Politiker und ihre Körpersprache. Fallstudie am Beispiel des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko


Seminararbeit, 2015
13 Seiten, Note: 5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wofür braucht ein Politiker die Körpersprache?
2.1 Der Körper spricht
2.2 Ein Körper - verschiedene Rollen
2.3 Politiker als öffentliche selbst bewusste Persönlichkeit

3 Analyse

4 Fazit

5 Literatur

1 Einleitung

Leaders are made, they are not born. They are made by hard effort, which is the price which all of us must pay to achieve any goal that is worthwhile.

Vince Lombardi

So wie man über eine Person mit hervorragenden Führungsfähigkeiten in diesem Zitat spricht, lässt sich das Gleiche über Menschen sagen, die sich für das Metier der Politik entschieden haben. Niemand ist als guter Politiker geboren. Es ist aber möglich, durch die Beherrschung von notwendigen Kompetenzen ein guter Politiker zu werden.

Die Palette an Fertigkeiten, die ein Politiker mitbringen muss, um auf der Bühne überzeugend aufzutreten, ist vielfältig: Stillvolle Kleidungswahl, sicherer Gang und ausgeglichene Körperbewegungen, passender Gesichtsausdruck sowie die Reden, die vor dem Publikum vorgetragen werden - alles muss perfekt zusammenspielen. An jedes Detail arbeitet ein Team von Experten und Expertinnen, das für den Erfolg eines Politikers die Verantwortung trägt.

In der vorliegenden Arbeit wird der Fokus auf das nonverbale Verhalten bzw. auf die Körpersprache der Politikerinnen gelegt. Wir beschreiben warum es wichtig ist, Körpersprache bei einem öffentlichen Auftreten richtig zu verwenden.

Es wird vermutet, dass die intensive Arbeit, die an einem Politiker ausgeführt wird, nicht nur zu positiven, sondern auch zu negativen Konsequenzen führt. Die "richtige" Körpersprache, die Gestik und Mimik, die Politiker antrainiert bekommen, können nicht immer authentisch verwendet werden. Wie Goffman (2009: 55) sagt, "Als Zuschauer können wir natürlich spüren, ob der Eindruck, den der Darsteller erwecken will, wahr oder falsch, echt oder unecht, gültig oder "gekünstelt" ist."

Das deutet darauf hin, dass die nonverbalen Signale, die der Körper einer öffentlichen Person mitteilt, im Einklang mit verbalen Signalen sein müssen. Alle Handlungen, die auf der Bühne inszeniert werden, müssen dem Gesamtbild des Politikers, bzw. seiner Persönlichkeit entsprechen. Erst dann kann der Zuschauer den richtigen Eindruck bekommen, ohne das Gefühl zu haben, dass etwas verfälscht, nicht authentisch oder abgespielt wurde.

Diese Hypothese der fehlenden Authentizität überprüfen wir an einer Fallstudie. Es wird eine Videoaufnahme des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko von Sicherheitskonferenz 2014 in München analysiert. Anhand der Partiturtranskiption wird die Körpersprache des Präsidenten zusammen mit seinen verbalen Aussagen analysiert, um eine vollständige Vorstellung über seine innere Stellungnahme zu geben.

2 Wofür braucht ein Politiker die Körpersprache?

2.1 Der Körper spricht

Die Körpersprache ist kein Zusatz zu der verbalen Sprache. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Sprechens (vgl. McNeill 2010: 42). Sie wird als "Ausdruck des inneren Befindens" des Menschen definiert (vgl. Sentürk 2013: 13). Durch die Gestik und Mimik kann man innere Einstellungen, Gefühle oder auch Ansichten einer Person herausfinden. "Alle bewusst oder unbewusst ausgeführten ebenso wie alle bewusst oder unbewusst unterlassenen Bewegungen und körpersprachlichen Äusserungen" gehören zu der Körpersprache (vgl. Sentürk 2013: 13).

Man bildet sich bewusst oder unbewusst durch die Beobachtung des nonverbalen Verhaltens eine Meinung über politische Akteure. Selbst ihr Körper wird zum Träger der Bedeutungen. Einerseits, dank der geschickten Benutzung von "richtigen" Gesten und mimischen Ausdrücken kann man glaubwürdiger und überzeugender auf der Bühne wirken (vgl. Sülflow/Esser 2014: 292).

Andererseits, wenn man der Körpersprache weniger Aufmerksamkeit schenkt, kann man mit seinem Körper unbewusst das ausdrücken, was man nicht gerne zeigen will. Nach Dieball (2008: 106) "verrät das Alphabet der Körpersprache ständig, in welcher Verfassung sich ein Mensch gegenwärtig befindet, denn auch wenn der Mensch schweigt, spricht er durch bzw. mit seinem Körper." Die Körpersprache ist "ausserhalb der Kontrolle" des Politikers und kann ihm schlechte Dienste leisten.

2.2 Ein Körper - verschiedene Rollen

Trotzdem kann man heute immer häufiger Politiker sehen, die makellos vor dem Publikum auftreten und sowohl ihre Reden als auch ihre Körpersprache perfekt beherrschen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass ein Politiker weniger das ist, was er ist, sondern eher das, was er sein muss, um den jeweiligen Zweck seiner Rede zu erreichen. Wie Sollmann (2006: 93) feststellt:

Kompetenz gewinnen öffentlichkeitswirksame Politiker dadurch, dass sie in einem bestimmten Kontext die Klaviatur des Zusammenspiels von nonverbaler Wirkung, Körpersprache, Persönlichkeit und Verhaltensmustern bedienen oder gar beherrschen. Sie lernen die Kunst, "ich selbst zu sein" (als Persönlichkeit), "anders zu sein" (im Rollenverhalten unterscheidbar), "gemeinsam zu sein" (als Vertreter der Partei) und "öffentlich zu sein" (Öffentlichkeits- kompetenz).

So kann man sagen, dass sich ein Politiker wie ein Schauspieler in unterschiedlichen Rollen versucht. Verschiedene Rollen fordern ihrerseits ein anderes Verhaltensmuster. Am folgenden Beispiel wird veranschaulicht, wie sich der russische Politiker Vladimir Zhirinovskiy in verschiedenen gesellschaftlichen Rollen darstellt.

Auf der Abbildung 1 kann man sehen, wie er zu einer russischen unterhaltsamen Fernsehsendung eingeladen wurde. Es handelt sich hier zwar um eine öffentliche Situation - er wird von Zuschauern der Sendung gesehen und gehört. Er versteht aber, dass obwohl er ein Politiker ist, er in dieser Situation eine andere "Maske" tragen muss.

Er präsentiert sich also als ein einfacher Bürger seines Landes. Er spricht darüber, was ihm wichtig ist und antwortet gerne auf die Fragen vom Moderator. Es geht um seine Hobbies und sein Leben im Allgemeinen. In dieser Rolle "sich selbst zu sein" zeigt der Politiker mit seiner Körpersprache, dass er aktiv im Gespräch teilnimmt: er demonstriert seine Handlungsbereitschaft und positive innere Einstellung, haltet sich beweglich, macht offene Handbewegungen, die vom Körper wegführen, und hat einen wachen Blick (vgl. Molcho 2007). Mit den Augen zeigt er seine Engagiertheit mit dem Thema, worüber gesprochen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Vladimir Zhirinovskiy bei der Fernsehsendung "Vetscherniy Urgant".

Da die Politik ein Teil seiner Persönlichkeit ausmacht, wird auch über sie geredet. Ihm gelingt es aber, die Politik in den Rahmen der Fernsehsendung einzubringen, indem er über sie mit Humor spricht.

Am nächsten Beispiel kann man sehen, wie sich das Verhalten von Zhirinovskiy in einer ganz anderen Situation, einer Präsidentendebatte, verändert. Hier übernimmt er die Rolle eines starken und durchsetzungsfähigen Politikers, was seine Körpersprache folgendermassen ausdrückt: plötzliche, schnelle und heftige Bewegungen, Dominanz- und Drohgebärden (zeigender Zeigefinger). Mit voller Energie und Überzeugung redet er und unterbricht seinen Gesprächspartner und den Moderator. Dadurch versucht er, seinen Worten noch mehr Aussagekraft zu verleihen(vgl. Molcho 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Vladimir Zhirinovskiy bei Fernsehdebatten mit Michail Prochorov.

Seine Mimik drückt auch eine aggressive innere Einstellung aus: er zeigt seine entblössten Zähne, sein Gebiss ist angespannt. Er vermeidet aber den direkten Blick in die Augen des Opponenten. Vielleicht weil seine Aufführung dem Publikum vorgesehen ist. Er meidet den Dialog mit seinem Gesprächspartner. Seine Intention ist es eher, das Gegenüber mit seinen schreienden und argumentationslosen Ausrufen zu verunsichern und das Publikum zu gewinnen.

Es kann der Anschein erweckt werden, dass es diesem Politiker viel wichtiger ist, wie er insgesamt auf Zuschauer wirkt, als die Botschaft, die er vermittelt. Göhnermeier (2015: 8) hat in seinem Praxishandbuch "Wie Sie mit Persönlichkeit überzeugen" über ein ähnliches Verständnis der gelungenen Präsentation geschrieben:

Was Sie inhaltlich gesagt haben, haben die Zuschauer schon am nächsten Tag zum grossen Teil vergessen - aber wie Sie insgesamt gewirkt haben, das bleibt im Gedächtnis haften und taucht dann auch das Thema, das Sie vorstellen wollten, in ein entsprechendes Licht.

(Göhnermeier 2015: 8)

Obwohl der Autor des Buches über die Präsentation im alltäglichen Leben spricht, kann man sich den Politiker auch in der Rolle des "Präsentators" vorstellen, denn in Fernsehdebatten versucht er, die anderen Menschen und auch seinen Opponenten zu überzeugen und ihnen die notwendige Information mitzuteilen.

2.3 Politiker als öffentliche selbst bewusste Persönlichkeit

Als eine der Kernvoraussetzungen auf dem Weg zum erfolgreichen Politiker ist es, eine starke, sichere und sich selbst bewusste Persönlichkeit zu sein (vgl. Sollmann 2006: 93). Man muss so zu sagen selbst "bis ins Mark" in die eigene jeweilige Rolle glauben und sich in seine Rolle einfühlen, um die Zuschauer überzeugen zu können:

[…] überzeugen sie als Typus, durch ihre persönliche Haltung, ihren individuellen Habitus. Je glaubwürdiger, d. h. in sich stimmiger der jeweilige Typus sich darstellt und wahrgenommen wird, desto höher ist die persönliche Wirkfähigkeit im öffentlichen Feld.

(Sollmann 2006: 93-94)

Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Körpersprache eines Politikers beeinflusst, wie er von den Menschen wahrgenommen wird.. Sollmann (2006: 94) unterscheidet in diesem Zusammenhang fünf typische Verhaltensmuster, die beschreiben, wie ein jeweiliger Politiker mit seiner Körpersprache auf die Öffentlichkeit wirkt:

1. Der Analytiker - zurückhaltend, distanziert bis arrogant, (zu) nüchtern, körperlich eher unlebendig-ungelenk, wenig Mimik und Gestik, flache Atmung, "Kopf- und Zahlenmensch";
2. Der Kommunikative - einladende Freundlichkeit, offen und zugewandt, viel Mimik, sitzt lieber oder stützt sich ab, als dass er frei steht, Energie eher im Kopf und Gesicht und weniger im Rest des Körpers;
3. Der Macher - (aggressiv-)dominant, nicht zu übersehen, voller Kraft und Energie, initiativ und durchsetzungsstark, wirkt unabhängig, krisenkompetent, mächtige Armgestik und aufrechte Körperhaltung, kraftvoller Gang;
4. Der Verlässliche - ruhig bis bedächtig-schwer, "körperlich" kompakt und voller Energie, aber innerlich eher festgehalten, freundlich-zurückhaltend, situativ energisch bis explosiv und meinungsstark;
5. Der Zielstrebige - verbindlich und gut strukturiert, präsent ohne sich unbedingt in den Mittelpunkt zu drängen, innerlich leicht getrieben, zielorientiert (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Politiker und ihre Körpersprache. Fallstudie am Beispiel des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko
Hochschule
Universität Bern
Veranstaltung
Vertiefungskurs "Körpersprache"
Note
5
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V335643
ISBN (eBook)
9783668255753
ISBN (Buch)
9783668255760
Dateigröße
1024 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körpersprache, Politik, Poroschenko, Medienauftritt, non-verbale Kommunikation
Arbeit zitieren
Natalia Volvach (Autor), 2015, Politiker und ihre Körpersprache. Fallstudie am Beispiel des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335643

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