Die Laborschule Bielefeld. Kurzporträt, Absolventenstudie und pädagogische Realität


Hausarbeit, 2015
19 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Eine Einführung
1.1 Die Laborschule Bielefeld- Ein Kurzportrait

2. Die Absolventenstudie
2.1 Das Konzept der Studie
2.2 Die Ergebnisse der Fragebogenstudie
2.3 Die Interviewstudie und dessen Auswertung

3. Analyse der pädagogischen Realität der Laborschule

4. Ausblick

5. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Eine Einführung

Im Seminar „Umgang mit Heterogenität“ haben wir uns umfassend mit aktuellen Bildungstheorien und Schulsystemen im Hinblick auf ihren Umgang mit Individualität beschäftigt. Dabei betrachteten wir ein Schulsystem, dass als „Schule der Zukunft“ betitelt wird. Es handelt sich hierbei um die Laborschule Bielefeld, die zusammen mit der Erziehungswissenschaftlichen Abteilung der Universität Bielefeld ein neues pädagogisches Konzept erarbeitet hat, welches „ neue Formen des Lehrens, Lernens und Zusammenlebens in der Schule“[1] entwickeln soll. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die Laborschule Bielefeld näher betrachtet werden und vor allem ihre pädagogischen Leitlinien der Schule im Hinblick von externen Evaluationen verglichen werden. Kann die Laborschule Bielefeld einen umfassenden Lehrauftrag bewerkstelligen, sodass die Schulabgänger einen gesicherten Start für weiterführende Schulen oder das bevorstehende Berufsleben haben? Gehen die pädagogischen Konzepte der Schule „auf“, d.h. werden Kinder zu Gesellschaftsfähigen Erwachsenen erzogen, die sich in die Berufswelt integrieren können? Welchen Beitrag kann die Laborschule Bielefeld in der aktuellen Debatte zur Bildungspolitik bieten? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit geklärt werden.

Das erste Kapitel soll daher einen Grundriss der Schule bieten und deren Konzepte näher vorstellen. Hierbei wird das Werk „Laborschule- Schule der Zukunft“ in Betracht gezogen. Lange Zeit blieb umstritten, welchen Erfolg die Schule mit ihrem Programm der neuen Erziehung hat. Inzwischen unterzog sich die Schule externen Evaluationen, die aufzeigen, dass die pädagogischen Leitlinien durchaus als biographische Erfahrung betrachtet werden kann und sich diverse Konzepte im Verhalten der Schulabgänger widerspiegeln. Dies konnte die Absolventenstudie[2] aus den 80er Jahren bestätigen und soll daher im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt und dessen Ergebnisse analysiert werden. Neben der Absolventenstudie nahm die Laborschule ebenfalls an der PISA- Untersuchung[3] teil, welche die Fachleistung, die in der Laborschule erreicht wurde, aufzeigen soll. Die Ergebnisse dieser Studie fließen ebenfalls in meine Analyse mit ein. Soviel sei jedoch vorwegzunehmen, die Laborschüler können mit den Leistungen anderer Schüler aus anderen Schulsystemen mithalten und schneiden in bestimmten Aspekten sogar besser ab. Näheres dazu aber in den fortlaufenden Kapiteln.

1.1 Die Laborschule Bielefeld- Ein Kurzportrait

Die Laborschule Bielefeld ist eine staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalens und zugleich wissenschaftliche Einrichtung der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld. Sie bietet ihren Schülerinnen und Schülern an, ab dem Vorschuljahr bis hin zum Ende der Sekundarstufe I ein Mitglied der Laborschule Bielefeld zu sein. Insgesamt besitzt die Reformschule 660 Schülerinnen und Schüler und ist in vier Stufen gegliedert. Mit ihrem Aufnahmeschlüssel gewährleistet die Schule eine Schülerpopulation, die der gesellschaftlichen Schichtung entspricht. Träger der Versuchsschule ist das Land Nordrhein-Westfalen und arbeitet in enger Kooperation mit der Wissenschaftlichen Einrichtung der Fakultät daran, neue Formen des Lehrens, Lernens und Miteinander-Lebens in der Schule zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren.[4] 1968 wurde Hartmut von Hentig an die neugegründete Reformuniversität berufen um dort den Fachbereich Pädagogik aufzubauen.[5] Er brachte den Plan mit, zwei Schulen auf deren Gelände zu errichten. Sie sollten eng mit der Universität verbunden sein. Somit gilt Hartmut von Hentig als Gründer der Laborschule und des benachbarten Oberstufenkollegs und setzte mit seinen pädagogischen Richtlinien einen wichtigen Beitrag für die Schulentwicklung und der Suche nach einer Schule der Zukunft. Diese Leitlinien sind:

1. Schule als Lebens-und Erfahrungsraum

Der Unterricht folgt dem Prinzip, Lernen an und aus der Erfahrung und nicht primär aus der Belehrung zu ermöglichen. Die Kinder und Jugendliche sollen gerne leben und lernen. Daher sollen diese zwei Komponenten eng miteinander im Unterricht verbunden sein. Die Schule ist daher auch mit passenden Lerngelegenheiten ausgestattet und kann durch ihren Standort auch die Umgebung und Natur mit einbeziehen.[6]

2. Mit Unterschieden leben

Hartmut von Hentig war die Individualisierung des Unterrichts von Bedeutung und schuf somit leistungsheterogene und jahrgangsübergreifende Gruppen (sogenannte Stammgruppen, das laborschulische Pendant zu Klassen). Hierbei werden die Unterschiede der Kinder bejaht und als Bereicherung gesehen. Es gibt überdies hinaus kein Sitzenbleiben und keine äußere Leistungsdifferenzierung. Anstatt dessen werden zur Leistungsdifferenzierung Angebote vorgestellt, welche die Kinder und Jugendlichen beiwohnen können.[7] Damit soll den Laborschülerinnen und Laborschülern ein subjektiver Lernprozess gewährt werden, der wünschenswerter Weise als bildungsbiographisch, also mit Auswirkung auf das schulische/berufliche Leben nach der Laborschule betrachtet werden soll.

3. Schule als Gesellschaft im Kleinen

Die Schule versteht sich als Gemeinschaft aller in ihr arbeitenden Personen. Deswegen sollte man aneinander akzeptieren und achten. Dabei werden Verhaltensweisen erlernt, welche von erwachsenen Bürgerinnen und Bürger erwartet werden und Angelegenheiten stets gemeinsam erörtert, geklärt, wie auch Verantwortung und Beteiligung am Geschehen verlangt. Deswegen wird eine Schülerpopulation sichergestellt, die alle Schichten der Gesellschaft repräsentieren soll.[8]

4. Stufung

An der Laborschule werden alle Altersstufen bis zur Sekundarstufe I unterrichtet. Dabei wird das Lernen als eine ganzheitliche Tagesangelegenheit gesehen. Mit zunehmender Differenzierung des Lernens und den unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten, die die Laborschule bietet, ergeben sich Erfahrungsbereiche, aus denen sich nach und nach eine Spezialisierung der Lerntätigkeiten herausbilden soll, so van Groeben, Geist und Thurn in ihrem Portrait der Laborschule.[9] In anderen Worten, den Kinder und Jugendlichen wird ermöglicht, ohne jegliche Einschränkungen ihre eigene Neugier zu entwickeln. Dabei wird darauf geachtet, dass die individuellen Interessen immer im Vordergrund stehen und keine Eigenschaft unterdrückt wird. So etwas kann zum Beispiel in Regelschulen der Fall werden, wenn eine homogene Lerngruppe die eigenen Interessen nicht teilt. Um den Entgegenzuwirken hat Hartmut von Hentig verschiedene Stufen entwickelt, in denen die Kinder und Jugendlichen altersübergreifend ein ganzheitliches Leben, d.h. die Verbindung des Lebens des kleinen Kinder in der Familie mit der des Erwachsenen in der Gesellschaft, erleben können.

Inwiefern diese Leitlinien bei der Laborschulen eine Wirkung im Leben nach der Laborschul-Gesellschaft nachweisen können, hat die Studie von Karin Kleinespel erforscht. Dafür hat sie sich den ersten Jahrgang 1985 ausgesucht, welche alle Stufen der Laborschule durchgangen ist. Im Folgenden soll nun die Studie und deren Ergebnisse vorgestellt werden.

2. Die Absolventenstudie

2.1 Das Konzept der Studie

Die Absolventenstudie des Jahrgangs 1985 ist Karin Kleinespels Beitrag für die Schultheorie und Allgemeine Didaktik und hatte das Ziel „das didaktische Konzept der Laborschule im Medium der Bildungsbiographien von Absolventinnen und Absolventen zu rekonstruieren und zu evaluieren.“[10] Sie ist keine Befragung aller Jugendliche, sondern bietet viel mehr einen Längsschnitt der Laufbahndaten und subjektiven Orientierungen der Absolventen. Der Jahrgang 1985 war der erste Jahrgang, der alle elf Schuljahre – von der Vorschulklasse bis zum Ende der Sekundarstufe I- durchlaufen hat.[11] Daher geht die Studie von der Annahme aus, dass „die pädagogische Realität der Laborschule sich in den biographischen Entwürfen der Absolventinnen und Absolventen widerspiegelt.“[12] Für die Schulforschung ist es folglich interessant, eine Studie durchzuführen, welche ermöglicht, dass die Befragten ihre Perspektive auf die Laborschule verändern. Die Wahl der Befragungszeitpunkte wurde aus diesem Grund auf ein halbes Jahr vor und ein halbes Jahr nach dem Abschluss der Laborschule gewählt, um sicherzustellen, dass für alle Absolventinnen und Absolventen ein Lernumweltwechsel von der Laborschule in weiterführende schulische und berufliche Ausbildungsgänge stattgefunden hat. Parallel fand an der Gesamtschule Schildesche eine ähnliche Erhebung statt, um einen äußeren und vergleichbaren Bewertungsmaßstab für die Laborschule erhobenen Befunde zu erhalten.[13] Zu beiden Erhebungszeitpunkten wurden alle 57 Jugendlichen mit einem ausführlichen Fragebogen und etwa ein Drittel von Ihnen in einem ein- bis eineinhalbstündiges Interview befragt.[14] Der Aufbau war in beiden Erhebungen identisch, sodass ein echter Längsschnittvergleich möglich war, welcher die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Retro- und Prospektive, die sich aus dem jeweiligen Erfahrungshorizont der Jugendlichen ergeben,[15] aufzeigt. Der Fragebogen der Studie wurde zum Teil unter Nutzung bestimmter Vorlagen anderer Wissenschaftler[16] in einem mehrstufigen Verfahren in Zusammenarbeit mit Hartmut von Hentig und Pädagogen der Laborschule entwickelt. Dies war wichtig um die pädagogischen Ansprüche der Laborschule zu erfassen und auch gerecht zu werden.[17] Dabei wurde der Fragebogen in fünf Hauptteile gegliedert, von denen diese vier in die Auswertung der Arbeit eingingen:

1 Einschätzung der erworbenen Kompetenzen

Die Ausbildungsperspektiven hängen wesentlich von den Qualifikationen ab[18], welche die Jugendliche in ihrer Zeit an der Laborschule erworben haben. Dabei steht die Laborschule, so Kleinespel, unter dem pädagogischen Anspruch, überfachliche Kompetenzen zu lehren. Sie sind großer Bestandteil einer Schullaufbahn an der Laborschule und sollen den Schülerinnen und Schüler helfen, „den eigenen Bildungsprozess im Hinblick mit gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen zu gestalten.“[19]

2 Einschätzung der Lernumwelten

Im zweiten Teil der Fragebogenstudie soll folgende Fragestellung geklärt werden: „Welche Lernumwelterfahrungen haben dazu beigetragen, dass die Schülerinnen und Schüler die oben genannten Perspektiven und Kompetenzen entwickeln konnten?“

3 Selbstbeurteilung der Jugendlichen

Der dritte Teil der Fragebogenstudie soll die Selbstreflexion der Beteiligten fordern. Dabei wurden u.a. Fragen zur Selbsteinschätzung in Bezug auf Erfolg, Misserfolg und Selbstbewusstsein gestellt. Als einen interessanten Gesichtspunkt sieht Kleinespel vor allem diesen Teil der Fragebogenstudie, da er im Längsschnitt aufzeigt, ob sich die Selbstbeurteilung zum späteren Befragungszeitpunkt verändert hat oder nicht.[20]

4. Motive für die Entscheidung- Weiterführende Schule oder Berufsausbildung

Im ersten Befragungszeitpunkt wurden hierbei die Bildungsperspektiven der Jugendlichen erfasst. Dabei waren zu einem die Motive von Bedeutung, die die Jugendlichen dazu bewogen haben diverse Perspektiven zu haben, andererseits ist es wichtig in Erfahrung zu bringen, welche Berufe und weiterführende Schulen für die Laborschülerinnen und- Schüler in Frage kommen. Im zweiten Befragungszeitpunkt wurden die tatsächlichen Ausbildungswege der Jugendlichen nach dem Abschluss an der Laborschule erfasst. Den Befragten wurden die gleichen Fragen wie in dem ersten Fragebogen gestellt, allerdings mit retrospektiven Blick. Das heißt, sie wurden nach ihren Motiven befragt, die sie bewogen hatten, ihre jetzige Ausbildung anzutreten und bewerteten die Laborschul-Pädagogik bezüglich ihrer neuen Ausbildungserfahrung. Die Hypothese von Kleinespel ist hier, dass die Laborschüler in der Lage sind, sich auf Ansprüche und Normen in den weiterführenden Ausbildungssituationen einzustellen.[21]

[...]


[1] Susanne Thurn und Klaus Jürgen Tillmann: Laborschule- Schule der Zukunft, Bad Heilbrunn 2011, S. 272.

[2] Karin Kleinespel: Schule als biographische Erfahrung. Weinheim und Basel 1990.

[3] MPI: Was die Schule von der Polis lernen kann (2002) https://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/FrankfurterRundschau.pdf.

[4] Thurn und Tillmann: Laborschule- Schule der Zukunft, S. 260ff.

[5] Thurn und Tillmann, S. 10.

[6] Ebd. S. 261.

[7] Ebd. S. 261.

[8] Ebd. S.261.

[9] Ebd. S. 262.

[10] Kleinespel, S.56.

[11] Ebd. S. 56.

[12] Ebd. S. 56.

[13] Ebd. S.18.

[14] Ebd. S. 60ff.

[15] Ebd. S. 61.

[16] Siehe dazu S. 63 der Studie.

[17] Ebd. S. 61.

[18] Ebd. S. 64ff.

[19] Ebd. S.64.

[20] Ebd. S.65.

[21] Kleinespel, S.142.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Laborschule Bielefeld. Kurzporträt, Absolventenstudie und pädagogische Realität
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V321620
ISBN (eBook)
9783668220508
ISBN (Buch)
9783668220515
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
laborschule, bielefeld, kurzporträt, absolventenstudie, realität
Arbeit zitieren
Anne Basgier (Autor), 2015, Die Laborschule Bielefeld. Kurzporträt, Absolventenstudie und pädagogische Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321620

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Laborschule Bielefeld. Kurzporträt, Absolventenstudie und pädagogische Realität


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden