Träume und Traumdeutung. Nur eine unnütze Nebenaktivität des Schlafes oder mehr?


Facharbeit (Schule), 2014
40 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

Vorwort:

1)Der Traum im Allgemeinen:

2)Der Traum als Botschaft:

3)Wie komme ich dazu eine BLL über Traumdeutung zu schreiben?

4)Die Geschichte der Traumdeutung:

5)Traumdeutung nach Sigmund Freud:

6)Methoden der Traumdeutung:

7)Traumquellen/Sinneseinflüsse:

8)Meine praktische Arbeit:

9)Schlusswort:

10)Literaturverzeichnis:

Vorwort:

Es war dunkel. Ich schwamm hektisch durch ein rundes Wasserbecken mit gläsernen Wänden, und zappelte wild mit allen Gliedmaßen. Als ich nach oben aufblickte, sah ich, dass ich in einer riesigen, geschlossenen Wasserflasche gefangen war. Je mehr ich mich bemühte, über Wasser zu bleiben, desto höher stieg das Wasser an. Ich kam dem Deckel der Flasche immer näher, und hatte nur noch wenig Platz, um meinen Kopf über Wasser zu halten.

Als ich schon mit dem Kopf am Deckel anstieß, um schnell die letzten Atemzüge zu holen, und das Wasser kurz darauf das komplette Volumen der Flasche einnahm, wachte ich plötzlich auf. – Es war nur ein Traum gewesen… Nur ein Traum?1

Für Einige spielt der geträumte Traum, wie intensiv und real er sich im Schlaf auch angefühlt hat, nach dem Aufwachen keine Rolle mehr. Allein die Tatsache, dass Trauminhalte sehr oft im Gegensatz zur Realität stehen, lässt viele an der Sinnhaftigkeit der Träume zweifeln.

Auch dass man sich meist nur, wenn überhaupt, an kleine Traumabschnitte erinnern kann, begründet für den ein oder anderen die Haltung, Träume seien nicht von größerer Bedeutung.

Ist es jedoch wirklich richtig, wie es bis heute Einige praktizieren, Träume einfach als unnütze Nebenaktivität des Schlafens abzustempeln?

1) Der Traum im Allgemeinen:

Ein Traum ist eine imaginäre Vorstellung, die während des Schlafes auftritt. Der Inhalt und die Intensität, der beim Traum aufkommenden Gefühle, werden durch das Soma, die Psyche und Sinneserregungen2 gesteuert. Somit sind Traumerfahrungen von Mensch zu Mensch individuell.

Unabhängig von physikalischen Gesetzen wie Raum und Zeit3 durchlebt der Mensch, während der Zeit des Schlafens, mehrere Traumphasen, wobei man sich nur selten an das Geträumte erinnern kann. Ein weiteres bekanntes Merkmal von Träumen sind Vorgänge, die nicht im Einklang mit dem sind, was wir als unsere Wirklichkeitswahrnehmung bezeichnen. („Nur im Traum sind Karotten so groß wie Bären“4 )

Eine inhaltlich wertvolle, und gleichzeitig unwiderlegbare Definition zu finden, die der Vielfalt der Träume gerecht wird, ist sehr schwierig.

Auch der amerikanische Traumforscher Calvin Hall, der sich Jahrzehnte lang mit dem Thema beschäftigt hat, versuchte in seinem Buch „the meaning of dreams“ den Traum wie folgt zu definieren:

„Der Traum stellt eine Folge vorwiegend visueller Bilder dar, die während des Schlafs erlebt werden. Ein Traum hat gewöhnlich eine oder mehrere Szenen, außer dem Träumer noch mehrere Personen und eine Folge von Handlungen und Interaktionen, an denen der Träumer meist beteiligt ist. Der Traum ähnelt einem Film oder einem Drama, in dem der Träumer sowohl Beteiligter als auch Beobachter ist.“5

Das Besondere an der Definition von Hall ist die äußerste Vorsicht, mit der er versucht, sich an den Traum heranzutasten. Er beschränkt sich dabei nur auf das unmittelbar Überprüfbare und lässt die auslösende Quelle komplett außen vor.

Ich habe mich zu Anfang des ersten Gliederungspunkts bewusst für eine speziellere Beschreibung entschieden, da sie so gleich meine grundsätzliche Stellung zum Traumgeschehen kennenlernen, die im Verlauf des weiteren Werks berücksichtigt werden muss.

2) Der Traum als Botschaft:

„Ein nicht gedeuteter Traum, ist wie ein nicht gelesener Brief.“6 – So heißt es schon im Talmud. Doch um den Traum als Botschaft definieren zu können, muss man vorerst die Bedeutung vom Schlaf erörtern. Der Schlaf ist der Zustand der äußeren Ruhe, mit dem man versucht dem Wachzustand, und somit der Wirklichkeit, für eine Zeit zu entkommen. Mit herabgesenktem Puls, verringerter Atemfrequenz und niedrigerem Blutdruck entzieht man sich der Realität und befindet sich in einer Ruhephase.7 Auf biologischer Seite bedeutet diese Ruhephase ein Abschalten der Gedankengänge, die uns im Wachzustand beschäftigen. Dies lässt sich für mich auch durch meine eigene Erfahrung bestätigen, dass es in Stresssituationen, in denen ich von mehreren Gedanken oder Sorgen gleichzeitig geplagt werde, um einiges schwieriger ist einzuschlafen, als sonst. Oft erliegen diese umherschwirrenden Gedanken erst nach einigen Minuten, gar Stunden, der zunehmenden Müdigkeit.

Der Schläfer befindet sich in einer Art vorweltlichem Zustand, der mit dem Mutterleibstadium verglichen werden kann. Nicht nur, dass der Schlafende versucht sich eine ähnliche Umgebung zu schaffen, indem er sich wärmt und den Raum abdunkelt, sondern auch dass er sich meistens in eine vergleichbare Haltung zusammenrollt, zeigt gewisse Parallelen.8 Hinzu kommt, dass jegliche Wertvorstellungen und Normen sowohl im Schlaf, als auch im Mutterleib, keine Rolle spielen.

Unter Berücksichtigung der eben genannten Aspekte könnte man die Zeit des Schlafes also als Abschalten der weltlichen Interessen definieren. Nun kommt in diesem Ruhezustand, in dem man sich in einer Welt befindet, die von der Realität komplett abgeschnitten zu sein scheint, das Phänomen des Traumes hinzu.

Trotz der scheinbaren Abschaltung jeglicher Gedankengänge, gibt es etwas, dass in uns nicht zur Ruhe kommt, und uns eine Botschaft in Form eines Traumes in den Kopf projiziert. Oft sind es hierbei leicht zu erklärende Auslöser, die schlicht und ergreifend mit dem derzeitigen Umfeld oder körperlichen Empfindungen zusammenhängen. Für die Traumdeutung jedoch sind besonders die Träume interessant, die einen verborgenen Sinn beinhalten. Diese Träume haben meist einen anderen „Absender“, und zwar die Psyche.

Verschiedene Sachen, die uns sehr viel bedeuten, oder mit denen wir uns oft beschäftigen, lasten auf unserer Seele (In diesem Werk werden Seele und Psyche synonym verwendet). Diese Sachen kann uns die Seele im Wachzustand allerdings nicht übermitteln, da sie sich aufgrund der erhöhten Gehirnaktivität nicht „durchsetzen“ kann, und quasi unterdrückt wird.9 Da im Schlaf jedoch die Gehirnaktivität stark reguliert wird, schafft es die Seele, deren Anliegen über den ganzen Tag verdrängt wurde, sich mit psychischen Erregungen in Form eines Traumes zu äußern. Sie schickt neurobiologische Reize an unser Gehirn, und erzeugt somit das Traummaterial. Der Fluchtversuch vor der weltlichen Realität, mit Hilfe des Schlafes, gelingt also nur teilweise, da man im Unterbewusstsein von Natur aus zu sehr darauf fixiert ist, das seelische Anliegen zu verarbeiten. Im extremen Negativfall kann es sich zu einem so kraftraubenden Akt entwickeln, dass man beispielweise schweißgebadet aufwacht.

Natürlich können im Traum auch glückerfüllte Momente oder Erlebnisse erscheinen, welche wir als schönes Gefühl wahrnehmen.

Dass das Gehirn im Tiefschlaf Erfahrungen und Gedanken nochmals durchspielt, lässt sich durch eigene Experimente belegen. Einer Vielzahl von Testpersonen begegnen im Traum nämlich Sachen, die sie momentan im Wachzustand auch am meisten beschäftigen. So wird oftmals dem fürs Abitur lernenden Schüler, der sich den ganzen Tag auf seinen Lernstoff konzentriert, ein durch das Lernen verursachtes Stresssignal im Traum vermittelt werden.

Auch andere Studien, wie beispielsweise dass man sich Dinge, die man vor dem Einschlafen liest, besser merken kann als welche, die man sich mittags durchliest, unterstützen diese Beobachtung.10

3) Wie komme ich dazu eine BLL über Traumdeutung zu schreiben?

Ich habe mir die eben genannten Ansätze zur Traumforschung genauer angeschaut und bin der Überzeugung, dass einige Träume eine Art Botschaft darstellen, die interpretiert, bzw. gedeutet werden kann. Ich bin mir sicher, dass sich verschiedene Lebenssituationen in Träumen widerspiegeln und eventuell sogar Lösungsmöglichkeiten für Probleme bieten können.

Schon allein dass wir Dinge träumen, mit denen wir oft überhaupt nichts anfangen können, macht das Traumgeschehen unwahrscheinlich interessant für mich. Es bedeutet nämlich in meinen Augen, dass wir durch Traumdeutung Einblicke in Bereiche einer Person bekommen können, die für uns nicht zwangsläufig bewusst zugänglich sind. („Der Traum wusste, was mir selbst unbekannt war“)11

Um dem komplexen Thema der Traumdeutung gerecht zu werden, befragte ich verschiedene Personen über ihre Traumerlebnisse. Ich war sehr gespannt über mögliche Auffälligkeiten oder Parallelen, da ich selbst seit einigen Monaten genauer auf meine Träume geachtet habe.

Für mich ist es sehr aufregend, dass während des Schlafens, wenn die körperliche Aktivität heruntergefahren wird, die Seele quasi die Möglichkeit hat, ihr Anliegen in Form eines Traumes preiszugeben. („Betrachte den Traum wie das Gebet deiner dir selbst entflohenen Seele“)12

Denn uns muss immer bewusst sein, dass alles was wir träumen, von uns selbst, von unserem Unterbewusstsein, in unseren Kopf projiziert wird.

Und wenn man sich selbst nicht ernst nimmt, wen dann?

4) Die Geschichte der Traumdeutung:

Um die Geschichte der Traumdeutung zusammenfassen zu können, muss man sehr früh anfangen. Schon in einer der ältesten, überlieferten Schriften, dem Gilgamesch-Epos (ca. 2000 v Chr.), lassen sich Hinweise auf die Bedeutung des Traumes sehen. („Gilgamesch erhält mittels zweier Träume Kenntnis von Enkidu“13 )

Da die alten Ägypter sich nicht vorstellen konnten, dass sie selbst der Erfinder ihres Traumes sind, waren sie von einem göttlichen Ursprung der Träume überzeugt.

Daraus schlussfolgerten sie ebenfalls, dass ihre Träume wichtige Hinweise für das Leben geben würden. Aufgrund der Überzeugung, Träume hätten göttlichen Ursprung, galt der Traum auch als Beweis für die Existenz Gottes.

Allerdings ist es auffällig, dass die Träume differenziert gedeutet wurden. Entscheidend waren dabei die Hauptgötter der ägyptischen Mythologie, Horus und Seth. Der Konflikt der Beiden machte es nicht möglich, Träume unterschiedlicher Gefolgschaft gleich zu interpretieren.14

Schon zu dieser Zeit ließ sich erkennen, dass den Traumbotschaften immer mehr Beachtung geschenkt wurde, und somit langsam die Grundlage für eine Wissenschaft hervorging.

Auch wenn es einige vielleicht schon aus ihren Erinnerungen verloren haben, ist wahrscheinlich jeder während der Schulzeit, bei der Behandlung der Bibel, auf Traumerlebnisse gestoßen.

Ein bekanntes Traumbeispiel der Bibel steht im ersten Buch Mose/Genesis.

Hier spielen zwei Träume eine Rolle, die von Joseph beschrieben werden. Joseph war der Liebling von 12 Söhnen Jacobs, und somit nicht sonderlich beliebt bei seinen Brüdern. Als Joseph ihnen aber von seinem Traum berichtete, verschlechterte sich das Verhältnis zu seinen Brüdern weiter. Er sagte:

„Höret doch, was mir geträumt hat: Mich deuchte, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand, und eure Garben umher neigten sich vor meiner Garbe.“15

Die Brüder deuteten den Traum, dass Joseph ihr König werden solle, und er schließlich über sie herrschen wird.

Auch mit dem zweiten Traum, welchen Joseph berichtete, machte er sich nicht beliebt:

„ Mich deuchte, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.“

Diesen Traum, erzählt Joseph allerdings nicht nur seinen Brüdern, sondern ebenfalls seinen Eltern. Sein Vater Jacob sah sich dabei selbst in der Sonne, die Mutter in dem Mond, und in den elf Sternen die Brüder von Joseph. Daraufhin bestrafte Jacob seinen Sohn, da er nicht mit dem Gedanken leben wollte, dass die komplette Familie sich seinem Lieblingssohn unterwerfen sollte.

Anfangs wollten die elf Brüder Joseph töten, aber letztlich verkauften sie ihn für zwanzig Silberlinge an Israeliten.

Im weiteren Verlauf der Bibel erfährt man, wie Joseph im Gefängnis sowohl seine eigenen Träume, als auch die seiner Mitgefangenen deutet.16 Diese „Begabung“ brachte Joseph schließlich zum Pharao, der die Fähigkeit des Traumdeutens sehr hoch ansah. Joseph wurde sogar über die Hauptmänner des Pharaos gestellt.

Bevor Joseph eine siebenjährige Hungersnot aus den Traumbeständen des Pharaos vorhergedeutet hatte, äußerte er noch eine sehr spannende Aussage:

„Auslegen gehört Gott zu; doch erzählt mir's“17

Mit dieser Aussage sagt Joseph, dass Gott die Träume in Form von Mitteilungen „auslegt“, und seine Aufgabe es nur ist, sie entsprechend zu entschlüsseln.

Erst einige Jahrhunderte später, ca. 500 v. Chr., begann man allmählich von dem Glauben, Träume haben göttlichen Ursprung, abzusehen.

Eine zentrale Rolle kam hierbei dem griechischen Philosophen Platon zu, der den Traum als „einzigartiges Mittel der Selbsterkenntnis“18 bezeichnete. Auch sein Schüler Aristoteles vertrat eine wissenschaftliche Haltung zum Traumgeschehen, und äußerte die Vermutung, dass Träume in unmittelbarem Zusammenhang mit den Erlebnissen vom Vortag in Verbindung stünden.19 Des Weiteren erweiterte er die Annahme des Hippokrates („berühmtester Arzt des Altertums“20 ), dass erkrankte Menschen verwirrendes Traummaterial träumen würden, indem er sagte, dass Organschäden im Traum schon vor dem Eintreten der Symptome erkannt werden können.21

Zwei Jahrhunderte nach Christus bemühte sich der griechische Traumdeuter Artemidor von Daldis, „das scheinbar Chaotische, Sinnlose und Rätselhafte der Träume zu systematisieren.“22 Von Daldis versuchte in verschiedenen Träumen Regelmäßigkeiten oder bestimmte Muster zu finden, um so der Traumdeutung näher zu kommen.

Überdies sah er Träume als eine Art Orakel an, wie er in seinem 4ten Buch der Traumdeutung indirekt zu erkennen gibt:

„Eine Frau träumte, die Taten des Herakles vollbracht zu haben. Kurz darauf wurde sie von einem Feuer erfasst und verbrannte bei lebendigem Leibe. Man sagt nämlich, dass auch der Leib des Herakles durch Feuer vernichtet worden sei.“ (Kap.43)23

Artemidor von Daldis sieht in Träumen also ein Vorausblicken auf das Schicksal des Träumenden.

Zu Zeiten des Mittelalters kann man zur Geschichte der Traumdeutung relativ wenig sagen. Nicht zuletzt weil aus dem Mittelalter keine nützlichen und zusammenfassenden Werke zu diesem Thema vorhanden sind.24

Es wurden lediglich die von Aristoteles angestellten Hypothesen zum medizinischen Nutzen der Träume durch Ärzte wie Arnaldus de Villanova weiter unterstützt. So war auch er der Überzeugung, dass man durch Träume „Krankheitssymptome erkennen könne, schon lange vor ihrer Wahrnehmbarkeit im Wachbewusstsein.“25

Jedoch lassen sich auch wieder Persönlichkeiten finden, bei denen den Träumen ein göttlicher Ursprung zugesprochen wird. So unterschieden z. B. Albertus Magnus (1193-1280) und sein Schüler Thomas von Aquin (1227-1274) zwischen „Träumen von Gott“ und „natürlichen Träumen“.26

Erst im 19. Jahrhundert begann man sich allmählich von dem Traum als Vorhersage zu lösen, und Platons Idee der „Selbsterkenntnis“ teilweise erneut aufzugreifen.

Gelehrte untersuchten hierbei z. B. den Traum in Hinblick auf das seelische Innenleben des Träumenden. 27 Man wollte sich endlich von der Unwissenheit und dem Aberglauben lösen, und unternahm erste Versuche, experimentell auf die Träume einzuwirken.

Ein bedeutender Wissenschaftler war hierbei der Franzose Alfred Maury (1817-1892), welcher vor dem Schlafengehen bestimmte Reize auf sich wirken ließ, um zu schauen, ob und wie sie sich in dem Traumgeschehen widerspiegeln.28 Er ließ sich hierzu auch mehrmals in der Nacht von seinen Mitarbeitern wecken, um sich die einzelnen Träume zu notieren.

Maury versuchte damit eine Art System darzustellen, mit dem das Umfassende des Phänomens Traum besser zu verstehen ist.

Somit könnte man die Anfänge des 19. Jahrhunderts als teilweise Fusionierung, zwischen den Ideen Platons und denen von Artemidor von Daldis, sehen.

Was Wissenschaftler wie Maury angefangen hatten, brachte schließlich Sigmund Freud (1856-1939) auf den Nenner.

Sigmund Freud schrieb seine psychoanalytischen Theorien auf Papier, und veröffentlichte 1899 sein Buch Die Traumdeutung, welches von ihm selbst auf 1900 vordatiert wurde.

Das Werk Freuds sollte großen Einfluss auf das kommende Jahrhundert nehmen, was es letztlich auch tat: „Die Traumdeutung gehört zu den meistgelesenen und einflussreichsten Büchern des zwanzigsten Jahrhunderts.“29

5) Traumdeutung nach Sigmund Freud:

Sigmund Freud ist ein österreichischer Psychoanalytiker und zählt zu den bedeutendsten Denkern des 19. Jahrhunderts.30

Obwohl ich einige Überlegungen Freuds in mein bisheriges Werk mit eingebunden habe, bzw. einige verwendete Literaturquellen zumindest in indirektem Bezug zu Freud stehen, will ich seine Theorie der Traumdeutung nochmals separat auf den Punkt bringen:

Freud differenziert zwischen manifestem Traum und latentem Trauminhalt. Der manifeste Teil, ist der Traum, wie er geträumt, und gegebenenfalls auch erinnert wird. Hinter jedem manifesten Traum steht ein latenter Trauminhalt, der zuvor in der Traumarbeit rezensiert wurde. Als Produkt der Traumarbeit resultiert also eine manifeste Traumerinnerung, die für den Träumenden unangenehme Inhalte verschlüsselt, umschreibt oder verändert.

Wenn die Zensur der Traumarbeit nicht ausreichend gelingt, und der Traum somit den „moralischen Ansprüchen“ nicht gerecht wird, verdrängen wir den Traum vollständig, sodass wir uns am nächsten Morgen an nichts mehr erinnern.31 Freud schloss daraus, dass es „psychische Inhalte gebe, die aktiv daran gehindert werden, das Bewusstsein zu erreichen“.32

Das Bestreben von einem manifesten Traum zu einem vollständigen, latenten Trauminhalt zu gelangen, wird von ihm als „via regia“ (Königsweg) ins Unbewusste (Unbewusstsein = Unterbewusstsein) bezeichnet.

Der via regia lässt sich also als Umkehrhandlung zur Zensurarbeit verstehen.

Am Ende dieses Königswegs, hinter der Entschlüsselung der zensierten Trauminhalte, findet man den Auslöser des Traums.

Um das eben Beschriebene besser zu verstehen, und anschließend noch zu erweitern, will ich vorerst über Freuds Strukturmodell der Psyche informieren. 33

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Modell besteht aus drei Instanzen, dem „Es“, dem Ich, und dem Über-Ich.

Im Es schlummern unsere Triebe (z.B. Sexualtrieb, Todestrieb, Nahrungstrieb, Selbsterhaltungstrieb), Bedürfnisse (z.B. Geltungsbedürfnis, Selbstverwirklichung) und Emotionen (z.B. Wut, Hass, Neid, Liebe, Angst), die Freud unter dem Begriff der Libido (lat.: Begehren, Begierde)34 zusammenfasst. Weil das Handeln des Es ausschließlich durch das Lustprinzip bestimmt wird, strebt das Es ununterbrochen danach, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dadurch, dass sich das Es, samt dessen Trieben, im Unbewusstsein befindet (*Erklärung folgt), müssen wir uns nicht zwangsläufig über sein Einwirken bewusst sein.

[...]


1 Vgl. CLAVON, Nicole, Traumsymbole, 1999, S.12-13 bezüglich der Frage: „Nur ein Traum?“

2 Vgl. FREUD, Sigmund, Die Traumdeutung, 8.Aufl., Leipzig und Wien 1930, S.16

3 Vgl. CLAVON, Nicole, Traumsymbole, 1999, S.46-47

4 Jüdisches Sprichwort, Zitat entnommen aus http://www.aphorismen.de/zitat/21077 Stand: 11.7.2014

5 Zitat entnommen aus HALL, Calvin, the meaning of dreams, Übersetzung d. Verfassung 1953, S.2-3

6 Zitat entnommen aus MERTENS, Wolfgang, Traum und Traumdeutung, 1999, Vorwort

7 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaf Stand: 20.06.2014

8 Vgl. SONDERMANN, Juliane, Facharbeit: Traumdeutung – Eine ernst zu nehmende Wissenschaft oder Humbug? (PDF Datei, Seite 9)

9 Vgl. in Bezug auf FREUD, Anna, http://de.wikipedia.org/wiki/Abwehrmechanismus bei „Liste bekannter Abwehrmechanismen“ Unterpunkt: „Verdrängung“ Stand: 20.06.2014

10 Vgl. CLAVON, Nicole, Traumsymbole,1999, S.72-73

11 Zitat entnommen aus GRILLPARZER, Franz, Briefe und Tagebücher,1872, S.75

12 Zitat entnommen aus SCHLEICH, Carl Ludwig - Erlebtes, Erdachtes, Erstrebtes, 1928, S.94

13 Zitat entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Gilgamesch-Epos Stand: 22.06.2014

14 Vgl. http://www.harmonie-der-herzen.de/sufitraumdeutung/geschichte-der-traumdeutung/ Stand: 22.07.2014

15 DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT, Gute Nachricht Bibel, S.39

16 DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT, Gute Nachricht Bibel, S.42

17 Zitat entnommen aus http://bibeltext.com/genesis/41-16.htm Stand: 22.06.2014

18 Zitat entnommen aus MERTENS, Wolfgang, Traum und Traumdeutung, 1999, S.9

19 Vgl. http://www.harmonie-der-herzen.de/sufitraumdeutung/geschichte-der-traumdeutung/ Stand: 22.06.14

20 Zitat entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Hippokrates_von_Kos Stand: 22.06.2014

21 Vgl. SONDERMANN, Juliane, Facharbeit: Traumdeutung – Eine ernst zu nehmende Wissenschaft oder Humbug? (PDF Datei, Seite 7)

22 Zitat entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Artemidor_von_Daldis Stand: 22.06.2014

23 Zitat entnommen aus SCHREDL, Michael, Träume – Unser nächtliches Kopfkino, 2 erg. Auflage 2013 Berlin u. HD, S. 329

24 Vgl. MEIER, C.A., Die Bedeutung des Traumes, BD 2 1995, S.122

25 Zitat entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Arnaldus_de_Villanova#Traumforscher Stand: 22.06.2014

26 Vgl. MEIER, C.A., Die Bedeutung des Traumes, BD 2 1995, S.122

27 Vgl. SCHREDL, Michael, Träume – Unser nächtliches Kopfkino, 2 erg. Auflage 2013 Berlin u. HD, S. 330

28 Vgl. MERTENS, Wolfgang, Traum und Traumdeutung, 1999, S.11

29 Zitat entnommen aus Walter, Erhart und Herbet, Jaumann [Hrsg]: Jahrhundertbücher: Große Theorien von Freud bis Luhmann., München: Beck 2000, S.14

30 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Stand: 19.07.2014

31 Vgl. SCHREDL, Michael, Träume – Unser nächtliches Kopfkino, 2 erg. Auflage 2013 Berlin u. HD, S. 63

32 Zitat entnommen aus http://de.wikipedia.org/wiki/Traumdeutung#Sigmund_Freud Stand: 23.06.2014

33 Bild: http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche#mediaviewer/Datei:Freud_Ich.svg Stand: 23.06.2014

34 Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Libido Stand: 23.06.2014

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Träume und Traumdeutung. Nur eine unnütze Nebenaktivität des Schlafes oder mehr?
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
40
Katalognummer
V319829
ISBN (eBook)
9783668194380
ISBN (Buch)
9783668194397
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In meiner Arbeit befindet sich ein praktischer Anteil, in dem ich an mehrere Leute unterschiedlichen Alters Fragebögen verteilt habe. Diese habe ich vorerst allgemein analysiert und mir daraufhin zwei herausgesucht, die ich versucht habe zu deuten. Die einzelnen Fragebögen einzuscannen habe ich mir/euch erspart. Bei den Träumen die ich explizit gedeutet habe, wurden die relevanten Stellen aus dem Fragebogen zitiert.
Schlagworte
träume, traumdeutung, nebenaktivität, schlafes, freud, traum, psychologie, psychoanalyse, religion, facharbeit, schule
Arbeit zitieren
Rico Wiesenberger (Autor), 2014, Träume und Traumdeutung. Nur eine unnütze Nebenaktivität des Schlafes oder mehr?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319829

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