Weltbild, Rituale und Erscheinungsformen von Skinheads in Deutschland


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Äußere Erscheinungsform

3. Rituale

4. Weltbild

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturangabe

1. Einleitung

„Skinheads, bekleidet mit Bomberjacken und klobigen Schuhen, stecken Asylantenheime in Brand und grölen Allzeit `Heil Hitler´ in ihre Umgebung. Ihre größten Feinde sind Ausländer, Punker und der deutsche Staat, inbegriffen all seine Institutionen.“[1] So beschreibt Herbert Kloninger das Bild, welches die Meisten mit Skinheads verbinden. Allerdings sei diese Szene weitaus heterogener.[2] Die Wurzeln der Skinhead-Bewegung liegen nämlich im Jamaika der frühen 60er-Jahre. Die so genannten „Rude Boys“ aus den Schwarzen-Ghettos provozierten zwar schon damals die konservativen Autoritäten der britischen Kolonialisten, doch statt wilder Rockmusik, hörten sie Reggae und Ska.[3] Durch jamaikanische Einwanderer schwappte diese Subkultur dann nach England hinüber. Über mehrere verschiedenste Entwicklungsstufen formte sich von Anzugträgern („Mods“) bis zu den aggressiveren Hooligans in den 70er Jahren die Skinheadkultur, welche diesen Begriff dann auch erst festlegte.[4] Diese hatten schon Glatzen und beinahe die für heute typischen Outfits, hörten allerdings noch immer die für Jamaikatypische Musik. Erst nach den 70er-Jahren und einer Flaute der Skinhead-Bewegung, welche dem Älterwerden der ehemaligen Mitglieder geschuldet war, entwickelte sich aufgrund des aufkommenden Rassismus in Großbritannien eine rechte Gruppierung der Glatzenträger.[5] Auch im heutigen Deutschland gibt es noch verschiedenste Skinhead-Kulturen, welche unterschiedlichen Idealen folgen. Allerdings gibt es neben den unpolitischen, linken und stark konservativen Skins auch jene Gruppierungen, welche annähernd auf die von Kloninger verurteilten Stereotypen passen. Diese machen sogar den Großteil aus.[6] Die Skinheads in Deutschland haben den Ruf, rechtsradikale Schläger und die ausführende Gewalt der Neo-Nazis zu sein. In dieser Hausarbeit werde ich untersuchen, wie hoch die Gewaltbereitschaft der Skinheads ist, wie diese auftreten und welche Ideale gerade die rechtsextremen Stahlkappenstiefelträger verfolgen, und die Frage beantworten: Wie prägt sich die Subkultur der Skinheads in der deutschen Gesellschaft aus? Dabei werde ich in meiner Arbeit Wert darauf legen Literatur zu benutzten, welche die rechte Skinheads-Szene nicht nur von außen, sondern auch von innen untersucht und analysiert. Deshalb habe ich ein breites Spektrum an Literatur berücksichtigt. Die beiden Extrema bilden hier wohl die Werke „Skinheads Gothics Rockabililies“ von Susanne El-Nawab und „Rechte Glatzen“ von Kurt Möller und Nils Schuhmacher. El-Nawab hat für ihr Buch mit vielen verschiedenen Anhängern des Szene gesprochen und durch den Dialog Erfahrungsberichte und Ansichten der heterogenen Subkultur gesammelt. Dabei lässt sie ihrer Betroffenheit und Emotionalität freien Lauf, indem sie Aussagen und Einstellungen der Skin-Kultur persönlich bewertet. Möller und Schuhmacher sind in ihrem Werk durchaus sachlicher. Bei ihrem in nüchterner, wissenschaftlicher Sprache verfassten Werk sammeln und beurteilen sie Studien und Statistiken vieler Forscher, wobei sie diese kritisieren und dazu Anmerkungen machen. Trotz der anspruchsvollen wissenschaftlichen Sprache sind die Autoren bei ihrem Urteil über die Studien sehr direkt. Aufgrund der großen Unterschiede der Szene ist es schwer, in der Literatur Automatismen des Ein- und Ausstiegs aus der Szene auszumachen. Viele Autoren, welche auch in meiner Arbeit zu Rate gezogen werden, untersuchen auch, wie Jugendliche zu Skinheads oder gar Neo-Nazis werden und was deren typischen Phänotypen ausmacht.

2. Äußere Erscheinungsform

„Skinheads haben eine ganz eigene Art aufzutreten. Sie inszenieren sich oft so, dass die anderen Anwesenden sich entweder unbehaglich und provoziert fühlen oder sich fürchten.“[7] Skinheads kann man sofort an ihrem äußeren Erscheinungsbild erkennen. Typische Merkmale sind ihre besonderen Frisuren, Schuhe, Beinbekleidungen, Hemden, Jacken und Tätowierungen. Die rechtsradikalen Skinheads in Deutschland sind eine Sub-Kultur bestehend aus weißen deutschstämmigen Jugendlichen.[8] Bei diesen handelt es sich allerdings um eine Gruppe von Jugendlichen mit unterschiedlichen politischen Einstellungen und Graden der Gewaltbereitschaft. Gemeinsam haben sie ihre äußere Erscheinungsform.[9] Hierbei gilt, dass derjenige, der sich der Szene nicht anpasst, ausgeschlossen wird. Dies gilt für Einstellungen, Verhalten und nicht zuletzt das Aussehen.[10] Das Auffälligste am Phänotyp des Skinheads, und „auch Dreh- und Angelpunkt des Stils“[11] ist die bei den Männern immer übliche Kurzhaarfrisur. Die Übersetzung des Wortes Skinhead kommt aus dem englischen und bedeutet übersetzt „Hautkopf“[12]. Unter den weiblichen Skinheads Frauen ist der „Feathercut“ die weitverbreitetste Frisur. Hierbei sind die Haare am Ober- und Hinterkopf geschoren und der Pony in gefranste Strähnchen geschnitten.[13] Neben den massiven Stahlkappenstiefeln und den Jeanshosen gehören auch die Bomberjacken zu den Kleidungsstücken, die sowohl männliche als auch weibliche Skinheads bevorzugt tragen. Hierbei geht es allerdings nicht nur um Mode, sondern vor allem um Selbstinszenierung.[14] Das schwere Schuhwerk soll den Gang verändern und militärische Kampfbereitschaft ausdrücken.[15] Somit wirkt ihr Auftreten bedrohlicher. Denselben Effekt erfüllen die Bomberjacken. Der bullige weite Schnitt der Jacken erinnert an ein „aufgeplustertes Federkleid von kampfbereiten Hähnen oder an gesträubtes Fell von Raubtieren.“[16] Außerdem kaschiert der weite Schnitt dürre Arme und erzeugt eine Illusion von Kraft.[17] Unter diesen Jacken tragen die Skins der rechten Szene entweder die traditionellen Arbeiterhemden oder auch Pullover und Shirts bestimmter Marken mit versteckten sprachlichen Mustern. So tragen die Neo-Nazis oft Kleidungsstücke der Marke „Lonsdale London“ unter ihren Bomberjacken, da bei geöffnetem Reißverschluss nur die Buchstaben „nsda“ hervorblitzen, welche fast die komplette Abkürzung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ widerspiegeln. Ähnliches gilt für die Modemarken Consdaple oder Thor Steinar, welche unter heidnischem Vorwand doppeldeutige Runen auf Kleidung drucken.[18] Alles in einem wirkt das Erscheinungsbild der Skinheads offensiv und aggressiv. Der Gang und die Körpersprache, die auch durch die Kleidungsstücke betont werden, wirken abschreckend und angsteinflößend. Ein weiteres Skinhead-Statement sind die Tätowierungen. Diese sind nicht nur ein Symbol dafür, wie Seemänner und Häftlinge gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein, sondern dienen auch dazu, die individuellen Lebensmottos darzustellen. Nach den für Skins klassischen Motiven wie Totenköpfe, Bulldoggen und dämonische Fabelwesen kommen bei den rechtsextremen Gruppierungen der Skinheads, dem „neofaschistischen Milieu“[19] häufig auch Flaggen und Symbole vor.[20] Im Vergleich zu den Merkmalen der Bekleidung sprechen Nazisymbole und SS-Runen[21] eine eindeutig direktere Sprache.[22] Die Neonazi-Szene ergänzt den Skinhead-Stil mit „Nazi-Accessoires“.[23] Während Bomberjacken und Springerstiefel aufgrund ihres nicht eindeutig rechten Ursprungs Interpretations-Spielraum bieten, sind grundgesetzwidrige Körperbemalungen direktere Statements zu einer bestimmten Lebenseinstellung. Gemeinsam haben diese beiden Ausprägungen allerdings, dass sie den Mitgliedern der Szene ein Gefühl von Macht verleihen. Der breite Gang, das aufrechte Stehen, die verschränkten Arme[24] und das Auftreten in Gruppen zeigen ein künstlich erzeugtes Selbstbewusstsein, welches durch die maskuline Kleidung untermauert wird.[25] Außerdem spielt der Aspekt der Kampfbereitschaft bei der Uniformierung der Skinheads eine entscheidende Rolle. Angelehnt an den männlichen Heldenmythos aus der NS-Zeit wirkt das Outfit der Neonazis, welches sie von der Skinhead-Szene übernahmen, soldatisch, gepanzert und maskulin. Das Motiv der Verteidigung spielt hierbei eine entscheidende Rolle, sei es nun ein Fußballverein, eine Kneipe, ein Jugendclub oder sogar eine Nationalität.[26]

3. Rituale

Skinheads heben sich, wie jede Subkultur, durch ihre eigenen Rituale vom Mainstream ab. Das Zusammengehörigkeitsgefühl spielt hierbei eine große Rolle. Durch laute gemeinsam gerufene Parolen, denselben Musikgeschmack und das gemeinsame Trinken bis zum Umfallen wird das Gruppenbewusstsein gestärkt.[27] Wie bereits zu den Anfangszeiten der Skinheads ist Fußball ein Bestandteil ihrer Kultur. Ab den 1980er Jahren übernahmen Skinheads in Deutschland die Rituale der britischen Hooligans der Arsenal- und West Ham-Fans aus London und randalierten vor, während und nach den Partien. Noch heute ist es so, dass ganze Hundertschaften von Polizisten aufziehen um die rechtsradikalen Fans im Zaum zu halten. Sicherlich lassen sich die „Ultras“, also allgemein extreme Fußballfans, nicht mit rechtsradikalen Skinheads über einen Kamm scheren, dennoch ist es heute nicht selten, dass faschistische und rassistische Plakate oder Parolen regelmäßig in Stadien der Republik Einzug finden.[28]

Ein weiteres Kernelement der Szene ist die Musik. Während manche Lieder von Skinheadgirls, Biertrinken oder Fußball handeln, verherrlichen andere Gewalt oder brüllen ausländerfeindliche und rassistische Parolen in die Welt hinaus.[29] So lassen sich die Trends der rechten Skinhead-Rock-Szene historisch in drei Stufen einteilen. Bis in die Mitte der 1980er Jahre versuchten die Rockbands ihre rechte Tendenz eher subtil zu halten und nicht in jedem ihrer Texte direkt von Hass und Nationalität zu singen. Zu diesen Bands gehörten Gruppen wie die „Böhsen Onkelz“, „Vortex“ oder „Endstufe“. Wenngleich auch diese Bands bemüht waren in jedem ihrer Stücke massiv zu provozieren, nahm doch bis zum Ende der Neunziger der Rechtsextremismus in Stufe zwei sein bisher heftigstes Ausmaß an. Gruppen wie „Commando Pernod“ und „Störkraft“ nutzten ihre Auftritte gezielt dazu politische Meinungen kund zu tun. Die dritte Stufe der rechten Bands, die sich ab der Mitte der 90er herauskristallisierte, lässt sich jedoch nicht mehr typischen Regeln zuordnen. Bis heute gibt es Rechtsbands mit subtileren Texten und jene, die aus ihrer faschistischen Besinnung keinen Hehl machen.[30] Die Attraktivität von Musik bei Jugendlichen sollte nicht unterschätzt werden. Christian Menhorn bezeichnet sie in seinem Buch „Skinheads“ als Mittel, welches Heranwachsende an die rechte „Szene heranführen kann“. Außerdem erwähnt dieser hier auch, dass ein Verbot oder einer Indizierung von rechter Musik und Konzerten kontraproduktiv sei, da dies den Rechtsextremen weiter die Bestätigung in ihrer Annahme gibt politisch-verfolgte Märtyrer zu sein.[31]

[...]


[1] Kloninger, Herbert: Aktuelle Aspekte des Rechtsextremismus: Symbolik/ Neonazis/ Skinheads. Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Fachbereich Öffentliche Sicherheit: Brühl 1998. S.153.

[2] Ebd.

[3] Ebd. S.155.

[4] Ebd. S.158.

[5] Ebd. S.161.

[6] Menhorn, Christian: Skinheads: Portrait einer Subkultur. Nomos-Verlagsgesellschaft: Baden-Baden 2001. S.266.

[7] El-Nawab. S.100.

[8] Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Gewalt gegen Fremde. Rechtsradikale, Skinheads und Mitläufer. Juventa Verlag: Weinheim und München 1993. S.162-163.

[9] El-Nawab. S.22.

[10] Ebd. S.99.

[11] Ebd. S.102.

[12] Kloninger. S.153.

[13] El-Nawab. S.103.

[14] Ebd. S.110.

[15] Ebd. S.106.

[16] Ebd. S.109.

[17] Ebd. S.100.

[18] Ebd. S.126.

[19] Ebd. S.124.

[20] Ebd. S.110.

[21] Ebd. S.124.

[22] Ebd.

[23] Ebd. S.125.

[24] Ebd. S.101.

[25] Ebd. S.111.

[26] Deutsches Jugendinstitut. S.162-163.

[27] Ebd.

[28] Menhorn, Christian: Skinheads: Portrait einer Subkultur. Nomos-Verlagsgesellschaft: Baden-Baden 2001. S.32-33.

[29] El-Nawab. S.113.

[30] Menhorn. S.185-186.

[31] Ebd. S.277.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Weltbild, Rituale und Erscheinungsformen von Skinheads in Deutschland
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Soziologisches Institut)
Veranstaltung
Jugendkulturen des 20. und 21. Jhd
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V334316
ISBN (eBook)
9783668240964
ISBN (Buch)
9783668240971
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Nazi, Jugend, Gruppe, Weltbild, Mileau, Rocker, Jamaika, Rude
Arbeit zitieren
Alexander Rüther (Autor), 2016, Weltbild, Rituale und Erscheinungsformen von Skinheads in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334316

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