Beschreibung einer gesundheitspädagogischen Maßnahme zur Reduktion des Fleischkonsums bei Männern mit geringem Einkommen


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedarfsanalyse

3 Zielgruppe und Zielbeschreibung

4 Systematische und didaktische methodische Umsetzung
4.1 Entwicklungspsychologisches Verhaltensmodell
4.2 Praxisfeld der Gesundheitspädagogik
4.3 Beschreibung des didaktischen Konzepts
4.4 Beschreibung der Lerntheorie
4.5 Beschreibung des Vorgehens
4.6 Evaluation

5 Erwartete Ergebnisse

6 Abschlussbeurteilung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Spätestens seit dem Bekanntwerden vieler Fleischskandale und den zahlreichen Berichten über die katastrophalen Bedingungen der Massentierhaltung auf der ganzen Welt ist bekannt, welche verheerenden Folgen der weltweit steigende Fleischkonsum hat.

Trotzdem nimmt der Fleischkonsum weltweit zu und bis 2050 wird sogar eine Verdopplung der weltweiten Fleischproduktion erwartet (Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2014).

Für eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung ist es wichtig, dass die Nährstoffzufuhr abgedeckt ist und wenige Fremdstoffe und Schadstoffe in der Nahrung enthalten sind; verschiedene wissenschaftliche Erhebungen haben ergeben, dass eine vegetarische Ernährung diese Anforderungen erfüllt (Leitzmann, 2009, S. 53). Zusätzlich wurde festgestellt, dass Vegetarier seltener von Übergewicht betroffen sind und damit auch ein geringeres Risiko haben, an den mit Übergewicht assoziierten Krankheiten zu erkranken. Das seltenere Vorkommen von Übergewicht ist zum Einen dadurch begründet, dass vegetarisches Essen sich größtenteils aus einer niedrigeren Nahrungsenergiedichte zusammensetzt als Mischkost. Zum Anderen führen vegetarisch lebende Menschen durchschnittlich eine gesündere Lebensweise, ernähren sich also ausgewogener, rauchen seltener und treiben häufiger Sport. Aus diesen Gründen ist auch die Prävalenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atherosklerose, Hypertonie, Krebs und anderen Erkrankungen verringert (Leitzmann, 2009, S. 100-109).

Insgesamt wurde in mehreren epidemiologischen Studien festgestellt, dass je länger eine Person vegetarisch lebt, desto geringer ist ihr Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen und desto größer ist die Chance, ein längeres Leben zu führen (Leitzmann, 2009, S. 110f).

Im Folgenden wird deshalb eine Maßnahme vorgestellt, die dazu dient, den Fleischkonsum der Zielgruppe zu verringern; es wäre unrealistisch, diese Menschen zu einer vegetarischen Lebensform bringen zu wollen, deswegen soll lediglich der individuelle Konsum eingeschränkt werden. Dazu wird zunächst eine Bedarfsanalyse vorgestellt, anschließend die Zielbeschreibung und die theoretische Grundlage der Umsetzung. Danach werden das Vorgehen und die Evaluation beschrieben. Zuletzt folgen eine Darstellung der erwarteten Ziele und eine Abschlussbeurteilung der Maßnahme.

2 Bedarfsanalyse

Der Fleischkonsum in Deutschland hat sich zwischen den Jahren 1950 und 2000 von knapp 40 kg pro Person und Jahr auf rund 90 kg mehr als verdoppelt (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 299). Seit den 1990er Jahren sind die Zahlen des Fleischkonsums zwar wieder rückläufig, befinden sich aber noch immer auf einem hohen Niveau. Gründe für den Rückgang der Zahlen sind zum Einen die veränderten Ernährungsgewohnheiten, also ein zunehmender Verzehr von Obst, Gemüse und Milchprodukten, zum Anderen die durch Tierkrankheiten (BSE, Geflügelpest, Schweinegrippe) und Lebensmittelskandale ausgelöste Beunruhigung der Bevölkerung (Statistisches Bundesamt, 2008, S. 23).

In der Nationalen Verzehrsstudie II wurde festgestellt, dass der Unterschied in der Menge des Fleischkonsums bezogen auf verschiedene Schichten bei Männern besonders markant ist. Männer aus der unteren Schicht/unteren Mittelschicht verzehren durchschnittlich 110g Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnisse täglich, Männer aus der Oberschicht hingegen 20g weniger. Bei Frauen ist ein ähnlicher Trend zu beobachten, die Unterschiede der einzelnen Schichten sind jedoch beträchtlich geringer und auch der Fleischkonsum von Frauen insgesamt ist auf einem niedrigeren Niveau als bei Männern (Max Rubner-Institut, 2008, S. 60f).

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt eine vollwertige Ernährung, die unter Anderem eine abwechslungsreiche Lebensmittelvielfalt, viel Obst und Gemüse sowie Getreide und wenig fettreiche Lebensmittel beinhaltet. Basierend auf diesen Empfehlungen sollte laut DGE die Zufuhr von Fleisch und Wurst auf 300-600g pro Woche beschränkt werden (DGE, 2013). Zudem wird im Rahmen der Vollwert-Ernährung „ der Verzehr von Fleisch, Fisch und Eiern nicht ausdrücklich empfohlen, ein mäßiger Verzehr wird aber nicht abgelehnt“ (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 298). Ausgehend von diesen Ernährungsempfehlungen liegt also die von Männern durchschnittlich konsumierte Menge Fleisch von 770g wöchentlich weit über den Empfehlungen der DGE.

Auf der einen Seite gewährleistet der Verzehr von Fleisch die Versorgung der Bevölkerung mit essenziellen Nährstoffen, auf der andere Seite bringt der erhöhte Fleischkonsum viele negative, teils weitreichende Folgen mit sich. Diese können in drei Kategorien eingeteilt werden: gesundheitliche, ökologische, sowie ökonomische und soziale Aspekte (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 301-313).

Gesundheitliche Aspekte

Durch die Behandlung vieler Tiere mit Antibiotika, Antiparasitika und Hormonen entwickelten in den vergangenen Jahren viele Menschen eine Antibiotikaresistenz. Bei vielen Medikamenten, die Tieren verabreicht werden, ist heute noch nicht abzusehen, welchen Einfluss sie auf den Menschen haben werden (Astleithner, 2007, S. 156).

Langfristige gesundheitliche Schäden wie Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ein höheres Risiko für Krebserkrankungen können ebenfalls durch einen zu hohen Fleischkonsum ausgelöst werden, da Fleisch- und Wurstprodukte teilweise viel Fett, Cholesterin und Purine enthalten (ebd.).

Ökologische Aspekte

Es gibt vielzählige Auswirkungen, die Massentierhaltung auf die Umwelt hat. Zum Einen der hohe Einsatz von fossiler Energie, also beispielsweise Erdgas oder Erdöl: „für konventionell erzeugtes Rindfleisch (wird) etwa zwölfmal (…) so viel Primärenergie verbraucht, wie Nahrungsenergie darin enthalten ist“ (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 310). Durch die Verbrennung der fossilen Brennstoffe und die Methanentstehung im Verdauungstrakt von Rindern wird der Treibhauseffekt verstärkt. Auch die Abholzung des Regenwaldes, die für Weideflächen oder den Anbau von Soja als Futterpflanze nötig ist, begünstigt diesen Effekt (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 310f).

Bei den ökologischen Aspekten muss zwischen biologischer und konventioneller Tierhaltung unterschieden werden. Bei der biologischen Tierhaltung wird auf Nachhaltigkeit geachtet, die Belastung für die Umwelt möglichst gering gehalten und auch der Einsatz von Medikamenten wird vermieden. In der konventionellen Tierhaltung werden solche ökologischen Aspekte größtenteils außer Acht gelassen (ebd.).

Ökonomische und soziale Aspekte

Der gestiegene Fleischkonsum der letzten Jahre verursacht nicht nur Missstände in Deutschland und der EU, sondern auch weltweite Ungleichheit. In der EU werden Großbetriebe, die Massentierhaltung betreiben, stärker subventioniert als kleine Familienunternehmen. Das hat zur Folge, dass kleine Unternehmen nicht mehr existieren können und die Macht der Großbetriebe weiter wächst (Astleithner, 2007, S. 154f).

Hinzu kommt, dass in großen Betrieben eine Überproduktion stattfindet; in Europa werden doppelt so viele Lebensmittel hergestellt als konsumiert werden können. Dieser Angebotsüberschuss wird entweder vernichtet oder in Entwicklungsländer exportiert. Durch hohe Exportsubventionen können die Produkte den Ländern der Dritten Welt so günstig verkauft werden, dass heimische Betriebe nicht konkurrieren können und die Agrarwirtschaft enorm leidet (ebd.).

In Anbetracht der Unterernährung ist außerdem die Nahrungskonkurrenz zum Menschen zu nennen: Tiere werden mit Getreide oder Soja gefüttert und reduzieren so die Nahrungsressourcen für Menschen, was den Welthunger weiter verschlimmert (Koerber, Männle, Leitzmann, 2004, S. 313).

Insgesamt kann also festgehalten werden, dass der erhöhte Fleischkonsum in Deutschland und der EU zahlreiche negative Folgen mit sich bringt und eine Verringerung unausweichlich ist. Da der Fleischkonsum bei Männern in niedrigeren Bildungsschichten am höchsten ist, soll die im Folgenden vorgestellte Maßnahme bei dieser Personengruppe ansetzen, um deren Bewusstsein für Gesundheit und Nachhaltigkeit zu stärken und eine Verhaltensänderung zu bewirken.

3 Zielgruppe und Zielbeschreibung

Das Projekt richtet sich an Männer, die bei schwerer körperlicher Arbeit ein geringes Einkommen beziehen und dadurch in unteren sozialen Schichten leben (beispielsweise Hafenfacharbeiter oder Gepäcklader am Flughafen). Zur Durchführung der Maßnahme müssen Firmen, die Angestellte dieser Zielgruppe beschäftigen, direkt kontaktiert werden. In Hamburg wären solche Firmen beispielsweise die Hamburger Hafen und Logistik AG (beschäftigen Hafenfacharbeiter) oder Ground Stars GmbH & Co. KG (beschäftigen Gepäcklader). Falls Frauen unter den angesprochenen Angestellten sind, können diese selbstverständlich auch an der Maßnahme teilnehmen. Da der Frauenanteil in solchen Berufen aber verhältnismäßig gering ist und die Problematik des erhöhten Fleischkonsums besonders bei Männern auftritt, werden Frauen nicht explizit angesprochen.

Ziel der Maßnahme ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, warum es wichtig ist, den Fleischkonsum zu reduzieren; im Fokus steht die Verbesserung der eigenen Gesundheit, aber auch ethische, ökonomische und ökologische Gründe werden den Teilnehmenden nähergebracht. Zudem sollen die Männer ein erhöhtes Bewusstsein dafür erlangen, warum es wichtig ist, dass das konsumierte Fleisch regional bezogen wird und aus biologischer Tierhaltung stammen sollte. Hinzu kommt eine Änderung der Verhältnisse durch eine Zusammenarbeit mit der Mitarbeiterkantine und somit einer Modifikation des Essensangebotes.

Die beschriebenen Veränderungen durch die Maßnahme befinden sich sowohl im Feld der Verhaltensprävention, da das Ziel eine Veränderung des gesundheitsriskanten Verhaltens ist, als auch im Bereich der Verhältnisprävention, denn durch die Zusammenarbeit mit der Mitarbeiterkantine sollen Gesundheitsrisiken im Bereich der Arbeitsstelle verringert werden (Blättner, Waller, 2011, S. 244f, S. 253).

4 Systematische und didaktische methodische Umsetzung

4.1 Entwicklungspsychologisches Verhaltensmodell

Die durch das Projekt gewünschte Verhaltensänderung soll mithilfe des Transtheoretischen Modells bewirkt werden. Dieses wurde in den 1970er-Jahren in den USA für die Raucherentwöhnung entwickelt und wird heutzutage für die Lösung vieler gesundheitsrelevanter Probleme angewandt (HIV-/Aidsprävention, Essstörungen, Sonnenbrandschutz und Andere) (Seibt, 2011, S. 567f).

Das Modell besteht aus fünf Phasen der Verhaltensänderung; die Männer, die mit der Kampagne angesprochen werden sollen, befinden sich zunächst in der Phase der Absichtslosigkeit, haben also nicht die Absicht, ihr Verhalten in absehbarer Zeit zu ändern. Mithilfe der Kampagne sollen sie zunächst die Phase der Absichtsbildung durchlaufen, sich also für neue Erkenntnisse öffnen und beginnen, ihr Verhalten zu überdenken. Anschließend kommen die Teilnehmenden in die Vorbereitungsphase, während der sie die ersten Schritte in Richtung einer Verhaltensänderung treffen. Schlussendlich soll die Phase der Umsetzung erreicht werden, die Männer sollen also ihr Verhalten ändern und im Idealfall sogar in die Stabilisierungsphase gelangen, das neue Verhalten soll also zur Gewohnheit werden und über eine längere Zeit andauern (ebd.).

Da die Teilnehmenden immer Gefahr laufen, in die vorherige Phase zurückzufallen, ist es wichtig, dass sie individuell motiviert und unterstützt werden, entsprechend der Phase in der sie sich gerade befinden. Beispielsweise die Vorbereitungsphase ist eine instabile Phase, besonders während dieser Zeit muss den Teilnehmenden immer wieder vor Augen geführt werden, warum es sich lohnt, weiterzumachen und die nächste Phase der Verhaltensänderung zu erreichen (ebd.).

4.2 Praxisfeld der Gesundheitspädagogik

Im Bereich der Gesundheitspädagogik ist die Maßnahme in der Gesundheitsbildung sowie der Gesundheitsberatung zu verorten. Die für die Arbeiter angebotenen Vorträge und Informationsveranstaltungen zielen darauf ab, „gezielt Einfluss auf die Faktoren zu nehmen, die ihre Gesundheit bestimmen, d.h. auf Lebensbedingungen und Gesundheitshandeln“ (Blättner, Waller, 2011, S. 129). Hierbei muss beachtet werden, dass keine Gesundheitserziehung stattfindet, sondern die Teilnehmenden Informationen erhalten, die sie dazu bringen, selbstbestimmt zu handeln. Ihre Kompetenzen sollen gestärkt werden, um ihnen dazu zu verhelfen, ihr Alltagshandeln so zu verändern, dass es sich gesundheitsförderlich auswirkt (Blättner, 2011, S. 129ff).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Beschreibung einer gesundheitspädagogischen Maßnahme zur Reduktion des Fleischkonsums bei Männern mit geringem Einkommen
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V323522
ISBN (eBook)
9783668226890
ISBN (Buch)
9783668226906
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beschreibung, maßnahme, reduktion, fleischkonsums, männern, einkommen
Arbeit zitieren
Beke Freyer (Autor), 2015, Beschreibung einer gesundheitspädagogischen Maßnahme zur Reduktion des Fleischkonsums bei Männern mit geringem Einkommen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323522

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