daher wird ein Muslim als jemand bezeichnet, der „[...] Frieden im Herzen erreicht [...] durch Ergebenheit in den Islam (Gottes wahre Religion)“[6]. Die feminine Form des Begriffes lautet „Muslima“. Im Islam herrscht der Glaube an einen Gott. Der Muslim ist somit ein Monotheist. Es ist die Ansicht vorhanden, dass jedes Lebewesen ein Muslim sei, sprich, auch die Tiere oder die Sonne etc., da sie dank Gott ergeben sind. Allerdings hat der Mensch einen freien Willen und kann sich im Verlauf seiner Lebensjahre von dem Islam entfernen und somit andere Religionen, wie Christentum, Buddhismus, Judentum etc. annehmen.

I.II Überblick – Muslimische Schüler und Schülerinnen

Mittlerweile sind muslimische SchülerInnen mit ihren Ritualen, Verhalten oder Gewohnheiten in den Vordergrund des Schullebens gerückt. Knapp 50% der muslimischen SchülerInnen gehören zur Risikogruppe, wobei ca. 53% der muslimischen SchülerInnen männlich[7] sind. In allen Schulformen sind SchülerInnen mit dem islamischen Glauben vertreten. Zahlreiche Studien zeigen auf, dass gerade muslimische SchülerInnen, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, schlechtere Noten und ein geringes Bildungsniveau haben[8]. Sie erreichen nur die niedrigsten Kompetenzstufen und haben demnach geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Viele SchülerInnen haben große Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik. Ungefähr die Hälfte dieser SchülerInnen verlässt die Schule mit einem eher unterdurchschnittlichen Schulabschluss und begibt sich sofort einer Ausbildung. Nur 15% aller SchülerInnen mit muslimischen Wurzeln besuchen die Fachhochschule oder Universität[9]. Diese SchülerInnen gehören zu dem erfolgreichen Teil der dritten Generation. Viele von ihnen streben einen höheren Bildungsabschluss an und wollen mehr Anerkennung in der Gesellschaft[10]. Die meisten muslimischen SchülerInnen stammen aus der Türkei.

II. Lebenswelt türkischstämmiger Kinder und Jugendliche

Die „Lebenswelt“ ist ein Begriff, bei dem man sich zunächst bewusst werden sollte, dass es sich nicht um „die“ Lebenswelt handelt. Es ist von vielfacher Hinsicht geprägt und interpretierbar: Zunächst muss einmal deutlich gemacht werden, dass die Lebenswelt sich nicht auf „die“ türkische Familie bezieht. Der Blickwinkel muss sehr weit gefasst werden. Vor allem die ursprüngliche Familiengeschichte bestimmt nun die jetzige Lebensweise dieser SchülerInnen. Die Traditionen und Erfahrungen der Eltern werden somit auf „die“ türkischen Kinder und Jugendliche übertragen.

Zwischen türkischen Jugendlichen und Deutschen gibt es große Welten. Die Lebensverhältnisse dieser beiden, eher kontroversen Gruppen, unterscheiden sich sehr deutlich. Viele türkische Kinder und Jugendliche wollen wie Deutsche leben. Sie nehmen deutsche Familien als Vorbild und orientieren sich an deren Lebensstil. Der fortführende Teil definiert zunächst die „dritte Generation“, um die Lebensbedingungen der türkischen Kinder und Jugendlichen genauer darstellen zu können. Dabei werden von dem dominierenden und wichtigen Themenbereich nur einige Teilaspekte verdeutlicht und erläutert.

II.I Die dritte Generation

Mit der Einwanderungsgeschichte bildeten sich im Verlauf der Jahre Generationen in Deutschland. Die erste Gruppe, die Mitte der 1960/70er Jahre nach Deutschland kam, bezeichnet man als die erste Generation. Die zweite Generation bilden hauptsächlich Erwachsene, dessen Hauptprobleme die Identitätsfrage[11] darstellt. Die Familie bildet hier den konfliktreichen Faktor, da sich die konservativen und liberalen Einstellungen gegenüberstehen. Demnach werden die Individuen der zweiten Generation, hinsichtlich ihrer Lebensbedingungen, eingeschränkt[12]. Die dritte Generation betrachtet diese Lebensweise anders. Man spricht hier von einer Gruppe, die Kinder und Jugendliche ehemaliger MigrantInnen sind und die in Deutschland geboren wurden. Es handelt sich um „[...] Kinder von bereits in Deutschland geborenen Eltern, die durch Einbürgerung Deutsche [...]“[13] geworden sind. Die dritte Generation ist keine Migrantengruppe. Für sie ist Deutschland ihr Land, ihre Kultur und der Lebensmittelpunkt. Trotz dieser Anpassungsfähigkeit erleben sie die Konfrontation mit der Andersartigkeit: In Deutschland werden sie als Türken/Innen wahrgenommen, in der Türkei als Deutsche. Dennoch erscheint die Türkei diesen Kinder und Jugendlichen eher fremd.

Grundsätzlich lässt sich die dritte Generation in drei Gruppen einteilen:

1. die (stark) religiösen Individuen, die auf die Bildung gar keinen Wert legen,
2. die Individuen, die einen Beruf ausüben, weil sie nur Geld verdienen wollen und schließlich
3. die Individuen, die ihr Abitur absolviert haben und studieren[14].

Die fortführenden Absätze konzentrieren sich ausschließlich auf die dritte erfolgreiche Minorität.

[...]


[1] Ruh, Ulrich: Die unbekannte Religion: Muslime in Deutschland, Freiburg 2009.

[2] Studie: Muslimisches Leben in Deutschland, 2009.

[3] Studie „Muslimisches Leben in Deutschland

[4] Ruh, Ulrich: Die unbekannte Religion: Muslime in Deutschland, S. 17

[5] http://www.eslam.de, Letzter Stand 09.06.2015

[6] Ebd., Letzter Stand: 09.06.2015

[7] Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ S. 97

[8] Ebd. S. 99

[9] Ebd. S. 104

[10] Coumont, Nina: Muslimische Schüler und Schülerinnen in der öffentlichen Schule, S. 27

[11] Keskin, Nülüfer: Probleme der Integration türkischer Migranten der zweiten und dritten Generation, S. 29

[12] Bozay, Kemal: … Ich bin stolz, Türke zu sein!, Ethnisierung gesellschaftlicher Konflikte im Zeichen der Globalisierung, S.18

[13] Keskin, Nülüfer: Probleme der Integration türkischer Migranten der zweiten und dritten Generation, S.46

[14] Gölbol, Yeliz: Lebenwelten türkischer Migrantinnen der dritten Einwanderergeneration, S.21

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Situation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland. Wie sieht die aktuelle Lebenswelt der türkischstämmigen Kinder und Jugendlichen aus?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12 Punkte
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V319263
ISBN (eBook)
9783668184466
ISBN (Buch)
9783668184473
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
muslimisch, Migrationshintergrund, türkisch
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Die Situation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Deutschland. Wie sieht die aktuelle Lebenswelt der türkischstämmigen Kinder und Jugendlichen aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319263

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