Formen artifizieller Elternschaft: Die Adoption


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Vor der Adoption
2.1 Unerfüllter Kinderwunsch / Unfruchtbarkeit
2.2 Freigabe eines Kindes - die leiblichen Eltern
2.3 Annahme eines Kindes - die Adoptionseltern

3. Die Adoption
3.1 Zahlen
3.2 Vorgang
3.3 Formen von Adoption
3.3.1 Adoption von behinderten Kindern
3.3.2 Adoption von ausländischen Kindern
3.3.3 Stiefkind-Adoption

4. Nach der Adoption
4.1 Entwicklung von Adoptionskindern
4.2 Betreuung der Adoptionsfamilie
4.3 Fallbeispiel

5. Nachwort

6. Literatur

1. Vorwort

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Formen artifizieller Elternschaft: Die Adoption“. Sie entstammt dem Seminar „Ausgewählte Probleme der Familiensoziologie“ von Herrn Professor Dr. Tilman Allert der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Sommersemester 2003.

Diese Hausarbeit kann als Weiterführung zu den Hausarbeiten der Themen „Formen artifizieller Elternschaft: Künstliche Insemination und In-Vitro- Fertilisation“ oder „Zur Psychodynamik ungewollter Kinderlosigkeit“, die auch im Rahmen des o.a. Seminars entstanden, gelesen werden.

Das verwendete Material stammt etwa zur Hälfte aus dem Internet. Besonders die Seite http://www.adoption.de stellt sehr umfassende Informationen zum Thema zur Verfügung.

Die Hausarbeit ist in drei Teile gegliedert. Kapitel eins beschäftigt sich mit der Situation vor einer Adoption, Kapitel zwei mit der Adoption an sich und Kapitel drei mit der Situation danach.

Kapitel zwei stellt die Problematik der Unfruchtbarkeit und der ungewollten Kinderlosigkeit dar. Außerdem geht es in diesem Kapitel um die Seite der leiblichen Eltern - also die Freigabe eines Kindes zur Adoption - und diese der Adoptiveltern - also die Annahme eines Kindes.

In Kapitel drei folgen zunächst allgemeine statistische Zahlen, herausgegeben am 02. Oktober 2003 vom Statistischen Bundesamt; anschließend geht es um den Vorgang der Adoption und schließlich um Adoptionsformen und deren Häufung.

Kapitel vier stellt die Situation nach einer Adoption vor. Hier wird der Frage nach der Entwicklung der Adoptionskinder und der Betreuung der Adoptionsfamilien nachgegangen. Außerdem wird eine Adoptionsfamilie, die bei dem Wettbewerb der Landesregierung „Familien, die aus dem Rahmen fallen“ den zweiten Platz gemacht hat, als Fallbeispiel und Vorbild für andere Familien kurz dargestellt (Artikel aus dem Wiesbadener Kurier vom 19. September 2003).

Damit der Textfluss nicht gestört wird, sind Zitate und Verweise in Fußnoten am Ende jeder Seite angegeben.

2. Vor der Adoption

2.1 Unerfüllter Kinderwunsch / Unfruchtbarkeit

Etwa 20-25% alle Paare sind ungewollt kinderlos1. Die Sterilitätsursachen sind vielfältig und verteilen sich gleichmäßig auf Frau und Mann und müssen daher bei beiden Partner gesucht werden2. Es gibt aber auch Fälle, bei denen keine erkennbaren Ursachen für das Ausbleiben einer Schwangerschaft feststellbar sind3 - beide Partner sind organisch gesund. In diesen Fällen spricht man von einer „idiopathischen Unfruchtbarkeit“4. Häufig verbergen sich dahinter jedoch seelische Gründe.

„Die ausbleibende Erfüllung des Kinderwunsches stellt für die meisten Betroffenen eine schwere psychische Belastung dar. Kinder sind für die meisten Menschen das Zentrum ihres Lebensglücks. Umso tiefgreifender wird die Verbitterung wenn sich der ersehnte Nachwuchs nicht einstellen will. Mit zunehmender Dauer baut sich ein innerer Druck auf, der die Funktionen des Körpers, insbesondere das hormonelle Gleichgewicht der Frau, nachteilig beeinflussen kann. Die Folge können Fehlfunktionen der inneren Geschlechtsorgane wie Eierstöcke und Eileiter sein. Aber auch Männer sind diesem Druck nicht immer ohne Folgen gewachsen. Seelischer und körperlicher Streß können die Bildung der Samenzellen einschränken oder deren Transport behindern.“5

Die häufigsten organischen Ursachen bei der Frau sind Funktionsstörungen der Eierstöcke oder eileiterbedingte Unfruchtbarkeit. Beim Mann sind Hodenfunktionsstörungen, gestörte Samenzell-Eizell-Interaktionen und Transportstörungen der Samenleiter zu nennen6.

„Neben organischen, immunologischen und biologischen Ursachen spielen auch psychische Aspekte eine Rolle. Auch Umweltbelastungen, Streß, Übergewicht, ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkohol-, Kaffee- und Drogenkonsum sowie das Rauchen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.“7

Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist etwas sehr Intimes und Persönliches. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele Paare beim Ausbleiben einer Schwangerschaft verängstigt werden und möglicherweise auch die Partnerschaft in Frage stellen.

Bei etwa 80% der kinderwilligen Paare stellt sich innerhalb eines Jahres eine Schwangerschaft ein8. Nach einem Jahr des erfolglosen Probierens sprechen die Ärzte von einer „behandlungsbedürftigen Störung der Fruchtbarkeit“9. In diesen Fällen wird das Paar den entsprechenden Arzt aufsuchen und mit ihm alles weitere besprechen.10

2.2 Freigabe eines Kindes - die leiblichen Eltern

Die Freigabe eines Kindes ist für keine Mutter so leicht zu verkraften, wie sie es anfangs vielleicht vermutet. Nach einer deutschen Untersuchung stehen im Nachhinein nur 3 von 75 Frauen - also 4% - zu dem Entschluss ihr Kind freizugeben. Diese Zahl zeigt, dass es der Großteil der Frauen bereut bzw. darunter leidet, dass sie ihr Kind abgegeben haben11.

Die Frauen, die ihr Kind zur Adoption freigeben, werden häufig als „Schlampen“, „Flittchen“ oder „triebhaft“ bezeichnet12.

„Anstelle dieses Vorurteils muß erkannt werden, daß Adoption in der Regel einen „Notzustand“, eine „Zwanghaftigkeit der Maßnahme“ und eine „Unmöglichkeit der Verarbeitung eines solchen Verlustes“ für freigebende Mütter darstellt.“13

Hat eine Mutter sich dazu entschlossen ihr Kind nach der Geburt freizugeben, so unterschreibt sie eine Absichtserklärung, die beinhaltet, dass das Kind nach der Geburt zur Adoption freigegeben wird. Diese Erklärung fungiert als Auftrag an die Adoptionsvermittlungsstelle für das noch ungeborene Kind Adoptionseltern zu suchen. Die Adoptionsvermittlungsstelle führt mit den leiblichen Eltern Gespräche über deren Lebensgeschichte und den Grund der Freigabe. Nach der Geburt werden Mutter und Kind getrennt und nach acht Wochen sogenannter „Schutzfrist“14 folgt die notarielle Einwilligung in die Adoption. Diese ist unwiderruflich! Lediglich bei Fälschung der Unterlagen oder bei Irrtum oder arglistiger Täuschung können die leiblichen Eltern innerhalb eines Jahres einen Aufhebungsantrag stellen. Das Jugendamt agiert ab Unterzeichnung der notariellen Einwilligung als Vormund, die leiblichen Eltern haben kein Sorgerecht, kein Umgangsrecht und keine Unterhaltspflichten mehr15. In Ausnahmefällen kann die Einwilligung durch ein Vormundschaftsgericht ersetzt werden (s.u.)16.

„Nichts spiegelt die Zwiespältigkeit des Mutter-Seins besser wider als der Augenblick der Geburt. Soll die Gebärende ihr Baby sehen dürfen, wie jede Mutter, oder soll es ihr sofort weggenommen werden, weil sie bereits gar keine Mutter mehr ist? In der Regel scheint letzteres die Praxis zu sein, damit keine Muttergefühle entstehen könnten, die eine Adoption verhinderten oder eine Trennung noch schmerzlicher machten.“17

Die Gründe für die Abgabe eines Kindes sind sehr unterschiedlich und haben sich in der Geschichte der Adoption sehr verändert. Swientek nennt in ihrem Aufsatz „Beratung für „abgebende Mütter“ vor und nach der Freigabe des Kindes“ folgende Hauptgründe für die Abgabe eines Kindes:

- wirtschaftliche Gründe (oft gekoppelt mit sozialen Problemen): Wohnungsnot, Mutter wurde vom Kindesvater während der Schwangerschaft verlassen und erhält daher Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit.
-„Druck von außen“ (oft gekoppelt mit wirtschaftlichen Gründen): Druck von den zukünftigen Großeltern oder vom Kindesvater.
- 20% ohne den Willen der Eltern (s.o.): Suchtgefahr, Verwahrlosung, Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind u.ä.
- freiwillige Abgabe: Mutter des ungeborenen entscheidet sich nach reiflicher Überlegung für die Freigabe des Kindes zur Adoption18.

Drewes und Hollender geben genauere Angaben zur prozentualen Verteilung der Abgabegründe. Diese sind in Abbildung 1 dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Abgabegründe nach Drewes und Hollender (1985)19

[...]


1 vgl. Hoppe, Caroline Dr. Med. (2003)

2 die Prozentzahlen schwanken hier zwischen 10% und 25%; vgl. Lifeline (2003b); vgl. Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003)

3 die Prozentzahlen schwanken hier zwischen 10% und 20%; vgl. Lifeline (2003b); vgl. Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003)

4 Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003)

5 Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003)

6 vgl. Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003); Lifeline (2003b)

7 Zentrum für Kinderwunschbehandlung (2003)

8 vgl. Hoppe, Caroline Dr. Med. (2003)

9 Lifeline (2003b)

10 Bei Interesse findet man weitere, übersichtlich gestaltete Informationen bei der Zentrale für Kinderwunschbehandlung (2003)

11 vgl. Mimra, Stefanie (1997): S. 41

12 Mimra, Stefanie (1997): S. 41

13 Mimra, Stefanie (1997): S. 41

14 Moses-Online: (2002)

15 vgl. Moses-Online: (2002); vgl. Lifeline (2003)

16 vgl. Moses-Online: (2002)

17 Mimra, Stefanie (1997): S. 37

18 vgl. Swientek, Christine (1993): S. 167f

19 Zahlen aus: Drewes, Theodor & Hollender, Reiner (1985): S. 179

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Formen artifizieller Elternschaft: Die Adoption
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Ausgewählte Probleme der Familiensoziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V33562
ISBN (eBook)
9783638340083
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formen, Elternschaft, Adoption, Ausgewählte, Probleme, Familiensoziologie
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor), 2003, Formen artifizieller Elternschaft: Die Adoption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33562

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