Die Schallplatte. Ein untoter Kulturzombie?

Gründe für den Renaissancezug des Vinyl


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung

3. Hauptteil
3.1. Entwicklung der Tonaufzeichnung
3.2. Die Einmaligkeit der Schallplatte als Musikspeichermedium
3.3. Die zukünftige Entwicklung der Schallplatte

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Internetverzeichnis

1. Einleitung

Mit Einführung der Compact Disc[1] Anfang der 80er Jahre wurde die Existenz von Schallplatte und Plattenspieler bedroht. Die CD und andere digitale Speichermedien verdrängten die Schallplatte im Laufe der Jahre immer mehr. Von da an, wurde die Lebenszeit der Schallplatte mehrmals für tot erklärt. Doch wie es sprichwörtlich heißt, leben Totgesagte länger.

Seit jeher gehen die Meinungen darüber, wie die Schallplatte sich entwickeln wird, auseinander. So lauten diverse Aussagen: „Die Schallplatte hat ihre beste Zeit bereits hinter sich.“ oder: „Die Schallplatte steht kurz vor dem Vergessen und wird neben den anderen Musikmedien in den nächsten Jahren komplett vom Markt verschwinden.“ oder aber: „Die Schallplatte wird in der nächster Zeit als Kultur- und Sammlerstück noch einmal aufblühen.“.

Trotz diesen unterschiedlichen Prognosen ist sichtbar, dass Technik und Fortschritt die alten Medien nicht immer verdrängen. Es zeigt sich z.B., dass trotz modernen elektronischen bzw. digitalen Büchern, auch E-Books genannt und Online-Bücherbanken, immer noch gedruckt Bücher, die in unfassbaren Mengen produziert, gekauft und konsumiert werden. Und auch die Schallplatte wurde weiter produziert, bei zurzeit sogar wieder steigenden Verkaufszahlen.[2] Weiterhin weisen die Schallplattenverkäufe seit einigen Jahren[3] wenn auch kleine, aber wieder konstante Absatzzahlen auf, wohingegen die CD vermehrt mit Konkurrenz durch neue Datenträger, das Internet und die Möglichkeit, CDs zuhause zu vervielfältigen, zu kämpfen hat. Während die CD heutzutage kaum Wertschätzung als Musikspeichermedium erhält, wird über die Schallplatte seit jeher geschwärmt. Denn mit ihrem bunten Cover und der nostalgischen Musik, die jeder kennt, kommen Erinnerungen an Jugend und Kindheit hoch.[4]

2. Fragestellung

Aus der stets kontroversen Diskussion um die zukünftige Entwicklung der Schallplatte, hat sich für diese Hausarbeit die Fragestellung nach der Rolle der aktuellen Schallplatte im derzeitigen Deutschland ergeben. Diese Ausarbeitung wird durch die Frage angeleitet, wie es dazu kam, dass die Schallplatte heutzutage wiederbelebt wurde und nun nahezu ihr Comeback erfährt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Exkurs in die mögliche Weiterentwicklung der Schallplattenpräsenz in der Gesellschaft im Laufe der nächsten Jahre.

Es wird zunächst mit einer Einführung in die Geschichte der Tonaufzeichnung und Musikvermarktung, mit besonderem Augenmerk auf die Schallplatte und CD, gestartet. Anschließend werden die speziellen Merkmale der Schallplatte, welche ihr über Jahre hinweg stets den Status eines untoten Mediums erhalten konnte, genauer ausgeführt. Schlussendlich werden Prognosen über die mögliche Zukunft der Schallplatte aufgestellt und auf ihre Relevanz hin geprüft.

In der Argumentation geht es nicht um die Vergleichbarkeit der Medien bzw. der Schallplatte mit neuen, akustischen Medien, sondern vielmehr um die Gründe für den Renaissanceeinzug der Schallplatte. Bei der Diskussion um die Rolle der Schallplatte handelt es sich, falls nicht anders vermerkt, um die industriell hergestellte Langspielplatte aus Kunststoff, welche im Jahr 1947 auf den Markt und in die Wohnzimmer Einzug hielt.

3. Hauptteil

3.1. Entwicklung der Tonaufzeichnung

Dieser Abschnitt liefert eine kurze Einführung in die, für diese Hausarbeit, wichtigsten historischen Entwicklungen der Tonaufzeichnung und Musikvermarktung. Hierbei werden nur die relevantesten akustischen Neuerungen, wirtschaftlichen Ereignisse und Musikverkäufe angerissen, um einen Einblick in das Geschehen um die Schallplatte zu geben. Dabei wird insbesondere Bezug auf die Entwicklung und Vermarktung der Schallplatte und CD genommen. Ein ausführliches Beschreiben und Aufzählen aller Musikentwicklungen würde den Rahmen der Hausarbeit bei Weitem überschreiten.

Zunächst ist als wichtiges Ereignis zu nennen, dass 1926 die ersten Langspielplatten[5] verkauft wurden[6]. Die Plattenproduktion stieg innerhalb von drei Jahren auf 30 Millionen Exemplare an. Ab 1930 begann die Schallplattenproduktion jedoch stark und kontinuierlich zu sinken, sodass die Plattenindustrie 1935 ihren absoluten Tiefpunkt, mit nur fünf Millionen produzierten Platten, erlebte. Als Gründe hierfür können die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen durch das nationalsozialistische Regime, wie z.B. die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, gesehen werden. Doch dieses Tief hielt nicht lange an, sodass bereits 1936 die Schallplattenherstellung wieder langsam und kontinuierlich zu steigen begann.[7]

Im Jahr 1940 wurde damit begonnen, die bisher gefertigten Schallplatten aus Schellack einzuschmelzen, da dieses Material im Laufe der Jahre immer seltener wurde[8]. Die Rarität von Schellack war unter anderem ein Grund dafür, dass 1947 die ersten LP aus Polyvinylchlorid, auch PVC genannt, eingeführt wurden[9]. Die Entwicklung der Kunststoffplatte bedeutete bereits ein Jahr später das Ende der Schellackplatten, welche sich zwar noch zehn Jahre lang mühevoll neben der technisch überlegenen PVC-Platte halten konnte, die Versuche, sie wieder konkurrenzfähig zu machen, letztendlich jedoch scheiterten[10]. Nur drei Jahre nach Einführung der Kunststoffplatte wurde im Jahr 1950 das erste Tonband für Zuhause verkauft[11]. Dies stellte für die Schallplatte jedoch keine allzu große Gefahr dar, denn der Anteil an verkauften Bändern blieb im Vergleich zu denen der LP stets verschwindend gering[12].

Offiziell durchsetzen konnte sich die Schallplatte in Deutschland dann im Jahr 1951. Von diesem Zeitpunkt an, stieg die Plattenproduktion rasant in die Höhe. Während 1953 ca. 17 Millionen Platten produziert wurden, waren es vier Jahre später schon 57 Millionen Exemplare.[13] Mit voranschreitender Eroberung der Stereoschallplatte Deutschlands, ging auch das Ende der Schellackplatte um 1958 einher. Diese war zu zerbrechlich, instabil und pflegeaufwendig und wurde deshalb in den darauffolgenden Jahren immer mehr durch die Vinylplatte abgelöst[14], bis die Produktion von Schellackplatten 1962 endgültig eingestellt wurde[15]. Ein Jahr später kam die industriell bespielte (Musi)Cassette, auch MC genannt, auf den Markt und wurde, unter anderem durch ihren Vorteil der Mobilität, zur bedeutenden Konkurrenz der Schallplatte. In Deutschland blieben ihre Verkaufszahlen, wie der der Tonbänder, jedoch immer unter denen der LP.[16]

Im Jahr 1978 erlebte die Schallplatte dann ihren absoluten Höhepunkt. Im darauffolgenden Jahr bis 1983 sank der Schallplattenverkauf mit kleinen Abweichungen jedoch nahezu kontinuierlich. Als Grund dafür wurde unter anderem das Auslaufen der Diskowelle in der Popmusik um 1979 gesehen, welches die Tonträgerumsätze bis dato in die Höhe getrieben hatte. Ein weiterer Anstoß für die sinkenden Plattenverkäufe war der Vertrieb von Leerkassetten, welche zuhause mit Radio- und Schallplattenmusik bespielt werden konnten, sodass Originalaufnahmen ihre Relevanz verloren.[17] Außerdem war zu beobachten, dass das Einkommen der Plattenkonsumenten, parallel mit dem Schallplattenverkauf, rückläufig war. Hinzu kam, dass die allgemeinen Lebensunterhaltungskosten stiegen und die Unterhaltungsmöglichkeiten erweitert wurden, weshalb der finanzielle Spielraum für den Schallplattenkauf von zwei Seiten her eingeengt wurde. Die Plattenfirmen durchlebten weltweite wirtschaftliche Probleme, welche nach dem Hoch um 1978 sehr überraschend kamen.[18] Gegen Ende der 70er Jahre unternahm die Plattenindustrie deshalb Versuche, die LP technisch zu verbessern und für den Konsumenten ansprechender zu machen, welche jedoch scheiterten[19].

Im Jahr 1983 kam die erste CD auf den Markt: In den folgenden Jahren wurden zwar immer mehr Plattenspieler produziert, es wurden jedoch auch noch mehr CDs verkauft. Während sich innerhalb eines Jahres die Plattenverkaufszahlen verdreifachten, verfünffachten sich die CD-Verkäufe nahezu. Ein Jahr später gab es zwar beeindruckende 250.000 hergestellte Plattenspieler, jedoch auch 63 Millionen produzierte CDs.[20] Bis zum Jahr 1986 waren 100 Millionen CDs in Deutschland produziert worden, im Vergleich zu 100 Millionen Schellackplatten in 40 Jahren[21]. Der Markt nahm die CD also in erstaunlich kurzer Zeit sehr gut an.

Im Jahr 1992 wurde die Digital Compact Cassette, auch unter dem Namen DCC bekannt, eingeführt. Ihre Produktion wurde jedoch nach nur fünf Jahren wieder eingestellt und die DCC wieder vom Markt genommen.[22], da sie Mängel in der Handhabung, wie beispielsweise das Auffinden eines Liedes, mit sich brachte. Unabhängig von dieser Entwicklung, jedoch parallel zum Aufstieg der CD, sank 1994 der Verkauf der Schallplatten auf 0,7 Millionen, sodass die Schallplatte damit nahezu den Status der Bedeutungslosigkeit erreicht hatte und das vorläufige Ende der LP schon prophezeit wurde.[23] Für die Mitte der 90er Jahre wurde angesichts der hohen CD-Verkaufszahlen, die bereits im Jahr 1986 50 Prozent ausmachte, mit dem Aussterben der konventionellen Schallplatte gerechnet[24]. In den folgenden Jahren begann die Herstellung von CDs immer mehr zu steigen, während die Schallplattenindustrie immer größere Verluste und geringere Verkaufszahlen einstecken musste. Ab 2000 stieg die LP-Produktion überraschender Weise wieder auf 1,1 Millionen Platten an, während die CD-Verkäufe um knapp 60 Millionen Stück sanken. Nachdem die Schallplatte dann zwischen 2004 und 2006 ein kleines Tief erlebte, ist sie seit 2007 wieder stetig im Kommen und wurde 2009 sogar 1,2 Millionen Mal verkauft, was einem Anstieg von 33 Prozent zum vorherigen Jahr entspricht. Die Absatzzahlen der CD sind im Vergleich dazu nahezu kontinuierlich am Sinken.[25]

Durch diesen Zeitstrahl wird sichtbar, dass es innerhalb weniger Jahre diverse Entwicklungen analoger und später digitaler akustischer Speichermedien gab. Diese konnten sich im Gegensatz zur Schallplatte nie richtig durchsetzen, wurden vom Markt genommen und verschwanden damit in kürzester Zeit aus den Köpfen der Menschen. Auch die Schallplatte durchlebte starke Turbulenzen und Schwankungen in der Verkaufszahlen, geprägt von der Prophezeiung ihres Endes bis hin zu Überfliegertendenzen in der Produktion. Hinsichtlich dieser stetigen Turbulenzen drängt sich die Frage auf, wie es mittlerweile mit der Schallplatte neben den vielen anderen digitalen Speichermedien, insbesondere ihrem größten Konkurrenten, der CD aussieht. Hat die Schallplatte in dieser digitalen Welt überhaupt noch eine Überlebenschance? Und wenn ja, warum und wie lange wird sie sich halten können?

[...]


[1] Anmerkung: Im Folgenden wird die Abkürzung CD verwendet.

[2] Vgl. Hrsg. Holzbauer, Hermann: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien, Tutzing 1999, S. 34.

[3] Anmerkung: Diese Aussage bezieht sich auf ein Buch aus dem Jahr 2006.

[4] Vgl. Wyer, Christoph: Die Schallplatte versus neue Digitaltechnik. Die Zukunft der Schallplatte, Saarbrücken 2006, S.13.

[5] Anmerkung: Im Folgenden wird die Abkürzung LP verwendet.

[6] Anmerkung: Wenn nicht anders vermerkt, ist im Folgenden mit „Schallplattenproduktion“ die Schallplattenjahresproduktion in Deutschland gemeint.

[7] Vgl. Fischer, Martin: Faszination Schellack. Grammophone-Schellackplatten-Nadeldosen, Regenstauf 2006, S. 76-77.

[8] Vgl. ebd., S. 76-77.

[9] Vgl. ebd., S. 79.

[10] Vgl. Hrsg. Holzbauer, Hermann: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien, Tutzing 1999, S. 18.

[11] Vgl. ebd., S. 19.

[12] Vgl. ebd., S. 22.

[13] Vgl. Fischer, Martin: Faszination Schellack. Grammophone-Schellackplatten-Nadeldosen, Regenstauf 2006, S. 80-82.

[14] Vgl. ebd., S. 82 und 112.

[15] Vgl. ebd., S. 82.

[16] Vgl. Hrsg. Holzbauer, Hermann: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien, Tutzing 1999, S. 22-23.

[17] Vgl. Hrsg. Schaal, Richard: Schallplatten zwischen Kunst und Kommerz. Fakten, Tendenzen und Überlegungen zur Produktion und Verbreitung von Tonträgern, Wilhelmshaven 1987, S. 197-199.

[18] Vgl. ebd., S. 175-176.

[19] Vgl. Hrsg. Holzbauer, Hermann: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien, Tutzing 1999, S. 27.

[20] Vgl. Hrsg. Schaal, Richard: Schallplatten zwischen Kunst und Kommerz. Fakten, Tendenzen und Überlegungen zur Produktion und Verbreitung von Tonträgern, Wilhelmshaven 1987, S. 185-186.

[21] Vgl. Hrsg. Holzbauer, Hermann: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien, Tutzing 1999, S. 28.

[22] Vgl. ebd., S. 29.

[23] Vgl. Hrsg. Enders, Bernd: Musikmarkt und Medien unter dem Aspekt des technologischen Wandels, Osnabrück 2002, S. 33-34.

[24] Vgl. Hrsg. Schaal, Richard: Schallplatten zwischen Kunst und Kommerz. Fakten, Tendenzen und Überlegungen zur Produktion und Verbreitung von Tonträgern, Wilhelmshaven 1987, S. 190.

[25] Vgl. Bundesverband Musikindustrie e.V.: Jahreswirtschaftsbericht 2009. Absatz (k.A.), http://www.musikindustrie.de/jwb_absatz09/ (17.08.2015).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Schallplatte. Ein untoter Kulturzombie?
Untertitel
Gründe für den Renaissancezug des Vinyl
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
(Un)tote Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V335074
ISBN (eBook)
9783668248823
ISBN (Buch)
9783668248830
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untote Medien, Medien, Schallplatte, Tote Medien, Zombie, Hausarbeit, Leuphana
Arbeit zitieren
Ricarda Fritzsche (Autor), 2015, Die Schallplatte. Ein untoter Kulturzombie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335074

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