Seelsorge im Internet


Diplomarbeit, 2000

89 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Seelsorge
1.1 Begriff "Seelsorge"
1.2 Abgrenzung der beschriebenen Seelsorge
1.3 Begriff der Seelsorge in Bezug auf das Alte und Neue Testament
1.3.1 Biblische Grundlage
1.3.2 Orientierung an der Person Jesus
1.4 Praxis
1.4.1 Verbalisierung des Problems
1.4.2 Dialog
1.4.3 Wechselseitigkeit
1.4.4 Grundhaltungen
1.4.4.1 Emotionale Wärme
1.4.4.2 Echtheit
1.4.4.3 Verstehen
1.4.4.4 Fazit
1.4.5 Gesprächspsychotherapie
1.4.6 Fehlverhalten
1.5 Ziele der Seelsorge
1.5.1 Sinnvolleres Leben
1.5.2 Hoffnung wecken
1.5.3 Gottesbegegnung
1.6 Seelsorge im Verhältnis zu Therapie
1.7 Bevollmächtigung zur Seelsorge

2. Angebote
2.1 Internet
2.1.1 Arten der Kommunikation
2.1.1.1 E-mail
2.1.1.2 Chat
2.1.1.3 Forum, "Schwarzes Brett"
2.1.2 Eigenschaften
2.1.2.1 Anonymität
2.1.2.2 Zeit
2.1.2.3 Schrift, Sprache, Emoticons
2.1.2.6 Distanz
2.2 Konkrete Angebote
2.2.1 Trauerarbeit
2.2.2 Lebensbegleitung
2.2.3 Information
2.2.4 Beichte
2.2.4.1 Sünde
2.2.4.2 Legitimität und Sinn
2.2.4.3 Fazit
2.2.5 Gottesdienste
2.2.6 Gemeinschaften
2.2.6.1 Christliche Gemeinden
2.2.6.2 Selbsthilfegruppen
2.2.7 Anliegenbücher
2.2.8 Bibelkreis
2.2.9 Gebet
2.2.10 Sonstiges
2.3 Statistiken
2.3.1 Zahlen
2.3.2 Themengebiete der Anfragen
2.3.3 Seelsorger

3. Evaluation
3.1 Vor- und Nachteile des Mediums
3.1.1 Anonymität
3.1.2 Demokratie
3.1.3 Identität
3.1.4 Kontaktschwelle
3.1.5 Eigeninitiative
3.1.6 Vertrautheit der Umgebung
3.1.7 Distanz und Nähe
3.1.8 Eigene Verfügbarkeit
3.1.9 Kontrollierbarkeit
3.1.10 Diskretion
3.1.11 Informationszeitalter
3.1.12 Internet-Abhängigkeit
3.1.13 Ethik des Internet
3.2 Auswirkungen des Medium Internet auf die Seelsorge
3.2.1 Anwesenheit
3.2.2 Gemeinschaft
3.2.3 Kontakt
3.2.5 Verbalisierung der Gefühle
3.2.5 Fazit
3.3 Beispiele

4. Anforderungen
4.1 Anforderungen an die Angebote
4.1.1 Teamarbeit
4.1.2 Weitervermittlung
4.1.3 Vernetzung
4.1.4 Benennung des Anbieters
4.1.5 Bewahrung des Seelsorgegeheimnisses
4.1.6 Genaue Zeitangaben
4.1.7 Redakteur
4.1.8 Engagement der Kirchen
4.1.9 Förderung des Begriffes "Internetseelsorge" und des Bekanntheitsgrades
4.2 Anforderungen an die Internetseelsorger
4.2.1 Aufmerksamkeit
4.2.2 Technische und inhaltliche Schulung
4.2.3 Selbstannahme
4.2.4 Gesprächskompetenz
4.2.5 Rechtliches Wissen
4.3 Chancen, Förderungsmöglichkeiten
Vorstellung des Konzeptes "seelsorge.de"
4.4 Zukunftsausblick

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur
6.2.1 Internet
6.2.2 Sonstige Literatur
6.2.3 Vorlesung

Anhang

Überblick über Seelsorgeangebote im Internet

Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cartoon übernommen von: Mester in: Publik-Forum. 24/1996. 20.12.1996, 22.

Bereits 1996 veröffentlichte die "Zeitung kritischer Christen. Publik-Forum" nebenstehenden Cartoon. Einzelne Menschen sitzen isoliert vor ihren Computern, die durch ein Kabelnetz verbunden sind, ohne scheinbar vom anderen zu wissen. Wenn man den Cartoon ernst nimmt, kann man daraus erschreckende Zukunftsvisionen erkennen, die nach damaliger Meinung das Internet auslösen könnte.

Die Diskussion um den Gebrauch des Internet dreht sich um zwei unterschiedliche extreme Standpunkte: Die einen sehen es als richtungsweisend für unser ganzes zukünftiges Leben und sie prognostizieren für Firmen, die nicht am "e-commerce" (der Handel über die Datennetze) teilhaben wollen, geringe bis keine Umsätze mehr und sprechen von "Zukunftsvisionen". In ihnen sei alles alltägliche vernetzt und über das Netz gesteuert bis hin zum Kühlschrank, der per Internet automatisch die ausgegangene Milch neu nachbestellt. Die anderen befürchten eine zunehmende Vereinsamung der Gesellschaft: Anstatt mit den Mitmenschen selbst zu sprechen, kommuniziert man über ein Hilfsmittel miteinander. Menschliches Verhalten in der Gesellschaft ändere sich durch das Internet grundlegend: Anstatt die Dinge direkt angehen zu wollen, schiebt man etwas dazwischen, man hat einen Schutz vor sich, der auch gegenüber Gemeinschaft "abschirmt".

Im obenstehenden Cartoon ist diese negative Erwartung der Auswirkungen des Internet im extremen Maße dargestellt: jeder Mensch sitzt einsam vor seinem Computer, starrt auf den Bildschirm und merkt nicht mehr, dass der Freund nur ein paar Schritte weiter zu erreichen wäre.

Diese beiden Ansichten sind wohl radikale Standpunkte. Das Internet birgt wohl Gefahren, aber auch viele positive Möglichkeiten, nicht nur für die Wirtschaft und die private Kommunikation, sondern auch zum Beispiel für die Seelsorge und die Pastoral.

Die vorliegende Diplomarbeit wird nach dem methodischen Dreischritt "Sehen – Urteilen – Handeln" aufgeteilt, der in der praktischen Theologie als vorherrschende Methode gilt[1]. Zunächst werden die Methoden der konventionellen Seelsorge dargestellt. Im Anschluss daran werden Kommunikationsmöglichkeiten des Internet und Angebote, die eine Sparte von Seelsorge im Internet zu realisieren versuchen, vorgestellt.

Der dritte Teil deckt aus dem oben genannten Dreischritt den Bereich "Urteilen" ab. Die ersten beiden Teile werden hier kritisch bewertet.

Im vierten Teil sollen schließlich die praktische Seite und Methoden dargestellt werden, die in Zukunft vermieden beziehungsweise gefördert werden sollen.

Wegen der ständigen Fluktuation der Angebote im Internet, war es sehr schwer, das zu behandelnde Thema einzugrenzen. Teilweise gab es Seelsorgeangebote zu Beginn der Recherchen noch, im Laufe der Arbeit waren sie bereits wieder eingestellt worden. Umgekehrt sind in dieser Zeit auch sehr viele neue Angebote entstanden. Bei dieser Arbeit handelt es sich deshalb um eine Momentaufnahme, in der vor allem Grundsätzliches zur "Seelsorge im Internet" dargestellt werden soll und zwar an Hand der etablierten Angebote. Dazu gibt es sehr wenig reflexive Literatur. Meine Arbeit bestand darin, ausschließlich aus Aufsätzen eine zusammenhängende Arbeit zusammenzustellen und Gedanken und Ideen nach Einzelaspekten zusammen zu stellen. Thematische Überschneidungen waren dabei nicht zu vermeiden.

1. Seelsorge

Es bietet sich an, zuerst den Begriff von Seelsorge zu erklären. Es soll im folgenden betrachtet werden, was Seelsorge beinhaltet, warum sie betrieben wird und wer Seelsorger oder Seelsorgerin[2] sein kann. Dabei werden besonders jene Prinzipien in den Mittelpunkt gestellt, die für die Seelsorge im Internet besonders relevant sind. Im Internet wird vor allem nach den Regeln der Gesprächsseelsorge und der Gesprächspsychotherapie gearbeitet[3], so dass hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt werden soll.

1.1 Begriff "Seelsorge"

"Seelsorge" wird als Sorge um den ganzen Menschen verstanden.[4] "Körperliche und seelische Bedürfnisse des Menschen erscheinen oft als ineinander verwoben, auch wenn je nach Gespräch jeweils der eine oder der andere Aspekt im Vordergrund steht.[5] "Seelsorge" meint "jeglichen spirituell ausgerichteten Dienst am Menschen"[6]. Die Sorge um den ganzen Menschen betrifft das Gegenüber mit all seinem Kummer, seinen Gefühlen, seinem Körper und seinen Gedanken. "Seelsorge" im Gespräch ist Teil des gesamten kirchlichen Lebens. Die ganze Grundhaltung in Sorge um das Heil der Menschen wird als "Pastoral" bezeichnet.[7] Das Gespräch in der Seelsorge ist dabei der elementare Vorgang aller Pastoral.[8]

Seelsorge benötigt ein Medium, das die Interaktion zwischen den beiden Gesprächspartnern ermöglicht. Die Sprache, die Gestik und die Mimik stellen die Medien in der Gesprächsseelsorge dar.

1.2 Abgrenzung der beschriebenen Seelsorge

Seelsorge ergibt sich oft aus dem Gespräch zwischen Freunden oder in zufälligen Situationen. In der Gesprächsseelsorge nennt man solche Gespräche "Kontaktgespräche". Ähnliches gilt auch für die Seelsorge im Internet. Man kann sich im Internet ohne das Etikett der "Seelsorge" kennen lernen, etwa in einem Gesprächskreis über ein bestimmtes Thema. Daraus kann sich unter bestimmten Voraussetzungen ein seelsorgliches Gespräch entwickeln. Ingo Habenicht unterscheidet dabei zwischen "intentionaler" und "funktionaler" Seelsorge. "Intentionale" Seelsorge ist alle kirchliche Seelsorge, die unter dem erklärten Ziel der Seelsorge steht, "funktionale" Seelsorge liegt vor, wenn in kirchlichen Handlungen, etwa Gottesdienst, Predigt oder Religionsunterricht quasi "nebenbei" seelsorgliche Effekte auftreten.[9] Die funktionale Seelsorge und die Seelsorge aus dem Gespräch heraus sind sehr wichtig. Sie sollen in dieser Arbeit auch nicht unerwähnt bleiben, aber eine empirische Erhebung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Hier soll nur die Seelsorgsarbeit behandelt werden, die hauptsächlich von Institutionen, aber auch von privater Seite klar als Seelsorge oder mit ähnlichen Begriffen im Internet betitelt ist.

Der Begriff "Internetseelsorge" liegt noch nicht in einer vergleichbaren Begriffsdefinition vor, die mit den Begriffen etwa der "Krankenhaus-" oder "Telefonseelsorge" vergleichbar wären. Dabei ist noch unklar, wer für das Angebot verantwortlich ist und wer es betreibt. In der einschlägigen theologischen Fachliteratur, wie etwa im Lexikon für Theologie und Kirche und in der Theologischen Realenzyklopädie, findet sich noch kein Stichpunkt "Internetseelsorge". Allerdings arbeitet die Zentralstelle der Medien der Deutschen Bischofskonferenz an einem Konzept. Obwohl der Begriff noch nicht offiziell definiert ist, wird in dieser Arbeit die gewählte Bezeichnung "Internetseelsorge" verwendet. Sie beinhaltet Beratungsangebote, die im Internet mit "Beratung", "Seelsorge" oder ähnlichen Begriffen umschrieben werden, und die eine anschließende Kommunikation über die Wege des Internet ermöglichen.

Die Internetseelsorge vereint Elemente der Telefon- und der Briefseelsorge[10], die verwandte Felder der Internetseelsorge sind. Die Brief- und Telefonseelsorge kann auf langjährige Erfahrungen zurückblicken, die für die mögliche Internetseelsorge bedenkenswert sind. Daraus begründet sich manchmaliges Rückgreifen auf Literatur über die genannten Gebiete.

1.3 Begriff der Seelsorge in Bezug auf das Alte und Neue Testament

1.3.1 Biblische Grundlage

In der Bibel findet sich das Wort "Seelsorge" oder "Seelsorger" nicht. Aber man kann dort über Eigenschaften von Menschen lesen, deren Verhalten wir heute als "Seelsorge" bezeichnen. Seelsorge soll sich auf die Kraft des Gottesbildes und der Gotteswirklichkeit besinnen, so wie uns Gott im Alten und Neuen Testament vorgestellt wird.[11] Von daher ist es sinnvoll, die Aufgaben von Seelsorge durch die Bibel zu begründen.

Grundlegend ist dabei das Alte Testament. Dort findet man einen Gott, der sich um die Menschen sorgt. Das zeigt sich zum Beispiel bei ihrer Befreiung aus der Knechtschaft. Er ist "der in der Not Kommende, der in der Not Mitgehende und daraus Befreiende."[12] Von daher ist Gott die Mitte aller Seelsorge.

Ein Bild für seelsorgliches Verhalten im Alten Testament ist das "hörende Herz" des König Salomon (1 Kön 3,9).

Als Seelsorger sich auf Gott einzulassen, ihm Raum zu geben, und ihn als Kraft der Lebensgestaltung anderen zu vermitteln, ist die Grunddimension und Grundlegung seelsorgerlichen Handelns.[13] Gott wünscht und fördert Beziehung, wie sich aus der alttestamentlichen Erwählung des Gottesvolkes Israel erschließen läßt.[14] Diese Beziehung der Menschen zu Gott soll der Seelsorger an den Ratsuchenden vermitteln. Seelsorge soll "menschlich-geistliche Interaktion" sein,[15] ein Zusammenwirken menschlicher und göttlicher Kraft. Der Seelsorger soll der "geistliche Mensch" und der "menschliche Geistliche" sein.[16]

1.3.2 Orientierung an der Person Jesus

Im Neuen Testament sind Trösten (Röm 12,8), Ermutigen (1 Thess 5,14), Raten (Kol 3,16), Ermahnen und Zurechtweisen (Tit 2,15), praktischer Einsatz für in Not geratene Menschen (Lk 10,30 – 35), Gewähren von Gastfreundschaft (Röm 12,13 und Hebr 13,2) als Aufgaben der Seelsorge begründet.[17]

In Jesu Leben zeigt sich für uns Menschen die Existenz Gottes und die Art und Weise göttlichen Handelns. "Grund und Maßstab christlicher Seelsorge muss daher Jesus von Nazareth sein, dessen Leben und Sterben, Sprechen und Handeln ganz erfüllt war von der Sorge um den Menschen."[18] Er ist so zum "Menschen ganz für andere" geworden.[19]

Jesu Wirken vollzog sich auf Markt- und anderen Plätzen, auf denen sich Menschen getroffen haben. Als weiteres Beispiel für christliches Wirken in der Öffentlichkeit sei auch die Areopagrede von Paulus genannt, in der er gesellschaftliche Gegebenheiten, Kommunikationsformen und Lehren aufgenommen hat.[20] Hier findet sich ein Vergleichspunkt zum Internet. Es wird oft als "großer globaler virtueller Marktplatz" bezeichnet.

1.4 Praxis

Von oben genannter theologischer Grundlegung aus wird jetzt auf die Methoden der Seelsorge näher eingegangen. Ein besonderes Augenmerk wird auf jene Methoden gelegt, die auch im Internet Anwendung finden.

1.4.1 Verbalisierung des Problems

Werner Nidetzky fasst die Verbalisierung von Problemen mit den Worten zusammen: "Im sprechenden Sich-Mitteilen für die ganze Lebenswirklichkeit offen werden"[21] Daraus ergibt sich, dass sich der Mensch nur sehr schwer entfalten kann, ohne Erlebnisse und Erfahrungen aussprechen zu können. Carl Rogers begründete diese Methode und nannte sie "Verbalisierung Emotionaler Erlebnisse", kurz "VEE".

1.4.2 Dialog

Der Dialog ist dringend notwendig für das Gespräch in der Seelsorge. Der dialogische Charakter des Seelsorgsgesprächs ist wichtig für das Verstehen des Ratsuchenden und dafür, dass man dessen Sorgen ernst nimmt.

1.4.3 Wechselseitigkeit

Jeder Seelsorger bedarf auch immer wieder selbst der Seelsorge.[22]

Seelsorge ist wechselseitiges Geben und Empfangen.[23] Der Seelsorger soll zwar seine Eigenständigkeit und Persönlichkeit bewahren, aber sich doch dem Ratsuchenden anpassen und seine Eigenheiten aufnehmen. Diese Art der Anpassung wird treffend im Bild des Domino-Steines ausgedrückt: Als Bild für den Ratsuchenden steht ein Stein, der auf einer Seite einen Punkt, auf der anderen zwei Punkte aufgemalt hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Seelsorger kann hier nur anlegen, wenn er ebenfalls auf einer Seite eine "1" hat, soll aber andererseits seine Eigenständigkeit bewahren.[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Seelsorger kann sich so sehr öffnen und mit einbeziehen lassen, dass das Seelsorgsgespräch auch Auswirkungen auf sein eigenes Leben hat. Die Gesprächspartner stehen auf gleicher Ebene, denn auch "der Ratsuchende ist Zeuge Christi."[25]

1.4.4 Grundhaltungen

Diese Ziele werden vom Seelsorger durch die drei Grundhaltungen realisiert: emotionale Wärme, Echtheit und einfühlendes Verstehen.[26] Begründet wurden sie von Carl Rogers. Diese Grundhaltungen soll der Seelsorger durch seine Lebensart vermitteln. Man kann sie nicht als "Methode" verwenden, sondern muss sie verinnerlicht haben.[27]

1.4.4.1 Emotionale Wärme

Mit "emotionaler Wärme" ist unbedingte positive Wertschätzung gemeint.[28] Diese Wärme soll dem Ratsuchenden zukommen, ohne dass er sie sich durch irgendein besonderes Verhalten verdienen muss. "Je mehr er diese Annahme und Werschätzung erfährt, desto eher wird er sich selbst annehmen können."[29]

1.4.4.2 Echtheit

Der Seelsorger soll sich echt verhalten, sein Äußeres, seine Gestik und Mimik soll mit dem Inneren, seinen Gedanken und Gefühlen, übereinstimmen. Seine Lebensweise soll mit seiner Verkündigung übereinstimmen. Unechtes Verhalten wird der Ratsuchende erspüren.[30] Selbstkongruenz ist also entscheidend für das Gelingen eines seelsorglichen Gespräches.

1.4.4.3 Verstehen

Ein Verständnis zwischen den beiden Gesprächspartnern kann also nur stattfinden, wenn beide auf einer gemeinsamen Grundlage stehen. Nach Meinung von Klaus Stock kann ein Seelsorger den Ratsuchenden nur dann verstehen, "wenn er zu ihm 'herabgestiegen', wenn er ihm menschlich nahe gekommen ist." Der Seelsorger soll für den Ratsuchenden ein Mitmensch und ein Mitchrist sein.[31] Pius Schmidt vertritt die Ansicht, Verstehen bedeute für den Seelsorger, die innere Erlebniswelt seines Gesprächspartners zu spüren und "sich vorzustellen, was der andere im Augenblick empfindet und was in seinem Inneren vorgeht."[32] So beschreibt er Verstehen als "nicht-wertend-einfühlend". Verstehen bedeutet also eine vorbehaltlose Annahme des Ratsuchenden durch den Seelsorger. Dieser muss sich auf das Lebenstief seines Gesprächspartners einlassen.

In der Seelsorge ist es wichtig, den Menschen als ganzen Menschen zu sehen. Der ganze Mensch besteht aus Körper und Geist, aus Leib und Seele. Dabei bezieht die Seelsorge auch das Umfeld des ganzen Menschen mit ein. Man soll ihn nicht nur in seiner derzeitigen Konfliktsituation sehen, sondern seine Umgebung, seine Familiensituation, also sein ganzes Leben mit einbeziehen.[33]

1.4.4.4 Fazit

Die Haltungen des Seelsorgers sollen zusammenfassend also sein: Zuhören und Schweigen, Annehmen und Verstehen, aufmerksames Begegnen, Trösten und Ermutigen, Vermitteln von Hilfe durch andere, Aushalten der eigenen und fremden Angst, Gebet füreinander und miteinander und aushaltendes Begleiten.[34] Wobei mit letzterem gemeint ist, dass es erforderlich ist, die eigene Hilflosigkeit aushalten zu können, Klaus Stock bezeichnet das mit den Worten "Eintreten und Stehen im 'Raum der Wunden'".[35] Das Gespräch soll geprägt sein von Interesse, Vertrauen, Bereitschaft zum Zuhören, Einfühlen, Verstehenwollen, Ernstnehmen, Gelassenheit und innerer Wärme.[36]

Eine praktische Umsetzung dieser Aufgaben in unserer Zeit geschieht durch das Geben von Information, Konfliktberatung, Schuldbewältigung, Lebensberatung, Geistliche Begleitung, Glaubenshilfe und Vermittlung von Gottesbegegnung in Gebet und Sakrament.[37]

1.4.5 Gesprächspsychotherapie

Seelsorge bedient sich der von Carl Rogers erarbeiteten Gesprächspsychotherapie.[38] Das bedeutet nicht, dass damit etwa die Seelsorge der psychologischen Arbeit gleichzusetzen wäre. Aber dort wurden Erkenntnisse über die Menschen und Erkenntnisse über deren Verhalten gewonnen, die für ein Gelingen der Seelsorge nützlich, teilweise dringend notwendig sind. Andererseits aber garantiert das Wissen um psychologische Hintergründe keinen Erfolg von "Seelsorge". Zu betonen ist dabei aber, dass die Seelsorge ihre Eigenständigkeit behält, obwohl sie sich einer anderen Disziplin bedient.

Die Gesprächspsychotherapie von Rogers ist "non-direktiv" und "personenzentriert" und von den Begriffen "Annahme", "Akzeptanz" geprägt. "Non-direktiv" bedeutet nicht-leitend, nicht-lenkend.

Mit "Annahme und Akzeptanz" ist gemeint, dass der Seelsorger den Ratsuchenden in seiner Eigenheit akzeptiert und als gleichwertigen Partner betrachtet. Schon das Neue Testament legt einen geschwisterlich-dialogischen Seelsorgsstil nahe, der Abhängigkeit oder Bevormundung ausschließt.[39] Mit Bevormundung oder Abhängigkeit ist eine "Subjekt-Objekt-Beziehung" gemeint: Der Seelsorger versucht, gleichsam von oben herab, dem anderen seine Meinung aufzudrängen. Das geschieht etwa durch Besserwisserei oder durch den übermäßigen Wunsch, den anderen zu behüten oder zu belehren.[40] Die Subjekt-Objekt-Beziehung wird auch als "asymmetrische Beziehung" bezeichnet, denn die beiden Gesprächspartner stehen sich hier nicht gleichberechtigt gegenüber. Bis zum 2. Vatikanum war es noch das allgemeine Verständnis von "Seelsorge"[41], dass sich die Gemeindemitglieder an den richtungsweisenden Vorgaben ihres Priesters orientierten.

In der Seelsorge geht es aber nicht darum, dem anderen vermeintlich zu helfen, indem der Seelsorger ihn auf Wege drängt, die er selbst für richtig hält. Vielmehr geht es darum, dem anderen bei der Suche nach seinem eigenen (Lebens-)Weg beizustehen - auch wenn dieser für den Seelsorger manchmal unverständlich scheinen mag. Begleitung auf seinem Weg ist die eigentliche Aufgabe des Seelsorgers. Dabei können Entscheidungshilfen gegeben werden, man kann dem anderen dabei helfen, seinen Wünschen nachzuspüren oder ihm Informationen, die er für seine Entscheidung benötigt, bereitzustellen. Der Seelsorger hilft, unbewusstes bewusst zu machen, zu Erkenntnissen über sich selbst zu gelangen. Der Ratsuchende soll durch die Seelsorge auch dazu kommen, das ins Unterbewusstsein verdrängte zu akzeptieren.[42]

Der nächste Schritt ist die Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten auf der Basis der ergründeten Wünsche und der persönlichen Eigenheiten des Ratsuchenden. Wenn der Seelsorger in einem weiteren Schritt bei der Verwirklichung hilft, zeigt sich darin eine "Subjekt-Subjekt-Beziehung", in der Hilfe zur Selbsthilfe selbstlos und ohne Berechnung gegeben wird.[43] "Menschen, die sich selbst, ihren Mitmenschen und Gott entfremdet sind, sollen zu ihrer Identität finden und zu einem in sinnvollen Beziehungen gelebten Leben im Geiste des Evangeliums."[44]

Die Aufgabe des Seelsorgers soll sein, "auf die Situation der Menschen einzugehen und sie unter die Verheißung Gottes zu stellen."[45]

Seit Gott in Jesus ganz Mensch geworden ist, sind wir Menschen zu Subjekten erhoben worden. Der Seelsorger muss das Subjektsein anderer Menschen anerkennen und sie als Subjekte behandeln, das heißt, das Gespräch und die Beziehung soll partnerschaftlich, beide Gesprächspartner sollen gleichwertig sein.

Dabei gilt es für den Seelsorger, eigene Interessen und Meinungen zurück zu nehmen. Er soll sich ganz auf die fremde Meinung einlassen, auf eine Erfahrung und Einschätzung, die nicht seine eigene ist, sondern die des Ratsuchenden. Er soll die Tatsache annehmen, dass er dessen Gedanken eventuell erst später verstehen kann.[46] Es sollten aber bei einem seelsorglichen Gespräch weder Diskussion noch Streit entstehen. Der Ratsuchende muss das Gefühl haben, dass der Seelsorger sich ganz für ihn zur Verfügung stellt. Der Seelsorger soll auch die momentane Gefühlslage des Ratsuchenden berücksichtigen, auch wenn er weiß oder vermutet, dass sich die Situation und die Gefühle des Ratsuchenden bald ändern werden. Er muss den Ratsuchenden mit größter Vorsicht und Behutsamkeit, quasi wie mit Samthandschuhen behandeln. Er soll seine Wünsche ganz bewusst wahrnehmen. Er soll ihm also echte Begleitung, echtes "Mit-Sein" vermitteln.

Carl Rogers gab für den Seelsorger vier Richtlinien. Zum eine soll er nicht das Problem, sondern den Ratsuchenden in den Mittelpunkt stellen. Weiter wird nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart betont, emotionale Elemente werden mehr betont als intellektuelle. Und der therapeutische Kontakt ist bereits Veränderung.[47]

1.4.6 Fehlverhalten

Seelsorger können auch ein Fehlverhalten an den Tag legen, das seelsorgliche Arbeit gefährdet. So schreibt auch Konrad Baumgartner: "Viele Seelsorgegespräche leiden oder scheitern am Fehlverhalten des Priesters: Vorschnelles Urteilen oder Verurteilen, Rezepte geben, Deuten und Moralisieren, Verallgemeinern oder Herunterspielen der Probleme, unpassende Witzeleien oder unechte, formale Freundlichkeit und falsche Vertraulichkeit ... vorgefertigte Antworten oder religiöse Phrasen und Besserwisserei."[48] Antworten auf Fragen, die nicht gefragt sind, bringen keinen Fortschritt. Aussprüche wie "Jesus hat viel schlimmer gelitten" sind Phrasen, die nicht hilfreich ist. Generalisierungen anerkennen nicht den Schmerz und die Probleme des Ratsuchenden. Mit Witzeleien wird oft vom Seelsorger versucht, die eigene Hilflosigkeit zu vertuschen. Hier gilt aber: Der Seelsorger soll die eigene Hilflosigkeit zugeben und aushalten. Ehrlichkeit ist unverzichtbar für beide Gesprächspartnern.

"Im Bereich der Einzelseelsorge geht es um die Heilwerdung von ratsuchenden Personen. Dabei besteht ein grundsätzliches Gefälle von Macht und Angst." Denn ein Ratsuchender muss sich, damit ihm geholfen werden kann, dem Seelsorger ganz öffnen. Der Seelsorger darf dieses Wissen und diese Abhängigkeit nicht ausnutzen. Oft neigt ein Ratsuchender dazu, frühere asymetrische Beziehungen auf das Seelsorgsverhältnis zu projizieren, weil er erleichtert ist, endlich die Sehnsucht des ernst-genommen-werdens erfüllt zu bekommen. Ein Seelsorger muss wie ein Therapeut um diese auf ihn übertragenen Gefühle wissen, sie reflektieren, den Entstehungszusammenhang kennen und die Beziehung im Blick auf das Wohl des Ratsuchenden klären. Es ist Aufgabe des Seelsorgers, den Ratsuchenden darin zu begleiten, dass er einen sinnvollen Umgang mit diesen Sehnsüchten in seinem Leben außerhalb der Beziehung zum Seelsorger findet.

Mahnungen und Appelle sollten unterlassen werden, denn ein Mensch, der sich in einer Notsituation befindet, wird sie ignorieren.[49] Notwendig sind sie dennoch, wenn sich beim Ratsuchenden selbstzerstörerische und ins Unheil führende Lebenskonzepte abzeichnen. Damit die Mahnungen aber vom Ratsuchenden beachtet werden, ist ein vorher aufgebautes stabiles Vertrauensverhältnis notwendig.[50]

Ein autoritäres Gebaren des Seelsorgers, die Amtsrolle, Macht und Überlegenheit, besteht sie nun wirklich oder wird sie von den Ratsuchenden nur fälschlicherweise angenommen, werden oft als einschüchternd erlebt und sind damit ein Hindernis für eine gelingende Seelsorge.[51] Eine "Laissez-faire-Haltung" wird als mangelndes Interesse empfunden.[52]

Wenn der Seelsorger sich nicht die Mühe gibt, den Ratsuchenden zu verstehen, ist die Seelsorge von vorneherein zum Scheitern verurteilt.[53] Als Fehlverhalten gelten natürlich alle nicht gelebten Inhalte der Seelsorge, wie zum Beispiel das Unverständnis oder die Unechtheit.

1.5 Ziele der Seelsorge

1.5.1 Sinnvolleres Leben

Sowohl der Ratsuchende als auch der Seelsorger sollen durch die Seelsorge eine Befreiung erfahren und dadurch ein sinnvolleres Leben leben oder den Mut erfahren, dies zu wagen. Werner Nidetzky bezeichnet es als Aufgabe des Seelsorgers, "zum Wagnis sinnvolleren Lebens aufrufen".[54]

In der Geschichte von Zachäus, dem Zöllner (Lk 19,1-10) wird gezeigt, wie Jesus durch bloße Annahme und Akzeptanz des Zöllners, der sonst von keinem Menschen mehr angenommen wird, bewirkt, dass dieser sein Leben radikal ändert und eine Wende zum Guten im Leben wagt. Dabei kann der Seelsorger in ähnlicher Weise vorgehen, indem er den teilweise versteckten "Anruf zu dem größeren, reicheren Leben"[55] gut erkennt, den Wunsch nicht beschwichtigt oder versucht, ihn zu verdrängen, sondern "zu diesem Wagnis aufzurufen und bei dessen Umsetzung behilflich zu sein". Der Seelsorger kann dem Hilfesuchenden beistehen, bei der Suche nach dem, wer er sein kann und will, und nachdem er seinen Weg gefunden hat, ihm bei der Umsetzung helfen.

Wichtig bei der Umsetzung des Lebensweges eines Ratsuchenden ist, dass er dieses aus eigener Kraft wagt. Das Vorschreiben und Aufdrängen eines solchen Weges ist dabei keine Hilfe. Eher das Vermitteln von Mut gibt dem Ratsuchenden die Chance, das Wagnis eines neuen Lebensweges in Angriff zu nehmen. Der Seelsorger soll die vorhandenen, aber leider oft verschütteten Energien wiederentdecken und fördern.[56] So kann der Ratsuchende zu mehr innerer Kraft, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gelangen.

Der Seelsorger soll zum Gelingen des Lebens des Ratsuchenden beitragen.[57] Der Hilfesuchende soll durch die Seelsorge seinen inneren und äußeren Frieden, den "Shalom", finden oder wiederfinden, und zwar heute genauso wie über den Tod hinaus.[58]

1.5.2 Hoffnung wecken

Werner Nidetzky vergleicht den Seelsorger mit dem Engel aus der Ostererzählung: Wie der Engel am offenen Grab das Unglaubliche, die Auferstehung Jesu, verkündet hat, so soll auch der Seelsorger Hoffnung geben, wo scheinbar keine ist. Man soll eine "letzte, nicht mehr überbietbare Sinnerfüllung in Gott zur Sprache" bringen oder aufscheinen lassen[59]. Allerdings ist Vorsicht geboten, diese Rede von Gott nicht ohne den Willen des Ratsuchenden diesem aufzuzwingen; der Seelsorger soll nicht "evangelisieren" wenn es nicht gewünscht ist.

1.5.3 Gottesbegegnung

"Seelsorge meint die Widerspiegelung des Beziehungsverhaltens Gottes zu den Menschen, wie es im Alten und Neuen Testament deutlich wird."[60]

Ziel der Seelsorge ist es, zu sich selbst zu finden, sich selbst als Mensch zu lieben, aber auch zu Gott zu finden, der ja ein menschenliebender Gott ist. Der Ratsuchende soll den Mut finden, die Kraft seiner Seele zu nutzen, die ihm von Anfang an von Gott zugedacht war. Seelsorge soll ein Begleitungsvorgang sein aus dem Dunkel der momentanen Konfliktsituation heraus, hinein in das Licht Gottes. Der Ratsuchende soll sich der Tatsache bewusst werden, dass er im Licht Gottes leben darf, dass er bejaht und geliebt wird.[61] "Sich selbst, seine Mitmenschen und die Beziehungen zu ihnen 'im Lichte Gottes' zu sehen, sich daraus neu zu sehen und das Leben zu gestalten, als ein mit sich, seinen Mitmenschen, und seinem Gott Versöhnter zu leben – das ist das umfassende Ziel der Seelsorge."[62] Der Seelsorger kann "ein Medium der helfenden und heilenden Güte Gottes sein".[63]

1.6 Seelsorge im Verhältnis zu Therapie

Von vornherein muss dem Missverständnis begegnet werden, dass Seelsorge auch für die Therapie etwa psychisch Kranker zuständig sei. Therapie wird nicht als Aufgabe der Internetseelsorge gesehen[64]. Es gibt zwar auch eine Reihe von derartigen Angeboten im Internet, hauptsächlich von Psychologen initiiert, aber ihre Wirksamkeit zu diskutieren, ist nicht Aufgabe dieser Arbeit.[65] Natürlich beinhaltet das seelsorgliche Gespräch therapeutische Wirkung[66], aber das ist nicht dessen erste Aufgabe und Zielsetzung. Eine Therapie von schweren Persönlichkeitsstörungen ist zudem ohne persönlichen Kontakt nicht möglich[67].

Die Menschen, die sich an die Internetseelsorge wenden, obwohl sie psychotherapeutisch behandelt werden müssten, werden so gut es möglich ist an die dementsprechenden Stellen weitergeleitet. Nach Uwe Holschuh, Leiter des Kummernetz und der Seelsorge des Bistum Würzburg, ist bei rund 40 % der Ratsuchenden, die sich an die Seelsorge im Internet wenden, eine Weiterleitung an eine Therapie notwendig.[68]

1.7 Bevollmächtigung zur Seelsorge

Jeder Christ ist durch das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, das durch die Taufe und Firmung begründet ist, zur Seelsorge bevollmächtigt.[69] Wer Seelsorge leistet, betrachtet diese Aufgabe als Dienst an seinen Mitmenschen. Er engagiert sich freiwillig gemäß seinen persönlichen Neigungen und Fähigkeiten für die Gemeinschaft, in der er lebt. Von daher läßt sich Seelsorge als Charisma begreifen. Verschiedene Charismen werden unabhängig vom Amt vom Geist Gottes selbst, als Gnadengabe, geschenkt. Sie werden in unterschiedlicher Weise und jedem Menschen eigens in besonderer Weise durch die Taufe zuteil.[70] Seelsorger sind also nicht nur Geistliche, Ordensleute, oder Frauen und Männer, die hauptamtlich in der Kirche tätig sind, sondern alle Christen auf Grund von Taufe und Firmung.[71] Umso mehr muss ein Seelsorger fähig sein, Seelsorge zu leben, die oben genannten Lebenshaltungen verinnerlicht haben. "Somit gründet Seelsorge ursprünglich in diesen Gnadengaben und nicht erst im Amt, das ja seinerseits ein Charisma ist."[72] Dass die Seelsorge ein Charisma ist, heißt aber auch, dass die psychologische und therapeutische Kompetenz des Seelsorgers geschult werden soll.[73] Auch die spirituelle Kompetenz ist wichtig und ist ebenfalls schulungsfähig. Diese Kompetenzen hängen mit dem Charisma eng zusammen. Sobald dieses Charisma aber institutionalisiert wird, der Seelsorger hauptberuflich im Auftrag der Kirche Seelsorge betreiben soll, und die Seelsorge also arbeitsrechtlich geregelt und organisiert werden soll, bedarf es der Bestätigung und der Beauftragung durch die Hirten der Kirche, oder durch den Leiter der Pastoral.[74]

2. Angebote

2.1 Internet

Das Internet[75] ist eine Vernetzung von mehreren Rechnern ("Computer"). Nachdem man sich in das Netz eingewählt hat (man ist "online"), kann man von anderen Rechnern Daten empfangen und auch wieder eigene Daten an andere Teilnehmer absenden.

Das World Wide Web ist ein Medium, es wird als Hilfsmittel verwendet, um die Kommunikation zwischen Menschen zu verbessern oder überhaupt zu ermöglichen. Das Wort "Medium" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Mitte", ein Medium steht also in der Mitte zwischen zwei Menschen, wenn diese miteinander kommunizieren wollen. Das Internet wird oft als reines Informationsmedium wahrgenommen, in dieser Arbeit soll aber die andere Seite, die Datennetze als Kommunikationsmedium dargestellt werden. Es werden hauptsächlich die deutschsprachigen Seelsorgeangebote im Netz besprochen.

2.1.1 Arten der Kommunikation

Das "klassische" Informationsangebot des Internets ist die Webseite, umgangssprachlich auch "Homepage" genannt, obwohl dieser Begriff nicht immer ganz stimmig ist. Man kann sich Informationen von einem Server[76] mittels eines "Browsers"[77] auf den eigenen Rechner laden. In diesen Dokumenten können Bilder, Texte und das Layout[78] übermittelt werden. Mit mehr Speicherplatz, wodurch jedoch die Übertragungsgeschwindigkeit verlangsamt wird, können zusätzliche Extras wie Musik, sich bewegende Bilder oder Formulare übertragen werden In der Zukunft wird das auch mehr und mehr Standard sein. Als Angabe für den Rechner, von welchem Server er die Daten holen soll, gibt es eine sogenannte "Internet-Adresse", auch "URL"[79] oder "Domainname"[80] genannt. Wenn man zum Beispiel http://www.telefonseelsorge.de in das für die Adresse vorhergesehene Feld eingibt, wird über das Netz der Server der Telefonseelsorge abgefragt. Von dort holt sich der Rechner die Informationen, die die Telefonseelsorge "ins Netz gestellt" hat. Hier ein Überblick über das Angebot der Telefonseelsorge als Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TelefonSeelsorge im Netz. http://www.telefonseelsorge.de (20.11.2000).

Auf vielen Seiten sind sogenannte "Links" eingerichtet. Dabei handelt es sich um Querverweise. Wenn man mit der "Mouse", dem Zeiger auf dem Bildschirm, diese Links anklickt, wird der Browser automatisch dazu angewiesen, sich das Angebot der per Link angeschlossenen Seite zu holen. Diesen Vorgang nennt man "surfen".

Das hier Dargestellte bezieht sich hauptsächlich auf den Informationsbereich. Um Kommunikation stattfinden zu lassen, sind Angebote und Möglichkeiten nötig, bei denen Daten in beide Richtungen fließen können.

Im Internet gibt es drei verschiedene gängige Kommunikationsmöglichkeiten: Chat, Forum und E-mail[81].

2.1.1.1 E-mail

Die Briefseelsorge ist die wohl älteste Art der Seelsorge mittels eines Mediums. Um die persönliche Anwesenheit zu ersetzen und den anderen trotz eigener Abwesenheit an seinem Leben teilnehmen zu lassen, wurden Briefe geschrieben.[82] Bereits zur Zeit des Neuen Testaments schreibt Paulus Briefe, wenn er nicht persönlich bei den Gemeinden anwesend sein kann.

[...]


[1] Vgl. Mette, N., Sehen – Urteilen – Handeln. In: LThK3 9, 402.

[2] In dieser Arbeit soll bei der männlichen Form verblieben werden; gemeint sind aber immer beide Geschlechter.

[3] Kummernetz (E). http://www.kummernetz.de (12.9.2000).

[4] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen. In: ThPQ 147 (1999) 371–380; 375.

[5] Habenicht, I., Telefonseelsorge als Form intentionaler Seelsorge. Geschichte, Phänomenologie und Theologie. Eine Untersuchung zum "Selbstverständnis" der Telefonseelsorge aus poimenischer Perspektive. Hamburg 1994, 377.

[6] Baumgartner, K., Seelsorge. In: Görresgesellschaft durch Korff, W./ Beck, L./ Mikat, P., u.a. (Hgg.), Lexikon der Bioethik 3. Gütersloh-München 1998, 285–287; 285.

[7] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 372.

[8] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 372.

[9] Habenicht, I., Telefonseelsorge als Form intentionaler Seelsorge, 30.

[10] Amatruda, B., Seelsorge im Internet. http://www.seelsorge.net/javetha/is.htm, Juli 1999 (5.8.2000).

[11] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 376.

[12] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 377.

[13] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 377.

[14] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 377.

[15] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 374.

[16] Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde. Würzburg 1982, 23.

[17] Müller, P., Seelsorge. In: LThK3 9, 383-387; 385. – Vgl. auch: Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 372.

[18] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 376.

[19] Baumgartner, K., Seelsorge, 285.

[20] Meier-Reutti, G., Zwischen Markt und Mandat. Kirche in der Mediengesellschaft. In: Nethöfel, W./ Schnell, M. (Hgg.), Cyberchurch? Kirche im Internet. Frankfurt am Main 1998, 17-28; 18.

[21] Nidetzky, W., Allgemeine Ziele der seelsorglichen Beratung und Begleitung. In: Baumgartner, K./ Müller, W., Beraten und Begleiten - Handbuch für das seelsorgliche Gespräch. Freiburg-Basel-Wien 1990; 51-60; 55.

[22] Müller, P., Seelsorge, 386.

[23] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 374.

[24] Baumgartner, K., Vorlesung "Das Gespräch in der Seelsorge: Psychologie, Theologie und Praxis" WS 2000/01, 22.11.2000

[25] Habenicht, I., Telefonseelsorge als Form intentionaler Seelsorge, 34.

[26] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis. Grenzerfahrungen in der Pastoral. In: Garhammer, E./ Scheuchenpflug, P./ Windisch, H., Provokation Seelsorge. Wegmarkierungen heutiger Pastoraltheologie. FS Baumgartner, K. Freiburg-Basel-Wien 2000, 339-347; 340. - Vgl. auch: Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie in ihrer Bedeutung für das Seelsorgegespräch. In: Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde, 24-39; 26.

[27] Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 26-27.

[28] Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 32.

[29] Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 32.

[30] Vgl. Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 33-34.

[31] Vgl. Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 342.

[32] Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 27.

[33] Vgl. Habenicht, I., Telefonseelsorge als Form intentionaler Seelsorge, 40-41.

[34] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 378.

[35] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 344.

[36] Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde, 22.

[37] Baumgartner, K., Vorlesung "Das Gespräch in der Seelsorge: Psychologie, Theologie und Praxis" WS 2000/01, 8.11.2000.

[38] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 340.

[39] Müller, P., Seelsorge, 385.

[40] Baumgartner, K., Seelsorge, 285.

[41] Vgl. Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 339.

[42] Vgl. Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 29.

[43] Baumgartner, K., Seelsorge, 285.

[44] Baumgartner, K., Seelsorge, 285.

[45] Meier-Reutti, G., Zwischen Markt und Mandat. Kirche in der Mediengesellschaft, 27.

[46] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 342.

[47] Baumgartner, K., Vorlesung "Das Gespräch in der Seelsorge: Psychologie, Theologie und Praxis" WS 2000/01, 22.11.2000

[48] Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde, 22.

[49] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 340.

[50] Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 345.

[51] Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde, 21-22.

[52] Schmidt, P., Erkenntnisse der Gesprächspsychologie, 29.

[53] Vgl. Stock, K., Verstehen – Verständnis – Einverständnis, 343.

[54] Nidetzky, W., Allgemeine Ziele der seelsorglichen Beratung und Begleitung, 54.

[55] Nidetzky, W., Allgemeine Ziele der seelsorglichen Beratung und Begleitung, 55.

[56] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 378.

[57] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 375.

[58] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 376.

[59] Nidetzky, W., Allgemeine Ziele der seelsorglichen Beratung und Begleitung, 58.

[60] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 371.

[61] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 378.

[62] Baumgartner, K., Vorlesung "Das Gespräch in der Seelsorge: Psychologie, Theologie und Praxis" WS 2000/01, 8.11.2000.

[63] Baumgartner, K., Das Seelsorgegespräch in der Gemeinde, 7.

[64] Dies steht unter anderem auch auf der Titelseite der Internetseelsorge der Erzdiözese Salzburg, die unter folgender URL abrufbar ist: http://www.kirchen.net/internetseelsorge/main.htm (29.8.2000).

[65] Eine Übersicht über Therapieangebote im Internet und deren Vorteile und Problematik findet man in: Janssen, L. (Hg.), Auf der virtuellen Couch. Selbsthilfe, Beratung und Therapie im Internet. Bonn 1998.

[66] Baumgartner, K./ Müller, W., Beraten und Begleiten - Handbuch für das seelsorgliche Gespräch. Freiburg-Basel-Wien 1990, 20.

[67] N., N., Suche nach Seelsorge im Internet, HAZ 5.5.1999.

[68] Plume, I., Rat und Trost durchs Netz. Kirche geht mit neuen Medien neue Wege. Passauer Bistumsblatt. 4/2000. 23.1.2000, 6.

[69] Müller, P., Seelsorge, 386.

[70] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 374.

[71] Baumgartner, K., Seelsorge, 286.

[72] Baumgartner, K., Seelsorge, 286.

[73] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 375.

[74] Baumgartner, K., Gottes Sorge um den Menschen, 374.

[75] "Internet" ist eine Abkürzung von "international network", der ursprüngliche Name ist: "World Wide Web" (weil sich eine lokale zu militärischen Zielen angelegte Computervernetzung erweitert hat), es wird auch "WWW" oder nur "Web" genannt.

[76] Ein "Server" ist ein Großrechner, der an das Internet rund um die Uhr angeschlossen ist. Auf dessen Speicherplatz stehen Informationen bereit, die man über das Netz abfragen kann. Ein Server ist ein Knotenpunkt, der die Rechner verbindet.

[77] Ein "Browser" (engl.: "Wühler") ist die Software, die Webseiten auf dem Bildschirm darstellt. Vgl. Schwenzer, A., Gemeinde im Internet. Themenhefte Gemeindearbeit 38. Aachen 1999, 19.

[78] Das Layout ist die Anordnung und Gestaltung der Dokumente.

[79] "URL" ist die Abkürzung für "Uniformed resource locator", es bedeutet eine "vollständige Beschreibung eines Angebotes im Internet mit Bezeichung des Übertragungsverfahren und der Internet-Adresse". Vgl. Schwenzer, A., Gemeinde im Internet, 21.

[80] Eine Domain, ist das Recht, eine bestimmte Internetadresse zu führen.

[81] Das Wort "E-mail" ist aus dem Englischen, dort ist die Schreibweise: "E-mail". Im Deutschen ist dafür noch keine eindeutige Schreibweise fest gelegt, aber einige Nachschlagewerke zeigen "E-mail", so soll dabei auch verblieben werden.

[82] Vgl. Spijker, H. v. d., Briefpastoral. In: LThK3 2, 690-691; 690.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Seelsorge im Internet
Hochschule
Universität Regensburg  (Kath. Theol. Fakultät)
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
89
Katalognummer
V328
ISBN (eBook)
9783638102377
Dateigröße
1399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seelsorge, Internet
Arbeit zitieren
Elisabeth Dendorfer (Autor), 2000, Seelsorge im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/328

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