Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung in Afrika. Die Strategie und Effektivität der CSR-Aktivitäten von Shell in Nigeria


Bachelorarbeit, 2014
29 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung der Corporate Social Responsibility
2.1 Historische Entwicklung von CSR
2.2 Definitionen
2.3 CSR-Engagement
2.4 Umweltbezogener Aspekt

3. Die Image Restoration Theory (IRT)

4. Das Nigerdelta

5. Shell in Nigeria
5.1 Umweltschäden und Probleme, die Shell mit seiner Arbeit verursachte
5.2 Die Ogoni-Krise

6. IRT-Strategien, die Shell verwendete
6.1 Schuld ablehnen
6.2 Die Schuldübertragung
6.3 Betonung von guten Intentionen
6.4 Kompensation-Die CSR Projekten von Shell
6.5 Korrektive Handlungen
6.6 Kurze Beschreibung der Wirtschaftsentwicklung von Shell nach der Ogoni-Krise

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einem historischen Kontext gibt die heutige Vorstellung über unternehmerische Gesellschaftsverantwortung oder Corporate Social Responsibility (CSR) die Antwort der früheren Diskussionen über die Geschäftsrolle in der Gesellschaft (Frynas 2009, S.179). Interessanterweise ist in der wissenschaftlichen Literatur keine eindeutige Definition von CSR zu finden. Dem Begriff werden unterschiedliche Bedeutungen und Akzenten gegeben (Ojo 2012, S.11). Blowfield und Frynas unterstreichen, dass der Begriff “Corporate Social Responsibility” von Regierungen und Gesellschaften als “eine Brücke” zwischen Geschäft und Entwicklung verstanden wird (Blowfield und Frynas 2005, S.499).

Die CSR wird gegenwärtig angewendet, um ein positives Image zu erschaffen, soziale Angelegenheiten anzusprechen oder eine starke Beziehung mit relevanten Akteuren zu entwickeln (Yoon et al. 2006, S.377). Spangler und Pompper betonen, dass ein Scheitern der Unternehmen, die Prinzipien der CSR in ihre Geschäftspraxis zu integrieren, die Unternehmen in einer schwachen Position im Fall einer Krisensituation lässt (Spangler und Pompper 2011, S.217). In diesem Sinne versuchen Unternehmen mit schlechten Reputationen wie Ölunternehmen oder Tabakunternehmen ihr negatives Image durch CSR-Aktivitäten zu verbessern (Yoon et al. 2006, S.377).

Eines der Unternehmen, das eine Führungsposition im Bereich firmeninterner Sozialleistungen weltweit einnimmt, ist die Royal Dutch Shell plc (im Weiteren als „Shell“ bezeichnet) (Schouten und Remme 2006, S.375). Shell war unter den ersten Firmen, die Umweltberichte im Petrolsektor publizierten (Luning 2012, S.206). Ich habe den Fall über Shell in Nigeria ausgewählt, weil in der wissenschaftlichen Literatur die Meinung vorherrscht, dass die Entwicklung der CSR-Strategie von Shell grundlegende Information für andere multinationalen Unternehmen beitragen könnte (Boele et al. 2001a, S.81).

Die Einführung der CSR-Strategie von Shell wird oft mit dem Eintreten der Ogoni-Krise in der Nigerdeltaregion in Nigeria verbunden. Wheeler wertet aus, dass dieses Ereignis eine grundlegende Änderung in der korporativen Strategie in einem der weltweit größten Unternehmen angeregte (Wheeler et al. 2002, S.301). Hennchen geht davon aus, dass die Ogoni-Krise zur Reputationsverschlechterung von Shell führte und infolgedessen stellte Shell einige Monate danach sein erstes CSR-Konzept vor (Hennchen 2011, S.135).

Aufgrund dieser Tatsachen stellen sich für mich die folgenden Fragen:

Warum entschied sich Shell für die Einführung einer CSR-Strategie im Nigerdelta? Zielte die CSR-Strategie nur auf eine Image-Verbesserung? Welche großen Projekten entwickelte Shell nach der Ogoni-Krise? Welche sind die Gruppen, die von der CSR begünstigt wurden? Werden Projekten implementiert, die die Umweltlage verbessern? Beziehen sich die Projekte auf die Probleme, die Shell in der Region Ogoni-Land verursacht? Infolgedessen lautet meine Hauptfragestellung:

Warum bemüht sich Shell um Corporate Social Responsibility in Nigeria und warum sind die CSR-Projekte auf dieser Weise organisiert?

Die Arbeit lehnt sich methodisch an die qualitative Analyse von Artikeln, Büchern, Berichten von NGOs und von offiziellen Publikationen von Shell an. Es wurden einige Versuche unternommen, Interviewtermine mit Shell-Angestellten zu vereinbaren. Die Anfrage sind jedoch ohne Rückmeldung geblieben. Die Publikationen von Shell wurden als Hauptquellen für die Analyse der Medienstrategien von Shell benutzt.

Das Ziel der Darstellung ist, den Anreiz für die CSR-Strategie von Shell zu finden und die Effektivität der CSR-Projekte zu überprüfen. Zur besseren Nachvollziehbarkeit des Untersuchungsprozesses habe ich mich für die folgende Gliederung entschieden:

Zuerst betrachte ich das Konzept der CSR in der wissenschaftlichen Literatur. Zunächst wird der theoretische Ansatz von Benoit – die Image Restoration Theory (IRT) eingeführt. Als nächstes folgt eine kurze Beschreibung der Region im Nigerdelta. Danach wird die Tätigkeit von Shell, ihre historische Entwicklung sowie die Schwierigkeiten, die Shell für die Bevölkerung und die Umwelt verursacht, erklärt. Damit kommt man zur Darstellung des Hauptereignisses – der Ogoni-Krise. Weiterhin folgt die Studie von Medien- und Imagestrategien von Shell nach der Ogoni-Krise und die Entwicklung des CSR-Programms und der CSR-Projekte. Die CSR-Projekte werden in IRT-Strategien eingeordnet. Im Fazit werden einige Schlussfolgerungen über die Weiterentwicklung der CSR von Shell und die Effektivität der CSR gezogen.

2. Beschreibung der Corporate Social Responsibility

2.1 Historische Entwicklung von CSR

In der Literatur herrscht die Meinung vor, dass die Periode der 1950er Jahren als Geburtszeit der CSR zu betrachten ist (Barraclough und Morrow 2008, S.1785). Hesling und Ochoa identifizieren die Gerichtsverhandlung im Jahr 1953 in der Stadt New Jersey in der USA als Schlüsseltatsache für die Entwicklung der CSR, als ein Aktionär eine Anklage gegen Standard Oil Company führte. Er war damit nicht einverstanden, dass das Unternehmen der Princeton Universität Spenden gab. Das Oberste Bundesgericht in New Jersey urteilte zu Gunsten der Standard Oil und schaffte alle legalen Beschränkungen für korporative Philanthropie ab (Hesling und Ochoa 2008, S. 126). Seitdem wird über die CSR in den Bereichen der Theorie, des Rechts, der Politik, der Wirtschaft und des Geschäfts diskutiert (McKie 1975, S.1). Wegen der Umweltschutzbewegungen, der Zivilgesellschaften und demokratisch sozialen Bewegungen wurde die CSR in den letzten fünfzehn Jahren aktiver in der Forschung behandelt (Barraclough und Morrow 2008, S.1786).

2.2 Definitionen

Die CSR wird von den Wissenschaftlern sehr sehr uneinheitlich definiert. Es lassen sich zahlreiche Definitionen der CSR unterscheiden. Einer der häufig vorkommenden Definition formuliert die Europäische Kommission. Für die Angestellten aus der Europäischen Kommission ist CSR ein Konzept, in dem die Unternehmen “die Entscheidung treffen, ob sie sich für einen freiwilligen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft und saubere Umwelt engagieren möchten. Die CSR ist eine Möglichkeit für die Unternehmen soziale und umweltfreundliche Projekte in ihrer Geschäftsstrategie durchzuführen“ (Hediger 2010, S. 519).

Andere haben ein sehr umfangreiches Verständnis für das CSR-Konzept. Leonard und McAdam sind der Meinung, dass die CSR sich mit Themen wie Menschenrechte, Arbeitsplatz, Beschäftigungsproblematik, Umweltaspekten, Marktplatz, Verbraucherrechte gesellschaftliches Engagement und soziale Entwicklung beschäftigt (Leonard und McAdam 2003, S.27).

Kovacs setzt den Schwerpunkt seiner Definition von CSR auf die freiwillige Entscheidung der Unternehmen, einen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft und Umweltverantwortung zu leisten. Nach Kovacs betont diese umfassende Natur des Konzepts, dass die Initiativen, die durch CSR geschaffen werden, mehr als die gesetzlichen Voraussetzungen für ein gesellschaftsverantwortliches Verhalten leisten müssen (Kovács 2008, S. 1571). In dieser Richtung stellt auch Malovics sein CSR-Konzept dar. Er sieht die Kernidee der CSR in einer nicht wirtschaftlich oder profitorientierten Rolle von den Unternehmen. Die Unternehmen müssen nach Malovics nicht nur Waren produzieren, sondern auch umweltfreundliche Projekte durchführen (Málovics et al. 2008, S. 913).

Frynas stellt den Begriff der CSR als eine Kombination von drei Annahmen dar. Die beiden Annahmen beziehen sich auf die unternehmerische Verantwortung. Die Unternehmen haben die Verantwortung für die Auswirkung ihrer Tätigkeit auf die Gesellschaft und die Umwelt und sind auch für das Verhalten ihrer Geschäftspartner verantwortlich. Die dritte Annahme behauptet, dass das Geschäft seine Beziehung zur Gesellschaft etablieren muss, so dass es eine kommerzielle Rentabilität nach sich zieht oder einen bestimmten Wert zu der Gesellschaft beiträgt (Frynas 2009, S. 180). Ähnliche Sichtweisen drücken auch Gond und Moon in ihrer Definition für die CSR aus (Gond und Moon 2012, S.1).

Hopkins definiert die CSR als Konzept, das darauf konzentriert ist, das Verhalten zu den Stakeholdern in einer ethisch und sozial verantwortlichen Weise zu veranstalten. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Ziel der CSR die Erhöhung des Lebensstandards für die Stakeholder sein muss. Diese Verbesserung der Lebensbedingungen muss aber keinen negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen haben (Hopkins 2006, S. 299). Weiterhin sieht Hopkins CSR als eine Art von Investition für die Zukunft (Hopkins 2006, S. 305).

Andere Autoren untersuchen sogar CSR-Kommunikation. Sie wird nach der Art und Weise formuliert, wie die Unternehmen ihre CSR-Prinzipen, -Tätigkeiten und -Leistungen in der Öffentlichkeit veröffentlichen (Tang und Li 2009, S.200). Mit der Hilfe dieser Kommunikation erhalten die Unternehmen eine positive öffentliche Reputation, die zu mehr Investitionen und einem größeren Umsatz führen kann (Dawkins und Ngunjiri 2008, S. 288).

2.3 CSR-Engagement

Die Anreize der Unternehmen, sich mit CSR-Aktivitäten zu engagieren, variieren in diversen Industriesektoren. Hesling und Ochoa erörtern drei Faktorengruppen, die als Antrieb für die Unternehmen dienen. Die erste Gruppe sind die sozialen Akteure wie die NGOs, die Verbraucher oder gesellschafts- und umweltverantwortliche Institutionen, die die Unternehmen unter Druck setzen. Die zweite Gruppe besteht aus dem Konsens, dass die Unternehmen Verantwortung für die negativen Folgen der globalen Erwärmung, der Erhöhung des Meerspiegels und der massiven Verbreitung von tödlichen Insekten tragen müssen. Infolgedessen müssen die Unternehmen die Aufdeckung der Problematik und Gegenmaßnamen vorantreiben. Der größte Anreiz von der Seite des Unternehmens ist nach Hesling und Ochoa die Bewahrung eines guten Unternehmensrufs (Hesling und Ochoa 2008, S. 128). In diese Gedankenrichtung geht auch die Erklärung von Liu für die Unternehmenspartizipation an CSR-Aktivitäten. Ihre erste Annahme für die Unternehmensmotivation stimmt mit einem der Anreizfaktoren von Hesling und Ochoa überein. Ihrer Meinung nach sollen die Unternehmen die negativen ökologischen und sozialen Folgen ihrer Tätigkeit berücksichtigen und für ihren negativen Einfluss Kompensation erbringen. Die zweite Annahme bezieht sich auf die aktive Unternehmensrolle in der sozialen Entwicklung und der effektiven Nutzung der Rohstoffe (Liu et al. 2011, S.208).

Lynes und Andrachuk schätzen, dass sich außer den offensichtlichen Beweggründen manche Unternehmen für die Entwicklung einer CSR-Strategie entscheiden, weil sie eine Ordnungsvorschrift in der Zeit verschieben oder vermeiden wollen (Lynes und Andrachuk 2008, S.380). Zu dieser Behauptung geben Maxwel und Decker ein klares Argument. Wenn ein Unternehmen an mehr Gesellschafts- und Umweltprojekten teilnimmt, vermindert sich die Wahrscheinlichkeit, dass es in Widerspruch zu Vorschriftsregeln steht. So wird die Notwendigkeit von einer Überwachungsfunktion des Kontrollorgans kleiner und das Kontrollorgan wird in die Überwachung dieses Unternehmens weniger investieren (Maxwell und Decker 2006, S. 430). Greening und Turban weisen darauf hin, dass die CSR eine gute Wirkung auch auf innere Organisationsstrukturen haben kann. In ihrer Studie ziehen sie die Schlussfolgerung, dass die CSR-Aktivitäten von qualifizierten Angestellten und Arbeitnehmern sehr positiv bewertet werden (Greening und Turban 2000, S.276).

2.4 Umweltbezogener Aspekt

Einige NGOs stellen den umweltbezogenen Aspekt des CSR-Konzepts heraus. Dies wird mit Media-Framing, wie das ständige Nutzen von Phrasen wie “korporative Nachhaltigkeit” erreicht (Hopkins 2006, S.300). Eigentlich werden in den Diskussionen bezüglich der CSR oft “Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Entwicklung“ als Synonyme benutzt (Haynes et al. 2013, S.12). Manche Autoren versuchen die Aktualität der Debatten über Umweltverantwortung von Unternehmen zu erklären. Lyon und Maxwell vermuten, dass die Umweltverschmutzung ein Zeichen für Produktionsineffizienz ist oder dass eine neue Generation von umweltbewussten Verbrauchern, die bereit ist, höhere Preise für umweltschonende Produkte zu zahlen , entstanden ist. Sie nehmen auch an, dass manche Unternehmen durch ihre CSR-Aktivitäten politischen Konflikten und öffentlichem Druck vorbeugen möchten (Lyon und Maxwell 2008, S. 241). Haynes sieht die Umweltseite der CSR als grundlegend, da die Umweltprojekte in der physischen Welt realisiert werden müssen. Sie sind in den meisten Fällen nachweisbarer, messbarer und vergleichbarer als die sozialen Initiativen (Haynes et al. 2013, S.12). Portney definiert die Umweltverantwortung von Unternehmen als die, mit der Umwelt verbundenen Aktivitäten, die nicht von dem Gesetz verlangt werden und von den Unternehmen initiiert sind (Portney 2008, S.261).

Mit der Hilfe des umweltbezogenen Aspekts erklärt sich die Tatsache, warum die Ölunternehmen die führende Position bezüglich der CSR-Initiativen haben. Wegen der offensichtlichen Schäden, die die Ölunternehmen der Natur mit ihrer Arbeit, wie der Ölverschmutzungen verursachen und die daraus eskalierenden Proteste der Gesellschaft, versuchen die Ölunternehmen CSR-Strategien zu entwickeln und umzusetzen (Frynas 2009, S.181).

3. Die Image Restoration Theory (IRT)

Die Image Restoration Theory (IRT) wurde 1995 von William Benoit entwickelt. Die IRT konzentriert sich auf ein bestimmtes Ziel –Wiederherstellung oder Reputationsschutz (Benoit 1995, S.71). Sie erklärt, wie die Individuen und die Unternehmen ihren negativen öffentlichen Ruf nach einem besonderen Ereignis wiederherzustellen versuchen (Harlow et al. 2011, S.80).

Benoit behauptet, dass für die beiden – Unternehmen und Individuen - die Reaktionen auf eine krisenhafte Situation gleich sind (Benoit 1997, S.177). Um die Bedrohung eines Images zu identifizieren, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Diese sind, dass der Angeklagte für seine Handlung für verantwortlich gehalten und seine Handlung als anstößig dargestellt wird. Benoit betont, dass man nicht die Wirklichkeit der Handlung überprüfen muss, sondern, ob die Öffentlichkeit dazu neigt, die Schuld dem Unternehmen oder der Person zu geben (Benoit 1997, S.178). Wenn diese beiden Bedingungen von der Öffentlichkeit, die die Aktivität des Angeklagten verfolgt, wahrgenommen werden, ist die Reputation gefährdet (Benoit und Czerwinski 1997, S.39).

Weiterhin stellt die IRT fünf umfassende Strategien vor, die die betroffene Seite für ihre Verteidigung benutzen kann. Drei dieser Strategien haben auch unterschiedliche Varianten (Brinson und Benoit 1999, S.487).

Die erste Strategie ist die Leugnung. Sie hat zwei Variante – die einfache Leugnung oder die Schuldübertragung zu einem anderen Akteur. Die einfache Leugnung ist nicht immer effektiv, kann aber in manchen Fällen, wenn sie von der Öffentlichkeit akzeptiert wird, zur Image-Wiederherstellung einen positiven Beitrag leisten (Benoit und Brinson 1999, S.149). Ein Beispiel dafür ist die im 1991 von Pepsi-Cola aufgestellte Behauptung, dass Coca-Cola höhere Produktpreise von allen Kunden außer McDonald’s verlangte. Diese Aussage wurde von dem Vizepräsidenten des Coca-Cola Unternehmens als “absolut falsch” bezeichnet. So lehnte Coca-Cola die vorgeworfene Anklage direkt ab (Benoit 1997, S.179).

Im Fall, der im Zusammenhang mit der vom Öltanker Exxon Valdez verursachten Ölpest steht, handelt es sich um eine Schuldübertragung. Die Angestellten von Exxon versuchten den Regierungsbeamten die Schuld für die verspäteten Säuberungsarbeiten zu geben (Mathews und Peterson 1989).

Die nächste Strategie ist die Ablehnung von Verantwortung, die vier Unterkategorien hat. Ein Unternehmen könnte seine Handlung, die zu der Krisensituation führte, als Antwort auf provokative Handlungen anderer Akteure bezeichnen der provokativen Handlung von einem anderen Akteur bezeichnen. Falls die Leser oder die Zuhörer diese Provokation als legitim für die Handlungen des Unternehmens sehen, dann wird der Provokateur verurteilt (Benoit 1995, S.76). Eine andere spezifische Form dieser Strategie ist die Annulierbarkeit. Diese ist häufig durch Informationsmangel erklärt. Benoit gibt als Beispiel einen führenden Angestellten, der ein Geschäftstreffen verpasste. Der Angestellte könnte in dieser Situation sagen, dass niemand ihn über das Treffen informiert habe, so könnte seine Abwesenheit gerechtfertigt werden (Benoit 1997, S.180).

Eine weitere Art Ablehnung der Verantwortung kann der Unternehmensstandpunkt sein, dass die Krisensituation durch einen Vorfall verursacht wird. Diese Art von Äußerung wird normalerweise vom Publikum akzeptiert, da diese Äußerung nicht ständig von einem einzelnen Unternehmen ständig gemacht wird (Scott und Lyman 1968, S. 47). Falls das Unternehmen die Zielgruppe überzeugen kann, dass die Tat wegen eines unerwarteten Fehlers geschehen ist, soll es geringe Verantwortung tragen und dadurch verliert das Unternehmen weniger an Reputation (Benoit und Czerwinski 1997, S.41). Die letzte Art von dieser Strategie ist die Handlung, die durch den guten Willen initiiert wurde (Ware und Wil A. Linkugel 1973, S. 276). Ein gutes Beispiel dafür sind die Presseveröffentlichungen von Edward Brennan – dem ehemaligen Vorsitzenden des Dienstleistungsbetriebs Sears - bezüglich des Skandals, in den sein Unternehmen involviert wurde. Sears bekam nationale Kritik wegen Rechnungen für unnötige Reparaturkosten. In Antwort auf die Kritik betonte Brennan die Besorgtheit seines Unternehmens um das Kundenvertrauen und zeigte damit, dass sich die Firma um ihr Kundeninteresse kümmert (Gellene 1992).

Die dritte Strategie der IRT ist die Effektreduzierung der Aktivität. Sie hat sechs unterschiedliche Versionen. Eine Unterkategorie von dieser Strategie ist die Unterstützung. Das Unternehmen erinnert das Publikum an seine früheren und positiven Aktivitäten. In diesem Fall bleibt die Schuldmenge unverändert, aber es wird ein positives Gefühl in der Öffentlichkeit erregt, so dass der negative Eindruck des Ereignisses vermindert wird (Brinson und Benoit 1999, S.488).

Die zweite Version ist die Minimierung der negativen Auswirkung, die durch das Ereignis verursacht wird. Falls die Audienz annimmt, dass die negativen Folgen einen geringen Einfluss haben, wird die Reputationsschädigung reduziert (Sykes und Matza 1957, S.667). So hatte ein Angestellter des Ölunternehmens Exxon Mobil argumentiert, dass die Anzahl der durch den Ölunfall betroffenen Vögel und Tiere viel geringer als die von den Medien veröffentlichte Anzahl ist (Benoit 1995, S.125). Die Differenzierung versucht, die Tat von anderen vergleichbaren, aber abscheulicheren Taten zu trennen. Das Ziel dieser Vorgehensweise ist ähnlich wie bei der Minimierung – die negativen Meinungen zu reduzieren (Brinson und Benoit 1999, S.488).

Die nächste Version dieser Strategie nennt Benoit “die Überlegenheit”. Es handelt sich hier um die Aktivitätsvorstellung in einem breiten positiven Kontext. Ein Unternehmen, das sich mit Tierversuchen beschäftigt, könnte argumentieren, dass seine Forschung einen größeren Beitrag zu der Menschheit leistet und die Tierschäden, die es verursacht, gerechtfertigt sind (Benoit 1997, S.181). Die Firma, deren Tat kritisiert wird, könnte ihre Kritiker ansprechen. Mit dieser Maßnahme wird die Legitimität der Kritik unter Frage gestellt (Benoit und Brinson 1999, S.149). Die letzte Art von Effektsreduzierung der Aktivität ist die Kompensation. Ein Kompensationsverfahren wird genutzt, wenn der Täter Entschädigung der betroffenen Seite anbietet (Benoit und Czerwinski 1997, S.43).

Die vierte Hauptkategorie von IRT-Strategien ist die Korrekturhandlung. In diesem Fall verspricht das Unternehmen, dass es den Stand der Situation vor dem Ereignis wiederherstellt oder dass es die Handlungswiederholung verhindern wird (Brinson und Benoit 1999, S.488). Benoit betont, dass es ein Unterschied zwischen Kompensation und Korrekturhandlung gibt. Während die Kompensation als eine Art Geschenk, das wie ausgleichenden Nutzen, dienen sollte, bezieht sich die Korrekturhandlung auf den genauen Verletzungsgrund und versucht ihn zu korrigieren (Benoit 1995, S.79).

Die letzte Strategie ist die Schmach. Diese Strategie benutzt der Täter, wenn er seine Schuld zugibt und um Vergebung bittet. Falls das Publikum überzeugt wird, dass die Entschuldigung ehrlich ist, könnte es die unrechtmäßige Handlung verzeihen. Auf dieser Weise könnte die Täterreputation verbessert werden (Benoit und Brinson 1999, S. 150).

4. Das Nigerdelta

Die Entdeckung von Ölfeldern veränderte die nigerianische Wirtschaftspolitik und seit den 1970er- Jahren bekommt die nigerianische Bundesregierung 80 % von ihren finanziellen Gewinnen durch Förderung von Erdöl (Manby 2000, S.4). Eines der ölreichsten Gebiete in Nigeria, von dem die nigerianische Regierung seit dem Ölförderungsboom bis 2009 ca. 600 Milliarden Dollar erwirtschaftete, ist das Nigerdelta (Ibaba 2012, S.1). Das Gebiet befindet sich im südlichen Teil Nigerias und umfasst 112.110 Quadratkilometer, auf denen sich auch die neun Erdöl fördernden Bundesstaaten im südlichen Landesteil befinden (Stelzig 2012, S. 15; Amadi und Abdullah 2012, S.58).

Die Region wird von ca. 31 Millionen Menschen aus 40 unterschiedlichen ethnischen Gruppen bewohnt, die in 3.000 Gemeinden leben (Oyefusi 2007, S.4; Stelzig 2012, S.15). Trotz des Ressourcenreichtums leben 70 Prozent der heimischen Bevölkerung in Armut mit weniger als 1 Dollar Verdienst pro Tag (Amadi und Abdullah 2012, S.57). Im Nigerdelta ist die HIV-Infektionsrate zweimal so hoch als in den anderen Landesteilen (Udoh et al. 2007, S.670). Die Infrastruktur bleibt auch unterentwickelt (Obi 2009, S.104).

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Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung in Afrika. Die Strategie und Effektivität der CSR-Aktivitäten von Shell in Nigeria
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Note
1.7
Autor
Jahr
2014
Seiten
29
Katalognummer
V335633
ISBN (eBook)
9783668255470
ISBN (Buch)
9783668255487
Dateigröße
936 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unternehmerische, gesellschaftsverantwortung, afrika, strategie, effektivität, csr-aktivitäten, shell, nigeria
Arbeit zitieren
Smilen Hadzhikostov (Autor), 2014, Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung in Afrika. Die Strategie und Effektivität der CSR-Aktivitäten von Shell in Nigeria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335633

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