"... ergo Epicurus erravit". Der Kampf gegen den Epikureismus in den "Divinae Institutiones" des Laktanz


Seminararbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Thematischer Rahmen und Vorgehensweise der Arbeit

II. Die antike Philosophie in den Schriften der frühen Patristik

III. Zur Struktur von Inst. III, 17

IV. Der Ursprung des Epikureismus nach Laktanz

V. Zur Auseinandersetzung mit der epikureischen Naturphilosophie

VI. Zu Auseinandersetzung mit der epikureischen Ethik

VII. Schlussbetrachtung

VIII. Bibliographie

I. Thematischer Rahmen und Vorgehensweise der Arbeit

Die Divinae Institutiones1 des Laktanz zählen zu den wichtigsten literarischen Zeugnissen aus der Spätantike, welche die Kollision von antik-paganer Daseinshaltung und christlicher Weltsicht im Römischen Reich dokumentieren. Sie geben einen beredten Aufschluss darüber, welches Selbstver- ständnis das frühe Christentum in dieser Umbruchszeit auszubilden bemüht war und wie es sich zu den konkurrierenden weltanschaulichen Modellen der Antike in ein Verhältnis setzte. Das titelgeben- de Zitat meiner Arbeit stammt aus einem Abschnitt des siebten und letzten Buch der Institutiones 2, in dem Laktanz fast sämtlichen großen Philosophen der Antike die Entdeckung von Teilwahrheiten, die sich später in der christlichen Lehre vereinigt wiederfänden, zugesteht - außer Epikur und seinen geistigen Vorläufern. In meinem Aufsatz will ich anhand einer Passage aus dem dritten Buch der In- stitutiones untersuchen, wie sich der Dialog von Christentum und Epikureismus bei Laktanz gestal- tet.

Die fragliche Textpassage, Inst. III, 17, wurde bereits in einer Studie von Jochen Althoff einge- hend behandelt3, doch will ich mich in meinen Ausführungen vor allem auf einen von Althoff wei- testgehend ausgeklammerten Gesichtspunkt konzentrieren, der meines Erachtens jedoch als zentral für ein Verständnis der Konfrontation von Laktanz mit dem Epikureismus anzusehen ist. Folgt man Althoff, dient der Epikureismus für Laktanz erstens als Kontrastfolie, in Abgrenzung zu der die christliche Lehre klarere Konturen erhält, zweitens erfolgt die Bezugnahme auf Epikur im Rahmen des Programms des dritten Buches der Institutiones, in dem Laktanz bemüht ist, die Selbstwider- sprüche der antiken Philosophie aufzuweisen, wofür die epikureische Lehre wiederholt als Parade- beispiel herangezogen wird.4 Laktanz, der selbst ein ausgebildeter Rhetor und jahrelanger Rhetorik- lehrer war, tritt als siegessicherer Sprecher der christlichen Seite auf, weshalb ich es für gewinnbrin- gend halte, seine - fraglos voreingenommene - Behandlung des Epikureismus auf die von ihm ange- wandten Überzeugungsstrategien hin zu analysieren, durch die er sein Publikum auf seine Seite zie- hen will. Eine Untersuchung der rhetorischen Kunstgriffe, die Laktanz in Inst. III, 17 anwendet, ver- spricht zudem, uns bei der Beurteilung der einzelnen Argumente nähere Aussagen über ihre Stich- haltigkeit treffen zu lassen.

Im Aufbau meiner Arbeit werde ich mich im Wesentlichen am Textverlauf von Inst. III, 17 orien- tieren. Der Analyse des Laktanz-Textes soll eine kurze historische Verortung der Institutiones voran- gestellt werden, in der ich auf die Formen der Aneignung paganer Literatur durch die Kirchenväter im Spannungsfeld von Inklusion und Exklusion eingehen will. Im Anschluss daran soll versucht werden, auffällige Strukturmuster, die den Text durchziehen, zu benennen und auf ihre Funktion für Laktanz hin zu befragen. Daraufhin werde ich die Erklärung, die Laktanz für die Entstehung des Epikureismus gibt, behandeln, um schließlich auf seine Auseinandersetzung mit den großen The- menkomplexen der epikureischen Philosophie einzugehen: der Atomtheorie und der Ethik Epikurs.

II. Die antike Philosophie in den Schriften der frühen Patristik

Bereits im zweiten nachchristlichen Jahrhundert verbreitete sich das Christentum über den jüdischen Kulturraum hinaus und begann, in allen Teilen und Bevölkerungsschichten des römischen Reiches Fuß zu fassen. Von staatlicher Seite wurden jedoch wiederholt Versuche unternommen, seiner Aus- dehnung durch reglementierende Gesetzgebungen einen Riegel vorzuschieben. Bereits unter Trajan handhabte man den christlichen Glauben als Strafbestand.5 Mit ihrer oppositionellen Haltung dem staatlichen Kaiserkult gegenüber provozierten die Christen zwischen sich und dem altrömischen Brauchtum ein stetiges Spannungsverhältnis, das sich wiederholt in religiösen Verfolgungen entlud. Diesen Pogromen waren einzelne Christen, aber auch ganze Gemeinden schutzlos ausgesetzt, zumal der Machtvorteil noch eindeutig aufseiten ihrer Verfolger lag.

Von der letzten staatlich legitimierten Christenverfolgung, die im Römischen Reich unter Diokle- tian zwischen 303 und 311 stattfand, war auch der aus Nordafrika stammende, erst als Erwachsener zum Christentum konvertierte Lucius Caelius Firmianus Lactantius betroffen. Laktanz, der zunächst als Rhetoriklehrer in Nikomedia, der Residenzstadt Diokletians, und dann als Erzieher am Hofe des späteren Konstantins des Großen in Trier tätig war, machte es sich zur Lebensaufgabe, die Ausbrei- tung Christentums voranzutreiben. Mit den anderen frühen Kirchenvätern teilt Laktanz das Ziel, sei- ner Religion zum Einzug in die römische Oberschicht zu verhelfen, um auf diese Weise einflussrei- che Protegés für das Christentum zu gewinnen, welche es von offizieller Seite gegen künftige Ver- folgungen abzuschirmen in der Lage wären.

Bei ihrer Unternehmung hatten Laktanz und die anderen Autoren der frühen Patristik mit dem Problem zu kämpfen, dass den literarisch gebildeten Römern die biblisch kodifizierte Lehre Jesu schon aufgrund ihrer Vermittlungsform unattraktiv erschien. Im antiken Gefälle der literarischen Stilhöhen ist das Neue Testament auf der untersten Stufe des stilus humilis anzusiedeln. Zudem sind die Evangelien im κοινὴ -Griechisch abgefasst, einer späten Ausprägung des Altgriechischen, die von antiken Philologen als Verfallserscheinung gewertet wurde, da in der κοινὴ die Komplexität des atti- schen Griechisch der klassischen Zeit bereits stark reduziert war. Das Bestreben früher Kirchenväter wie Tertullian, Clemens Alexandrinus oder Laktanz ging nun dahin, die christliche Lehre durch lite- rarisch anspruchsvolle Bearbeitungen der römischen Bildungsschicht zu erschließen.6 Bei diesem Unterfangen waren es die bekannten Größen der antiken Geistesgeschichte, an welche die Kirchenväter anzuknüpfen hatten, um zu ihrem Zielpublikum durchzudringen. Die Auseinandersetzung der Patristik mit der ästhetischen Autorität des antik-paganen Schrifttums der Griechen und Römer vollzog sich dabei als ein dialektischer Prozess. Das vorchristliche Gedankengut galt es zum Einen zu überwinden und durch die christliche Weltanschauung zu ersetzen, zum Anderen aber ver- lief die Kommunikation mit der antiken Literatur selektiv-inklusiv: Postulaten, die mit der christli- chen Lehre kompatibel waren, wurde der Status von Erkenntniswahrheiten zugesprochen, die frei- lich nur fragmentarischen Charakter besaßen, weil sie nach Ansicht der Kirchenväter in ein wider- sinniges Gesamtgebilde von Lehrmeinungen eingebunden waren und in ihrer geläuterten Reinform erst in der Bibel aufzufinden seien. Nichtsdestoweniger schrieben die Kirchenväter Gedanken aus paganen Texten, in denen sie bereits eine christliche Mentalität greifen zu können glaubten, als un- mittelbaren Selbstausdruck Gottes einen Eigenwert zu.7 Die Arbeit mit den schriftlichen Zeugnissen der Antike erfolgte also im Zuge einer ideologischen Okkupation der Quellen, wofür Christian Gnil- ka den Begriff der χρῆσις prägte.8 Dem χρῆσις-Konzept zufolge eigneten sich die Kirchenväter das nicht-christliche Schrifttum produktiv an, indem sie einzelne Zitate oder Textpassagen aus den Wer- ken antiker Autoren in einem Verfahren instrumentalisierten, bei dem die mit der christlichen Glau- bensauffassung konform laufenden Aussagen zur Untermauerung des eigenen Standpunkts verwen- det wurden, während man die Darlegungen, die mit der biblischen Lehre konfligierten, entweder überging oder, was jedoch seltener geschah, dieselben im Gegenteil bewusst einbrachte, um die christliche Lehre kontrastiv vorzustellen.

Im spätantiken Nebeneinander verschiedener philosophischer Strömungen ließen sich einige welt- anschauliche Theoriekomplexe besser ins christliche Lehrsystem integrieren als andere. Das Unter- fangen der Kirchenväter, an antike Systeme im Sinne einer χρῆσις anzuschließen, um sie dann durch das Christentum in einem Akt der Vereinnahmung gleichsam schlucken zu lassen, konnte nur gelin- gen, wenn ein Mindestmaß an Konsenspotential gegeben war. Während idealistische Systeme wie das von Platon durch eine Konzentration auf einzelne Aspekte nutzbar gemacht werden konnten9, bot der kompromisslose Materialismus Epikurs für die Kirchenväter keine Grundlage, auf der sie mit ihren Lehrmeinungen aufzubauen imstande waren. Der Epikureismus bildete ein dysfunktionales Element im umfassenden Plan der Kirchenväter, die pagane Mentalität über inhaltliche Kongruenzen sukzessive in eine christliche Weltsicht zu überführen. Der Kampf der frühen Patristik gegen die epi- kureische Schule zeugt von einem Ringen um methodische Ansätze, mit denen dieser Störfaktor aus- geschaltet werden konnte, der nach dem Urteil Wolfgang Schmids erst im späten vierten nachchristlichen Jahrhundert zum Klischee erstarrte und seine Wirkmächtigkeit verlor, um 300 n. Chr. jedoch noch eine ernsthafte Konkurrenz für die christliche Glaubenslehre darstellte.10 Am Beispiel von Inst. III, 17 soll nun auf die Anstrengungen eingegangen werden, die Laktanz auf sich nimmt, um den epikureischen Rivalen mundtot zu machen.

III. Zur Struktur von Inst. III, 17

Der Übersichtlichkeit halber halte ich es für angebracht, meinen Ausführungen einen Gliederungs- vorschlag vorauszuschicken, auf den ich mich bei meiner Analyse beziehen will.

1.Im ersten Sinnabschnitt (Inst. III, 17, 1-7) liefert Laktanz eine pauschale Verurteilung des Epikureismus, indem er seine Anhänger exemplarisch als mit Lastern behaftete Charaktere beschreibt.
2. Der zweite Abschnitt (8-16) markiert den eigentlichen Beginn der Auseinandersetzung mit der epikureischen Philosophie; Laktanz sieht in Epikurs Leugnung des Konzepts einer
göttlichen Providenz den tragenden Grundpfeiler seiner Philosophie, den er als Irrtum zu entlarven bemüht ist, um dem ganzen epikureischen Denksystem seine Basis zu entziehen
3. Der folgende Teil (17-22) erfüllt im Wesentlichen eine Brückenfunktion, da Laktanz hier zum Einen gegen die im zweiten Abschnitt formulierte Skepsis der Epikureer nachdrücklich die Idee einer göttlichen Weltordnung stellt, zum Anderen aber schon die epikureische Naturphilosophie zu Wort kommen lässt und damit den nachfolgenden Abschnitt vorbereitet.
4. In diesem vierten Schritt (23-29) unternimmt Laktanz dann eine Kritik der epikureischen Atomtheorie, die es für ihn als alternatives Prinzip der Welterklärung zu widerlegen gilt.
5. Im Anschluss daran (30-33) weist er Epikurs Versuch zurück, die Menschen durch seine Philosophie von der Todesfurcht zu befreien.
6. Die Polemik gegen die Auffassung einer sterblichen Seele (34-38) bildet den letzten Oberpunkt, in dem Laktanz ein Hauptthema des Epikureismus behandelt.
7.Seine Überlegungen beschließt er alsdann mit der Behauptung, der Epikureismus führe eine Gesellschaft, die nach seinen solipsistischen Ethikgrundsätzen verfährt, unweigerlich in die Auflösung (39-43).

Es ist zunächst festzustellen, dass Inst. III, 17 im Stil einer Kunstrede verfasst ist, bei der sich der Sprecher unmittelbar an ein imaginäres Publikum richtet, das er, etwa durch rhetorische Fragen und direkte Appelle, zum aktiven Mitvollzug seines Argumentationsgangs auffordert.11 Das aristotelische Postulat, eine gute Rede müsse zwischen den beiden Polen von metrisch überformter Versrede einer- seits und unrhythmischer Alltagssprache andererseits die Mitte halten12, setzt Laktanz in Inst. III, 17 um.

Dass es sich bei den Ausführungen von Laktanz um künstlerisch ausgefeilte Prosa handelt, tritt bei einem Blick auf den periodischen Duktus des ersten Gliederungsabschnitts deutlich zutage. Eine rhetorische Periode (περίοδος) stellt nach Aristoteles ein syntaktisches Gefüge dar, das mehrere gleich oder ähnlich aufgebaute Satzglieder (sogenannte κῶλα) aneinanderreiht, die für sich genom- men noch keine völlig selbstständigen Gedanken formulieren, sondern erst in ihrer Funktion als Teil des Gesamtentwurfs der Periode den intendierten Sinnzusammenhang erkennen lassen.13 So führt Laktanz zu Beginn aus:

„[1.] desidiosum uetat litteras discere, [2.] auarum populari largitione liberat, [3.] ignauum prohibet accedere ad rem publicam, [4.] pigrum exerceri, [5.] timidum militare. [Nummerierung der einzelnen Kola von mir]“14

In ihrer Zusammenschau belegen die einzelnen Fallbeispiele von epikureischen Parteigängern für Laktanz, dass sich die Popularität des Epikureismus aus seiner Anpassungsfähigkeit an verschiedenste menschliche Eigenarten erkläre.15 Das letzte Kolon hebt sich hier, wie es in einer Periode häufig der Fall ist, in seinem Aufbauschema von den vorangegangenen Kola ab und lässt den Satz als „ein kreisförmiges Gebilde“16 zur Ruhe kommen:

„inreligiosus audit deos nihil curare, inhumanus et suis commodis seruiens iubetur nihil cuiquam tribuere; omnia enim sua causa facere sapientem.“17

Die zyklische Bauart, welche die einleitenden Perioden konstituiert, korreliert mit der Kreisgeschlossenheit der Gesamtstruktur von Inst. III, 17.

Der Eingang und der Schluss des Textes sind auf der Inhaltsebene eng miteinander verkoppelt, da Laktanz, folgt man meinem Gliederungsvorschlag, im Unterschied zu den Sinnabschnitten zwei bis sechs, in denen er sich mit der epikureischen Lehre selbst befasst, im ersten und im siebten Abschnitt den Epikureismus, wie er sich im Schaffen seiner Anhänger manifestiert, verhandelt. Laktanz führt seine Rezipienten also von der Lebenspraxis der Epikureer hin zu den theoretischen Inhalten ihrer Schule, um schließlich erneut zur Praxis zurückzukehren, wobei er in diesem letzten Schritt seine einleitenden Gedanken sowohl wieder aufgreift, als auch weiterdenkt.

Inst. III, 17, 2-8 unterbreitet einen topischen Lasterkatalog, der dem Leser ein erstes Bild vom Epikureismus vermitteln soll. Die Erbsünde, die Laktanz bibelkonform zur conditio humana stili- siert18, hätte sich der Epikureismus gezielt zunutze gemacht, indem er den Menschen eine philoso- phische Rechtfertigung für ihr unmoralisches Handeln biete. In der schlagwortartig gereihten Auf- zählung menschlicher Charakterfehler benennt Laktanz zunächst nur Individuallaster wie die avari- tia oder die ignavia19 , um dann Formen des sozialen Fehlverhaltens, etwa übermäßige Sparsamkeit20 oder Menschenfeindlichkeit21, in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken.22 Erst im letzten Gliede- rungspunkt führt Laktanz die in der Einleitung noch unverbunden nebeneinanderstehenden individu- ellen und sozialen Laster zusammen, indem er die letzteren aus den erstgenannten explizit hervorge- hen lässt. So sieht Laktanz in der egozentrischen Lebenshaltung, die der Epikureismus propagiere, die Grundlage für gesetzeswidriges Handeln auf Kosten anderer Menschen geschaffen, wenn er über den Epikureer schreibt: „nec ab scelere abstinendum, quia maleficio praeda coniuncta est“23.

Über die solcherart hergestellte Synthese von individueller und sozialer Immoralität hinaus be- fragt Laktanz nun die epikureische Verhaltenslehre auf ihre Konsequenzen für das menschliche Zu- sammenleben und kommt zu dem Schluss, dass die ausschließlich selbstbezogenen Verhaltensgebote Epikurs keine Form von menschlicher Gemeinschaft vorsähen24 ; eine Aussage, die er wiederum in die Form einer Periode bringt, deren Schlussteil in einer ἀπόδoσις25 ausklingt, welche durch eine Verlängerung des letzten Kolons die zuvor durch die Häufung homogener Teilsätze aufgebaute Satz- spannung auflöst:

„uoluptatem esse maximum bonum; nullam esse humanam societatem; sibi quemque consulere; neminem esse qui alterum diligat nisi sua causa; mortem non esse metuendam forti uiro nec ullum dolorem, qui etiamsi torqueatur, si uratur, nihil curare se dicat.“ [Hervorhebung der Apodosis mir]26

Neben der Kreisform im Großen wie im Kleinen lässt Inst. III, 17 in der Ordnung der Argumente eine weitere Strukturkonstante erkennen. Laktanz setzt mit einer antecipatio des Ziels seiner eigenen Beweisführung, dem intellektuellen Sieg über den Epikureismus, ein und erklärt den Gegner so be- reits vor Beginn der Auseinandersetzung für überwunden. In dieser vorgeschalteten Bekräftigung des argumentativen Zielpunkts auf der Ebene der Makrostruktur spiegelt sich der Aufbau der einzelnen Unterpunkte des Textes wieder. Seinen Ausführungen zu den verschiedenen Themen aus dem Spektrum der epikureischen Philosophie schickt Laktanz stets einen Befund voraus, in dem er einen Trugschluss der gegnerischen Position konstatiert, aber erst im Folgenden die Begründung für diese Diagnose nachliefert.

[...]


1 Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich die Divinae Institutiones mit dem Sigel ´Inst.´ abkürzen.

2 genauer: Inst. VII, 7, 13.

3 Jochen Althoff: Zur Epikurrezeption bei Laktanz. In: Zur Rezeption der hellenistischen Philosophie in der Spätantike.

Akten der 1. Tagung der Karl-und-Gertrud-Abel-Stiftung vom 22.-25. September 1997 in Trier. Hrsg. v. Therese Fuhrer und Michael Erler in Zusammenarbeit mit Karin Schlapbach. Stuttgart 1999, S. 33-53.

4 vgl. das von Althoff gezogene Fazit seines Aufsatzes in: Althoff, Zur Epikurrezeption bei Laktanz, S. 51-53.

5 vgl. Jakob Speigl: Der römische Staat und die Christen. Staat und Kirche von Domitian bis Commodus. Amsterdam 1970, S. 66-69.

6 Als ideale Adressaten benennt Laktanz in Inst. V, 1, 15 die „sapientes et doctos et principes huius saeculi“.

7 vgl. Christian Gnilka: ΧΡΗΣΙΣ. Die Methode der Kirchenväter im Umgang mit der Antiken Kultur. Band 1: Der Begriff des rechten Gebrauchs. Zweite, erweiterte Auflage. Basel 2012, S. 67.

8 Zur Definition des χρῆσις-Begriffs vgl. insbesondere Gnilka, Der Begriff des rechten Gebrauchs, S. 67-69.

9 Als repräsentativ für derartige Inkorporationsbestrebungen kann der Versuch von Clemens Alexandrinus gelten, die Anhänger der platonischen Seelenleere für die christliche Seite zu gewinnen. In seinem Protreptikos (Protreptikos 121, 1-2.) nimmt Clemens das im Phaidros (Phaidros, 253c-e.) ausgebreitete Bild des Seelenwagens auf, modifiziert es aber dahingehend, dass er an die Stelle des bei Platon Wille und Trieb regulierenden λόγος Jesus als Wagenlenker installiert.

10 vgl. Wolfgang Schmid: Epikur. In: ders. Ausgewählte philologische Schriften. Hrsg. v. Hartmut Erbse und Jochen Küppers. Berlin/New York 1984, S. 151-266, S. 231.

11 vgl. hierzu besonders den dritten Sinnabschnitt, in dem die Entgegnungen von Laktanz auf die epikureischen Thesen durchgehend in der Form rhetorischer Fragen gehalten sind.

12 Aristoteles, Rhetorik, 1408b.

13 Aristoteles, Rhetorik,1409a-b.

14 Inst. III, 17, 3.

15 vgl. Inst. III, 17, 2.

16 Heinrich Lausberg: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 4. Auflage. Stuttgart 2008, S. 458.

17 Inst. III, 17, 4.

18 Inst. III, 17, 2: „nemo enim non in uitia pronus est“.

19 vgl. Inst. III, 17, 3.

20 vgl. Inst. III, 17, 5.

21 vgl. Inst. III, 17, 4.

22 Ich halte es für sinnvoll, die von Laktanz genannte avaritia (vgl. Inst. III, 17, 3.) als individuelle Charakterbeschaffenheit von den im Nachfolgenden thematisierten Auswirkungen, welche die Sparsamkeit eines Individuums auf seine Mitmenschen zeitigt („qui nimium parcus est“; Inst. III, 17, 5.), klar abzutrennen. Die Tatsache, dass Laktanz neben eindeutig negativ konnotierten Charaktereigenschaften auch die Stärke (fortitudo) in seine Aufzählung mit aufnimmt, stellt zugegebenermaßen ein Irritationsmoment dar, welches sich jedoch auflösen lässt, wenn man in diesem Punkt Warkotschs Übertragung in Deutsche, der fors mit ´tapfer´ übersetzt (Warkotsch, Antike Philosophie im Urteil der Kirchenväter, S. 317.), gegen die hier wohl adäquatere Übersetzung ´körperlich stark´ austauscht. fortitudo in der Bedeutung physischer Stärke erscheint dann als eine amoralische Eigenschaft, die keine Assoziationen zur bei Laktanz fraglos positiv besetzten Tapferkeit mehr herstellt, da schon der von Laktanz bewunderte Cicero im ersten Buch von De officis die fortitudo, verstanden als eine Tapferkeit des Gemüts, zu den vier Haupttugenden zählte (das christliche Mittelalter übernahm dann auch diese Kardinaltugenden in Anlehnung an ihre Auflistung bei Cicero). Im Rahmen eines epikureischen Sündenkatalogs wird die fortitudo in dieser Bedeutung meines Erachtens aber kaum aufgerufen, zumal Inst. III, 17, 42 demonstriert, dass auch ein Verbrecher für Laktanz mit der Eigenschaft der fortitudo versehen sein kann (vgl. Zitat zu Fußnote 25).

23 Inst. III, 17, 40.

24 vgl. Inst. III, 17, 42: „nullam esse humanam societatem“.

25 zur ἀπόδoσις vgl. Lausberg, Handbuch der literarischen Rhetorik, S. 459.

26 Inst. III, 17, 42.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
"... ergo Epicurus erravit". Der Kampf gegen den Epikureismus in den "Divinae Institutiones" des Laktanz
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Naturphilosophie und Theologie in der epikureischen Tradition
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V337230
ISBN (eBook)
9783656986669
ISBN (Buch)
9783656986676
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Epikur, Laktanz, Kirchenväter
Arbeit zitieren
Korbinian Lindel (Autor), 2016, "... ergo Epicurus erravit". Der Kampf gegen den Epikureismus in den "Divinae Institutiones" des Laktanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337230

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