Welche Vorteile bietet die Einführung von Geofencing?

Geofencing in der Logistik


Hausarbeit, 2016
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Anforderungen und Zielsetzung des Projektes

2. Evaluierung und Grundlagen des Geofencing
2.1. Funktionsweise und Systembeschreibung
2.2. Vorteile durch die Verwendung von Geofences
2.3. Stand der Entwicklung von Teilkomponenten
2.4. Geofencing Techniken
2.4.1. Area Geofencing
2.4.2. Point of Interest Geofencing
2.4.3. Routngenaues Geofencing
2.5. Besonderheiten und Bewertung des maritimen Geofencing

3. Einführungsvorraussetzungen
3.1. Auswahlkriterien für den Technologieanbieter
3.2. Optionen für Geofences
3.3. Mögliche prozessuale Ausgestaltung bei Firma A
3.4. Kritische Evaluation der Vorteilhaftigkeit

4. Fazit und Perspektiven

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang I

Anhang II

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Architektur eines Geofencing Kommunikations Systems

Abbildung 2: Erkennen der Entfernung mit einem zirkulären Geofence

Abbildung 3: Routengenaues Geofencing

Abbildung 4: Beispiel eines Polygon-Geofence in Valencia

1. Einleitung

Geofencing heißt wörtlich einzäunen.[1] Dabei handelt es sich um eine innovative Technologie, basierend auf Telematik und Satellitenortung. Das Geofencing ermöglicht die Fernüberwachung von geografischen Gebieten, die durch einen virtuellen Zaun (Geofence) umgeben sind, und erkennt automatisch, wenn mobile Objekte diese Bereiche betreten oder verlassen.[2] Das Konzept hinter dem Geofencing ist nicht neu, da es auch beispielsweise im Mobilfunkbereich bereits erfolgreich angewandt wird.[3]

Logistische Anwendungsgebiete des Geofencing liegen vor allem in einer Art Frühwarnsystem und Diebstahlschutz im Flottenmanagement. Jedoch haben sich durch technologische Veränderungen auch viele neue Anwendungsgebiete erschlossen, in denen sich die Technik noch beweisen muss.

Im Rahmen dieser Arbeit soll geprüft werden ob Geofencing sich für die Lösung einer konkreten Problemstellung innerhalb eines Schiffersatzteil-Projektes eignen kann und welche Vorteile es bietet. Dafür wird nach der Problemstellung und Zielsetzung, der Stand der Technik dargestellt und daraus die Lösungsmöglichkeiten gefolgert. Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung der Nutzung von Geofencing.

1.1. Problemstellung

Die Firma A ist spezialisiert auf Schiffsersatzteillogistik für Containerschiffe. Die dafür benötigten Ersatzteile werden zum großen Teil in Europa hergestellt und dort auch vor Ort oder in hafennahen Zentrallagern vorgehalten. Die Kunden sind in der Regel weltweit operierende Reedereien, welche einen regelmäßigen Bedarf an möglichst schnell zur Verfügung stehenden Ersatzteilen haben. Der Schiffseinkäufer stößt den Lieferprozess bei Firma A an.

Das Hauptlager der Firma A für Europa befindet sich in Stadt W.

Der Großteil der Distributionslogistik (ca. 98%) findet per Luftfracht statt. Die höheren Tonnagen und einige sperrige Ersatzteile werden jedoch bevorzugt, falls möglich, direkt auf das bedürftige Schiff geliefert. Dieses Vorgehen ermöglicht eine schnellere und in Hinblick auf Luftfracht kostengünstigere Abwicklung.

Recht häufig kommt es vor, dass ein Schiff mit Ersatzteilbedarf in einen Hafen mit vorgelagerten Ersatzteilen einläuft, jedoch werden nur die vom Kapitän direkt angeforderten Waren umgeschlagen. Oft kommt es vor, dass sperrige Güter in den naheliegenden Häfen nicht an Bord geliefert werden, aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen Einkäufer und Kapitän. Dies führt im Nachhinein dann zu einem erhöhten Aufwand und enormen Luftfrachtkosten.

In dieser Arbeit soll geprüft werden, ob und wie der Einsatz mithilfe von GeofencingApplikationen den prozessualen Ablauf verbessern kann und welche konkreten Vorteile entstehen. Die Idee dahinter ist, dass Firma A frühzeitig über einlaufende Schiffe der Kundenreedereien informiert wird. Dabei muss das Zeitfenster vor Ankunft des Schiffes im Hafen so ausreichend geplant sein, dass Firma A die Schiffseinkäufer kontaktieren, deren möglichen Bedarf aufnehmen, und die dabei angeforderten Ersatzteile vom Lieferanten an den betreffenden Hafen anliefern lassen kann.[4]

1.2. Anforderungen und Zielsetzung des Projektes

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist die Effizienz von Geofences in der maritimen Schifffahrt herauszustellen. Eine konkrete Ausgestaltung der Messung des Projekterfolges muss noch konkretisiert und festgelegt werden. Im Folgenden sollen dazu erst einmal die Anforderungen und Ziele aufgestellt werden. Da der Projekterfolg auch von der Mitarbeit der Reedereien abhängig ist, werden nicht nur die Zielsetzungen von Firma A sondern auch der Standpunkt der Reedereien betrachtet.

Firma A möchte durch den Einsatz von Geofencing möglichst frühzeitig akkurate Informationen in Echtzeit haben. Sobald sich ein Schiff in Reichweite befindet, ist dessen Ankunftszeit im relevanten Hafen frühzeitig prognostizierbar. Auf Grundlage dieser Daten müssen dann die Kontaktaufnahme gestaltet und abhängig davon weitere Entscheidungen getroffen werden. Hilfreich wäre es Stamm- und Bestelldaten der Reederei bzw. des einfahrenden Schiffes sowie der Schiffseinkäufer übersichtlich und auf einen Blick vorzufinden, um damit den Arbeitsaufwand weiter zu senken.

Firma A erhofft sich von dem Projekt, dass eine Aufwands- und Kostenreduzierung bei der Auslieferung der Ersatzteile entsteht, die sich ggf. auch in einer Erhöhung der eigenen Gewinnspanne auswirkt. Gleichzeitig soll die Kundenbindung durch einen verbessertes Serviceangebot und einen besseren Kundenkontakt erhöht werden. Dabei soll natürlich die Implementierung von Geofencing keine großen Behinderungen im laufenden Betrieb darstellen.[5] Die Reedereien sind nicht nur Kooperationspartner, da sie die Umsetzung mitgestalten und bei den von Firma A ausgewählten Technologien mitarbeiten müssen; sie sind in erster Linie auch Kunden deren Verträge und Serviceversprechen es einzuhalten gilt. Somit soll die Einführung einer neuen Technologie für die Reederei möglichst wenig organisatorischen, bürokratischen und administrativen Mehraufwand bedeuten. Auch Mehrkosten, durch z.B. direkte Ausgaben für neue Hardware oder indirekte in Form von Preiserhöhungen, sind möglichst zu vermeiden. Das sichert die Offenheit für ein neues Projekt.

Auf keinen Fall darf es zu Problemen oder Komplikationen in der Leistungserstellung kommen. Die verbesserte Abwicklung der Ersatzteilversorgung muss wie gewohnt stattfinden. Eine Preisabsenkung oder Reduktion bestimmter Kosten, z.B. Versandkosten, bei gleicher Leistung, wird aus Sicht der Reederei auch erfreuen.

2. Evaluierung und Grundlagen des Geofencing

Im Folgenden wird der Stand der Geofencing Techniken betrachtet, hier wird aufgezeigt, wie Geofencing systemtechnisch dargestellt wird. Des Weiteren soll daraus erkannt werden, welche Punkte es beim Geofencing zu beachten gibt.

2.1. Funktionsweise und Systembeschreibung

Die Nutzung des Geofencing ist an Radio- oder Satellitensignale zur Bestimmung von Koordinaten des Geofences und zur Lokalisierung der betrachteten Einheiten gebunden.

Am häufigsten wird dafür das Global Positioning System (GPS)[6] verwendet.[7] Die Funktionsweise von GPS ist recht einfach. GPS besteht aus einem weltumspannenden Satellitensystem von 27 Satelliten, welche laufend ihre aktuelle Position sowie die genaue Uhrzeit übermitteln.[8] Mit Hilfe dieser Daten kann ein spezieller GPS-Empfänger mit Tracking Modul seine eigene Position und Geschwindigkeit errechnen. Zur Ortsbestimmung sind mindestens drei Satelliten notwendig, damit die Daten genau genug sind; in der Praxis sogar vier, denn oftmals können die Laufzeiten mangels Uhrengenauigkeit nicht exakt genug bestimmt werden. So wird dies von einem weiteren Satelliten übernommen.[9] (vgl. Abbildung 1)

Die vom GPS-Empfänger erhaltenen Daten werden an eine Applikation zur weiteren Verarbeitung weitergegeben. Hierzu kann ein Telekommunikationsdienst wie GSM oder LTE[10] verwendet werden, welcher die Daten an Server und schließlich an die Applikation der Kundenprogramme übermittelt. Erst in der Applikation können verschiedene Berechnungen und Analysen wie Positionsvergleiche stattfinden oder eine AlarmMeldung ausgelöst werden.[11]

Abbildung 1: Architektur eines Geofencing Kommunikations Systems[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www. project-asset.com/data/presentations/P_012.pdf

Ebenso wird auch das „Geofencing“ erst in der Applikation gestartet und ist oft ein Teil weiterer Services wie zum Beispiel Flottenmanagement. In der Applikation werden die relevanten Daten über die Schiffskoordinaten gesammelt, berechnet und mit den hinterlegten Geofence-Koordinaten verglichen[13]

In Punkto Genauigkeit der Ortung hängt es von der verwendeten Ortungstechnik ab. Neben GPS oder satellitenbasierter Ortung sind auch andere funkwellennutzende Techniken wie WiFi[14], Cell ID bedingt einsetzbar. Die letzteren Techniken bieten zwar den Vorteil einer genaueren Ortung, die Reichweite ist jedoch begrenzt und an bestimmte Antennen-Standorte oder (im Fall von WiFi) an andere empfangende Geräte in der Nähe gebunden.[15]

2.2. Vorteile durch die Verwendung von Geofences

Durch die Verwendung von Geofences können verschiedene Vorteile entstehen. Es werden Informationen zum Standpunkt mobiler Einheiten in Echtzeit übermittelt. Bei überqueren des Geofences wird eine Meldung ausgelöst und kann durch die Applikation mit einer geplanten Ankunftszeit ergänzt werden. Auf diese Weise werden schnell Daten über das Eintreffen der Einheiten gesendet, die eine kurzfristige Reaktion erlauben.[16]

Die weiteren in der Literatur benannten Vorteile zur Ausschließung von Bedrohungen wie Diebstahlsicherung (Schutz bei Piraterie), Routenwegüberwachung[17], und Zeiterfassung könnten langfristig den Reedereien als Services mit angeboten werden. In einigen Fällen ist Geofencing auch Bestandteil eines Flottenmanagement-Systems, so dass keine oder nur geringfügige Kosten bei dessen Einsatz entstehen.

Der Technik wird noch einiges an Verbesserungsmöglichkeiten attestiert. Derzeit ist noch nicht klar wie zuverlässig die Software zur Verarbeitung von Geofences ist. Studien und Berichte sind daher sehr optimistisch. Ob dieser Optimismus berechtigt ist wird sich in der Praxis bewahrheiten. Ebenso ist noch unklar wie groß ein Geofence technisch sein kann und maximal sein darf.[18]

Viele der bisher konzipierten Anwendungsmöglichkeiten zielen auf Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten ab. Den größten Anklang findet derzeit die Diebstahlsicherung mobiler Objekte mit ausgesendetem Alarm bei Verlassen des festgelegten Korridors bzw. der Route.

[...]


[1] MediaSCHMID, (o.J.)

[2] Vgl. Reclus, F. et al. (2009), S.353.

[3] Vgl. Yeluri, R. (2014), S.94-95.

[4] Vgl. J. (2016), Interview.

[5] Vgl. G. (2016), Interview.

[6] GPS, Global Positioning System [globales Navigationssatellitensystem zur Positions- und Zeitbestimmung. Es besteht aus drei Segmenten: Weltraumsegment, Kontrollsegment, Anwendersegment; kommt auch bei der Fernerkundung zum Einsatz

[7] Herrmann, H. (2013), S.492.

[8] MiTAC Europe Ltd (2012)

[9] Wikipedia (o.J.)

[10] Mobilfunkstandards: Global System for Mobile Communications und Long Term Evolution

[11] Vgl. Karim, D. (2013), S.57.

[12] ASSET-Road Consortium (2009), S. 4-6

[13] Vgl. Fraunhofer IML (o.J.), S.24

[14] WiFi ist ein Standard zur Datenübermittlung zwischen zwei WLAN-Endgeräten ohne zentralen Access Point

[15] Vgl. ZOS Communications (2014), S. 22-23.

[16] Vgl. Continental Automotive GmbH, (o.J.)

[17] Vgl. Bruns, S. (2013), S.91.

[18] Vgl. J. (2016), Interview.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Welche Vorteile bietet die Einführung von Geofencing?
Untertitel
Geofencing in der Logistik
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V336600
ISBN (eBook)
9783668279636
ISBN (Buch)
9783668279643
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, vorteile, einführung, geofencing, logistik
Arbeit zitieren
Jenny Schildt (Autor), 2016, Welche Vorteile bietet die Einführung von Geofencing?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336600

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