Die Währungsreform 1923/24. Von der Papiermark zur Reichsmark


Seminararbeit, 2014
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Währungsreform 1923/24
2.1) Ursachen der Inflation
2.2.) Der Weg zur Reform
2.3.)Durchführung der Währungsreform
2.4.) Reichsmark

3) Bewertung der Reform - Schlussbetrachtung

4) Quellen

5) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Die Währungsreform 1923/24 ist eine der meist diskutierten und umfangreichsten Reformen des frühen 20. Jahrhunderts, die einige Erfolge und Neuerungen mit sich brachte, die man auch in heutigen Wirtschaftssystemen wiederfinden kann. In dieser Zeit wurde finanzpolitisch experimentiert und die Währungsreform wurde für viele Finanztheoretiker zu einer Möglichkeit ihre Vorstellungen und Ideen von einer Neugestaltung der Währung vorzustellen und in die allgemeine Diskussion einzubringen. Die Auseinandersetzungen im Parlament zu dieser Zeit waren von besonderer Härte und Bestimmtheit geprägt, da die Reform nicht bloß ein wirtschaftlich und sozial am Boden liegendes Deutschland aufrichten sollte, sondern auch das Vertrauen in die Politik und den Staat wiederherstellen musste. Eine Währung ohne Goldbasis sollte dafür übergangsweise eine große Rolle spielen und spiegelt wieder, dass viele Ideen und Vorstellungen das Finanz- und Wirtschaftswesen zu reformieren, gehört und z.T. sogar umgesetzt wurden. Bezogen auf diesen Fall spielt Karl Helfferich eine große Rolle, was das Grundgerüst der Reform und ihre allgemein Ausrichtung, sowie Konzept anbelangt. Zwar wichen seine ersten Formulierungen und dessen spätere Ausführungen in vielen Punkten von der späteren Umsetzung ab, aber er konnte durch seine Denkweise entscheidende Anstöße geben. In dem Buch „Geld und Banken“[1] von Karl Helfferich von 1910 gibt es einige Kapitel und Abschnitte, die bereits fünfzehn Jahre bevor seine Ideen und Vorstellung von Finanz- und Wirtschaftssystemen in die Diskussion um die Gestaltung der Reform einfließen sollten, Aufschluss darüber geben wie er sie sich in den Grundzügen vorstellte. Dieses Buch ist das älteste Werk, welches ich zu meiner Recherche zu Rate gezogen habe und schafft in Bezug auf die Person Karl Helfferich und seine Reformpläne eine gute Verständnisgrundlage. Neben Karl Helfferich spielte der damalige Ernährung- und Landwirtschaftsminister und späterer Finanzminister Hans Luther eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Durchführung der Reform und das Anpassen dieser an den allgemeinen politischen Tonus im Parlament. Luther war parteilos, was ihm in seinen späteren Jahren als Politiker den Ruhm um den Erfolg der Reform 1923/24 nahm, da er keine Partei hinter sich wusste, die ihm in der Folgezeit zu höheren Ämtern oder ähnlichen verhelfen konnte. Nichts desto trotz spielt Luther eine entscheidende Rolle in der Durchführung und Umsetzung der Reform, weswegen ihm 1964 ein Buch gewidmet wurde, welches von Edgar Salin und Erwin v. Beckerath herausgegeben wurde und in dem Texte von Karl-Bernhard Netzband und Hans Peter Widmaier zu finden sind.[2] „Die Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther von 1923 – 1925“ ist eines der Werke, die die Reform bis ins Detail erläutert und die Person Luther und seinen Verdienst in den Vordergrund stellt. Im Vordergrund steht die Durchführung und die Umsetzung der Reform, welche auf knapp 300 Seiten in kleinste Kapitel und Abschnitte gegliedert wird. Das Thema wird hier demnach sehr ausführlich und detailliert behandelt und der allgemeine Tonus des Werkes ist, dass die Goldwährung nicht unbedingt notwendig gewesen wäre und, dass man bloß hätte warten müssen, bis sich die Rentenmark sich selbst als Währung auch auslandsfähig gemacht hätte. Die gesellschaftlichen Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise habe ich in der Arbeit außen vor gelassen und mich versucht lediglich auf die Reform, ihre Ursprünge und Umsetzung zu fokussieren. Meine Motivation das Thema zu bearbeiten war durch die Reichweite und Neuartigkeit der Reform geweckt worden und ich hatte Interesse daran den wirtschaftlichen Hintergrund der Gesellschaft zur Analyse heranzuziehen, da die landläufigen Meinung und der allgemeine Wissenstand über die Reform und die Ursachen dieser lediglich die sozialen Probleme und das gesellschaftliche Elend beinhaltet. Durch die Seminararbeit ist es mir geglückt diesen Überblick über die wirkliche wirtschaftliche Situation Deutschlands aufzuzeigen und den Hintergrund der gesellschaftlichen Probleme und der sozialen Not zu ergründen.

2) Die Währungsreform 1923/24

2.1) Ursachen der Inflation

Der Währungsreform 1923/24 ging eine Finanzpoltische Krise voraus, dessen Gipfel die gänzliche Entwertung des Geldes war und welche nur kurz vor dem Staatsbankrott zu stoppen war. Deutschland steuerte seit dem ersten Weltkrieg durch eine weiterhin verworrene außenpolitische Lage, aber auch durch fehlende innenpolitische Einheit auf unbewusst auf diese Krise zu. Auf der Seite der Alliierten, aber auch auf deutscher Seite fehlte es an Kompromissbereitschaft und anhand von Forderungen von 320 Mrd. Goldmark, aus denen dann später 132 Mrd. Goldmark wurden, lässt sich erkennen, dass die Alliierten ohne Rücksichtnahme auf die Zahlungsfähigkeit Deutschlands ihre Reparationszahlungen diktierten.[3]

Karl Helfferich sieht in diesem Zusammenhang die Verkettung der Umstände wie folgt:

„Entwertung der deutschen Valute infolge der Überlastung Deutschlands mit ausländischen Zahlungsverpflichtungen und infolge der französischen Gewaltpoltik; aus der Entwertung der deutschen Valuta hervorgehend Steigerung der Preise aller Einfuhrwaren; daraus hervorgehend allgemeine Steigerung der Preise und Löhne; infolgedessen vermehrter Bedarf der Wirtschaft an Umlaufmitteln und erhöhter Geldbedarf der Reichs-Finanzverwaltung und vermehrte Notenausgabe.“[4]

Weitere wissenschaftliche Ansätze sehen die Ursache der Inflation bereits in den Kriegsjahren und betrachten die Reparationsforderungen lediglich als ein verschärfendes Moment der ohnehin schon vorhandenen Krise. [5]

Neben den Reparationszahlungen und der verworrenen innen- und außenpolitischen Situation Deutschlands spielte auch die Reichsbank eine entscheidende Rolle in Verbindung mit der Finanzpolitik des deutschen Reichs. Innenpoltisch war Deutschland zerrüttet und es fehlte die parlamentarische Macht radikale Steuererhöhungen durchzuführen und die großen Ausgaben des deutschen Reichs konnten somit nicht gedeckt werden. Die Notenpresse lief auf Hochtouren und druckte unermüdlich neues Geld um die steigenden Haushaltsbeträge und die Reparationszahlungen zu tilgen. Für den Staat war diese Art und Weise die einfachste Möglichkeit den Zahlungen nachzukommen, da es erst einmal keinen Mehrkostenaufwand bedeutete und im Nachhinein keine Einzelperson dafür verantwortlich gemacht werden konnte. Dieser Prozess der Geld- bzw. Steuerentwertung traf jedoch im Endeffekt die Mitte der Gesellschaft und führte zu großem Misstrauen gegenüber der Währung. John Meynard Keynes bezeichnet in seinem Text „A Tract on Monetary Reform“ diese Art der Steuerreform als die ungerechteste, da sie den Geldbesitzer benachteiligt, den Sachwertbesitzer jedoch bevorzugt.[6]

„Neben dieser Unterstützung der Inflationsgewinner verlor die Reichsbank bei ihrer „Markunterstützungskation“ noch die Hälfte ihres Goldbestandes. Es war ein verzweifelter Versuch den Kurs der Mark zu stabilisieren, deren Verfall sie selbst verschuldet hatte und weiter beschleunigte.“[7]

Die konservative Vorgehensweise des Reichsbankpräsidenten Havenstein war darüber hinaus bezeichnend für die Finanz- und Währungspolitik der zwanziger Jahre: „Nirgends betrachtet man

konservative Auffassungen für besser am Platz als in Währungsfragen; doch nirgends ist eine Neuorientierung dringender notwendig.“[8]

L. A. Hahn beschreibt die Inflation zu Zeiten der Weimarer Republik in drei Stufen: Hahn umschreibt die erste Periode der Inflation mit „Glauben an die Mark“ und definiert ihr Ende durch die Ermordung Rathenaus im Juni 1922. Die Geldmenge wurde zwar gesteigert, aber die Preise änderten sich bis dahin noch nicht, Das Publikum sparte weiterhin und das Vertrauen in die Währung blieb erhalten.

Die zweite Phase umschreibt Hahn mit: „Zweifel an der Mark“ und lässt diese bis zum Februar 1923 andauern, dem Moment des Scheiterns der „Markunterstützungsaktion“. Politische Unruhen, die ungeklärte Reparationsfrage und die Ermordung Rathenaus übertragen sich auf die Gesellschaft und das erste Misstrauen auch in Bezug auf die Währung entwickelt sich. Die Sparer gehen zum Kaufen über und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt enorm an.

Die dritte und letzte Phase, die Hahn beschreibt nennt er „Verzweiflung an der Mark“ und diese wird schlussendlich am 15. November 1923 durch die Währungsreform beendet. In dieser Phase schrammte Deutschland nur knapp am Staatsbankrott vorbei und die Unruhen im gesamten Reich führten zur Flucht vor der Mark. Viele verschiedene Faktoren ergaben hier eine explosive Mischung, die zur gänzlichen Unbrauchbarkeit der Mark hinführte und den Gebrauch von Notgeld und Devisen forderte. Luther, Helferich, Stresemann und Schacht waren die heilbringenden Männer, die es daraufhin möglich machten, dass Deutschland aus eigener Kraft ein Reformwerk stemmen konnte und bloß wenige Jahre später zu einem der wirtschaftlich und finanziell stärksten Länder der Welt avancieren konnte.

2.2.) Der Weg zur Reform

Der Weg zur Reform war geprägt von vielschichtigen, hitzigen Diskussionen und unter der Führung von Stresemann waren vor allem Luther und Hilferding diejenigen, die nach einer sofortigen Lösung der finanziellen und wirtschaftlichen Misere suchten. Luthers oberstes Ziel war es die Währung zu stabilisieren und aufgrund seiner Position als Reichsernährungsminister stellte er auch die Frage nach der Getreideversorgung in den Mittelpunkt. Bereits ganz am Anfang der Diskussionen um eine Neugestaltung verwies dieser auf den Plan Helfferichs. Neben Helfferich und Hilferding machten sich aber auch andere Verbände oder Personen Gedanken über die Reformpläne:

Friedrich Minoux, langjähriger Mitarbeiter Hugo Stinnes, schlug vor eine Vermögensabgabe in Höhe von 5% einzurichten, sodass dem Reich in Form von Pfandbriefen neue finanzielle Mittel zustehen würden, um in der Übergangszeit die Reichsfinanzen zu ordnen und der Währung eine neue Grundlage zu geben. Minoux Grundkonzept wurde in Expertenkreisen gelobt, jedoch beschrieb dieses Konzept einen zu langen und beschwerlichen Weg der Reform. Eine schnelle Lösung war notwendig und daher wurde der Plan von Minoux verworfen[9].

Der Reichsverband der Deutschen Industrie legte ebenfalls einen Plan vor, der die Errichtung einer Goldnotenbank vorsah, die unabhängig vom Reich und den Reichsfinanzen agieren konnte und in Form einer Aktiengesellschaft gegründet werden sollte. Es sollte möglich sein, dass Devisenbesitzer und das Ausland Aktien der Goldbank im Wert von 500 Millionen Goldmark übernehmen konnten. Goldnoten sollten bis zum doppelten oder dreifachen Betrags des Aktienkapitals ausgegeben werden und die Goldnote sollte als Parallelwährung im Inland etabliert werden. Eine Einlösung der Papiermark war nicht vorgesehen. Zum Teil basierte dieser Plan auf der Hilfe des Auslands und ließ die Frage der Übergangsfinanzierung weitestgehend aus. Des Weiteren war nicht zu übersehen, dass dieses Projekt auf die Interessen des Handels und der Industrie abzielte und weniger auf die Abwendung eines drohenden Staatsbankrottes.[10]

Auch der zu dieser Zeit zuständige Reichsminister Rudolf Hilferding legte am 23. August 1923 seine Vorstellungen von der Reform vor und forderte neben einer langfristig brutalen Steuerpolitik die Übernahme und Kontrolle des Devisenmarktes vom Reich und die Verringerung der Geldmenge. Doch auch dieses Projekt war längerfristig angesetzt und hätte den Zerfall der Währung nicht aufgehalten und die Reichsfinanzen nicht kurzfristig wiederbelebt. Daraufhin wurde der Plan Helfferichs erneut vom Reichsfinanzministerium geprüft und war ab sofort an erste und beständige Grundlage der späteren Lösungsversuche. Karl Helfferich war Finanztheoretiker und bereits im August legte er Umgestaltungspläne der Regierung Cuno vor, die schon zu diesem Zeitpunkt detailliert ausgearbeitet waren. Seine Vorstellungen die Reichsfinanzen und die Währung wieder zu stabilisieren bzw. neuzugestalten sagen wir folgt aus:

Das neue Geld sollte Roggenmark heißen und von den Berufsständen des Reichs geschaffen werden, indem diese eine Währungsbank errichten.[11] Das Geld sollte von den Berufsständen des Reiches in gleich großen Teilen aufgebracht werden (5 % erste obligatorische Belastung gemessen am Wehrbeitragswert) und das Grundkapital wurde auf 1250 Millionen Roggenmark veranschlagt.[12] Die Aufgabe der Währungsbank war es dann Rentenbriefe auszustellen, die als Währungsdeckung fungieren sollten und die Hypotheken und Schuldverschreibungen somit decken sollten. Die verzinslichen Rentenbriefe wurden auf eine Tonne Roggen ausgestellt und waren 200 Roggenmark wert. Roggenmark konnte aber auch gegen einen Rentenbrief eingetauscht werden.[13]

Der spätere Reichsfinanzminister Luther spielte hierbei im weiteren Verlauf eine wichtige Rolle. Luther war zu Beginn der Reformdiskussionen noch Reichsernährungsminister und mit daher unter anderem mit der Nahrungsfrage bedacht, die auch immer mehr zu einer Währungsfrage wurde. Trotz vieler Bemühungen, Diskussionen und außerordentlichen Treffen gelang es den zuständigen Ausschüssen und Kommissionen keine definitive Lösung zu präsentieren. So kam es, dass Luther nach Ende der Kabinettssitzung am 14. September 1923 hohe Beamte verschiedener Bereiche zu einer außerordentlichen Sitzung in seinen Ministeriumsgebäuden ein. Luther war von Anfang an Verfechter des Helfferischen Plans ein seinen Grundzügen gewesen und legte diesen abermals vor. Sein größter Kritikpunkt war, dass er die Währung auf Goldbasis errichten wollte und nicht wie Helfferich die Währung an den Roggen binden. Luther war vor allem der Meinung, dass die Bindung an Gold einen psychologischen Vorteil gegenüber dem Roggen bringen würde, da Art der Goldwährung den Bürgern vertraut war. Hilferding bekam den Vorschlag Luthers am nächsten Abend präsentiert und nahm weitere Korrekturen vor, die das Eigendarlehn an das Reich betrafen und im weiteren Verlauf beschäftigte sich der Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiersgewerbes und die Referenten des Reichswirtschaftsministers mit den Vorschlägen Luthers. Sie lenkten die Aufmerksamkeit darauf, dass die vorgesehene Relation zwischen Papier und Bodenmark eine große Gefahr mit sich bringen könnte, da das neue Geld in das Absinken der Papiermark mithinein gezogen werden könnte, würde es faktisch zum Devisenkauf benutzt werden.[14] Vorrausschauend forderten sie somit, dass die Bodenmark (von Luther so betitelt) reines Inlandsgeld bleiben müsse. Zwischen der Bodenmark und Devisen müsse ein Papier geschaltet sein in Form einer nur beschränkt vorhandenen Goldnote. Diese Funktion übernahm später die Papiermark selbst, da man von einem festgeschriebenen Umtauschverhältnis absah. In einem weiteren wichtigen Punkt unterschied sich der Plan Luthers noch von Helfferichs Überlegungen: Die Ablösung der Betriebsabgabe sollte den Kredit der Währungsbank an das Reich ausgleichen und der Kredit zur Einlösung der bei der Reichsbank diskontierten Schatzanweisungen sollte als zinsloses Darlehn gewährt werden.[15] Die Veröffentlichung des Projekts sorgte für heftige Diskussionen vor allem in Bezug auf die Höhe der Kredite und des Kapitals der Währungsbank. Die Bodenmark wurde im Verlauf der Gespräche und Diskussionen vom Staatssekretär Schröder in das Projekt der „Neumark“ überführt, welches die Korrekturvorschläge vereint und bereits am 01. Oktober dem Reichstag unterbreitet werden konnte. Wiederrum wurde an gewissen Ecken und Enden am dem Grundkonzept geschraubt, welches sich im Folgenden jedoch nur gering von dem der Bodenmark unterschied. Wichtig zu dieser Zeit, um die finanziell schwierige innenpolitische Lage in den Griff zu bekommen, war die Lösung des außenpolitischen Konflikts. Aus diesem Grund beschloss die Reichsführung die Aufgabe des passiven Widerstands am 26. September. Die innenpolitischen Diskussionen um das Ermächtigungsgesetzt und andere Sachverhalte erloschen dadurch zwar nicht, aber der Reichsführung brachte diese Maßnahme Planungssicherheit und als Luther Hilferdings Posten als Reichsfinanzminister übernahm nahm das Projekt „Währungsreform“ erste ernsthafte Konturen an. Ein Großteil des Parlaments wusste zu dem Zeitpunkt nichts von den Bemühungen Luthers um eine Neugestaltung des Finanzwesens und als Stresemann und Sollmann am 13. Oktober 1923 das Ermächtigungsgesetz unterzeichneten ebneten sie Luther damit den Weg zur Reform. Das Gesetzt sprach der Reichsregierung vollen Handlungsspielraum zu und das Konzept der Neumark wurde in der darauf folgenden Zeit noch einigen weiteren Änderungen unterzogen. Die Oktobertage bis hin zum 15. Oktober waren Tage heftiger Auseinandersetzungen und die sich immer weiter zuspitzende Notsituation zwang die zwang die Regierung nun endgültig zum Handeln. Luther mit dem Ermächtigungsgesetz im Rücken und ausgestattet mit allerlei Korrektur Vorschläge, Anregungen und Kritikpunkten an den Entwürfen wurde kurzum zum Vater der Rentenmark. Die Wortschöpfung „Rentenmark“ behaftete die Währung mit Sicherheit durch die Renten, die von der Industrie, dem Handel und der Landwirtschaft aufgebracht wurden und der Name wurde somit im psychologischen Sinne wertvoll für die Gestaltung und die Umsetzung der Reform. Luther griff bei seiner endgültigen Umstrukturierung vor allem den Vorschlag der Handels und Bankierskreise auf, das neue Geld nicht als Währungsgeld, sondern die Papiermark als Währungsgeld zu belassen und das neue Geld, also die Rentenmark, als gesetzlich zugelassenes Zahlungsmittel zu emittieren. Die Lutherische Fassung des Helfferischen Plans, die soweit umstrukturiert war, dass mittlerweile lediglich der institutionelle Rahmen, die Mobilisierung der Deckung durch Rentenbriefe und die wesentlichen politischen und psychologischen Grundgedanken übrige geblieben waren, nickten alle Vertreter aller Berufsstände ab und stimmten somit dem Gesetzentwurf einer Rentenbank zu. Trotz weiterer Änderungen standen zum Abschluss der Verhandlungen drei Bedenken im Raum; zu entnehmen aus dem Kabinettsprotokoll vom 15. Oktober 1923: Zum einen würde der nun endgültig feststehende Plan schnell zu einer neuen Inflation führen können und sei damit unbrauchbar. Darüber hinaus gab es breite Skepsis an dem Kredit, der an die Privatwirtschaft ging, da man bei einer erneuten Entwertung des Geldes davon ausging, dass sich bei Kreditnehmern das Bestreben herausstellen würde aus einer solchen Entwicklung Gewinne zu ziehen und das letzte Bedenken fokussierte sich auf das Verhältnis der Rentenmark zu Auslandswährungen. Der Kurs der Rentenmark würde sich nach dem der Rentenbriefe richten und wenn zu viele von denen in den Umlauf gelangen würden, könnte die 5% Verzinsung nicht ausreichen, um die Parität aufrecht zu erhalten. Eine Unterbewertung der Rentenbriefe könnte zu einem Kursfall der Rentenmark im Ausland führen, was sich wiederrum auf das Inland auswirken würde.[16]

[...]


[1] Helfferich, Karl: Geld und Banken, Leipzig², 1910./Berlin6, 1923

[2] Netzband, Karl-Bernhard & Widmaier, Hans Peter: Die Währungsreform. In: v. Beckerath, Erwin und Salin, Edgar (Hrsg.): Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther 1923-25 (=Reihe B: Studien zur Ökonomik der Gegenwart) Tübingen,1964. S. 8.

[3] Vgl.: Netzband, Karl-Bernhard & Widmaier, Hans Peter: Die Währungsreform. In: v. Beckerath, Erwin und Salin, Edgar (Hrsg.): Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther 1923-25 (=Reihe B: Studien zur Ökonomik der Gegenwart) Tübingen,1964. S. 8.

[4] Helferich, Karl: Das Geld. Leipzig, 1923, S. 648

[5] Vgl.: D‘ Abernon, Lord: German Currency: Its collapse and recovery, 1920-26, in: Journal of the royal statistical society, vol. CX, 1927, S.3.

[6] Vgl.: Keynes, John Meynard: A Tract on Monetary Reform, London, 1923, S. 41.

[7] Netzband, Karl-Bernhard & Widmaier Hans Peter: Die Währungsreform. In: v. Beckerath, Erwin und Salin, Edgar (Hrsg.): Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther 1923-25 (=Reihe B: Studien zur Ökonomik der Gegenwart) Tübingen, 1964. S. 9.

[8] Vgl.: Keynes, John Meynard: A Tract on Monetary Reform, London, 1923, S. 6.

[9] Vgl.: Vgl.: Netzband, Karl-Bernhard & Widmaier, Hans Peter: Die Währungsreform. In: v. Beckerath, Erwin und Salin, Edgar (Hrsg.): Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther 1923-25 (=Reihe B: Studien zur Ökonomik der Gegenwart) Tübingen, 1964. S. 17.

[10] Vgl.: Vgl.: Netzband, Karl-Bernhard & Widmaier, Hans Peter: Die Währungsreform. In: v. Beckerath, Erwin und Salin, Edgar (Hrsg.): Währungs- und Finanzpolitik der Ära Luther 1923-25 (=Reihe B: Studien zur Ökonomik der Gegenwart) Tübingen, 1964. S. 18.

[11] Vgl.: Beusch, Paul; Fischer, Carl August; Briefs, Götz: Währungszerfall und Währungsstabilisierung, Berlin6 1928, S. 116 f. (Art. I § 1).

[12] Ebd. (Art. I, § 2; Art II, § 2).

[13] Ebd. (Art. IV, § 1,2,3,4,5).

[14] Vgl.: Beusch, Paul; Fischer, Carl August; Briefs, Götz: Währungszerfall und Währungsstabilisierung, Berlin6 1928, S. 50.

[15] Vgl.: Beusch Paul, Fischer Carl August, Briefs Götz: Währungszerfall und Währungsstabilisierung, Berlin6 1928, Anlage 17, S. 147.

[16] Ramhorst, Friedrich .: Die Entstehung der Deutschen Rentenbank, Veröffentlichung des Reichverbandes der dt. Industrie, Berlin 1924, Heft 20, S 50.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Währungsreform 1923/24. Von der Papiermark zur Reichsmark
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V320288
ISBN (eBook)
9783668195097
ISBN (Buch)
9783668195103
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Währungsreform, Reichsmark, Papiermark, Weimarer Republik, Inflation, Depression, Regression, Aufschwung, Reform, erfolgreiche Reform, Goldwährung
Arbeit zitieren
Jannik Nitz (Autor), 2014, Die Währungsreform 1923/24. Von der Papiermark zur Reichsmark, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320288

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