Ausbildungschancen für jugendliche Migranten


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das deutsches Ausbildungssystem
1.1 Das duale Ausbildungssystem in Deutschland
1.2 Ausbildungschancen junger Migranten
1.3 Jugendliche Migranten ohne Berufsabschluss

2. Die Auswahl von Auszubildenden mit Migrationshintergrund durch die Ausbildungsbetriebe
2.1 Schulische Leistungen
2.2 Kulturelle und familiäre Aspekte
2.3 Ausreichende Sprachkompetenzen

3. Gesellschaftliche Konsequenzen
3.1 Bewerbungsverfahren bei Jugendlichen Migranten
3.2 Zukunft von jugendlichen Migranten ohne Berufsabschluss

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In Deutschland treffen immer häufiger Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Ethnien aufeinander und müssen miteinander Leben und voneinander lernen. Um die Integration von Menschen aus anderen Ländern/Kulturen zu fördern und Probleme zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten wurden verschiedene Kommissionen gegründet. Ein Bericht der „Unabhängigen Kommission Zuwanderung“ enthält folgende Aussagen: „Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer. Die Steuerung der Zuwanderung nach Deutschland und die Integration der Zugewanderten werden zu den wichtigsten politischen Aufgaben der nächsten Jahrzehnte gehören.“1

Jedes Land, welches Zuwanderung wünscht und zulässt, muss sich der bedeutenden Aufgabe der Integration stellen, denn Zuwanderung und Integration gehören zusammen und bilden somit eine Einheit. Eine gelungene Integration bedeutet aber, für die in Deutschland lebenden Ausländer und Zuwanderer eine gleichberechtigte Teilnahme am kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben gewährleisten zu können. Entscheidend ist hierbei, dass die Ausländer und Zuwanderer ihre kulturellen Identitäten nicht aufzugeben brauchen.2

Letztendlich entscheiden faire Zugangschancen zu den zentralen Bildungsinstitutionen wie z. B. Schule und Ausbildungsplatz einer Gesellschaft, ob jemand integriert und somit als gleichberechtigter Bürger anerkannt ist. Durch die Beseitigung von Hindernissen und die Bekämpfung von Diskriminierung spezieller Menschengruppen kann eine Integration gefördert werden.3 Da viele Migranten mit Familie kommen, sind auch die Familien zu integrieren, insbesondere die Kinder. Der Erfolg im Bildungssystem, in der beruflichen Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt ist für die jungen Migranten entscheidend für ihre spätere berufliche Zukunft und ihre Lebenschancen.4 Wenn in den folgenden Teilen dieser Arbeit von Integration gesprochen wird, so ist damit eine gelungene oder misslungene Einfügung in bestimmte Teilbereiche der Gesellschaft gemeint. Menschen sind gleichzeitig in bestimmten Bereichen inkludiert, in anderen aber exkludieret und folglich mehr oder weniger integriert. In dieser Arbeit wird der Begriff Integration für die Bereiche Schule, Ausbildung und Berufseinstieg untersucht und benutzt. In dieser Hausarbeit sollen die Zugangsmöglichkeiten zu einer Ausbildung und entsprechende Folgen näher betrachtet werden. Von Bedeutung sind hierbei, die seit mehreren Jahren angespannte Situation auf dem Ausbildungsmarkt, sowie die Frage nach der Chancengleichheit junger Menschen mit Migrationshintergrund. Allerdings ist noch anzumerken, dass die in dieser Arbeit genannten Zahlen der amtlichen Statistiken sich lediglich auf die Staatsangehörigkeit beziehen und nicht auf den Migrationshintergrund. Dies bedeutet, dass Personen, die einen Migrationshintergrund haben, aber einen deutschen Pass, in diesen Statistiken nicht berücksichtigt werden. Da ungefähr 20% der Jugendlichen in Deutschland einen Migrationshintergrund haben, von denen aber nur ein Teil eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzt, ist dies bedeutsam. Bei Untersuchungen der BIBB5 (Berufsinstitut für Berufsbildung) hingegen, beziehen sich die Ergebnisse auf die Aussagen der Befragten mit Migrationshintergrund.6

1. Das deutsches Ausbildungssystem

In diesem Teil der Hausarbeit gehen wir auf das duale Ausbildungssystem in Deutschland ein. Von besonderem Interesse ist, welche Anforderungen Schulabsolventen erbringen müssen, um eine Lehrstelle zu bekommen. Außerdem gehen wir auf Schulabgänger ohne Schulabschluss ein. Die Risiken und Instabilitäten vom Übergang von der Schule in die Ausbildung sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen, wobei hier die Schulabgänger mit Migrationshintergrund und Schulabgänger mit schlechteren schulischen Voraussetzungen deutlich stärker betroffen sind.7

1.1 Das duale Ausbildungssystem in Deutschland

Für Jugendliche steht nach der obligatorischen Schulausbildung eine qualifizierende Ausbildung an. Diese soll den Jugendlichen den Schritt in das Berufsleben erleichtern und die entsprechenden Türen öffnen um erfolgreich ins Berufsleben zu starten. In Deutschland findet das duale Ausbildungssystem Anwendung. Dies bedeutet, dass der Auszubildende eine entsprechende Berufsschule besucht und in seinem Ausbildungsbetrieb arbeitet. Mit dem Ausbildungsbetrieb wird der Ausbildungsvertrag geschlossen, dies ist bereits für viele Jugendliche die erste Herausforderung, da sie selbst einen Betrieb finden müssen, der sie ausbildet. Für die Ausbildungsbetriebe hingegen besteht die große Aufgabe darin, aus einer Vielzahl von Bewerbern, die Lehrlinge auszuwählen, die den Ansprüchen des Betriebes gerecht werden. Gerade in Zeiten von Lehrstellenmangel hat diese Form der Ausbildungsplatzvergabe weitgehende Konsequenzen für die Schulabgänger, denen aus Sicht der Personalentscheider die Ausbildungstauglichkeit abgesprochen wird. Hier sind Schulabgänger mit Migrationshintergrund im besonderen Maße leider oft betroffen. Diese, aufgrund sprachlicher und schulischer Defizite, fehlende Ausbildungsreife wird im öffentlichen Diskurs angeführt, wenn es um die schlechten Ausbildungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund geht.8

Das Problem besteht trotz einer hohen Bildungsmotivation von jungen Migranten weiter. Nach wie vor finden Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener einen Ausbildungsplatz. Nur jede/r dritte Jugendliche mit Migrationshintergrund bekam eine Zusage zu einem Ausbildungsverhältnis, während bei den deutschen Jugendlichen jede/r zweite einen Ausbildungsplatz bekam.9 Um die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern, müssen sie Bildungsgänge nutzen, die in der einen oder anderen Form eine berufliche Grundbildung vermitteln. Durch den Besuch solcher Bildungsgänge wird jedoch auch die Jugendarbeitslosigkeit gesenkt. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn durch Warteschleifen und Bewerbungsverzögerung der Jugendlichen wird ein verzerrtes Bild der Jugendarbeitslosigkeit erzeugt.10

1.2 Ausbildungschancen junger Migranten

Die Ausbildungsquote von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im dualen System ist mit 29% im Jahr 2012 gegenüber 1994 mit 34% deutlich gesunken.11 Die Zugangschancen junger Frauen und Männer mit Migrationshintergrund sind meistens gegenüber den Bewerbern mit deutschem Familienhintergrund, aufgrund der vermuteten schlechteren schulischen Vorbildung vermindert. Bewerber die aufgrund ihres Migrationshintergrundes und oder ihrer schlechteren Schulbildung keine Lehrstelle finden, gehen entweder weiter zur Schule, in eine berufliche Grundbildung, ein Praktikum, direkt in einen Job oder werden nach der Schule arbeitslos. Für junge Menschen mit Migrationshintergrund ist die Einmündung in Bildungsgänge, die lediglich eine berufliche Grundbildung vermitteln, zunehmend typisch. Grundsätzlich ermöglichen solche Bildungsgänge den Schulabsolventen mit Migrationshintergrund zwar eine Verbesserung der schulischen Voraussetzungen, wobei der negative Effekt eines wiederholten Schulbesuches von Grundbildungsgängen aber eher zur Verfestigung des Übergangstatus beiträgt.12 Der Anteil der Schulabgänger, die sich wiederholte Jahre bewerben müssen ist in den letzten Jahren gestiegen. Unter diesen Altbewerbern ist der Anteil von Schulabsolventen mit Migrationshintergrund (50%) stark überrepräsentiert.13 Nach wie vor haben Jugendliche mit Migrationshintergrund bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz schlechtere Aussichten als ihre deutschen Mitbewerber.

2012 begannen lediglich 29% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die bei der Bundesagentur gemeldeten Bewerber eine betriebliche Ausbildung, während es bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund immerhin 44% waren. Bewerber mit türkisch-arabischer Herkunft bekamen mit 25% am seltensten einen Ausbildungsplatz. Von den Bewerbern mit osteuropäischer und südeuropäischer Herkunft, bekamen 31% eine Lehrstelle. Der Schulabschluss ist ein starker Faktor für den Erfolg bei einer Ausbildungssuche. Je besser der Schulabschluss, desto höher sind die Chancen für eine Ausbildungsstelle. Hauptschulabschlüsse sind bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich intensiver vertreten, als bei deutschen Jugendlichen.14 Im Allgemeinen haben Schulabsolventen mit Abitur oder Realschulabschluss einen bedeutsamen Vorteil bei der Ausbildungsplatzvergabe gegenüber denen mit einem Hauptschulabschluss. Dieser Vorteil trifft allerdings nur auf die Schulabgänger ohne Migrationshintergrund zu, während die mit Migrationshintergrund daraus keinen Vorteil ziehen können.15 Neben dem Schulabschluss spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, wenn es um die Ausbildungsplatzsuche geht. Gute Noten im Bereich Mathematik und Deutsch, Teilnahme an einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung und die Unterstützung eines Berufseinstiegsbegleiters bei der Berufswahl können die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen. Die Versorgungsprobleme von ausländischen Jugendlichen mit Lehrstellen, weisen deutlich auf entsprechenden Handlungsbedarf hin.16

1.3 Jugendliche Migranten ohne Berufsabschluss

Der wirklich schwere Zugang zu einem Ausbildungsverhältnis für Jugendliche mit Migrationshintergrund führt dazu, dass viele oft gar keinen Berufsabschluss erreichen. Höhere Schulabschlüsse bei jungen Migranten zahlen sich auf dem Ausbildungsmarkt nicht aus. Die ausländischen jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss sind fast dreimal so viele wie die deutschen Jugendlichen (30,5% zu 10,9%). Jugendliche mit türkisch oder arabisch klingenden Namen, werden oft schon in der ersten Bewerbungsphase benachteiligt.17 Im Jahr 2012 lag der Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss bei 15%. Eine wichtige Ursache dafür ist, dass der Bedarf an notwendigen Ausbildungsplätzen viel zu niedrig eingeschätzt wird. 39% der Jugendlichen ohne Berufsschulabschluss haben laut einer Studie einen Migrationshintergrund. Das Risiko einer dauerhaften Berufsausbildungslosigkeit steigt besonders, wenn die jungen Erwachsenen noch im Ausland geboren und erst ab dem sechsten Lebensjahr oder später nach Deutschland gekommen sind.18

[...]


1 Vgl. BiBB: Bevölkerung. Fakten - Trends - Ursachen - Erwartungen - Die wichtigsten Fragen, S.15.

2 Vgl. ebd., S.17.

3 Vgl. Häußermann, Hartmut/Kapphan, Andreas: Integrationspolitik der Städte - ein Paradigmenwechsel. S.17.

4 Vgl. ebd., S.17.

5 BIBB: Die BA/BIBB-Bewerberbefragung ist eine bundesweite, repräsentative, schriftliche postalische Erhebung bei Jugendlichen, die bei der Berufsberatung offiziell als Ausbildungsstellenbewerber gemeldet sind.

5 Vgl. Eggruber, Ruth/Rützel ,Josef: Berufsausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund, S.17

7 Vgl. ebd., S.1

8 Vgl. Imdorf, Christian: Migranten jugendliche in der betrieblichen Ausbildungsplatzvergabe, S.113.

9 Vgl. Granato, Mona: Potenziale der Vielfalt in Ausbildung und Beruf nutzen, S. 1.

10 Vgl. Ulrich, Joachim Gerd: Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. S.4.

11 Vgl. Enggruber, Ruth; Rützel, Josef: Berufsausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund, S.14.

12 Vgl. Granato, Mona: Junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund: Ausbildung Ade?, S.2.

13 Vgl. ebd., S.3.

14 Vgl. Beicht, Ursula/Granato, Mona/ Matthes, Stephanie: Ausbildungschancen mit Migrationshintergrund und die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt, S.2

15 Vgl. Granato, Mona: Integration und berufliche Ausbildung, S.2

16 Vgl. Beicht, Ursula/Granato, Mona/ Matthes, Stephanie: Ausbildungschancen mit Migrationshintergrund und die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt, S.3

17 Vgl. Schmidt, Jonas-Erik/Reimann, Anna: Ausländerbericht: Bildung zahlt sich für Einwandererkinder oft nicht aus

18 Vgl. Kurzgutachten: Jugendliche ohne Berufsabschluss (www.migazin.de).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ausbildungschancen für jugendliche Migranten
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V323757
ISBN (eBook)
9783668228689
ISBN (Buch)
9783668228696
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Migration, Jugendliche, Ausbildungsplatz, Kultur, Bildungssystem, Chancengleichheit, Migrationshintergrund
Arbeit zitieren
Claudia Gattkowski (Autor), 2014, Ausbildungschancen für jugendliche Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323757

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