Lebensmittelchemisches Grundpraktium. Chromatographie in Theorie und Praxis


Forschungsarbeit, 2016
74 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Theorie

2) Proben

3) Identifizierung von Konservierungsstoffen

4) Identifzierung von Zucker

5) Identifzierung von organischen Säuren

6) Identifizierung von Konservierungsstoffen mittels HPLC

7) Gaschromatografische Bestimmung von Lösungsmitteln

8) Gaschromatographie der Fettsäuremethylester

9) Chemikalien und Entsorgung

10) Literatur

11) Anhang

1) Theorie[1] ,[2],[3],[4] ,[13]

Schon bereits 1903 wurde die Chromatographie von dem russischen Botaniker Mikhai Semenovich Tswett verwendet, um die Blütenfarbstoffe zu trennen. Daraus leitete er den Name der Technik (griechisch, Chroma „Farbe“ und graphein „schreiben“) ab. Diese Technik wurde von A.J.P. Martin und Synge verbessert und 1952 mit einem Nobelpreis für die Entwicklung der Verteilungschromatographie belohnt.

Die Chromatografie ist ein physikalisch, chemisches Trennverfahren, das dazu dient die einzelnen Analyten eines Stoffgemisches sowohl quantitativ als auch qualitativ zu bestimmen. Die Trennwirkung beruht dabei auf die verschiedenen Wechselwirkungen der einzelnen Substanzen des Stoffgemisches mit der stationären und mobilen Phase, woraus die Verteilung resultiert. Hierzu wird die zu untersuchende Lösung in einer Flüssigkeit oder ein Gas gelöst und über die, aus einem Feststoff oder einem Flüssigkeitsfilm bestehende, stationäre Phase diffundiert. Der kontinuierliche Stoffaustausch zwischen den beiden Phasen sorgt für die Auftrennung des Gemisches. Je nach Aggregatzustand der mobilen Phase wird zwischen Gaschromatographie und Flüssigkeitschromatographie unterschieden. Bei den Trennmechanismen wird zwischen Adsorption, Desorption und Verteilung differenziert.

Bedingung für die chromatographische Auftrennung ist, dass die einzelnen, in der mobilen Phase, gelösten Analyten eines Stoffgemisches unterschiedliche Affinitäten zur stationären Phase aufweisen. Die Verteilung der Analyten in zwei nicht mischbaren Phasen beruht auf dem Nernst`schen-Verteilungsgesetz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

K: Nernst`scher Verteilungskoeffizien

CA:Konzentration des Analyten in Phase A

CB:Konzentration des Analyten in Phase B

Die Adsorption beschreibt die Grenzflächenreaktionen zwischen einem gelösten und einem festen Stoff. Es wird unter chemischer und physikalischer Adsorption unterschieden. Bei der chemischen Adsorption liegen hohe Adsorptionsenthalpien zwischen Adsorbens und adsorbierte Substanz vor. Daraus resultiert eine hohe Aktivierungsenergie und somit ein gehemmter, irreversibler Adsortionsvorgang. Die physikalische Adsorption ist charakterisiert durch schwache Wechselwirkungen wie Van-der-Waals-Kräfte. Die Aktivierunsenergie ist sehr gering, woraus ein vollständig reversibler Adsorptionsvorgang resultiert.

Die Van-Deemter-Gleichung beschreibt die Qualität eines chromatigraphischen Trennvorgangs. Diese ist von der Fließgeschwindigkeit der mobilen Phase, der Diffusion des Stoffgemisches und der theoretischen Trennbodenhöhe abhängig. Der Zusammenhang dieser Faktoren ist in Gleichung 2 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Terme der van-Deemter-Gleichung[13].

(2)
H: Höhe der Trennböden
A: Eddy-Diffusion

B: Diffusion

u: Fließgeschwindigkeit

C: Stoffaustausch

1.1) Dünnschichtchromatographie

Unter den Verfahren zur Auftrennung von Stoffgemischen zählt die Dünnschichtchromatographie zu eines der schnellen und einfachen Methoden. Sie dient unter anderem zur Identifizierung bzw. halbquantitativen Bestimmung der einzelnen Komponenten von Substanzgemischen.

Der Trennmechanismus beruht dabei wie bei anderen chromatographischen Methoden auf der unterschiedlichen Verteilung zwischen mobiler und stationärer Phase. Die stationäre Phase besteht entweder aus Kieselgel, Polyamid, Cellulose oder Aluminiumoxid, das über einen planaren inerten Träger, einer Glas-, Kunststoff oder Aluminiumplatte gegossen wird und somit eine dünne Schicht (0,25 mm) bildet. Auf einer Linie, die zum Rand der DC-Platte einen Abstand von 2 cm besitzt, wurden die jeweiligen Substanzen, die in Lösung vorliegen, mit dem Abstand von 1 cm zueinander, aufgetragen. Je nach Trennproblem wurde die DC-Platte in die Kammer gestellt, die die beste Trennleistung aufwies. Die Lösung der Kammer wurde dabei täglich frisch angesetzt und mit Unterstützung von Filterpapier, das in die Lösung tauchte, eine halbe Stunde gesättigt.

Das in der Entwicklungskammer vorliegende Lösungsmittel wird nun aufgrund von Kapillarkräften in der Beschichtung über die Plattenfläche diffundiert. Die einzelnen Stoffe des Stoffgemisches werden dabei je nach Löslichkeit bzw. Adsorptionsverhalten unterschiedlich weit transportiert. Die Entwicklung gilt es beendet, nachdem die Laufmittelfront ca. 2 cm Abstand zum Rand der DC-Platte befindet. Die DC-Platte wird getrocknet und die einzelnen Substanzen durch UV-Licht, Maillard-Reaktion, pH-Indikatoren oder mit Hilfe von anderen Reagenzien detektiert. Über die jeweilige Laufstrecke der Substanz können qualitative und über die Intensität des Spots halbquantitative Aussagen gemacht werden.

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Die Nachweisgrenze wurde mit Gleichung 5 berechnet.

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1.2) Gaschromatographie

Die Gaschromatographie ist eine Methode zur Trennung flüchtiger Verbindungen. Sie liefert sowohl qualitative als auch quantitative Aussagen über ein Stoffgemisch. Die Substanzen werden durch Erhitzung in die Gasphase gebracht und über die in einem langen Rohr fixierte stationäre Phase, dessen Oberfläche aus einem Flüssigkeitsfilm oder Feststoff besteht, geströmt. Die Bedingungen für die Verbindungen sind, dass sie unzersetzt flüchtig sind. Mit Hilfe von Derivatisierung können nicht flüchtige Substanzen unzersetzt verdampfbar werden. Die mobile Phase ist ein Gas oder Gasgemisch, das ausschließlich dazu dient den Analyten zu transportieren. Das Trägergas muss inert sein. Hierfür eignen sich Stickstoff, Wasserstoff, Helium und Argon.

Bei den stationären Phasen wird je nachdem, ob es sich um einen Feststoff (Packungsmaterial mit Adsorptioneigenschaften) oder eine viskosen Flüssigkeitsfilm auf einen inerten Träger handelt, zwischen Gas-Solid-Chromatography und Gas-Liquid-Chromatography differenziert. Des Weiteren wird zwischen gepackten und Kapillarsäulen unterschieden. Gepackte Säulen beinhalten Festkörpergranulat, bestehen aus Glas oder Metall und haben einen Innendurchmesser von 1 mm und Längen von 2-3 m. Die Kapillarsäulen sind lange Glas-/Silica-Kapillaren mit Innendurchmesser von 0,2-0,3 mm und Längen von 50 m.

Die Probenaufgabe auf die Trennsäule erfolgt über Mikroliterspritzen, die durch eine Gummimembran sticht und in den thermostatisierten Injektor gebracht wird. Je nach Temperatur, Säule und Löslichkeit der Komponenten unterscheidet sich das aufgegebene Volumen. Zur quantitativen und qualitativen Bestimmung der Alkohole und Fettsäuremethylester wurde ein Injektionsvolumen von 1 µL gewählt.

Die Probenaufgabe erfolgt mit Stromteilung (Split-Injektion) bei Kapillarsäulen. In Spurenanalytik findet die Injektion ohne Stromteilung Verwendung (Splitless-Injektion), da hier die Konzentration des Analyten sehr gering ist. Die Cold-On-Column-Injektion hat den Vorteil, dass die einzelnen Substanzen ohne hoch-beheizten Injektor und somit ohne Diskriminierung der Substanzen, aufgrund der unterschiedlichen Siedepunkte, auf die Säule gelangen.

Die Trennleistung bei der Gaschromatographie wird durch Temperaturprogramm optimiert. Die Trennsäule befindet sich eine einem bis zu 400 °C heißen Säulenofen. Im Idealfall resultieren durch geeignet Programmierung der Temperatur vollständig getrennte Peaks.

Der Flammenionisationsdetektor (FID) findet am häufigsten Anwendung. Durchströmende Moleküle werden in einer Wasserstoffflamme ionisiert und dieser Ionisationsstrom gemessen. Dieses Signal wird mit einem Photomultiplier verstärkt und registriert. Der FID zählt daher zu den massenstromabhängigen unispezifischen Detektoren.

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Abb. 2 Schematischer Aufbau eines GC.[13]

1.3) Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie

Dem Namen entsprechend ist die bei der Hochleistungs-Flüssigkeitschromatographie (engl. „High Performance Liquid Chromatography“, HPLC) die mobile Phase flüssig und die stationäre Phase fest. Ein klarer Vorteil der HPLC ist, dass mit ihr ein weiter Bereich von Substanzklassen getrennt werden können. Darunter auch jene, die schwer flüchtig oder thermisch labil sind. Die Stoffe müssen sich lediglich in einem Lösungsmittel lösen. Die HPLC ermöglicht es sowohl quantitative als auch qualitative Aussagen zu treffen. Die Trennleistung lässt sich durch die Eluentenzusammensetzung, -temperatur und –druck, Säulenlänge und Partikelgröße des Füllmaterials optimieren.

Die HPLC-Säulen bestehen entweder aus Edelstahl oder Glas. Der Innendurchmesser der Säule beträgt zwischen 2 - 5 mm und die Länge kann zwischen 5 - 25 cm je nach Trennproblem variieren. Zur Optimierung der Trennstufenzahlen muss der Term der Eddy-Diffusion möglichst klein gehalten werden. Dies geschieht mit Hilfe von Mikroteilchen, die einen Durchmesser von 5 µm haben.

Zu den wichtigsten Methoden der HPLC zahlt die Adsorptionschromatographie (Normalphasen-Chromatographie). Die Affinität von den Stoffen zu der stationären Phase variiert. Die Adsorptionschromatographie ist eine Flüssig-Fest-Chromatographie, bei der die stationäre Phase polar und die mobile Phase unpolar ist. Durch die unterschiedliche Adsorption der Substanzen zur stationären Phase werden die Stoffe getrennt. Als Material wird bei der stationären Phase Silicagel und bei der mobilen Phase Heptan bis Tetrahydrofuran.

Ein weiteres Verfahren ist die Reversed-Phase Chromatographie (Umkehrphasen-Chromatographie). Im Gegensatz zur Normalphasen-Chromatographie wird als stationäre Phase chemisch modifiziertes Trägermaterial verwendet, das unpolar ist. Die mobile Phase setzt sich aus polaren Lösungsmittel- bzw. gemische zusammen. Die Reversed-Phase Chromatographie eignet sich zur Auftrennung von polaren Substanzgemischen.

Zur Injektion der Probe wird bei der HPLC eine Dosierschleife verwendet. Aufgrund des hohen Drucks bei dem die HPLC arbeitet, ist sie essentiell. Sie dient der quantitativen, reproduzierbaren Probenaufgabe. Die Probe wird zunächst drucklos auf die Dosierschleife geben. Durch das Umlegen des Ventils wird die Probe auf die Trennsäule gegeben.

Bei der HPLC wird zur Optimierung der Trennleistung zwischen isokratischer und Gradienten-Elution differenziert. Die Zusammensetzung des Laufmittels ist bei der isokratischen Elution gleich. Bei der Gradientenelution wird das Mischungsverhältnis von mindestens zwei Laufmittel während des Laufs verändert. Dadurch wird die Elutionszeit verkürzt und die Stoffe wesentlich besser getrennt. Sowohl bei der Injektion der Probe als auch bei den Lösungsmitteln muss darauf geachtet werden, dass diese gasfrei ist. Luftblasen auf der Säule schaden dieser und verändern die Retentionszeiten. Durch das Purgen werden die Schläuche vor der Säule gespült. Mögliche Luftblasen werden dadurch entfernt.

Der wichtigste Detektor bei der HPLC ist der UV/Vis-Detektor. Das Prinzip beruht auf der Absorption der Substanzen von ultravioletter Strahlen. Er verfügt über eine hohe Nachweisempfindlichkeit. Die Substanzen werden bei der Detektion nicht zerstört und der UV/Vis Detektor ermöglicht eine selektive bis unselektive Detektion bei einer Wellenlänge. Beim Diodenarray-Detektor sind verschiedene Wellenlängen gleichzeitig bestimmbar. Es kann für jede Substanz die Wellenlänge, bei der das Absorptionmaximum auftritt, gewählt werden. Jedoch ist diese Methode gegenüber dem UV/Vis Detektor ungenauer, da beim Diodenarray-Detektor ein weiter Wellenlängebereich verwendet wird, was zu einer geringeren Absorption beim Maximum führt. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Schematischer Aufbau einer HPLC.[13]

2) Proben

Zur Analyse wurden drei Proben erhalten. Durch verschiedene chromatographische Verfahren wurden die in den Proben enthaltenen Stoffe getrennt und identifiziert.

Die Joghurtprobe wurde als „Froop-Joghurt“ deklariert. Es handelte sich um einen cremigen, farblosen Joghurt, der am Bodensatz eine kirschrote Farbe aufwies. Es wurde eine qualitative sowie semi-quantitative Analyse mittels Dünnschichtchromatographie hinsichtlich der in der Probe enthaltenen Zucker, organischen Säuren und Konservierungsstoffe durchgeführt. Eine weiterführende genauere Analyse der Konservierungsstoffe erfolgte mit Hilfe der HPLC.

Als Fettprobe wurde „Rapsöl“ erhalten. Die bei Raumtemperatur flüssige Probe war dunkelgrün gefärbt, besaß einen leicht stechenden Geruch. Beim Geschmackstest wurde ein leichtes Kratzen im Rachen verspürt.

Bei der Alkohol-Chinin Probe „Sparkling Tonic Water“ handelte es sich um eine klare, farblose mit Kohlensäure versetzte Flüssigkeit. Des Weiteren wies die Probe einen alkoholischen Geruch auf. Unter Verwendung der Gaschromatographie wurde die Probe auf diverse Lösungsmittel untersucht.

3) Identifizierung von Konservierungsstoffen

3.1.) Theorie[1],[2],[3],[4],[5]

Neben den klassischen Mitteln zur Verlängerung der Haltbarkeit von Lebensmitteln wie der Zusatz von Salz, Zucker, Alkohol und der Einwirkung von Hitze werden in der Industrie chemische Konservierungsstoffe dem Lebensmitteln zugeführt. Sie haben eine antiseptische Wirkung und werden vor allem gegen Schimmelpilze und Fäulnis- bzw. Gärungserregern verwendet. Ihr Einsatz erfolgt dort, wo dieser technologisch notwendig ist. Hierbei gilt das gemäß LMFGB Verordnung (EG) Nr. 13333/2008 über Zusatzstoffe das Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt. Diese besagt, dass Zusatzstoffe, worunter auch die Konservierungsmittel fallen, nur dann eingesetzt werden dürfen, sofern sie zugelassen sind. In der Tabelle der zugelassen Konservierungsmittel sind die ADI-Werte (engl. accepatble daily intake) sowie die zugelassen Höchstmengen des Zusatzstoffes angeben. Unter anderen sind Stoffe mit quantum satis (lat. „ausreichende Menge“) zugelassen. In diesem Fall muss §7 der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung hinzugezogen werden. Bei diesen Stoffen handelt es sich um jene, die unbegrenzt verträglich sind und somit keine Höchstmengen festgelegt sind.

Um die in der Proben enthaltenden Konservierungsstoffe zu qualifizieren, können drei verschiedene Aufarbeitungsmethoden verwendet werden. Die Probe kann methanolisch oder mittels Flüssig-Flüssig-Extraktion durch ein Petrolether/Ethergemisch extrahiert werden. Eine weitere Methode ist die Isolierung der Konservierungsstoffe unter Verwendung der Wasserdampfdestillation.

Die Konservierungsstoffe zeigen eine Fluoreszenz im UV-Bereich zwischen 200 – 400 nm auf, was auf das konjugierte π-Elektronensystem zurückzuführen ist. Bei Anregung werden die Elektronen auf ein höheres Energieniveau angehoben und emittieren beim Zurückfallen in den Grundzustand Energie in Form von Licht. Diese Fluoreszenz kann auf einer Kieselgelplatte beobachtet werden. Des Weiteren kann eine Kieselgelplatte mit Fluoreszenzindikator F254 unter Bestrahlung von UV-Licht die Konservierungsstoffe, aufgrund von Absorption mit resultierender Fluoreszenzlöschung, sichtbar machen.

3.2) Probenextraktion für die Dünnschichtchromatographie

Aufgrund der komplexen Matrix im Joghurt wurde zur Probenaufarbeitung die Flüssig-flüssig-Extraktion verwendet. Aus 1,53 g Probe und 4 g Kieselgel wurde eine Suspension erstellt und in einen Säule gefüllt. Die Konservierungsstoffe wurden mit Hilfe eines 1:1 Petrolether/Diethylether-Gemisches eluiert. Störende Begleitsubstanzen verblieben an der Kieselgursäule. Das Eluat wurde eingeengt und in 4 ml Ethanol aufgenommen.

Trennproblem: Sorbinsäure, Benzoesäure, 4-Chlorbenzoesäure, p-Hydroxybensoesäure, Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl- p-Hydroxybenzoesäure, Salicylsäure

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3) Auswertung

Zur Identifizierung der zugesetzten Konservierungsmittel wurde zunächst eine DC-Platte mit der Probe und den vorgegebenen Standardsubstanzen aufgetragen (vgl. Abb. 4). Die Probe wies RF-Werte von 0,39 und 0,88 auf. Diese RF-Werte wurden mit den der Standardsubstanzen verglichen. Ähnliche RF-Werte wurden bei Sorbinsäure (Position 2, RF: 0,91), Benzoesäure (Position 3, RF: 0,91), 4-Chlorbenzoesäure (Position 4, RF: 0,91) und para-Hydroxy-Benzoesäure (Position 3, RF: 0,39) ermittelt. Die Substanzen wurden auf einer weiteren DC-Platte jeweils einzeln und gemeinsam mit der Probe dotiert. Des Weiteren wurden die Substanzen Methyl-pHB, Salicylsäure und Propyl-pHB mitdotiert, um diese mit Sicherheit auszuschließen (vgl. Abb. 5).

Die Konservierungsstoffe para-Hydroxy-Benzoesäure (Postion 1, RF: 0,92), Sorbinsäure (Position 6, RF: 0,92), 4-Chlorbenzoesäure (Position 13, RF: 0,92) und Benzoesäure (Position 9, RF: 0,92) haben sich beim Auftragen mit der Probe nicht getrennt (vgl. Abb. 5). Der Stoff para-Hydroxy-Benzoesäure wurde als positiv gewertet, denn im Vergleich zu den anderen Substanzen hatten der Stoff und die Probe denselben RF-Wert. Die weitere Platte diente lediglich der Verifizierung der Annahme, dass in der Probe die Konservierungsstoffe para-Hydroxybenzoesäure, 4-Chlorbenzoesäure und/oder Sorbinsäure enthalten seien (vgl. Abb. 6). Jedoch wurde bei den dotierten Stoffen derselbe RF-Wert von 0,92 ermittelt, so dass keiner ausgeschlossen werden konnte. Der Spot von Benzoesäure besaß im Vergleich einen größeren Radius, woraus die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass 4-Chlorbenzoesäure und Sorbinsäure enthalten seien.

3.4) Ergebnis

Die Probe beinhaltete die Konservierungsmittel para-Hydroxybenzoesäure mit einer abgeschätzten Nachweisgrenze von 0,11 % und einem geschätzten Gehalt von 0,87 %, Benzoesäure mit einer Nachweisgrenze von 0,92 % und einem geschätzten Gehalt von 0,25 % und Sorbinsäure mit einer geschätzten Nachweisgrenze von 0,92 % und einem geschätzten Gehalt von 0,14 %.

3.5) Diskussion

Das Identifizieren der Konservierungsmittel mit Hilfe der Dünnschichtchromatographie erwies sich als schwierig. Zum einen liefen die Vergleichssubstanzen auf derselben Höhe der Laufmittelfront und zum anderen trennten sich die in der Proben enthaltenen Stoffe nicht mit den Vergleichssubstanzen. Dies führte zu einer Fehlinterpretation bei der Dotierung mit 4-Chlorbenzoesäure, Sorbinsäure und Benzoesäure. Es wurde das Konservierungsmittel 4-Chlorbenzoesäure vermutet. Tatsächlich war Benzoesäure enthalten. Aufschluss ergab sich durch die HPLC-Analyse mit der die Konservierungsmittel erfolgreich getrennt und anhand eine Multistandards identifiziert werden konnten.

3.6) Rechtliche Bewertung[5]

Der „Froop-Joghurt“ wurde rechtlich als „nicht wärmebehandelte Dessertspeise auf Milchbasis“ eingeordnet. Gemäß Zulassungsverordnung (EG) 1333/2008 für Zusatzstoffe Anhang II, Teil C gilt für die Konservierungsmittel Sorbinsäure (E 200), Benzoesäure (E 210) und para-Hydroxybenzoesäure (E 214-219) demnach eine kombinierte Höchstmengenzulassung von 300 mg/kg. Aus den ermittelten Gehalten würden bezogen auf 100 g Joghurt für Sorbinsäure 140 mg, für Benzoesäure 250 mg und für para-Hydroxybenzoesäure 870 mg resultieren. Die Werte für Benzoesäure und Sorbinsäure würden damit nicht überschritten werden. Da der Wert für para-Hydroxybenzoesäure das Dreifache der zugelassenen Höchstmenge entspricht, wäre die Ware als nicht verkehrsfähig einzustufen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Probe mit Standardsubstanzen.

Tab. 1: Zuordnung der Konservierungsstoffe im Chromatogramm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Dotierung der Konservierungsmittel.

Tab. 2: Zuordnung der Konservierungsstoffe im Chromatogramm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Dotierung der Konservierungsmittel.

Tab. 3: Zuordnung der Konservierungsstoffe im Chromatogramm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4) Identifzierung von Zucker[1],[2],[3],[4]

4.1) Theorie

Zucker zählen im engeren Sinne zu den Kohlenhydraten. Diese sind Polyhydroxycarbonylverbindungen und Produkte der partiellen Oxidation mehrfacher Alkohole. Strukturell unterteilt werden die Kohlenhydrate in Mono-, Di-, Oligo- und Polysaccharide. Sie sind mengenmäßig die bedeutendsten Naturstoffe und bilden neben Fetten und Proteine die wichtigste Energiequelle für den Organismus. Durch Kondensationsreaktionen können Monosaccharide eine glykosidische Bindung ausbilden und mit weiteren monomeren Bausteinen reagieren. So besteht Saccharose aus Glucose und Fructose, die α, β-1,2-glycosidisch miteinander verbunden sind und Maltose aus zwei Glucose-Monomeren die über eine α, α-1,4-glycosidische Bindung miteinander verknüpft sind.

Bei der Probenaufarbeitung der Zucker gibt es zwei Verfahren. Die Zucker können entweder in einem Ethanol/Wasser-Gemisch oder mit Hilfe eines methanolischen Auszugs extrahiert werden. Da die Zucker mit Hilfe des polaren Extraktionsmittels Methanol gut isoliert werden können, wurde diese Methode verwendet.

Die Detektion der Zucker ist auf eine Maillard-Reaktion zurückzuführen, bei die aus der Kammer erhaltene DC-Platte mit einer Lösung aus Diphenylamin, p-Anisidin und 85 %ige Phosphorsäure besprüht wird. Die reduzierenden Zucker reagieren dabei in Folge einer nicht-enzymatischen Bräunung mit dem Diphenylamin. Unter Hitzeeinwirkung werden somit die gelaufenen Substanzen erkenntlich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Lebensmittelchemisches Grundpraktium. Chromatographie in Theorie und Praxis
Autor
Jahr
2016
Seiten
74
Katalognummer
V323747
ISBN (eBook)
9783668237643
ISBN (Buch)
9783668237650
Dateigröße
2169 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lebensmittelchemisches, grundpraktium, chromatographie, theorie, praxis
Arbeit zitieren
Björn-Darjusch Buchmann (Autor), 2016, Lebensmittelchemisches Grundpraktium. Chromatographie in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323747

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