Gibt es den "guten Staat"? Auf der Suche nach der idealen Staatsform


Referat / Aufsatz (Schule), 2016
13 Seiten, Note: 13

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Staatstheorien
2.1 Staatstheorien der Antike
2.2 Staatstheorien der Aufklärung

3. Foucaults Machtanalytik

4. Geschichte des 20. Jahrhunderts

5. Staatsordnung und Politik in Panem

6. Der Gute Staat

7. Synthese

8. Quellen- und Literaturangaben

1. Einführung

In dieser Abhandlung widme ich mich der Frage, ob es so etwas wie einen „idealen“ oder „guten“ Staat überhaupt gibt. Ausgangspunkt meiner Analyse bildet eine Betrachtung von Staatstheorien der Antike, der Aufklärung sowie eine Einordnung in die Moderne. Von zentraler Thematik wird auch die Machtanalyse Michel Foucaults sein. Ferner nehme ich Bezug auf die Weltgeschichte und Suzanne Collins Trilogie Tribute von Panem vor dem Hintergrund einer machttheoretischen Analyse der Gesellschaftsordnung in dem fiktiven Land Panem, wobei ich einen Bezug zur Geschichte und Weltpolitik aufbauen werde. Ein Staat ist ein abstraktes, juristisches Gebilde, dessen Analyse ich auch gut auf eine fiktive Gesellschaftsordnung beziehen kann, um die wesentlichen Merkmale eines idealen Staates herauszuarbeiten.

2. Staatstheorien

2.1 Staatstheorien der Antike

Der antike Philosoph Platon vertrat die Auffassung, dass nur einige wenige kluge Menschen sämtliche politische Entscheidungen in einem Staat treffen sollten. (Vgl. Platon) Wie Platon glaubte auch Aristoteles an einen „Kreislauf der Verfassungen“, demnach eine Staatsform „entarte“ und durch eine andere abgelöst werde. (Vgl. Aristoteles) Beide Philosophen betrachteten den Staat als ein Gebilde, das seinen Bürgern zur Glückseligkeit gereichen sollte. (ebd.) Diese, so Aristoteles Auffassung, werde dann erreicht, wenn ein jeder das tun könne, was seinem Wesen entspreche.[1] Der Staat wird also als ein Gebilde betrachtet, welches sich um das Wohlergehen der Bürgen sorgen sollte. Um dennoch nicht alle Bürger „gleichzumachen“, wie es Platon durch ein demokratisches System befürchtete, sollte sich nur eine Elite der Gebildeten, den „Philosophen-Königen“, um die Lenkung des Staates kümmern, sich also dem Wohlergehen aller Bürger des Staates verschreiben. Dies klingt zwar plausibel, birgt aber auch eine große Gefahr des Machtmissbrauches.

2.2 Staatstheorien der Aufklärung

Um einem Machtmissbrauch vorzubeugen, schlug der englische Philosoph John Locke vor, die Staatsgewalt in mehrere Säulen zu unterteilen, die sich gegenseitig kontrollieren und aufeinander angewiesen sind.(Locke) Dieses Gewaltenteilungsprinzip, genannt „Balance of Power“ oder„Checks andBalances“, ist heute weitverbreitet. Neben einer Legislativen (Gesetzgebende Gewalt) und einer Exekutiven (Ausführende Gewalt) bedarf es noch einer Judikative (Beurteilende Gewalt), die allerdings erst durch Montesquieu in der Staatstheorie eine entscheidende Rolle erhielt.(Montesquieu)Jean-Jacques Rousseau, einer der einflussreichsten Philosophen im Frankreich des 18. Jahrhunderts, der auch die politische Gesinnung Robespierres während der Französischen Revolution stark beeinflusste, sagte einmal: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass man tun kann, was man will, sondern dass man nicht tun muss, was man nicht will“, womit das Grundproblem der Demokratie formuliert ist. Die Selbstständigkeit des Individuums ist für die Staatssouveränität eine unabdingbare Voraussetzung, doch wie soll dies mit einer demokratischen Ordnung, in der jeder Einzelne eigene Partikularinteressen vertritt, konform gehen?Rousseau sah eine Lösung in der Volkssouveränität. Die Gesamtheit aller Bürger habe einen Allgemeinwillen, der von möglichst vielen einzelnen Bürgern mitgetragen werden solle, sodass einerseits Politik betrieben werden könne, andererseits jeder Bürger seine Souveränität beibehielte. (Rousseau)Ein rechtmäßiger Staat könne nur auf diesem Gemeinwillen beruhen. Rousseau forderte also Demokratie durch Mehrheitsentscheide und, da diese eine Summe aller Partikularinteressen angibt, abstrakt und nicht greifbar ist, das Mehrheitsprinzip in guter Näherung das Staatsideal widerspiegelt. (ebd.)

In idealistischen Staatstheorien wird der Staat als Konsens autonomer Bürger angesehen, die zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden können. Doch da sehr fraglich ist, was „gut“ und was „böse“ sein soll, bleibt als Fazit lediglich: das angestrebte Verhalten eines Staates sollte dem Allgemeinwohl dienen. Das Individuum als solches wird aber weiterhin vernachlässigt. Kant verknüpfte liberales und demokratisches Denken: der Staat sei gerechtfertigt, wenn jedes Individuum sich durch seine Zustimmungsmöglichkeit als Miturheber von Recht und Staat fühlen könne.(Karlfriedrich Herb)Eine kritische Reflexion des „guten“ Willens (durch Anwendung der Vernunft) sei Grundvoraussetzung dafür, dass die Menschen in einem Staat möglichst gut (hier im Sinne von harmonisch) zusammenleben können. Der Staat hat die Aufgabe, dies zu unterstützen, sodass ein jeder seinem Wesen entsprechend handeln kann, um zur Glückseligkeit zu gelangen. Ein Staat ist ein Instrument zur Bewältigung komplexer, gemeinschaftlicher Aufgaben und Anforderungen – eine Idee, die sich im 19. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung durchsetzte.

3. Foucaults Machtanalytik

Macht bedeutet, die Dinge zu kontrollieren. Der Begriff der Macht impliziert Kontrolle. Zumeist vermag ihr Begriff negativ konnotiert sein, weil er impliziert, dass es neben einer superioren auch eine inferiore Position innerhalb eines Machtverhältnisses gibt. Macht ist kein „Gebiet“, es ist etwas Abstraktes. „Macht entsteht durch einen dynamischen Prozeß von polymorphen Kräfteverhältnissen,d.h. durch lokale, heterogene Kämpfe und Auseinandersetzungen.“ (Jäger: 8f.) „Macht tritt immer in der Form von Beziehungen auf; sie erscheint als ein strategisches Gefüge und geht auf ungleiche Kräfteverhältnisse zurück“ (Spilker: 27) Staatliche Organisationen stellen dabei eine Bündelung von Machtverhältnissen dar. (Vgl. ebd. 28,53) Somit ist der Staat keine „Universalie“, sondern etwas Bewegliches, sich (Selbst-)Bildendes. (Vgl. ebd. 48) Er ist daher kein einheitliches Gebilde. (Vgl. ebd. 54) „Die Disziplinarmacht (Militär, Schule, Hospital, Manufaktur, Strafvollzug)ist eine Machtform, die durch Normierung und Normalisierung unterhalbder juridischen Gesetzesform die Körper solchermaßen besetzt und ‚fabriziert‘, dass deren Effizienz gesteigert und zugleich das Widerstandspotentialminimiert werden soll.Mit dieser Machtanalytik gelangt Foucault erstmals zu einer positiven Auffassungder Macht: Sie unterdrückt nicht (nur), sondern produziert auch.“[2] Die Hauptaufgabe eines Staates sei es daher, sich um das Wohlergehen der Bürger zu sorgen:„Die säkularisierte Staatsmachtwill das Heil und Wohlergehen im Diesseits sichern; Medizin und Wohlfahrtssystemsollen die Gesundheit und Sicherheit gewährleisten. Als zweiten Punkt nennt Foucaultden Verwaltungsapparat und öffentliche Institutionen wie die Polizei. Gesundheitsbehörden,andere Ämter und Privatinitiativen kontrollieren die Hygiene, Gesundheit und öffentlicheOrdnung, damit der ökonomische Wohlstand gesichert bleibt.“ (ebd. 40)Ein Staat unterdrückt somit seine Bürger nicht, sondern fördert deren Autonomie:„Der Liberalismus "produziert" Freiheit und organisiert die Möglichkeitsbedingungen, indenen die Individuen frei sein können. Gerade diese Produktivität und ökonomischeNützlichkeit der Freiheit wirkt repressiv auf die Individuen. Die Regierung unterdrücktkeine Subjektivität, sondern fördert die "(Selbst-)Produktion", da sie daran die – obengenannten- Regierungsziele knüpft. Diese "Selbstverwirklichung" erfolgt mittels der ‚Durchsetzung einer 'autonomen' Subjektivität als gesellschaftliches Leitbild, wobei dieeingeklagte Selbstverantwortung in der Ausrichtung des eigenen Lebens an betriebswirtschaftlichenEffizienzkriterien und unternehmerischen Kalkülen besteht‘.“(ebd. 41)Diese Auffassung von einem „funktionierenden“ Staat geht im weiten Sinne mit den antiken Staatstheorien Platons und Aristoteles konform. Ein Staat hat seine Macht so zu nutzen, dass er das Wohle seiner Bürger sichert und ihnen zur Glückseligkeit gereicht.

4. Geschichte des 20. Jahrhunderts

Die Weimarer Republik (1919-1933)[3] wird oftmals als eine „Republik ohne Republikaner“ bezeichnet. Nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, der nach dem Ersten Weltkrieg die Friedensbedingungen der verfeindeten Parteien festlegte, wurde in Deutschland eine Republik instituiert. Der Gedanke, kein Herrscher bestimme über Recht und Ordnung in einem Staat, sondern das Volke selbst, geht zurück auf die Französische Revolution im Jahre 1879. Aufgrund einer gänzlich anderen politisch-strukturellen Organisation Deutschlands lässt sich folgende Aussage treffen: In Deutschland verlangte das Bürgertum niemals ein demokratisches System.

[...]


[1] Vgl. http://www.helpster.de/aristoteles-glueckseligkeit-erklaert-er-so_137999

[2] Knipp, Jens: Eine kurze Einführung in Michel Foucaults Machtanalytik, S.2. Link: http://www.ubudada.de/textpdf/macht.pdf

[3] Vgl. u.a. Gunther Mai (2014): Die Weimarer Republik und Wilhelm Matthiesen (2011): Geschichte. Kompaktwissen Oberstufe

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Details

Titel
Gibt es den "guten Staat"? Auf der Suche nach der idealen Staatsform
Note
13
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V339342
ISBN (eBook)
9783668293298
ISBN (Buch)
9783668293304
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staat, Gesellschaft, Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Cicero, Aristoteles, Platon, Staatstheorie, Staatsphilosophie, Foucault, Macht, Machtanalytik, Demokratie, Weltgeschichte, Unterdrückung, Humanitas, Republik, Römisches Reich, Gewaltenteilung, Kant, Locke
Arbeit zitieren
Joshua Beck (Autor), 2016, Gibt es den "guten Staat"? Auf der Suche nach der idealen Staatsform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339342

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