Integrieren lernen. Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und wie man ihr begegnen kann


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,7


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Abstract
Um zu zeigen, ob in der heutigen deutschen Gesellschaft noch Rassismus vorhanden
ist, analysiert diese Arbeit aktuelle Ereignisse sowie Kommentare in sozialen
Netzwerken. Mithilfe einschlägiger Literatur, sowie der Untersuchung einiger
Statistiken soll gezeigt werden, dass es sich tatsächlich um Fremdenfeindlichkeit
handelt. Zu diesem Zweck teilt sie Xenophobie und drei Untergruppen ein. Weiterhin
werden anhand von Büchern und Studien Methoden zum angemessenen Umgang mit
diesen drei Untergruppen der Ablehnung anderer Kulturen erarbeitet. Ein besonderer
Fokus liegt dabei auf der Bewertung von Initiativen und Arbeitsgruppen, die dem Hass
und Unverständnis MigrantInnen gegenüber entgegenwirken wollen. Es zeigt sich,
dass besonders die Sensibilisierung ehren- sowie hauptamtlicher PädagogInnen für
dieses Thema wichtig ist und weiter ausgebaut werden sollte.

3
Inhalt
1 EINLEITUNG
4
2 FORMEN DER ABLEHNUNG
5
2.1
X
ENOPHOBIE
5
2.2
R
ECHTSEXTREMISMUS
6
2.3
R
ASSISMUS
8
2.4
I
SLAMFEINDLICHKEIT
9
3 ARBEITSMETHODEN
10
3.1
R
ECHTSEXTREMER
G
EWALT BEGEGNEN
11
3.2
R
ASSISTISCHES
G
EDANKENGUT VERÄNDERN
14
3.3
V
ORURTEILE GEGEN DEN
I
SLAM ABBAUEN
15
4 FAZIT
17
LITERATUR
18
ABBILDUNGEN
19
QUELLEN
19

4
1 Einleitung
Damit Integration gelingen kann muss auch die aufnehmende Gesellschaft be-
reit sein, ihre neuen MitbürgerInnen zu integrieren. Willkommenskultur wird
dieser Tage bei uns groß geschrieben.
Doch auch PEGIDA-Aufmärsche, brennende Flüchtlingsheime und Forderun-
gen nach schärferen Asylgesetzen sind beherrschende Themen in den Nach-
richten geworden. In der Anonymität des Netzes wird eifrig geshitstormt, ge-
gen Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. Fremdenfeindliche Meinungen werden
bedenkenlos geteilt. Dabei sind die meisten BürgerInnen überzeugt keine Ras-
sisten oder gar Nazis zu sein, man teilt ja nur vorsichtig seine Ängste mit. Ob
das stimmt untersucht diese Arbeit.
Um Rassismus angemessen begegnen zu können, ist es notwendig sich be-
wusst zu machen, dass er immer noch da ist. Zu diesem Zweck wird im ersten
Teil untersucht, was Xenophobie ist und in welchen Formen sie zutage tritt.
Der Unterschied zwischen Nationalsozialismus, Rassismus und speziell isla-
mophober Angst wird herausgestellt und sein Vorhandensein in der deutschen
Gesellschaft anhand von Kommentaren, Reden und Statistiken gezeigt.
Wie man diesen Formen der Fremdenfeindlichkeit begegnen kann wird im
zweiten Teil erklärt. Es gibt einige vorbildliche Initiativen, Aktionen und Arbeits-
gruppen, die, je nach Schwerpunktsetzung die Bevölkerung auf dieses Thema
aufmerksam machen, sie aufklären oder eins zu eins mit Betroffenen arbeiten
wollen. Auch sie werden vorgestellt und ihre voraussichtliche Effizienz unter-
sucht.

5
2 Formen der Ablehnung
Um der Ablehnung Deutscher gegenüber MigrantInnen, vor allem Flüchtlingen
und Muslimen begegnen zu können, muss vorab geklärt werden wie sie sich
äußert.
Im folgenden Absatz werden daher die verschiedenen und unterschiedlich mo-
tivierten Formen der Ablehnung genauer definiert. Es wird weiterhin unter-
sucht, ob man in der heutigen deutschen Gesellschaft noch auf dieses Gedan-
kengut stößt.
2.1 Xenophobie
Der Begriff bezeichnet die Angst (gr. phobos) vor dem Fremden (gr. xenos)
und ist ab einem gewissen Alter in fast allen Kulturen zu beobachten. Ur-
sprünglich wurde er in den Gebieten der Anthropologie und Humanethnologie
gebraucht. Er erfuhr jedoch einen Bedeutungswandel und so findet man ihn
heute vor allem zur Bezeichnung eines kulturellen und politischen Phäno-
mens. (Oeser, 2015, S. 15)
Gerade zur heutigen Zeit schwingt in der Öffentlichkeit die Angst vor Auslän-
derInnen, besonders Muslimen und Flüchtlingen in vielen Aussagen mit. So
schreibt Christina Schäffer unter einen Post der Kanzlerin Angela Merkel auf
Facebook zum Thema Flüchtlingspolitik: ,,[...] wir haben Angst bitte treten sie
zurück und nehmen Sie ihre Flüchtlinge gleich mit" (Schäffer, 2015, Online-
Quelle)
50% der Bevölkerung machen die hohen Flüchtlingszahlen Angst, selbst in
höheren sozialen Schichten ist dieser Anteil nur unwesentlich geringer.
Abbildung 1: Stimmen Sie der Aussage: ,,Es macht mir Angst, dass so viele
Flüchtlinge zu uns kommen." Eher zu oder eher nicht zu? (ARD-Deutschland
TREND, 2015)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/468870/umfrage/umfrage-zur-angst-vor-der-vielzahl-an-
fluechtlingen-nach-bildung-und-einkommen/

6
Diese Ängste der Menschen müssen ernstgenommen werden, um ein friedli-
ches Zusammenleben mit den neuen MitbürgerInnen zu ermöglichen. ,,Sie
[dienen sonst] als Hauptrechtfertigung für Verhaltensweisen, die häufig als ,un-
menschlich` bezeichnet werden. [...] Die Angst vor den Barbaren droht uns
selbst zu Barbaren zu machen." (Todorov, 2011, S. 17) und kann bis zur Ge-
waltbereitschaft führen.
,,da helfen nur noch scharfe waffen , mit viel munution, und kistenweise hand-
granaten!!! anderst kann man die nicht stoppen , und der staat , der uns vera-
ten hat lässt uns in stich !!" [sic!], schreibt Werner Weller unter einen Bericht
der Epoch Times vom 5. Dezember 2015 (Online-Quelle). Es lässt sich hier
deutlich erkennen, dass unmenschliche, als barbarisch empfundene Hand-
lungsweisen gutgeheißen und sogar gefordert werden.
Um die Integration der Flüchtlinge und auch der bereits hier lebenden Muslime
zu ermöglichen, ist es erforderlich Maßnahmen zu ergreifen, um die Vorurteile
und Ängste der deutschen Bevölkerung abzubauen.
2.2 Rechtsextremismus
Eine Ausdrucksform der Xenophobie ist der Rechtsextremismus.
Rommelspacher unterscheidet klar zwischen Rassismus und Rechtsextremis-
mus.
,,[Dieser] ist eine politische Ideologie, die ihre gesellschaftlichen Vorstellungen
auch umsetzen möchte, während der Rassismus eher ein kulturelles Phäno-
men ist, das Werte, Normen und Praxen in der Gesellschaft prägt. Das bedeu-
tet, dass es zwar Rassismus ohne Rechtsextremismus gibt, nicht aber Rechts-
extremismus ohne Rassismus." (Rommelspacher, 2011, S. 29f)
Parteienzugehörigkeit oder Ähnliches ist in Deutschland seit einigen Jahren
rückläufig, wie folgende Tabelle des Statistischen Bundesamtes zeigt.

7
Abbildung 2: Rechtsextremismuspotenzial: Anzahl der Rechtsextremisten in
Deutschland nach Organisationsformen von 2006 bis 2014 (Statistisches
Bundesamt, 2015)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/38405/umfrage/entwicklung-des-rechtsextremismuspoten-
zials-in-deutschland/
Dennoch nehmen politisch-fremdenfeindlich motivierte Gewalttaten zu, wie
aus unten stehender Statistik des Bundeskriminalamtes hervorgeht.
Abbildung 3: Politisch motivierte Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hin-
tergrund in Deutschland von 2006 bis 2014 (Bundeskriminalamt, 2015)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1873/umfrage/entwicklung-rechtsextremistischer-gewalt-
taten-seit-dem-jahr-2006/

8
Dazu zählen beispielsweise Brandanschläge auf Flüchtlingsheime oder An-
griffe wie der in Magdeburg. Dort ,,[...] haben bis zu 30 Schläger drei syrische
Flüchtlinge mit Baseballschlägern angegriffen und verletzt" (Süddeutsche Zei-
tung, 2015)
Daraus lässt sich schließen, dass trotz der Abnahme rechter Parteienzugehö-
rigkeit die politisch motivierte rechte Gewalt, besonders AusländerInnen ge-
genüber zunimmt. Eine Intervention ist hier dringend notwendig.
2.3 Rassismus
Während Rechtsextremismus abnimmt, werden die scheinbare Zunahme ras-
sistischer Äußerungen und der Umgang damit in den sozialen Netzwerken dis-
kutiert.
Rommelspacher (2011, S. 25) definiert in Ihrer Arbeit den ,,[...] koloniale[n]
Rassismus[, welcher] [stark] von ,,Es-Projektionen" bestimmt ist, die den An-
deren besondere Triebhaftigkeit, Sexualität und Aggressivität unterstellen",
um auf diese Weise ,,die Tatsache der Ungleichbehandlung von Menschen
,,rational" zu erklären [...], obgleich die Gesellschaft von der prinzipiellen
Gleichheit aller Menschen ausgeht." Genau mit diesen Eigenschaften werden
Migranten, besonders Flüchtlinge in derzeit stattfindenden Diskussionen häu-
fig stigmatisiert.
Beispielhaft dafür die Rede Akif Pirinccis auf der PEGIDA Demonstration in
Dresden am 19. Oktober 2015. Dort fragt er unter anderem, ob die Zuhörer
schon wüssten, dass die primitiven Fürze in den Köpfen dieser Fremden nichts
mit Religion zu tun hätten, als vielmehr mit ihrer höchst krankhaften Beschäf-
tigung mit allem, was nach Fickerei und Gewalt röche, wobei ihnen ein gewis-
ser Allah den Weg weisen würde.
Für diese Behauptungen erntet er den Applaus und Jubel der Zuhörerschaft.
(Pirincci, 2015, Online-Quelle)
In dieser Rede lässt sich unschwer die Zuschreibung oben genannter negati-
ver Eigenschaften, besonders der sexuellen Triebhaftigkeit und Aggressivität
auf die Gesamtheit aller Flüchtlinge erkennen.
Dass sich aber AnhängerInnen der PEGIDA-Bewegung selbst teilweise nicht
für rassistisch halten zeigen die Interwies des NDR auf einer Demonstration
des Bündnisses (NDR Panorama, 2015, Online-Quelle).
Dort sagt beispielsweise ein älterer Herr, er sei kein Nazi, aber seiner Meinung
nach kämen alle nur hier her um sich mit unserem Geld ein gutes Leben zu
machen und stellt gleichzeitig in Frage, ob Flüchtlinge im allgemeinen über-
haupt alphabetisiert seien (NDR Panorama, 2015, Online-Quelle).
Rommelspacher (2011, S. 31) beschreibt dieses Phänomen als ,,nicht inten-
dierte[n] Rassismus[, welcher] auf ungewollte Weise [Andere herabsetzt]. Das
ist für die Beteiligten in der dominanten Position oft schwer zu verstehen, denn
ihrer Meinung nach liegt nur dann Diskriminierung vor, wenn sie jemand auch
verletzen und herabsetzen wollen. Das heißt für sie ist die Absicht entschei-
dend."

9
Das Verständnis für die fremdenfeindliche Bewegung PEGIDA ist in der Be-
völkerung zwar insgesamt eher gering. (ARD-Deutschland TREND, 2015)
Abbildung 4: Verständnis für Protestmärsche der Pegida-Bewegung 2015
(ARD-Deutschland TREND, 2015)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/378122/umfrage/verstaendnis-fuer-protestmaersche-der-
pegida-bewegung-nach-parteienpraeferenz/
Doch auch in sozialen Netzwerken, finden sich zahlreiche Kommentare soge-
nannter ,,Shiststormer".
Die weite Verbreitung dieser Kommentare zeigt, dass
Fremdenfeindlichkeit nicht immer an die Zugehörigkeit zu Organisationen ge-
bunden sein muss.
Es zeigt sich, dass rassistisches Gedankengut in Deutschland in Teilen der
Bevölkerung noch vorhanden ist. Allerdings sind sich nur Wenige ihrer Frem-
denfeindlichkeit in vollem Umfang bewusst.
Daher sind weitere Maßnahmen zur Aufklärung der deutschen Bevölkerung
über Rassismus wünschenswert.
2.4 Islamfeindlichkeit
Dorothée de Nève (2013, S. 197) teilt Islamophobie in zwei Gruppen ein. Zum
einen eine religiöse Abgrenzung vom muslimischen Glauben. Dazu zählt folg-
lich jede Kritik an religiösen Praktiken des Islam. Zum anderen eine säkulare
Ablehnung der muslimischen Weltsicht und Kultur.
,,Dieser Logik folgend wird Islamophobie als eine spezifische Form von Ras-
sismus verstanden, denn sie richtet sich nicht nur gegen bekennende gläubige
und praktizierende Muslime, sondern auch gegen Menschen, die dieser ver-
meintlich spezifischen Kultur und Zivilisation zugeordnet werden, auch wenn
sie nicht gläubig sind." (Nève, 2013, S. 197)

10
Nach diesem Begriffsverständnis handle es sich bei Islamophobie nicht um
religionskritische Auseinandersetzung mit dem Islam, sondern um Vorurteile,
Stereotype und Diskriminierung gegenüber einer Religion und ihrer Anhänger
(Nève, 2013, S. 199)
Unter einem Artikel in der Welt vom 30. November 2014 findet sich dieser Bei-
trag von Xanders (2014, Online Quelle):
,,[...] Schon seltsam, dass mit der Integration in D nur gewisse Nationen ein
Problem haben: Griechen, Italiener, Spanier, Asiaten, Amerikaner, Engländer,
Franzosen haben da keine und wissen sich zu integrieren ohne jede Woche
nach neuen Sonderrechten zu fordern oder sich als Kriminelle durchs Leben
zu schlagen (Ausnahmen ausgenommen)" [sic!]
Kommentare wie diese findet man häufig in sozialen Netzwerken. Sie zeigen
deutlich, dass sich Rassismus heute nicht unbedingt auf AusländerInnen im
Allgemeinen bezieht. Es wird unterschieden zwischen AusländerInnen mit ei-
nem bekannten kulturellen Hintergrund, der dem eigenen ähnlich ist und Mig-
rantInnen mit mohammedanischem Hintergrund. Diesen wird zudem häufig
verallgemeinernd Kriminalität unterstellt, ein Vorurteil, dass durch keine Be-
weise gesichert ist. Diese Verallgemeinerungen weisen auch auf den oben
bereits beschriebenen kolonialen Rassismus hin.
Islamophobie kann so weit gehen, dass sie die demokratischen Grundprinzi-
pien gefährdet, da sie ,,[...] BürgerInnen das Recht und die Fähigkeit der
Selbstregierung [abspricht und] durch die Konstruktion eines Feindbildes ge-
sellschaftliche[n] Pluralismus als Bedrohung inszeniert [...]", wie Nève zeigt
(2013, S. 196)
Es gilt also, die BürgerInnen aufzuklären über die fremde und dadurch als
bedrohlich empfundene Religion und Kultur des Islam, wenn man Barrieren
wie den Rassismus abbauen, Integration ermöglichen und dadurch die De-
mokratie schützen will.
3 Arbeitsmethoden
Angst vor dem Fremden, rechtsextreme Gewalt, rassistisches Gedankengut
und Vorbehalte gegen den Islam gehören noch immer zum Alltag in Deutsch-
land.
,,[...] es ist klar, dass ein erfolgreicher Integrationsprozess eine positive Ein-
stellung gegenüber Migranten voraussetzt und nicht gelingen kann, wenn die
Bevölkerung Angst ober Abneigung verspürt" (Kühn, 2016, S. 227).
Durch sie wird an ein Zugehen auf Fremde oft gar nicht erst gedacht. Aus
Angst wird, wie in obigem Facebook Kommentar, die Abschiebung der
Flüchtlinge in ihre Heimatländer gefordert. Dies verhindert echte Integration
in die aufnehmende Gesellschaft.
Darum ist es notwendig der Furcht vor dem Fremden angemessen entgegen
zu wirken und sie ernst zu nehmen, wenn Integration gelingen soll.
Im Folgenden werden Möglichkeiten erklärt und Aktionen vorgestellt, um Ras-
sismus im Dialog mit den Betroffenen abzubauen.

11
3.1 Rechtsextremer Gewalt begegnen
Wie oben gezeigt, nehmen zwar die Mitgliederzahlen politisch orientierter
rechter Gruppen ab, fremdenfeindliche Gewalttaten jedoch zu.
Die Taten entspringen oft einer Gruppendynamik. Zudem definieren sich Ne-
onazis häufig über ihre Brutalität. Es ist daher einleuchtend, dass man mit ein-
zelnen Personen, losgelöst von solchen Gruppen und ihrem Gedankengut ar-
beiten muss um rechte Gewalttaten wirklich zu verhindern.
Sind Jugendliche oder Erwachsene jedoch erst einmal in solchen Kreisen ver-
wurzelt und stehen hinter ihrer Ideologie ist es nahezu unmöglich, sie daraus
zu befreien. Aus diesem Grund soll hier eher auf Prävention und Nachsorge
eingegangen werden.
Anti-Aggressionstrainings allein sind ­ obwohl unverzichtbarer Teil der Arbeit
mit Radikalen ­ nicht ausreichend. Es soll hier beleuchtet werden, welche weit-
reichende Arbeit außerdem notwendig ist.
Die erste Möglichkeit rechtsextreme Gewalt zu verhindern liegt bereits vor der
Radikalisierung.
Der Einstieg in die rechte Szene ist oft ,,weniger Ergebnis einer direkten In-
doktrination als vielmehr latenter, indirekter Einflüsse aus den Instanzen des
sozialen und gesellschaftlichen Umfeldes" (Kleeberg-Niepage, 2012, S. 19)
und geschieht häufig bereits in sehr jungem Alter, weswegen im Folgenden
überwiegend von Jugendlichen die Rede ist. Die Bewertung der eigenen Lage
scheint dabei ausschlaggebender zu sein als ökonomische und soziale Ver-
hältnisse, das Gefühl dauerhafter, systematischer Benachteiligung steht dabei
laut Möller (2014, S. 203) im Mittelpunkt.
Für den Einstieg gibt es eine Vielzahl an Gründen (Rommelspacher, 2006, S.
13ff). Unter anderem ,,[...] wenden sich [viele] rechten Cliquen zu, weil diese
Aktion und Thrill versprechen. [...] Anders ist die Situation dann, wenn die Be-
treffenden in einem Gewaltmilieu aufwachsen und die rechte Ideologie wichtig
wird, weil sie es erlaubt, diese Gewalt zu rechtfertigen [...]" (Rommelspacher,
2006, S. 13f).
Daher ist es erforderlich ausreichend gute Alternativen zu bieten, bei denen
junge Menschen ihre Grenzen testen können. Gleichzeitig müssen in diesen
Vereinen, Initiativen und Institutionen Angebote geschaffen werden, die unter
Gewalterfahrungen leidenden Jugendlichen die Möglichkeit bieten sich jeman-
dem anzuvertrauen. Auch sollten innerhalb dieser Einrichtungen mit den Ju-
gendlichen gemeinsam alternative Methoden entwickelt werden können, um
diese Erlebnisse angemessen, das heißt ohne Gewalt gegen Dritte verarbei-
ten zu können.
Rommelspacher zeigt in ihren Interviews auch auf, dass Misshandlungen un-
ter Jugendlichen häufig unter den Augen von PädagogInnen oder BetreuerIn-
nen geschehen und von diesen nicht verfolgt werden. Gewalt wird daraufhin
mit Gewalt beantwortet (2006, S. 14 und S. 27).
Es ist notwendig, dass sie den Schutz vor solchen Übergriffen durch höhere
Instanzen erfahren, damit sie nicht lernen Gewalt als Selbstverteidigung zu
rechtfertigen.

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Des Weiteren ,,[...] stehen [bei vielen Jugendlichen, die sich rechten Gruppen
zuwenden,] zunächst das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und die Sehn-
sucht nach Kameradschaft und Geborgenheit im Vordergrund. [...] Es bedarf
[...] keiner besonderen Leistung, um Mitglied zu werden. [...] Man lebt wie in
einer Familie zusammen oder wie in einer Sekte" (Rommelspacher, 2006, S.
20).
Stehen junge Menschen sonst häufig unter Leistungsdruck, in der Schule,
Ausbildung oder durch gesellschaftliche und familiäre Erwartungen, fällt dieser
Druck hier weg.
Bei der Schaffung von Alternativen ist daher zu berücksichtigen, dass Jugend-
liche Freiräume von leistungsbezogener Anerkennung suchen.
,,Der Gewinn liegt [jedoch] nicht nur in der Zugehörigkeit als solcher, im Erle-
ben von Gemeinschaft und Verbundenheit, sondern auch in der Entlastung
von den Mühen der eigenen Individuation" (Rommelspacher, 2006, S. 22), in-
dem sie statt einen eigenen Standpunkt zu erarbeiten, die Ziele, Überzeugun-
gen und Moralvorstellungen der Gruppe übernehmen (Rommelspacher, 2006,
S. 21).
Es sollte Ziel alternativer Projekte sein, Jugendliche in die Lage zu versetzten,
zu eigenständigen Persönlichkeiten heranzureifen.
Hier scheint die bedingungslose Annahme der Jugendlichen Schlüssel zu
sein, denn ,,[die] Wirkung auf das Individuum, das diese Haltung wahrnimmt,
besteht darin, daß es ein Klima der Sicherheit verspürt. [...] [Es] kann entde-
cken, was es heißt, es selbst zu sein; es kann versuchen, sich auf neue und
spontane Art und Weise zu aktualisieren" [sic!] (Rogers, 2009, S. 347)
Durch die so gewonnene Sicherheit werden junge Menschen unter Umstän-
den sogar in die Lage versetzt einen eigenen, (politisch korrekten) Standpunkt
einzunehmen.
Die Vorbildfunktion der BetreuerInnen in alternativen Projekten ist dabei nicht
zu unterschätzen. Sie beeinflussen stark, welche Werte bei jungen Leuten
hängen bleiben.
Es ist unübersehbar, dass in erster Linie eine gute pädagogische Ausbildung,
auch ehrenamtlicher MitarbeiterInnen in sozialen Einrichtungen, wie Jugend-
zentren oder Pfadfindergruppen wichtig ist um gefährdeten jungen Menschen
angemessen begegnen zu können.
Inwieweit eine solche Ausbildung für die PädagogInnen und Arbeit mit den
Jugendlichen in einzelnen Einrichtungen tatsächlich umgesetzt wird, ist noch
zu untersuchen.
,,Andere [Jugendliche] wenden sich durchaus selbstbewusst dem Rechtsext-
remismus zu, um gegen die bestehenden Verhältnisse zu protestieren, sei es
in der Familie, der Schule oder der Gesellschaft" (Rommelspacher, 2006, S.
23).
Solche Heranwachsende sehen es als Sieg, wenn sie von Autoritätspersonen
bestraft werden, da sie mit ihrem Verhalten bewusst provozieren wollen.
Einige von ihnen beschäftigen sich durchaus selbstständig und auch kritisch
mit der Politik und der Gesellschaft um sie herum. Für sie ist der Rechtsextre-
mismus unter anderem das Bindeglied zwischen den Erzählungen der Groß-
eltern, die sich als Opfer sehen und dem Täterbild der Nationalsozialisten, das
ihnen von der Gesellschaft vermittelt wird. Sie sehen sich auch als die, die

13
aussprechen, was der Rest der Gesellschaft denkt aber nicht sagt und wollen
als solche diese Gesellschaft aktiv mit gestalten. Wie oben gezeigt ist Rassis-
mus in unserer Gesellschaft durchaus vorhanden. Rechtsextreme missbrau-
chen ihn für sich. Hier ist eine Sensibilisierung der Bevölkerung unerlässlich
(vgl. Kleeberg-Niepage, 2012, S. 16ff und Rommelspacher, 2006, S. 13ff).
Jugendliche, die ,,politisch inkorrekte" Fragen stellen, sollten demnach nicht
sofort durch Ausgrenzung bestraft werden, sondern man soll ihr politisches
Interesse ernst nehmen und dadurch in eine konstruktive Richtung lenken.
Aus diesem Grund stellt Kleeberg-Niepage (2012, S. 22) klar, dass ,,früh an-
setzende und durchgängig zu betreibende Aktivitäten sinnvoll [sind, beispiels-
weise] eine offene Diskussionskultur und die alltägliche Auseinandersetzung
mit dem Rechtsextremismus und somit gegen das Wegsehen, Aussitzen oder
Ausgrenzen der Betreffenden [...]". Auch Held (2008, S. 183) kommt zu dem
Schluss, ,,dass de[n] beste[n] Schutz gegen Rechtsextremismus eine offene
politische Kultur darstellt".
Auch in diesem Fall ist eine gute, selbstkritische Ausbildung der PädagogIn-
nen nötig. Die Initiativen sind zahlreich.
Fast jede Partei in Deutschland hat ihre Jugendorganisation. Dort können in-
teressierte Jugendliche selber politisch aktiv werden und die Gesellschaft mit-
gestalten. ZeitzeugInnen, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren oder
ehemalige Neonazis, können in Schulen und zu anderen Vorträgen eingela-
den werden. Sie helfen, eine weitere Perspektive, neben der der Großeltern
und des Unterrichts einzunehmen.
Initiativen, die die Gesellschaft wachrütteln sollen über die immer noch beste-
hende Existenz rassistischen Gedankenguts sind beispielsweise ,,#HassHilft"
(#HassHilft, 2015, Online-Quelle) oder die zahlreichen Aktionen der Amadeu-
Antonio-Stiftung (Amadeu-Antonio-Stiftung, Online-Quelle).
Es kommt zudem immer wieder vor, dass Menschen aus der Szene ausstei-
gen wollen. Auch dann ist es möglich, sie vom rechten Gedankengut und damit
von der Gewaltbereitschaft insgesamt und der gegenüber Fremden im Beson-
deren dauerhaft zu trennen. Die Gründe, die sie angeben, warum sie began-
nen über ihr Verhalten nachzudenken sind vielfältig. Ist es so weit gekommen
benötigen die ehemaligen Neonazis häufig Hilfe um nicht wieder abzurut-
schen.
,,An die Stelle vormaliger rechtsextremer Haltungen muss im Verlaufe des Ver-
änderungsprozesses etwas treten, was diese Haltungen zu ersetzen vermag
und zugleich sozial wie politisch akzeptabel ist. [...] Denn nicht die erhofften
Funktionalitäten [...] sind ,falsch`, sondern die Mittel, mit denen sie erfüllt wer-
den sollen" erklärt Möller (2015, S. 98). Zu diesem Zweck stellt er ein als die
,,KISS-Strategie" bekanntes Verfahren vor. Das bedeutet, den Betroffenen
,,[...] in Belangen der Kontrolle der Geschicke des eigenen Lebens, [...] im
Bereich der sozialen Integration, [...] in den Gelegenheitsstrukturen für sinnli-
ches Erleben und den diesbezüglich praktizierten Formen sowie [...] in Bezug
auf die Zuschreibung und Stiftung von Sinn" (Möller, 2014, S. 204) zu stärken,
da hier häufig Defizite vorliegen.
Eine sehr enge, individualisierte Arbeit mit den AussteigerInnen ist hierbei er-
forderlich.

14
Die Initiative ,,Exit-Deutschland" ist wohl das bekannteste Aussteigerpro-
gramm für Rechtsradikale. Neben dem Verfassungsschutz steht es mit seinen
regionalen Unterorganisationen allerdings ziemlich allein auf weitem Feld.
Neben der Gewährung von Schutz und Sicherheit vor den ehemaligen Kame-
radInnen bieten sie vor allem Unterstützung beim Aufbau eines neuen sozialen
Netzwerkes und der Suche nach Arbeit, beziehungsweise einer Ausbildungs-
stelle (EXIT-Deutschland, Ausstieg, Online-Quelle). Einen besonderen Fokus
legt ihre Arbeit auf die ,,kritische Reflektion, Aufarbeitung und ein erfolgreiches
Infragestellen der bisherigen Ideologie" [sic!] (EXIT-Deutschland, Definition,
Online-Quelle). Dabei erfolgt häufig eine eins zu eins Betreuung.
Inwiefern dort Alternativen für sinnliches Erleben, wie beispielsweise Alkohol-
konsum in der Kameradschaft geboten werden, bleibt offen. Die übrigen
Punkte der KISS-Strategie werden durch diese Arbeit jedoch abgedeckt.
3.2 Rassistisches Gedankengut verändern
Messerschmidt zeigt die vier Mechanismen auf, durch die das Vorhandensein
von Rassismus in der heutigen Gesellschaft negiert, bzw. verdrängt wird.
Dazu gehört unter anderem, dass Rassismus als ausschließlich Rechtsext-
reme Erscheinung dargestellt und bekämpft wird.
Im sozialpädagogischen Denken muss es demnach zunächst gelingen, Ras-
sismus von Rechtsextremismus abgegrenzt wahrzunehmen (Messerschmidt,
2010, S. 45-49). Wie oben gezeigt ist Fremdenfeindlichkeit nicht nur ein Phä-
nomen rechtsextremistischer Randgruppen sondern findet sich gerade auch
in der gesellschaftlichen Mitte, wird dort aber als solche nicht wahrgenommen
und daher als nicht vorhanden definiert und auch nicht bekämpft.
Um Rassismus außerhalb des Rechtsextremismus als solchen zu erkennen,
ist laut Messerschmidt ,,umfassende Arbeit an gesellschaftlichen Strukturen
notwendig" (2010, S. 47, vgl. Fechler, 2003).
Sie fordert deshalb ,,[eine] selbstkritische Praxis im pädagogischen Umgang
mit Rassismus [...] Voraussetzung dafür ist die Selbstreflexion der pädago-
gisch Verantwortlichen und ihre Bereitschaft, ihre eigenen sozialen Ausgangs-
bedingungen zu reflektieren" (Messerschmidt, 2010, S. 48).
Zu diesem Zweck werden lokale Seminare zum Thema ,,Critical Whiteness",
teilweise speziell für PädagogInnen angeboten, bei denen es unter anderem
darum geht, sich seines eigenen Rassismuspotentials bewusst zu werden und
Strategien im Umgang damit zu entwickeln.
Dass PädagogInnen sich ihrer eigenen Vorbelastung bewusst werden ist al-
lerdings nur ein erster Schritt.
Auch den rassistisch Handelnden gilt es bewusst zu machen, was Rassismus
ist und wie er sich äußert. ,,Critical Whiteness" ist dafür nur bedingt geeignet.
Das Konzept setzt bereits eine erste Erkenntnis darüber voraus, dass jedem
und damit auch einem selbst ein gewisses Maß an Fremdenfeindlichkeit inne
wohnt.
Diese Voraussetzung ist, wie oben gezeigt jedoch häufig nicht erfüllt.
Geeigneter scheint darum die sogenannte ,,Blue Eyed"-Methode der Grund-
schullehrerin Jane Elliot. Dabei werden die Besucher des Workshops in zwei
Gruppen eingeteilt: Die Braunäugigen und die Blauäugigen. Erstere werden

15
angeleitet, die zweite Gruppe zu diskriminieren, indem sie sie beispielsweise
von Gesprächen ausschließen oder ihre Meinung nicht ernst genommen wird.
Am Ende des Seminars wird evaluiert, was das Erlebte bei beiden Gruppen
ausgelöst hat (Diversity Works, Blue Eyed Workshop, Online-Quelle)
Gleichwohl moralisch umstritten (Schrödter, 2009, S. 97ff), lässt sie die Teil-
nehmenden ,,in höchstem Maß spüren, welche Auswirkungen Diskriminierung
hat. [...] Das Training verdeutlicht die Notwendigkeit, eine Gesellschaft aufzu-
bauen, die sensibilisiert ist für ungerechte und unfaire Handlungen und Bedin-
gungen, und eine diskriminierungsfreie Atmosphäre schafft. (Diversity Works,
Online-Quelle)
Wie bereits gezeigt, ist es notwendig der Gesellschaft das Vorhandensein von
Rassismus zu verdeutlichen um diesem begegnen zu können. Die beiden vor-
gestellten Projekte scheinen dafür geeignet, da sie sich auf die TeilnehmerIn-
nen und ihre eigene Wirklichkeit, ihr Erleben und Verhalten beziehen.
3.3 Vorurteile gegen den Islam abbauen
Wie oben gezeigt bezieht sich die Fremdenfeindlichkeit heute häufig speziell
auf die Gruppe der (vermeintlichen) Muslime, zu der auch viele der aktuell in
Deutschland ankommenden Flüchtlinge gehören.
Ursachen dafür sind seit langer Zeit gewachsene Vorurteile und Feindschaften
auf beiden Seiten, deren Wurzeln wir uns heute oft gar nicht mehr bewusst
sind (vgl. Oeser, 2015). Aber auch der Umgang der Medien mit aktuelleren
Ereignissen wie dem 11. September oder den Terroranschlägen in Paris am
13. November 2015 schüren die Ängste der Bevölkerung (vgl. Krämer, 2011)
vor der ,,Islamisierung des Abendlandes" und dem ,,islamischen Terror".
Abbildung 5: Befürchten Sie islamische Terroranschläge in Deutschland?
(ZDF Politbarometer, 2015)
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/380870/umfrage/umfrage-zur-erwartung-von-terroran-
schlaegen-in-absehbarer-zeit-in-deutschland/
.
Um wahre Integration zu ermöglichen ist es daher zwingend erforderlich be-
stehende Vorurteile abzubauen.

16
Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Eine davon ist die Aufklärung durch Dritte über Bestandteile der fremden Kul-
tur.
Zu diesem Zweck hat die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam
mit einigen bekannten YouTuberInnen unter #whatIS drei Videos erstellt. Un-
ter anderem erklärt dort LeFloid, was man unter ,,Kalifat" eigentlich versteht,
woher der Begriff stammt und inwiefern der Islamische Staat diesen miss-
braucht (LeFloid, 2015, Online-Quelle)
YouTube, vor allem die Chanels der beteiligten YouTuberInnen erreichen eine
breite Masse der Bevölkerung. Videos wie dieses sind also ein erster Schritt
um ein Umdenken in Bezug auf ,,die Fremden" zu ermöglichen.
Einen Schritt weiter geht die Plakataktion ,,Our Stories" in Köln. Dort haben
KünstlerInnen in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen Plakate gestaltet, die deren
Geschichten erzählen. Die Plakate wurden in einem Stadtviertel ausgestellt.
Diese Aktion geht weiter, als die vorherige, da sie nicht bloß Begriffe erklärt,
sondern die Bürger direkt mit Einzelschicksalen konfrontiert. Vorurteile über
Ursachen und Beweggründe der Flucht werden auf diese Weise oft gegen-
standslos (Our Stories, 2015, Online-Quelle)
Eine weitere ungleich intensivere Möglichkeit um Vorurteile abzubauen ist die
Kontakthypothese nach Allport. Diese besagt, dass durch intensiven Kontakt
mit Angehörigen des fremden Kulturkreises Vorurteile Abgebaut werden kön-
nen, gleich, welcher Form diese Andersartigkeit ist. (vgl. Allport, 1954).
Allerdings sollten einige Bedingungen erfüllt sein. ,,[...] Die Gruppen müssen
in der Situation, in der sie Kontakt haben, den gleichen Status haben. [...] Es
muss ein kooperatives Arbeiten für ein gemeinsames Ziel angeboten werden.
[...] Die Mitglieder der beiden Gruppen müssen sich persönlich näher kennen-
lernen. [...] Der Kontakt muß durch Autoritäten oder lokale Normen, Erlasse
und Vorschriften gewünscht werden" [sic!] (Dollase, 2001, S. 18, nach Allport,
1954). Außerdem soll ,,der Kontakt nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig
und in einem Klima stattfinden [...], das für beide Seiten angenehm ist" (Dol-
lase, 2001, S. 18, nach Amir 1969)
Der vielerorts als Hauptgarant für gelungene Integration angepriesene
Deutschunterricht durch Ehrenamtliche reicht demnach nicht aus, da die bei-
den Gruppen, Flüchtlinge - Ehrenamtliche nicht denselben Status haben. (Ob-
gleich er ein unverzichtbarer erster Schritt bleibt.)
Der Deutsche Fussball-Bund fördert unter dem Motto ,,1:0 für ein Willkommen"
Vereine, die es Asylsuchenden ermöglichen Teil der Mannschaften zu werden
(Deutscher Fussball-Bund, 2015, Online-Quelle)
Initiativen wie diese scheinen besser geeignet um Vorurteile abzubauen und
Integration zu ermöglichen, denn die TeamkollegInnen stehen auf der selben
Stufe, Zusammenarbeit ist notwendig um das gemeinsame Ziel zu erreichen:
Mehr Tore schießen als die anderen. Es ist leicht, die MitspielerInnen kennen
zu lernen, vor und nach dem Spiel bei einer Siegesfeier oder einfach in der
Umkleide. Trainings und Spiele finden regelmäßig mehrmals die Woche statt
und das Klima bei einem gemeinsamen Lieblingssport ist durchaus ange-
nehm. Dies scheint ein sehr erfolgversprechender Ansatz zu sein, erfordert
allerdings auch eine bereits bestehende Offenheit der deutschen SpielerInnen.

17
4 Fazit
Rassistisches Gedankengut und auch Gewalt gegen Fremde sind in unserer
Gesellschaft weiter vorhanden, bzw. nehmen sogar zu. Die Gründe für die Ab-
lehnung sind vielfältig, häufig sind es jedoch Angst und Vorurteile. Integration
und auch die Sicherung der Demokratie sind nur in einem toleranten Umfeld
möglich, weswegen eine Intervention nötig ist. Um die Befürchtungen der Men-
schen wirklich abzubauen, müssen sie ernst genommen werden. Durch igno-
rieren allein werden sie nicht verschwinden und stärken extremen Gruppen
sogar den Rücken. Um Jugendlichen, die in der Gefahr stehen sich zu radika-
lisieren angemessen begegnen zu können, ist es ­ neben dem Abbau rassis-
tischen Gedankenguts in der gesamten Bevölkerung ­ wichtig mit ihnen direkt
zu arbeiten und sie vor allem ernst zu nehmen. Die Initiative ,,EXIT" und ihre
Unterorganisationen leisten wertvolle Arbeit, um AussteigeInnen zu helfen. Al-
lerdings sollte auch hier mehr geboten werden um einsichtigen Rechtsextre-
mistInnen den Ausstieg aus der Szene zu erleichtern. Eine Sensibilisierung
der Bevölkerung, durch eine breite Thematisierung des Themas Rassismus,
besonders der Islamophobie ist weiterhin notwendig. Es gibt einige Angebote,
von YouTube-Videos bis hin zur Unterstützung für Fußballvereine, die erfolg-
versprechend sind. In diesem Bereich sind gerade in den letzten Jahren viele
neue Initiativen hinzugekommen und es ist wahrscheinlich, dass es noch mehr
werden, was angebracht erscheint. Des Weiteren zeigt es sich, dass eine gute,
selbstkritische Ausbildung der erzieherisch Tätigen zum Thema Rassismus
unerlässlich ist. Hier ist ein Ausbau der Weiterbildungsangebote wünschens-
wert.

18
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20 von 20 Seiten

Details

Titel
Integrieren lernen. Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und wie man ihr begegnen kann
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V338211
ISBN (Buch)
9783668276857
Dateigröße
1726 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Flüchtlinge, Rechtsextremismus, Xenophobie, Islamophobie, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
Arbeit zitieren
Marie-Sophie Vogel (Autor), 2015, Integrieren lernen. Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und wie man ihr begegnen kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338211

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