Mittelalterlicher Medienwechsel? Weibliche Wissensvermittlung durch Handschrift und Buchdruck bei spanischen Dominikanerinnen


Bachelorarbeit, 2014

49 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handschrift und Buchdruck in Spanien
2.1 Produktion und Verbreitung von Handschriften im Mittelalter in Spanien
2.2 Entstehung des Buchdrucks und seine Verbreitung in Spanien

3. Weibliche Orden und (spät-)mittelalterliche Wissensvermittlung
3.1 Die Entstehung und Bedeutung von mediävalen Frauenorden
3.2 Das Aufkommen neuer Bildungssysteme im Mittelalter
3.3 Dominikanische Frauenkonvente in der spätmittelalterlichen Ordenslandschaft in Spanien
3.3.1 Leben hinter Klostermauern - Alltag im Frauenkonvent
3.3.2 Wissensvermittlung durch Dominikanerinnen anhand der Kloster San Esteban de Gormaz und Santo Domingo de Caleruega

4. Handschriften anstatt Buchdruck!? Warum fand der Buchdruck in den spanischen Klöstern zunächst keine Verwendung?

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland war ein revolutionäres Ereignis, welches unmittelbaren Einfluss auf das Privatleben der mittelalterlichen Gesellschaft hatte. Die zukünftige Bedeutung und weltweite Verbreitung der Erfindung konnten sich wohl die wenigsten Menschen in der damaligen Zeit vorstellen, auch wenn der Erfinder selbst, Johannes Gutenberg, die Verbreitung des Buchdrucks in Deutschland und den angrenzenden Ländern vorantrieb.1 So kamen zum Beispiel in Spanien die ersten Buchdruckmaschinen um das Jahr 1471, zirka 20 Jahre später, auf. Objektiv betrachtet besaß der Buchdruck gegenüber den Handschriften klare Vorteile, nämlich ein schnelleres, einheitlicheres und kostengünstigeres Vervielfältigen von Texten. Trotzdem hielten die mittelalterlichen Klöster in Spanien und Deutschland an der Handschriftenproduktion fest und strebten sich gegen die Etablierung von Druckermaschinen in den Klöstern. Deshalb koexistierten in beiden Ländern fortan neben den Druckerstätten Schreibstuben, die weiterhin die altbewährten Handschriften produzierten und Texte per Hand kopierten. In manchen Fällen kauften die Klöster Texte und Bücher aber auch von außen ein. Das Thema Wissensvermittlung nahm besonders bei dem Dominikanerorden einen wichtigen Stellenwert ein. Der Gründer des Ordens, Santo Domingo de Guzmán, setzte sich für eine angemessene (Aus-)Bildung im christlichen Kontext ein. Nicht nur der männliche Zweig sollte sich theologisches Wissen aneignen, sondern auch die dominikanischen Ordensschwestern sollten religiöse Inhalte vermittelt bekommen. Diese Inhalte wiederum konnten nur durch die zunächst zu erlernenden Fertigkeiten Lesen und Schreiben erschlossen werden. Zusätzlich bekamen die Nonnen Unterricht im Rechnen und Singen sowie weitere spezielle Fachkenntnisse, die für das Zusammenleben im Kloster wichtig waren. Auch wenn diese Frauen ein abgeschiedenes Leben hinter Klostermauern führten2, waren sie doch durch die erworbenen Fertigkeiten und einer gewissen Unabhängigkeit von familiären Einflüssen gegenüber dem restlichen Teil der weiblichen Bevölkerung privilegiert. Denn in den meisten Fällen war das mediävale Leben von Frauen aus der Mitte der Gesellschaft durch einen männlichen Verwandten geprägt. Nur in Ausnahmefällen, in denen keine männliche Aufsichtsperson anwesend war, und dann auch nur in höheren sozialen Schichten, konnte die Frau ihr Leben selbstbestimmter führen.3 Aus diesen Gründen wurden Frauenorden immer beliebter und erhielten großen Zulauf, auch wenn der Eintritt in ein Dominikanerinnenkloster für die Frauen die Abgabe ihres Eigentums bedeutete und einen großen finanziellen Aufwand darstellte. Für die zukünftigen Nonnen überwogen jedoch die Vorteile wie die Erlangung von Bildung und das Entfliehen aus einer ungewollten, meistens von den Eltern arrangierten, Ehe.

Der Bildungsanspruch, welcher bereits schon länger in den Dominikanerklöstern verfolgt wurde, setzte sich nun auch, angestoßen durch die Erfindung des Buchdrucks, in der mittelalterlichen Gesellschaft durch. Aus diesem veränderten Bildungsverständnis heraus etablierten sich das Universitätswesen sowie andere Bildungsinstitutionen, die einen erhöhten Bedarf an Büchern äußerten. Diese wurden hauptsächlich mit Hilfe des Buchdrucks in größeren Auflagen in den neu entstandenen Druckstuben hergestellt. Die Schreibstätten, die sich in vielen Fällen innerhalb der Klöster befanden, bekamen die Existenz der neuen Erfindung schlagartig mit einem Rückgang an Aufträgen zu spüren. Trotzdem hielten die Klöster an der Handschriftenproduktion fest, wie man an Fällen aus den Jahren 1571 und 1646 erkennen kann. Dabei war ausdrücklich die Rede von Handschriften und deren Vervielfältigung per Hand.4 Die Forschungsfrage, der diese Arbeit nachgeht, ist daher, wieso die Klöster weiterhin Handschriften zur Wissensvermittlung einsetzten und nicht auf die Erfindung des Buchdrucks eingingen. Lag es möglicherweise an dem abgeschiedenen Leben hinter Klostermauern? Wollten die Klöster an der Individualität und der Unverkennbarkeit der per Hand hergestellten Texte und Bücher festhalten und somit die Einzigartigkeit dieser handgefertigten Werke bewahren? Oder waren die Handschriften „el mejor refugio de la intimidad“5 und „un instrumento de la privacidad y del secreto“6, das es galt, als solches weiterhin zu nutzen? Diese Hypothesen gilt es in der vorliegenden Arbeit zu klären sowie weitere mögliche Gründe zu finden.

Quellen, die Informationen zum Thema der Arbeit beinhalten, sind bisher nicht umfassend erforscht worden. Im Hinblick auf die Ursprünge des Buchdrucks sind die einzigen Quellen, die Aufschlüsse über die Anfänge des Buchdrucks geben könnten, erhalten gebliebene Inkunabeln, die zwischen 1450 und 1500 in Deutschland entstanden sind.7 Nur durch eine aufmerksame und genaue Untersuchung dieser Quellen können neue Erkenntnisse zum Thema gewonnen werden.8 Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Anfänge des Buchdrucks bereits stark erforscht wurden, ist die Geschichte des Buches in Spanien und den damit verbundenen Nebendisziplinen erst in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Fokus der europäischen und nordamerikanischen Geschichtswissenschaft gerückt.9 Durch fehlende und noch nicht untersuchte Quellen sowie aufgrund der Komplexität des Themas ist die Entstehung des spanischen Buchdrucks nur sehr schwer nachzuvollziehen.10 Die vorliegende Arbeit versucht dennoch tiefere Einblicke in das Thema zu geben.

Hinsichtlich der Dominikanerinnenklöster ist die Situation eine ganz andere: Viele Archive der Klöster oder Diözesen verwahren bis heute die noch immer existierenden Quellen aus vergangenen Tagen, auch aus dem Mittelalter, in ihren Beständen.11 Allerdings sind je nach Kloster, Ort und Zeit mehr oder weniger viele Dokumente erhalten geblieben.12 Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Umstände wie Brände, Verkäufe, Schenkungen, Auktionen, Bibliotheksauflösungen sowie anderweitige Weiterverwendung der Bücher, einzelne Werke in alle Teile der Welt verstreut oder gar ganze Bestände ausgelöscht.13

Zu der Geschichte des Buchdrucks in Spanien und seiner Entwicklung sind die Werke von CARLOS ROMERO DE LECEA14 und die Arbeit von FERMÍN DE LOS REYES GÓMEZ15 sehr aufschlussreich. Außerdem kann LOTTE HELLINGA16 mit ihrem Werk wichtige und vertiefende Einblicke in das Thema geben. Im Hinblick auf das Thema der Verbreitung des Dominikanerinnenordens in Spanien sind besonders RITA RÍOS DE LA LLAVES‘17 Werk als auch das ARCHIVO DOMINICANO18, welches jährlich vom Instituto Histórico Dominicano de San Esteban herausgegeben wird, hilfreich. Das Leben hinter Klostermauern wird des Weiteren in den Werken von ÁNGELA ATIENZA LOPEZ19 sowie von CONCHA TORRES SÁNCHEZ20 behandelt. Obwohl diese Werke nicht den genauen Zeitraum des Spätmittelalters behandeln, welcher im Fokus der vorliegenden Arbeit steht, geben die Bücher dennoch wichtige Aufschlüsse über die Stellung der Frau im frühneuzeitlichen Spanien, das sich der männerdominierenden Welt des Mittelalters anschließt und das Bild der „totalen Unterlegenheit und Unterwerfung“21 weiterführt.22 Bei dem Thema Universitäten bedurfte es nur der Herausgeberschrift von WALTER RÜEGG23, um aufschlussreiche Erkenntnisse zum Thema zu erlangen.

In der vorliegenden Arbeit werden im ersten Kapitel die Geschichte der Handschriften sowie des Buchdrucks in Spanien näher beleuchtet. Es wird Aufschluss darüber gegeben, wie und wann der Buchdruck von Deutschland aus sich Richtung Süden und auf der iberischen Halbinsel verbreitete und sich dort allmählich etablierte. Im zweiten Kapitel wird auf weibliche Orden und (spät-) mittelalterliche Wissensvermittlung eingegangen. Dabei stehen zunächst die Entstehung und Bedeutung mediävaler Frauenorden und die neu entstandenen Bildungssysteme, insbesondere die Universitäten und ihre Verbindungen zu den Klöstern, im Mittelpunkt. Im Anschluss daran wird ein näherer Blick auf den Dominikanerinnenorden und seine Verbreitung während des Mittelalters in Spanien geworfen. Die Unterpunkte, die sich ergänzend an diese Thematik angliedern, behandeln das alltägliche Leben der Klosterfrauen in Abgeschiedenheit von der Außenwelt, welches mit Hilfe eines Briefes Santo Domingos analysiert wird sowie die konkrete Wissensvermittlung innerhalb zweier exemplarischer, mittelalterlicher Dominikanerinnenklöster in Spanien. Das vierte Kapitel verbindet die beiden vorangegangenen Kapitel und beschäftigt sich mit der Frage, weshalb der Buchdruck nicht sofort in den Klöstern zur Wissensvermittlung verwendet und vielmehr an den Handschriften festgehalten wurde. Abschließend gibt das fünfte Kapitel ein Fazit und einen Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen und -möglichkeiten.

2. Handschrift und Buchdruck in Spanien

2.1 Produktion und Verbreitung von Handschriften im Mittelalter in Spanien

Die ersten Verwendungen von Handschriften in Spanien sind unausweichlich mit dem Christentum und dem religiösen Brauchtum verbunden. Es war die katholische Kirche, die anstelle der bisher gebräuchlichen Rollen die weniger teuren und praktischeren Handschriften verwendete.24 Insbesondere dadurch, dass Klöster und Kirchen das Monopol der Vervielfältigung von Schriften besaßen und somit großen Einfluss auf die Verbreitung von Schriften und Büchern hatten, wurde durch sie die Schriftkultur maßgeblich verändert.25 Handschriften waren somit ein wichtiges Instrument, um die göttliche Botschaft zu verkünden und die christlichen Regeln zu etablieren. Außerdem waren sie gleichzeitig immer eine Demonstration von Luxus und Wohlstand, da das Pergament, welches bis Mitte des 13. Jahrhunderts das ungeeignete Papyrus vollkommen abgelöst hatte und aus welchem die handschriftlichen Bücher hergestellt wurden, sehr wertvoll war. Hinzu kam, dass die Verzierungen der Handschriften mit Edelsteinen eine sehr kostspielige Angelegenheit darstellte.26 Für viele war deshalb das Produktionsverfahren und der Kauf von Handschriften unerschwinglich.27

Für die Herstellung von Büchern waren nicht nur Schreiber notwendig, sondern auch diejenigen, die die Bücher banden, illuminierten und verzierten. Dies waren weitere wichtige Bestandteile, die ebenfalls per Hand ausgeübt wurden.28 Jedes handgefertigte Buch, selbst per Buchdruck, war somit ein Unikat.29 Das Pergament wurde mit Hilfe eines Calamusgriffels oder einer Feder beschrieben:

Die Schreibgeräte sind der Calamus und die Feder. […] Der Calamus ist vom Baum genommen, die Feder aber vom Vogel; ihre Spitze ist zweigeteilt, in ihrem ganzen Körper aber die Einheit gewahrt, ich glaube wegen des Geheimnisses, daß in den beiden Spitzen das Alte und das Neue Testamente angedeutet wird, in welchen das Sakrament des Wortes ausgedrückt wird, welches durch das Blut der Passion vergossen wird.30

Für den Text selbst als auch für die Rubriken brauchten die meist aus dem Klerus stammenden Schreiber schwarze und rote Tinte, die sie selbst aus Naturmaterialien herstellten.31 Bevor die Schreiber schließlich mit ihrer Arbeit beginnen konnten, wurden mit Hilfe eines Zirkels der Zeilenabstand markiert und mit einem Bleistift Linien gezogen. In der Anfangszeit der Schreibkunst wurde zunächst auf den Knien geschrieben. Doch dies wandelte sich im Laufe der Zeit und schnell etablierten sich Schreibpulte.32 Beim Abschreiben orientierten sich die Schreiber an einer möglichst einheitlichen Schrift, sodass fast keine Unterschiede zu den Abschriften anderer Schreiber zu erkennen waren.33 Nur die wenigsten Schreiber notierten ihre eigenen Texte und Gedanken auf Pergament. Vielmehr schrieben sie die ihnen zugewiesenen Texte ab und bekamen dazu die nötigen Materialien vom Kloster gestellt.34 Damit sie sich vollkommen auf ihre Tätigkeit konzentrieren konnten, wurde ihnen ein speziell für sie vorgesehener Ort zugewiesen, der sich innerhalb der Klostermauern, aber nicht im Kloster selbst, befand. In einigen Fällen waren die Schreibstätten direkt neben der Klosterkirche vorzufinden. In diesen gab es eine feste Anzahl an Pulten, die vor Fenstern positioniert waren, um eine gute Beleuchtung zu gewährleisten. Außerdem gab es in der Mitte des Raumes einen weiteren größeren Tisch zur Ablage von Büchern und Utensilien.35 Eine Ablenkung durch Geräusche und sonstige Störungen konnte durch die Abgeschiedenheit in dem nicht allen Mitgliedern des Klosters zugänglichen Raum unterbunden werden. Zusätzlich wurden die Mönche und Nonnen angehalten, in Stille und sitzend die Bücher abzuschreiben.36 Die Aufträge für die Schreibstuben nahmen mit der Gründung von Universitäten in Städten wie Paris, Bologna, Oxford und Montpellier im 13. Jahrhundert rapide zu.37 Diese steigende Nachfrage nach Texten und Büchern musste erst einmal von den Schreibstuben bewältigt werden. Die Herausforderung, mehr Schriften als vorher zu produzieren, meisterte man mit einer neu entwickelten Methode, dem Pecia-System, zur gleichzeitigen Vervielfältigung von Texten.38 Dazu gab es ein Exemplar, welches als Vorlage genutzt und bereits von der Universität korrigiert wurde. Dieses war dann den Schreibern in den Zentren zugänglich. Das Besondere war dabei, dass die Blätter nicht zu einem Codex gebunden waren, sondern als lose Seiten aufbewahrt wurden. Diese konnten einzeln ausgeliehen und von Berufsschreibern abgeschrieben werden. Dank dieser Methode konnten Bücher einheitlicher und schneller hergestellt werden.39

Wie viele Handschriften bis heute überdauert haben, ist ungewiss. Fest steht hingegen, dass Handschriften aus früheren Zeiten eher weniger in den erhaltenen Beständen zu finden sind als die aus späteren Zeiten. Außerdem kann man festhalten, dass, trotz des Pecia-Systems, aufgrund der unterschiedlichen Handschriften kein Exemplar dem anderen gleichte. Aus diesem Grund fällt es den heutigen Wissenschaftlern leichter, einen Zusammenhang zwischen diesen Codices nachzuverfolgen.40

2.2 Entstehung des Buchdrucks und seine Verbreitung in Spanien

Die Ursprünge des Buchdrucks und seine Verbreitung in Spanien sind nicht so gut dokumentiert und kommentiert wie in Deutschland. Vielmehr ist dies in der Geschichte der iberischen Halbinsel ein sehr komplexes Thema, welches im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Italien, Frankreich oder Großbritannien nur sehr wenig bekannt und damit noch nicht vollständig erfasst ist.41 Aus diesem Grund ergeben sich einige Schwierigkeiten, wenn man die Anfänge des Buchdrucks in Spanien erforschen möchte.42 Bekannt ist, dass die ersten Drucker in Spanien deutscher Herkunft waren.43 Das ist naheliegend, da der Erfinder der Buchdruckkunst, Johannes Gutenberg, ebenfalls Deutscher war. Er revolutionierte Mitte des 15. Jahrhunderts mit der Erfindung des Buchdrucks die damalige Zeit, ohne die man sich ein modernes Leben mit Büchern nicht vorstellen kann.44 Der Mainzer Erfinder verzeichnete allerdings erst nach vielen Jahren erste Erfolge, obwohl er sein ganzes Vermögen, seine Energie und Zeit in seine Idee der beweglichen Metalllettern investierte.45 Nach einigen Jahren des Ausprobierens und Verfeinerns der Vorgehensweise zahlten sich schließlich der Einfallsreichtum und der Fleiß Gutenbergs aus, und eine rasante Verbreitung seiner Entwicklung in Westeuropa folgte. Von Mainz breitete sich die bahnbrechende Erfindung der schnellen Vervielfältigung von Schriften und Büchern in einheitlichen Formen in andere deutschen Städte wie Bamberg und später Köln aus. Außerdem erreichte die Erfindung innerhalb kurzer Zeit ebenfalls die Nachbarländer Frankreich und Österreich.46 Die „Expansion der Schriftlichkeit“47 wurde maßgeblich von Gutenberg vorangetrieben.48 Dabei wurde er auch von seinen Angestellten und

Lehrlingen unterstützt, die sich ebenfalls für eine länderüberschreitende Verbreitung des Buchdrucks einsetzten. Besonders die französische Grenzstadt Straßburg wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem weiteren wichtigen Zentrum für Drucker.49 Nur knapp zehn Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Bibel 1456 durch Gutenberg50 etablierte sich der Buchdruck schließlich in Italien, insbesondere im religiösen Machtzentrum Rom. Dies brachte der Verbreitung der Erfindung einen zweiten Schub.51 Zur gleichen Zeit erhielt der Buchdruck auch Einzug in andere wichtigen Metropolen wie Venedig, Paris und London.52 Nachdem sich die Erfindung bereits in zahlreichen Städten etabliert hatte, kamen um die Jahre 1471 und 1472 schließlich die ersten Buchdruckmaschinen in Spanien auf.53 Auch hier verbreitete sich das neue Handwerk, wie bereits in den anderen europäischen Ländern, innerhalb kurzer Zeit. Dies war hauptsächlich auch denjenigen deutschen Druckern zu verdanken, die von Italien auf die iberische Halbinsel weiterzogen, sich dort niederließen und sich dem florierenden Geschäft des Druckens widmeten. Dadurch wurde die Buchdruckkunst in Spanien als fester Bestandteil des alltäglichen Lebens in die Gesellschaft integriert.

Es war der deutsche Druckermeister Johannes Parix aus Heidelberg54, der in Segovia Mitte des Jahres 1472 das erste55 spanische Buch Sinodal de Aguilafuente druckte.56 Dies konnte nur durch das Engagement des segovianischen Bischofs Juan Arias Dávila geschehen, der die gedruckten Texte

[...]


1 Geldner, Ferdinand: Inkunabelkunde. Eine Einführung in die Welt des frühesten Buchdrucks, Wiesbaden 1978, S. 33f. (= Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 5).

2 Mit den Beschlüssen des Konzils von Trient (1545-1563) wurde eine streng einzuhaltende Klausur in den Frauenklöstern durch die katholische Kirche vorgeschrieben. Dadurch waren die Frauen fast vollständig vom gesellschaftlichen Leben außerhalb der Klostermauern ausgeschlossen. Siehe dazu: Po-Chia Hsia, Ronnie: El mundo de la renovación católica, 1540- 1770, Madrid 2010, S. 42. Siehe auch die Kapitel 3.3 und 3.3.1 der vorliegenden Arbeit.

3 Segura, Cristina: Las mujeres en el medievo hispano, Madrid 1984, S. 9f.. (= Cuadernos de investigación medieval. Guía crítica de temas históricos 2).

4 Bouza Álvarez, Fernando: Del Escribano a la biblioteca. La civilización escrita europea en la alta edad moderna (siglos XV-XVII), Madrid 1997, S. 39.

5 Ebd., S. 43.

6 Ebd., S. 45.

7 Hellinga, Lotte: Impresores, editores, correctores y cajitas. Siglo XV, Salamanca 2006, S. 24f.. Gutenbergs 42-zeilige gedruckte Bibel ist wohl das berühmteste Werk. Siehe dazu: Gutenberg.de: Die Gutenberg-Bibel, URL: http://www.gutenberg.de/bibel.htm (eingesehen am 28.07.2014).

8 Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz: Das Gutenberg-Jahrbuch, URL: http://www.gutenberg-gesellschaft.de/gutenberg_jahrbuch.html (eingesehen am 28.07.2014).

9 Vgl., Hellinga: Impresores, S. 13.

10 Romero de Lecea, Carlos: Raices romanas de la imprenta hispana, in: Historia de la imprenta hispana, hrsg. von Editora Nacional - Patronato del V Centenario de la Imprenta, Madrid 1982, S. 9-65, hier S. 9.

11 In der vorliegenden Arbeit wird besonders auf folgende Archive Bezug genommen: Archivo del convento de las Madres Dominicas: Santa María de las Dueñas, de Salamanca, Archivo del Real Monasterio de Santo Domingo de Caleruega und Archivo Catedral Pamplona.

12 Ríos de la Llave, Rita: Mujeres de clausura en la Castilla Medieval: El Monasterio de Santo Domingo de Caleruega, Alcalá de Henares 2007, S. 81, 120.

13 Röckelein, Hedwig: Schreibende Klosterfrauen - allgemeine Praxis oder Sonderfall?, in: Die gelehrten Bräute Christi. Geistesleben und Bücher der Nonnen im Hochmittelalter, Wiesbaden 2008, S. 15-38, hier S. 35f. (= Wolfenbütteler Hefte 22); Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 44f..

14 Romero de Lecea, Carlos: Raices romanas de la imprenta hispana, in: Historia de la imprenta hispana, hrsg. von Editora Nacional - Patronato del V Centenario de la Imprenta, Madrid 1982, S. 9-65.

15 De los Reyes Gómez, Fermín: Segovia y los orígenes de la imprenta española, in: Revista general de información y documentación, Bd. 15, Nr. 1, hrsg. von Universidad Complutense de Madrid, Madrid 2005, S. 123-148, URL: http://revistas.ucm.es/index.php/RGID/article/view/RGID0505120123A/9773 (eingesehen am 06.07.2014).

16 Hellinga, Lotte: Impresores, editores, correctores y cajitas. Siglo XV, Salamanca 2006.

17 Ríos de la Llave, Rita: Mujeres de clausura en la Castilla Medieval: El Monasterio de Santo Domingo de Caleruega, Alcalá de Henares 2007.

18 Instituto Histórico Dominicano de San Esteban (Hrsg.): Archivo Dominicano, Salamanca 1980-2014.

19 Atienza Lopez, Ángela: Tiempos de conventos. Una historia social de las fundaciones de la España moderna, Madrid 2008.

20 Torres Sánchez, Concha: La clausura femenina en la Salamanca del siglo XVII. Dominicas y carmelitas descalzas, Salamanca 1991.

21 Vgl., Segura: Las mujeres, S. 10.

22 Vgl., Torres Sánchez: La clausura femenina, S. 49.

23 Rüegg, Walter (Hrsg.): Die Geschichte der Universität in Europa, Bd. 1: Mittelalter, München 1993.

24 Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 36f., 45f.; Cortés, Amado Manuel: Del manuscrito a la imprenta, el nacimiento de la librería moderna en la Nueva España. La biblioteca palafociana, Puebla - México 2012, S. 24. Zu Vor- und Nachteilen der Papyrus- und Pergamentrollen und Handschriften siehe auch S. 27-30.

25 Vgl., Cortés: Del manuscrito a la imprenta, S. 26.

26 Echániz Sans, María: Las mujeres de la orden militar de Santiago en la edad media, Salamanca 1992, S. 249f.; Vgl., Cortés: Del manuscrito a la imprenta, S. 31; Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 45f..

27 Erst Anfang des 14. Jahrhunderts gelangte das Papier von China über das arabische Spanien in den christlichen Teil im Norden und von dort weiter nach ganz Europa. Siehe dazu: Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 45f., Stammberger, Ralf M. W.: Scriptor und Scriptorium. Das Buch im Spiegel mittelalterlicher Handschriften, Graz 2003, S. 11.

28 Stammberger: Scriptor und Scriptorium, S. 11.

29 Vgl., Hellinga: Impresores, S. 27f..

30 Hispalensis Episcopi, Isidorus: Etymologiarum sive orifinum libri VI, hrsg. von W. M. Lindsay, Nr. 2, Oxford 2011, S. 14, zitiert nach: Stammberger: Scriptor und Scriptorium, S. 12.

31 Für die Illuminationen wurden extra ausgebildete Künstler beauftragt, die meist aus der Mitte der Gesellschaft kamen. Vgl., Stammberger: Scriptor und Scriptorium, S. 12, 14. Siehe darin auch weitere Informationen zum Herstellungsprozess der Tinte.

32 Ebd., S. 13.

33 Unter den verschiedenen Schreibschulen erkannte man jedoch die individuellen Schreibstile und konnte somit Rückschlüsse über die Herkunft der Texte und den (Ab-) Schreiber ziehen. Siehe dazu: Ebd., S. 13, 14.

34 Während der Blütezeit der Handschriften konnte man zwischen vier verschiedenen Typen von Schreibern ausmachen: Der scriptor, auf den in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich Bezug genommen wird, ist die bekannteste Form des Schreibers und kommt, vergleichend mit heute, einem Sekretär gleich. Außerdem gab es die compilatores, die Texte mit unterschiedlicher Herkunft, aber mit gleichen Themen zusammenfassten. Die commentatores fügten, wie der Name schon sagt, ihre eigene Meinung zu den Texten hinzu. Der auctor entspricht heutzutage als einzige Form dem Bild des Autors. Er nahm eine Quelle und nutzte diese zur Erweiterung und Vertiefung seiner eigenen Texte. Siehe dazu: Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 60.

35 Vgl., Stammberger: Scriptor und Scriptorium, S. 18.

36 Ebd., S. 17, 18.

37 Verger, Jacques: Grundlagen. Die bunte Universitätslandschaft, in: Geschichte der Universität in Europa, hrsg. von Walter Rüegg, München 1993, Bd. 1: Mittelalter, S. 49-80, hier S. 57-62. Die Entstehung des Universitätswesens wird ausführlich in Kapitel 3.2 der vorliegenden Arbeit behandelt.

38 Vgl., Hellinga: Impresores, S. 31; Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 38.

39 Vgl., Stammberger: Scriptor und Scriptorium, S. 18, 19.

40 Ebd., S. 28.

41 De los Reyes Gómez: Segovia y los orígenes, S. 123f.; Vgl., Romero de Lecea: Raices romanas, S. 9.

42 Vgl., Romero de Lecea: Raices romanas, S. 10.

43 Ebd., S. 15.

44 Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 45; Gutenberg.de: Gutenberg und seine Zeit, URL: http://www.gutenberg.de/zeitgutb.htm (eingesehen am 04.08.2014).

45 Füssel, Stephan: Gutenberg und seine Wirkung, Darmstadt 1999, S. 9.

46 Vgl., Bouza Álvarez: Del Escribano a la biblioteca, S. 40f.; Gutenberg.de: Die Erfindung Gutenbergs. Von Mainz in die Welt, URL: http://www.gutenberg.de/erfindu4.htm (eingesehen am 16.09.2014).

47 Keller, Hagen: Vorwort des Herausgebers der Reihe, in: Laienlektüre und Buchmarkt im späten Mittelalter, hrsg. von Thomas Kock und Rita Schlusemann, Frankfurt am Main (u.a.) 1997, S. 7-8, hier S. 7 (= Gesellschaft, Kultur und Schrift. Mediävistische Beiträge 5).

48 Ebd., S. 7.

49 Vgl., Geldner, Inkunabelkunde, S. 33f..

50 Vgl., Füssel: Gutenberg, S. 14.

51 Ebd., S. 39ff..

52 Ebd., S. 43, 46f..

53 Berger, Philippe: Del manuscrito a la imprenta: inercia y sinergia, in: Bulletin Hispanique. Bd. 106, Nr. 1, hrsg. von Université Michel de Montaigne Bordeaux, Bordeaux 2004, S. 143-159, hier S. 153, URL: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/hispa_0007- 4640_2004_num_106_1_5185 (eingesehen am 11.05.2014).

54 Über die Person Parix’ ist nur wenig bekannt. Sicher ist, dass er zunächst nach Rom ging und nach seiner Zeit in Spanien weiter nach Toulouse reiste. Siehe dazu: De los Reyes Gómez: Segovia y los orígenes, S. 130-134.

55 Die Meinung von Fermín de los Reyes Gómez und Carlos Romero de Lecea gehen dabei auseinander. Letzt genannter Autor ist der Meinung, dass es noch frühere spanische Drucke von anderen Druckern gibt. Dabei bezieht er sich auf die Werke Expositiones nominum legalium, welches 1471 enstanden sein soll und das Buch Commentaria in Symbolum Athanasii «Quicumque vult» von Pedro de Osma. Siehe dazu: De los Reyes Gómez: Segovia y los orígenes, S. 132-134.

56 Vgl., Romero de Lecea: Raices romanas, S. 15; Vgl., De los Reyes Gómez: Segovia y los orígenes, S. 131f.; Arellano, Ignacio und Mata Induráin, Carlos: La Historia de la Imprenta Nacional, de Francisco Navarro Villoslada (primera parte). Estudio y edición, Navarra 2012, S. 33.

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Details

Titel
Mittelalterlicher Medienwechsel? Weibliche Wissensvermittlung durch Handschrift und Buchdruck bei spanischen Dominikanerinnen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Philosophische Fakultät)
Note
1,8
Autor
Jahr
2014
Seiten
49
Katalognummer
V337540
ISBN (eBook)
9783668268159
ISBN (Buch)
9783668268166
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buchdruck, Handschrift, Frauen, Wissensvermittlung, Frauenklöster, Frauenorden, Spanien, Mittelalter, Dominikanerinnen
Arbeit zitieren
Svenja Dehler (Autor), 2014, Mittelalterlicher Medienwechsel? Weibliche Wissensvermittlung durch Handschrift und Buchdruck bei spanischen Dominikanerinnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337540

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