Form und Funktion der Pluralmarkierung im Deutschen, Chinesischen, Türkischen und Indonesischen

Pluralität von Nomen im kontrastiven Sprachvergleich


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Plural und seine Funktion

3 Begründung der Sprachauswahl

4 Der Plural im Deutschen

5 Der Plural im Türkischen

6 Der Plural im Chinesischen

7 Der Plural im Indonesischen

8 Vergleich der Sprachen und daraus folgende Lehren für den DaF-Unterricht

9 Fazit und Ausblick

Bibliographie

1 Einleitung

Lehrkräfte im Fach Deutsch als Fremdsprache unterrichten regelmäßig Lernende aus verschiedenen Herkunftsländern, die über unterschiedliche Muttersprachen, Kultur- und Fremdsprachkenntnissen verfügen. Um auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden eingehen zu können und somit einen bestmöglichen Spracherwerb zu fördern, ist es wichtig, dass die Lehrkraft einige Besonderheiten ihrer Muttersprache kennt. Dadurch können Fehler, die sprachlich bedingt sind und zum Beispiel durch Interferenz aus der L1 entstehen, identifiziert, verbessert und zukünftig vermieden werden (vgl. Hochländer 2012: o.S.).

Alle Menschen sind allerdings Ethnozentristen und sehen die eigene Kultur mit ihren Verhaltensmustern als normal und richtig an. Deshalb betrachten sie auch die eigene Sprache mit ihrer Grammatik als das Normale, wobei schnell vergessen werden kann, dass nicht alle Sprachen gleich funktionieren. Genau das sollte Lehrkräften nicht passieren. Sie sollten sich bewusst machen, dass Sprachen variieren und somit auch Unterschiede aufzeigen (vgl. Simon-Pelanda 2001: 934).

Ein Thema, dem alle Lehrkräfte und Lernenden bereits relativ zu Beginn des DaF-Unterrichts begegnen, ist die Pluralbildung von Nomen (vgl. Niebisch et al. 2005: IV). Probleme bereiten kann auch hierbei, dass nicht allen Lernenden die Art der deutschen Pluralmarkierung vertraut ist. In manchen Sprachen der Welt gibt es nämlich beispielsweise gar keine Pluralmarkierung, während der Plural in den anderen Sprachen unterschiedliche Formen hat (vgl. Dryer 2013: o.S.). Auch die Häufigkeit der Pluralverwendung variiert von Sprache zu Sprache je nach Kontext (vgl. Haspelmath 2013: o.S.).

Ziel dieser Hausarbeit ist es deshalb, sich genauer mit der Bildung und Markierung des Plurals auseinanderzusetzen, um die sprachlichen Unterschiede zu verdeutlichen. Dazu werden die Formen und die Funktionen des Plurals im Verlauf dieser Arbeit an einem convenience sample von vier Sprachen untersucht, nämlich am Deutschen, dem Türkischen, dem Chinesischen und dem Indonesischen.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden zuerst der Pluralbegriff und die Funktion des Plurals näher erläutert, um eine gewisse Verständnisgrundlage für die folgenden Kapitel zu schaffen. Anschließend soll kurz die Auswahl des convenience samples begründet werden, mit der im weiteren Verlauf gearbeitet wird. Im darauffolgenden Kapitel werden dann die Sprachen, die zur Betrachtung der Pluralbildung und -markierung herangezogen werden, vorgestellt. Dabei wird zuerst die Pluralität im Deutschen betrachtet, bevor im folgenden Kapitel der türkische Plural erklärt wird. Als dritte Sprache wird dann das Chinesische mit seiner Pluralmarkierung erläutert. Schließlich wird im letzten Kapitel auch noch die Pluralität in der Bahasa Indonesia in Betracht gezogen, bevor die Pluralbildung und -markierung der Sprachen miteinander verglichen wird. Hierbei soll auch darauf eingegangen werden, welche Lehren man aus diesem Vergleich für den DaF-Unterricht ziehen kann. Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst und ein Ausblick in die Zukunft gewagt.

2 Der Plural und seine Funktion

Das Wort Plural kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „in der Mehrzahl stehend“ (Dudenredaktion 2003: 1359). Unter dem Begriff wird also die Numeruskategorie zusammengefasst, die aufzeigt, dass mehrere Ausführungen einer Einheit vorliegen. Wie viele Einheiten genau vorliegen, wird alleine durch die Verwendung des Plurals nicht erwähnt, sondern lediglich, „dass es sich um mehr als nur eine (…) [, also um mehr als den Singular,] handelt“ (Dudenredaktion 2003: 1359).

Insgesamt zeigt der Numerus, die „Anzahl von Entitäten [an], auf die sich ein sprachlicher Ausdruck bezieht“ (Krifka 2006:1). Neben Singular und Plural gibt es allerdings noch weitere Numeruskategorien, zum Beispiel den Dual, den Trial, den Quadral und den Paucal (vgl. Greenberg 1963: 93ff). Diese werden in manchen Sprachen dazu verwendet, zwei, drei, vier oder wenige Ausführungen eines Elementes zu markieren. Die Existenz der vorhergehenden Numeruskategorien ist dabei immer eine notwendige Voraussetzung. In einer Sprache, in der es einen Trial gibt, gibt es folglich automatisch auch immer eine Dual-, eine Plural- und eine Singularform (vgl. Greenberg 1963: 94).

Nachdem die benötigten Vorkenntnisse zum Plural nun bereits kurz erläutert wurden, sollen im Anschluss die Sprachen vorgestellt werden, deren Pluralbildung im Verlauf dieser Arbeit analysiert und verglichen werden soll. Dabei soll begründet werden, warum gerade diese Sprachen für die folgende Analyse ausgewählt wurden.

3 Begründung der Sprachauswahl

Um untersuchen zu können, welche Unterschiede und Ähnlichkeiten es bei der Pluralmarkierung gibt, wird im Folgenden mit einem convenience sample von vier Sprachen gearbeitet: mit dem Deutschen, dem Türkischen, dem Chinesischen und dem Indonesischen. Die türkischen Lerner stellen gerade im deutschen Raum eine der größten DaF-Lernergruppen dar, da sie die größte Ausländergruppe in Deutschland sind (Auswärtiges Amt 2015: 35). Das heißt auch, dass viele Lehrkräfte ihnen in ihrem Arbeitsalltag begegnen und ihnen dabei helfen, die deutsche Sprache zu erlernen, die ihre Eltern oder vorangehende Generationen möglicherweise auch nur als Fremdsprache oder gar nicht gelernt haben. Seitdem im Jahr 2012 eine Neuregelung dem Fremdsprachenunterricht in der Türkei eine höhere Stellung zuwies, wird „an über 90% der Anadolu-Gymnasien (...) [als] zweite Fremdsprache (…) Deutsch“ (Auswärtiges Amt 2015: 35) unterrichtet. Die Anzahl an türkischen Lernenden in DaF-Kursen ist damit sehr gewachsen.

Gerade auch in Asien erlangte die deutsche Sprache in den vergangenen Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit. Im chinesischen Raum „hat sich die Zahl der Deutschlerner in den letzten fünf Jahren [sogar] auf heute 117.000 verdoppelt“ (Vaillan 2015: o.S.). Dieser Trend zeigt bereits, dass in den letzten Jahren immer mehr chinesische Lernende am DaF-Unterricht teilgenommen haben und dass das erst einmal auch so bleiben wird. Aus diesem Grund müssen sich auch die Lehrkräfte mit dieser Lernergruppe beschäftigen und versuchen, deren Sprachlernprozess zu verstehen, um ihn weiterhin erfolgreich zu gestalten. Insgesamt ist Mandarin (Hochchinesisch) außerdem die Sprache, die weltweit am zweithäufigsten gesprochen wird (vgl. Lewis 2009a: o.S.).

Auch in Indonesien lernen viele Menschen Chinesisch. Deutsch ist allerdings die beliebteste „europäische[] [Fremd-]Sprache nach Englisch“ (Huth 2014: o.S.) und kann deshalb an vielen Orten und Bildungsinstitutionen erlernt werden. Während Deutsch wie andere europäische Sprachen eine indogermanische Sprache ist, ist Indonesisch eine austronesische Sprache und somit in den Top5 der häufigsten Sprachfamilien (vgl. Lewis 2009b). Gleichzeitig gibt dies Grund zur Annahme, dass die Bahasa Indonesia möglicherweise nicht so viele Ähnlichkeiten mit dem Deutschen aufzeigt, wie es andere indogermanische Sprachen aus dem europäischen Raum tun. Der folgende Vergleich kann genau das untersuchen.

Alle drei Sprachen sollen außerdem mit der deutschen Sprache, meiner Muttersprache, verglichen werden. Mit dieser Sprache sind sowohl ich als auch andere DaF-Lehrkräfte wegen ihrer regelmäßigen Verwendung und dem Studium vertraut. Da alle Menschen Ethnozentristen sind, werden die eigene Muttersprache und die eigene Kultur von ihnen üblicherweise als das Richtige angesehen. Gerade DaF-Lehrer sollten sich allerdings dafür sensibilisieren, dass es auf dieser Welt noch viele andere Sprachen und Kulturen gibt, die diesen Anspruch ebenfalls stellen (vgl. Simon-Pelanda 2001: 934). Diese Arbeit soll ihnen deshalb dabei helfen, Verknüpfungen zwischen der Pluralbildung in der eigenen Sprache und den anderen Sprachen aufzuzeigen und gleichzeitig auch deren Unterschiede deutlich zu machen. Um den Vergleich zu ermöglichen und aufzuzeigen, welche Kenntnisse die meisten DaF-Lehrer ihren Lernenden vermitteln möchten, wird im folgenden Kapitel zuerst die Pluralbildung im Deutschen näher erläutert.

4 Der Plural im Deutschen

Flexionsmorpheme können am deutschen Nomen sowohl das Genus und den Kasus als auch den Numerus ausdrücken. Insgesamt gibt es in der deutschen Sprache nur zwei der bereits erwähnten Numeruskategorien, den Singular und den Plural. Letzterer wird meistens durch das Anhängen eines Suffixes an das Nomen markiert. Dabei kann man nicht in allen Fällen dasselbe Suffix verwenden, sondern muss zwischen vier unterschiedlichen wählen. Neben den „Pluralsuffixe[n] (…) –e, -en, [und] –er, [gibt es auch das] Suffix[] (…) -s “ (Wegener 2005: 86) (1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Pluralbildung mit –er und –e kommt es häufig zur Verumlautung des Stammvokals (2). Dieser kombinierte Umlautplural wird also doppelt markiert, sowohl durch das Hinzufügen eines Suffixes als auch durch den Umlaut, der an die Stelle des Vokals tritt (vgl. Dietz 2012: 2). Wird der Plural bei femininen Nomen auf –in wie zum Beispiel Lehrerin mit –en gebildet, so verdoppelt sich der Konsonant n bevor die Pluralendung angehängt wird (3). Die Endungen der Pluralnomen sind trotzdem nicht immer hundertprozentig gleich mit den zuvor näher erläuterten Suffixen, da die Endung bei der Deklination an den Kasus angepasst werden muss (vgl. Dudenredaktion 2015: 397) (4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Manchmal wird der Plural im Deutschen allerdings nicht durch ein Suffix markiert, sondern nur durch den Wechsel des Stammvokals in einen Umlaut (5). Dieses sogenannte „Null-Allomorph -ø“ (Wegener 2005: 86) gehört zum gleichen Morphem wie das Suffix –e und führt zu einem reinen Umlautplural. In wenigen Fällen ist der Plural auch komplett mit dem Singular identisch, da es keine Umlautung gibt, und kann daher nur durch den Pluralartikel die erkannt werden (vgl. Dietz 2012:3)(6):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pluralmarkierungen sind im Deutschen obligatorisch (vgl. Dietz 2012: 1). Spricht man über Personen oder Dinge, die in der Mehrzahl vorliegen, muss das immer im Satz markiert werden, da es sonst zu Unklarheiten kommt. Dies soll an folgendem Beispiel gezeigt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wird in beiden Fällen der Singular (7a) oder Plural (7b) der Nomen verwendet, so ist verständlich, dass jedes Mädchen über das gesprochen wird, eine eigene Gabel verwendet. Würde man den Plural des Wortes Gabeln weglassen (7c), da das Wort Mädchen bereits markiert ist, so könnte man im Deutschen annehmen, dass zwei Mädchen sich eine Gabel teilen. Wie sich in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit zeigen wird, ist in manchen Sprachen im Gegensatz zum Deutschen auch im Beispiel 7c erkennbar, dass der Plural stehen muss, da man diesen aus dem Kontext erschließen kann. So wäre in diesen Sprachen auch hierbei klar, dass jedes Mädchen eine eigene Gabel hat. Im Deutschen kann der Satz 7c aber zu Missverständnisse führen, da der Plural immer markiert werden muss.

Insgesamt gibt es in der deutschen Sprache wie bereits erwähnt viele unterschiedliche Pluralmorpheme (vgl. Dietz 2012: 1ff). Lernenden fällt es deshalb oft schwer, die richtige Art der Pluralmarkierung und das passende Suffix zu finden. Das liegt unter anderem daran, dass es kompliziert ist, die Regeln der deutschen Pluralbildung zu erklären. Die Regeln, nach denen die Verteilung der Pluralmarkierung passiert, sind nämlich meistens auf den ersten Blick kompliziert.

Die meisten Autoren wie auch Gunther Dietz (vgl. 2012:1ff) weisen darauf hin, dass auf Basis des Genus und der Wortendung entschieden werden kann, welches Suffix gewählt werden muss. Die so aufgestellten Regeln stimmen allerdings nicht immer mit der tatsächlichen Pluralmarkierung überein, da auch sie nur auf Wahrscheinlichkeiten beruhen und somit eher als Stützen dienen sollen. Ob diese Wahrscheinlichkeiten auf der eigenen Meinung des Autors oder beispielsweise auf Korpusdaten beruhen, wird allerdings oft nicht näher erläutert (vgl. Dietz 2012:2ff).

Die Universität München beschreibt die Verteilung der Pluralmarkierung mit ihren Ausnahmen und Wahrscheinlichkeiten in einem sechsseitigen Dokument (siehe Dietz 2012). Doch auch ihre kurze Zusammenfassung zeigt, dass die Wahl des richtigen Suffixes im Deutschen nicht nur nach einer Regel funktioniert, sondern etwas mehr Überlegung kostet:

Abbildung 1: Zusammenfassung – Faustregeln zur Pluralbildung (nach Dietz 2012: 6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Je größer die Schriftart der Suffixe in den Kästchen 4a, b und c in Abbildung 1, desto wahrscheinlicher sind sie nach Angabe des Autors. Die meisten weiblichen Nomen, die als letzten Buchstaben einen Mitlaut haben, fügen demnach beispielsweise im Plural das Suffix –en hinzu (siehe auch Dietz 2012: 2). Trotzdem wird in dieser Zusammenfassung sowie auch in der ausführlichen Beschreibung im Text ebenfalls auf Ausnahmen und andere mögliche Suffixe hingewiesen (vgl. auch Dietz 2012: 2). Diese zeigen, dass absolute Regeln zur deutschen Pluralbildung fast unmöglich sind, da die Suffigierung größtenteils von der Morphologie abhängig ist. Nur der Unterschied zwischen den Suffixen –en und –n wird durch die „[M]orphonologi[e]“ (vgl. Wegener 2005: 86) und somit auch durch die vorhergehenden Buchstaben bestimmt.

Auch wenn die Pluralmarkierung im Deutschen obligatorisch ist, muss erwähnt werden, dass es trotzdem Wörter gibt, die nur im Singular oder nur im Plural vorkommen, so dass ihre Verwendung in dem anderen Numerus oft keinen Sinn macht oder die Bedeutung verändert. Oft handelt es sich bei einem solchen „Singularetantum“ (Krifka 2006:1) um unzählbare Begriffe wie zum Beispiel Hass oder Dunkelheit. Bei diesen Wörtern findet aus diesem Grund keine Pluralmarkierung statt. Im Gegenteil dazu gibt es auch Wörter, die man nur im Plural finden kann wie beispielsweise die „Massennomina (…) Kosten [und] (…) Insignien “ (Krifka 2006:1).

Bei einem Blick in den Duden wird außerdem sichtbar, dass manche Substantive zwei mögliche Pluralformen haben. So kann das Substantiv Globus im Plural sowohl als Globusse als auch als Globen verwendet werden (vgl. Dudenredaktion 2015: 379). Der Plural Globen bezieht sich dabei auf den Plural des lateinischen Ursprungswortes, während der Plural Globusse die Anpassung an die deutsche Grammatik wagt, in dem der e-Plural verwendet wird (vgl. Dietz 2012: 4). Wie man an diesem Beispiel sehen kann, handelt es sich bei den Nomen, bei denen dieses Phänomen auftritt, oft um ausländische Wörter, die in das Deutsche übernommen und mit der Zeit an dessen Grammatik angepasst wurden.

Wie dieses Kapitel gezeigt hat, ist die Pluralmarkierung im Deutschen immer obligatorisch, sofern das Nomen im Plural stehen kann und kann auch beim Zusatz einer bestimmten oder unbestimmten Numerale nicht einfach weggelassen werden. Dies gilt beispielsweise auch bei Aufzählungen. Trotzdem wird der Plural bei manchen Nomen nur durch ein Nullallomorph gekennzeichnet, das nicht sichtbar ist. Eine Pluralmarkierung durch Reduplikation oder Präfigierung ist im Deutschen nicht möglich. Außerdem gibt es auch keine Wörter, die als Pluralmarker vor das Nomen im Singular gestellt werden können. Insgesamt gestaltet sich die Beschreibung der deutschen Pluralmarkierung aber trotzdem als schwierig, da die aufgestellten Regeln immer auch eine große Anzahl an Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten mit sich bringen (vgl. Dietz 2012: 1ff). Das nächste Kapitel wird zeigen, ob das im Türkischen auch so ist. Dazu soll auch an dieser Sprache untersucht werden, wie der Plural markiert wird und wann dies der Fall sein muss.

5 Der Plural im Türkischen

Im Türkischen wird die Mehrzahl durch die zwei Allomorphe „ -ler oder –lar “ (Landmann 2009: 5), die als Suffix an das Substantiv gehängt werden, ausgedrückt. Welches Suffix verwendet werden muss, hängt von dem Vokal in der letzten Wortsilbe des Nomens ab. Ist dieser Vokal hell wie beispielsweise die türkischen Vokale „ e, i, ö und u “ (Landmann 2009: 5), wird der unbestimmte Plural nach der kleinen Vokalharmonie mit -ler gebildet (8). Beinhaltet die letzte Wortsilbe einen dunklen Vokal wie „ a, ı, o oder u “ (Landmann 2009: 5), wird stattdessen das Suffix –lar hinzugefügt (9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allerdings ist die Pluralmarkierung im Türkischen nicht immer obligatorisch. Steht beispielsweise ein bestimmtes Numerale, also Zahlenwort, vor dem Nomen, so wird der Plural nicht mehr extra durch das Hinzufügen eines Suffixes an das Substantiv markiert, da er schon durch die voranstehende Zahl deutlich wird (10) (vgl. Ersen-Rasch 2012: 3). Die Pluralmarkierung am Nomen ist hier deshalb überflüssig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dasselbe gilt bei einem Substantiv, das hinter einem unbestimmten Zahladjektiv steht (11) oder dessen Menge zum Zeitpunkt des Sprechens noch unbekannt ist, da es sich beispielsweise um das erste Treffen mit einer Person handelt (12) (vgl. Ersen-Rasch 2012: 3). Auch hier verwendet man dann den bestimmten Plural ohne Suffix. Eine Ausnahme bilden bei dieser Regel feststehende geläufige Gruppen wie beispielsweise „[ D]ie sieben Zwerge “ (Ersen-Rasch 2012: 3) (13). Bei ihnen wird trotz einer vorliegenden Zahl der Plural verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Form und Funktion der Pluralmarkierung im Deutschen, Chinesischen, Türkischen und Indonesischen
Untertitel
Pluralität von Nomen im kontrastiven Sprachvergleich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (DaF)
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V324247
ISBN (eBook)
9783668233874
ISBN (Buch)
9783668233881
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plural, Nomen, Pluralität, Mehrzahl, Indonesisch, Chinesisch, Türkisch, Pluralbildung, kontrastiver Sprachvergleich, Reduplikation
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Form und Funktion der Pluralmarkierung im Deutschen, Chinesischen, Türkischen und Indonesischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324247

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Form und Funktion der Pluralmarkierung im Deutschen, Chinesischen, Türkischen und Indonesischen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden