Das Frauenbild im Science Fiction-Film am Beispiel der Hauptfigur Ellen Ripley aus dem Film "Alien"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALT

1. EINLEITUNG

2. DIE FRAU IN DER GESELLSCHAFT

3. INHALT

4. RIPLEY
4.1. WARRANT-OFFICER ELLEN RIPLEY
4.2. RIPLEYS BLONDER GEGENPART
4.3. RIPLEY UNBEEINDRUCKT
4.4. RIPLEY ÜBERNIMMT DAS KOMMANDO
4.5. RIPLEYS FEMINISIERUNG

5. FAZIT

6. LITERATUR
6.1. QUELLEN INTERNETSEITEN
6.2. FILMOGRAFIE

7. ANHANG

1. Einleitung

Seit jeher interessieren Menschen sich für die Zukunft und versuchen sich vorzustellen, wie die Welt wohl aussehen wird in fünfzig, hundert oder eintausend Jahren. Das Faszinosum der Unvorhersehbarkeit des Lebens und der Unendlichkeit des Universums hängen dabei eng zusammen mit dem Bewusstsein von der Endlichkeit des eigenen Lebens und einer gewissen Neugierde, die wohl jedem Menschen zuteil ist.

Mit der Entwicklung der Filmrolle Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde es den Menschen möglich, ihre futuristischen und utopischen Ideen nun auch in längeren Sequenzen zu verbildlichen und später als ganze Filme mit Bild und Ton

in die Kinos zu bringen. Seit dieser Zeit verblüffen, ängstigen und fesseln Science Fiction-Filme ihre Zuschauer, indem sie die Auswirkungen des Spekulativen oder Möglichen auf die Zukunft zeigen.

Durch die räumliche Begrenzung des Menschen auf die Erde (abgesehen von Raumfahrern) und die zeitliche Begrenzung durch ein gewisses Pensum an Lebenszeit, handeln Science Fiction-Filme oftmals von der Überwindung dieser gegebenen Grenzen und zeigen, wie Menschen mittels geeigneter Maschinen und Transportmittel Zeitreisen unternehmen und fremde Welten besuchen. Auch die Bedrohung durch das Unbekannte, gefährliche Killer-Viren und die Überwindung sozialer und gesellschaftlicher Unterschiede sind Themen des Genres, wobei die Grenzen zum Fantasy-Film, Horrorfilm und anderen Filmgenres oft fließend sind.[1]

Gefangen in der jeweiligen Gegenwart ihres Entstehens sind Science Fiction-Filme immer auch ein Abbild ihrer Zeit und spiegeln gesellschaftliche Ängste oder Visionen wider. Beispielhaft hierfür können die übernatürlich vielen Alien-Invasionsfilme angeführt werden, die im paranoiden Kontext des Kalten Krieges in Amerika entstanden sind.[2] „Amerika sah sich in seinem Äußeren und Inneren von Monstern bedroht (...), die oft genug auch noch durch die Atombombe ins Leben gerufen worden waren (...)“, beschreibt Phil Hardy, Herausgeber der Science Fiction-Filmenzyklopädie, dieses Phänomen.[3]

Nachdem das Science Fiction-Genre in den sechziger Jahren einen gewissen Popularitätsverlust zugunsten des Horrorfilms erleidet, kehrt es in den in den

späten Siebzigern mit neuen Außerirdischen auf die Leinwände zurück.

Einer der bemerkenswertesten Filme dieser Zeit ist Ridley Scotts ALIEN, der 1979 in die Kinos kommt und mittlerweile vier Fortsetzungsfilme hervorgebracht hat. Mit verschiedenen Regisseuren und Sigourney Weaver in der Hauptrolle[4] sind bis heute nachfolgend die Episoden: ALIENS (R: James Cameron, 1986), ALIEN3 (R: David Fincher, 1992), ALIEN Resurrection (R: Jean-Pierre Jeunet, 1997) und ALIEN vs. PREDATOR (R: Paul W.S. Anderson, 2004) entstanden.

Abgesehen von den schrecklich schönen Aliens, die der Schweizer Künstler

H.R. Giger für den ersten ALIEN-Teil konzipierte, ist die immer wiederkehrende Hauptfigur der Ellen Ripley das eigentlich Faszinierende an den ALIEN-Filmen. Nicht nur, weil sie abweichend von der Norm, in dem männerdominierenden

Genre des Science Fiction eine weibliche Heldin darstellt, sondern auch – und gerade deshalb – , weil sie ein Frauenbild verkörpert, das sich im Laufe der Episoden entwickelt und immer wieder neu definiert.

Für Seeßlen und Jung „ist das ‚Rollenmodell’, das Ripley anbietet, der eigentliche Science-Fiction-Anteil der ALIEN-Saga.“[5]

Diese These soll in der nachfolgenden Arbeit untersucht werden, wobei sich die Analyse der Filmfigur Ellen Ripley auf den ersten ALIEN-Film beschränkt.

Dazu wird zunächst ein kurzer Blick auf die Situation der Frau in den siebziger und achtziger Jahren geworfen, um einen Vergleich zwischen Realität und dargestelltem Rollenmodell im Film zu ermöglichen. Nach einer kurzen Inhaltsangabe des Films, folgt dann die Analyse des ersten ALIEN-Teils anhand von Schlüsselszenen, in denen Ripleys Verhaltensweisen besonders deutlich zum Vorschein kommen. Direkte Dialogzitate werden dabei auf Englisch wiedergegeben, da es sich bei dem herangezogenen Film um die englischsprachige Originalfassung handelt. Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und zeigt auf, inwieweit das dargestellte Rollenmodell bzw. Frauenbild tatsächlich „Science-Fiction“ für die damalige Zeit war.

2. Die Frau in der gesellschaft

„Trau keinem über 30“. Nach dem Konservatismus der fünfziger und sechziger Jahre, in dem sich amerikanische wie westdeutsche Frauen einem so genannten „Weiblichkeitswahn“ verschrieben hatten, bricht mit der Studentenrevolte 1968 auch eine neue Ära der Frauenbewegung an. Mit der Pille im Handgepäck schließen sich Frauen in den USA und der BRD zu unabhängigen Organisationen zusammen, die nicht mehr nur marxistische Klassiker zur Frauenfrage lesen und von einer anderen Gesellschaft träumen wollen, sondern konkrete Forderungen stellen. Es geht ihnen um die Macht im Staat, um die Herrschaft über den eigenen Körper, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit und um Sexismus jeglicher Art. Die Frauen dieser Neuen Frauenbewegung wollen fast alles. Sie fordern „die Hälfte des Himmels“ und „die Hälfte der Welt“.[6]

In Deutschland kommt die weibliche Revolution erst mit einer Tomate in Schwung, welche die Romanistikstudentin Sigrid Rüger dem Theoretiker Hans-Jürgen Krahl auf der Bundesdelegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) im Herbst 1968 in Frankfurt ins Gesicht wirft, weil die SDS-Männer nicht über Kinderbetreuung diskutieren wollten .[7]

„Mein Bauch gehört mir!“ In den siebziger Jahren kämpft die Neue Frauenbewegung vor allem für das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und fordert die Abschaffung bzw. die Reform des Abtreibungsverbotes. Der heiß diskutierte

§ 218 wird zum Symbol für die Erkämpfung eines selbstbestimmten Lebens der Frauen und für die Findung ihrer eigenen Identität. Um diese entdecken zu können, entsteht unter den Aktivistinnen ein Bedürfnis nach männerfreien Zonen, die sie sich mittels Frauencafés, Frauenbuchläden und Frauengruppen schaffen. Es entsteht eine autonome Frauenszene, die jedoch schon bald Gefahr läuft, sich (aus der Gesellschaft) abzukapseln und die weibliche Integration aus den Augen zu verlieren. Immer wieder wenden sich Frauen entmutigt und zornig vom Feminismus ab, weil ihnen die Reformen zu langsam voranschreiten oder es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Frauengruppen kommt. Als die Abschaffung des § 218 im Jahr 1974 scheitert, empfinden das viele Frauen als eine Niederlage. Trotzdem sind immer wieder auch Fortschritte in Gesellschaft und Politik zu verzeichnen, die der Frauenbewegung neuen Mut zum Weitermachen gibt: Am 26. Januar 1977 erscheint Alice Schwarzers erste Auflage der feministischen Zeitschrift Emma, und im selben Jahr wird das Ehescheidungsrecht hinsichtlich des Versorgungsausgleiches reformiert. Zusammenfassend sagt Barbara Holland-Cunz zu dieser frauenbewegten Zeit: „Am Ende der siebziger Jahre sind die Aktivistinnen verändert: Sie kennen ihren Körper viel besser, haben sich mühsam von vielen patriarchalen Vorstellungen befreit und sind wissbegierig auf die eigene Geschichte und die Erfahrungen von Frauen.[8]

„Atomkraft? Nein, Danke!“ Mitte/Ende der siebziger Jahre entsteht weltweit eine neue soziale Bewegung, in der sich auch Feministinnen stark engagieren: Die Ökologiebewegung, die in den achtziger Jahren ihre Hochphase erreicht. „So wie die alten Feministinnen von der ‚Ausschmückung’ des Staates durch die Frauen träumen, so erhoffen sich Ökofeministinnen die Rettung der Erde durch die Frauenbewegung,“ schreibt Barabara Holland-Cunz.[9] Denn es geht eine kollektive Angst vor Atomenergie, Reaktorunfällen und neuen Gen- und Reproduktionstechnologien um, die in vielen Ländern ein bisher nie da gewesenes Ausmaß an Ökologie-, Frauen- und Friedensbewegungen hervorbringt. In der Bundesrepublik Deutschland erhält die Frauenbewegung mit dem Einzug der Grünen Partei in den Deutschen Bundestag ein lang erwartetes Sprachrohr und neue Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Frauenpolitik. Neben einer Ausdifferenzierung feministischer Strömungen ist in den achtziger Jahren vor allem auch ein Erstarken des liberalen gleichstellungspolitischen Feminismus zu beobachten. Frauen sind von nun an vermehrt in allen gesellschaftlichen Bereichen und in der Politik vertreten. Mit Rita Süssmuth als erste Bundesfrauenministerin macht die Neue Frauenbewegung Mitte der achtziger Jahre einen großen Schritt nach vorne, und die Institutionalisierung feministischer Anliegen kommt erkennbar in Gang.

Kleines Fazit In den siebziger und achtziger Jahren hat sich viel bewegt in frauenpolitischen Fragen. Nicht nur, dass Gesetze zur Gleichberechtigung von Frauen verabschiedet wurden, auch im gesellschaftlichen Bewusstsein hat sich dieses Thema einen festen Platz erkämpft. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es in dieser bewegten Zeit viele Frauen gab, die nicht für ihre persönliche Freiheit einstanden oder sich in irgendeiner Form politisch engagierten. Gerade ältere Generationen oder Frauen aus einem konservativeren Umfeld waren nicht

so leicht von den drastischen Veränderungen zu überzeugen, welche die Neue Frauenbewegung forderte und auch in Gang setzte. Und natürlich gab es auch immer wieder genügend männlichen Vertreter, die sich den Gleichstellungs-

versuchen von engagierten Frauen vehement entgegensetzten.

Auch, wenn sich viel getan und verbessert hat seit dieser Zeit, werden Frauen

noch immer diskriminiert und unterdrückt. Nicht nur in Ländern mit traditionell patriarchalen Strukturen, sondern in der ganzen Welt. Und die Misshandlung von Frauen ist im gesetzlosen Hafen der Ehe leider so sicher wie das Amen in der Kirche.

3. INHALT

Alien Mysteriöse Notsignale des Bordcomputers MU-TH-UR. (von der Crew liebevoll „Mother“ genannt) wecken die Mannschaft des intergalaktischen Raumfrachters Nostromo aus ihrem Kälteschlaf und veranlassen sie zur Landung auf einem scheinbar unbewohnten Planeten. Dort entdecken drei der entsandten Besatzungsmitglieder im Inneren eines verlassenen Raumschiffes die versteinerte Leiche eines außerirdischen Piloten und Tausende ledriger Eier, die im Bauch des Schiffes lagern. Als der menschliche Astronaut Kane eines der Eier berührt, öffnet es sich und heraus springt ein krabbenartiges Wesen, das ihm die Kehle zuschnürt und sich an seinem Gesicht festsaugt. Zurück an Bord der Nostromo versuchen Captain Dallas und der Wissenschaftsoffizier Ash vergeblich, das Wesen zu entfernen, das sich mit seinem säureartigen Blut zu schützen weiß. Wenig später erwacht Kane plötzlich aus dem Koma, und das Klammerwesen liegt abgestorben in der Krankenstation. Als die Mannschaft kurz darauf mit dem scheinbar genesenen Kane beim Essen zusammensitzt, platzt ihm plötzlich unter Krämpfen ein Alien aus der Brust heraus. Denn das unheimliche Klammerwesen war ein Parasit, der ihm ein Embryo in die Brust gepflanzt hat. Kane stirbt und das frisch geschlüpfte Alien verkriecht sich in die dunkelsten Ecken des Raumschiffes. Auf der Suche nach dem schnell wachsenden Monstrum wird ein Besatzungsmitglied nach dem anderen getötet. Das Alien scheint ein nahezu unverwundbarer Organismus zu sein, der sich ausschließlich von den Instinkten des Tötens und Fortpflanzens leiten lässt. Als auch Captain Dallas der fremden Spezies zum Opfer fällt, übernimmt Warrant-Officer Ellen Ripley das Kommando. Mit dem Rest der Crew beschließt sie, das Alien mitsamt dem Raumfrachter in die Luft zu sprengen und sie selbst in ein kleines Shuttle zu retten. Während der Vorbereitungen zur Sprengung des Mutterschiffes werden jedoch auch noch die beiden letzten Besatzungsmitglieder getötet, und Ripley kann sich nur knapp mit der Bordkatze Jones in das Shuttle retten bevor die Nostromo explodiert. Als sie sich auszieht, um sich in den Kälteschlaf zu begeben, muss sie voller Entsetzen feststellen, dass sich das Alien ebenfalls an Bord des Shuttles befindet. Mit letzter Kraft schafft es Ripley jedoch, das Monstrum durch eine Luke hinaus ins Weltall zu befördern. Als einzige Überlebende begibt sie sich mit der bitteren Erkenntnis, dass die Frachtergesellschaft die Infektion der Mannschaft mit dem bösartigen Parasit bewusst in Kauf genommen hat, um das Alien für die Produktion biologischer Waffen zu nutzen, in den Kälteschlaf...

[...]


[1] Vgl. www.net-lexikon

[2] Vgl. Markus Koch, S. 12

[3] Phil Hardy, S. 130

[4] außer in Alien vs. Predator

[5] Seeßlen / Jung, S. 363

[6] Sibylle Ann, S. 69

[7] Vgl. Sibylle Ann, S. 69

[8] Barbara Holland-Cunz, Die alte neue Frauenfrage, S. 145

[9] Ebd., S. 151

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbild im Science Fiction-Film am Beispiel der Hauptfigur Ellen Ripley aus dem Film "Alien"
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Gestaltung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V32949
ISBN (eBook)
9783638335379
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inkl. 5 Seiten Anhang
Schlagworte
Frauenbild, Science, Fiction-Film, Beispiel, Hauptfigur, Ellen, Ripley, Film, Alien
Arbeit zitieren
Jana Reisack (Autor), 2004, Das Frauenbild im Science Fiction-Film am Beispiel der Hauptfigur Ellen Ripley aus dem Film "Alien", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32949

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Frauenbild im Science Fiction-Film am Beispiel der Hauptfigur Ellen Ripley aus dem Film "Alien"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden