Der politisch motivierte Suizid. Hintergründe und Folgen der Selbstverbrennung Thich Quang Ducs


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition und Differenzierung: Selbstverbrennung und Protestsuizid

2. Das Fallbeispiel Thich Quang Ducs
2.1 Bibliographie Thich Quang Ducs
2.2 Thich Quang Ducs Selbstverbrennung
2.3 Hintergründe und Auslöser der Selbstverbrennung Thich Quang Ducs
2.4 Folgen der Selbstverbrennung Thich Quang Ducs

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit ist der politisch motivierte Suizid. Die forschungsleitende Fragestellung lautet daher: unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen wird ein Suizid zur politischen Waffe und welches Einflusspotential hat sie damit auf das politische Geschehen? Ein suizidaler Vorgang wird erst durch eine geeignete Interpretation zu einem politisch motivierten Suizid (vgl. Graitl 2011, 34). Eine Interpretation stellt eine persönliche Deutung dar (vgl. DUDEN 2005, 471). Daher sind einige Vorkommnisse suizidaler Verfahren bezüglich ihres politischen Hintergrundes nicht eindeutig einzuordnen (vgl. Graitl 2011, 34). Zur Differenzierung und Reduzierung unkorrekter Auslegungen werden im Folgenden zwei Formen des politisch motivierten Suizids präsentiert: Protestsuizide und Selbstverbrennungen. Zunächst werden Definitionen und Differenzierungen zu den aufgeführten Formen des politisch motivierten Suizids dargestellt. Daraufhin wird der historische Werdegang dieser Formen untersucht. Zu belegen gilt, dass ein Suizid eine politische Waffe verkörpern kann und auch ein gewisses Einflusspotential auf das politische Geschehen mit sich bringt.

Die Thematik der Selbstverbrennung und des Protestsuizids weisen in ihren Definitionen mehrere divergierende Bezeichnungen mit vielen abweichenden Sinngehalten auf. Daher werde ich in dem ersten Teil meiner Hausarbeit auf die Begrifflichkeiten „self-immolation“, „political self-incineration“, „political suicide“, „protest suicide“ und „suicide protest“ eingehen, die jeweils von verschiedenen Autoren entwickelt wurden. Darunter befindend Psychiater, Humanmediziner, Psychologen, Crosby, Rhee, Holland, Kim, Lahiri und Biggs. Des Weiteren werden drei Kriterien zur Differenzierung von Kevin Crosby, Joong-oh Rhee, Jimmie Holland vorgestellt. Die Schlüsselbegriffe „Protestsuizid“ und „Suizidproteste“ werden sinngemäß synonym behandelt.

Der zweite Teil meiner Hausarbeit widmet sich dem Fallbeispiel Thich Quang Ducs. Zunächst gehe ich auf dessen Bibliographie ein. Desweiteren wird die Selbstverbrennung Thich Quang Ducs dargestellt. Daraufhin erläutere ich die damit verbundenen Hintergründe und somit die Auslöser dieses Ereignisses. Dementsprechend gehe ich auf die Folgen dieses Akts bezüglich der politischen und gesellschaftlichen Umstände ein. Infolgedessen befinden sich zwei Abbildungen, die die Entwicklung der Protestsuizide von 1919 bis 2010 veranschaulichen. Diese werden etwas näher erläutert. Zuletzt folgt das Fazit.

Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen wird ein Suizid zur politischen Waffe und welches Einflusspotential hat sie damit auf das politische Geschehen?

1. Definition und Differenzierung: Selbstverbrennung und Protestsuizid

Das Thema „politisch motivierter Suizid“ weist in seinen Definitionen bezüglich der Selbstverbrennung und der Protestsuizide viele differente Begrifflichkeiten mit inhomogenen Gehalten auf. Daher werden in diesem Kapitel folgende Begrifflichkeiten näher betrachtet: self-immolation, political self-incineration, political suicide, protest suicide, sowie suicide protest. Hinzufügend werden die drei Kriterien von K. Crosby, JO. Rhee und J. Hollands zur Realisierung einer politisch motivierten Selbstverbrennung dargestellt. Zusätzlich sind die Definitionen zu dem gegebenen Thema von Lahiri und Biggs aufgeführt.

Definition self-immolation

„Self-immolation“ oder „Selbstverbrennung“ sind die zwei Begrifflichkeiten, die von Psychiatern, Humanmedizinern und Psychologen verwendet werden (vgl. Graitl 2011, 35). Hierunter fallend sind alle Suizide, die durch die Selbstverbrennung durch Feuer vollzogen werden (vgl. Graitl 2011, 35). Diese Begrifflichkeiten und ihre dazugehörende Definition nimmt keine Differenzierung bezüglich persönlichem und politisch motiviertem Suizid vor (vgl. Graitl 2011, 35). Zudem bedeutet der Begriff „self-immolation“ wörtlich übersetzt Selbstopferung (vgl. Graitl, 35). „Selbstopferung“ schließt nicht unmittelbar den Tod durch Feuer mit ein (vgl. Graitl, 35). Aus diesem Grund setzen sich Crosby, Rhee und Holland gegen diese Begrifflichkeit ein (vgl. Graitl 2011. 35).

Definition political self-incineration

„Political self-incineration“ bedeutet wörtlich übersetzt „politische Selbstverbrennung“. Diese Benennung stammt von Crosby, Rhee und Holland ab (vgl. Graitl, 35). Sie schließt die Selbstopferung durch Feuer mit ein. Ausgeschlossen sind alle Protestsuizide, die durch eine andersartige Methode realisiert werden (vgl. Gratil, 35).

Definition suicide protest

„Suicide protest“ ist eine Betitelung, die von Hyojoung Kim stammt (vgl. Graitl 2011, 35). Der Suizid an sich ist bei dieser Bezeichnung zweitrangig (vgl. Graitl 2011, 35). Im Vordergrund steht der Fakt, dass es sich um einen Protest handelt, „der nur mit dem Mittel der Selbsttötung ausgeführt wird“ (Graitl 2011, 35). Deswegen befindet Kim die Begrifflichkeiten „political suicide“, der von Byeong-chul Ben Park, und „protest siuicide“, der von Cheryl Jorgensen-Earp und Karin Andriolo entspringen, als nicht passend (vgl. Gratil 2011, 35).

Definition von Simanti Lahriri

„Protest suicide attempts to draw the attention of others to something that, in the suicide’s perception, constitutes a wrong of moral, political, or economic dimension, a wrong that affects the lives of many. If a protest suicide were to reach its ideal goal, attention would initiate action that, ultimately, would right the wrong. This definition, potentially, could cover two kinds of suicide: (1) a version in which the protest agenda is expressed solely by means of suicide, and (2) a version in which self destruction is intended to kill others, as is the case in suicide bombing“ (Graitl 2011, 36, zit. nach Lahiri 2008, 5).

In dieser Definition werden die verschiedenen Formen des Suizids nicht genügend differenziert (vgl. Graitl 2011, 36). Außerdem wird davon ausgegangen, dass es sich um eine soziale Bewegung handelt, die den Akt des Suizids ausführt (vgl. Graitl 2011, 36). Dies ist bei vielen Selbstverbrennungen nicht gegeben (vgl. Graitl 2011, 36).

Definition von Michael Biggs

„First, an individual intentionally kills herself or himself, or at least inflicts physical injury likely to cause death. Second, the act is not intended to harm anyone else or to cause material damage. Third, the act is ,public‘ in either of two senses: performed in a public place, or accompanied by a written declaration addressed to political figures or to the general public.69 Fourth, the act is committed for a collective cause rather than personal or familial grievances“ (Graitl 2011, 36, zit. nach Biggs 2011, o.S.).

Diese Definition erweist sich als präziser, da hier die unterschiedlichen Formen des Suizids differenziert dargestellt sind (vgl. Graitl 2011, 36).

Die drei Kriterien Crosbys, Rhee und Hollands

Die im Folgenden aufgeführten drei Kriterien Crosbys, Rhee und Hollands müssen eintreffen, damit man von einer politischen Selbstverbrennung ausgehen kann (vgl. Graitl 2011, 35):

1. Kriterium: Das Individuum muss vor dem Akt des Suizids kenntlich gemacht haben, dass es sich um eine Selbsttötung handelt, die sich aufgrund eines Protestes ereignet (vgl. Graitl 2011, 36).
2. Kriterium: Die Selbstverbrennung muss an einem öffentlichen Platz realisiert werden (vgl. Graitl 2011, 36).
3. Kriterium: Das Individuum, das den Akt des politischen Suizids ausführen möchte, darf keine groben offensichtlichen Hinweise auf eine psychische Krankheit aufweisen (vgl. Graitl 2011, 36).

An diesen drei Kriterien sind negative Aspekte zu beurteilen. Hier wird keine Definition dafür gefunden, was man unter „Protest“ versteht (vgl. Graitl 2011, 36). Das zweite Kriterium besagt, dass man den politischen Suizid an einem öffentlichen Platz vollziehen müsse. Jedoch ist es nicht von Bedeutung, dass es an einem öffentlichen Platz bzw. in der Öffentlichkeit geschieht, sondern der Suizid von möglichst vielen Individuen wahrgenommen wird (vgl. Graitl 2011, 36). Dies ist auch der Fall, wenn man den politischen Suizid an einem privaten Ort ausführt und gewährleistet, dass es mediale Vervielfältigungen unterliegt (vgl. Graitl 2011, 36).

2. Das Fallbeispiel Thich Quang Ducs

Am 11. Juni 1963 hat sich ein buddhistischer Mönch in einer belebten Straßenkreuzung in Saigon (Vietnam) selbst geopfert (vgl. Buddhism Today 2000). Dieser buddhistische Mönch, namens Thich Quang Duc, stellte damit den ersten und berühmtesten Akt der Selbstverbrennung dar (vgl. Sanburn 2011). Bilder dieses Ereignisses waren am darauf folgenden Tag des Protestsuizids auf dem Titelblatt der Hauptzeitung Amerikas zu sehen (vgl. Spector 2015). Thich Quang Ducs brennender Körper bleibt somit einer der einzigartigen Bilder des 20. Jahrhunderts (vgl. Cope 2012). Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werde ich die Bibliographie Thich Quang Ducs präsentieren. Im Anschluss wird der genaue Akt der Selbstverbrennung des buddhistischen Mönchs und den dazugehörigen Hintergründen und den daraus resultierenden Folgen erläutert.

2.1 Bibliographie Thich Quang Ducs

Der buddhistische Mönch Thich Quang Duc ist 1897 in Hoi Khanh, im Zentrum Vietnams, geboren und am 11. Juni 1963 in Saigon gestorben (vgl. Blazek 2011). Sein Geburtsname lautet Lam Van Tuc (vgl. Blazek 2011). Er stammt aus einer großen Familie mit sechs Geschwistern (vgl. Blazek 2011). Im Alter von sieben Jahren partizipierte er im mahayanischen Kloster (vgl. Blazek 2011). Seinen Namen „Thich Quang Duc“ trägt er seit seinem zwanzigsten Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt wurde er endgültig zum buddhistischen Mönch (vgl. Blazek 2011). Im Jahr 1932 wurde er zum Aufseher für buddhistische Klöster delegiert (vgl. Blazek 2011). Dadurch wurde er für die Erschaffung vierzehn neuer Tempel verantwortlich (vgl. Blazek 2011). Zwei Jahre später ist er nach Südvietnam umgesiedelt (vgl. Blazek 2011). Dort hat er als Lehrer gearbeitet (vgl. Blazek 2011). In den darauf folgenden Jahren hat er sich der Berufung als Aufseher der buddhistischen Klöster wieder gewidmet (vgl. Blazek 2011). Unter seiner Direktion sind insgesamt einunddreißig Tempel erbaut worden (vgl. Blazek 2011). In dem Jahr 1943 ist er nach Saigon umgezogen (vgl. Blazek 2011). Dort verbrachte er seine Zeit zunächst als Leiter der Kommission für zeremonielle Rituale (vgl. Blazek 2011). Folglich wurde er zu einer der geistlichen Hauptpersonen des vietnamesischen Buddhismus (vgl. Blazek 2011).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der politisch motivierte Suizid. Hintergründe und Folgen der Selbstverbrennung Thich Quang Ducs
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politische Theorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V323836
ISBN (eBook)
9783668229167
ISBN (Buch)
9783668229174
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Medien, politisch motivierter Suizid, Hausarbeit, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Myriam Grajewski (Autor), 2015, Der politisch motivierte Suizid. Hintergründe und Folgen der Selbstverbrennung Thich Quang Ducs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323836

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