Rosemarys Baby - Die spannende Umsetzung des Horrors


Seminararbeit, 2002

20 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Themen- und Motivkatalog Polanskis

3. Der Horrorfilm – Theorie und filmische Umsetzung
3.1. Mythologie und Religion
3.1.1. Der „Teufelsbraten“
3.2. Zeit
3.3. Perspektive
3.4. Ironie
3.4.1. Visuelle Kollision
3.5. Bilder – Abbilder
3.6. Architektur
3.7. Der Mythos des Halbwesens
3.7.1. „Einheit von Sexus und Gewalt“

4. Realitäts- und Interpretationsebenen

5. Der Thriller – Verunsicherung des Horrors
5.1. Suspense

6. Schlussbemerkung

7. Literaturanhang

Ich will nicht, dass der Zuschauer dies denkt oder das: Ich will einfach, dass er sich über nichts sicher ist. Das ist das Interessante: Die Unsicherheit. Polanski

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit wurde im Rahmen des Proseminars „Bestseller und Blockbuster“ verfasst. Sie analysiert den Film Rosemarys baby, 1968 von Roman Polanski gedreht, bezüglich seiner Bedeutungsebenen. Denn der große Unterschied zwischen Buch und Film besteht in der Verschiebung der Geschehnisse in die Mehrdeutigkeit:

Ira Levin, der Autor des Romans, lässt keinen Zweifel an der Übernatürlichkeit der Ereignisse. Rosemary gerät in die Hände von Teufelsanbetern und bringt darüber hinaus das Kind Satans zur Welt. Darauf lässt sich der Film nicht beschränken. Er lässt zwei, eigentlich sogar drei parallel funktionierende Interpretationsebenen zu.

Die Mehrdeutigkeit macht die Horrorvorlage des Buches zum Thriller. Die Literaturvorlage Ira Levins konstruiert die Geschichte Rosemarys ausdrücklich als Horrorgeschichte. Dies kommt Polanski in seiner filmischen Umsetzung insoweit entgegen, als er selbst immer wieder Horrorelemente benutzt. Die äussere Hülle, die bildgläubige Erzählung des Filmes spielt sich auf dieser Horrorebene ab. Doch in dem Film steckt noch viel mehr, teilweise parodiert Polanski diese Geschichte sogar mit Thrillerelementen.

Zur genauen Untersuchung dieses Phänomens wird ausser der Analyse des Films Literatur zur Horror- und Thrillertheorie verwandt, sowie Kritiken zum Film. Anhand eines Motivkatalogs Polanskis werden zentrale Sequenzen des Films analysiert und Stilmittel herausgefiltert.

2. Themen- und Motivkatalog Polanskis

Über Roman Polanski sei in diesem Zusammenhang nur erwähnt, dass er Rosemarys baby in den USA drehte. Es war sein erster Film in den USA (Hollywood) und sein größter kommerzieller Erfolg, sowie seine erste Literaturverfilmung. Danach drehte er Macbeth und Der Mieter.

Sein Themen- und Motivkatalog integrierte sich aussergewöhnlich gut in den Roman. Thematisch zeigt er immer wieder das Individuum, das mit der Gesellschaft nicht zurechtkommt, Verhaltensauffälligkeiten entwickelt, so z. B. in Repulsion oder Der Mieter. Oder aber er entwickelt eine Gesellschaft, die ausserhalb der übrigen Gesellschaft ihre eigenen Regeln entwirft, aber daran scheitert, wie z. B. in Das Messer im Wasser. Polanski zeichnet sich durch die Vielfalt der verwandten Genres aus, zugleich gilt festzuhalten, dass er selbige gern kombiniert. The fearless vampire killers beispielsweise ist ein Vampirfilm, dessen Ausstattung und Personenkonstellation ihn als Parodie entlarvt und dessen Schauspiel durchaus als komödiantisch zu bezeichnen ist. Auch Repulsion setzt sich aus Horror- und Psychodrama- Elementen zusammen, Le Locataire bedient sich aus Thriller und Psychodrama,...

Bei den genannten Filmen handelt es sich immer wieder um die Unterdrückung der Frau sowie ihrer Psyche. Sie (oder er bei Le Locataire) ist gezwungen, sich dem gesellschaftlichen Habitus anzuschliessen und scheitert. Ein ebenso thematisiertes Problem, das dicht damit zusammenhängt, ist das Spannungsverhältnis von Gewalt und Sexualität, welches auch noch in Rosemarys baby eine Rolle spielen wird. Die Vergewaltigungssequenz, bzw. Traumsequenz ist sehr einprägsam und nimmt eine zentrale Bedeutung im Film ein. Polanski inszeniert immer wieder eine weibliche subjektive Sicht, meist ist der Hauptprotagonist weiblich und bei Le Locataire spielt Polanski sie/ihn sogar selbst.

Seine Motivik besteht in viel verwandten Thrillerelementen, wie der erzählerischen Perspektive zwischen dem Blick von innen und dem Blick von aussen, zwischen Nähe und ironischer Distanz. Das ermöglicht viele parodistische und sogar verfremdete Aussagen eines Filmes und lässt mehrere Lesarten zu. Polanski spielt mit der Bedeutung von Dekor und Kamera, Licht und Farbton, Wärme und Kälte. Eigenen Aussagen zufolge ist sein Ziel ein „Kino der reinen Evidenz“, d. h. die Bedeutung der Dinge sind sie selbst und kein metaphorisches Drittes. Polanski versucht, handwerklich perfekte Filme zu machen.

Wie in Horrorfilmen verwendet er in Rosemarys baby mythologische Motive und filmische Mittel. Gegenstände lassen Raum für Phantasie, erfahren durch Detailaufnahmen eine tiefere Bedeutung. So die Kette mit „Tannisroot“, die Betonung der Hände, die sogar im Traum auftauchen und die (nicht vorhandene) Verbindung zwischen Gott und den Menschen in einem Deckenfresko von Michelangelo zeigen. Als Parallelmotive zwischen Repulsion und Rosemarys baby werden ein runder Türöffner, durch den die Kamera sieht, der Widerschein einer Person in Gegenständen, hier die Kanne in Repulsion und der Toaster in Rosemarys baby, oder seine Vorliebe für lange Gänge und bedrohliche hohe Wände die gleichzeitig Schutz zu bieten scheinen, verwandt. Auffällig sind auch die großen runden Augen sowie die Blickdramaturgie insbesondere der Protagonistin.

3. Der Horrorfilm – Theorie und filmische Umsetzung

3.1. Mythologie und Religion

Der Horrorfilm schöpft seinen Bilderreichtum und seine Mythen aus dem Reservoir magischer, mystischer, religiöser und mythischer Vorstellungen. Die Mythologie des Horrorgenres ist antireligiös.[1]

In Rosemarys baby wird der christlichen Mythologie deutlich zuwidergehandelt, sie erfährt sogar eine Umkehrung. Schon der Name „Rose – Marie“ liefert erste Hinweise. Die Jungfrauengeburt Marias sowie die Vergewaltigung Rosemarys während eine Ohnmacht sind fast kongruent. In der „Krippenszene“ bei Rosemary erscheinen Besucher mit Geschenken von weit her, was an die „Heiligen Drei Könige“ des Neuen Testamentes erinnert. Im Mittelpunkt all dessen steht immer wieder die Religionsgeschichte, der diese Mythen entstammen.

Nicht nur das Zeichensystem der Religion wird verwandt und parodiert. Immer wieder tauchen Hinweise auf das Christliche Gesellschaftssystem auf, in dem sich das Buch bewegt. So Rosemarys katholische Erziehung, ihr Leben in „Sünde“, der Papst kommt nach New York, die Traumsequenz, in welcher sowohl ihre Erziehung als auch die Repression der Katholischen Kirche thematisiert werden, sowie die Times-Ausgabe „Is God Dead?“.

Die Wirkung des Horrors ist abhängig von der Alltagswelt des Zuschauers, das Imaginäre kann nur erschreckend wirken, wenn es in der Wirklichkeit denkbar wäre. D. h. „die phantastische Kunst lässt [...] imaginäre Schrecken inmitten einer realen Welt entstehen“[2] Deshalb der dauernde Verweis Polanskis (und Levins) auf die real existierende Welt. Susanne Marschall nennt dies Phänomen „den subtilen Horror des Alltags“[3].

3.1.1. Der „Teufelsbraten“

Auch während des Treffens mit Hutch, als dieser sie vor dem Bramford- Haus warnt, unternimmt Polanski Änderungen und verweist dezidiert auf die Christliche Mythologie:

Die Darsteller treffen sich nicht in einem Restaurant, sondern zu Hause. Sie essen Lamm („Opferlamm“ Christus, der von den Menschen geschlachtet wurde um die zu retten, die an ihn glauben) und trinken Rotwein („Blut“ Christi, erinnert an letztes Abendmahl). Das Christentum, das sie somit wortwörtlich in sich aufnehmen, widerspricht dem späteren Verlauf der Geschichte, denn etwas anderes wird in Rosemary eindringen. Die Figuren ignorieren die Warnung Hutchs. Dies beschleunigt das Übel. Polanski inszeniert das Essen sehr sorgfältig, er hält den Braten in Detailaufnahmen fast, was diesem eine besondere Bedeutung zumisst. Dies spricht entweder für die Subjektivität der Kamera, da die Figuren dem Essen grosse Aufmerksamkeit widmen, oder aber dem Braten wird eine andere, im Moment noch nicht spezifizierte Bedeutung zugemessen.

Die Kamera nimmt die Position des Bratens ein. Dass sie im weiteren Verlauf in Höhe des Bauches Rosemarys steht, ist nicht unwichtig: Das Embryo und der Braten werden parallelisiert, sie wird einen „Teufelsbraten“ gebären.

[...]


[1] Seeßlen 1976, 9

[2] Seeßlen 1976, 42

[3] Marschall 1999, 539

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Rosemarys Baby - Die spannende Umsetzung des Horrors
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1.3
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V3233
ISBN (eBook)
9783638119580
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Mehrdeutigkeit macht die Horrorvorlage des Buches zum Thriller. Die Literaturvorlage Ira Levins konstruiert die Geschichte Rosemarys ausdrücklich als Horrorgeschichte. Dies kommt Polanski in seiner filmischen Umsetzung insoweit entgegen, als er selbst immer wieder Horrorelemente benutzt. Die äussere Hülle, die bildgläubige Erzählung des Filmes spielt sich auf dieser Horrorebene ab. Doch in dem Film steckt noch viel mehr, teilweise parodiert Polanski diese Geschichte sogar mit Thrillerelementen.
Schlagworte
Thriller, Horror, Autorenfilm
Arbeit zitieren
Angelika Burtzlaff (Autor), 2002, Rosemarys Baby - Die spannende Umsetzung des Horrors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3233

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