Welchen Einfluss haben Ressourcenreichtum und Energiewirtschaft auf die geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien?


Hausarbeit, 2016
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen

1. Einleitung

2. Die derzeitige Wirtschaftslage
2.1. Energiewirtschaft
2.2. Abhängigkeit vom Ölpreis

3. Die Rückkehr der Geopolitik
3.1. Definition von Geopolitik
3.2. Geostrategische Ambitionen
3.3. Wirtschaftsdiplomatie
3.4. Bedeutung von Zentralasien

4. Diskussion

5. Fazit

6. Bibliografie

Abstract

Der Text untersucht die Rolle der russischen Energiewirtschaft bei den geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien. Zunächst wird der aktuelle Zustand der Energiewirtschaft präsentiert und die Auswirkungen des Ölpreisverfalls auf diese. Anschließend wird anhand verschiedener Aussagen von russischen Politikern versucht die geostrategische Ausrichtung der Außenpolitik zu erläutern. Der Wechsel von einer militärisch ausgerichteten hin zu einer mehr wirtschaftlich geprägten Außenpolitik wird anhand des Umgangs mit den zentralasiatischen Staaten erklärt. In einer anschließenden Diskussion werden die Ergebnisse zusammengefasst und in einen Kontext zu der Ausgangsfrage gestellt. Im Fazit wird geschlussfolgert, dass die Energiewirtschaft eine große Rolle bei den geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien spielt, allerdings die Abhängigkeit vom Ölpreis die russischen Ambitionen dort gefährden könnte. Außerdem wird festgehalten, dass der Einfluss der Russischen Föderation in der Region nicht nur von der Energiewirtschaft abhängt, sondern auch von äußeren Faktoren wie zum Beispiel den zunehmenden Einfluss der Volksrepublik China.

Verzeichnis der wichtigsten Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken 1991 in seine heutigen Nachfolgestaaten zerbrach, dominierte in der westlichen Welt die Einschätzung, dass das Demokratie- und Wirtschaftsverständnis nach westlichem Vorbild weltweit seinen Siegeszug antreten würde. Aufgrund wirtschaftlicher und struktureller Schwächen während der Jelzin Ära, schwand der Einfluss der Russischen Föderation (Russland) als offizieller Nachfolger der UdSSR in der Weltpolitik. Mit der Präsidentschaft Wladimir Putins änderte sich dies allerdings und Russland erfuhr einen wirtschaftlichen Aufschwung, jedoch ohne die vom Westen antizipierte Demokratisierung (Götz 2006: 5ff). Im Zuge dessen entwickelte sich ein eigenes Verständnis von Demokratie, was von Guillermo O'Donnell (1994: 59ff) als delegative Demokratie bezeichnet wird. Nach diesem Modell erlaubt das Volk dem gewählten Staatsoberhaupt, mit weitschweifender Macht zu handeln und als „Verkörperung der Nation“ quasi souverän die Interessen des Staates zu vertreten ( ebenda ). In den letzten Jahren änderte sich zunehmend auch Russlands Auftreten in der Weltpolitik hin zu einem selbstbewussten Akteur. Als Beispiele sind der Georgien Krieg 2008, die Annexion der Krim, das militärische Eingreifen in Syrien aber auch die Rolle in den Verhandlungen mit dem Iran zu nennen. In diesem Kontext wurde unter Putin auch der Begriff der „souveränen Demokratie“ (Surkov 2008: 21ff) geprägt, welcher einen russischen Sonderweg beschreibt und erklärt, dass die „Konsolidierung und Zentralisierung von Macht notwendig ist, um einen souveränen Staat zu erhalten“ (ebenda: 25). Die Russische Föderation hat dieses neue Selbstverständnis entwickelt und möchte im internationalen System wieder als gleichwertiger Akteur wahrgenommen werden. Erreicht werden soll dies vor allem durch Russlands Rolle als Gestaltungsmacht auf dem Energie Markt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow beschreibt dies als die „Rückkehr Russlands in die globale Politik, globale Wirtschaft und Finanzwelt als aktiver, eigenständiger Akteur” (Lawrow 2008). Diese Hausarbeit hat sich zum Ziel gesetzt die russische Geostrategie zu beleuchten und ferner den möglichen Zusammenhang mit der Energiewirtschaft zu analysieren. Anlass für diese Untersuchung ist der aktuelle Verfall des Ölpreises und die russische Wirtschaftskrise (vgl. GIZ 2016). Vor diesem Hintergrund soll geklärt werden, ob und inwieweit diese Entwicklungen den geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation speziell im Hinblick auf Zentralasien schaden. Der Fokus liegt auf Zentralasien, aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen und Russlands Rolle auf dem dortigen Energiemarkt (Trouchine und Giese 2006: 16ff).

Die Frage, welche im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden soll lautet deshalb folgendermaßen:

Welchen Einfluss haben Ressourcenreichtum und Energiewirtschaft auf die geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien?

Zu diesem Zweck wird zunächst ein Überblick über die aktuelle Situation der russischen Wirtschaft hinsichtlich des Energiemarktes mitsamt eines kurzen Ausblicks gegeben. Daraufhin wird die Frage nach der Bedeutung von Geopolitik im Allgemeinen und anschließend anhand der Russischen Föderation im Speziellen analysiert. Untersucht werden die Geopolitik und die daraus basierende Geostrategie vor allem in Hinblick auf Zentralasien.

2. Die derzeitige Wirtschaftslage

Die Russische Föderation ist eines der ressourcenreichsten Länder der Welt. Nach einer Schätzung im Jahre 2012 lag das Land in Bezug auf den Gesamtwert aller Bodenschätze auf dem ersten Platz weltweit (247 WallSt 2012). Nach einem Jahrzehnt des kontinuierlichen Wachstums und Schuldenabbaus, welcher vor allem aus den steigenden Energie Preisen resultierte, brach die russische Wirtschaft 2008 im Zuge der Finanzkrise ein (GIZ 2016). Aktuell wird das BIP auf 1860.60 Mrd. US-Dollar von der Weltbank geschätzt (World Bank 2016). Damit liegt Russland im internationalen Vergleich auf Platz 10. Der Anteil der Erdöl- und Erdgas verarbeitenden Industrie am BIP wird auf etwa 30% geschätzt (ebenda). Zwei Drittel der Exporteinnahmen und die Hälfte des Staatshaushalts stammen aus dem Export von Öl und Gas (GIZ 2016). Die Ölpreise auf dem Weltmarkt spielen demzufolge eine zentrale Rolle für den Haushalt der Russischen Föderation. Auf weitere strukturelle Defizite im russischen Wirtschaftssystem wird im Zuge dieser Arbeit nicht eingegangen, da dies den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

Im folgenden Kapitel wird die Wirtschaft der Russischen Föderation in Hinblick auf die Energiewirtschaft als Motor der russischen Wirtschaft im Speziellen analysiert und deren Abhängigkeit vom Erdölpreis aufgezeigt.

2.1.Energiewirtschaft

In diesem Überblick wird unter Energiewirtschaft nur die Erdöl- und Erdgaswirtschaft verstanden und behandelt. Andere Ressourcen wie Kohle und Uran sowie nicht energetische Erzeugnisse werden hier nicht weiter thematisiert. Die Russische Föderation ist der weltweit führende Exporteur von Natur Gas und gehört mit Saudi Arabien und den USA zu den größten Ölproduzenten der Welt (Statista 2016). 2015 hat Russland so viel Erdöl gefördert wie seit dem Ende der UdSSR nicht mehr und es wird 2016 eine weitere Steigerung der Förderrate erwartet (FAZ 2016). Die Gas- und Ölvorkommen werden momentan auf etwa 25,2 % (Gas) und 6,3 % (Erdöl) der weltweiten Reserven geschätzt (GIZ 2016). Wie schon eingangs erwähnt machen die Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Gas einen Großteil des Staatshaushaltes aus. Diese Einnahmen setzen sich vor Allem durch diverse Steuern wie die Steuer auf Bodenschätzeförderung und Exportzölle für Erdöl und Gas sowie die allgemeine Gewinnsteuer zusammen (IMF 2005: 7). Nichtsdestotrotz ist es auch der Tatsache geschuldet, dass sich ein Großteil der an der Förderung beteiligten Unternehmen in Staatsbesitz befindet oder zumindest halbstaatlich ist. Die halbstaatliche Gazprom beispielsweise kontrolliert etwa 85% der gesamten Erdgasförderung (Götz 2006: 3ff).

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Details

Titel
Welchen Einfluss haben Ressourcenreichtum und Energiewirtschaft auf die geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
BRICS-Staaten in der Weltpolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V335395
ISBN (eBook)
9783668253148
ISBN (Buch)
9783668253155
Dateigröße
1169 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Geopolitik, BRICS, Zentralasien, Heartland, Mackinder, Ölpreisverfall, Internationale Politische Ökonomie, Internationale Beziehungen, Geostrategie, Wirtschaftsdiplomatie, UdSSR, China, OBOR
Arbeit zitieren
Nils Lange (Autor), 2016, Welchen Einfluss haben Ressourcenreichtum und Energiewirtschaft auf die geostrategischen Ambitionen der Russischen Föderation in Zentralasien?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335395

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