Frankreichs Außenpolitik vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
23 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Deutsch-französische Beziehungen

3. Bündnisse
3.1 Zweibund 1879 / Dreibund 1882
3.2 Entente Cordiale 1904 / Triple Entente 1907

4. Kolonialpolitik
4.1 Erste Marokkokrise 1905/06
4.2 Zweite Marokkokrise 1911

5. Rüstung
5.1 Wehrpflicht / Heer
5.2 Frankreich / Großbritannien
5.3 Frankreich / Deutschland

6. Nachwort

7. Literatur

1. Vorwort

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich die französische Außenpolitik vom Ende des Deutschfranzösischen Krieges 1871 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 veränderte und aus welchen Gründen.

Sie entstand im Seminar „Juli 1914 - Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ im Sommersemester 2004 an der Johann-Wolfgang- Goethe Universität in Frankfurt am Main unter Leitung von Herrn Professor Dr. Gerhard Henke-Bockschatz.

Nachdem der Deutsch-französische Krieg 1871 mit der Niederlage Frankreichs endete, war die außenpolitische Lage äußerst angespannt. Das Land war durch den Krieg nicht nur politisch unbeständig, auch das wirtschaftliche und soziale Leben der Franzosen war erschüttert. Die Tatsache, dass Frankreich zu dieser Zeit keine Verbündeten hatte1, erklärt die Schwierigkeit der außenpolitischen Ausgangslage nach 1871. Die Verbindungen zwischen den beiden Kriegsnationen von 1870/71 war natürlich gänzlich zerstört. Mit dieser Ausgangslage beginne ich meine Arbeit.

Im Anschluss an diese Darstellung folgen Ausführungen über den Zweibund (Deutschland, Österreich) bzw. den später daraus resultierenden Dreibund (Deutschland, Österreich, Italien) und der „Entente Cordiale“ (Großbritannien, Frankreich) bzw. der daraus entstehenden „Triple Entente“ (Frankreich, Großbritannien, Russland), die die wichtigsten Zusammenschlüsse für Frankreichs Außenpolitik in dieser Zeit bedeuteten und Europa nahezu in zwei Fronten unterteilten. Die geschlossenen Bündnisse regelten unter anderem auch die Kolonialfragen bzw. -unstimmigkeiten der Länder untereinander. Aus diesem Grund ist die im darauffolgenden Abschnitt behandelte Kolonialpolitik ein weiterer wesentlicher Bestandteil, der die französische Außenpolitik prägte.

Zwischen 1870 und 1914 nahm das französische Kolonialreich vor allem in den Gebieten um Westafrika und Südostasien um das zehnfache der Fläche und Bevölkerung zu, was unter anderem für die Absatzmärkte ein großer Vorteil war. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges umfasste es schließlich circa zehn Millionen Quadratkilometer und zählte etwa 48 Millionen Einwohner.2

Gerade das Gebiet um Marokko war stets ein strittiger Punkt, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich. In den beiden Marokkokrisen 1905/06 und 1911 kam es hier zu erheblichen Auseinandersetzungen und verschärfte die bereits angespannte Lage der beiden Länder. Abschließend sind natürlich auch das Heer und die damit verbundene Rüstung von hoher Bedeutung in der Außenpolitik. In Zeiten außen- und auch innenpolitischer Spannungen wie zur Zeit um 1900 kommt diesem Bereich nochmals eine besondere Bedeutung zu. Weit mehr als bereits zu Friedenszeiten werden Maßnahmen zur Stärkung der Wehrmacht, beispielsweise durch Erhöhung der Soldatenzahl oder Anschaffung leistungsfähigerer Ausrüstung, ergriffen. Hier werden die militärischen Vorzüge der „Entente Cordiale“ deutlich, wie der Briefwechsel zwischen dem britischen Außenminister Grey und dem französischen Botschafter in London Paul Cambon zeigt.

2. Deutsch-französische Beziehungen

Wie im Vorwort bereits erwähnt, hatte Frankreich zu Beginn der Dritten Republik (1871-1940) keine Verbündeten und war militärisch desorganisiert.3

Man befürchtete, dass der deutsche Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck (1871-1890) weiterhin eine Außenpolitik von „Blut und Eisen“4 betreiben werde, um Frankreich in seiner damaligen Isolationsstellung festzuhalten. Dieser erklärte aber, dass Deutschland zufrieden gestellt sei und kein Interesse an einem erneuten Krieg habe. Deutschland sei daran interessiert, einen erneuten Krieg zu vermeiden. Bismarck glaubte, dass diese Politik des Friedens nötig sei, um Frankreich bündnismäßig in Europa zu isolieren.5 Er unterstützte alle republikanischen Strömungen in Frankreich, um es zu schwächen und möglichen Bündnissen Frankreichs entgegenzuarbeiten.

Neben diesen indirekten Mitteln bediente sich Bismarck aber auch direkter: In der „Post“ wurde 1875 ein Artikel mit dem Titel „Ist der Krieg in Sicht?“ veröffentlicht. Die Weltpolitik deutete diesen Artikel dahingehend, dass Deutschland einen Präventivkrieg gegen Frankreich führen wolle, um die Situation des noch geschwächten Frankreichs auszunutzen.6

Niemand rechnete damit, dass Frankreich sich nach seiner Niederlage 1871 so schnell erholte. Es zahlte seine Kriegshypotheken in drei statt fünf Jahren und erreichte somit die schnelle Räumung der französischen Ostgebiete von deutschen Truppen.7

Jules Ferry (Ministerpräsident 1880/81 und 1883 - 1885) war in der französischen Bevölkerung unpopulär, seine impulsive Kolonialpolitik war umstritten. Er versuchte das Verhältnis von Deutschland und Frankreich zu verbessern, indem er durch eine intensive Kolonialpolitik (Errichtung des Protektorates über Tunis 1881; Ausweitung der Herrschaft in Indochina) vom Problem Elsaß-Lothringen abzulenken versuchte und somit die Politik Bismarcks unterstützte. Ferry wurde 1885 von Georges Clemenceau, welcher ein Vertreter des Revanche- Gedankens war, gestürzt.8

Weitere Errungenschaften in West- und Äquatorialafrika und das Vordringen nach Marokko führten zur „Vergrößerung des französischen Rangs“9 und wurden von der französischen Bevölkerung begrüßt.10

General Georges Boulanger, der 1886/87 das Amt des Kriegsministers bekleidete, war auch ein Verfolger des Revanche-Gedankens. Von ihm und seiner revanchistischen Außenpolitik war die französische Bevölkerung begeistert. Er organisierte militärische, deutschfeindliche Demonstrationen, welche eine große Gefahr für den erneuten Ausbruch eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich darstellten. Da die französische Regierung aber kein Interesse an einem erneuten Krieg hatte, wurde Boulanger 1888 sowohl als General als auch als Kriegsminister seiner Ämter enthoben.11

1887 schloss Deutschland mit Russland einen „Rückversicherungs- vertrag“, um einen möglichen Zweifrontenkrieg Deutschlands zu verhindern. Dieser Vertrag wurde 1906 von Deutschland nicht erneuert, obwohl Russland dies befürwortet hätte. Da Frankreich schon lange darauf gewartet hatte ein Bündnis mit Russland einzugehen, nutzte es diese Gelegenheit, um aus seiner isolierten Lage herauszukommen. Im Kriegsfall mit Deutschland hätte Frankreich so im Osten Unterstützung durch Russland.12

Im August 1892 wurde eine französisch-russische Militärkonvention gegen Deutschland vorbereitet, welche 1893/94 in Kraft trat und 1899 weiter verdichtet wurde. Sie beinhaltete vor allem die finanzielle Unterstützung Russlands durch Frankreich, um das russische Eisenbahnnetz auszubauen. Frankreichs Position gegenüber Deutschland wurde so gestärkt.13

3. Bündnisse

Ü bersicht: Das europäische Bündnissystem nach Bismarck 14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 Zweibund 1879 / Dreibund 1882

Nachdem sich die Beziehungen zwischen Russland und Österreich wegen Problemen auf dem Balkan verschlechterten und auch das Verhältnis von Russland zu Deutschland zu leiden begann, war die Gelegenheit für Frankreich günstig, aus seiner Isolierungssituation herauszukommen. Bismarck aber reagierte auf diese Entfernung zwischen Deutschland und Russland am 07.10.1879 mit dem Abschluss des Zweibundes zwischen Deutschland und Österreich.

[...]


1 vgl. Schmale, Wolfgang (2000): S. 226

2 vgl. Hinrichs, Ernst (Hg.) (1994): S. 274; vgl. Treffer, Gerd (198): S. 261f

3 vgl. Schmale, Wolfgang (2000): S. 226

4 Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 156

5 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 156f

6 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 157

7 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 157

8 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 153

9 Loth, Wilfried (1995): S. 16

10 vgl. Loth, Wilfried (1995): S. 16

11 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 155; vgl. Loth, Wilfried (1995): S. 17; vgl. Hinrichs, Ernst (Hg.) (1994): S. 274

12 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 159

13 vgl. Sieburg, Heinz-Otto (1997): S. 159; vgl. Raithel, Thomas (1996): S. 68

14 aus: Ammermann, Dorothee (2004)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Frankreichs Außenpolitik vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Juli 1914 - die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V33563
ISBN (eBook)
9783638340090
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreichs, Außenpolitik, Ausbruch, Ersten, Weltkriegs, Juli, Urkatastrophe, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor), 2004, Frankreichs Außenpolitik vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33563

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