Religionskritik. Das Christentum als Ideologie


Facharbeit (Schule), 2016

11 Seiten, Note: 14


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Religionskritik

2. Grundlage der Erörterung

3. Cicero: Humanitas

4. Genesis: Macht und Verantwortung

5. Synthese I: eine Grundhaltung des Christentums

6. Exodus: Die Talionsformel

7. Genesis: Die Erbsünde

Exkurs: Definition von Ideologien

8. Die Tribute von Panem
8.1 Hunger Spiele
8.2 Gut und Böse – Ansichtssache

9. Anwendung der Heiligen Schrift in Panem
9.1 Die Distrikte: Verstoß des Kapitols gegen die Humanitas
9.2 Das Kapitol: Rechtfertigung der Unterdrückung

10. Synthese II: eine andere Grundhaltung des Christentums

11. Fazit

12. Quellen- und Literaturangaben

1. Religionskritik

In diesem Aufsatz soll es um Religionskritik gehen. Das Ziel ist weder eine Religion zu deformieren noch eine andere besonders hervorzuheben. Aus Gründen der Übersichtlichkeit erlaube ich mir, mich lediglich mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Eine Kritik ist einerseits kritisch, andererseits sollte sie auch konstruktiv sein. Religionskritik ist nicht neu, genauso wenig wie unbegründet. Besonders die politische Situation in der heutigen Zeit, man denke nur an sog. „islamistischen“ Terror, den Islamischen Staat, oder den Konflikt zwischen Israel und Palästina, macht eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion unumgänglich.. Die Kreuzzüge gehören wie die Hexenverfolgung heute der Vergangenheit an, aber Religion ist immer noch etwas äußerst Polarisierendes.

2. Grundlage der Erörterung

Als Grundlage meiner Kritik nehme ich Bezug auf den fiktiven Staat „Panem“ aus Suzanne Collins Trilogie Die Tribute von Panem. Dies hat den Vorteil für mich, der ich der Kritiker bin, Kritikpunkte anzusprechen innerhalb eines „Was wäre wenn?“-Szenarios, ohne dabei einzelne Personen oder Gruppen zu verunglimpfen, die real existent sind. Ich werde im Kern bestrebt sein die Heilige Schrift in „Panem“ zur Anwendung kommen zu lassen und zeigen, dass in vielerlei Hinsicht zwar gute Absichten zu erkennen sind, doch eine Religion – wie etwa das Christentum – auch Nährboden für Ideologien bietet.

3. Cicero: Humanitas

Cicero schrieb in einem Brief an seinen Bruder Quintus, der Statthalter der römischen Provinz Asia war:

„Bleibe mit ganzer Seele und allem Eifer dem Grundsatz, auf den du bisher vertraut hast, treu, damit du diejenigen, die der Senat und das Volk von Rom deiner Treue und deiner Macht anvertraut haben, achtest, sie auf jede Art und Weise schützt und willst, dass sie glücklich sind. Wenn aber das Schicksal dir Afrikaner, Spanier oder Gallier unterstellen sollte – wilde und ungebildete Völker – wäre es trotzdem ein Zeichen von Menschlichkeit, dich zu sorgen und deren Wohl und Nutzen und Glück zu dienen.“[1]

Cicero fordert seinen Bruder zur Menschlichkeit, der Humanitas auf. Er versteht darunter einen respektvollen und angemessenen Umgang der Menschen mit- und untereinander, also eine sozialen Verbänden und Strukturen einwohnende ethische Verhaltensweise, die für ein harmonisches und friedliches Miteinander notwendig ist. Auch wenn ein Stadthalter Macht habe, so gehe damit – so Cicero – auch Verantwortung einher. Völker, die dem Stadthalter untergeordnet sind, haben sich diesem einerseits unterzuordnen, andererseits hat dieser auch eine Verpflichtung gegenüber diesen und deren Wohlergehen. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, so drohen die Unterdrückten aufzubegehren und Autonomie zu usurpieren, u.U. gar diese mittels Gewalt zu erlangen. Vereinfacht kann man Ciceros Philosophie auch so zusammenfassen: Wenn man nicht schon aus Gründen der Ethik mit anderen teilt, dann wenigstens aus Gründen der Vernunft: Wenn reiche Leute ihre Spielsachen mit Armen teilen, dann begehren diese nicht auf widerrechtlich mit diesen spielen zu wollen.

4. Genesis: Macht und Verantwortung

Nicht nur in der christlichen Religion, sondern auch in anderen Religionen, schreiben religiöse Bücher, wie etwa die Bibel, implizite Verhaltensregeln vor, die es ihren Lesern ermöglichen sollen, durch Praktizieren der Schrift ein friedvolles Leben im Einklang mit ihren Mitmenschen zu führen. Religionsbücher beinhalten somit eine Art ethischen Verhaltenscodex. Im Christentum stellt bereits die Genesis eine grundlegende Maxime dar. Gott erschuf den Menschen als sein Abbild. Er bekommt Macht übertragen, zu herrschen über das Land und die Tiere. Doch damit geht auch eine Übergabe von Verantwortung einher. Der Mensch bekommt von Gott die Macht, um alleine über die Welt mit all ihren Wesen und Reichtümern zu herrschen, doch er soll wohl bedacht mit diesen umgehen.

5. Synthese I: eine Grundhaltung des Christentums

Das Christentum vertritt der Heiligen Schrift nach also im Kern eine äquivalente Auffassung der Humanitas (Macht und Verantwortung), wie sie Cicero fordert. „Panem“ ist ein Land gegliedert in das regierende „Kapitol“ sowie 13 Distrikte. Sämtliche Verfügungsgewalt geht vom Kapitol aus, welches die Distrikte „ernährt“. Kommt die Heilige Schrift zur Anwendung, so steht es außer Frage, dass die Distrikte ihre inferiore politische Lethargie zu akzeptieren haben, jedoch das machthabende „Kapitol“ in der Verantwortung ist, gut für die ihm untergeordneten Distrikte zu sorgen. So lässt sich folgern, dass eine Ordnung, in der die BürgerInnen in den Distrikten für das „Kapitol“ arbeiten, dieses diese jedoch mit Nahrung, Medizin versorgt und ihnen eine gute Infrastruktur, kurz: Wohl und Gesundheit, sichert, mit der Heiligen Schrift konform geht.

6. Exodus: Die Talionsformel

Die sog. Talionsformel wird häufig missverstanden. Der Grundsatz, wie er in Ex. 21.23f. beschrieben wird, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist nicht Ausdruck eines Rachedenkens, sondern der Beschränkung der Rache.[2] „Die Spirale der Gewalt sollte durchbrochen werden, indem genau begrenzt wurde, in welchem Umfang Rache geübt werden durfte.“[3] Das Alte Testament kennt eine große Zahl an Fällen, in denen Rache geübt wird.[4] Jesus fordert in seiner Bergpredigt die Menschen zur Feindesliebe auf: „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage Euch, leistet dem Bösen keinen Widerstand, liebt Eure Feinde!“ (Mt. 5,38f.44) Auch fordert er, dem Schläger der rechten Backe auch die andere darzubieten.[5] Man soll also nicht gleiches mit gleichem vergelten.[6] In den Psalmen, den sog. Klagepsalmen, in denen man Verzweiflung, Wut, Gewalt und Brutalität begegnet[7], schreien die Opfer von Gewalt jedoch furchtbare Rachegedanken heraus. „Das Gebot der Feindesliebe ist nicht immer leicht. […] Sie fordern die Vernichtung ihrer Peiniger. Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt – sind sie weit davon entfernt, selbst ihre Peiniger zu verstümmeln oder zu vernichten. Vielmehr stellen sie das Gott anheim.Ob und wie er das tut, bleibt ihm in seiner unendlichen Weisheit überlassen. Das ist der biblische Königsweg im Umgang mit Gewalt und Vergeltung.“3 Von zentraler Bedeutung ist dabei jedoch, dass allein Gott über die Vergeltung entscheiden darf[8]: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr“ (Römer 12,19) und „Sprich nicht: ich will Böses vergelten! Harre des Herrn, der wird dir helfen.“(Sprüche 20,22).

7. Genesis: Die Erbsünde

„Das Wort ‚Erbsünde‘ ist kein biblischer Begriff. Deshalb [finden sich] weder im Bericht über den Sündenfall des Menschen, noch im Neuen Testament Hinweise auf die Erbsünde.“[9] Der Kirchenlehrer Tertullian soll um 300 n.Chr. der Erste gewesen sein, der die Auffassung vertrat, da in Adam die ganze Menschheit steckte, habe sich diese auch mit diesem versündigt. Augustinus lehrte einige Jahre später, dass durch den Zeugungsvorgang die Sünde auf den Menschen übergehe. Er betont weiterhin, dass die Menschheit durch den Sündenfall den freien Willen zum Guten verloren habe und im Zustand der Erbsünde lebe[10]. Luther hält an Augustinus fest und betrachtet den Menschen aufgrund der Erbsünde, nicht wegen dessen eigener Sünden, als Sündigen.2Auch Joseph Ratzinger versteht die Erbsünde in einem biologischen Sinne. In kollektive menschliche Verstrickungen trete ein jeder durch seine Geburt ein.[11] „Laut Bibel wird der Mensch aber nicht deshalb als Sünder geboren, weil er ‚in Adam‘ gesündigt hat. Er trägt vielmehr wegen seiner Abstammung von Adam von Geburt an die Neigung zur Sünde in sich. Er hat die Tendenz zum Bösen, aber trägt noch keine persönliche Schuld, bis er selbst gesündigt hat.“2 „Trotz der offenkundigen Zweifel am Erbsünde-Dogma hält die Kirche gegenüber den gläubigen Laien an eben diesem Dogma fest. Zwischen moderner Theologie und kirchlicher Praxis klafft eine Differenz – dramatisiert durch die Androhung der schwersten Kirchenstrafe, den Ausschluss. Ausgestoßen werden soll, wer sich weigert zu glauben,Adam und Eva hätten als erstes Menschenpaar im Paradies Gottes Gebot – die Früchte des verbotenen Baumes nicht zu essen – übertreten und damit Tod und Verderbnis In die Welt gebracht; diese Sünde habe sich auf das gesamte Menschengeschlecht übertragen, sie werde durch die Zeugung vererbt, sodass bereits die Neugeborenen mit ihr belastet seien.“ (Spiegel[12] ) Um diese Haltung zu begründen beruft sich das kirchliche Lehramt auf die Genesis (1. Buch Mose, AT), deren „Wortsinn“ nicht bezweifelt werden dürfe. (ebd.)

Exkurs: Definition von Ideologien

Bei Ideologien handelt es sich um Weltanschauungen, die auf einem falschen Bewusstsein basiert.[13] Ideologien dienen meist dazu, um eigene Ansichten, Ziele oder Vorstellungen zu erreichen bzw. durchzusetzen.[14] Ideologien sind widersprüchliche Weltentheorien und Weltanschauungen. Für einen dem System einwohnenden Beobachter sind diese Widersprüche nicht existent, denn diese werden erst zu solchen relativ zu anderen Weltanschauungen. Aufgrund dessen, dass die Anschauungen aufgrund ihrer relativen Ideologie weit auseinander liegen, besteht ein starkes Spannungsfeld mit immensem Konfliktpotential, welches seine Kräfte entfesseln kann und zu entarten droht. Ideologien sind also gefährlich und bestehen dort, wo vernunftkonform (innerhalb eines Systems wohlgemerkt) stark voneinander abweichende, gar diametrale, Weltanschauungen entstehen können.

[...]


[1] Übersetzt ins Dt., Original: Cicero – An den Bruder Quintus et al., 1965, S.26ff., Link: https://books.google.de/books?id=FonnBQAAQBAJ&pg=PA26&lpg=PA26&dq=epistulae+ad+quintum+fratrem+humanitas&source=bl&ots=2DBcHYjvxs&sig=w6ORt5imqFt3v97k107IvgLbA1Y&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjivpjE97jOAhXLGCwKHUWrDoMQ6AEINjAE#v=onepage&q=epistulae%20ad%20quintum%20fratrem%20humanitas&f=false

[2] S. Kreuzer, Art. „Vergeltung“, Bibeltheologisches Wörterbuch, Graz 1994, 551-555; Link: http://www.kreuzer-siegfried.de/texte-zum-at/vergeltung.pdf

[3] https://chrismon.evangelisch.de/meldungen/rache-und-vergeltung-aus-biblischer-sicht-12003

[4] Vgl.http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/blutrache/ch/8cb72fbd627c4fe99c4eaaa5d02758ea/

[5] http://www.bibleinfo.com/de/topics/rache

[6] Vgl.http://www.paranormal.de/yoga/auszug/selig.htm

[7] https://www.erf.de/service-und-shop/predigten/rache-und-vergeltung-in-der-bibel/117-2183?range=detailDataset

[8] Vgl.http://www.christliche-autoren.de/mein-ist-die-rache.html

[9] http://www.bibelstudien-institut.de/bibelfragen/detail/bq/glaubensfragen/sind-neugeborene-durch-die-erbsuende-schuldig-vor-gott/#.V6t666LpxXl

[10] http://www.fkg-wuerzburg.de/inhalte/schule/faecher/religion/fachreferent/dokumente/Material%20Anthropologie/Biblische%20Anthropologie%20(Erbsuende%20und%20Rechtfertigung).pdf

[11] vgl. Joseph Ratzinger: Exkurs: Strukturen des Christlichen. In: Einführung in das Christentum, dtv 4095, München, 1971, S. 179

[12] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43732490.html

[13] Vgl. http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=426&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&no_cache=1

[14] Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 6., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung., Link: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17618/ideologie

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Religionskritik. Das Christentum als Ideologie
Note
14
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V338602
ISBN (eBook)
9783668282308
ISBN (Buch)
9783668282315
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Religionskritik, Christentum, Auge um Auge, Talionsformel, Humanitas, Glaube, Nietzsche, Antichrist, Gott
Arbeit zitieren
Joshua Beck (Autor), 2016, Religionskritik. Das Christentum als Ideologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338602

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