Der Einzelhandel in Südtirol. Eine Analyse der Kundenzufriedenheit in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel in Bozen


Bachelorarbeit, 2012

74 Seiten, Note: 1.0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Stand der Forschung
1.3 Forschungsfragen
1.4 Gang der Argumentation

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und theoretische Einbettung
2.2 Der Einzelhandel in der Provinz Bozen
2.2.1 Verkaufspunkte und Verkaufsfläche
2.2.2 Rechtsformen
2.2.3 Nationaler und europäischer Vergleich
2.2.4 Handelsverkehr mit dem Ausland
2.3 Der Einzelhandel in Bozen
2.3.1 Verkaufsstellen und Verkaufsflächen in Bozen
2.3.2 Verkaufspunkte nach Warengruppe
2.3.3 Kaufkraftabflüsse und -zuflüsse
2.4 Der Lebensmitteleinzelhandel
2.4.1 Der Lebensmitteleinzelhandel in Italien
2.4.2 Die Nahversorgung von Lebensmitteln in der Provinz Bozen
2.4.3 Der Lebensmitteleinzelhandel in Bozen
2.4.3.1 Struktur und Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels
2.4.3.2 Standortverteilung des Lebensmitteleinzelhandels
2.4.3.3 Lebensmitteleinzelhandel nach Betriebsform
2.4.3.4 Öffnungszeiten
2.4.3.5 Inflation der Lebensmittel

3 Empirische Untersuchung
3.1.1 Gegenstand der Untersuchung
3.1.2 Angewandte Untersuchungsmethode
3.1.3 Untersuchungsmerkmale
3.1.4 Testprobe zur Erhebung
3.2 Empirische Ergebnisse
3.2.1 Altersklasse
3.2.2 Geschlecht
3.2.3 Anzahl der Personen pro Haushalt
3.2.4 Häufigkeit des Lebensmitteleinkaufes
3.2.5 Gegend des Lebensmitteleinkaufes
3.2.6 Bevorzugte Betriebsform
3.2.7 Bevorzugte Verkehrsmittel
3.2.8 Parkplatzmöglichkeiten
3.2.9 Öffnungszeiten
3.2.10 Bevorzugtes Zahlungsmittel
3.2.11 Art der Bedienung
3.2.12 Eigenschaften der Lebensmittelgeschäfte
3.2.13 Kriterien beim Lebensmitteleinkauf
3.2.14 Gewünschte Lebensmittelketten
3.2.15 Bewertung des Bozner Lebensmitteleinzelhandels
3.2.16 Verbesserungsvorschläge zum Lebensmitteleinzelhandel
3.2.17 Monatliche Lebensmittelausgaben

4 Zusammenfassende Darstellung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verkaufspunkte nach Verkaufsfläche in absoluten Werten

Abbildung 2: Verkaufspunkte nach Verkaufsfläche in Prozent

Abbildung 3: Rechtsformen des Einzelhandels

Abbildung 4: Exporte aus Südtirol in die EU

Abbildung 5: Handelsverkehr mit dem Ausland

Abbildung 6: Funktionale Kleinregion Bozen

Abbildung 7: Verkaufspunkte nach Warengruppe - Kleinregion Bozen

Abbildung 8: Verkaufspunkte nach Warengruppe - Stadt Bozen

Abbildung 9: Lebensmitteleinkäufe außerhalb von Südtirol

Abbildung 10: Marktanteil der Lebensmitteleinzelhandelsketten in Italien

Abbildung 11: Versorgungsdichte im Lebensmitteleinzelhandel

Abbildung 12: Betriebsgröße nach Warensektor und Verkaufsfläche - Bozen

Abbildung 13: Verkaufsfläche pro Einwohner in m²

Abbildung 14: Indexziffern der Verbraucherpreise in Bozen

Abbildung 15: Altersklasse der Befragten

Abbildung 16: Geschlecht der Befragten

Abbildung 17:Geschlecht nach Altersklasse

Abbildung 18: Anzahl der Personen pro Haushalt der Befragten

Abbildung 19: Häufigkeit des Lebensmitteleinkaufes

Abbildung 20: Gegend des Lebensmitteleinkaufes

Abbildung 21: Bevorzugte Betriebsform

Abbildung 22: Bevorzugte Verkehrsmittel beim Lebensmitteleinkauf

Abbildung 23: Bevorzugte Verkehrsmittel nach Geschlecht

Abbildung 24: Bevorzugte Verkehrsmittel nach Altersklasse

Abbildung 25: Bewertung der Parkplatzmöglichkeiten

Abbildung 26: Bewertung der Parkplatzmöglichkeiten nach Verkehrsmitteln

Abbildung 27: Zufriedenheit mit den Öffnungszeiten

Abbildung 28: Bevorzugtes Zahlungsmittel

Abbildung 29: Bevorzugte Art der Bedienung

Abbildung 30: Zufriedenheit mit den Lebensmittelgeschäften

Abbildung 31: Zufriedenheit mit dem Preis nach Personen pro Haushalt

Abbildung 32: Zufriedenheit mit der Erreichbarkeit nach Altersklasse

Abbildung 33: Wichtigste Kriterien beim Lebensmitteleinkauf

Abbildung 34: Gewünschte Lebensmittelketten in Bozen

Abbildung 35: Bewertung des Lebensmitteleinzelhandels in Bozen

Abbildung 36: Monatliche Lebensmittelausgaben pro Haushalt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verkaufsstellen und Verkaufsflächen - Bozen

Tabelle 2: Betriebsformen nach Verkaufsstellen und Verkaufsfläche - Bozen

Tabelle 3: Betriebsformen nach Verkaufsstellen und Verkaufsfläche - Südtirol

Tabelle 4: Wohnbevölkerung Bozen nach Geschlecht

Tabelle 5: Haushalte in Bozen

Tabelle 6: Bevölkerung Bozen nach Altersklasse

Tabelle 7: Ausgewählte Zielgruppen

Tabelle 8: Sprachgruppenzugehörigkeit Bozen

Tabelle 9: Untersuchungsdesign

Tabelle 10: Monatliches Einkommen pro Haushalt

Tabelle 11: Zufriedenheit mit dem Lebensmitteleinzelhandel

Vorwort

Die vorliegende Arbeit wurde am Institut für Handel und Marketing verfasst und entstand mit der Absicht, die aktuelle Einzelhandelslandschaft der Provinz Bozen näher zu untersuchen, als auch die Meinung der Bevölkerung in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel der Landeshauptstadt Bozen zum Ausdruck zu bringen. Ein besonderer Dank geht an die Handelskammer Bozen für die Zurverfügungstellung der Handelsdaten sowie an die Einwohner der Stadt Bozen, die sich zahlreich an der Befragung beteiligten.

1 Einleitung

Der Einzelhandel ist in Südtirol wirtschaftlich von besonderer Bedeutung, da durch die dezentrale Handelsstruktur einerseits die Nahversorgung in den kleinen Dörfern und Städten gesichert wird und andererseits Arbeitsplätze geschaffen werden (Frick, Gramm, Vorwort in Lechner/Müller 2003, o. S.). Obwohl das System der Nahversorgung in Südtirol noch sehr gut funktioniert, wird das Land des Öfteren von den Nachbarn aufgefordert, Maßnahmen zu setzten, um es zu hüten (Ebner, Widmann, Vorwort in Lun/Lechner 2009, o. S.).

Einer der bedeutendsten Bereiche des Einzelhandels ist der Lebensmitteleinzelhandel, dessen Aufgabe es ist, die Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs zu versorgen. Die Struktur des Lebensmitteleinzelhandels hat sich in den letzten Jahrzehnten bedeutend gewandelt. Durch Kooperationsformen und Konzentration auf der Handelsseite ist ein neuer Wettbewerbsprozess entstanden: Die kleinen Läden werden allmählich durch moderne, großflächige Distributionsketten verdrängt (Overlack 1992, 11).

Da im Einzelhandel besonders den Konsumenten ein hoher Stellenwert zukommt, regt diese Thematik zu einer gründlicheren Untersuchung an. In diesem Sinn richtet sich der zweite Teil dieser Arbeit an die Konsumenten der Stadt Bozen. Dabei soll festgestellt werden, mit welchen Leistungen des Bozner Lebensmitteleinzelhandels die Konsumenten zufrieden sind und welche Bereiche noch verbesserungsbedürftig sind.

1.1 Problemstellung

Bereits in der Wirtschaftstheorie zählt der Handel zu den strittigsten und viel diskutierten Wirtschaftsbereichen. Die eine Seite ist der Überzeugung, dass der Handel das Bindeglied zwischen der Produktion und dem Konsument ist, die andere Seite hingegen ist der Auffassung, dass durch den Handel keine neuen Güter geschaffen werden und er daher auch nicht zum Wohlstand beiträgt. Abgesehen von dieser Diskrepanz hat sich das System des Einzelhandels in den letzten Jahrzehnten wesentlich gewandelt. Nicht nur der Konsum durch den Endverbraucher ist von Bedeutung, sondern auch die Verpackung, die Präsentation der Waren, die mit dem Einkauf verbundenen Dienste, die Standorte sowie die Schulung des Personals sind heutzutage in einem gut funktionierenden Handelssystem nicht mehr wegzudenken (Lechner et al. 1995, 1).

Die einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterworfenen Marketing- und Handelsstrategien, zielen darauf ab, den Konsum durch den Endverbraucher langfristig zu sichern. Da der Konsument ein Glied des Einzelhandels ist und ihm letztendlich die Entscheidung bleibt, was er einkauft, war es ein Anliegen der Verfasserin, eine Befragung über die Zufriedenheit der Konsumenten in der Provinz Bozen zu starten. Um die Umfrage überschaubar zu halten, wurde der Fragebogen von Beginn an auf den Lebensmitteleinzelhandel beschränkt und als Zielgruppe wurden die Bewohner der Landeshauptstadt gewählt.

1.2 Stand der Forschung

Der (Lebensmittel-)Einzelhandel zählt zu den wesentlichen Bereichen der Wirtschaft. Da die Untersuchungen, die im Bozner Raum zu diesem Thema gestartet wurden, schon einige Jahre lang zurück liegen, soll diese Arbeit das Ziel verfolgen, die aktuelle Handelslandschaft zu untersuchen. Grundlage diese Arbeit sind hauptsächlich die Studien des Wirtschaftsforschungsinstitutes der Handelskammer Bozen sowie des Landesinstitutes für Statistik der Provinz Bozen. Anregung und Ideen zur Ausarbeitung des empirischen Teils stammen aus dem im Jahr 1995 erschienenen Werk von Lechner, Müller und Tappeiner „Südtiroler Einzelhandel - Funktionen und Probleme der Nahversorgung“.

1.3 Forschungsfragen

In der gegenständlichen Arbeit werden folgende Forschungsfragen behandelt:

Wie ist der Einzelhandel in der Provinz Bozen strukturiert? Sind die Nachfrager mit dem derzeitigen Lebensmitteleinzelhandelsangebot zufrieden? In welchen Bereichen besteht noch Handlungsbedarf und Verbesserungspotenzial?

1.4 Gang der Argumentation

Diese Arbeit setzt sich aus einem theoretischen und einem empirischen Teil zusammen. Im theoretischen Teil wird auf die begriffliche Definition des Handels eingegangen, sowie auf die Struktur des Einzelhandels in der Provinz Bozen. In einem Folgeschritt wird der Einzelhandel in der Landeshauptstadt Bozen beschrieben, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Lebensmitteleinzelhandel gelegt wird. Im empirischen Teil wird die Zufriedenheit der Konsumenten der Stadt Bozen mit der bestehenden Lebensmitteleinzelhandelsstruktur mittels einer standardisierten, quantitativen Befragung erforscht.

Ziel der Erhebung ist es, herauszufinden, wie die Konsumenten den Lebensmitteleinzelhandel beurteilen, mit welchen Leistungen sie zufrieden sind und in welchen Bereichen sie noch Handlungsbedarf sehen.

Abschließend sollen die Ergebnisse der Arbeit präsentiert sowie die Stärken und Schwächen des Südtiroler Einzelhandels gegenübergestellt werden.

2 Theoretische Grundlagen

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Struktur des Einzelhandels in Südtirol und dem Handelsverkehr mit dem Ausland. In einem zweiten Schritt wird auch auf den Aufbau des Lebensmitteleinzelhandels in Italien und der Landeshauptstadt Bozen näher eingegangen.

2.1 Definition und theoretische Einbettung

Der Handel umfasst den Kraftfahrzeughandel, den Großhandel und den Einzelhandel mit festem Standort und außerhalb der Geschäftsräume (Lechner/Müller 2003, 1). Der Einzelhandel zählt zu den Wirtschaftszweigen mit der stärksten Bindung zum Endkonsumenten und ist als letzte Station der Wertschöpfungskette der wesentliche Intermediär zwischen Produktion und Konsum (Pavel/V. Schlippenbach 2011, 2). Er gleicht die räumlichen, zeitlichen, qualitativen und quantitativen Disparitäten zwischen der Produktion und dem Konsum aus (Gabler Wirtschaftslexikon 2012, o.S.). Fundamentales Charakteristikum des Einzelhandels ist die unverzügliche Distribution von Waren an den Endverbraucher (Seÿffert 1972, 239). Dabei kann zwischen zwei Auslegungen unterschieden werden: Unter der funktionellen Definition wird die letzte Station der Distributionskette vom Urerzeuger bis zum Konsumenten verstanden. Die institutionelle Definition hingegen bezeichnet jene als Betriebe und Unternehmen, die zur Gänze oder überwiegend Einzelhandel betreiben, als Einzelhandel (Blotevogel 2003, 1).

Die Waren des Einzelhandels sind hauptsächlich auf den persönlichen Bedarf des Konsumenten ausgerichtet. Eine der größten Aufgaben des Einzelhandels ist es darum, die Bedürfnisse des Kunden richtig einzustufen und das Sortiment gezielt auszuwählen (Lechner 2006, 4). Der Einzelhändler muss durch die fristgerechte Bereitstellung, und einem ausgeglichenen Lager hinsichtlich Quantität, Qualität und Stückelung, den üblichen Bedarf des Kunden jederzeit entsprechen (Seÿffert 1977, 241).

2.2 Der Einzelhandel in der Provinz Bozen

Der Handel hat in Südtirol eine lange Tradition. Bereits zur Römerzeit wurde die Brennerroute vom Kutschenweg zu einer der bedeutendsten Militär- und Handelsstraßen ausgebaut. Im Jahr 1200 wurde die erste Messe in Bozen abgehalten. Die Landeshauptstadt entwickelt sich nach und nach zu einem Handelszentrum, wobei sie die größte Bedeutung im 16. und 17. Jahrhunderterlangte (Lechner et al. 2006, 3).

Im Vergleich zu den vorangehenden Zeitabschnitten, war der Handel im 19. Jahrhundert bezüglich Volumen und Reichweite beträchtlich zurückgegangen und setzte seinen Schwerpunkt vorwiegend auf Obst, Wein und Holz. Als Südtirol nach dem 1. Weltkrieg zu Italien gehörte, war die wirtschaftliche Tätigkeit des Landes vor allem auf die Landwirtschaft und den Tourismus ausgerichtet. Es gab nur wenige und kleine Industriebetriebe. Das Aufkommen der ersten großen Maschinen brachte jedoch im Handel einschneidende Veränderungen mit sich: Durch die Industrielandschaft mutierte die Bevölkerung allmählich zu einer Konsumgesellschaft. Mit der Entstehung der ersten Industriebetriebe konnten immer mehr Güter zu einer besseren Qualität und einem billigeren Preis angeboten werden. Da die Industrie auch viele Arbeitsplätze schuf, erhöhte sich das Durchschnittseinkommen und somit die Kaufkraft der Verbraucher. Der Spieß wurde dabei umgedreht: Während früher produziert wurde um zu verkaufen, wird heute verkauft, um produzieren zu können. Die Produktion verlangt vom Handel größere Absatzmärkte, die den Bedürfnissen der Kunden immer mehr entsprechen müssen. Durch die Einführung der Selbstbedienung wurde das Verkaufssystem grundlegend verändert. Besonders das Verhältnis zwischen dem Produkt und dem Konsumenten hat wandelte sich, da der Endkonsument die Produkte freier auswählen kann und er mehr Zeit für die Auswahl hat (Lunelli 1976, 12 - 14).

Der Handel gehört mit über 8.935 Unternehmen und rund 40.000 Beschäftigten zu den wesentlichsten Wirtschaftsbereichen des Landes. Der dominierende Bereich im Handel ist jedoch der Einzelhandel mit 7.421 Unternehmen und ungefähr 17.000 Beschäftigten. Diesem folgt der Großhandel mit ca. 3.753 Unternehmen und rund 17.000 Beschäftigten (Altieri et al. 2011, 45).

Der Einzelhandel hat die Aufgabe, die Verteilungs- und Versorgungsfunktion zu übernehmen. In Südtirol ist diese Funktion bedeutsam, da die Bevölkerung stark gestreut ist. Die Nahversorgung ist zumindest bis jetzt in Südtirol gegeben, da es in jeder Gemeinde mindestens ein Lebensmittelgeschäft gibt. Es handelt sich dabei zumeist um kleine Geschäfte, deren Überlebenschancen durch den Fremdenverkehr gewährleistet werden (Lechner/Moroder 2010, 17). Vor allem für die ältere Bevölkerungsschicht ist eine intakte Nahversorgung von großer Bedeutung, um den täglichen Einkauf selbstständig erledigen zu können (Lechner et al. 2006, 5). Im Vergleich zu Österreich und Deutschland gibt es in Südtirol mehr Einzelhandelsbetriebe je Einwohner. Im nationalen Vergleich liegt Südtirol im Durchschnitt (Lechner/Moroder 2010, 17).

Eine weitere Aufgabe des Einzelhandels ist, dass er dezentrale Arbeitsplätze schafft, sodass die ländliche Bevölkerung in ihrem Wohnort arbeiten kann. Darüber hinaus kommt auch der sozialen Funktion ein hoher Stellenwert zu, da die Verkaufspunkte des Einzelhandels Orte sind, an denen Menschen zusammentreffen und kommunizieren (Lechner et al. 2006, 5).

2.2.1 Verkaufspunkte und Verkaufsfläche

In Südtirol gibt es 7.421 Einzelhandels-Verkaufspunkte mit festem Standort und mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 848.864 m² unter Miteinbeziehung von Tankstellen, Tabaktrafiken und Apotheken. Davon können 2.704 Betriebe nicht eindeutig einer Warengruppe zugeordnet werden. In Bozen befinden sich 2.450 Einzelhandelsunternehmen mit einer Verkaufsfläche von 307.304 m². Die Verkaufspunkte in Bozen machen 36,2% der gesamten Einzelhandelsbetriebe Südtirols aus (Altieri et al. 2011, 82 - 85).

Der Südtiroler Einzelhandel ist klein strukturiert. Dies lässt sich an der Anzahl der Beschäftigten, an der Fläche je Verkaufspunkt als auch an der Kategorisierung der Verkaufsflächen nach Größenklassen erkennen (Lechner/Müller 2003, 10). Betriebe bis zu einer Verkaufsfläche von 150 m² zählen in Südtirol zu den kleinen Handelsbetrieben, zu den mittleren Handelsbetrieben gehören Betriebe mit einer Verkaufsfläche bis zu 500 m². Unter den Großverteilungsbetrieben fallen Betriebe mit einer Verkaufsfläche über 500 m² (Lechner et al. 2006, 4).

Von 7.412 Einzelhandelsunternehmen (davon 509 unbekannt) weisen 5.739 eine Verkaufsfläche bis zu 150 m² auf, 836 davon haben eine Fläche von 151 bis 400 m² und nur 337 Betriebe übersteigen die Verkaufsfläche von 400 m² (Altieri et al. 2011, 84). Die durchschnittliche Verkaufsfläche der Lebensmitteleinzelhandelbetriebe beträgt 99 m². Die Verkaufsfläche schwankt jedoch nach Lebensmittelbereich: Während sie bei Supermärkten im Durchschnitt 546,1 m² beträgt, misst sie bei Geschäften für Fisch, Krusten- und Weichtieren nur 38,3 m² (Altieri et al. 2011, 89).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verkaufspunkte nach Verkaufsfläche in absoluten Werten

Quelle: Altieri et al. 2011, 84; eigene Darstellung, 2012.

In Abbildung 2 wird die Verteilung der Verkaufspunkte nach Verkaufsfläche in Prozent abgebildet. 77 % der Einzelhandelsbetriebe weisen eine Verkaufsfläche bis zu 150 m² auf. Nur 4 % aller Verkaufsstellen Südtirols haben eine Fläche über 400 m², auf diese entfallen jedoch 30 % der gesamten Verkaufsfläche (Altieri et al. 2011, 84).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verkaufspunkte nach Verkaufsfläche in Prozent

Quelle: Altieri et al. 2011, 84; eigene Darstellung, 2012.

2.2.2 Rechtsformen

Einzelhandelsunternehmen sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Betriebe die Waren beschaffen und diese an die Konsumenten verkaufen (Seÿffert 1972, 240). Im Jahr 2010 wiesen die Südtiroler Einzelhandelsbetriebe folgende Rechtsform auf: 43 % waren Einzelunternehmen, 34,9 % Personengesellschaften, 19,4 % Kapitalgesellschaften und 2,7 % fielen unter andere Rechtsformen (Astat 2011b, 431).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Rechtsformen im Einzelhandel

Quelle: Astat 2011b, 431; eigene Darstellung, 2012.

2.2.3 Nationaler und europäischer Vergleich

Die EU ist der größte Handelsblock der Welt. Fast zwei Drittel des europäischen Handels findet innerhalb der Mitgliedstaaten selbst statt (Europäisches Parlament 2009, 1).

Für Südtiroler Handelsunternehmen wird es immer schwieriger, sich am internationalen Markt zu behaupten, da den Diskontern, den Handelsmarken und den großen Verkaufsflächen vor allem im Lebensmittelbereich ein immer höherer Stellenwert zugeschrieben wird und dadurch die Nachfrage nach Qualitätsmarken zurückgeht. Der starke Handelswettbewerb führt zu einem niedrigen Preisniveau der Lebensmittel und zu einem Preisdruck auf die Produzenten (Export Organisation der Handelskammer Bozen 2007, 2).

Der Anteil der Beschäftigten im Handel, gemessen an der Gesamtanzahl der Beschäftigten liegt in Südtirol unter dem europäischen Durchschnitt. Der Grund der Schlechterstellung lässt sich damit begründen, dass ein Viertel der Betriebe Filialbetriebe (Betriebsstätten) sind und für den internationalen Vergleich die Anzahl der Unternehmen herangezogen wird. Auch der Anteil der Unternehmen, die Einzelhandel als Haupttätigkeit betreiben, liegt in Südtirol unter dem nationalen und europäischen Wert. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass in Südtirol dem Großhandel eine überdurchschnittliche Bedeutung zukommt (Lechner/Müller 2003, 31).

2.2.4 Handelsverkehr mit dem Ausland

Südtirols wichtigste Handelspartner sind Deutschland sowie Österreich und die Schweiz. Das Wirtschaftswachstum, das vor allem in den neunziger Jahren in Südtirol zu beobachten war, hat sich auch auf den Außenhandel mit Waren positiv ausgewirkt (Lechner et al. 2002/2, 25). In der Provinz Bozen lässt sich seit dem Jahr 2000 ein stetiger Anstieg der Exporte beobachten. Im Jahr 2009 gab es jedoch einen Rückgang des internationalen Handels, der sich auf nationaler sowie auf lokaler Ebene spüren ließ. Vom Rückgang des Handels, dessen Auslöser die Verminderung der Wirtschaftstätigkeit war, waren vor allem die Industriestaaten betroffen. 2010 erholte sich der Handel sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU wieder und das Handelsdefizit verbesserte sich (Astat 2010, 145).

Laut einer Erhebung des Landesinstitutes für Statistik wurden im ersten Quartal 2012 Waren im Wert von 914,1 Millionen Euro aus Südtirol ausgeführt, dadurch wurde eine Zunahme von 1,2 % im Vergleich zum vorangehenden Jahr erzielt. Die Exporte in europäische Mitgliedsstaaten stiegen um 3,3 % (Astat 2012/1, 1 - 2).

In Abbildung 4 sind die Exporte aus Südtirol in wichtige Handelspartnerstaaten der Europäischen Union in Prozent angeführt. Als Basis für die Berechnung der Prozentanteile wurde die Summe der Südtiroler Exporte in die Länder der europäischen Union herangezogen.

Südtirols wichtigster Handelspartner ist mit Abstand Deutschland, gefolgt von Österreich und Frankreich. (Astat 2010, 147)

Abbildung 4: Exporte aus Südtirol in die EU

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Astat 2010, 147; eigene Darstellung, 2012.

Die Waren, die am meisten exportiert werden, sind Erzeugnisse der Landwirtschaft mit 19,8 %, Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren mit 18,6 %, Maschinen und Apparate mit 14,1 % und Fahrzeuge mit 13,5 % (Astat 2012/1, 1). Zu den Lebensmitteln, die im Jahr 2010 am meisten exportiert wurden, gehören frische Äpfel, Birnen und Quitten, Weine aus frischen Trauben, Brot und Gebäck sowie Fruchtsäfte inklusive Trauben- oder Gemüse- und Hülsenmost (Astat 2010, 153).

In Abbildung 5 sind die Import- und Exportzahlen der Jahre 2006 bis 2010 angegeben. Im Jahr 2010 sind im Vergleich zu den vorangehenden Jahren die Importzahlen gestiegen. Die Exportzahlen haben nach einem Rückgang von 2008 auf 2009 im Jahr 2010 erneut zugenommen. Der Saldo der Handelsbilanz bleibt nach wie vor negativ (Astat 2011b, 433).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Handelsverkehr mit dem Ausland

Quelle: Astat 2011b, 433; eigene Darstellung, 2012.

2.3 Der Einzelhandel in Bozen

Schon seit dem 12. Jahrhundert bildeten sich in Bozen frühstädtische Siedlungsformen aus. Die Stadt Bozen wurde durch die Bischöfe von Trient in der Mitte der ländlichen Alpen gegründet. Die Urbanisierungsphase begann mit den regionalen Herrschaftsträgern unter denen die Grafen von Eppan, Morit-Greifenstein und Tirol-Görz und die Edelfreien von Wangen. Diese Phase mündete jedoch in eine kriegerische Auseinandersetzung. Als Tirol im Jahr 1363 an das Haus der Habsburger überging, startete eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Im Jahr 1442 erteilte König Friedrich III der Stadt Bozen das Stadtratsprivileg. Mitte des 15. Jahrhunderts sowie Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Bozen unter den Herrschaften von Erzherzog Sigmund sowie König Maximilian I zu einem politischen und wirtschaftlichen Scheitelpunkt der Grafstadt Tirol ausgebaut. Im 16. und 17. Jahrhundert entfaltete sich Bozen zu einem überregional bedeutsamen städtischen Zentralort. Durch Zuwanderer aus süddeutschen und österreichischen Ländern entwickelte sich eine spezialisierte Händlerkultur, die ihre Blütephase im Jahr 1633 mit der Einrichtung des Merkantilmagistrats durch die die Erzherzogin Claudia de Medici erlangte (Obermair 2005, o. S.).

Mit der kaiserlichen Resolution 1851 wurde die Handels- und Gewerbekammer und bald darauf die italienische Handelskammer gegründet. 1918 entstand die Handelskammer Bozen, die jedoch der italienischen Handelskammerordnung unterstellt wurde. Durch das Autonomiestatut im Jahr 1948 wurde die Kompetenz der Handelskammer Bozen jedoch der Region Trentino-Südtirol zugewiesen (Handelskammer Bozen 2012, o. S.).

2.3.1 Verkaufsstellen und Verkaufsflächen in Bozen

Zum besseren Verständnis der nachstehenden Tabellen, ist es erforderlich, den Unterschied zwischen Bozen als Stadt und als funktionale Kleinregion zu kennen. Funktionale Kleinregionen sind räumliche Einteilungen der Provinz Bozen, die sich vor allem zur Analyse der Nahversorgung gut eignen. In Südtirol gibt es fünfzehn Kleinregionen, wobei in deren Zentren eine größere Ballung an Einzelhandelsbetrieben zu beobachten ist (Altieri et al. 2011, 83). In Abbildung 6 ist die Kleinregion Bozen abgebildet zu der unter anderem die Städte Bozen und Leifers sowie die Ortschaften Sarntal, Tiers, Kalter und Eppan gehören.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Funktionale Kleinregion Bozen

Quelle: CIMA Österreich 2010, 79.

In Tabelle 1 ist ersichtlich, dass innerhalb der Kleinregionen die Konzentration auf das Zentrum entfällt. Fast 70 % der Verkaufsstellen der Kleinregion Bozen befinden sich in der Stadt Bozen. 36,2 % der gesamten Südtiroler Einzelhandelsverkaufsfläche gehören der Kleinregion Bozen an, davon entfallen 26,4 % auf die Stadt Bozen. In der Stadt Bozen befinden sich im Vergleich zur Kleinregion mehr Verkaufsstellen je 1.000 Einwohner und die Verkaufsfläche je Einwohner ist größer (Altieri et al. 2011, 85).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Verkaufsstellen und Verkaufsflächen - Bozen

Quelle: Altieri et al. 2011, 85; eigene Darstellung, 2012.

2.3.2 Verkaufspunkte nach Warengruppe

In den Abbildungen 7 und 8 sind die Verkaufspunkte des Einzelhandels nach Warenbereich der funktionalen Kleinregion Bozen sowie der Stadt Bozen (auch Außenbezirke werden berücksichtigt) dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Verkaufspunkte nach Warengruppe - Kleinregion Bozen

Quelle: Altieri et al. 2011, 86; eigene Darstellung, 2012.

Die funktionale Kleinregion Bozen weißt 2.450 Einzelhandelsunternehmen auf. Der spezialisierte Einzelhandel mit vorwiegend Nicht-Lebensmittel ist mit 987 der dominierende Bereich im Einzelhandel. Der spezialisierte Einzelhandel der vorwiegend aus Lebensmitteln besteht, weist 117 Verkaufsstellen auf. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Stadt Bozen: Der spezialisierte Einzelhandel mit vorwiegend Nicht-Lebensmitteln besteht aus 775 Verkaufspunkten, wobei der Bereich der vorwiegend aus Lebensmitteln besteht, 76 Verkaufspunkte aufweist (Altieri et al. 2011, 86 - 88).

Abbildung 8: Verkaufspunkte nach Warengruppe - Stadt Bozen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Altieri et al. 2011, 88; eigene Darstellung, 2012.

2.3.3 Kaufkraftabflüsse und -zuflüsse

Die Südtiroler Haushalte tätigen einen Teil ihrer Einkäufe außerhalb des Landes. Diese Tatsache weist zum Teil auf Schwächen in der bestehenden Einzelhandelslandschaft Südtirols hin. Die Gründe warum Südtiroler ihre Einkäufe ins Ausland verlegen, sind in erster Linie die günstigeren Preise und das breit gefächerte Sortiment (Altieri et al. 2011, 97 - 99).

Laut einer Untersuchung des Landesinstitutes für Statistik geben Südtiroler Haushalte in Summe ungefähr 3,8 Milliarden Euro pro Jahr aus. Davon fließen in etwa eine halbe Milliarde Euro ins Ausland und an italienische Grenzregionen ab. Dieser Abfluss wird jedoch durch die zusätzlichen Einnahmen von gerundet einer Milliarde wettgemacht. Die Zuflüsse bestehen zu einem Drittel aus Einkaufsfahrten aus dem Ausland und die restlichen zwei Drittel sind den Touristen zu verdanken. Würden die Touristen in Südtirol ausfallen, wäre die Bilanz zwischen Kaufkraftabflüssen und -zuflüssen negativ (Altieri et al. 2011, 99 - 100). Die Bezirksgemeinschaft Wipptal verzeichnet in Südtirol mit 58 % die meisten Kaufkraftzuflüsse. Die Zuflüsse können dadurch erklärt werden, dass das Wipptal an Österreich grenzt und somit 38,3 % der Zuflüsse von österreichischen Käufern stammen (Altieri et al. 2011, 101).

Die Bezirksgemeinschaft Bozen weist im Landesvergleich den geringsten Prozentsatz an Kaufkraftabflüssen auf. Lediglich 12,2 % des gesamten Kaufkraftvolumens fließt ins Ausland ab, davon wandern 6,4 % nach Österreich (Altieri et al. 2011, 100). Die Abflüsse im Lebensmittelbereich fließen zu 60 % nach Österreich. Die restlichen 36 % fließen nach Trentino, in andere Regionen Italiens und nach Deutschland. 4 % der Lebensmittel werden über Kataloge bestellt oder anderswo im Ausland getätigt. Das Internet wird zum Einkauf für Lebensmittel von der Südtiroler Bevölkerung nicht genutzt (Altieri et al. 2011, 98).

Abbildung 9: Lebensmitteleinkäufe außerhalb von Südtirol

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Altieri et al. 2011, 98; eigene Darstellung, 2012.

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Details

Titel
Der Einzelhandel in Südtirol. Eine Analyse der Kundenzufriedenheit in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel in Bozen
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Handel und Marketing)
Note
1.0
Jahr
2012
Seiten
74
Katalognummer
V322353
ISBN (eBook)
9783668215542
ISBN (Buch)
9783668215559
Dateigröße
1641 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kundenzufriedenheit, Lebensmitteleinzelhandel, Südtirol
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Der Einzelhandel in Südtirol. Eine Analyse der Kundenzufriedenheit in Bezug auf den Lebensmitteleinzelhandel in Bozen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322353

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