Wie können Fehler bei der Bildung der Präteritalform verhindert werden? Eine Untersuchung anhand des Algorithmus nach Benjamin Uhl

Zur fehlerhaften Zuordnung von starken und schwachen Verben im Deutschen


Seminararbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Das Verb
2.2 Starke und schwache Verben
2.3 Die Präteritalform von Verben
2.4 Partizip II

3. Der Algorithmus nach Benjamin Uhl
3.1 Die Verbklassen im Deutschen
3.2 Der Algorithmus als Instrument

4. Empirische Untersuchung mit Erwachsenen
4.1 Design der Fragebögen
4.2 Design der Untersuchung
4.3 Auswertung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Kerncurriculum für Niedersachsen für die Grundschule sieht die Behandlung der Bildung von Präteritalformen bereits für die vierte Klasse vor.1

Dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler bereits in der Grundschule über die Fertigkeit verfügen sollten, Verben flektieren zu können. Die Verbflexion beinhaltet die Bildung der Präteritalform. Dieser Unterrichtsgegenstand bereitet einigen Schülerinnen und Schülern erhebliche Probleme. Viele Erwachsene sind auch heute nicht in der Lage, fehlerfrei die korrekte Präteritalform von unterschiedlichen Verben zu bilden. Dieser Aspekt lässt darauf schließen, dass die Aufbereitung dieser Thematik in der Schule Lücken aufweisen muss. Vom Schulbuch bis zum Unterrichtsgespräch, in der Deutschdidaktik werden Verben in regelmäßig und unregelmäßig unterschieden. Weiterhin wird von Schülerinnen und Schülern verlangt, die entsprechenden Verbflexionen, wie auch die Präteritalform, gänzlich auswendig zu lernen. Demnach könnte die Vermutung aufkommen, dass die Ursache für die hohe Fehlerquote der Bildung der Präteritalform auf den Schulunterricht zurückgeht. Aus diesem Grund wurde von Benjamin Uhl ein „Algorithmus“ konzipiert, der eine Regelhaftigkeit in der Bildung der Präteritalform aufzeigt. Somit ist zu untersuchen, ob die hohe Fehlerquote bei der Bildung der Präteritalform in der heutigen Generation der Erwachsenen hätte verhindert werden können, wäre mit dem Algorithmus von Benjamin Uhl gelernt worden.

Um eine Grundlage in den Einstieg dieser Thematik zu ermöglichen, werden der Untersuchung zunächst Definitionen zu den Begriffen Verb, starke und schwache Verben, Präteritalform und dem Partizip II voran gestellt. Im Folgenden wird auf die Konzeption des Algorithmus von Benjamin Uhl eingegangen, um die empirische Untersuchung im Detail auswerten zu können. Weiterhin werden das Design der Untersuchung, sowie das Vorgehen während der Erhebung präsentiert. Anschließend kommt es zu einer Auswertung der erhaltenen Ergebnisse. In Form eines Fazits wird auf die bereits formulierte These Bezug genommen.

2. Definitionen

2.1 Das Verb

Das Verb ist eine konjugierbare Einheit. In der finiten Form wird das Verb konjugiert.2

Konjugiert werden kann nach den Merkmalklassen Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus.3

2.2 Starke und schwache Verben

Bei starken Verben kommt es bei der Bildung von Präteritum und Partizip II immer zum Ablaut, den Wechsel des Vokals im Wortstamm. Die Bildung des Partizip II zeigt das Zirkumfix ge-en auf (gießen - goss - gegossen).4 Schwache Verben bilden die Präteritalform durch das Suffix -te. Das Partizip II hingegen wird durch das Zirkumfix ge-(e)t. Es findet kein Vokalwechsel im Wortstamm statt (lachen - lachte - gelacht).5

2.3 Die Präteritalform von Verben

Das Präteritum ist eine Tempusform. Mit dem Präteritum wird die Vergangenheit markiert, beispielsweise <goss> oder <lachte>.6

2.4 Partizip II

Aus der Kombination von einem Hilfsverb, beispielsweise <haben> oder <sein>, und dem Partizip II <gegossen>, <gelacht> wird die Tempusform Perfekt gebildet <hat gegossen>, <hat gelacht>.7

3. Der Algorithmus nach Benjamin Uhl

3.1 Die Verbklassen im Deutschen

Unterschiedliche Verbklassen weisen eine Veränderung der Stammform auf.8 Demnach kann zwischen starken Verben, schwachen Verben, Präteritopräsentia und gemischten Verben differenziert werden, ebenfalls die Verben <haben> und <sein>.

Die flexionsmorphologischen9 Merkmale von starken und schwachen Verben wurden bereits in Abschnitt 2.2 aufgeführt. Die Subklasse von <haben< und <sein> wird Auxiliare genannt Diese Verben weisen ebenfalls ähnliche felxionsmorphologische Merkmale von starken Verben auf: „[…] allerdings wird bei diesen Verben nicht nur der Stammvokal variiert, sondern der komplette Stamm (ich bin - ich war - gewesen).“10

In die Verbklasse der Präteritopräsentia werden alle Modalverben (dürfen, können usw.) zugeordnet. Diese Verbklasse weist im Präsens identische felxionsmorphologische Merkmale auf wie ein starkes Verb im Präteritum (können - konnte - können (gekonnt)).11

Die Verbklasse der gemischten Verben weist flexionsmorphologische Merkmale von starken und schwachen Verben auf, demnach ist die für starke Verben spezifische Ablaut (rennen - rannte - gerannt), sowie die für schwache Verben spezifische t-Affigierung bei der gemischten Verbklasse zu identifizieren (rennen - rannte - gerannt).12

Da das Verb <rennen> einerseits Merkmale von starken Verben und andererseits Merkmale von schwachen Verben aufweist, ist es der Verbklasse der gemischten Verben zuzuordnen.

Aufgrund der Tatsache, dass die schwache Verbklasse den größeren Teil aller Verben des Deutschen ausmacht, wird die Konjugation der schwachen Verbklasse als „Normalkonjugation“ bezeichnet. Demnach nimmt die Anzahl der starken Verben stetig ab, ein Beispiel für den Abbau von starken Verben stellt die Verbform <backte> dar. Das Verb <backen> weist alle flexionsmorphologischen Merkmale von starken Verben auf. Trotz „en- Markierung“ im Partizip (gebacken) wird das Verb im Präteritum häufiger wie ein schwaches Verb flektiert (backte) anstelle von <buk>. Dieser Sprachwandel bezogen auf die Verbflexion ist im Gebrach immer häufiger zu verzeichnen. Besonders deutlich wird dieser Aspekt ebenfalls bei Anglizismen wie <mailen>. Die Präteritalform wird grundsätzlich durch den te-Marker (mailte) markiert.13 Aufgrund dieser Verbflexionen könnte man zu der Annahme kommen, dass es in Zukunft immer weniger starke Verben geben wird, da diese in schwache Verbformen umgewandelt werden, nicht zuletzt erkennbar an den zuvor ausgeführten Beispielen <backen> und <mailen>. Weitergehend könnte die These aufgestellt werden, dass die veränderten Verbflexionen im Präteritum ein Grund für den Sprachverfall der deutschen Sprache darstellen. Aufgrund von Platzmangel kann diese These in dieser Hausarbeit nicht weiter diskutiert werden.

3.2 Der Algorithmus als Instrument

Der Algorithmus von Benjamin Uhl zeigt auf, dass das Partizip als Ausgangsform für die Verbklasse funktioniert. Demnach steht bei dem Algorithmus von Uhl das Partizip II im Zentrum. Zunächst ist festzustellen, dass Verben, die einen en-Marker in der Partizipialform aufweisen können, der Klasse der starken Verben zuzuordnen sind. Verben, bei denen ein t-Marker in der Partizipialform zu erkennen ist, sind in die Verbklasse der schwachen Verben einzuordnen. Sichtbar wird diese Zuordnung bei den Beispielverben <lachen> und <gießen>. In der Partizipialform von <lachen> ist ein t-Marker erkennbar (gelacht). Die Partizipialform von <gießen> enthält einen en-Marker (gegossen). Die Voraussetzung um den Algorithmus von Uhl erfolgreich anwenden zu können besteht darin, die Partizipialform zu beherrschen. Wird die Partizipialform korrekt gebildet, kann problemlos die Präteritalform gebildet werden. Bei schwachen Verben bleibt der Stamm der Partizipialform identisch (gelacht). Es ergibt sich die Präteritalform <lachte>. Starke Verben verändern ihren Stammvokal in der Präteritalform, es kommt also zum Ablaut.14

Uhl unterscheidet an dieser Stelle zwischen dem allgemeinen Präteritalablaut, dem speziellen Präteritalablaut. Zunächst werden alle starken Verben in eines von drei Schemata zugeordnet, dem ABB-Schema, dem ABC-Schema oder dem ABA-Schema anhand der Ablautreihe Infinitiv, Präteritum und Präsens. Das ABB-Schema taucht in der deutschen Sprache am häufigsten auf. Diesem Schema werden starke Verben zugeordnet, deren Stammvokal sich im Präsens von dem Stammvokal in Präteritum und Partizip unterscheidet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Kerncurriculum (2006: 28).

2 Vgl. Prof. Dr. Bredel, Ursula ( 11.04.2013).

3 Vgl. Thieroff; Vogel (2009: 7).

4 Vgl. Ebd.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Diewald; Habermann; Thurmair (2009: 14).

7 Vgl. Diewald; Habermann; Thurmair (2009: 14).

8 Vgl. Uhl (2012: 2).

9 Ebd.

10 Uhl (2012: 2).

11 Vgl. Uhl (2012: 2).

12 Vgl. Uhl (2012: 2).

13 Vgl. Uhl (2012: 3).

14 Vgl. Uhl (2012: 9).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie können Fehler bei der Bildung der Präteritalform verhindert werden? Eine Untersuchung anhand des Algorithmus nach Benjamin Uhl
Untertitel
Zur fehlerhaften Zuordnung von starken und schwachen Verben im Deutschen
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Sprachwissenschaften)
Veranstaltung
Das Verb im Deutschunterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V322155
ISBN (eBook)
9783668213166
ISBN (Buch)
9783668213173
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fehler, bildung, präteritalform, eine, untersuchung, algorithmus, benjamin, zuordnung, verben, deutschen
Arbeit zitieren
Sabrina Voigt (Autor), 2013, Wie können Fehler bei der Bildung der Präteritalform verhindert werden? Eine Untersuchung anhand des Algorithmus nach Benjamin Uhl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322155

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