Ist Gesundheitskompetenz ein Bestandteil von Gesundheitsförderungsprogrammen?

Eine empirische Überprüfung des Konzepts an ausgewählten Stressbewältigungsprogrammen


Masterarbeit, 2012

103 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

INHALT

Einleitung

1 Gesundheitskompetenz: Ein facettenreiches Konzept
1.1 Vorgehensweise bei der Literaturrecherche
1.2 Allgemeine Einführung zur Gesundheitskompetenz
1.3 Ökonomische Relevanz der Gesundheitskompetenz
1.4 Gesundheitspolitische Initiativen zur Förderung der Gesundheitskompetenz
1.5 Definitionen und Begriffsverständnis der Gesundheitskompetenz
1.6 Modelle der Gesundheitskompetenz
1.7 Messverfahren der Gesundheitskompetenz
1.8 Gesundheitskompetenz im Kontext von Gesundheitsbildung

2 Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz
2.1 Wissensbezogene Gesundheitskompetenz
2.1.1 Medical Literacy
2.2 Erfahrungsbezogene Gesundheitskompetenz
2.3 Verhältnisgestaltende Gesundheitskompetenz

3 Stressbewältigungsprogramme als Untersuchungsgegenstand der Gesundheitskompetenz
3.1 Stress
3.2 Vorstellung der Stressbewältigungsprogramme
3.2.1 Gelassen und sicher im Stress – psychologisches Gesundheitsförderungsprogramm
3.2.2 Aktiv Gesundheit fördern – Gesundheitsbildungsprogramm der Rentenversicherung für die medizinische Rehabilitation
3.2.3 Ruhepunkte – Gesundheitsbildungskurs an Volkshochschulen
3.2.4 Mindfulness-Based Stress Reduktion Programm (MBSR) - achtsamkeitsbasiertes Stressreduktionsprogramm

4 Methodische Vorgehensweise
4.1 Die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse
4.2 Schritte der Datenauswertung im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring

5 Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz in ausgewählten Stressbewältigungsprogrammen
5.1 Frequenzanalyse der codierten Textstellen
5.2 Die Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung und Selbstregulation/ Selbstdisziplin
5.3 Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme für die eigene Gesundheit
5.4 Gesundheitsbezogene Grundfertigkeiten, Gesundheitswissen sowie die Fähigkeiten gesundheitsrelevante Informationen beschaffen, interpretieren und nutzen zu können
5.5 Die Fähigkeit zur Navigation, Kommunikation und Kooperation innerhalb des Gesundheitswesens

6 Interpretation der Ergebnisse
6.1 Stellenwert der vier Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz innerhalb der Stressbewältigungsprogramme
6.2 Die Berücksichtigung der Voraussetzungen innerhalb der Stressbewältigungsprogramme

7 Diskussion methodischer Aspekte

8 Fazit und Empfehlungen

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

Die Autorinnen Jennie Naidoo und Jane Wills zeigen in dem von ihnen verfassten Lehrbuch der Gesundheitsförderung die unterschiedlichen Aspekte dieses Bereichs auf und unterstützen die Auseinandersetzung mit diesem Thema durch Übungen, Fallbeispiele und Reflexionsfragen. Auf Seite 214 fand ich die folgende Reflexionsfrage: „Welche Kompetenzen braucht man, um seine Gesundheit besser kontrollieren zu können?“1 Ich dachte darüber, wie schon so oft während meinem Studium, nach und stellte erneut fest, dass die Beantwortung dieser Frage wirklich nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig sind, damit Personen in der Lage sind oder in die Lage versetzt werden können, sich gesundheitsfördernd zu verhalten, wird schon seit vielen Jahren erörtert. Um diese Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern, gab es im Laufe der Zeit unterschiedliche Ansichten, wie dies am besten gelingen würde. In den 1970er Jahren kam der Begriff health literacy auf, zunächst als Ziel schulischer Gesundheitserziehung. Er wurde für die Bedeutung der Gesundheitsförderung entdeckt und mit Gesundheitskompetenz ins Deutsche übersetzt. Der Begriff der Gesundheitskompetenz gewinnt zunehmend an Relevanz in der theoretischen Diskussion2 und scheint die Antwort auf die oben gestellte Frage zu sein, welche Kompetenzen gebraucht werden, um die Gesundheit besser kontrollieren zu können. Bei näherer Betrachtung des Begriffs zeigt sich allerdings, dass dieser aus ganz unterschiedlichen Perspektiven verwendet wird. Im Zuge dessen entstanden unterschiedliche Definitionen und Modelle, welche unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten mit Gesundheitskompetenz in Verbindung bringen. Brieskorn-Zinke hält zu dieser Vielfalt fest: „Je weiter der Begriff gefasst wird, desto unübersichtlicher wird, was damit eigentlich gemeint ist und desto schwieriger ist es auch damit zu arbeiten, d.h. überprüfbar zu machen, wie diese Kompetenz gemessen und gefördert werden kann, um damit wiederum zu überprüfen, ob diese Kompetenz wirklich hilft gesünder zu leben.“3 Auch Baker äußert sich zu der zunehmenden Vielfalt: „The term ꞌhealth literacyꞌ has come to mean different things to various audiences and has become a source of confusion.”4

Vor dem Hintergrund dieser Heterogenität im Begriffsverständnis spreche ich im Rahmen dieser Arbeit vom Konzept der Gesundheitskompetenz, da kein einheitliches Begriffsverständnis vorhanden ist und die Aussagekraft der vorhandenen Modelle zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend geklärt ist.5 Aufgrund der umschriebenen Unübersichtlichkeit leitet sich die Forderung unterschiedlicher Autoren nach einer empirischen Überprüfung des Konzepts der Gesundheitskompetenz ab.6 Zudem wird die konkrete Frage aufgeworfen, anhand welcher Maßnahmen die Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert werden können, die im Zuge der theoretischen Diskussion um das Konzept Gesundheitskompetenz genannt werden.7 Um einen Beitrag zur empirischen Überprüfung des Konzepts Gesundheitskompetenz zu leisten, ist es das Ziel dieser Arbeit, die in der Literatur vorherrschenden Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz aufzuzeigen und deren Stellenwert in ausgewählten Gesundheitsbildungsprogrammen systematisch zu analysieren. Denn inwieweit dieses Konzept in der Praxis der Gesundheitsbildung bisher angekommen ist, erscheint unklar. Vor diesem Hintergrund werden für diese Arbeit die folgenden Forschungsfragen formuliert:

Welche Ausrichtungen umfasst das Konzept Gesundheitskompetenz?

Anhand welcher Fähigkeiten und Fertigkeiten wird das Konzept der Gesundheitskompetenz in ausgewählten Gesundheitsbildungsprogrammen vermittelt?

Inwieweit werden die in der Literatur formulierten Voraussetzungen für eine gelingende Vermittlung der Gesundheitskompetenz in den ausgewählten Gesundheitsbildungsprogrammen berücksichtigt?

Als Untersuchungsgegenstand werden Stressbewältigungsprogramme aus zwei Gründen herangezogen. Zum einen ist das Thema Stress heute von hoher gesellschaftlicher Brisanz. „Die auch in Deutschland insbesondere seit den 1990er Jahren spürbaren Veränderungen, wie zunehmende Arbeitsintensität, Leistungsorientierung, Informationsüberfluss und –überreizung, Globalisierung, Pluralisierung der Gesellschaft einschließlich kultureller Vielfalt, aber auch vermehrte Individualisierung und erhöhte Anforderungen an Flexibilität, Mobilität und Eigenverantwortung sowie die Diskussion um den Abbau der Sozialsysteme und dem damit verbundenen Abbau sozialer Versicherungsversprechen stellen Herausforderungen für jeden Einzelnen und an die Gesellschaft dar und führen zu vermehrt wahrgenommener Belastung.“8 Zudem wurden stressbezogene Gesundheitsbildungsprogramme, in Abgrenzung zu allgemeinen Gesundheitsbildungsprogrammen wie dem HEDE-Training® von Franke9 oder dem A.C.T-Training von Hazard10, aus methodischen Gründen gewählt. So liegen thematisch einheitliche Untersuchungsgegenstände vor.

Die Bearbeitung der genannten Forschungsfragen soll eine erste Annäherung an die empirische Überprüfung der praktischen Verankerung der Gesundheitskompetenz darstellen. Aus diesem Grund wird die Inhaltsanalyse der vier ausgewählten Stressbewältigungsprogramme anhand einer qualitativen Untersuchung durchgeführt.

Thematisch knüpft diese Arbeit an meine Bachelorthesis aus dem Jahr 2010 an. Im Rahmen der Bachelorthesis wurde das Konzept Gesundheitskompetenz anhand des damaligen Diskussionsstandes aus den unterschiedlichen Perspektiven aufgezeigt. Anschließend wurde der Versuch unternommen, ausgehend von einer Untersuchung des hessischen Rahmenlehrplans für die Gesundheits- und Krankenpflege, einer Analyse des Curriculums einer hessischen Krankenpflegeschule sowie einer Befragung der dort tätigen Lehrkräfte, ein Gesundheitsbildungskonzept zum Erwerb von Gesundheitskompetenz für die schulische Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung zu entwerfen.11 Im Rahmen dieser Arbeit wird nun eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheitskompetenz vorgenommen.

Die vorliegende Arbeit ist in acht Kapitel unterteilt. In Kapitel 1 wird das Konzept Gesundheitskompetenz anhand der unterschiedlichen Perspektiven, aus denen der Begriff in der Literatur beleuchtet wird, vorgestellt. Außerdem wird aufgezeigt, dass das Konzept Gesundheitskompetenz in Theorie und Praxis nicht gleichermaßen verankert zu sein scheint. In Kapitel 2 wird Gesundheitskompetenz anhand der vier Ausrichtungen, die in der Literatur identifiziert werden konnten, vertiefend dargestellt. In Kapitel 3 wird kurz auf das Phänomen Stress sowie dessen gesundheitliche Folgen eingegangen. Die Vorstellung der ausgewählten Stressbewältigungsprogramme, die als Untersuchungsgegenstand für die empirische Überprüfung herangezogen werden, erfolgt im Anschluss. Kapitel 4 beinhaltet die Beschreibung und Begründung der methodischen Vorgehensweise im Rahmen der empirischen Überprüfung des Konzepts der Gesundheitskompetenz. In Kapitel 5 werden die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse vorgestellt. Diese werden im Kapitel 6 anhand von zwei Schwerpunktthemen interpretiert. Eine kritische Diskussion der methodischen Vorgehensweise schließt sich in Kapitel 7 an. In Kapitel 8 wird ein Fazit gezogen. Die Arbeit schließt mit Empfehlungen sowohl für die Wissenschaft als auch für die Praxis.

1 Gesundheitskompetenz: Ein facettenreiches Konzept

Im nun folgenden Kapitel möchte ich einen Überblick über die anfängliche und die aktuelle Diskussion um das Konzept der Gesundheitskompetenz geben und hierbei die Heterogenität in Bezug auf das Verständnis dieses Konzepts aufzeigen. Dieser erste Teil der Arbeit basiert auf einer Literaturbearbeitung, deren Rechercheprozess nun im ersten Abschnitt beschrieben wird.

1.1 Vorgehensweise bei der Literaturrecherche

Im Rahmen der Vorbereitung dieser Arbeit wurde eine unsystematische Literaturrecherche zum Thema Gesundheitskompetenz durchgeführt. Auf diese Literatur kann nun weitgehend zurückgegriffen werden. Auf diese anfangs sehr breite Suche folgte eine gezielte Datenbankrecherche in der Zeitschriftendatenbank CareLit®. So konnte die pflegebezogene Literatur zum Thema identifiziert werden. Die Recherche erfolgte anhand der Schlagwörter Gesundheitskompetenz und health literacy. Die Eingabe des Begriffs health literacy ergab keinen Treffer. Auf die Eingabe des Begriffs Gesundheitskompetenz erfolgten 17 Treffer, wobei sich sechs Beiträge nach der Analyse des Titels und der Abstracts als relevant erwiesen. Der weitere Rechercheprozess orientierte sich weitgehend am Schneeballsystem, so dass auch Literatur aus dem englischsprachigen Raum und aus anderen Wissenschaftsbereichen einbezogen werden konnten.

1.2 Allgemeine Einführung zur Gesundheitskompetenz

Um die Vielfalt der Ausrichtungen, die derzeit mit dem Konzept Gesundheitskompetenz in der Literatur verbunden werden, besser verstehbar zu machen, wird zunächst die Herkunft des Begriffs Gesundheitskompetenz nachvollzogen.

Der Ursprung des Begriffs Gesundheitskompetenz liegt im englischen Begriff health literacy. Dieser wurde 1974 von Simonds in einem Beitrag mit dem Titel „Health education as social policy“ eingeführt. Hier wurde ein Mangel an Gesundheitserziehung als Grund für mangelnde health literacy in der Bevölkerung gesehen.12 Vor diesem Hintergrund forderte Simonds „[…] minimum standards for „health literacy“ for all school grade levels.“13 Die Autoren Ratzan und Parker hingegen sehen die Ursache für mangelnde health literacy in der Bevölkerung nicht primär in einem Mangel an Gesundheitserziehung, sondern in den wachsenden Anforderungen, die an die Menschen innerhalb des Gesundheitswesens gestellt werden.14 Auch heute noch wird in den USA ein starker Fokus auf den klinischen Aspekt von health literacy gelegt.

Für den deutschsprachigen Raum wurde der Begriff health literacy zunächst mit Gesundheits-Alphabetisierung übersetzt.15 Die Wortwahl lässt den damalig platzierten Fokus auf die „[…] Grundfertigkeiten wie Lesen, Verarbeiten und Verstehen von gesundheitlichen Informationen […]“ erkennen.16 Im Jahr 2005 nahmen Kickbusch, Maag und Saan den Begriff health literacy auf17 und übersetzten ihn mit Gesundheitskompetenz ins Deutsche.18

Insgesamt lässt sich für den amerikanischen Raum eine eher klinisch-orientierte Sichtweise auf das Konzept Gesundheitskompetenz feststellen, in Abgrenzung zu einer vorwiegend gesundheitswissenschaftlich-orientieren Public Health-Perspektive im europäischen Raum.19 Im Rahmen der klinischen Sichtweise wird die Gesundheitskompetenz „[…] eng an die Anforderungen des Gesundheitssystems geknüpft, die ein Patient oder eine Patientin bewältigen muss, um sich darin zurechtzufinden. Ein Patient ist beispielsweise dann gesundheitskompetent, wenn er die Anweisung der Ärztin zur Einnahme von Medikamenten verstehen und befolgen kann.“20 Im Bereich der Gesundheitsförderung wurde health literacy erst in den späten 1980er Jahren etabliert.21 Demzufolge wurde health literacy in zwei unterschiedlichen Bereichen angewendet. Zum einen in der Erwachsenenbildung und zum anderen in der Patientenführung zur Verbesserung des Patientenwissens und der Compliance in klinischen Zusammenhängen.22 Auch Pleasant und Kuruvilla führen aus, dass mit dem Konzept health literacy zwei Orientierungen verbunden werden, die klinische und die Public Health – bezogene Orientierung.23 Diesen Autoren zufolge sind aus der klinischen Richtung vor allem Messinstrumente zur Erhebung von health literacy hervorgegangen. Die Public Health-bezogene Richtung hingegen habe die theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept vorangetrieben.24

Die heutige Relevanz des Konzepts Gesundheitskompetenz, beziehungsweise von health literacy zeigt sich unter anderem darin, „[…] dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Health Literacy als einen Schlüsselfaktor in der Gesundheitsförderung benannt hat.“25 Kickbusch nennt Gesundheitskompetenz eine „[…]Grundkompetenz in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“ Gesundheitskompetenz müsse „[…] über das ganze Leben hinweg immer neu hergestellt werden […].“26

1.3 Ökonomische Relevanz der Gesundheitskompetenz

Nicht selten wird in der Literatur das Vorhandensein, beziehungsweise der Mangel an Gesundheitskompetenz in einer Bevölkerung mit den daraus folgenden volkswirtschaftlichen Kosten in Verbindung gebracht. Derzeit liegen für einzelne Länder, wie zum Beispiel der USA und der Schweiz, Schätzungen vor, wie viel Geld in einem Gesundheitssystem aufgrund mangelnder Gesundheitskompetenz ausgegeben wird.27 Dementsprechend wird mit der Förderung von Gesundheitskompetenz auf nationaler Ebene die Hoffnung verbunden, dass durch diese Maßnahmen langfristig Geld eingespart werden kann. Ein expliziter Hinweis auf diese Hoffnung findet sich im Bericht Prävention und Gesundheitsförderung in der Schweiz des Eidgenössischen Departements des Inneren: „Zugleich begünstigen Prävention und Gesundheitsförderung durch eine Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung eine differenzierte Nachfrage und Nutzung von Leistungen der Gesundheitsversorgung und können dadurch langfristig zu einer Dämpfung der Kostenentwicklung im Gesundheitssystem beitragen.“28

Vor diesem Hintergrund lässt sich feststellen, dass Gesundheitskompetenz aus der Sicht des Gesundheitswesens mit „Risiko“ verknüpft wird. In dieser Perspektive führt mangelnde Gesundheitskompetenz zu schlechteren Behandlungsergebnisse und infolgedessen entstehen für das Gesundheitssystem höhere Kosten.29 Dem gegenüber steht die Sicht von Public Health. Hier wird Gesundheitskompetenz als „Potential“ angesehen.30 Mit einer Förderung der Gesundheitskompetenz wird die Chance verknüpft, nicht nur die eigene Gesundheit zu verbessern, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu erreichen, „[…] der sich in höherer Produktivität, besserer allgemeiner Gesundheit und besseren Rahmenbedingungen für Gesundheit ausdrückt.“31

1.4 Gesundheitspolitische Initiativen zur Förderung der Gesundheitskompetenz

Die Recherche zur Gesundheitskompetenz hat gezeigt, dass deren Bedeutung vielerorts im Zusammenhang mit dem angestrebten Zustand der gesundheitlichen Chancengleichheit, wie sie in der Ottawa-Charta und nachfolgend in der Bangkok Charta für Gesundheitsförderung in einer globalisierten Welt von der WHO gefordert wurde, diskutiert wird.32 In der Bangkok Charta zur Gesundheitsförderung heißt es, „[…] dass alle gesellschaftlichen Sektoren Strategien bilden und festigen müssen, um die Gesundheitskompetenz zu fördern und zu stärken.“33 Im folgenden Abschnitt wird ein Überblick zu den Initiativen zur Förderung der Gesundheitskompetenz auf politischer Ebene gegeben. Dies erfolgt beispielhaft anhand ausgewählter Initiativen aus der Schweiz und aus Deutschland.

„Einige Regierungen und Nichtregierungsorganisationen haben die Gesundheitskompetenz […] in ihre Strategien und Ziele aufgenommen.“34 In der Schweiz beispielsweise hat das Bundesamt für Gesundheit „[…] die Förderung der Gesundheitskompetenz der Schweizer Bevölkerung in mehrere gesundheitspolitische Strategien integriert.“35 So wurde Gesundheitskompetenz im Zweckartikel des geplanten Präventionsgesetzes der Schweiz aufgenommen.36 Außerdem ist Gesundheitskompetenz ein Bestandteil der Schweizer Vision „eHealth“. Diese Vision enthält folgende Zielformulierung: „Die Menschen in der Schweiz können im Gesundheitssystem den Fachleuten ihrer Wahl unabhängig von Ort und Zeit relevante Informationen über ihre Person zugänglich machen und Gesundheitsleistungen beziehen. Sie sind aktiv an den Entscheidungen in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten und ihre Gesundheitsprobleme beteiligt und stärken damit ihre Gesundheitskompetenz.“37 Dass die Diskussion der Gesundheitskompetenz auf politischer Ebene in der Schweiz eine bedeutende Rolle spielt, zeigt die Fülle an Dokumenten, die im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit zum Thema Gesundheitskompetenz publiziert wurden.38

Weiterhin spielt das Thema Gesundheitskompetenz im Schweizerischen Roten Kreuz eine zentrale Rolle. Hier handelt es sich zwar nicht um eine politische Organisation, dennoch erscheint es sinnvoll, deren Initiativen an dieser Stelle vorzustellen. Vom Schweizerischen Roten Kreuz wurde im Jahr 2009 der Sammelband „Gesundheitskompetenz – Zwischen Anspruch und Umsetzung“ herausgegeben. Hier kommen sowohl Akteure aus der Wissenschaft, als auch aus der Praxis zu Wort, die sich theoretisch oder praktisch mit dem Konzept Gesundheitskompetenz befassen. Weiterhin bringt Dagmar Domenig, Leiterin des Departements Gesundheit und Integration des Schweizerischen Roten Kreuzes, den Ausdruck der „anderen Gesundheitskompetenz“ in die Diskussion ein.39 Sie meint damit, dass besonders bei sozial benachteiligten Personen und MigrantInnen die Gesundheitskompetenz nicht grundsätzlich in geringerem Maße oder gar nicht vorhanden sei. Vielmehr würde diese Personengruppe über eine „andere Gesundheitskompetenz“ verfügen, die nicht mit dem der restlichen Bevölkerung im Allgemeinen und dem der Gesundheitsexperten im Speziellen, übereinstimme. Sie bezieht sich dabei auf das Zurechtkommen dieser Personengruppe im Gesundheitswesen. „MigrantInnen können beispielsweise eine in der Schweiz nur noch teilweise anwendbare und somit nicht immer angepasste Gesundheitskompetenz aufweisen.“40 MigrantInnen pflegen in vielen Fällen kulturell bedingt einen anderen Umgang mit ihrer Gesundheit und der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens. In ihrem Heimatland wäre die vorhandene Gesundheitskompetenz dementsprechend angepasst und zielführend. Domenig fordert, dass die Professionellen im Gesundheitswesen in Bezug auf den Umgang mit „anderen Gesundheitskompetenzen“ besser geschult werden.41

Auch in Deutschland spielt Gesundheitskompetenz auf gesundheitspolitischer Ebene eine Rolle. Hier wurde das Konzept in die nationalen Gesundheitsziele aufgenommen. Hierbei handelt es sich um ein gesundheitspolitisches Instrument, das in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre etabliert wird. Die konkrete Erarbeitung der Gesundheitsziele erfolgt seit dem Jahr 2000. Auf der Internetplattform www.gesundheitsziele.de werden alle Informationen zur Zielentwicklung, Umsetzung und Evaluation zur Verfügung gestellt. In der Zwischenzeit wurden insgesamt sieben nationale Gesundheitsziele entwickelt.42 Eines davon ist das Gesundheitsziel „Gesundheitliche Kompetenz erhöhen, Patient(inn)ensouveränität stärken“. Dieses wurde im Jahr 2003 vorgelegt. Die „[…] wachsende Aufmerksamkeit für Qualitätsdefizite und [der] Mangel an Patientenorientierung im deutschen Gesundheitssystem“ stellen die Gründe für die Entwicklung dieses Ziels dar.43 Hier wird gesundheitliche Kompetenz verstanden als „[…] einerseits individuelle und andererseits soziale bzw. kommunikative gesundheitliche Kompetenzen. Individuelle gesundheitliche Kompetenzen beziehen sich z.B. auf Fachwissen über die eigene Erkrankung oder Wissen über bestimmte Anbieter. Bei sozialen und kommunikativen Kompetenzen kann es sich z.B. um Verhandlungsgeschick im Kontakt mit Leistungsanbietern, Strategien der Hilfesuche und Fähigkeiten zur sozialen Interaktion in einer Selbsthilfegruppe handeln.“44 Dem übergeordneten Ziel, die gesundheitliche Kompetenz der Bürger zu erhöhen und die Patient(inn)ensouveränität zu stärken, wurden die folgenden vier Teilziele zugeordnet:

„Transparenz erhöhen

Kompetenz entwickeln

Patientenrechte stärken

Beschwerdemanagement verbessern“45

Im Jahr 2011 wurde eine Evaluation des Umsetzungsstandes der anfangs formulierten Startermaßnahmen vorgenommen. Daraus ging hervor, dass viele der angedachten Maßnahmen bereits in die Praxis umgesetzt wurden, wie beispielsweise die Etablierung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Rahmen der Startermaßnahme 1 (Etablierung unabhängiger Einrichtungen zur Qualitätsbewertung im Gesundheitswesen unter Einbeziehung von Bürger(inne)n und Patient(inn)en in deren Arbeit). Vom IQWiG wiederum wird die Internetplattform www.gesundheitsinformation.de betrieben, dessen Ziel es ist, interessierten BürgerInnen unabhängige, objektiv geprüfte Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen, um so eine informierte Entscheidung in gesundheitlichen Angelegenheiten zu ermöglichen.46

Der Überblick zu gesundheitspolitischen Initiativen zur Förderung der Gesundheitskompetenz anhand von Beispielen aus der Schweiz und aus Deutschland zeigt, dass diese vorrangig auf den klinischen Aspekt der Gesundheitskompetenz ausgerichtet sind. Das heißt, den Menschen soll das Zurechtfinden innerhalb des Gesundheitswesens erleichtert und informierte Entscheidungen ermöglicht werden. Die gesundheitswissenschaftliche Perspektive, die auch die gesundheitsfördernde Lebensgestaltung außerhalb des Gesundheitswesens im Alltag der Menschen fokussiert, konnte innerhalb der in diesem Abschnitt aufgezeigten gesundheitspolitischen Initiativen nicht ausfindig gemacht werden.

1.5 Definitionen und Begriffsverständnis der Gesundheitskompetenz

Im Jahr 1998 wurde von der WHO eine Definition für health literacy erstellt und seither hat sich der Diskurs um das Konzept der Gesundheitskompetenz als interdisziplinäres Themenfeld gezeigt.47 Am Diskurs sind unter anderem Wissenschaftsbereiche der Psychologie, Medizin, Sozialwissenschaften, Pharmazie, Public Health, Pflegewissenschaften, Ernährungswissenschaften, Kommunikationswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften beteiligt.48 Analog zur Beteiligung unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche am Diskurs, wird Gesundheitskompetenz in ganz unterschiedlicher Weise definiert und verstanden. Eine Auswahl der bisher erstellten Definitionen und Begriffsverständnisse möchte ich im folgenden Abschnitt aufzeigen.

Wie bereits erwähnt, ging das ursprüngliche Verständnis von health literacy und dessen anfänglicher deutscher Übersetzung mit Gesundheits-Alphabetisierung von gesundheitsbezogenen Grundfertigkeiten wie Lesen und Schreiben aus. Der Begriff Gesundheitskompetenz impliziert hingegen ein weiterreichendes Verständnis. Allein schon der Einsatz des Begriffs Kompetenz macht dies deutlich. Kompetenz wäre im Englischen besser zu übersetzen mit dem Begriff skills. Die WHO hat diesen Aspekt in ihrer 1998 veröffentlichten Definition berücksichtigt.49 Hier wird health literacy folgendermaßen definiert: „Health literacy represents the cognitive and social skills which determine the motivation and ability of individuals to gain access to, understand and use information in ways which promote and maintain good health.”50

Die Definition von Ratzan und Parker, die später vom Institute of Medicine übernommen wurde, ist im Vergleich zur Definition der WHO weitaus enger formuliert: „The degree to which individuals have capacity to obtain, process, and understand basic health information and services needed to make appropriate health decisions.“51 Hier wird deutlich, dass diese Definition aus Sicht der Medizin formuliert wurde, die darauf aufmerksam wurde, „[…] dass Patientinnen und Patienten mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben spezielle Instruktionen und spezielle Betreuung nötig haben.“52

Eine weitere Definition, die auch eine wissensbezogene Perspektive einnimmt, aber insgesamt weiter gefasst ist und auch den Alltag außerhalb des Gesundheitswesens miteinbezieht, ist die Definition von Abel und Bruhin. Hier wird Gesundheitskompetenz verstanden als „[…] wissensbasierte Kompetenz für eine gesundheitsförderliche Lebensführung. Solches Wissen ist in erster Linie alltagspraktisches Wissen im Umgang mit Gesundheit und Krankheit, mit dem eigenen Körper genauso wie mit den gesundheitsprägenden sozialen Lebensbedingungen. Dieses Wissen ist primär über Kultur, Bildung und Erziehung vermittelt bzw. weitergegeben. Zur wissensbasierten Gesundheitskompetenz gehört neben dem alltagspraktischen Wissen auch spezialisiertes Wissen z.B. über individuelle und kollektive Gesundheitsrisiken oder über Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen.“53

Kickbusch formuliert ihre Definition der Gesundheitskompetenz aus der Perspektive von New Public Health, indem sie die Bedeutung der Lebensbedingungen und den Einfluss darauf betont: „Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken - Zuhause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein. Gesundheitskompetenz stärkt eine Person in der Selbstbestimmung und in ihrer Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit zu Gesundheitsfragen und verbessert die Fähigkeit Gesundheitsinformationen zu finden, diese zu verstehen und damit Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.“54

Brieskorn-Zinke erweitert das Verständnis von Gesundheitskompetenz um eine erfahrungsbezogene Ausrichtung. Eine abschließende Definition dieses Verständnisses der Gesundheitskompetenz ist bisher nicht vorhanden. Aber der Begriff wird verstanden als eine „[…] Ausrichtung von Gesundheitskompetenz, [die] auf den Fähigkeiten zum Wahrnehmen, Empfinden und Spüren auf[baut] und wird hier als primäre Voraussetzung zur Selbstsorge betrachtet.“55

1.6 Modelle der Gesundheitskompetenz

Analog zu der Vielzahl an vorhandenen Definitionen, wird in diesem Abschnitt eine Auswahl an vorhandenen Modellen der Gesundheitskompetenz vorgestellt.

Ein viel zitiertes Modell ist das Stufenmodell der Gesundheitskompetenz von Nutbeam. In diesem Modell wird Gesundheitskompetenz in drei Kompetenzniveaus mit den jeweils dazu erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten eingeteilt. Diese werden in der folgenden Abbildung 1 aufgezeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stufenmodell der Gesundheitskompetenz von Nutbeam. Eigene Darstellung. Vgl. Nutbeam (2000) S. 263f.; Vgl. Soellner et al. (2009) S. 107.

Zu diesem Modell ist kritisch anzumerken, dass es in diesem Umfang bisher nicht empirisch überprüft wurde. Die Forschungsbemühungen begrenzen sich meistens auf die funktionale und interaktive Stufe der Gesundheitskompetenz.56

Kickbusch zeigt in ihrem Modell „Handlungsbereiche der Gesundheitskompetenz“ fünf Lebensbereiche auf, in denen die Gesundheitskompetenz zur Anwendung kommt. Damit wird die Notwendigkeit der Gesundheitskompetenz nicht mehr nur auf das Gesundheitssystem beschränkt. Vielmehr ist das Gesundheitssystem ein Ort neben vier anderen, wo Gesundheitskompetenz erforderlich ist. Damit wird Gesundheitskompetenz zu einer allgemeinen Lebenskompetenz.57 Abbildung 2 zeigt die fünf Handlungsbereiche der Gesundheitskompetenz auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Handlungsbereiche der Gesundheitskompetenz von Kickbusch. Eigene Darstellung. Vgl. Kickbusch (2006 a) S. 10; Vgl. Bundesamt für Gesundheit (2006) S. 8; Vgl. Soellner et al. (2009) S. 109.

Im Jahr 2006 wurde vom Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana ein Dokument mit Denkanstößen für ein Rahmenkonzept zu health literacy vorgelegt. Hier wird ein Modell der health literacy vorgestellt, in dem von einer wissensbasierten Ausrichtung der Gesundheitskompetenz in Anlehnung an die Definition von Abel und Bruhin ausgegangen wird. Gleichzeitig nimmt dieses Modell die drei Stufen der Gesundheitskompetenz von Nutbeam auf sowie die Interventionsebenen zur Förderung der Gesundheitskompetenz von Nielsen-Bohlman et al. (Bildung, Kultur und Gesellschaft, Gesundheitssystem).

Die folgende Abbildung 3 zeigt die drei Stufen der Gesundheitskompetenz (funktional, interaktiv und kritisch) mit den jeweils zugeordneten Interventionsebenen (Bildung, Kultur und Gesellschaft, Gesundheitssystem) und den Rollen des Individuums (passiv, aktiv und proaktiv):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Health literacy Levels, Interventionsebenen und Rollen des Individuums. Eigene Darstellung. Vgl. Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana (2005) S. 15.

Außerdem werden in der weiteren Darstellung des Modells den jeweiligen Ebenen der Gesundheitskompetenz Indikatoren in Form von Fähigkeiten und Fertigkeiten und Ergebnisse der Förderung der Gesundheitskompetenz zugeordnet. Damit ist dieses Modell eines der umfassendsten, das nach dem derzeitigen Stand der Literatur entwickelt wurde. Hingegen wird die Begründung der Zuordnung der Interventionsebenen und der jeweiligen Rollen des Individuums zu den Stufen der Gesundheitskompetenz nur vage formuliert.58 Es ist durchaus denkbar, dass eine kritische Gesundheitskompetenz auch im Kontext des Bildungssystems gefördert werden kann. Oder ebenso, dass eine Person beim Aneignen von funktionalen Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben eine proaktive Rolle einnimmt.

Ein Modell, dass die erläuterten Facetten der Gesundheitskompetenz in sich vereint und um weitere Aspekte ergänzt, ist das hypothetische Strukturmodell von Soellner, Huber, Lenartz und Rudinger. Dieses entsteht, im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten, Forschungsprojekts „Gesundheitskompetenz – Modellentwicklung und Validierung“. „Das Ziel des Projektes ist es, ein umfassendes Modell des bislang theoretisch wenig verankerten Konzeptes der Gesundheitskompetenz zu entwickeln. Das Modell soll Aufschluss über die innere Struktur und Zusammensetzung der Gesundheitskompetenz geben sowie dessen Beziehungen zu verwandten Konstrukten kognitiver Art aufzeigen.“59 Das Kompetenzstrukturmodell wird in einem mehrstufig angelegten Forschungsprozess entwickelt und soll die Grundlage für die Entwicklung eines Kompetenzniveaumodells sein, „[…] auf dessen Grundlage das individuelle Kompetenzniveau von Personen bestimmt werden kann, um daraufhin Interventionen gezielter planen und deren Erfolg besser erfassen zu können.“60 Zum jetzigen Zeitpunkt liegt ein hypothetisches Strukturmodell vor, das aus den folgenden neun Strukturkomponenten besteht:

1.“Die Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstdisziplin
2.Die Fähigkeit zur Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und Gefühle sowie ein hohes Körperbewusstsein
3.Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme für die eigene Gesundheit
4.Gesundheitsbezogene Grundfertigkeiten, insbesondere die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Texte lesen und verstehen zu können (literacy) und gesundheitsrelevante mathematische Aufgabenstellungen lösen zu können (numeracy)
5.Die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen angemessen interpretieren und nutzen zu können, wozu auch ein bestimmtes Maß an medizinisch-biologischem Grundwissen nötig ist
6.Die Fähigkeit, sich gesundheitsrelevante Informationen beschaffen zu können
7.Die Fähigkeit, innerhalb des Gesundheitssystems navigieren und handeln zu können, sowie über das dazu notwendige Systemwissen zu verfügen
8.Die Fähigkeit zur Kommunikation und Kooperation bezüglich gesundheitsrelevanter Inhalte
(9. förderliche Persönlichkeitseigenschaften)“61

Beim zuletzt genannten Punkt, handelt es sich laut Soellner et al. im Sinne des Modells nicht um eine Strukturkomponente62, deshalb fließt dieser Punkt nicht in die folgende Abbildung 4 des hypothetischen Strukturmodells der Gesundheitskompetenz ein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Hypothetisches Strukturmodell der Gesundheitskompetenz von Soellner, Huber, Lenartz, Rudinger. Eigene Darstellung. Vgl. Soellner, Huber, Lenartz, Rudinger (2010) S. 110.

Insgesamt wird in diesem Modell „[…] Gesundheitskompetenz einem kognitiv-orientierten Kompetenzbegriff [in Anlehnung an Weinert, 2001] zugeführt“63, wenngleich die Autoren einräumen, dass „[…] einzelne Strukturkomponenten, insbesondere die motivationale Komponente zur Verantwortungsübernahme für die eigene Gesundheit den Rahmen eines engen Kognitionsbegriffs verlassen.“64 Dieses Modell bietet demnach Raum für die Berücksichtigung nicht-kognitivbezogener Fähigkeiten und Fertigkeiten der Gesundheitskompetenz. Aus diesem Grund wird dieses Modell im Rahmen der empirischen Überprüfung der Gesundheitskompetenz nochmals aufgegriffen.65

Sowohl Soellner et al., als auch Rödiger und Stutz Steiger identifizierten auf dem Stand der Literatur im Jahr 2009 ähnliche Gemeinsamkeiten in den unterschiedlichen Definitionen und Modellen der Gesundheitskompetenz. Nach Soellner et al. handelt es sich um die Kernelemente „[…] grundlegende Fertigkeiten wie Lesen, Textverständnis und Rechnen sowie einschlägiges Wissen, aber auch komplexere Fähigkeiten wie die Wissensorganisation, die Fähigkeit zur Bewertung und zur Entscheidungsfindung.“66 Nach Rödiger und Stutz Steiger handelt es sich um die Elemente: „Fertigkeiten, Verstehen, Zugang und Nutzung von Informationen; Kenntnisse, Empowerment und die Fähigkeit Entscheide zu fällen.“67 Nach aktuellem Stand der Literatur lässt sich das neuere Verständnis einer erfahrungsbezogenen Gesundheitskompetenz, das von Brieskorn-Zinke im Jahr 2011 in die Diskussion eingeführt wurde, hinzufügen, sowie das Verständnis einer verhältnisgestaltenden Gesundheitskompetenz, das weitgehend auf die Definition und die Handlungsbereiche der Gesundheitskompetenz von Kickbusch zurückgeht.

Insgesamt konnte anhand des Überblicks zu vorhandenen Definitionen und Modellen aufgezeigt werden, dass die Gesundheitskompetenz ein facettenreiches Konzept ist. Das heißt, mit dem Konzept werden unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten in Verbindung gebracht, die auch in anderen Lebensbereichen zur Anwendung kommen, zum Beispiel lesen und schreiben.68 Soll Gesundheitskompetenz gemessen oder das Konzept empirisch überprüft werden, so gilt es die aufgezeigte Vielfalt zu berücksichtigen. Im nun folgenden Abschnitt wird eine Auswahl an vorhandenen Messverfahren und Studien zur Gesundheitskompetenz, beziehungsweise Health Literacy, vorgestellt.

1.7 Messverfahren der Gesundheitskompetenz

Im nun folgenden Abschnitt wird eine Auswahl an vorhandenen Messverfahren vorgestellt, um aufzuzeigen, mit welchem Verständnis die Ausprägung der Gesundheitskompetenz derzeit erhoben wird.

In großangelegten Surveys in den USA und Kanada zur Erhebung der Lese- und Schreibfähigkeit der Bevölkerung liegen die Ursprünge der Erhebung von Health Literacy. Im National Adult Literacy Survey wurde zum Beispiel das Thema Gesundheit als eine Domäne abgefragt. Fokussiert wurde demnach ausschließlich die funktionale Stufe der Gesundheitskompetenz. Zwei health literacy-Erhebungen, die sich mittlerweile durchgesetzt haben und bisher viel zitiert wurden, sind REALM (Rapid Estimate of Adult Literacy in Medicine) aus dem Jahr 1993 von Davis et al. und TOFHLA (Test of Functional Health Literacy) von Parker et al. aus dem Jahr 1995.69 Hier „[…] werden Daten der Lese- und Schreibfähigkeit von Personen […] mit den eigentlich geforderten Lese- und Schreibfähigkeit Levels für vorhandene Gesundheitsinformationen verglichen.“70

Auf europäischer Ebene findet im Zeitraum von 2009 bis 2012 der „European Health Literacy Survey (HLS-EU)“ statt. Dieses Forschungsprojekt ist an der Universität Maastricht angesiedelt.71 Hier wird Gesundheitskompetenz anhand von zwölf Dimensionen erhoben. Diese beinhalten Fragen zum Zugang zu Informationen, Verstehen, Beurteilen und Anwenden von Informationen bezogen auf die Bereiche Therapie und Behandlung, Prävention und Gesundheitsförderung.72 Die folgenden europäischen Länder sind an diesem Forschungsprojekt beteiligt: Österreich, Bulgarien, Deutschland (Nordrhein-Westfalen), Griechenland, Irland, Niederlande, Polen und Spanien.73 Die Ergebnisse des Surveys in Nordrhein-Westfalen stellte Monika Mensing im Februar 2012 vor.74 Hier konnte für Nordrhein-Westfalen eine im Hinblick auf geringe Gesundheitskompetenz „gefährdete Personengruppe“ identifiziert werden. Es handelt sich um ältere Menschen, insbesondere ältere Frauen, chronisch Kranke, Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand und Menschen mit niedrigem Sozialstatus oder geringer Bildung.75

Immer wieder wird in der Literatur bemängelt, dass sich die vorhandenen Studien zur Gesundheitskompetenz ausschließlich auf die funktionale Gesundheitskompetenz beschränken.76 Sommerhalder nahm diese Kritik auf und untersuchte in der Studie „Gesundheitskompetenz in der Schweiz […] neben der funktionalen Gesundheitskompetenz auch die interaktive oder kritische Gesundheitskompetenz in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz […]. Zudem analysierte die Erhebung nicht nur die Ausprägung, sondern auch die Verteilung der Gesundheitskompetenz bei Schweizern und Schweizerinnen.“77 Die Studie zeigt, dass sich die Mehrheit der befragten SchweizerInnen als sehr gut oder gut gesundheitskompetent einschätzten.78 Die Studie zeigt aber auch, dass die subjektive Einschätzung der Ausprägung der Gesundheitskompetenz in der Schweizer Bevölkerung ungleich verteilt ist. Folgende Bevölkerungsgruppen schätzten ihre Gesundheitskompetenz mehrheitlich als schlecht ein:

„Menschen über 64 Jahre im Vergleich zu jüngeren Menschen

Menschen, die keine Ausbildung oder nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben, gegenüber Menschen mit längerer Ausbildung

Menschen mit einem monatlichen Haushaltseinkommen unter 4000 Schweizer Franken im Vergleich zu Befragten mit höherem sozioökonomischem Status

Menschen, die ihren Gesundheitszustand als schlecht bezeichneten, im Vergleich zu Personen, die ihren Gesundheitszustand als gut einschätzten“79

Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit der im Rahmen des HLS-EU-Surveys identifizierten Personengruppe, deren Gesundheitskompetenz im Vergleich zur restlichen Bevölkerung geringer ausgeprägt ist.

1.8 Gesundheitskompetenz im Kontext von Gesundheitsbildung

Anhand der bisherigen Darstellung konnte aufgezeigt werden, dass das Konzept Gesundheitskompetenz sowohl auf politischer, als auch auf wissenschaftlicher Basis breit diskutiert wird. Dem Konzept liegen zwar insgesamt unterschiedliche Begriffsverständnisse zugrunde, aber dennoch scheint es sich um ein theoretisch hochaktuelles Thema zu handeln. Im nun folgenden Abschnitt wird aufgezeigt, inwiefern dieses Konzept auch in der Praxis der Gesundheitsbildung verankert ist.

Nutbeam betont die Bedeutung von health literacy als Ziel von Gesundheitsbildung und Gesundheitskommunikationsmaßnahmen.80 Auch in der deutschsprachigen Literatur wird Gesundheitskompetenz häufig als Ziel von Gesundheitserziehung und -bildung im Speziellen und Gesundheitsförderung im Allgemeinen betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass auf eine erhöhte Gesundheitskompetenz gesundheitsförderndes Verhalten folgt und dies zu einem verbesserten Gesundheitsstatus führt.81 Dieser Zusammenhang wird häufig in Anlehnung an das „Ergebnismodell Gesundheitsförderung Schweiz“ von Cloetta et al. als Wirkungskette aufgezeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Wirkungskette der Gesundheitskompetenz. Eigene Darstellung. Vgl. Cloetta, Spencer, Ackermann, Broesskamp-Stone, Ruckstuhl, Spörri-Fahrni (2012) S. 1; Vgl. Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana (2005) S. 20.

Bereits 1999 formulierte Beate Blättner die Forderung, dass die gesundheitsbezogenen Ziele der Gesundheitsbildung zu definieren und die Rolle der Handlungsfelder health literacy, Umgang mit Krankheit und dem Gesundheitswesen für die Praxis der Gesundheitsbildung zu klären seien.82 Heute, 13 Jahre nach diesen Empfehlungen, wird deutlich, dass Gesundheitskompetenz, beziehungsweise health literacy im Rahmen der Ziele von Gesundheitsbildungsprogrammen nicht systematisch verankert ist. Eine Analyse der Zielformulierungen von ausgewählten Stressbewältigungsprogrammen zeigt, dass der Begriff Gesundheitskompetenz in keinem der Programme erwähnt wird.83 Auch in den Zielformulierungen des Präventionsleitfadens des GKV-Spitzenverbandes finden sich keine konkreten Hinweise zur Gesundheitskompetenz.84 Diese Aspekte geben Hinweise auf eine Lücke zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie wird Gesundheitskompetenz breit und aus vielen Perspektiven diskutiert. In der Praxis der Gesundheitsbildung scheint dieses Konzept allerdings noch nicht systematisch verankert zu sein. Diese Vermutung ist deckungsgleich mit den Ergebnissen einer Erhebung der Aktivitäten zur Gesundheitskompetenz in der Schweiz. Hier wurden Akteure aller Kantone unter anderem zu deren Verständnis von Gesundheitskompetenz, zu politischen Strategien und konkreten Umsetzungsbeispielen befragt.85 Es zeigte sich, dass der Begriff in den Programmen und Projekten kaum erscheint86 und dass die Förderung der Gesundheitskompetenz insgesamt „[…] häufig nur einen (mehr oder weniger zweitrangigen oder gewichteten) Teilaspekt der Public-Health-Programme[…]“87 darstellt und in den Zielformulierungen von spezifischen Aktionsprogrammen nur selten auftaucht.88 Abel und Bruhin prognostizieren allerdings, dass die wissensbezogene Gesundheitskompetenz mit „[…] der zunehmenden Bedeutung der Qualitätsprüfung von Interventionen in der Gesundheitsförderung […] sukzessive an Stellenwert als ein Kriterium einer evidenzbasierten Gesundheitsförderung gewinnen“ wird.89

Die Darstellung der Gesundheitskompetenz anhand einer Auswahl an Definitionen, Modellen, Erhebungsinstrumenten sowie Maßnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz auf politischer Ebene zeigt auf, dass das Konzept auf zunehmendes wissenschaftliches und gesellschaftliches Interesse stößt. Ein einheitliches Begriffsverständnis ist allerdings noch nicht vorhanden. Vielmehr lässt sich anhand der Darstellung aufzeigen, dass mit Gesundheitskompetenz im Wesentlichen vier Ausrichtungen verbunden werden, die zum jetzigen Zeitpunkt noch weitgehend isoliert nebeneinander zustehen scheinen. Es handelt sich um die wissensbezogene Ausrichtung der Gesundheitskompetenz mit der dazugehörenden Ausrichtung medical literacy, die erfahrungsbezogene und verhältnisgestaltende Ausrichtung der Gesundheitskompetenz. Diese vier Ausrichtungen werden im folgenden Kapitel näher erläutert.

2 Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz

Zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage90 werden im nun folgenden Kapitel die vier Ausrichtungen der Gesundheitskompetenz, die sich nach aktuellem Stand der Literatur identifizieren lassen, aufgezeigt. Dabei wird jeweils der Entstehungskontext berücksichtigt und dargestellt, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Ausrichtungen jeweils umfassen. Weiterhin werden Voraussetzungen aufgezeigt, die in der Literatur für eine gelingende Vermittlung der Gesundheitskompetenz genannt werden. Zur Veranschaulichung werden, wo es möglich ist, Anwendungsbeispiele aus der Praxis, welche die jeweilige Ausrichtung des Konzepts der Gesundheitskompetenz geradezu idealtypisch widerspiegeln, vorgestellt. Die folgende Darstellung ist als vertiefende Auseinandersetzung mit den bereits angeführten Aspekten des Konzepts Gesundheitskompetenz zu verstehen. Insgesamt dient diese Darstellung als Grundlage für die empirische Überprüfung des Konzepts Gesundheitskompetenz, die im weiteren Verlauf der Arbeit vorgestellt wird.

2.1 Wissensbezogene Gesundheitskompetenz

Wie bereits in Abschnitt 1.2 ausgeführt wurde, liegt der Ursprung des Begriffs Gesundheitskompetenz im Begriff health literacy, der von Simonds 1974 erstmals geprägt wurde. Literacy wurde in der Folge als Voraussetzung für health literacy gesehen. Diese wiederum sei die Voraussetzung für Gesundheit.91 Das heißt, die Fähigkeiten Texte lesen, schreiben und verstehen zu können, beziehungsweise gesundheitsrelevante Aufgaben rechnen zu können, gelten als Minimalanforderung, um sich auch in Bezug auf die Gesundheit kompetent verhalten zu können. Als Beispiel wird häufig die Fähigkeit zum Lesen und Verstehen eines Beipackzettels angeführt. Aber auch das Suchen, Finden und Bewerten von Gesundheitsinformationen wird in diesem Zusammenhang genannt. Rödiger und Stutz Steiger ergänzen, dass Fähigkeiten zum Umgang mit Medien und elektronischen Geräten erforderlich sind, um gesundheitsrelevante Informationen zu finden. Weiterhin fügen Rödiger und Stutz Steiger hinzu, dass die zur Verfügung stehenden Informationen „qualitativ hoch stehend, vertrauenswürdig und verständlich“ sein müssen. Denn Wang und Schmid haben in einer Studie festgestellt, dass Zeitungen und Internet zu den meist genutzten Hauptquellen für gesundheitsrelevante Informationen zählen. Einen Vorschlag für Qualitätskriterien von gesundheitsrelevanten Informationen findet sich auf der Homepage www.gesundheitsziele.de. Weiterhin spielt der Einbezug der Informationen in das eigene Gesundheitshandeln eine Rolle. Domenig hält in diesem Zusammenhang fest: „Informationen zu finden, einzuordnen, zuzuordnen, zu analysieren und vor allem dann auf die ganz persönliche Situation zu transferieren, sind äusserst (!) komplexe und nicht für alle selbstverständliche Tätigkeiten.“92

Das Konzept der wissensbasierten Gesundheitskompetenz wird im deutschsprachigen Raum vor allem von der Abteilung „Gesundheitsforschung“ am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern etabliert. Die Forschergruppe, geleitet von Thomas Abel, befasst sich seit circa zehn Jahren mit dem Konzept aus Public Health Perspektive. Angestrebt wird eine wissenschaftliche Fundierung und Etablierung des Konzepts in der Praxis.93

In Anlehnung an die Kapitaltheorie von Bourdieu begreift Abel Gesundheitskompetenz als Form des kulturellen Kapitals. Insgesamt umfasst Bourdieu´s Theorie drei Kapitalformen: ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital. Zwischen diesen Kapitalformen finden Prozesse der Übertragung und Akkumulation statt.94 „Kulturelles Kapital verbindet Bourdieu mit Bildung in erweitertem Sinne als lebenslange informelle und formelle Bildung. Menschen eignen sich dabei Wissen, Werthaltungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen an, die ihnen die Teilnahme an und die Gestaltung von Lebenswelten ermöglichen.“95 Weiterhin ordnen Abel und Bruhin der wissensbezogenen Gesundheitskompetenz alltagspraktisches und spezialisiertes Wissen zu, ohne dies näher zu erläutern.96

Insgesamt betrachtet, scheint diese Ausrichtung der Gesundheitskompetenz die Diskussion um das Konzept in der Literatur zu dominieren.

2.1.1 Medical Literacy

Den Autoren Peerson und Saunders zur Folge fokussiert das derzeitige Verständnis von health literacy zu stark auf das Zurechtkommen des Patienten innerhalb des Gesundheitssystems. Die Fähigkeiten, die notwendig sind, um sich außerhalb des Gesundheitssystems „health literate“ zu verhalten, blieben häufig außer Acht. Auf Grundlage dieser Kritik nehmen die Autoren eine Differenzierung vor und bezeichnen die Fähigkeiten, die notwendig sind, um innerhalb des Gesundheitssystems erfolgreich zu navigieren, als medical literacy. Bezogen auf das Verhalten im Alltag verwenden sie den bekannten Begriff health literacy und lehnen sich bei ihrem Verständnis an die Definition der WHO an.97 Die Autoren veranschaulichen ihre Differenzierung der Begriffe anhand des folgenden Beispiels:

„A simple way of describing the difference is: ꞌmedical literacyꞌ involves the ability to read, understand and act on instructions for taking a cholesterol-lowering drug; ꞌhealth literacyꞌ involves the ability to access information about cholesterol, to understand it and to apply it to one´s own life.”98

[...]


1 Naidoo, Wills (2010) S. 214.

2 Vgl. Domenig (2009) S. 10.

3 Brieskorn-Zinke (2012) S. 10.

4 Baker (2006) S. 878, zit. nach Soellner, Huber, Lenartz, Rudinger (2009) S. 105.

5 Vgl. Bundesamt für Gesundheit (2006) S. 5.

6 Vgl. Brieskorn-Zinke (2011c) S. 543; Vgl. Sommerhalder (2009) S. 59.

7 Vgl. Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 37.

8 Schwartz, Kailuweit (2006) S. 1.

9 Vgl. Franke, Witte (2009).

10 Vgl. Hazard (1997).

11 Vgl. Rühl (2010).

12 Vgl. Ratzan, Parker (2000) S. v.

13 Ebenda S. v.

14 Vgl. Ratzan, Parker (2000) S. v.

15 Vgl. Soellner et al. (2009) S. 106.

16 Ebenda S. 106.

17 Vgl. Kickbusch, Maag, Saan (2005).

18 Vgl. Bundesamt für Gesundheit (2006) S. 8

19 Vgl. Soellner et al. (2009) S. 111.

20 Sommerhalder (2009) S. 57.

21 Vgl. Abel, Bruhin (2006) S. 129.

22 Vgl. Ebenda S. 128 f.

23 Vgl. Pleasant, Kuruvilla (2008) S. 153.

24 Vgl. Ebenda S. 153.

25 WHO (2000) S. 2, zit. nach Dierks, Seidel, Wrede (2008) S. 16.

26 Kickbusch (2006) S. 72.

27 Vgl. Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 42; Vgl. Spycher (2006) S. 2.

28 Eidgenössisches Departement des Inneren (2007) S. 5.

29 Vgl. Spycher (2006) S. 1.

30 Vgl. Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 32ff.

31 Ebenda S. 34.

32 Vgl. Domenig (2009) S. 10; Vgl. Duetz, Abel (2004) S. 34f.; Vgl. Abt-Zegelin (2012) S. 238f.; Vgl. WHO (1986) S. 2; Vgl. WHO (2005) S. 3.

33 Sommerhalder (2009) S. 67.

34 Sommerhalder (2009) S. 56.

35 Stutz Steiger, Eckert (2007) S. 8, zit. nach Sommerhalder (2009) S. 56.

36 Vgl. Sommerhalder (2009) S. 57; Vgl. Spycher (2009) S. 8.

37 Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 41.

38 Eine Übersicht hierzu: Bundesamt für Gesundheit (2007).

39 Vgl. Domenig (2007) S. 27.

40 Domenig (2009) S. 11.

41 Vgl. Domenig (2007) S. 27; Vgl. Domenig (2009) S. 11.

42 Vgl. www.gesundheitsziele.de.

43 Vgl. Hölling, Brasseit (2003) S. 128.

44 Hölling, Brasseit (2003) S. 131.

45 Ebenda S. 131.

46 Vgl. www.gesundheitsinformation.de.

47 Vgl. Soellner et al. (2009) S. 107.

48 Vgl. Ebenda S. 106ff.

49 Vgl. Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 26.

50 WHO (1998) S. 10.

51 Ratzan, Parker (2000) S. vi; Nielsen-Bohlmann et al. (2004) S. 32.

52 Rödiger, Stutz Steiger (2009) S . 27.

53 Abel, Bruhin (2006) S. 129.

54 Kickbusch (2006) S. 69.

55 Brieskorn-Zinke (2012) S. 13.

56 Vgl. Soellner et al. (2009) S. 108.

57 Vgl. Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 28 f.

58 Vgl. Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana (2005) S. 15.

59 Soellner, Huber, Lenartz, Rudinger (2010b) S. 1.

60 Soellner et al. (2009) S. 112.

61 Soellner et al. (2010) S. 109f.

62 Ebenda S. 110.

63 Soellner et al. (2010) S. 105, mit eigener Ergänzung.

64 Ebenda S. 110.

65 Siehe Abschnitt 4.2 in dieser Arbeit.

66 Soellner et al. (2009) S. 109.

67 Rödiger, Stutz Steiger (2009) S. 29.

68 Vgl. Ebenda S. 34.

69 Vgl. Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana (2005) S. 11 ff.

70 Ebenda S. 13.

71 Vgl. Maastricht University, Department of International Health (o.J. a).

72 Vgl. Mensing (2012) S. 6.

73 Vgl. Maastricht University, Department of International Health (o.J. b).

74 Vgl. Mensing (2012).

75 Vgl. Ebenda S. 33.

76 Vgl. Soellner et al. (2009) S. 110; Vgl. Forschungsbereich Health Literacy: Health Care Communication Laboratory, Università della Svizzera italiana (2005) S. 13f.

77 Sommerhalder (2009) S. 61.

78 Vgl.Ebenda S. 63.

79 Ebenda S. 64.

80 Vgl. Nutbeam (2000) S. 259.

81 Vgl. Abel, Bruhin (2006) S. 129; Vgl. Sommerhalder (2009) S. 67.

82 Vgl. Blättner (1999) S. 86.

83 Diese Untersuchung wurde beispielhaft in den vier ausgewählten Stressbewältigungsprogrammen, die als Untersuchungsgegenstand der empirischen Überprüfung des Konzepts Gesundheitskompetenz herangezogen wurden, durchgeführt. Diese Programme werden in Abschnitt 3.2 näher vorgestellt.

84 GKV-Spitzenverband (2010) S. 35.

85 Vgl. Lehmann, Allianz Gesundheitskompetenz (2011) S. 5.

86 Vgl. Ebenda S. 7.

87 Ebenda S. 30, Hervorhebungen im Original.

88 Vgl. Ebenda S. 30.

89 Abel, Bruhin (2006) S. 130.

90 Welche Ausrichtungen umfasst das Konzept Gesundheitskompetenz?

91 Vgl. Nielsen-Bohlman et al. (2004) S. 33.

92 Domenig (2009) S. 10.

93 Vgl. Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Abteilung für Gesundheitsforschung (2007) S. 1.

94 Vgl. Sommerhalder (2009) S. 66.

95 Ebenda S. 66.

96 Vgl. Abel, Bruhin (2006) S. 129, Definition: Siehe Abschnitt 1.5 in dieser Arbeit.

97 Vgl. Peerson, Saunders (2009) S. 287f.

98 Ebenda S. 288.

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Ist Gesundheitskompetenz ein Bestandteil von Gesundheitsförderungsprogrammen?
Untertitel
Eine empirische Überprüfung des Konzepts an ausgewählten Stressbewältigungsprogrammen
Hochschule
Evangelische Hochschule Darmstadt, ehem. Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
103
Katalognummer
V319825
ISBN (eBook)
9783668188280
ISBN (Buch)
9783668188297
Dateigröße
1369 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitskompetenz, Gesundheitsförderung, health literacy
Arbeit zitieren
Ramona Rühl (Autor), 2012, Ist Gesundheitskompetenz ein Bestandteil von Gesundheitsförderungsprogrammen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319825

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