Nachrichtenwerttheorie


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfang der Nachrichtenwertforschung
2.1. Walter Lippmann
2.2. Weitere Studien
2.2.1. Charles Menz
2.2.2. Carl Warren
2.2.3. Die Nachrichtenfaktoren nach der amerikanischen Tradition
2.2.4. James K. Buckalew

3. Entstehung der europäischen Forschungstradition
3.1. Einar Östgaard
3.2. Galtung und Ruge
3.2.1. Die zwölf Nachrichtenfaktoren nach Galtung und Ruge
3.2.2. Formulierung von fünf Hypothesen

4. Weiterentwicklungen nach Galtung und Ruge
4.1. Karl Eric Rosengren
4.2. Winfried Schulz
4.3. Joachim Friedrich Staab

5. Fazit.

6. Literatur

1. EINLEITUNG

“All the reporters in the world working all the hours of the day could not witness all the happenings in the world. There are not a great many reporters. And none of them has the power to be in more than one place at a time. Reporters are not clairvoyant, they do not gaze into a crystal ball and see the world at will, they are not assisted by thought-transference. Yet the range of subjects these comparatively few men manage to cover would be a miracle indeed, if it were not a standardized routine.”[1]

Dieses Zitat von Walter Lippmann weist auf das wichtigste Problem von Journalismus hin: Journalisten sind nicht in der Lage, alle Weltgeschehen vollständig zu erfassen. Trotzdem müssen sie aus der Vielzahl der Meldungen, die jeden Tag die Redaktionen von Fernsehsendern, Rundfunksendern und Zeitungen erreichen, einige Meldungen selektieren und redaktionelle Beiträge verfassen. Die Grundfrage tritt hier auf: Welche Kriterien sind dabei verantwortlich, dass aus einer Meldung eine Nachricht produziert und von den Massenmedien veröffentlicht wird? Welche Faktoren spielen eine Rolle, damit ein Journalist eine Nachricht publikationswürdig findet?

Aus dieser Grundfrage entwickelten sich drei wesentliche Forschungsrichtungen: News Bias, Gatekeeper-Forschung und Nachrichtenwert-Theorie. Wir haben uns in unserem Referat mit Gatekeeper-Forschung befasst, die sich auf Journalisten und auf die einwirkenden Faktoren konzentriert. Desweiteren behandelten wir die Nachrichtenwert-Theorie, die sich speziell mit Ereignissen beschäftigt, und nach Aspekten sucht, die zu einer Publikation führen, und schließlich setzten wir uns mit einem Aufsatz von H. M. Kepplinger mit dem Thema “Theorien der Nachrichtenauswahl als Theorien der Realität” auseinander.

Diese Ausarbeitung zu unserem Referat soll einen Überblick über die Nachrichtenwert-Theorie geben. Ich habe mit dieser Arbeit die amerikanische und europäische Forschungstraditionen, sowie die verschiedenen Forschungen innerhalb der Nachrichtenwert-Theorie bis 1990 und insbesondere die zugrundeliegende Theorie von Galtung und Ruge dargestellt. Danach gibt diese Arbeit einen Überblick über die Weiterentwicklungen nach Galtung und Ruge.

2. ANFANG DER NACHRICHTENWERTFORSCHUNG

2.1. Walter Lippmann:

Das Grundkonzept der Nachrichtenwert-Theorie wurde 1922 von Walter Lippmann entwickelt. In seinem Buch “Public Opinion” stellte Lippmann die These auf, dass Nachrichten nicht die Realität spiegeln, sondern das Ergebnis von Selektionsentscheidungen sind, die nicht auf objektive Regeln, sondern auf Konventionen beruhen. Deswegen können Nachrichten nur eine Reihe spezifischer und stereotypischer Realitätsausschnitte vermitteln. In diesem Zusammenhang stellt Lippmann die Frage, welche Kriterien ein Ereignis erfüllen soll, so dass es zu einer Nachricht werden kann. Daraus entwickelte sich zum ersten Mal der Begriff “Nachrichtenwert”, den Lippmann als die Publikationswürdigkeit eines Ereignisses, die aus dem Vorhandensein und der Kombination verschiedener Ereignisaspekte resultiert, erklärte.[2]

2.2. Weitere Studien:

In den USA wurden nach 1922 viele Forschungen über die Nachrichtenwert-Theorie durchgeführt, denen das Grundkonzept von Lippmann zugrunde lag:

.

2.2.1. Charles Menz:

Menz erarbeitete 1925 die erste empirische Nachrichtenforschung. Er untersuchte die Eigenschaften, die die zehn wichtigsten Nachrichten ausgewählter Zeitungen charakterisierten, um die Kriterien dieser Nachrichten festzustellen, die diese gemeinsam hatten. So fasste er 4 Kriterien zusammen: Konflikt, Personalisierung, Prominenz und Spannung.

2.2.2. Carl Warren:

Warren definierte 1934 in seinem Buch “Modern News Reporting” acht Nachrichtenfaktoren, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen: Unmittelbarkeit, räumliche Nähe, Prominenz, Ungewöhnlichkeit, Konflikt, Spannung, Emotionalisierung und Konsequenzen.[3]

2.2.3. Die Nachrichtenfaktoren nach der amerikanischen Tradition:

Wenn man die Forschungen in den USA betrachtet, ergibt sich ein relativ stabiler Katalog von insgesamt sechs Nachrichtenfaktoren:

Unmittelbarkeit, Nähe, Prominenz, Ungewöhnlichkeit, Konflikt und Bedeutung (Konsequenzen).

Diese liegen den in der amerikanischen Forschungstradition stehenden empirischen Studien zugrunde, die seit Ende der 60’er Jahre vorgenommen wurden. Hierbei spielen vor allem die Studien von James K. Buckalew eine grosse Rolle.[4]

2.2.4. James K. Buckalew:

Buckalew führte 1969 zwei experimentelle Studien und zwei Input-Output Analysen durch, um den Einfluss von Nachrichtenfaktoren auf die Selektionsentscheidung der Journalisten zu untersuchen.

Im ersten Experiment sollten 12 Fernsehredakteure von verschiedenen Sendern 64 Meldungen. mit allen möglichen Faktorenkombinationen, nach ihrer Publikationswürdigkeit in einer 11-stufigen Skala sortieren. Dabei wurden 49 der 64 Meldungen auf der gleichen Rangstufe eingeordnet.

Ergebnisse:

- Der Publikationsrang einer Meldung war umso größer, desto mehrere Nachrichtenfaktoren auf sie zutrafen. Dabei hatten die Faktoren Konflikt, Nähe und Unmittelbarkeit den stärksten Einfluss, wobei der Nachrichtenfaktor Prominenz keinen Einfluß hatte. Bedeutung und Visualität hatten bei dieser Studie auf die Selektionsentscheidung der Redakteure einen moderaten Einfluss.
- Die formale Bildung der Redakteure und die Größe der jeweiligen Fernsehstationen übten bei dem Selektionsprozess einen modifizierenden Effekt aus. Die Redakteure mit geringerer formaler Bildung und aus kleineren Fernsehstationen stuften Meldungen mit dem Faktor Nähe signifikant höher und die mit dem Faktor Unmittelbarkeit signifikant niedriger als die mit höherer formaler Bildung und aus größeren Fernsehstationen.

Das zweite Experiment, das mit dem selben Untersuchungsdesign für den Vergleich der Selektionsverhalten zwischen 15 Zeitungs- und 3 Fernsehredakteuren geführt wurde, ergab im wesentlichen die gleichen Ergebnisse. Also ließ sich insgesamt ein erheblicher Einfluss der Nachrichtenfaktoren auf den Auswahlprozess von Journalisten beweisen.

Die Input-Output Analysen, die die an einem Tag eingegangene Meldungen mit den tatsächlich Veröffentlichten verglichen, wurden nach dem gleichen Modell wie in den vorangegangenen Experimenten gestaltet, und bestätigten die Ergebnisse der experimentellen Studien. Dabei hat Buckalew festgestellt, dass es zwischen der Faktorenstruktur des Nachrichtenangebots und der tatsächlichen Berichterstattung bemerkenswerte Unterschiede gab. Also veröffentlichten die Nachrichtenagenturen häufig nicht die Nachrichten, die die Fernsehredakteure als besonders publikationswürdig klassifizierten.[5]

3. ENTSTEHUNG DER EUROP ÄISCHEN FORSCHUNGSTRADITION

3.1. Einar Östgaard:

Die europäische Forschungstradition wurde 1965 unabhängig von der Amerikanischen von Einar Östgaard gegründet.

Östgaard integrierte verschiedene Nachrichtenfaktoren in ein komplexes theoretisches Konzept, und versuchte die Ursachen für die Verzerrung im Nachrichtenfluß zu systematisieren. Er unterschied zwischen zwei Arten von Nachrichtenfaktoren:

- Externe Nachrichtenfaktoren: Diese definierte Östgaard als direkte oder indirekte Einflußnahmen der Regierung, Nachrichtenagenturen und Eigentümern von Massenmedien aus politischen oder ökonomischen Interessen auf die Berichterstattung.
- Interne Nachrichtenfaktoren: Einzelne Aspekte von Nachrichten, die diese für Rezipienten interessant und beachtenswert machen. Nach Östgaard entscheiden diese darüber, ob eine Meldung die Nachrichtenbarierre überwindet.[6]

Aus den internen Nachrichtenfaktoren entwickelte er 3 Faktorenkomplexe:

- Einfachheit: Einfache Nachrichten werden den komlexeren vorgezogen. Komplexe Sachverhalte werden von den Journalisten möglichst auf einfache Strukturen reduziert.
- Identifikation: Journalisten berichten über bereits bekannte Themen und lassen prominente Akteure zu Wort kommen, oder wählen solche Ereignisse aus, die zum Publikum eine räumliche, zeitliche und kulturelle Nähe aufweisen. So versuchen sie die Aufmerksamkeit der Rezipienten zu gewinnen.
- Sensationalismus: Dramatische und emotional erregende Sachverhalte wie Verbrechen, Krisen usw. werden besonders stark in den Vordergrund der Berichterstattung gerückt.[7]

[...]


[1] Lippmann, Walter S:338

[2] Vgl. Staab, Joachim Friedrich S: 40-41

[3] Vgl. Ebenda, S: 42-43

[4] Vgl. Ebenda, S: 49

[5] Vgl. Ebenda, S:49-53

[6] Vgl. Ebenda, S: 55-56

[7] Vgl. Burkart, Roland S: 279-280

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Nachrichtenwerttheorie
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Theorien und Modelle in der Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V33393
ISBN (eBook)
9783638338813
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit erläutert die Nachrichtenwerttheorie, ihre wichtigsten Ansätze und die Entwicklungen der letzten Jahre
Schlagworte
Nachrichtenwerttheorie, Theorien, Modelle, Kommunikationswissenschaft
Arbeit zitieren
Bige Ergez (Autor), 2002, Nachrichtenwerttheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33393

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