Tennis in Deutschland. Von der Medien- zur Randsportart

Wird das Fernsehen in der Tennisberichterstattung durch Sportplattformen im Internet ersetzt?


Bachelorarbeit, 2016

116 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sport in den Medien
2.1 Das Rieplsche Gesetz
2.2 Entwicklung medialer Sportberichterstattung
2.2.1 Sport als Nebensache
2.2.2 Kommerzialisierung des Mediensports
2.2.3 Mediale Sportberichterstattung heute
2.3 Tennis in Deutschland

3. Medialisierung im Sport
3.1 Die Theorie der Medialisierung
3.2 Medienlogik der Massenmedien
3.3 Telegenisierung - der Weg des Sports ins Fernsehen
3.4 Medienlogik der Sportplattformen

4. Medialisierung im Tennis
4.1 Inszenierung der Tennisspieler
4.2 Personalisierung
4.3 Anpassung der Organisation und Infrastruktur
4.4 Spannungssteigerung und Planbarkeit
4.5 Medienerziehung und -training
4.6 Eventisierung des Tennissports

5. Forschungsstand

6. Methodenteil
6.1 Hypothesenableitung und Programmfragen
6.2 Das Experteninterview
6.3 Begr ü ndung der Methodenwahl
6.4 Auswertungsmethode
6.5 Vorstellung der Experten
6.6 Erstellung des Interviewleitfadens
6.7 Pretest

7. Empirieteil
7.1 Auswertung des Datenmaterials
7.2 Darstellung der Befunde anhand der Programmfragen
7.3 Konfrontation der Befunde mit Referenzuntersuchungen
7.4 Methodenkritische Diskussion

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis
9.1 Buchquellen
9.2 Sammelbänder
9.3 Zeitschriften
9.4 Internetquellen

10. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Mitgliederzahlen im Deutschen Tennisbund

Abbildung 2: Entwicklung der Besucherzahlen bei deutschen Herren-Turnieren

Abbildung 3: Tennis ü bertragungen der einzelnen Sender nach Stunden

Abbildung 4: Mediennutzung bei Sportinformationen

Abbildung 5: Operationalisierung der Forschungshypothesen

Abbildung 6: Interviewpartner

Abbildung 7: Transkriptionsregeln nach Hoffmann-Riem

Abbildung 8: Themenmatrix

Abbildung 9: Page Impressions in der Tennisrubrik von sport1.de 2015

Vorwort und Danksagung

Die Bachelorarbeit entstand im Rahmen des Studiengangs Medien und Kommunikation am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft der Universität Passau. ,FK P|FKWH ]XQlFKVW QlKHU auf meine persönlichen Beweggründe eingehen, die mich dazu veranlasst haben, diese Arbeit zu schreiben und, was mir ganz besonders wichtig ist, mich bei all denen bedanken, die mich auf diesem Weg in ganz unterschiedlicher Art und Weise unterstützt haben.

Im Alter von vier Jahren begann ich mit dem Tennisspielen und verfolge das sportliche Geschehen seit jeher im Fernsehen. So habe ich den Tennisboom in Deutschland sowohl in der Bevölkerung, als auch in den Medien in seinen letzten Zügen mitbekommen. Aufgewachsen bin ich jedoch in einer Zeit, in der das mediale Interesse am Tennissport von Jahr zu Jahr stetig sank. Da ich zwischen meinem 10.-17. Lebensjahr den Sport selbst professionell betrieben habe, bin ich mit vielen Verantwortlichen des Deutschen Tennisbundes in Kontakt gekommen, die mir allesamt versicherten, dass Tennis wieder den Sprung in die Programme der großen Sender wie ARD und ZDF schaffe. Bis heute warte ich jedoch vergeblich auf diesen Wandel - und mit mir zahlreiche Tennisfans in Deutschland. Da ich auch als Tennistrainer tätig bin, merke ich, dass vor allem meinen jüngeren Schülern ein Vorbild fehlt. Doch wie sollen sie ein Vorbild haben, wenn der Sport im Fernsehen quasi nicht existiert? Wir müssen uns mit Tennisübertragungen auf ran.de und tennis.de zufrieden geben bzw. streamen ausländische Sportsender im Internet, die Tennis übertragen. Da es mittlerweile für mich zur Gewohnheit geworden ist, Tennis im Internet zu verfolgen, sehe ich sogar die Matches, die sowohl im Internet, als auch im Free-TV übertragen werden, vorzugsweise online. Somit haben mich mein persönliches Nutzungsverhalten der Medien bezogen auf den Tennissport sowie seine mediale Entwicklung während meiner Jugend dazu motiviert, meine Bachelorarbeit zu diesem Thema anzufertigen.

Ein herzliches Dankeschön gilt all meinen Interviewpartnern und Herrn Prof. Dr. Hohlfeld für die Betreuung meiner Bachelorarbeit. Besonderer Dank gilt aber vor allem Sascha Bandermann, der extra für das Interview seinen Flug verschoben hat und mir für die Arbeit wichtige Pressemitteilungen der ATP, die nur Journalisten zur Verfügung stehen, zukommen ließ und Matthias Killing, der sich eigens für die Befragung eine Handyhalterung zulegte, um auf seiner Autofahrt mit mir zu skypen. Des Weiteren danke ich der Redaktion vom tennisMagazin, darunter vor allem Felix Grewe und der Pressesprecherin des Deutschen Tennisbundes, Isabelle Chlosta, für Materialien und Statistiken sowie Eurosport-Kommentator Jürgen Höthker, der sich während der Regenunterbrechung bei den Australian Open Zeit nahm, um mir Rede und Antwort zu stehen. Zudem bedanke ich mich bei den Verantwortlichen der Sender ARD, ZDF, Sport1 und Eurosport, die mir sensible Daten und notwendige Informationen zur Dauer von Tennisübertragungen oder Klickzahlen ihrer Online- Seite zugesandt haben. Zuletzt gilt mein größter Dank all den Korrekturlesern sowie meiner Familie und meinen Freunden, die mich während meines Studiums immer unterstützt haben.

1. Einleitung

,,Matchball. Fünf Schritte an die Grundlinie. Mein Arm wird schwer, ganz wacklig [...] Ein heftiges Zittern ergreift meinen Körper, als würde ich gleich die Kontrolle über mich verlieren. Ich konzentriere mich auf den Ballwurf und haue einfach drauf" (Becker et al. 2003: 15). Diese Gedanken verfolgten Boris Becker auf dem Weg zur Grundlinie, kurz bevor er mit einem Ass seinen ersten Wimbledon-Sieg im Jahr 1985 errang. Damals, am 07. Juli 1985 um 18:26 Uhr, bejubelten zwölf Millionen Deutsche vor ihren heimischen TV-Geräten den 17- jährigen Leimener (vgl. Quotenmeter 2010). Ein Jahr später, im Endspiel Becker gegen Lendl, waren es schon zwei Millionen mehr (vgl. ebd.). 1991 befand sich Tennis auf Augenhöhe mit Fußball. Boris Becker gewann in diesem Jahr in einem rein deutschen Finale gegen Michael Stich die Australian Open und wurde als erster deutscher Spieler die Nummer eins der Herrenweltrangliste, Steffi Graf siegte bei den Damen in Wimbledon. „Steffi hätte damals gegen einen weißen Pudel spielen können. Boris gegen einen Dackel. Die Stadien wären trotzdem voll gewesen“ (Welt 2015).

Als mit Angelique Kerber am 30. Januar 2016 die erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 - damals bei den French Open - bei den Australian Open im Finale eines Grand Slam-Turniers stand, stieg das Medieninteresse am Tennis zwar kurzzeitig an, das Endspiel verfolgten mit im Schnitt 1,48 Millionen Zuschauern dennoch knapp elf Millionen Menschen weniger als zu Zeiten von Becker und Graf (vgl. CD/Anhang 18). Und auch Kerbers erstes Match in Deutschland, nur eine Woche nach ihrem historischen Sieg in Australien, das von ProSiebenSat.1 sogar im Hauptprogramm auf Sat.1 ausgestrahlt wurde, sahen gerade einmal 400.000 Deutsche, die dem Sender mit 2,9 Prozent Marktanteil eine für ihn desaströse Quote bescherten (vgl. RP-Online 2016). Der Boom um den wei ß en Sport - wie Tennis einst ehrfürchtig betitelt wurde - fand Ende der 90er Jahre ein jähes Ende. Die Millionen-Einschaltquoten - mit Ausnahme des Australian Open-Finals der Damen 2016 - sind längst Geschichte und Tennis befindet sich auf einem absteigenden Ast in Deutschland. Neben den sinkenden Mitgliederzahlen im Deutschen Tennisbund und dem schwindenden Rezipienteninteresse am Tennis, hat auch das mediale Interesse am einstigen Volkssport abgenommen. „Tennis ist tot!“ (Hamburger Abendblatt 2011), und „Diesen Boom wird es nie mehr geben!“ (Tagesspiegel 2009), titeln deutsche Zeitungen.

Doch es gibt ein Medium, das Tennisfans ein kleines bisschen Hoffnung bereitet: Das Internet eröffnet dem einstigen Volkssport wieder ein Stück weit die Türen. Im Internet schaffte es Tennis laut einer Analyse des Fachverbandes für Sponsoring (FASPO) in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Forschungsinstitut Press Watch im Jahr 2007 unter die vier Sportarten, über die online am meisten berichtet wurde. Mit 75.282 Artikeln von insgesamt 1.339.650 Berichten nahm der wei ß e Sport den vierten Platz ein (vgl. Wild 2007: 65). Mit den Sportseiten tennis.de und ran.de bietet der Deutsche Tennis Bund (DTB) seit 2013 allen Tennisfans zwei Plattformen, um ausgewählte Matches per Livestream verfolgen zu können. Auch das Tennis-Fernsehprogramm von Deutschlands Sportsendern Sport1 und Eurosport wird durch eigene Streaming-Angebote im Internet mittlerweile ergänzt. Es tut sich was im Tennissport - zumindest online. Der Trend des steigenden Desinteresses seitens des Fernsehens am Tennis, sowie die Etablierung diverser Livestream-Angebote auf Sportplattformen, lieferten die Grundlage, aus der sich die forschungsleitende Frage dieser Arbeit entwickelt hat: Wird das Fernsehen in der Tennisberichterstattung und - ü bertragung durch Sportplattformen im Internet ersetzt?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die zukünftige Entwicklung der Tennispräsenz in Deutschland zu prognostizieren. Diese empirische Untersuchung beabsichtigt, herauszufinden, ob es den Verantwortlichen des Deutschen Tennisbundes, aber auch den Medien, gelingen kann, den Sport zurück ins Fernsehen zu bringen oder ob sich der wei ß e Sport vermehrt auf Online-Sportplattformen verlagert. Die Thesis berücksichtigt mediale und soziodemografische Entwicklungen im Tennissports und bedient sich Zahlen und Fakten, die bis einschließlich 2016 reichen und unterstützend dazu dienen, Aussagen über Zukunftstrends zu treffen.

Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden sechs Experteninterviews als qualitative Methode der empirischen Sozialforschung durchgeführt. Da diese Methode auf die Generierung bereichsspezifischer Aussagen ausgelegt ist, ist sie am geeignetsten. Sie erlaubt eine Vorgehensweise anhand eines Interviewleitfadens, der die Möglichkeit einer detaillierten Strukturierung und Flexibilität bietet (vgl. Mayer 2004: 36). Frageformulierungen oder eine genau vorgegebene Reihenfolge der Fragen sind nicht bindend, sodass ein natürlicher Gesprächsverlauf zustande kommen kann. Zum einen erlaubt dies dem Interviewpartner, frei zu antworten und zum anderen kann der Interviewer bei bestimmten Abschnitten nachhaken und seine Fragen gegebenenfalls der Situation anpassen. Außerdem lassen sich die Aussagen in der Auswertung sehr gut miteinander vergleichen, da allen Interviewpartnern inhaltlich dieselben Fragen gestellt werden. Zur Auswertung der Antworten wird das Verfahren nach Lamnek angewandt.

Die Arbeit ist in zwei wesentliche Teile gegliedert. Den Beginn bildet das theoretische Fundament, auf dem der Empirieteil anschließend aufbaut. Im Theorieteil geht die Arbeit zunächst auf die Entwicklung medialer Sportberichterstattung im Allgemeinen ein, bevor sie die mediale Entfaltung des Tennissports der vergangenen Jahre untersucht. Nach Erläuterung des Medialisierungsbegriffs und dem der Medienlogik, setzt sich die Arbeit fortführend mit den Gesetzmäßigkeiten des Fernsehens auseinander und thematisiert die notwendigen Handlungsmaßnahmen des Sports, um mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu erlangen. Abschließend beschäftigt sich der Theorieteil mit Medialisierungsansätzen der letzten Jahre im Tennissport und stellt Bezug zu den vorab herausgearbeiteten Regeln der Medien her. Der anknüpfende Methodenteil bildet die Klammer zwischen der theoretischen Betrachtung und der empirischen Untersuchung. Er präsentiert die aus der Theorie abgeleiteten Forschungshypothesen sowie Programmfragen und begründet nach kurzer Vorstellung der Interviewpartner und Erläuterung des Experteninterviews dessen Auswahl für die Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage. Im Empirieteil werden im Anschluss die Ergebnisse präsentiert sowie Bezüge zum aktuellen Forschungsstand hergestellt, bevor in einer methodenkritischen Diskussion die Ergebnisse und die gewählte Methode kritisch beleuchtet werden. Den Schluss bildet das Fazit, das die wichtigsten Aspekte der Arbeit zusammenfasst und einen Ausblickt gibt.

2. Sport in den Medien

2.1 Das Rieplsche Gesetz

„Kein gesellschaftlich etabliertes Instrument des Informations- und Gedankenaustauschs kann von anderen Instrumenten, die im Laufe der Zeit hinzutreten, vollkommen ersetzt oder verdrängt werden“ (Riepl 1914: 3). Diesen Gedanken, der erst Jahrzehnte nach seiner Verschriftlichung in der Medienwissenschaft zum Gesetz erhoben wurde, verfasste der damalige Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten Wolfgang Riepl in dem Einleitungskapitel seiner Monographie Das Nachrichtenwesen im Altertum. Auch einhundert Jahre später ist man in der Kommunikationswissenschaft noch im Unklaren über die Richtigkeit Riepls Aussage. Und dennoch stellt sich in der vorliegenden Arbeit die Frage, ob das Internet das Medium Fernsehen hinsichtlich der Tennisberichterstattung und - übertragung ersetzt. Auch wenn Riepl diese Frage vehement zurückweisen würde, gibt es heute zahlreiche Statistiken, die für die Substitution des linearen Fernsehens durch das Internet in der Zukunft sprechen. Mit der Zahl der Internetnutzer ist auch die der Nutzer von Livestreams und Videos on Demand im letzten Jahrzehnt drastisch gestiegen. 2015 haben 45 Prozent der User Livestreams, 76 Prozent Video On Demand-Angebote genutzt (vgl. Bitcom 2014). Fast die Hälfte gibt sogar an, den Fernseher seltener einzuschalten, seitdem Videostreams verfügbar sind und ebenso viele haben bereits auf Sendungen im Fernsehen verzichtet „[...] um das entsprechende Angebot zu einem späteren, selbst gewählten Zeitpunkt als Videostream anzusehen“ (ebd.). Da über die Hälfte der Befragten mit der Übertragungsqualität der Streaming-Angebote zufrieden ist und sich knapp ein Fünftel bereits 2014 vorstellen konnte, zugunsten des Videostreamings auf das klassische Fernsehen zu verzichten (vgl. ebd.), hat die hier aufgestellte Forschungsfrage ihre Berechtigung. Es ist wahrscheinlich, dass die Entwicklung im Online-Sport - in diesem Fall im Tennis - eine ähnliche ist. Aktuellen Umfragen zufolge (Stand: Januar 2016) sehen 44 Prozent der Deutschen das Internet als wichtigstes Sportinformationsmedium und fast die Hälfte wünscht sich im Internet mehr Sportarten, die im TV unterrepräsentiert sind (vgl. Statista 2015a).

2.2 Entwicklung medialer Sportberichterstattung

Der Sport ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil in der massenmedialen Verwertung. Dabei beschränkt sich die Sportberichterstattung nicht mehr ausschließlich auf die Abbildung von Wettkampfergebnissen. Ganz im Gegenteil, denn Sport ist längst fester Bestandteil des Unterhaltungssektors (vgl. Gleich 2000: 512). Im Folgenden sollen die Entwicklung der medialen Sportberichterstattung und der Bedeutungswandel des Sports für die Medien beleuchtet werden. Dabei genügt es nicht, beide Systeme getrennt voneinander einer Untersuchung zu unterziehen, vielmehr müssen ihre Einbettung in das sich ändernde Gesellschaftssystem und die Wechselwirkungen mit diesem berücksichtigt werden.

2.2.1 Sport als Nebensache

Die Vermittlung sportlicher Ereignisse durch Massenmedien setzte in Deutschland erst während der Jahrhundertwende um 1900 ein. 1886 wurde in einer deutschen Zeitung - der M ü nchener Neueste Nachrichten - erstmalig ein Sportteil integriert (vgl. ebd.: 513). Nachdem am Ende des Zweiten Weltkriegs keine einzige der vormals 400 Sportzeitschriften mehr erschien, erholte sich die Sportberichterstattung in den darauffolgenden Jahrzehnten rasch. Sie beschränkte sich jedoch darauf, die Bevölkerung kurz und knapp zu informieren, denn nicht immer waren Sport- und Unterhaltungsindustrie so eng miteinander verknüpft, wie dies heutzutage der Fall ist (vgl. Becker 1983: 25). Millionengehälter für Sportler, Athleten als Markenbotschafter oder Outfit-Sponsoring galten allesamt bis in die 1970er Jahre als verpönt. Ausführliche Berichterstattungen über Sportveranstaltungen fehlten ebenso wie eine Kontinuität im Sportprogramm (vgl. ebd.: 27). So wurden in der DDR zwischen 1956 und 1965 acht verschiedene Sportsendungen ins Programm aufgenommen, von denen 1965 nur noch zwei ausgestrahlt wurden (vgl. bpb 2010).

Für einen Großteil der Bevölkerung war Sport nur eine Freizeitbeschäftigung mit geringem Stellenwert im Alltag. Sport stellte nicht mehr dar, als eine angenehme Nebensache, die jedoch keine zentrale Rolle im Leben der Menschen einnahm. Sport-Events wurden meist ehrenamtlich organisiert und der Amateurstatus bei der Mehrzahl von Sportlern war unumstritten (vgl. Schauerte 2004: 85). Auch von einem Sportrechtemarkt konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede sein. Vor der Einführung des dualen Rundfunksystems wurden zwar Gelder für die Übertragungsrechte von sportlichen Großveranstaltungen gezahlt, allerdings waren Sportverbände und die öffentlich-rechtlichen Sender die einzigen Verhandlungspartner, die vielmehr in einem publizistischen, als in einem ökonomischen Wettbewerb standen (vgl. ebd.: 85).

2.2.2 Kommerzialisierung des Mediensports

Erst durch die Olympischen Spiele 1972 und die Fußball WM 1974 offenbarte sich den Sportverbänden und Medien, welche Massenhysterie Sport auslösen und was für ein kommunikatives Potenzial Sport in den Medien für die werbetreibende Wirtschaft haben kann. Und so wurde der 24. März 1973 zu dem Tag, der als Sündenfall in die sportpolitische Geschichte einging und die Kommerzialisierung des Sports einleitete. Bundesligist Eintracht Braunschweig erhielt für das Besticken seiner Trikots mit dem Emblem des Kräuterlikörherstellers Jägermeister 160.000 DM (vgl. ebd.: 88). Auch wenn die Werbeschriftzüge in Zeitungen geschwärzt wurden, konnte niemand das Erfolgskonzept und den gewinnbringenden Nutzen des Profisports für die Wirtschaft leugnen. Sportliche Wettkämpfe wurden seitdem vermehrt für sportfremde Zwecke, wie Werbung und Sponsoring, kommerzialisiert. Im Medienbereich bezeichnet Kommerzialisierung die verstärkten Einflüsse der Werbewirtschaft auf die Medienproduktion, den Journalismus und auf die Medienrezeption (vgl. Siegert et al. 2010: 519f).

Mit der Einführung des dualen Rundfunksystems und dem Wimbledon-Sieg von Boris Becker änderten zwei voneinander unabhängige Ereignisse die Sportberichterstattung. „Nachdem diese durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuvor eher einen informativen als einen unterhaltsamen Charakter hatte, sollte sich dies durch das Aufkommen privater TV-Anstalten nachhaltig verändern“ (Schubert a.a.O. 86). Mit den sportlichen Erfolgen Beckers erkannten vor allem die privaten Sender, welche Reichweite sportliche Großereignisse haben können und so wollten sie sich unter allen Umständen die Übertragungsrechte an attraktiven Sport- Events sichern, um ihr Programm etablieren zu können (vgl. Amsinck 1997: 63).

Ein Kampf um die Rechte von Ausstrahlungen bedeutender Sportveranstaltungen entbrannte und stellte unter Beweis, wie begehrt Übertragungen waren. Durch die steigende Angebotsvielfalt der Sender im Zuge der Einführung des dualen Rundfunksystems und durch die Monopolstellung der Sportverbände erhöhten sich die Lizenzgebühren drastisch. Betrugen diese „für ARD und ZDF für die Bundesliga-Saison 1987/88 vergleichsweise geringe 9 Mio. Euro, zahlten Arena TV, ARD und Telekom für die Saison 2005/2006 rund 440 Mio. Euro“ (Huber et al. 2008: 14). Die hohen Kosten hatten knappe Sendezeiten zur Folge, sodass nur jenen Sportarten ein Platz in den Massenmedien eingeräumt wurde, die attraktiv für ein breites Publikum waren. „Daher verfügt der professionelle Showsport als Positionalgut über eine Monopolstellung gegenüber den Medien“ (Schauerte a.a.O.: 91).

2.2.3 Mediale Sportberichterstattung heute

Sport in den Medien ist heutzutage vollkommen kommerzialisiert. Sportler sind viel mehr als Athleten, die vor Publikum ihren Beruf ausüben. Sie sind Trendsetter, Vorbilder und Markenbotschafter, die in den Medien und der Wirtschaft für eigene, sportunabhängige Ziele instrumentalisiert werden. Durch die dadurch entstandene Omnipräsenz des Sports hat sich das Sportverständnis in der Bevölkerung geändert, denn „aus der einstigen Nebensache ist ein Lebensinhalt geworden“ (ebd.: 92).

Zudem haben sich durch neue technische Möglichkeiten des Internets weitere mediale Verbreitungswege des Sports herauskristallisiert, die Inhabern von Übertragungsrechten Kopfzerbrechen bereiten. Bei den Olympischen Spielen in Sydney erhielten Onlinejournalisten daher, aus Angst der Fernseh- und Printjournalisten vor Substitutionseffekten, keine Akkreditierungen für die Wettkämpfe (vgl. Mediencity 2001). Vor allem das Fernsehen steht in einer engen Beziehung zum Sport. Große Sportevents sind Publikumsmagneten, bei denen geringe Produktionskosten anfallen und die Sender hohe Einschaltquoten generieren können (vgl. Montage-Tv 2008: 176). Diese Wechselwirkung macht eine Sportübertragung aus wirtschaftlicher Sicht zu einer Goldgrube. Zahlen bestärken die Verantwortlichen in ihrem Streben nach Sportinhalten, denn mehr als 35 Prozent aller Deutschen interessieren sich sehr für Sport im TV (vgl. Statista 2015b). Der Funktionsauftrag in der Sportberichterstattung hat sich von einem informativen Charakter zu einem unterhaltenden entwickelt. Görner spricht von einer „Entertainisierung der Sportberichterstattung“ und der „Substitution des Informators durch den Infotainer“ (1995: 264ff.). Durch dramaturgisch inszenierte Präsentationsformen werden die Rezipienten heute emotional angesprochen und so an den Show-Sport gebunden.

Sport ist mittlerweile mehr als ein Kampf zweier Athleten oder Teams um den Sieg. Es ist ein Element innerhalb eines Sport-Medien-Komplexes, das seine Merkmale an die Medien adaptieren muss, um von ihnen Beachtung zu erhalten, denn nur Mediensportarten können sich hoher Aufmerksamkeit im Print-, Online- und Rundfunkbereich sicher sein. Eine Sportart, die 2016 nicht mehr zu den Mediensportarten hierzulande zählt ist de facto Tennis. Im folgenden Kapitel wird der Negativtrend im Tennissport, sowohl in Bezug auf die Mitgliederentwicklung, als auch auf seine Fernsehpräsenz in Deutschland, beschrieben.

2.3 Tennis in Deutschland

„ Die deutsche Nummer eins, Philipp Kohlschreiber, ist so aufregend wie sein Nachname “ (Welt a.a.O.).

In seiner Anfangszeit zählte Tennis zu den elitären Sportarten, die von der wohlhabenderen Bevölkerungsschicht ausgeübt wurden. Seit dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Mitgliederzahlen kontinuierlich an und Tennis entwickelte sich bereits vor den Erfolgen von Boris Becker und Steffi Graf zum Volkssport in Deutschland. 1978 wurden in Deutschland erstmals über eine Million Tennisspieler registriert. Parallel zu den Mitgliederzahlen etablierten sich immer mehr Tennisvereine, deren Anzahl zwischen 1982 und 1990 um knapp 30 Prozent anstieg (vgl. DTB 2015a). Angetrieben von den Erfolgen des Dreiergespanns um Becker, Stich und Graf, wurde Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre in Deutschland ein regelrechter Tennisboom entfacht. Zwölf Millionen Menschen saßen vor den Bildschirmen, als Boris Becker 1985 seinen Matchball in Wimbledon zum Sieg verwandelte und als jüngster Sieger in die Geschichtsbücher einging (vgl. FAZ 2010).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung der Mitgliederzahlen im Deutschen Tennisbund Eigene Darstellung nach (DTB 2015b)

Junge Tennisfans strömten auf die Tennisplätze und ließen die Anzahl der Vereine und die Mitgliederzahlen weiter in die Höhe schießen. Als zu Beginn der 90er Jahre mit Becker und Graf fast jährlich ein deutscher Athlet im Finale von Wimbledon vertreten war, erreichten die Mitgliederzahlen in deutschen Tennisvereinen mit 2.299.553 ihren Maximalwert (vgl. DTB 2015b.). Die Einschaltquoten lagen zu dieser Zeit nicht selten bei über zehn Millionen Zuschauern (vgl. Quotenmeter a.a.O.). Eine Zahl, von der die Fernsehveranstalter heute nur träumen können. So schnell wie die Zahl der Tennisspieler und -vereine anstieg, so rasch sank sie nach dem Karriereende der deutschen Topspieler 1999. Seitdem existieren, aufgrund der negativen Entwicklung der Mitgliederzahlen - seit 1994 fielen diese um 60 Prozent und waren 2015 so niedrig wie seit 1981 nicht mehr (vgl. DTB 2015b) -, ca. 1000 Tennisvereine weniger in Deutschland.

Als Sabine Lisicki 2013 in ihrem ersten Wimbledonfinale stand, sahen ihr dabei 560.000 Tennisfans vor den Bildschirmen in Deutschland zu - über zehn Millionen weniger als damals bei Boris Becker (vgl. Quotenmeter 2013). Seit mehr als 15 Jahren ist „Tennis-Deutschland“ auf der Suche nach einem Superstar, der in die Fußstapfen von Becker und Graf tritt. Das Ausbleiben von Erfolgen deutscher Spieler hat sich auch auf die Tennisübertragungen im Fernsehen ausgewirkt. 2015 gab es mit Eurosport nur einen Sender, der kontinuierlich Tennis im Free-TV übertrug. Auch wenn Eurosport immer noch der Tennissender schlechthin in Deutschland ist, haben auch hier die Tennisübertragungen in den letzten Jahren tendenziell abgenommen. 2015 strahlte der Sender 247 Stunden weniger Uve- Tennis aus, als vier Jahre zuvor und beschränkte sich bei der Übertragung fast ausschließlich auf die WTA-Tour1 (vgl. Anhang 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch das Zuschauerinteresse der Deutschen am Tennissport hat deutlich abgenommen. Dieses schwindende Interesse wird mit dem Rückgang der Besucherzahlen bei deutschen Herren-Turnieren deutlich (vgl. Abb. 2). Hier lässt sich bei allen Turnieren eine negative Entwicklung feststellen. Lediglich das Turnier in Halle konnte in den letzten Jahren einen Anstieg seiner Besucherzahlen verzeichnen. Dies ist vermutlich mit der Verpflichtung Roger Federers2 zu lebenslanger Turnierteilnahme zu erklären. Auch bei den Damen-Turnieren in Deutschland zeichnet sich in den letzten Jahren ein Abwärtstrend ab. Nachdem 2004 die Turniere in Leipzig und 2009 das in Berlin wegfielen, bleiben den deutschen Damen nur noch die Heimturniere in Stuttgart und Nürnberg (vgl. WTA Calendar 2016). International zeichnet sich im Tennis hingegen ein anderes Bild ab. Turniere melden fast jährlich Zuschauerrekorde, Wettkampfstätten werden ausgebaut und das Preisgeld wird kontinuierlich auf der WTA- und ATP-Tour3 erhöht (vgl. Statista 2015c). Auch die Tennis-TV- Übertragungen in anderen Ländern nehmen zu. Die Zahl der Tennisfans, die 2015 weltweit die ATP-Tour im Fernsehen verfolgten, ist um zehn Prozent, auf eine Milliarde gestiegen. Bei den Besucherzahlen von ATP-Turnieren konnte mit 4,5 Millionen Zuschauern ebenfalls ein neuer Rekord verzeichnet werden. Tennis genießt international große Beliebtheit, sodass der Tour-Kalender 2016 um vier weitere Turniere erweitert wird (vgl. Anhang 3).

In Deutschland ist das Gegenteil eingetreten (vgl. Abb. 3). Die öffentlich-rechtlichen Sender reagierten auf das sinkende Interesse am Tennissport hierzulande und so haben sie sich mittlerweile fast komplett vom Tennissport verabschiedet. Am Beispiel der ARD wird das schwindende Interesse am Tennissport am deutlichsten. In den Jahren von 2000-2004 übertrug der Sender zusammen mit seinen Landesrundfunkanstalten insgesamt ca. 650 Stunden Live-Tennis, wohingegen seit 2005 lediglich zwei Tennisspiele übertragen wurden (vgl. CD/Anhang 17). „Es kam zu wenig vom Sport zurück“ (Antic 2007), erklärte der ehemalige ARD-Tenniskommentator Volker Kottkampf. Lediglich dann, wenn es ein deutscher Spieler in die Vorschlussrunde eines Grand Slam-Turniers4 schafft, versucht die ARD gelegentlich, sich die Übertragungsrechte zu sichern. So wie 2007, als 630.000 Tennisfans das Halbfinale von Tommy Haas bei den Australian Open im Ersten verfolgen konnten (vgl. ebd.: 2007). Neben den Übertragungen schwinden auch die Berichterstattungen über den Tennissport. Seit 2005 fielen gerade einmal sieben Minuten und zwanzig Sekunden in der ARD-Sportschau auf die Tennisberichterstattung (vgl. CD/Anhang 17). Das ZDF überträgt im Vergleich zur ARD jährlich ausgewählte Tennismatches sowie das Finale der Gerry Weber Open in Halle. Dennoch ist auch beim ZDF in den letzten 15 Jahren ein Rückgang um 96 Prozent bei Tennisübertragungen zu konstatieren. Im Vergleich zum Jahr 2000, in dem der öffentlich-rechtliche Sender noch ca. 100 Stunden Tennis übertrug, strahlte er 2015 nur 3,6 Stunden aus (vgl. Anhang 2). Der Abwärtstrend bei Tennisübertragungen wird auch bei Sporti, dem einstigen Hauptkonkurrenten von Eurosport deutlich. 2015 übertrug der Sportsender mit 10,5 Stunden ca. 92 Prozent weniger Tennis als noch 2011 (vgl. CD/Anhang 15, 16). Ein umfassendes Tennisangebot bot 2015 nur noch Eurosport. Der Sender erreicht jährlich über 16 Millionen Tennisfans aus Deutschland (vgl. Welt a.a.O). Blickt man jedoch auf die Entwicklung der letzten Jahre, ist es fraglich, wie lange der Sport auf dem Spartensender noch präsent sein wird. Tennis in Deutschland befindet sich in einem Teufelskreis. Sponsoren und Werbekunden ziehen sich zurück (vgl. Focus 2015). Es fehlt an Geld, um Turniere in Deutschland zu etablieren und Topspieler anzulocken. Gleichzeitig mangelt es an Typen und Identifikationsfiguren.

„Charismatiker wie Rasta-Mann Dustin Brown sind zu schwach. Die deutsche Nummer eins, Philipp Kohlschreiber, ist so aufregend wie sein Nachname. Und Ausnahmetalent Alexander Zverev wird von seinem Management so konsequent versteckt, dass sein Profil der Sohle eines Hallentennisschuhs gleicht“ (Welt a.a.O.).

Eine Sportart, die keine Aufmerksamkeit in den Massenmedien findet, sucht den Weg ins Internet. Der DTB erkannte dieses Phänomen 2013, als er seine Partnerschaft mit ProSiebenSat.1 bekannt gab. Diese Zusammenarbeit beinhaltet Verwertungsrechte für nationale und internationale Tennisevents, die auf der Online-Plattform ran.de per Livestream - also per Übertragung in Echtzeit über das Internet - veröffentlicht werden (vgl. DWDL 2013). Dazu zählen Turniere der WTA-Tour, sowie die Fed- und Davis Cup-Matches5 mit deutscher Beteiligung. 2015 wurden auf der Sport-Website über 400 Stunden Uve- Tennis gezeigt (vgl. RAN 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Tennisübertragungen der einzelnen Sender nach Stunden Eigene Darstellung nach (Anhang 1,2, 15, 16)

Damit ist ran.de hinter Eurosport der mediale Kanal mit den meisten Tennisübertragungen in Deutschland und neben tennis.de eine von zwei Plattformen im Jahr 2016, die einen kostenlosen Tennis-Livestream in Deutschland anbieten. Auch Sport1 und Eurosport bieten online mittlerweile gegen eine Gebühr von ca. fünf Euro Echtzeit-Übertragungen für ausgewählte Matches an.6 Betrachtet man die mediale Entwicklung des Tennissports, wird deutlich, dass dieser 2016 kein Fernsehsport mehr ist. Aber liegt die Schuld alleine bei den Medien oder muss sich auch der Tennissport eigene Fehler eingestehen? Denn eine Sportart muss sich durch Modifikationen ihrer Handlungsroutinen an die Erfordernisse der Medien anpassen, sie muss medialisiert werden. Was dies für eine Sportart bedeutet und ob sich der Tennissport gewandelt hat, wird im folgenden Kapitel erläutert.

Zusammenfassung I

Der Sport und die Medien stehen in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Die Medien erreichen ihrerseits durch die Übertragung von Sportereignissen hohe Einschaltquoten, der Sport steigert seinerseits durch die Medienpräsenz seinen Bekanntheitsgrad. Durch die Schaffung des dualen Rundfunksystems steht ein geringes Sportprogramm einer Vielzahl von Sendern gegenüber. Die Lizenzgebühren für die Übertragungsrechte sind aus diesem Grund drastisch gestiegen, sodass sich nicht jeder Sender heute die Übertragung von Sportereignissen leisten kann und vornehmlich beliebte Sportarten in den Massenmedien gezeigt werden, die hohe Einschaltquoten generieren. Eine Sportart, die sich seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland mit diesem Problem konfrontiert sieht, ist der Tennissport. Die Mitgliederzahlen sinken kontinuierlich, ebenso die Anzahl der Vereine und die Besucherzahlen bei deutschen Turnieren. Der Sport, der früher in den öffentlich-rechtlichen Sendern und auf Sat.1 und RTL übertragen wurde, wird heute fast ausschließlich auf Eurosport ausgestrahlt. Ob der DTB Maßnahmen ergreift, die den Sport in Deutschland zurück ins Fernsehen bringen und ob auch in Zukunft nicht mit einer steigenden Tennispräsenz im TV zu rechnen ist, wird im Empirieteil der Arbeit beantwortet.

3. Medialisierung im Sport

3.1 Die Theorie der Medialisierung

Der Begriff der Medialisierung kommt wider Erwarten nicht aus dem Gebiet der Kommunikationswissenschaft, sondern aus dem Staatsrecht und beschreibt „die Trennung zweier Herrschaftsebenen durch eine Dritte“ (Gollwitzer 1964: 34).

Einzug in die Kommunikationswissenschaft erhielt der Terminus erst im Zuge der Diskussionen um die Medienlogiken in Amerika, als Medialisierung als ein Prozess von Akteuren beschrieben wurde, die bereit waren, sich für mehr Medienpräsenz an die Medienlogik anzupassen (vgl. Altheide/Snow 1979: 195). Seitdem lassen sich die Definitionsansätze von Medialisierung in zwei Stränge einteilen - ein sozialkonstruktivistisches und ein institutionelles Verständnis.

Im sozialkonstruktivistischen Sinne fragt Medialisierung nach dem Wandel einer Kultur und nach der Veränderung menschlichen Verhaltens durch die Entwicklung der Medien (vgl. Krotz 2007: 12). Dieser Ansatz versteht Medien als technische Institutionen, mit deren Hilfe Menschen kommunizieren und bezieht zudem alle Formen der Kommunikation mit ein (vgl. ebd.: 37). Somit ist Medialisierung im sozialkonstruktivistischen Sinne ein langwieriger Prozess, der seit Anbeginn der Geschichte existiert und durch den Wandel des Mediensystems immer wieder neu beeinflusst wurde. Der institutionelle Ansatz, der in dieser Arbeit im Vordergrund steht, stützt sich auf eine Sichtweise, die das Mediensystem als ein Konstrukt mit eigenen, spezifischen Regeln ansieht, das in einer Wechselbeziehung mit anderen Teilsystemen steht (vgl. Reinemann 2010: 280). Dieser Ansatz bezeichnet Medialisierung als Adaption der verschiedenen Teilsysteme an die Gesetzmäßigkeiten des Mediensystems, das durch seinen Bedeutungszuwachs eine Vormachtstellung gegenüber anderen Teilsystemen wie der Politik oder dem Sport besitzt. Diese passen sich an die Funktionslogik der Medien an und ändern ihre Handlungsroutinen (vgl. ebd.: 280). Das institutionelle Verständnis von Medialisierung ist eng mit dem Begriff der Medienlogik verbunden, der im folgenden Kapitel thematisiert wird.

3.2 Medienlogik der Massenmedien

Der Begriff der Medienlogik kann als Teilkonzept des Medialisierungsansatzes verstanden werden und ist zentraler Bestandteil dieser Arbeit. Um zu untersuchen, ob sich die Tennisberichterstattung und -übertragung vom Fernsehen ins Internet verlagert, muss zunächst einmal die Logik beider Medien verstanden werden. Der Begriff der Medienlogik wurde bereits 1979 von den US-amerikanischen Soziologen David Altheide und Robert Snow eingeführt. Sie definieren Media logic als Form der Kommunikation, durch die Medien Inhalte übermitteln und präsentieren (vgl. Altheide/Snow a.a.O: 196).

Da sich Altheide und Snow sowie andere Autoren (vgl. Imhof 2006: 200) auf das Medium Fernsehen konzentrieren, sehen sie Medienlogik als eine kommerzielle Logik, bei der hohe Einschaltquoten und Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen (vgl. ebd.: 18). Sie orientiert sich also bei der Produktion und Präsentation ihrer Inhalte an unternehmerischen Interessen und dem Geschmack des Publikums. Grund für den Trend zur Kommerzialisierung ist die „fehlende Exklusivität der Medien, die eine Beziehung mit Akteuren aus der Wirtschaft erst ermöglicht“ (Meyen 2009: 34). Die kommerzielle Logik und das Ziel, ein hohes Publikumsinteresse zu generieren, gehen mit einer Unterhaltungslogik einher. TV-Konsumenten streben nach Ablenkung und möchten durch das Fernsehen unterhalten werden. Bereits 2007 gaben 91 Prozent der Befragten Unterhaltung als Hauptnutzungsmotiv des Fernsehens an (vgl. Statista 2007d). Folglich berücksichtigen Medien bei der Auswahl von Nachrichten deren Unterhaltungspotenzial für die Rezipienten. Für Teilsysteme wie Sport, Politik oder die Wissenschaft zieht die Entwicklung der Medienlogik eine Modifikation ihrer Kommunikationsstrategie nach sich. Je höher diese an die Gesetzmäßigkeiten der Medien adaptiert ist, desto höher ist ihre Chance auf Aufmerksamkeit in den Medien (vgl. bpb 2012). Die kommerzielle Logik des Fernsehens ist eng verbunden mit der Nachrichtenwerttheorie und überschneidet sich mit den Logiken der Selektion und Präsentation. Die Selektionsregeln der Journalisten orientieren sich an Nachrichtenwerten und das Vorhandensein von Faktoren wie Konflikt, Skandal, Personalisierung, Prominenz, Dauer oder Nähe begünstigen die Aufnahme eines Ereignisses in die Berichterstattung (vgl. Meyen a.a.O.: 34). Die Nachrichtenwertfaktoren können von den Teilsystemen selbst geschaffen werden. Durch überspitzt formulierte Aussagen oder provokative Gestiken versuchen besonders Sportler oder Politiker zu polarisieren und eine öffentliche Debatte anzustoßen, die ihre Bekanntheit erhöht (vgl. FAZ 2009). Teilsysteme und ihre Akteure haben die Möglichkeit, sich diesen Medienlogiken anzupassen, indem sie sich an den Regeln des Mediensystems orientieren und ihre Handlungsschemata modifizieren.

Nachdem die Begriffe der Medialisierung und Medienlogik genauer betrachtet wurden, kann Medialisierung folglich als Durchsetzung der Medienlogik in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen beschrieben werden. Im Folgenden soll nun auf das Teilsystem Sport genauer eingegangen werden.

3.3. Telegenisierung - der Weg des Sports ins Fernsehen

Sport und Fernsehen - eigentlich eine perfekte Beziehung. Eine Beziehung, in der sich der Sport dennoch in den letzten Jahren immer stärker unterordnen muss. Die Handlungslogik der Massenmedien hat sich in Richtung Kommerz verschoben (vgl. Meyen 2014: 381). Da hohe Einschaltquoten den Medien höhere Werbeeinnahmen garantieren, bedienen sie sich eigener Regeln und manipulieren den Sport. „Sie schaffen Duelle, bevorzugen Stars und Skandale, personalisieren, vereinfachen und spitzen zu“ (Strömbäck/Esser 2009: 213). Der Sport lässt dies über sich ergehen, denn nur so ist ihm mediale Aufmerksamkeit sicher, die er nicht nur benötigt, um höheres Zuschauerinteresse zu generieren und die Einnahmen zu steigern, sondern auch, um Sponsoren anzulocken.

Sport in den Medien muss die Menschen heute vor dem Fernseher unterhalten, denn „für die Medien ist jener Sport attraktiv, bei dem an den Wettkampfstätten gute Stimmung herrscht“ (Schwier/Schauerte 2006: 12). Das Ambiente rund um das Turnier kann von den Veranstaltern gesteuert und beeinflusst werden. Sie kreieren ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm und setzen dabei auf öffentliche Autogrammstunden, Gewinnspiele oder Live-Musik. Heutzutage ist Sport oft eine Großveranstaltung, er ist eventisiert und gleicht einer riesigen Unterhaltungsshow (vgl. ebd.). Folglich hat sich auch das Rollenbild der Sportjournalisten verändert. Eine Studie unter diesen hat ergeben, dass sie ihre Unterhaltungsfunktion mittlerweile als wichtiger als ihre Kritik- und Kontrollfunktion erachten (vgl. Marr et al. 2000: 137). Die im vorherigen Kapitel angesprochene Nähe, die ein hohes Medieninteresse generiert, wird beim Sport durch erfolgreiche, nationale Sportler hergestellt. Sport kommt dann in die heimischen Medien, wenn eigene Athleten zu den Besten gehören und auf diese Weise ihr Land repräsentieren (vgl. Horky 2009: 302ff), denn nur so beginnen Zuschauer eine Verbindung mit den Stars aufzubauen.

Demzufolge ist festzuhalten, dass Sport in den Massenmedien heutzutage weit mehr als ein Wettkampf ist, bei dem es um Sieg und Niederlage geht. Er gleicht vielmehr einem Spektakel oder Theater, bei dem die Athleten vor einem Millionenpublikum auf einer Bühne ihr Stück aufführen und sich in Szene setzen. Die Inszenierung des Sports folgt einer Logik, die das permanente Spannungspotenzial eines Wettkampfes aufgreift und durch mediengerechte Neuerungen großes Publikumsinteresse erzielen will. Spannung stellt die Basis der intensiven Kopplung von Sport und Medien dar, denn durch sie erreichen die Medien ihr intendiertes Ziel - hohe Einschaltquoten (vgl. Knoblock et al. 2009: 761). Mediensport kann somit als eine Spannungssteigerung des Sports bezeichnet werden. Dabei gilt der Grundsatz von einem „Maximum an Aktion in minimaler Zeitspanne“ (Whannel 1992: 112). Um beim Golf beispielsweise die Pausen zwischen den Löchern zu verringern und die Spannung aufrecht zu erhalten, wurde das Grün des einen und der Abschlag des nächsten Loches näher aneinander gebaut. Beim Parallel-Slalom im Skisport schufen die Verantwortlichen Duelle, bei denen die Kontrahenten im K.-o.-System gegeneinander antreten. Beim Super-G hängt die Startreihenfolge nun von der Weltcup-Position ab und die Führenden starten am Ende, um die Spannung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Die Chance, dass Sport im Fernsehen präsent ist, hängt unter anderem von seinen Athleten ab. Das Publikum und die Medien fordern Typen, die sich verkaufen können und Identifikationspotenzial bieten (vgl. Lenk 1972: 155). Provokationen, Jubelchoreografien oder Rituale vor einem Wettkampf sind Mittel der Selbst-inszenierung, die von den Medien gerne aufgegriffen werden und „dem jeweiligen Sportler Aufmerksamkeit und Personality verschaffen“ (ebd.: 155).

Durch die Einflussnahme auf Rahmenbedingungen der Sportart können Medien diese verändern, sie telegener machen und so auch weniger populären Sportarten zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Dementsprechend müssen Anfangs- und Endzeiten mediengerecht gestaltet sein (vgl. Hackforth 1988: 17). Damit Sendepläne nicht geändert werden müssen, ist eine Planbarkeit der Sportereignisse notwendig. Diese sollen sich zuspitzen und am Ende eine Entscheidung über Sieg und Niederlage liefern. Die Verantwortlichen führten deshalb beim Volleyball eine neue Zählweise ein.

Auch die Sportstätten müssen heute telegenisiert sein und den Anforderungen der Massenmedien entsprechen, denn diese benötigen eine Vielzahl von Kamerapositionen und Außenmikrofonen, um die Gefühlslage der Sportler und das Spielgeschehen besser wiederzugeben. Zu ihrem Bedarf gehören ebenso Raum für eigene Studios, wie Platz für Werbung von Sponsoren und mit W-LAN ausgestattete Tribünen, die Sportjournalisten Liveberichterstattung via Internet ermöglichen (vgl. Horky a.a.O.: 302).

Eine Sportart gelangt zudem durch eigene Vertreter ins Fernsehen, die von den Medien instrumentalisiert und für medieneigene Zwecke verwendet werden. Viele Athleten sind heute mehr als Wettstreiter, die um den Sieg kämpfen. Sie schlüpfen als Markenbotschafter in neue Rollen und werben als Testimonials für ein Produkt (vgl. Welt 2012). Sie sind als Gesicht einer Marke beliebt, denn sie stehen für Erfolg und Leistung. Unternehmen müssen nicht durch langwieriges Marketing ein Image aufbauen, sondern borgen sich jenes einer Sportorganisation oder Person, die das Produkt repräsentiert.

Nicht jede Sportart hat die Mittel, durch Eigeninszenierung Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Und nicht jede Sportart wird von den Medien aufgrund der Angebotsvielfalt gleichermaßen berücksichtigt. Die hohen Kosten für Übertragungsrechte bringen knappe Sendezeiten mit sich.7 Programmveranstalter überlegen sich genau, welcher Sport hohe Einschaltquoten generieren könnte. Demzufolge sind Randsportarten die Leidtragenden. Sie sind wenn überhaupt nur auf Spartensendern präsent und werden von den Massenmedien nur am Rande wahrgenommen. Folglich suchen viele von ihnen den Weg ins Internet.

3.4 Medienlogik der Sportplattformen

Online-Sportplattformen sind nicht nur unter Berücksichtigung der Forschungsfrage ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit. Auch die favorisierte Nutzung des Internets als Sportinformationsmedium - vor allem bei den jüngeren Generationen - verlangt nach einer genaueren Betrachtung seiner Medienlogik (vgl. Abb. 4). Die Gesetzmäßigkeiten und Funktionsroutinen des Internets lassen auf eine neue Medienlogik deuten, die sich in vielen Punkten von jener der traditionellen Medien unterscheidet. Rückblickend auf die Forschungsfrage wird in diesem Kapitel die Logik des Internets am Beispiel der Sportplattformen beschrieben. Sport wird online entweder auf reinen Sportplattformen (kicker.de), in Sportrubriken von Tageszeitungen (sz.de/sport) oder in den Sportressorts von Service-Providern (sport/t- online.de) publiziert. Da sich die Eigenschaften des Internets von denen des Fernsehens unterscheiden, ist auch seine Logik eine andere. Ähnlich wie im Fernsehen ist sie allerdings auch im Internet kommerzieller Art, wobei Klickzahlen die Währung darstellen. Sportplattformen generieren eine hohe Reichweite, wenn die Gestaltung und der Aufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Mediennutzung bei Sportinformationen Quelle: Eigene Darstellung nach (Edelman 2012)

ihrer Seite nutzerorientiert sind und sie sich alle Charakteristika des Internets zunutze machen (vgl. Dimitriou 2006: 93). Die Medienlogik des Internets kommt in seiner Darstellung und Organisation zum Ausdruck, denn die Aufbereitung der Online-Sportberichterstattung und -übertragung zeichnet sich durch ein überdurchschnittliches Angebot multimedialer Inhalte aus (vgl. ebd.: 96). Bilder und Animationen sind ebenso fester Bestandteil wie Live- Kameras oder Videos und tragen „maßgeblich zu einer dynamischen Präsentation des Sportgeschehens bei“ (ebd.: 95). Sportplattformen setzen auf das Wachstumsfeld Bewegtbild und leben von ihren kurzen Videobeiträgen. Dass diese sich steigender Beliebtheit erfreuen und zu einer höheren Onlinepräsenz der Plattform beitragen, belegt der Jahresbericht des Senders Sport1, bei dem „die Zahl der Video-Abrufe aller SPORT1- Plattformen [...] 2014 um fast 18 Prozent auf durchschnittlich rund 5,9 Mio. Abrufe pro Monat zu[legte]“ (Constantin Medien 2014: 6). Ob die Video-Abrufe auch in der Tennisrubrik von sport1.de gestiegen sind, wird durch die Experteninterviews im Empirieteil beantwortet.

Ebenso wie das Fernsehen, ist auch das Internet sehr eng mit der Unterhaltungslogik verbunden. 46 Prozent der Online-User wollen unterhalten werden (vgl. Beinecke 1997: 95), wobei die Unterhaltungslogik von Sportplattformen online auf den Parametern der Interaktivität und Reaktivität beruht (vgl. Dimitriou a.a.O.: 92). Im Gegensatz zu traditioneller Sportberichterstattung, in der Rezipienten passiv agieren, kann das Onlinepublikum aktiv partizipieren. Durch Chats, Diskussionsforen oder Kommentarfunktionen haben Sportfans die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Zudem werden sie durch Umfragen, Wetten oder Gewinnspiele integriert. Diese Angebote steigern die Unterhaltungsmöglichkeiten und verdeutlichen die Dienstleistungsangebote der Sportseiten.

Der Einfluss von Nachrichtenwerten auf die Online-Sportberichterstattung ist bis 2016 noch nicht untersucht worden. Der Zusammenhang, der im Folgenden zwischen der Logik von Sportplattformen und der Nachrichtenwerttheorie gezogen wird, beruht auf Analysen des Autors, die sich vom Aufbau und der Gestaltung von Sportseiten im Internet und themenbezogener Studien ableiten (vgl. ebd.: 92ff). Die Möglichkeiten zur Interaktivität und Reaktion erfüllen den Faktor der Nähe, indem der Nutzer unmittelbar auf Inhalte reagieren und diese bewerten kann. Ein hoher Stellenwert des Nachrichtenwerts Elite zeichnet sich online ebenfalls ab, denn Beiträge über populäre Sportarten stehen im Vordergrund. Dies spiegelt die Platzierung der einzelnen Sportarten auf Sportwebsites wider. Sport1.de, kicker.de und eurosport.de gehören zu den beliebtesten Sportplattformen in Deutschland (vgl. Meedia 2012). Sie alle eröffnen ihre Seite mit der Rubrik Fuß ball, gefolgt von Formel 1. (Stand: Dezember 2015) Die Sportpräferenz im Netz korrespondiert mit der Sportpräferenz der traditionellen Medien, sodass Fußball und Formel1 auch auf Sportplattformen im Internet überrepräsentiert sind (vgl. Dimitriou a.a.O.: 97). Weiterhin ist auffällig, dass negative, skandalisierende Beiträge oft weiter oben platziert werden als neutrale Artikel, die lediglich ein Spielgeschehen analysieren (vgl. Sommer et al. 2012: 282). Dies hängt mit deren Wirkung zusammen, da sie meist einen Konflikt thematisieren. Laut einer Studie zur Online- Sportberichterstattung hat der Nachrichtenwert Konflikt Einfluss auf die Anschlusskommunikation, indem er sich positiv auf die Anzahl der Kommentare und Reaktionen der Online-User auswirkt (vgl. ebd.).

Es ist also ein Zusammenhang zwischen der Logik von Sportplattformen und der Nachrichtenwerttheorie erkennbar, auch wenn dieser bis jetzt in keiner Studie belegt wurde. Mit der Etablierung des Internets als Übermittler von Sportgeschehen hat sich eine Logik entwickelt, die sich der Regeln der traditionellen Medien bedient und sie mit eigenen internetspezifischen Charakteristika ergänzt.

Zusammenfassung II

Medialisierungsansätze sind fester Bestandteil der Kommunikationswissenschaft und erklären Veränderungen in verschiedenen Teilsystemen dadurch, dass diese sich zunehmend an den Produktionsroutinen und Regeln der Medien orientieren. Die Adaption an diese dient dabei der Aufmerksamkeitssteigerung der einzelnen Teilsysteme. Ein zentraler Punkt in Medialisierungsansätzen ist die Medienlogik. Hierbei handelt es sich um ein Konzept, dem verschiedenste Gesetzmäßigkeiten zu Grunde liegen. Die Amerikaner Altheide und Snow setzen sie mit einer kommerziellen Logik gleich, die hohe Einschaltquoten und Profitmaximierung zum Ziel hat. Bezogen auf den Sport hatte die Änderung der Medienlogik eine Veränderung des Verhaltens der Sportler sowie Modifikationen der Wettkampf- und Infrastruktur zur Folge. Als zentrale Ergebnisse lassen sich etwa die Personalisierung der Sportler, die Vermehrung von Events und der Trend zu Großveranstaltungen beobachten. Auch die Zählweise und der Ablauf eines Wettkampfes wurden im Zeitverlauf immer stärker von TV-optimierten Modi geprägt, welche für das Fernsehen durch Spannungssteigerung und Dramatik attraktiv sind. Mit der Etablierung des Internets hat sich gleichzeitig eine neue Medienlogik entwickelt, die die traditionelle Logik der Massenmedien mit internetspezifischen Charakteristika ergänzt.

4. Medialisierung im Tennis

Auch im Tennis haben sich in den letzten Jahren verschiedene Medialisierungstendenzen abgezeichnet, die der Popularitätssteigerung der Athleten und der Sportart dienen. Veränderungen, die sich zunehmend an der Handlungslogik der Massenmedien orientieren, werden in diesem Kapitel herausgearbeitet.

4.1 Inszenierung der Tennisspieler

Wie in Kapitel 3.3 begründet, erhalten Sportarten durch Selbst- oder Fremdinszenierung zunehmend Aufmerksamkeit. Der Fokus der Spieler hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Stand einst der sportliche Erfolg im Vordergrund, geht es heute auch und womöglich insbesondere um die Vermarktung der eigenen Person. Sportmarketingagenturen wie IMG übernehmen heute das Management vieler Topstars im Tennis und inszenieren die Spieler abseits des Platzes (vgl. IMG 2015). Athletenvermarktungen, die vor allem bei den Herren geläufig sind und unternehmerische Tätigkeiten wie das Bewerben von Modelabels (Rafael Nadal - Calvin Klein, Tommy Hilfiger) oder Automobilherstellern (Novak Djokovic - Peugeot), sind heute Standard im Tennisbusiness. Bei den Frauen hingegen steht eher die Selbstvermarktung im Vordergrund, sei es durch den Aufbau einer eigenen Marke8, oder durch die meist optische Inszenierung auf dem Tennisplatz durch moderne Outfits. So waren bei den US Open 2014 nicht die Siege der Amerikanerin Serena Williams Medienthema Nummer eins, sondern ihr auffallendes, kurzes Kleid im Leoparden-Look (vgl. New York Times 2015). Das Verhalten auf dem Platz, die gewählten Outfits aber auch die Kommunikation außerhalb des Tennissports müssen mittlerweile medientauglich sein. Die Stars sind sich der geltenden Medienlogiken bewusst und haben ihre Taktiken der Selbstinszenierung dementsprechend geändert. In den letzten Jahren scheint es, als wollen die Spieler durch die Auswahl ihres Trainers an Popularität gewinnen und mediale Aufmerksamkeit erlangen. Selbstverständlich kann die Auswahl prominenter Coaches nicht sicher mit der Orientierung an der Medienlogik begründet werden. Dennoch ist sie ein Indiz dafür. Andy Murray wurde von Ivan Lendl, Maria Sharapova von Jimmy Connors betreut. Die Schweizerin Belinda Bencic arbeitet eng mit Martina Hingis zusammen, Roger Federer wird von Stefan Edberg trainiert. Novak Djokovic hat Anfang 2014 die Zusammenarbeit mit Boris Becker bekannt gegeben. (Stand: Dezember 2015) Alle aufgezählten Trainer waren selbst einmal erfolgreiche Tennisspieler. Eine Beziehung, von der - so scheint es - beide Seiten profitieren.

4.2 Personalisierung

Die Arbeit hat bereits deutlich gemacht, dass Medien personalisieren, um Sportler zugänglicher für die Außenwelt zu machen und um Nähe zwischen ihnen und dem Rezipienten zu suggerieren. Ein Merkmal, dass zur Personalisierung der Spieler beiträgt, sind Eingravuren der Namen auf den Schuhen. Hier ist eine deutliche Parallele zum Fußball erkennbar, wo die Spieler seit 1992 in beschrifteten Trikots spielen (vgl. Kap. 5). 2008 wurde zudem auf der Damen-Tour erstmals das sogenannte On-Court-Coaching getestet, bei dem die Spielerin einmal pro Satz ihren Trainer auf den Platz rufen und seine Hilfe in Anspruch nehmen darf. Dieser muss sich vorab verkabeln und mit einem Mikrofon ausstatten lassen, damit die Zuschauer vor den Bildschirmen in Echtzeit mithören können, was sich Coach und Schützling zu sagen haben. Wie reagiert die Spielerin auf den Verlust eines Satzes? Welche Vorwürfe macht sie sich selbst? Der Tennisfan hat dank der neuen Regelung die Möglichkeit, mehr Details über die Gefühlslage der Spielerin zu erfahren und ihr so ein Stück näher zu kommen.

Ein weiteres Verfahren, das sich momentan noch in der Testphase befindet, ist das OnCourt-Interview während eines Matches. Bisher war es üblich, dass der Sieger nach dem Match Fragen von einem Reporter live auf dem Platz beantwortet hat. Dass Spieler während einer Partie auf die Fragen von Journalisten reagieren, ist neu und fand bei den US Open 2015 in der Erstrundenpartie von Coco Vandeweghe erstmalig statt (vgl. ESPN 2015). Was in den USA im Basketball oder Football längst Usus ist, hatte es im Tennis zuvor noch nie gegeben. Die WTA ist von dem Konzept überzeugt und möchte das On-Court-Interview zukünftig häufiger einsetzen, da es das Medieninteresse steigert und Leute anlockt, die noch keine Tennisfans sind (vgl. Sydney Morning Herald 2014).

4.3 Anpassung der Organisation und Infrastruktur

Die Handlungslogik der Massenmedien lässt sich zudem in der Infrastruktur der Stadien wiedererkennen. Tennisturniere werden zu Spektakeln, zu mehrwöchigen Events und zeichnen sich durch ihr abwechslungsreiches Angebot abseits des Platzes aus, wo sie Fans ein originelles Unterhaltungsprogramm bieten. DJ’s unterhalten das Publikum während der Pausen und Live-Bands sorgen für Stimmung auf der Anlage. Die Spieler geben Autogrammstunden oder Besucher haben die Möglichkeit mit berühmten Persönlichkeiten Tennis zu spielen.9 Aus Wettkampfstätten werden kleine Dörfer, die mit Einkaufsmöglichkeiten, Wohlfühlbereichen oder Kids-Areas die Zuschauer anlocken. Mithilfe von einmaligen Unterhaltungsangeboten versuchen die Turnierorganisatoren so, maximales öffentliches Interesse und mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Auf den Turnieren selbst herrschen beste Arbeitsbedingungen für die Journalisten, die durch die Weltverbände garantiert werden (vgl. ATP Tennis 2014a). Moderne Dachkonstruktionen und der Ausbau der Ränge bieten genügend Platz für Fernsehkameras. Stadien und Anlagen wurden renoviert und mit Räumen für Medienschaffende erweitert (vgl. Australian Open 2016). Interview- und Pressekonferenzräume gehören ebenso zu strukturellen Veränderungen wie eigens für Journalisten geschaffene Bereiche auf der Tribüne, die mit Internet ausgestattet sind. Dies ermöglicht ihnen, Text-, Bild- oder Tonmaterial direkt vor Ort zu bearbeiten und an Nachrichtenagenturen weiterzuleiten. Trotz vieler Renovierungen bleibt jedoch auch die Originalität und Geschichte der Turniere erhalten. So wird der traditionelle Grasbelag in Wimbledon in die neuen architektonischen Veränderungen eingebaut.

4.4 Spannungssteigerung und Planbarkeit

Hohe Übertragungsrechte ziehen knappe Sendezeiten nach sich und Programmveranstalter müssen die Dauer einer Sportübertragung vorhersehen können (vgl. Kap. 3.3). Um die Planbarkeit von Tennismatches zu erhöhen, wurden in den letzten Jahren einige Regeländerungen auf der WTA- und ATP-Tour vorgenommen, die momentan vornehmlich in den Doppelkonkurrenzen zum Einsatz kommen. 2008 wurde der Match-Tiebreak eingeführt, der einen entscheidenden dritten Satz ersetzt und im Gegensatz zum normalen Tiebreak10 bis zehn gespielt wird. Gleichzeitig wurde die No-Ad-Regel eingeführt, die den möglichen Vorteil beim Stand von 40:40 abgeschafft hat. Stattdessen entscheidet der nächste Punkt (Deciding Point) über den Gewinn des Spiels. Diese Veränderungen im Regelwerk dienen nicht nur der Verkürzung des Spiels, sondern auch der Spannungssteigerung (Heinecke 2014: 147ff). Im Gegensatz zu einem entscheidenden Satz, bei dem Spieler anfängliche Fehler im Verlauf des Satzes ausgleichen können, wird die Entscheidung im Match-Tiebreak im Schnelldurchgang herbeigeführt.

„Maximum an Aktion in minimaler Zeitspanne“ (Whannel a.a.O.) - dieser Grundsatz wurde bereits angesprochen und dient der Spannungssteigerung. Um ihm auch im Tennissport nachzukommen, verkürzten die Tennisverbände die erlaubten Pausen zwischen den Ballwechseln von 30 auf 25 Sekunden. Die Regel lässt die Bedürfnisse der Spieler vollkommen außer Acht und orientiert sich einzig und allein an der Medienlogik. Dadurch wird nicht nur die Dauer eines Tennismatches planbarer, sondern es fördert gleichzeitig die Dynamik eines Spiels. Auch die Sportgeräte sollen zu einem spannenden Spiel beitragen und so wurden sie in den letzten Jahrzehnten vielfach verändert und den Medien angepasst. Das Tennisspiel an sich wurde im Laufe der Zeit aufgrund technischer Entwicklungen immer schneller. Weil die WTA und ATP durch stärkere Aufschläge kürzere Ballwechsel befürchteten, sahen sie den Unterhaltungswert des Sports gefährdet. „As serves continue to get faster, tennis is staring down a difficult problem - what to do when rallies become a rarity, and every other point is an ace?“ (CNN 2011) Infolgedessen wurden drei unterschiedliche Balltypen entwickelt, die sich in Größe und Balldruck unterscheiden und die Geschwindigkeit des Spiels reduzieren. Auf diese Weise möchten die Verantwortlichen der ATP und WTA sicherstellen, dass den Zuschauern, unabhängig von der Beschaffenheit des Platzes, abwechslungsreiche Ballwechsel geboten werden. So wird auf schnellen Belägen wie Gras oder Hardcourt mit langsameren Bällen gespielt als auf Sand (vgl. International Tennis Federation).

Eine weitere Veränderung stellt das 2006 eingeführte Hawk-Eye-System dar. Es dient als drittes Auge im Tennissport und ist eine technische Neuerung, die Überprüfungen strittiger Entscheidungen mittels Videosimulation ermöglicht. Dabei zeichnen vier hochauflösende Messkameras die Flugbahn und den Aufsprungspunkt des Balles auf und verarbeiten anschließend 24 Daten Gigabytes in einer Videosoftware. Alle Daten werden in einem zentralen System zusammengeführt und ergeben ein für alle Zuschauer sichtbares 3D-Bild (vgl. Tagesspiegel 2007). Das Hawk-Eye, das knappe Millimeterentscheidungen erst sichtbar macht, wurde nicht nur aufgrund sich häufender Fehler der Stuhlschiedsrichter im Tennis eingeführt, sondern auch, um die Spannung zu steigern und aus jeder knappen Entscheidung eine kurze Unterhaltungsshow zu machen.

Neben der Einführung des Match-Tiebreaks, der auch der besseren Planbarkeit dient, wurden viele große Tennisstadien renoviert und mit modernen Dächern versehen, die bei schlechtem Wetter manuell geschlossen werden können. Vor allem beim Turnier von Wimbledon, welches schon häufig aufgrund von schlechten Wetterverhältnissen Spiele verschieben musste, profitieren die Medien von dem schließbaren Dach. Sie müssen nicht mit wetterbedingten Verzögerungen rechnen und können die Spieldauer eines Matches besser abschätzen. Auch die Turniere in Halle und Hamburg verfügen mittlerweile über mobile, schließbare Dächer. Bei den US Open wird man 2016 erstmalig die Möglichkeit haben, ein Dach über drei Plätze hinaus zu schließen.

4.5 Medienerziehung und -training

Die WTA und ATP sind sich ihrer Aufgabe bewusst, Einfluss auf die mediale Wahrnehmung der Spieler zu nehmen. Durch eigene Seminare und Verpflichtungsverträge für die Athleten versuchen sie, die Popularität ihres Sports zu fördern und öffentliches Interesse zu generieren. Schon in den 1990er Jahren erkannten die Verantwortlichen den Stellenwert der Medien und so gründeten sie 1990 eine Tennis-University, die seitdem für die Top200 der Weltrangliste Seminare anbietet (vgl. ATP Tennis 2014b). In diesen üben sich die Spieler im Umgang mit Journalisten oder dem richtigen Verhalten in Interviewsituationen. 1998 etablierten die Dachverbände zusätzlich das Stars-Program, das die Spieler für die Medien und die Fans zugänglicher machen soll (vgl. ebd.). Hierbei verpflichten sich die Spieler zur Teilnahme an Events wie Fotoshootings, Schaukämpfen oder Autogrammstunden. So versuchen die ATP und WTA, ihre Spieler in den Medien perfekt zu inszenieren. Mittlerweile gibt es einen weiteren Vertrag, mit dem sich die Top30-Spieler als Botschafter des Sports zur Teilnahme an zusätzlichen Events verpflichten (vgl. ebd.). Mit dem Beitritt zur ATP oder WTA sichern sie eine „allgemeine Kooperationsbereitschaft“ (ebd.) gegenüber Medien zu. Dazu gehören in erster Linie Interview- und Pressetermine.

Die Beispiele verdeutlichen sowohl die Veränderungen im Tennissport, als auch eine stetige Anpassung an die Handlungslogik der Massenmedien. Sie begründen, warum Tennis international zu den medialen Spitzensportarten zählt. In Deutschland hingegen ist Tennis eine mediale Randsportart, die zwar medialisiert ist, aber dennoch keine Medienaufmerksamkeit erzielen kann. Die Interviews mit den Experten werden im Empirieteil der Arbeit eine Erklärung für die geringe Medienpräsenz des Tennissports in Deutschland liefern.

4.6 Eventisierung des Tennissports

Bisherige Ausführungen dieser Arbeit haben deutlich gemacht, dass die Unterhaltungslogik fester Bestandteil der Medienlogik ist und sich Sport durch unterhaltungsorientierte Darstellung eigens inszeniert, um mediale Aufmerksamkeit zu erlangen (vgl. Kap 3.2, 3.3). Die aktuell größte „Unterhaltungsshow“ im Tennissport ist die 2014 eingeführte International Tennis Premier League (IPTL), die im Dezember nach der jeweiligen Saison stattfindet. An der Superliga, die sich stark an der indischen Cricket-Liga orientiert, nehmen fünf asiatische Städte teil, die mit jeweils einer Mannschaft aus aktuellen und ehemaligen Tennisspielern antreten. Damit keine Langeweile beim Zuschauer aufkommen kann, gelten in der IPTL andere Regeln als auf der ATP- und WTA-Tour. Unterhaltungs- und spannungsorientierte Elemente wie die Beschränkung des Matches auf einen Satz, die Einführung von Time-Outs, Power Points, oder der Shot Clock11 machen die Liga zu einem Spektakel, das es im Tennissport zuvor noch nie gegeben hat. Sie bricht mit der traditionellen Etikette im Tennis, um ein neues Publikum anzuziehen und setzt hierbei vielmehr auf Show, als auf einen seriösen, sportlichen Wettkampf. DJ’s, Cheerleader und Lichtshows gehören ebenso zum Repertoire wie die Spieler. Das neuartige Konzept im Tennissport erfreut sich großen Zuspruchs nach dem Erfolg der Premiere im Jahr 2014, die in mehr als 125 Ländern übertragen wurde und über 300 Millionen Haushalte erreicht hat (vgl. Sportskeeda 2014). Das Beispiel der IPTL zeigt deutlich, wie sich Tennis selbstinszeniert und durch die Orientierung an der Medienlogik und dem Streben der Rezipienten nach Unterhaltung international mehr Präsenz in den Medien und einen höheren Bekanntheitsgrad erlangen möchte.

Zusammenfassung III

Wie muss Sport aussehen, um in den Medien präsent zu sein? Diese Frage haben sich die Verantwortlichen des Tennissports zweifelsohne gestellt. Veränderungen im Regelwerk oder in der Infrastruktur der Stadien orientieren sich allesamt an der Logik der Massenmedien. Ebenso wie die Spieler um die Bedeutsamkeit der Medien und um Methoden der Selbstinszenierung wissen, so ist den internationalen Tennisverbänden der Einfluss der Medien auf die Prominenz ihres Sports bewusst. In verschiedenen Verträgen mit der ATP und WTA müssen sich die Spieler daher zur Kooperation und Verfügbarkeit gegenüber den Medien verpflichten.

5. Forschungsstand

Nachrichtenwerte in der Sportberichterstattung

Im Tennissport gibt es weltweit bis 2016 keine publizierten Untersuchungen, die sich mit dem Sport in den Medien auseinandersetzen. Forscher, meist Amerikaner, konzentrieren sich bei ihren Studien auf den Einfluss des Tennissports auf die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler (vgl. American Journal of Psychological Research 2008).

Um Tennis mit den Medien in Relation zu setzen und die Tennispräsenz des Sports im TV zu erklären, bedient sich die Arbeit Studien aus der Kommunikationswissenschaft und überträgt diese auf den Sport. Insbesondere Studien zu Nachrichtenwerten sind hierfür sehr geeignet. Durch die Analyse von Merkmalen medialer Ereignisse lassen sich Rückschlüsse auf journalistische Selektionskriterien ziehen. Neuere Studien stellen allesamt Bezüge zu Klassikern der Nachrichtenwertforschung, wie Johan Galtung oder Mari H. Ruge her, die sich vor allem mit Nachrichtenwerten politischer Ereignisse beschäftigten (vgl. Netzwerk Recherche 2007). Ihrer Meinung nach sind Nachrichtenwerte additiv, das bedeutet, je mehr Nachrichtenwerte auf ein Ereignis zutreffen, desto publikationswürdiger ist dieses (vgl. Burkhardt 2009: 135). In den 1980er und 90er Jahren gingen Forscher vermehrt davon aus, dass die ermittelten Nachrichtenfaktoren, die bei der Auswahl von politischen Ereignissen

[...]


1 Women’s Tennis Association (WTA) ist die Vereinigung der Tennisspielerinnen.

2 Roger Federer ist ein schweizer Tennisspieler, der als der Beliebteste und Beste aller Zeiten im Tennis gilt.

3 Association of Tennis Professionals (ATP) ist die Spielervereinigung der Herren-Tour.

4 Die vier Grand Slam-Turniere (Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open) sind die größten und wichtigsten im Tennis.

5Fed Cup bezeichnet den Team-Wettbewerb der Frauennationalmannschaft im Tennis. Davis Cup den der Herren-Nationalmannschaft.

6 Infos über Einschaltquoten bei Livestreams von Sport1 und Eurosport konnten nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Unternehmen verfügen laut eigener Aussagen selbst nicht über die Zahlen (vgl. CD/Anhang 24).

7 Die genaue Höhe der Kosten für Tennisübertragungen wurde auch auf Nachfrage weder von ARD, ZDF, noch Eurosport oder Sport1 bekanntgegeben.

8 Die Russin Maria Sharapova brachte 2013 eigene Süßigkeiten unter dem Namen Sugarpova auf den Markt.

9 2011 war Michelle Obama Gast bei den US Open und spielte mit den Fans Tennis (vgl. YouTube 2011).

10 Der Tiebreak wird im Tennis beim Stand von 6:6 gespielt, um den Satz abzukürzen. Der Gewinner des Tiebreaks entscheidet den Satz mit 7:6 für sich. Gespielt wird der Tiebreak bis sieben Punkte.

11 Durch den Gewinn eines Power Points kann der Spieler zwei Punkte auf einmal erzielen. Die Shot Clock ist ein 20-sekündiger Countdown, der den Zeitrahmen, in dem der Ballwechsel beendet sein muss, vorgibt.

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Tennis in Deutschland. Von der Medien- zur Randsportart
Untertitel
Wird das Fernsehen in der Tennisberichterstattung durch Sportplattformen im Internet ersetzt?
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Kommunikationswissnschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
116
Katalognummer
V323131
ISBN (eBook)
9783668255791
ISBN (Buch)
9783668255807
Dateigröße
3167 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die CD ist im Lieferumfang nicht enthalten.
Schlagworte
Tennis im Free TV, Rieplsche Gesetz, Tennis, ATP
Arbeit zitieren
Jordan Raza (Autor), 2016, Tennis in Deutschland. Von der Medien- zur Randsportart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323131

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