Die Cyborgisierung der Gesellschaft. Entwickeln wir uns zu Mensch-Maschinen?


Hausarbeit, 2015
11 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Cyborgs (Begriffsdefinition)

3. Die Cyborg Gesellschaft
3.1 Medizin
3.2 Militär

4. Potentiale und Grenzen der Technik

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Alltag des 21. Jahrhunderts ist geprägt von einer Kulisse aus Maschinen und Computern. Moderne Technik dominiert Arbeitswelt und Freizeit, steuert Informationsfluss und Zerstreuung. Von der Brille bis zum Herzschrittmacher kompensieren moderne Hilfsmittel inzwischen auch eine Vielzahl medizinischer Defekte.

Bisher hielt die technische Entwicklung stets Schritt mit der menschlichen Evolution. Könnte sie uns nun bald überhohlen? Wird die nächste Stufe eine Paarung von Mensch und Maschine sein? Und was kann das für unseren Alltag bedeuten?

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage danach, wie viel Cyborg in uns und unserer Gesellschaft steckt. Hierzu erfolgt zunächst die Annäherung an den Diskurs über die Begriffsdefinition „Cyborg“. Darauf aufbauend wird die voranschreitende Cyborgisierung unserer Gesellschaft untersucht und anhand der Felder Medizin und Militär näher beleuchtet. Abschließend erfolgen einige Überlegungen zu Potentialen und Grenzen der Technik.

2. Cyborgs (Begriffsdefinition)

Der Begriff der Kybernetik leitet sich von dem griechischen Wort „kybernetes“= Steuermann ab und beschäftigt sich mit der Theorie aller dynamischen Systeme. Sie ist die Wissenschaft der Selbststeuerung und -regelung von Maschinen, lebenden Organismen und sozialen Organisationen.[1]

„Cyborg“ ist eine Abkürzung des englischen „cybernetic organism“, was wörtlich übersetzt „selbstregulierender Organismus“ bedeutet. Die Begrifflichkeit ist folglich ein Pleonasmus, da der Organismus weithin als Idealtypus eines Selbstregulierenden Systems gilt.[2]

Einzug in die Wissenschaften erhielt der Begriff zum ersten Mal 1960, im Zusammenhang mit der Raumfahrt. Die beiden Mediziner Manfred E. Clynes und Nathan S. Kline vertraten in einem für die NASA verfassten Artikel die These, dass der Mensch um den Weltraum erforschen zu können, sich an die in ihm vorherrschenden Bedingungen anpassen müsse. Ganz an den Grundzügen der natürlichen Evolution orientiert, in dessen Mittelpunkt die Anpassung der Lebewesen an neue Umweltbedingungen steht, vertraten sie den Standpunkt, dass anstatt eine erdähnliche menschenfreundliche Umgebung zu schaffen, die Bemühungen dahingehen sollten, den Menschen technisch an seine Umwelt anzupassen. Durch biochemischen, physiologischen und elektronischen Modifikationen sollten Menschen als „selbstregulierende Mensch-Maschinen-Systeme“ im Weltraum überlebensfähig gemacht werden.[3]

Der Begriff Cyborg ist in seiner Komplexität nicht eindeutig zu definieren. Im Allgemeinen ist Cyborg heute die Bezeichnung für Hybride aus lebendigem Organismus und Maschine. Vorrangig werden damit Menschen beschrieben, deren Körper dauerhaft durch „unter die Haut gehende“ künstliche Bauteile ergänzt werden. Sie sind also technisch veränderte aber biologische Lebewesen.[4]

Donna Haraway, Professorin für Wissenschaftsgeschichte am History of Consciousness Board der University of California, Santa Cruz behauptet dagegen:

„Im späten 20.Jahrhunder, in unserer Zeit, einer mythischen Zeit, haben wir uns alle in Chimären, theoretisierte und fabrizierte Hybride aus Maschinen und Organismus verwandelt, kurz, wir sind Cyborgs.“[5]

Ihrer Auffassung vom Cyborg Begriff entsprechen viele andere WissenschaftlerInnen, sie alle sehen „Cyborg“ als eine Bezeichnung für den Menschen, der in der modernen Welt ein Wesen darstellt, das in symbiotischer Verbindung mit der ihn umgebenen Technik lebt.

Transhumanistische WissenschaftlerInnen sehen Cyborgs als Ausdruck einer neuen Evolutionsstufe vom biologischen Menschen zu einem posthumanen Wesen. Der zunehmende Fortschritt lässt die Grenzen des menschlichen Körpers schwinden und verbessert ihn („upgrade“).

Angesichts der Unklarheiten bezüglich der Definition und auf Grund des stetigen Zuwachses auf dem Gebiet der Technik, sowie dem immerwährenden Wandel der Gesellschaft, ist der Begriff „Cyborg“ folglich als Problematisierungsdiskurs oder Methapher zu begreifen.

Allgemein lässt sich zusammenfassen, dass das Cyborg-Konzept für ein tendenzielles Zusammengehen der biologischen Organisation des Körpers und seiner technischen Kontrolle steht.

3. Die Cyborg Gesellschaft

Angefangen bei Brillen und Kontaktlinsen, über Fahrräder und Autos bis hin zu Smartphones oder Computern, wir sind umgeben von Technik die den Alltag erleichtern soll. Der Soziologe und Beschleunigungstheoretiker Hartmut Rosa von der Universität Jena behauptet in der Wissenschaftsdokumentation „Beschleunigte Welt“, alle relevanten technischen Erfindungen dienten dem Zeitsparen. Wir kommunizierten und reisten heute einhundertmal so schnell wie unsere Großeltern. Industrie und Wissenschaft habe scheinbar nur ein Ziel: Alles muss stetig schneller und effizienter werden.[6]

Technik und ihr Gebrauch ist allgegenwärtig. Wir benutzen sie täglich. Dabei dreht sich alles um die ständige Optimierung von Alltagsgeschehen und darum, beispielsweise durch die neusten Apps, effektiv schneller, schöner oder fitter zu werden. Viele haben deshalb das Gefühl abgehängt zu werden wenn sie nicht mit technischen Errungenschaften mithalten.

1941 entwickelte der Berliner Konrad Zuse „Z3“, den erster Computer der Welt. Er war so groß wie ein Wohnzimmerschrank und lediglich in der Lage sich 64 Wörter zu merken.[7] Seit dem hat eine rasante Entwicklung der Technik stattgefunden. Im Laufe der Jahre wurden die Geräte immer kleiner und handlicher und ihre Kapazität vervielfältigte sich enorm. Heute kann man Laptops und Smartphones in der Tasche herumtragen und mit ihrer Hilfe Fahrkarten kaufen, navigieren, den Wetterbericht erfahren oder telefonieren. Smart-Phones haben fast täglich neue Funktionen und ihr Gebrauch nimmt in den letzten Jahren rasant zu[8].

Mehr und mehr entsteht eine enge Verbundenheit von Mensch und Technik. Der Mensch macht heute Kommunikation, Informationsfluss, Entspannung, Orientierung, und Freizeitgestaltung von der Technik abhängig. Alles und jeder ist miteinander vernetzt und Mensch und Technik rücken stetig näher zusammen.

3.1 Medizin

Die bisher verwendeten Techniken in der Medizin sind therapeutisch zwar erfolgreich, aber recht einfach. Die bekannteste „unter die Haut gehende Cyborg-Technik“ ist der Herzschrittmacher. 1957 erfunden, wird er heute hunderttausendfach pro Jahr durch Operationen in Menschenkörper eingesetzt.[9] Ähnliche Stimulationstechniken gibt es auch für das Gehirn im Falle der Parkinson-Krankheit oder nach einem Schlaganfall.

Mitte der 1990er Jahre erschien in Deutschland der Neurotechnologie-Report, eine Studie des Bundesministeriums für Forschung und Technologie. Ziel war es, neuartige Technologien für das Gehirn zu entwickeln, sogenannte Neuroprothesen. Dazu zählen zum Beispiel Hörimplantate, neuromuskuläre Stimulatoren oder Gehprothesen.[10]

Schon 1787 unternahm der Italiener Galvani Versuche mit Elektrizität und Fröschen.[11] Heute setzten wir Strom zu medizinischen Behandlungen und zu Lebensrettenden Maßnahmen ein. Seit einiger Zeit ist nun auch bekannt, dass die Sprache des Gehirns auf bioelektrischen Impulsen basiert: In Bruchteilen von Sekunden kommunizieren Millionen von Nervenzellen miteinander. Die Sinnesorgane nehmen Informationen auf und schicken sie ans Gehirn.

Die Technologie der Neurochips soll diesen Aspekt aufgreifen und für medizinische Zwecke verwenden. Hierbei sollen Nervenzellen mit Computern vernetzt werden. Die Forschung untersucht derzeit ob und wie das Gehirn mit einem Neurochip kommunizieren kann. Dies stellt sich als Herausforderung dar, da Gehirne und Computer unterschiedlich arbeiten: Computer beruhen auf Bewegung von Elektronen in Silizium, Hirne beruhen auf Bewegung von Ionen in Wasser. Elektronen können nicht ins Wasser und Ionen nicht in die Chips eindringen, eine Kopplung ist folglich nicht möglich.[12] Alternativ müssen sie so nah aneinander geführt werden, dass die Zelle elektronische Spannung spürt und umgekehrt.

[...]


[1] Vgl. Duden. Rechtschreibung und Wortkunde.7.Auflage. Dudenverlag

[2] Vgl. Spreen, Dierk: Was ver-spricht der Cyborg?. In: Ästhetik & Kommunikation 26 (1997), 96, S. 86

[3] Vgl. Spreen, Dierk:Cyborgs und andere Techno-Körper:Ein Essay in Grenzbereich von Bios und Techne.Passau:EDFC e.V., 1998, NE:Erster Deutscher Fatasy Club e.V., Passau, S.8-9

[4] Chris Hables Gray (Hrsg.): The Cyborg Handbook. Routledge, New York.1995, S. 23

[5] Haraway, Donna:Ein Manifest für Cyborgs, Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften In Die Neuerfindung der Natur, Primaten, Cyborgs und Frauen, Hrsg: Carme Hammer und Immanuel Stiess. Frankfurt/Main; New york campus verlag 1995 S.34

[6] Vgl. Rosa, Hartmut in der Dokumentation „Beschleunigte Welt“

[7] Vgl. Heintz, Bettina. Das Fließband im Kopf: Computer und Rationalisierung.(1990), S.121

[8] Statistik über Anzahl der Smartphone-Nutzerinnen in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2014

[9] Vgl. Giselbrecht , Stefan (u.a.).Chemie der Cyborgs.zur Verknüpfung technischer Systeme mit Lebewesen. Angew. Chem.(2013), S. 125

[10] Zrenner, Eberhart. Retina-Implantate”–Ersatz von Retinafunktionen durch technische Implantate: Ein gangbarer Weg zur Wiederherstellung des Sehens? Der Sprecherrat des BMBF-Forschungsverbundes Retina Implantat. Der Ophthalmologe, 2001, 98. Jg., Nr. 4, S. 353-356.

[11] Aschoff, Volker: Von Galvani und Volta zu Salvá und Soemmerring.In: Geschichte der Nachrichtentechnik. Band 2 Nachrichtentechnische Entwicklungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Springer-Verlag Berlin Heidelberg (1995), S. 1-27

[12] Vgl. Maher, Michael P.: The neurochip. a new multielectrode device for stimulating and recording from cultured neurons.In: Journal of neuroscience methods 87.1 (1999), S.45-56.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Cyborgisierung der Gesellschaft. Entwickeln wir uns zu Mensch-Maschinen?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V334771
ISBN (eBook)
9783668245419
ISBN (Buch)
9783668245426
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cyborg, Cyborgisierung, Gesellschaft, Mensch-Maschine
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Die Cyborgisierung der Gesellschaft. Entwickeln wir uns zu Mensch-Maschinen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334771

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