Severus Snape und die Frage nach Gut und Böse in den Harry Potter-Romanen


Hausarbeit, 2015
12 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Das Konzept von Gut und Böse
2.1 Das Konzept von Gut und Böse im Fantasy Genre
2.2 Das Konzept von Gut und Böse in den Harry Potter Romanen

3. Severus Snape
3.1 Severus Snape und Lord Voldemort
3.2 Severus Snape und Albus Dumbledore
3.3 Severus Snape und Harry Potter
3.4 Severus Snapes Rolle im Kampf gegen das Böse

4. Fazit

5. Literatur

1.Einleitung

„Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt.“ [1]

Das archaische Thema vom Kampf des Guten gegen das Böse ist eines der ältesten literarischen Themen. Bis zum heutigen Tage ist die Materie „Gut gegen Böse“ von zahlreichen SchriftstellerInnen in unzähligen Varianten literarisch verarbeitet worden.

Um die Wichtigkeit von Gut und Böse im Zusammenhang mit Severus Snape und der Geschichte um Harry Potter zu analysieren, ist es zunächst notwendig zu definieren, was „das Gute“ und was „das Böse“ ist. Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über das Konzept von Gut und Böse im Allgemeinen, im Genre der Fantasy Literatur und in der Romanreihe Harry Potter. Darauf aufbauend wird die Position Severus Snapes im Spektrum von Gut und Böse untersucht. Dabei stehen der Charakter Snapes und seine Beziehung zu den Hauptakteuren der Werke im Vordergrund. Damit verknüpft wird daraufhin Severus Snapes Rolle im Kampf gegen das Böse untersucht.

Die ambivalente Figur Severus Snape bewirkt durch seine scheinbare Wandlung nicht nur einen Spannungseffekt, sondern ist auch prägnantes Beispiel dafür, dass eine klare Trennung zwischen den Polen von Gut und Böse nicht nur schwierig sein kann, sondern ab einem bestimmten literarischen Niveau auch allzu naiv wäre.

2. Das Konzept von Gut und Böse

In der Philosophie, der Religion und der Soziologie sind die Begrifflichkeiten Gut und Böse eng verbunden mit Wünschen und Verhalten auf dem Spektrum von zwei Seiten. Die eine Seite ist moralisch positiv oder gut und die andere negativ oder böse. Während das Konzept des Guten weithin mit Begriffen wie Charakterstärke, Liebe, Frieden und Glück assoziiert wird[2], stellt das Böse meist das Gegenteil oder die Antithese zum Guten dar.

Verschiedene PhilosophInnen haben das Böse als etwas substanzloses gekennzeichnet, das nur die Abwesenheit des Guten darstellt. Immanuel Kant behauptete hingegen im Jahre 1793, dass das Böse ein Instinkt Merkmal der Menschheit, folglich ein Teil von uns sei.[3] In der Philosophie bedeutet das Böse heute im Allgemeinen, das Brechen der Regeln, die wir einst von Gott erhielten, beziehungsweise selber schufen um ein gesellschaftliches Leben zu gewährleisten. Einige PhilosophInnen haben das Böse zudem in das moralische Übel, das durch individuelles Handeln oder das einer Gruppe geschieht und das natürliche Böse, das von Naturkatastrophen oder Krankheiten resultiert, unterschieden.

Das Problem des Bösen ist außerdem ein zentraler Punkt in der Religion. Von der direkten Konfrontation mit dem Bösen ergeben sich Leid und Zerstörung und damit Fragen des Lebens.

Es herrschen unterschiedliche Auffassungen über das Böse in der Religion. Die drei wesentliche Interpretationsansätze der monotheistischen Religionen sind, erstens: das Böse ist letztlich unwirklich, zweitens: das Böse ist die rivalisierende Kraft des Guten, ohne die diese nicht existieren könnte und drittens: das Böse ist die persönliche Identität eines Wesens, das von einem guten Status in Folge eines Missbrauchs des freien Willens fiel.[4]

Die westlichen Kulturen sind mehrheitlich durch den christlichen Glauben geprägt, in dem es heißt, dass Gott alles erschaffen habe, abgesehen vom Bösen: „ Gott ist Licht und in ihm gibt es keine Finsternis. " [5]. Der Bibel zu Folge wurde das Böse vom Engel Luzifer erschaffen, als dieser sich gegen die Hierarchie unter den Engeln auflehnte.[6]

Auch die soziologische Konzeption von „Gut und Böse“ ist sehr komplex. Die Prozesse unserer Gemeinschaft oder Kultur zu erklären, wird diese Arbeit nicht vollends leisten können. Stark zusammengerafft lässt sich das Konzept von „Gut und Böse“ aber auf das Handeln eines einzelnen Individuums beziehen, dessen Verstand sagt, dass bestimmte Handlungen, Absichten oder Entscheidungen falsch oder böse sind und dass Menschen, die diesen Handlungen, Absichten oder Entscheidungen entsprechen, böse sind, beziehungsweise nach dem allgemeinen Dafürhalten falsch liegen. Ob und warum eine bestimmte Handlung, Absicht oder Entscheidung als böse verstanden wird, hängt immer vom Kontext ab. Daher stellt das soziologische Konzept von Gut und Böse in der Theorie die Grundlage für die Bildung der menschlichen Gesellschaft dar.

2.1 Das Konzept von Gut und Böse im Fantasy Genre

Literarische Werke des Fantasy Genres spielen in erfundenen oder parallelen Welten. Bei ihnen liegt der Schwerpunkt auf Themen, die die Gefährdung jener Welt betreffen, so wie dem Kampf mit übernatürlichen, bösen Mächten. Der Konflikt von Gut gegen Böse ist das beliebteste Thema der Fantasy. Als Kunstgriff können die AkteurInnen der jeweiligen Seiten oft nicht durch ihr tatsächliches Verhalten unterschieden werden; egal ob gut oder böse, im Kampf gegeneinander, verhalten sich oft beide Seiten verantwortungslos und impulsiv.[7] In vielen Werken der epischen Fantasy wird ein tiefer Konflikt mit moralischen Fragen, bei anderen der Kampf um Macht in den Mittelpunkt gestellt.

Das Böse wird oft von einem dunklen Herrn dargestellt, der als diabolische Figur beschrieben wird und eher eine Macht als eine Persönlichkeit verkörpert. Meist verfügt er über magische Fähigkeiten und steuert oft riesige Armeen[8].

Dem Bösen wird oft kein einwandfreier, sondern ein moralisch unzuverlässiger oder mehrdeutiger Charakter entgegengesetzt. Das Hauptziel der Erzählung ist in den meisten Fällen, die HeldInnen über die dunkle oder böse Seite triumphieren zu lassen.

2.2 Das Konzept von Gut und Böse in den Harry Potter Romanen

„Harry Potter, more than anything else, is about a struggle between good and evil. “ [9]

In den Harry Potter Werken wurde deutlich eine Welt konstruiert, die geteilt ist zwischen Gut und Böse. Auf der einen Seite steht die Personifikation des Bösen in Form von Lord Voldemort. Sein Charakter und seine Taten sind deutlich erkennbar als böse. Er ermordet zahlreiche Unschuldige und hat seine Seele durch das Schaffen der Horkruxe stark verstümmelt. Aus seinen Handlungen resultieren Leid und Trauer für andere. Auch die dunkle Zeichnung seiner Figur markiert Voldemort als böse:

„Weißer als ein Schädel, mit weiten, scharlachrot lodernden Augen und einer Nase, die so platt war wie die einer Schlange, mit Schlitzen als Nüstern...“[10]

Ihm entgegen tritt Harry Potter, der für die Bewegung des Guten steht. Im siebten Band bringt der Kommentar Remus Lupins in der Radiosendung „Potterwatch“ dies deutlich zum Ausdruck:

„>Der ‚Junge, der überlebt hat‘ bleibt eine Symbolfigur für alles, wofür wir kämpfen: den Triumph des Guten, die Macht der Unschuld, die Notwendigkeit, weiterhin Widerstand zu leisten. <“[11].

Daher scheint es, dass im Rahmen der Harry Potter Romane das Leben und Taten zum Schutz des Lebens sowie Liebe und Mut das Gute darstellen.

Allerdings weist die Welt der Harry Potter Romane nicht immer klare Grenze zwischen Gut und Böse auf. Die Übergänge sind oft unscharf und undeutlich definiert. Zu Beginn der Romanreihe scheint es, als gäbe es eine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse: Die Hauptfigur Harry Potter und dessen Mentor Dumbledore sind vollends gut, während Voldemort und seine TotesserInnen vollends böse sind. Doch mit dem Fortgang der Geschichte wird das Thema zunehmend kompliziert, spielt mit unserer Vorurteilen und unserer Wahrnehmung der Zeichen und schafft eine Art moralischer Zweideutigkeit. Oft ist es unklar, wer für welche Taten verantwortlich ist und wer auf welche Seite gehört. So gibt es gute und schwarze Magie, doch auch ein guter Zauberer oder eine gute Hexe kann schwarze Magie anwenden. Beispielhaft hierfür ist der Zauberspruch „Sectumsempra“, mit dem Harry Draco Malfoy im sechsten Band lebensbedrohlich verletzt[12]. Auch wenn Harry in dem Moment bewusst ist, einen Zauberspruch „gegen Feinde“ zu verwenden, sind ihm die Folgen seiner Tat zunächst unklar und er bereut diese später.

Albus Dumbledore erklärt Harry Potter im zweiten Band:

„>Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, […] die zeigen, wer wir wirklich sind. <“[13]

und verdeutlicht mit dieser Aussage einen wesentlichen Kern der Geschichte. Harry zeigt Courage und muss manchmal mit sich selbst und den Versuchungen um ihn herum kämpfen um auf der Seite des Guten zu bleiben. Dies wird besonders deutlich, wenn sich Harry im letzten Band dafür entscheidet weiterhin die Horkruxe zu suchen um Voldemort zu töten anstatt den Heiligtümern des Todes nachzujagen, die ihm (der Legende nach) zu dem Herren über Leben und Tod machen würden.

3. Severus Snape

Insbesondere die Figur des Zaubertranklehrers Professor Severus Snape ist diejenige, die mit ihrer Ambiguität für die anhaltende Spannung der Geschichte sorgt. Zunächst wird er als bösartige und unangenehme Person vorgestellt. Er wird als ein unfreundlicher Einzelgänger und hässlicher Mann beschrieben, der sowohl bei der SchülerInnenschaft als auch bei den ProfessorInnen unbeliebt ist. Immer wieder hinterfragen Harry und seine FreundInnen das unerschütterliche Vertrauen, das Dumbledore in Snape setzt. Dadurch werden die LeserInnen dazu verleitet, etwas Schlechtes von Snape zu erwarten und ihm zu misstrauen.

Scheinbar arbeitend für beide Seiten: Dumbledore und Lord Voldemort, wird durch Snapes Position als Doppelagent mit zweifelhaften Verbündeten durchgehend ein Bild des Misstrauens geschürt. Gerade die Tötung Albus Dumbledores im sechsten Teil sorgt dann für den endgültigen Vertrauensverlust. Doch am Ende des siebten Teils werden alle Ungereimtheiten aufgeklärt und es wird deutlich, dass Snape während der ganzen Zeit im Dienste des Guten agiert hat.

[...]


[1] Busch, W.: Die fromme Helene, München 1893

[2] Vgl. Martens, E.: Zwischen Gut und Böse. Elementare Fragen angewandter Philosophie, Stuttgart 1997, S 9 ff.

[3] Kant, I.: Über das radikale Böse in der menschlichen Natur. In: Kirchmannvon, J. (Hg.): die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Leipzig 1875

[4] Vgl. Mensching, G.: Gut und Böse im Glauben der Völker, Stuttgart 1950

[5] LUT- Bibel, Joh 1,5

[6] LUT- Bibel, Ez 28, 15-17

[7] Gupta, S.: Re-Reading Harry Potter, New York 2003, S.55 f.

[8] Marzin, F.: Die Phantastische Literatur. Eine Gattungsstudie, Frankfurt am Main 1982, S.111 f.

[9] Patrick, C.J. und Patrick, S. K.: Exploring the Dark Side. Harry Potter and the psychology of evil. In: Mulholland, N.(Hg.): The Psychology of Harry Potter. An unauthorized examination of the boy who lived, Dallas 2007, S.221

[10] Rowling, J.K.: Harry Potter und der Feuerkelch, Hamburg 2000, S.672 (Im Folgenden: Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch)

[11] Rowling, J.K.: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Hamburg 2007, S.449 (Im Folgenden: Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes)

[12] Rowling, J.K.: Harry Potter und der Halbblutprinz, Hamburg 2005, S.527 f. (Im Folgenden: Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz)

[13] Rowling, J.K.: Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Hamburg 1999, S.343 (Im Folgenden: Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Severus Snape und die Frage nach Gut und Böse in den Harry Potter-Romanen
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V334769
ISBN (eBook)
9783668245471
ISBN (Buch)
9783668245488
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Severus Snape, Harry Potter, Gut und Böse, Albus Dumbledore, Lord Voldemort
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Severus Snape und die Frage nach Gut und Böse in den Harry Potter-Romanen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334769

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