Lawrence von Arabien und der Beginn des Aufstandes. Quellenanalyse des Werkes "Die sieben Säulen der Weisheit"


Bachelorarbeit, 2014

50 Seiten

Martha Bach (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Ende des Osmanischen Reiches
2.2 Der Erste Weltkrieg
2.3 Die Arabische Revolte

3. Quellenanalyse I: Die Sieben Säulen der Weisheit
3.1 Autor: Lawrence von Arabien - Biographie
3.1.1 Die jungen Jahre
3.1.2 Kriegszeit
3.1.3 Nachkriegszeit
3.2 Die Stellung des Werkes im Gesamtwerk

4. Quellenanalyse II: Die sieben Säulen der Weisheit
4.1 Äußere Quellenkritik
4.1.1 Entstehung des Werkes
4.1.2 Inhalt des Werkes
4.2 Innere Quellenkritik
4.2.1 Formale Analyse
4.2.2 Sprachliche Analyse

5. Lawrence: Der Mythos
5.1 Heroisierung „Lawrence von Arabien“
5.2 Lawrence aus arabischer Sicht

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung

Die folgende Arbeit setzt sich mit dem bekannten Werk Die sieben Säulen der Weisheit von E. T. Lawrence auseinander. Mir hat sich die Frage gestellt, was an diesem Werk so fasziniert. Wie schaffte Lawrence es, einen Kriegsbericht über die Arabische Revolte während des Ersten Weltkrieges so zu gestalten, dass er zu einem literarischen Klassiker wurde, der in viele Sprachen übersetzt wurde und heute noch gelesen wird. Das stets aktuelle Werk wird immer noch Analysen unterzogen. Auch der auf das Werk basierende Film Lawrence of Arabia von David Lean aus dem Jahr 1962 ist zu einem Klassiker geworden, der immer wieder Publikum findet.

Da es den Rahmen sprengen würde, das ganze Werk, welches über achthundert Seiten umfasst, in voller Länge zu analysieren, habe ich mich in der Arbeit auf einen Teil, nämlich die Einleitung, den „Beginn des Aufstandes“ konzentriert.

Im ersten Teil der Arbeit gehe ich auf den geschichtlichen Hintergrund ein, in der das Werk einzuordnen ist. Die Arabische Revolte umfasst zwar nur die Zeit von 1916-1918, es ist jedoch notwendig, einen Blick in die Zeit des Osmanischen Reiches, seinen Untergang und den darauf folgenden Ersten Weltkrieg zu werfen, um zu verstehen, wie es zu dem Aufstand kam, den Lawrence in seinem Werk Die sieben Säulen der Weisheit schildert.

Für die Analyse ist es ferner wichtig, etwas über die Persönlichkeit des Autoren zu erfahren. Der zweite Teil befasst sich deshalb mit der Biographie von Lawrence. Dabei habe ich mich hauptsächlich auf das Werk Lawrence von Arabien. Ein Mann und seine Zeit von Peter THORAU (2010) konzentriert. Lawrence’ Kindheitserfahrungen haben sein Leben geprägt und dazu geführt, dass er einen auffallend starken Drang nach Aufmerksamkeit hatte, die er durch sein Werk Die sieben Säulen der Weisheit erlangt hat. Da dieses nicht sein einziges ist, wird außerdem ein Überblick über seine anderen Werke gegeben.

Der nächste Punkt ist der Hauptteil der Arbeit, nämlich die Quellenanalyse der Einleitung des Werkes Die sieben Säulen der Weisheit. Die Analyse ist unterteilt in die äußere Quellenkritik, bei der die Entstehung und der Inhalt des gesamten Werkes dargestellt werden, um sich dann in der inneren Quellenkritik einer formalen und sprachlichen Analyse des zu untersuchenden Teils, nämlich der Einleitung zu widmen. Wie hat der Autor, den wir in dem biographischen Teil näher kennen lernen, in der Zeit, in der das Geschehen stattfindet schon durch seine Einleitung seines Werkes ein derartiges Interesse beim Leser geweckt und ihn in seinen Bann gezogen? Ist es seine Funktion während der Revolte oder ist es der Schreibstil, die Lawrence zum Mythos gemacht haben? Ist es der Krieger oder der Schreiber in ihm? Wie ist Lawrence zum Mythos geworden? Hat er das Werk zu einem Mythos gemacht oder das Werk ihn? Diesen Fragen wird in der Arbeit nachgegangen. Vor allem aber soll sich der Frage genähert werden, was das Faszinierende an dem Werk ist.

Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit der Rezeption des Autoren aus westlicher und schließlich aus arabischer Sicht. Im Westen wird Lawrence von Arabien als Held gesehen. Wie er im Orient gesehen wird, schildert Suleiman MOUSA, einer der wenigen Araber, die sich mit ihm befasst haben in T. E. Lawrence - An Arab View.

Für ein tieferes Verständnis des Textes bedarf es der vielen Zitate, die in der Arbeit zu finden und unumgänglich sind, um den Stil und bestimmte Feinheiten wiederzugeben.

Die Umschrift arabischer Namen und Wörter wurde nach den Regeln der DeutschMorgenländischen Gesellschaft (DMG) vorgenommen.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Der geschichtliche Hintergrund dieser Arbeit konzentriert sich auf die Region des Nahen Ostens, um die es in dem Werk Die sieben Säulen der Weisheit geht. Zeitlich ist das Geschehen am Ende des Osmanischen Reiches sowie der Zeit des Ersten Weltkrieges einzuordnen.

Es wird ein grober geschichtlicher Ablauf zum Ende des Osmanischen Reiches dargestellt, gefolgt vom Ersten Weltkrieg und der währenddessen stattgefundenen Arabischen Revolte. Einzelheiten und Lawrence’ Rolle während des Ersten Weltkrieges wie auch der Arabischen Revolte werden unter Punkt 3 genauer erläutert.

2.1 Ende des Osmanischen Reiches

Das Osmanische Reich hatte Mitte des 16. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung erreicht, von Nordafrika über den Nahen Osten bis hin zum Balkan. Mit der Niederlage vor Wien im Jahr 1683 begann allerdings der langsame Zerfall.

Es traten erste Anzeichen auf, die zum Niedergang des Osmanischen Reiches führen sollten. Schwache Herrscherpersönlichkeiten führten das Reich in eine ökonomische Krise. Neben dem dekadenten Lebensstil der Sultane waren es auch schlechte Finanz- und Steuerregelungen, wie die Änderung des timar -Systems, die zu Unzufriedenheit im Volk und schließlich zu Aufständen führten. Inflation infolge von Warenknappheit und damit steigende Preise zogen zunehmende Korruption nach sich. Dadurch, dass Ämter nicht mehr nach Leistung vergeben, sondern gekauft wurden, kam es vor allem beim Militär zu vermehrten Problemen, was wiederum dazu führte, dass das Reich keine weiteren Expansionen verzeichnen konnte und somit auch die Beuteeinnahmen wegfielen.

Nach Süleyman folgten unfähige Regenten, wodurch der Einfluss des Harems stieg und es zu einer Weiberherrschaft kam. Die kurze Amtsdauer der Herrscher erlaubte keine Kontinuität der Regierung, so dass die Militärmacht geschwächt war und zudem die Konflikte zwischen den Safaviden und Habsburgern drastisch zunahmen (MATUZ 1985: 132-133, 138).

Trotz langer Zeit unter ungeeigneten Herrschern und großer finanzieller Probleme versuchten die Osmanen nochmals, ihr Reich zu erweitern und erlitten 1683 vor Wien eine verheerende Niederlage, die ihnen zum Verhängnis wurde. Fortan waren sie keine unbesiegbare Macht mehr und die Europäer fürchteten sich nicht mehr, sie aus ihren Gebieten zurückzudrängen (MATUZ 1985: 185).

Im 18. Jahrhundert folgten weitere Kriege, Friedensverträge und Bündnisse einzelner Länder gegen das Osmanische Reich. Am verheerendsten waren die Russisch-Türkischen Kriege von 1786-1774 infolge derer das Osmanische Reich seine Großmachtstellung verlor (MATUZ 1985: 199-203).

1798 fiel Napoleon in Ägypten ein, woraufhin die Osmanen ein Verteidigungsbündnis mit England schlossen und britische Truppen nach Ägypten verlegt wurden. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Einmischung der Europäer in orientalische Angelegenheiten.

Bedingt durch ständige militärische Niederlagen wurden Reformen notwendig, die in mehreren Phasen durchgeführt wurden. Unter Muৢ৬afƗ Reúid Paúa wurden die Tanzimatreformen nach europäischem Muster eingeführt, die das Reich wieder stärken und vor einem Untergang bewahren sollten (MATUZ 1985: 224-225).

1838 führte die Kapitulation zwischen England und dem Osmanischen Reich dazu, dass die osmanische Wirtschaft weiter auf ihren Niedergang zusteuerte. Ferner verbündeten sich im Jahr 1865 die sogenannten Jungosmanen zu einer Geheimorganisation, um gegen die Reformen vorzugehen. Sie bildeten eine Opposition gegen den Sultan. Das Auflehnen wurde allerdings vom Herrscher niedergeschlagen.

1875 kam es zum Staatsbankrott des Osmanischen Reiches. Die Folge war die Abhängigkeit vom europäischen Finanzmarkt. Der Sultan, dem Deutschen Reich zugetan, erteilte den Deutschen Konzessionen zur Verbesserung der Infrastruktur. Neben dem Straßennetz bauten diese auch die Bagdad-Bahn und stellten den Osmanen sogar Militärberater. Die massive Unterstützung der Deutschen führte dazu, dass auch die Großmächte ihre Aufrüstung ausbauten. Während Großbritannien sich auf den Irak und den Persischen Golf konzentrierte, wandte Frankreich sich Syrien und dem heutigen Libanon zu (MATUZ 1985: 246-248).

Das 19. und 20. Jahrhundert waren geprägt von weiteren Niederlagen in Krim- und Balkankriegen. Auch die Bewegung der Jungtürken zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte den Niedergang des Reiches nicht aufhalten. Die zahlreichen Friedensschlüsse zeigten deutlich die Interessen der Großmächte auf und so führten der zunehmende Machtverlust sowie der wachsende Einfluss europäischer Mächte samt dem dadurch entstandenen Aufkommen europäischer Ideen und dem Nationalgedanken zum Ende des Osmanischen Reiches.

2.2 Der Erste Weltkrieg

Mit dem Kriegsausbruch schlossen die Osmanen im August 1914 ein geheimes Abkommen mit dem Deutschen Reich, mit dem sie vor Kriegsausbruch bereits kooperiert hatten. Entscheidendes Interesse dahinter war, sich vor Russlands Vordringen auf die Meerengen und vor der britischen und französischen Vorherrschaft in der Wirtschaft zu schützen. Denn schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts vertraten die europäischen Großmächte ihre Interessen im Osmanischen Reich. Frankreich galt als Schutzmacht der Katholiken und nutzte dies, sich weiter nach Syrien und Palästina auszuweiten. Die Briten verfolgten wirtschaftliche Interessen und fügten dem Osmanischen Reich mit ihren Handelsverträgen erheblichen Schaden hinzu. Im Falle eines Angriffs hofften die Osmanen auf militärischen Schutz des Deutschen Reiches. Sie glaubten, verloren gegangene Gebiete aus dem Zarenreich zurückerobern und ihr Reich darüber hinaus noch erweitern zu können. Zwischen den Ententemächten, auf deren Drängen zu Neutralität die Osmanen sich nicht einließen, und Russland, geriet das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands in den Ersten Weltkrieg. Für die Osmanen war die Lage ruinös, da sie gleichzeitig an mehreren Fronten kämpfen mussten: gegen Russland im Kaukasus, gegen Großbritannien im Irak und am Suez-Kanal und an den Dardanellen gegen britisch-französische Flotten (FAROQHI 2010: 98-101).

Die Osmanen verloren immer mehr Gebiete an die vorrückenden Briten. Vor allem wegen der Araber im Osmanischen Reich, die sich auf die Seite der Briten geschlagen hatten und nicht mit den Jungtürken kämpfen wollten, welche die Araber im Osmanischen Reich zuvor stark unterdrückt hatten. Dies hatte noch stärkere Gewalt gegen die Araber zur Folge, deren Widerstand gegen die Türken dadurch allerdings nur gestärkt wurde.

Auf Drängen der Briten griff ùerif ণusayn von Mekka im Juni 1916 zur Verteidigung der Araber gegen die Türken ein und begann einen Aufstand, angetrieben von den Briten, allen voran durch E. T. Lawrence. Die Briten machten ihm Zugeständnisse und Vesprechungen, ihm im Kampf gegen die Osmanen zu helfen. Sie wollten ihm helfen, eine Arabische Nation zu schaffen, woraufhin ùerif ণusayn sich noch im selben Jahr zum „König von Arabien“ ernannte.

Damit begann der Aufstand der Araber in der Wüste, die Arabische Revolte, um die es in dem Werk Die sieben Säulen der Weisheit geht (MATUZ 1985: 262-263, 265-266).

2.3 Die Arabische Revolte

Die Vorbereitungen für die Revolte waren bereits 1914 angelaufen. Großbritannien erklärte im Dezember diesen Jahres Ägypten zu seinem Protektorat und verlegte seine Abteilung des Kriegsministeriums, veranwortlich für die Erstellung von Landkarten des Nahen Ostens nach Kairo und versetzte Lawrence hierher. Neben dem Erstellen von Karten galt er auch als Verbindungsoffizier (THORAU 2010: 68-69).

Die von 1916-1918 andauernde Arabische Revolte, angestachelt von den Briten durch Lord Kitchener, dem Kriegsminister in London mit der Unterstützung der Franzosen, hat ihren Ɨz, mit ùerif ণusayn von Mekka alsۜUrsprung im Westen Saudi-Arabiens gelegenen ণi Anführer. Während die Araber davon träumten, sich von den Türken zu befreien, verfolgten die Ententemächte ihre eigenen politischen Ziele. „London und Paris dachten“ laut MATUZ (1985: 267) „nie ernsthaft daran, den arabischen Traum von einem großarabischen Reich zu verwirklichen. Die Araber wechselten lediglich ihre Herren.“

ণusayn und seine Söhne mobilisierten Beduinenstämme und kämpften mit Unterstützung der Ɨz’, Jordaniens und SyriensۜBriten gegen die Türken. Sie brachten stückweise Teile des ণi unter ihre Kontrolle. Doch obwohl der Aufstand mit der triumphalen Eroberung Damaskus’ endete und trotz der Versprechungen der ণusayn-McMahon-Korrespondenz, erfüllte sich der arabische Traum eines großen Reiches nicht. Es trat das Sykes-Picot-Abkommen in Kraft und die ganze Region wurde zwischen den Siegermächten Frankreich und England in Mandatsgebiete aufgeteilt.

3. Quellenanalyse I: Die Sieben Säulen der Weisheit

In dem Werk Die sieben Säulen der Weisheit hat Thomas Edward Lawrence seine Erinnerungen an die Kriegsjahre festgehalten. Es ist die wichtigste und bekannteste seiner zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten und wurde in viele Sprachen übersetzt (THORAU 2010: 11). Um diese persönlichen Erinnerungen genauer zu untersuchen, bedarf es einer Analyse der Biographie des Autoren.

3.1 Autor: Lawrence von Arabien - Biographie

Zahlreiche Biographien wurden über Thomas Edward Lawrence geschrieben. Die erste wurde 1927 von Robert Graves unter dem Titel Lawrence and the Arabs verfasst. Da dieser Lawrence noch persönlich kennen gelernt hatte, beziehen sich auch viele der darauf folgenden Biographen auf Graves. Neben allen glorifizierenden Werken über ihn gibt es durchaus auch kritische, wie die im Jahr 1955 von Richard Aldington erschienene Lawrence of Arabia. A Biographical Inquiry.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich hauptsächlich auf die zuletzt, im Jahr 2010 erschienene Biographie, geschrieben von Peter THORAU, Professor für Geschichte des Mittelalters und des Vorderen Orients.

In allen bisherigen Biographien wurde „Lawrence von Arabien“ als Held und Mythos zugleich beschrieben. Er ist bekannt geworden durch sein Engagement während des Ersten Weltkrieges, als britischer Offizier, der den Arabern im Kampf gegen die Osmanen zur Seite stand sowie für seine Verhandlungen bei den darauffolgenden Friedenskonferenzen in Paris und Kairo. Lange galt er als der unangefochtene Freund und Held der Araber. Nach Ende des Ersten Weltkrieges blieb er es auch für den Westen, während die Araber ihn jedoch aufgrund der für sie entstandenen Nachteile durch die Nachkriegsregelungen als Verräter sahen und bis heute noch sehen (THORAU 2010: 9-10).

3.1.1 Die jungen Jahre

Der Autor Thomas Edward Lawrence, genannt Lawrence von Arabien, wurde am 16.8.1888 in Tremadoc, Wales geboren. Sein Vater Thomas Robert Chapman gehörte einer alten anglo- irischen Adelsfamilie an. Mit seiner ersten Frau, die er 1873 heiratete, bekam er vier Töchter. Diese Ehe verlief jedoch nicht glücklich, so dass der Vater ein Verhältnis mit der jungen Gouvernante Sarah Junner, die eine streng calvinistische Erziehung genossen hatte, begann. Aus Liebe zu ihr, verließ Thomas Robert Chapman seine erste Frau, die einer Scheidung aber nicht zustimmte, so dass er die Gouvernante nicht heiraten konnte. Um nicht dem Gerede der damaligen Zeit zum Opfer zu fallen, zog Thomas Robert Chapman mit seiner neuen Gefährtin mehrfach um. Die beiden bekamen vier gemeinsame Söhne, von denen Thomas Edward, der den Familiennamen Lawrence seiner Mutter annahm der zweite war. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Oxford, wo er auch seine schulische Ausbildung erhielt. Den ersten Kontakt zum Orient bekam er durch einen Bekannten der Familie, den Arabisten Samuel Margoliouth, der in ihm das Interesse für die arabische Welt und Sprache weckte.

Thomas Edward besuchte ab 1896 die City of Oxford High School und schloss diese acht Jahre später erfolgreich mit den „Junior Oxford Local Examinations“ ab. Am meisten faszinierten ihn Geschichte, Literatur und Philosophie, was sich in seiner späteren Laufbahn wiederspiegelt. Thomas Edward gehörte zu den Jahrgangsbesten.

Neben der schulischen genossen er und seine drei Brüder auch eine religiöse Ausbildung, die ihm ausgezeichtnete Bibelkenntnisse vermittelte (THORAU 2010: 20-24). 1907 gelang es Thomas Edward nach erfolgreich bestandener Aufnahmeprüfung und dank eines ihm zugesprochenen Stipendiums, sein Studium der Geschichte in Oxford anzutreten. Seine Abschlussarbeit schrieb er über „Militärgeschichte und Strategie“. Dafür sammelte er 1908 in Frankreich Bildmaterial und legte in nur wenigen Wochen über 3000 Kilometer mit seinem Fahrrad zurück. Er war sehr ausdauernd und ging oft an seine Grenzen, wenn es darum ging, sich und anderen, seine Leistung unter Beweis zu stellen.

In Großbritannien gab es keine allgemeine Wehrpflicht, so dass Thomas Edward sich im Herbst desselben Jahres freiwillig für eine Grundoffiziersausbildung an der Universität Oxford meldete.

Er besuchte auch im zweiten Studienjahr nicht nur die Pflichtkurse, sondern ging nebenbei seinen Interessen als Hobbyarchäologe nach. Seine kleinen Ausgrabungen reichten von mittelalterlichen Münzen bis hin zu Keramikgegenständen, die er alle in das Ashmolean Museum der Universiät Oxford brachte. Er ging kleineren Tätigkeiten im Museum nach und machte vor allem die Bekanntschaft wichtiger Männer, die ihn auf seinem weiteren Lebensweg begleiten sollten.

Darunter war der Archäologe Leonard Woolley und der stellvertretende Museumsdirektor C. F. Bell, der ihn im Herbst 1908 auf die Idee brachte, in Palästina zu erforschen, „ob der gotische Spitzbogen orientalischer Hernkunft sei oder umgekehrt die Kreuzfahrer diesen in die arabische Welt mitbegracht hätten“ (THORAU 2010: 26-28).

Anfang 1909 lernte Lawrence den neuen Museumsdirektor David George Hogarth kennen, der von ihm sehr angetan war und gar eine Vaterfigur für ihn verkörperte. Wahrscheinlich trug sein Tod im Jahr 1927 auch zu Lawrence’ Depressionen bei. Hogarth verwies Lawrence an den Arabisten Doughty, der Lawrence wegen der Hitze abriet, im Sommer in den Orient zu reisen. Dies sollte ihn allerdings nicht davon abhalten, es doch zu tun und Lawrence begann mit Vorbereitungen für seine Reise, indem er privaten Arabischunterricht nahm und DOUGHTYS Reisebericht Travels in Arabia Deserta studierte. Dank des Universitätsrektors bekam Lawrence von den Osmanen einen Schutzbrief für den Orient ausgestellt, was seiner Reise, die er im Juni 1909 antrat, einen bedeutenden Stellenwert gab.

Seine Reisebeschreibungen sind den zahlreichen Briefen, die er unter anderem an seine Mutter geschrieben hat zu entnehmen. Als erstes besichtigte er die Kreuzfahrerburgen Beaufort, Saphet und Belvoir. Er durchquerte die ganze Region vom Libanon nach Syrien, bis nach Aleppo und Urfa zufuß und ließ sich dabei nicht von der Hitze abschrecken. Im September trat er seine Rückreise an und schrieb seine Abschlussarbeit, die sein Bruder nach seinem Tod unter dem Titel Crusader Castles veröffentlichte.

1910 erhielt Lawrence ein Stipendium für das weiterführende Studium. Er bekam eine Genehmigung, an den Grabungen des Ruinenfeldes in Karkemiš teilzunehmen. In Syrien nahm er dann erneut Arabischunterricht und es gelang ihm schnell, verschiedene arabische Dialekte zu erlernen, wenn er auch des Hocharabischen nie mächtig wurde. T. E. Lawrence genoss die Jahre während der Ausgrabungen und soll sie sogar als die schönste Zeit seines Lebens bezeichnet haben (THORAU 2010: 30-35).

Im Juli 2011 erkrankte Lawrence mit hoher Wahrscheinlichkeit an Typhus und musste Syrien für ein paar Monate verlassen, um sich in Großbrtiannien ärztlich behandeln zu lassen. Auf eigene Verantwortung kehrte er aber nach nur wenigen Monaten nach Aleppo zurück und schrieb in einem Brief an seine Familie: „Only, here I am in my own Arabic country, and am looking forward immensely to seeing the men again [...]“ (CHURCHILL, LAWRENCE, M.R. und LAWRENCE T. E. 1954: 179). Gemeint waren die Männer, mit denen er bei den Ausgrabungen in öarƗbulus tätig war.

Kurz darauf reiste er nach Ägypten, um dort weiter seinen archäologischen Arbeiten nachzugehen. Aus seinen Briefen ist ersichtlich, dass es ihm hier nicht so gut gefiel wie im Nahen Osten (CHURCHILL, LAWRENCE, M.R. und LAWRENCE T. E. 1954: 189-190).

Während seiner Erkrankung kümmerte sich ein junger Syrer namens Darhnjm um ihn, den er, wie man einem Brief von 1911 entnehmen kann, sehr schätzte (CHURCHILL, LAWRENCE, M.R. und LAWRENCE T. E. 1954: 173).

Sein Werk Die sieben Säuen der Weisheit widmete Lawrence den Initialen S. A. Man kann davon ausgehen, dass es sich um eben diesen jungen Mann Darhnjm, dessen richtiger Name SelƯm Aতmad war, handelt. Es wurde viel über Lawrence’ sexuelle Neigung geschrieben. Ob er letztendlich homosexuell war und seine Zuneigung für Darhnjm damit zusammen hing, spielt in dieser Arbeit keine Rolle. Sicher weiß man, dass er sich mehr zu Männern hingezogen fühlte, als zu Frauen (THORAU 2010: 43).

1913 wurden die Arbeiten in Karkemiš, gelegen in der heutigen Türkei, nahe der syrischen Grenze, beendet (THORAU 2010: 45).

Von Januar bis Juni 1914 verbrachte Lawrence seine Zeit mit Forschungsarbeiten in ޏAqaba am Roten Meer, im heutigen Jordanien. Zurück in England erstellte er seinen archäologischen kartographischen Bericht für den Palestine Exploration Fund. Damit sollte seine archäologische Arbeit beendet sein (THORAU 2010: 48).

3.1.2 Kriegszeit

Kurz darauf brach der Krieg aus. Infolge einer Kettenreaktion wegen des Konflikts zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, kam es zur Kriegserklärung Deutschlands an Russland. Großbritannien und Frankreich stellten sich auf die Seite Russlands (THORAU 2010: 49).

Wie zuvor geschildert, kam es im Oktober 1914 dazu, dass auch das Osmanische Reich in den Ersten Weltkrieg involviert wurde (THORAU 2010: 65).

Seinen Briefen ist zu entnehmen, dass Lawrence mit der politischen und militärischen Lage nicht wirklich vertraut war (CHURCHILL, LAWRENCE, M.R. und LAWRENCE T. E. 1954: 303).

Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Briten, meldete er sich zu Kriegsbeginn nicht freiwillig, um in den Kampf zu ziehen. Allerdings vervollständigte er mithilfe seines in den letzten Jahren gewonnenen Wissens Landkarten und Berichte (LAWRENCE 1937: 107). Großbritannien nahm aus Angst vor den Osmanen Kontakt mit den HƗšimiten, einem Stamm der Quraiš, Nachfahren des Propheten auf, und hoffte, im Falle eines Angriffs der Türken, Unterstützung von den Arabern zu bekommen. Der damalige britische Kriegsminister Lord Kitchener ließ Lawrence aus strategischen Gründen seinen Abschlussbericht und die dazu gehörige Sinai-Landkarte fertigstellen. Daraufhin bewarb Lawrence sich um eine Stelle beim militärischen Nachrichtendienst. Wahrscheinlich auf Rat des britischen Archäologen Hogarths hin, konnte Lawrence eine Stelle in der geographischen Abteilung des Generalstabs antreten (THORAU 2010: 66). Eine seiner Aufgaben war es, einen Bericht über die Sinai-Halbinsel zu erstellen. Im Oktober 1914 wurde er dann zum „Dolmetscher im Rang eines Lieutnants auf Zeit“ befördert (THORAU 2010: 67).

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Lawrence von Arabien und der Beginn des Aufstandes. Quellenanalyse des Werkes "Die sieben Säulen der Weisheit"
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Orient- und Asienwissenschaften)
Autor
Jahr
2014
Seiten
50
Katalognummer
V337553
ISBN (eBook)
9783668268173
ISBN (Buch)
9783668268180
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lawrence von Arabien, Die Sieben Säulen der Weisheit, Quellenkritik, Arabischer Aufstand
Arbeit zitieren
Martha Bach (Autor), 2014, Lawrence von Arabien und der Beginn des Aufstandes. Quellenanalyse des Werkes "Die sieben Säulen der Weisheit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337553

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