Medienwandel und Öffentlichkeitsumbruch


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medienwandel
2.1 Medien
2.2 Politik
2.3 Ökonomie

3. Öffentlichkeitsumbruch
3.1 Massenkommunikation
3.2 Interpersonale Kommunikation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Wandel im Medienbereich und der Öffentlichkeit haben in den letzten zwei Jahrzehnten zu erheblichen Umwälzungen in der gesamten Kommunikationsstruktur einer jeden Nation geführt. Wie sich dieser Medienwandel bisher konkret ausgewirkt hat und wie Lösungsansätze aussehen, diesem Wandel zu begegnen, sollen in dieser Arbeit genauer betrachtet werden.

Mit dem Internet entwickelte sich eine Technologie zu einem Medium, das die Welt in vielfacher Weise verändert hat. Weltumspannende Kommunikation in Form von Texten und (multimedialen) Daten war noch nie so schnell, so einfach und so kostengünstig wie heute. Durch die vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten ergeben sich für die Gesellschaft neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Dies betrifft insbesondere die Medienanbieter, die seit etwa Mitte der 1990er Jahre das Internet immer stärker als Verbreitungskanal für ihre Produkte nutzen. Aber auch Internet-Nichtnutzer oder -spätnutzer (Digital Immigrants) kommen mit diesem relativ neuen Medium in Kontakt, sei es privat durch Werbung oder im beruflichen Umfeld. Diejenige Generation, die schon mit dem Internet aufwächst (Digital Natives) hat weniger Schwierigkeiten, mit diesem Medium umzugehen, daher entsteht oft eine Wissenskluft zwischen den Generationen und Unternehmen müssen dies in ihrer Organisationsstruktur berücksichtigen. Des Weiteren wurden in den letzten Jahren auch Geschäftsmodelle entwickelt, die das neue Medium zu nutzen wissen, und somit Wertschöpfungsketten veränderten (z.B. das Online-Auktionshaus Ebay). Seitens des Journalismus ist zu beobachten, dass dessen Hauptaufgabe, nämlich das Herstellen öffentlicher Meinungsbildung, nicht nur mehr in der Hand professioneller Akteure liegt, sondern zunehmend durch Laienkommunkation aufbereitet wird. Die Massenmedien, als Teil der öffentlichen Kommunikation, hatten vor dem Internetzeitalter eine Art Monopolstellung bei der Verbreitung von Inhalten für unterschiedliche Publika inne. Interaktionen zwischen Anbieter und Rezipient gab es kaum (eventuell über Zuschauer-Hotlines oder Leserbriefe). Dieser Umstand hat sich grundlegend geändert. Radio, Fernsehen und der Printsektor hatten und haben darüberhinaus mit teils erheblichen finanziellen Einbußen zu kämpfen. Schätzungen zufolge wird es ab dem Jahr 2030 keine Abonnement-Tageszeitungen in Printform mehr geben, daher wurden schon andere Bezahlmodelle ausprobiert und auf den Weg gebracht (etwa online über Paywalls). Es hat sich zudem herausgestellt, dass sich mit Nischenprodukten (Long Tail) zunehmend Geld verdienen lässt, egal ob im Konsumgüterbereich oder bei Publikationen (z.B. Datenjournalismus).

In den folgenden Kapiteln soll nun genauer darauf eingegangen werden, wie der Medien-Strukturwandel bisher vonstattenging, inwieweit die Veränderungen demokratische Diskurse beeinflussen und wie die Zukunftsmodelle der Branche aussehen. Desweiteren wird der Öffentlichkeitsbegriff diskutiert. Dabei geht es um Fragestellungen nach der Rolle der Massenmedien, nach einer möglichen Aufsplitterung in Teilöffentlichkeiten im digitalen Zeitalter sowie um die Frage nach dem Web 2.0 als sogenanntes Mitmach-Medium. Ein abschließendes Fazit fasst die Erkenntnisse aus den vorangegangen Punkten noch einmal zusammen.

2. Medienwandel

Seit einigen Jahren wird der Begriff „Medienwandel“ ständig in der Öffentlichkeit kommuniziert. Was ist damit aber genau gemeint? Der aktuelle Medienwandel bezeichnet, einfach formuliert, derzeitige wie zukünftige Veränderungen in der Medienbranche. Dabei stellt sich sogleich die nächste Frage: Was war der Auslöser für diesen Wandel? Hauptursache waren technische Neuerungen in den letzten 25 Jahren. Historisch gesehen gab es immer schon Veränderungen durch Innovationen, aber die Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Teilsysteme[1] (Politik, Wirtschaft, Medien etc.) waren zuvor nicht so extrem. Denn bislang bedeutete Medienwandel im Kern eine zunehmende Ausdifferenzierung alter und neuer Medien mit je spezifischen Leistungen, das heißt neue Medien ersetzen die älteren nicht, sondern sie ergänzen und erweitern sie („Rieplsches Gesetz“[2] ). Ob der Onlinebereich andere Medien vollständig ersetzt, wird sich allerdings erst noch zeigen. Das Medien-Nutzungsverhalten der jungen Generationen tendiert jedoch weg von Rundfunk und Tageszeitungen hin zu digitalen Online-Angeboten (vgl. Abb. 1 Mediennutzungsdauer 2015). Das (mobile) Internet, mitsamt seinen Onlinemedien, hat Ökonomie, Politik, den Journalismus und generell die Kommunikation vor allem westlicher Demokratien verändert. In diktatorischen Ländern ist dieses Phänomen nicht so stark hervorgetreten, da dort alle gesellschaftlichen Teilsysteme staatlich gelenkt werden. Bei der Nachrichtenproduktion und -distribution sind heutzutage nicht unbedingt professionelle Strukturen und Hierarchien vonnöten oder hohe Zugangsbarrieren vorhanden, dies können auch zunehmend Laien durch Social-Media-Kanäle wie Twitter oder Google+ tun. Die Rolle der Massenmedien spielt bei der Betrachtung des Medienwandels eine große Rolle, ist doch durch das digitale Internet nicht nur eine rückkopplungsarme Einwegkommunikation zwischen Produzent und Rezipient möglich, sondern verstärkt ein vernetztes Kommunizieren wie es vor drei Jahrzehnten noch nicht der Fall war.

2.1 Medien

Das Wort „Medium“ hat mehrere Bedeutungen, bezogen auf den Kontext der vorliegenden Arbeit geht es um die Denotation des Begriffs als Kommunikationsmittel. Der Plural „Medien“ wird etwa seit den 1980er Jahren für die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsorganisationen verwendet. Kommunikationsmittel sind Sprache, Schrift, elektrische (z.B. Telegraf) und elektronische (z.B. Computer) Medien. Es werden also Informationen von einem Sender zu einem Empfänger übertragen. Kommunikationsorganisationen werden hierbei definiert als „inkorperierte Persönlichkeiten, als Firmen, Gesellschaften oder Anstalten, die zwischen Urheber und Nutzer treten“ (vgl. Schanze et al. 2009: 12).

Diese Medien in der Gesamtbetrachtung unterlagen stehts einem (technologischen) Wandel. Durch die höhere Verbreitungsmöglichkeit von Druckerzeugnissen mithilfe des Buchdrucks (ab 1450 durch Gutenberg in Europa) und später im 19. Jahhundert durch industrielle Druckmaschinen entwickelte sich allmählich die Zeitung zu einem Massenmedium, das bedeutete, dass Inhalte in der Öffentlichkeit nun an eine Vielzahl von Menschen gerichtet werden konnten. Es kamen noch weitere (massenmediale) Printerzeugnisse hinzu, wie zum Beispiel Zeitschriften, Plakate und Flugblätter. Das 20. Jahrhundert lieferte danach noch weitere Medien der Massenkommunikation, wie etwa das Radio, Film und Fernsehen und schließlich bietet das neue Jahrtausend via Internet mit seinen vielen Onlinemedien ein vernetztes Kommunizieren an. Inzwischen kann jeder mit jedem in Kontakt treten, einer mit vielen (one-to-many, z.B. Internetseite eines Users) oder einer mit einem (one-to-one, z.B. E-Mail) respektive viele mit vielen (many-to-many, z.B. Facebook). Die Grenzen zwischen Individual- und Massenkommunikation verschwimmen, daher wird das Internet oft auch als Hybridmedium bezeichnet.

Die Auswirkungen auf Organisationen der Medienbranche, die hauptsächlich als Inhaltsproduzenten auftreten, und den Rezipienten, vor dem Internetzeitalter ausschließlich Mediennutzer, waren in den letzten Jahren im In- und Ausland deutlich zu beobachten. Der Printsektor hat unter dem Medienwandel am meisten zu kämpfen. Schwindende Auflagen, sinkende Einnahmen und kaum noch junge Leser hatten zur Folge, dass Zeitungsredaktionen Personal abbauten und umstrukturiert wurden. Konkret bedeutete diese eine weitere Medienkonzentration[3] und eine Senkung der publizistischen Einheiten[4]. Darüberhinaus sind in der BRD sogar Print-Titel komplett vom Markt verschwunden, die Financial Times Deutschland etwa im Jahr 2012, die Frankfurter Rundschau [5] ist im gleichen Zeitraum in die Insolvenz gerutscht und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat Millionenverluste eingefahren. Die Branche muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, zu spät den digitalen Trend erkannt zu haben. Viele Printmedien reagierten gleichzeitig ratlos und panisch auf sinkende Verkaufszahlen, die Folgen waren unkoordinierte Umstrukturierungen in den einzelnen Abteilungen. Erst vor kurzer Zeit ist erkannt worden, dass auch Social-Media-Kanäle wie zum Beispiel Twitter im Redaktionsalltag wichtig sind. Da auch der Anzeigenmarkt als Einnahmequelle immer mehr ins Internet abwandert, müssen Medienhäuser Offline- und Online-Inhalte miteinander kombinieren, um überlebensfähig zu bleiben. Das Stichwort heißt hierbei „crossmediales Publizieren“. Kennzeichnend ist die Kommunikation über mehrere redaktionell verknüpfte Kanäle, die den Nutzer zielgerichtet über die verschiedenen Medien führt und auf einen Rückkanal verweist. Beispielsweise arbeitet seit Mai 2014 der Bayerische Rundfunk trimedial: redaktionelle und technische Zusammenarbeit zwischen Radio, Fernsehen und Online. Für Crossmedia ist das Internet aus technischer Sicht wieder entscheidender Antriebsfaktor gewesen. Online können verschiedene Medien miteinander verknüpft werden (Medienkonvergenz). Dabei wird Medienkonvergenz folgendermaßen beschrieben:

Ziel der Medienkonvergenz ist es, technisch die herkömmlichen Massenmedien oder Geräte für die Individualkommunikation in ein neues Ausgabemedium zu überführen, wobei dieses die originären Medien ergänzt oder langfristig sogar ersetzt. Auf der Ebene der Medieninhalte führt Medienkonvergenz dazu, mediale Angebote (zeitgleich) mehrfach zu vermarkten. Zum Beispiel: eine Reportage gleichzeitig in einer Tageszeitung und online veröffentlichen, die Nachrichten im Fernsehen und zeitgleich als Videostreaming im Internet zeigen oder den Kinofilm zugleich auf Videokassette, DVD anbieten. (Koschnick 2010: 1)

[...]


[1] Anmerkung des Autors: kleine Anlehnung an Niklas Luhmanns Systemtheorie

[2] Wolfgang Riepl (1864-1938): dt. Altphilologe, Journalist und Chefredakteur der Nürnberger Zeitung, formulierte 1913 in seiner Dissertation das nach ihm benannte Rieplsche Gesetz, wonach kein Nachrichten-Medium verschwindet, wenn ein anderes auftaucht. Diese Hypothese wurde oft kritisiert, da doch einige Medien komplett verschwunden sind (z.B. der Telegraf). Seit den 1990ern wird das „Rieplsche Gesetz“ im Zusammenhang mit der digitalen Revolution und den damit verbundenen Phänomenen wie Zeitungssterben, kostenlosen Online-Angeboten und Blogs diskutiert.

[3] Im Pressebereich etwa haben fünf große Verlagsgruppen einen Marktanteil von 43,7% (Stand: 2010).

[4] Darunter werden Tageszeitungs-Vollredaktionen verstanden, die den gesamten aktuellen Mantelteil einer Zeitung mit entsprechenden Kernressorts selbständig erstellen.

[5] Die Frankfurter Rundschau wird seit 2013 von der neu gegründeten Frankfurter Rundschau GmbH herausgegeben. Deren Gesellschafter sind: die Frankfurter Societät mit 55% Beteiligung, die FAZ mit 35% sowie die Karl-Gerold-Stiftung mit 10%.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Medienwandel und Öffentlichkeitsumbruch
Hochschule
Universität Passau
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V333726
ISBN (eBook)
9783668235083
ISBN (Buch)
9783668235090
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crossmedialität, Medienwandel, Journalismus, Publizistik, Digitalisierung, Öffentlichkeitsumbruch
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Medienwandel und Öffentlichkeitsumbruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333726

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