Humor – AHA?! Humortraining um den wohlwollenden und den korrektiven Humorstil zu trainieren


Projektarbeit, 2016
52 Seiten, Note: übertroffen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung:
2.1. Themenwahl
2.2. Motivation
2.3. Erläuterung des Titels

3 Humortraining
3.1 Geschichte und Definitionen des Humorbegriffs
3.2 Humortraining nach McGhee
3.3 Humortraining als motivierender Ressourcenstärker
3.3.1 Bedeutung
3.3.2 Humorsportler
3.3.3 Grundprinzipien beim Trainieren
3.3.4 Ablauf und mögliche Themen

4 Das Manual
4.1 Durchführung
4.2 Wohlwollender vs. Korrektiver Humorstil
4.2.1 kleiner Lebenszufriedenheitsexkurs
4.2.2 die «AHA?!» Grundhaltung - Basisintervention:
4.2.3 die beiden Humorstile
4.3 Interventionen zum Training vom wohlwollenden Humorstil
4.3.1 «Ja, genau!» - Angebote
4.3.2 Morgenturnübung – der Jasager
4.3.3 Gratulieren anstatt Danken
4.3.4 Vom einen zum ändern
4.3.5 Spielerische Haltung, Inkongruenz, Lachen
4.3.6 Humorjudo
4.3.7 Heute schon gelacht?! Denkpause
4.3.8 Emotionen entdecken
4.3.9 Komplimente verteilen
4.3.10 Entwicklung 2x3 Grad
4.3.11 Emotion einpacken
4.3.12 Sprache
4.4 Interventionen zum Training vom korrektiven Humorstil
4.4.1 Spinnerzeichen
4.4.2 Danke, dass Sie da sind
4.4.3 Dankbarkeitsübung
4.4.4 Enttäuschen
4.4.5 Schimpfwörterballspiel
4.4.6 Gegenteil (oder Weisswürste essen)
4.4.7 Zurücklachen – Auslachen – Mitlachen
4.4.8 Argumente suchen (Humorjudo)
4.4.9 Einverstanden, Mitmachen
4.4.10 Extrem, provokativ
4.4.11 Nachteile sind Vorteile
4.4.12 Weiterdenken

5 Schlussfolgerung

6 Literaturverzeichnis
6.1 Verwendete Internetseiten:
6.2 Weiterführende Webseiten:
6.3 Autorenzuordnung der Interventionen:

7 Anhang
7.1 Weitere positive Interventionen
7.2 Erlebnisberichte
7.3 Listen zu einzelnen Interventionen
7.4 Der Tempel der 1000 Spiegel – themenbezogene Geschichte

1. Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeitsetzt sich aus vielen verschiedenen Trainingsmöglichkeiten zusammen, durch die die Lesenden ihre beiden Humorstile, den wohlwollenden Humor und den korrektiven Humor trainieren und dadurch neu entdecken können.Als Ergänzung zum Manual werden zuerst der Begriff des Humors, sowie verschiedene Blickwinkel dazu erläutert. Die Definitionsbreite des Humors wird ein Stück greifbarer und klarer verständlich gemacht. Das Humortraining wird erläutert als eine Art des Trainierens von eigenen Verhaltenswiesen und Ressourcen.Es wird in dem Sinne eine Vielzahl an positiven Interventionsmöglichkeiten, aktiven Achtsamkeitsübungen beschrieben, die als Erstes dazu dienen das eigene humorvolle Verhalten zu erkennen und anzuwenden. Das heisst, die Lesenden kommen dazu, ihren wohlwollenden Humorstil zu trainieren. Der die Möglichkeit bietet, das Leben auf humorvolle Weise zu betrachten und durch den humorvollen Blick, Verständnis für die Unvollkommenheiten des menschlichen Lebens zu gewinnen (Ruch &Heintz, 2016). Dieses Manual führt darüber hinaus zumTrainieren des korrektiven Humorstils, mit welchem die Gelegenheiten gepackt werden können, in passenden Situationen eine neue/andere Sichtweise offen zu legen. Daraus kann eventuell anderes, verändertes Verhalten beobachtet, erlebt und erfahren werden.Es kann ein persönliches Korrigieren von Verhaltensweisen erfolgen.Diese Arbeit zeigt einmal mehr auf, dass die Ausprägungen humorvollen Verhaltens weitgehender sind, als dass es allein darum geht, gute Laune zu haben, fröhlich gestimmt zu sein oder die Fähigkeit und Bereitschaft zu haben gelassen zu reagieren (nach duden.de). Durch das aktive Trainieren der Humorfähigkeit unter anderem durch die vorliegenden Interventionen des Manuals wird erfahrbar gemacht, dass Lebenshaltungen, das Denken und das alltägliche Handeln selbst verändert werden können. Es ist möglich, dass dabei eigene Ressourcen neu- oder wiederentdeckt, vertieft und gepflegt werden.

2. Einleitung:

2.1. Themenwahl

Nimm’ dir Zeit und sei bereit, für des Wunders Herrlichkeit. (Salome Guggisberg)

Eine Beobachtung ist, dass es im alltäglichen Leben immer wieder auch Mut zum Ausdrücken von humorvoll wohlwollenden, wie auch humorvoll korrektivem Verhalten braucht. Es ist anzunehmen, dass schon viele Menschen wiederholend den Entschluss gefasst haben nach einer herausfordernden Situation in welcher sie reagierten, sich beim nächsten Mal anders zu verhalten. Oder sie denken sich, dass sie doch besser etwas gesagt oder getan hätten, als tatenlos zuzusehen. Dieses Manual spricht in dem Sinne nicht nur jene Menschen an, dieeigene Handlungstaktiken, Ressourcenneu entdecken, verfestigen, vertiefen und/ oder verändern wollen, mit anderen Worten, positiv wirken wollen. In gleichem Masse spricht es jene an, die mehr Möglichkeiten zur Verfügung haben möchten, um im Alltag gewandter zu reagieren. Also sich aus den scheinbar negativen, eventuell unbeweglichen, starren Situationen/ Gedanken hinauszubewegen. Es soll Freude bereiten in verschiedensten Bereichen humorvolles Verhalten zu nutzen. Eventuell entsteht dadurch vermehrtgegenseitiges Verständnis und wird eine gute Zusammenarbeitskultur gefördert.

Die unter den meisten Titeln kursiven Anekdoten machen auf die kommende Aussage des Folgetextes aufmerksam und bestärken sie.

2.2. Motivation

Mit Hingabe, Gelassenheit und Freude (indisches Sprichwort)

Die Idee, über die beiden Humorstile zu schreiben entstand, weil das Trainieren humorvollen Verhaltensstets als eine Brücke in vielen Hinsichten wahrgenommen wurde. Das Ressourcenstärkende Humortraining scheint breiter zu sein als das Humortraining nach McGhee. Allgemein soll es zu mehr Gelassenheit, Verständnis, Offenheit und Beweglichkeit im Leben führen. Es geht um das ganzheitliche Erleben und Fühlen, dass man sich sozusagen bewusst als «bio-psycho-soziales Wesen»(vgl. Sommerfeld et al., 2011)wahrnimmt. Es hat sich gezeigt, dass das Trainieren positiver Interventionen einem zu mehr Lebenszufriedenheit führen kann.Positive Interventionen sind Behandlungsmöglichkeiten, Methoden und situationsspezifische Aktivitäten, welche positive Gefühle, Verhaltensweisen oder Gedankengänge kultivieren wollen (Sin &Lyubomirsky, 2009). Sie zeigen auf, welche Ressourcen noch aktiviert werden können, um der Welt mit einem breiten und gestärkten Rücken zu begegnen. Humortraining ist eine Art der positiven Interventionen.

In der positiven Psychologie ist der veränderbare Zustand, das kultivieren des guten Lebens stets wichtig gewesen, geworden und geblieben (Proyer& Ruch, 2010). Doch um Veränderung zu schaffen, bedarf es des Willens, des Mutes, der Wachsamkeit und eines beweglichen Verstandesum den jeweiligen Zustand zu sehen, zu erkennen, wahrzunehmen und schliesslich zu verändern. Humor ist eine Charakterstärke und die Erfahrung zeigt, dass es sich in vielen Hinsichten lohnt sie auszuleben.

2.3. Erläuterung des Titels

Es ist eine Hommage an daseudämonische Glück, dem Bedürfnis ein gutes Leben in Einklang mit den eigenen identifizierten und kultivierten Tugenden zu leben (Proyer& Ruch, 2010).Durch das stete Trainieren von humorvollen Verhaltensweisen wird dieses Glück stets erneut erlebbar.

«AHA?!» (die Menschheit)

Diese Arbeit soll Ihnen, den Lesenden einen Moment des Innehaltens während des alltäglichen Lebens gewähren. Deshalb heisst die Arbeit «AHA?!». Das vorliegende Manual soll Ihnen Zeit geben und Mut machenimmer wiedereinen Schritt zurück zu gehen, um verschiedene Situationen in unterschiedlichen Lichtern zu sehen oder einmal um den Berg der Herausforderung zu wandern, bevor Sie reagieren.So können Sie, bevor eine Aktion, eine Aussage oder ein Erlebnis bloss angenommen werden, präsent bleiben. Betrachten Sie,was Ihnen begegnet und wählen Sie bewusster, wie Sie nun agieren möchten.

Im europäischenBereich haben viele Kinder früh gelernt, dass Geschenke angenommen werden sollen. Ist es möglich, dass Geschenke, besonders die Erlebnisse erst betrachtet und anschliessend angenommen oder abgelehnt werden könnten, falls Sie persönlich für die Gestaltung Ihres Lebens in gewissen Teilen verantwortlich sein wollen? Könnte manches noch möglich werden, wenn Sie es sich erlauben?Durchdie Trainingseinheiten des Manuals stehen Ihnen Möglichkeiten zur Verfügung, dass Sie sich eine bunte Anzahl an «Humormuskeln» antrainieren, um die Herausforderungen auf Ihre Weise und mit Freude zu bewältigen.

3 Humortraining

3.1 Geschichte und Definitionendes Humorbegriffs

«Ich bin Humortrainerin.» «Wie bitte?» «Hu-mor-trai-ne-rin.» «Ach, wie lustig!»

(Salome Guggisberg)

Die Begriffsgeschichte des Humorsgeht bis in die Antike zur damaligen dominierenden Humoralpathologie, die Lehre der Körpersäfte zurück (nach Falkenberg et al., 2013). Umor bedeutet übersetzt «Flüssigkeit» oder «Saft».Man bezeichnete damit den Überbegriff für die gelbe Galle (Chole), die schwarze Galle (MelasChole), das Blut (Sanguis) und den Schleim (Phlegma). Sprach man also damals in einem medizinisch-wissenschaftlichen Rahmen von «Humores», war damit die Ausgewogenheit der vier Körpersäfte gemeint. Waren die Säfte ausgeglichen,bedeutete dies, dass der Mensch gesund war. Später wurden jedem Körpersaft eines der vier Temperamente zugeordnet. War ein Mensch eher phlegmatisch (ängstlich, nachdenklich, friedlich, gemütlich), cholerisch (wütend, optimistisch, impulsiv, aktiv), melancholisch (traurig, nüchtern, sachlich, launisch) oder sanguinisch (fröhlich, gesellig, aufgeschlossen, lebhaft) veranlagt, war in dem Falle nach früherer Meinung in seinen Körper ein Überschuss an jener Körperflüssigkeit vorhanden. Daraus heraus entwickelte sich in England gegen Ende des Mittelalters der Begriff des «Humoristen». Damit wurden Menschen bezeichnet die einen unausgewogenen Charakter hatten und durch exzentrische, abnormale Verhaltensweisen zu Zielscheiben von Spott und Gelächter wurden.

Interessant ist, dass erst ab dem Mittelalter der Zusammenhang zwischen Heiterkeit, Witzigem und dem Lachen hergestellt wurde. Doch trotzdemwurde das Lachen lange Zeit als verwerflich angesehen, denn wenn sich jemand exzentrisch, unnormal verhielt, wurde gelacht. Andererseits wurde Lachen als das Gegenteil von Demut bezeichnet. Lachen war in einigen Kreisen sogar verboten und wurde von namhaften Menschen wie Kant als neutraler oder technischer Affekt verschmäht.Die Humanisten dagegen sahen zu der Zeit den Humor eher als souveräne Haltung, als wohlwollende Ausdrucksform des Lachens. Es erstaunt, dass der Humor, als weise, alltägliche Art zu leben erst anfangs des neuen Jahrtausends als tugendhaft bezeichnet wurde (vgl. Beermann & Ruch, 2009).

Heute ist Humor ein viel verwendeter Oberbegriff für verschiedene und doch miteinander verwandte Phänomene. Einerseits ist häufig als Erstes das Erleben von erfreulichen, lustigen Momenten gemeint und die damit verbundenen Gefühle der Erheiterung, und andererseits denken viele sofort an witzige Stimuli, wie z. B. lustige Bilder, Cartoons, Witze, Filme, Komik etc.Der Humor wird also im allgemeinen Sprachgebrauch sehr weit gefasst, was für die Forschung zum Definieren und Abgrenzen des Humorbegriffs herausfordernd ist (vgl. Falkenberg et al., 2013). Zudem wird nach der weitgehenden Wirkung des humorvollen Verhaltens und auch des Lachens auf unsere Psyche und unseren Körper weltweit weiter geforscht.

Grundsätzlich und einfach ausgedrückt ist also der Humor eine körpereigene «Sache», die durch unser Handeln und Verhalten zum Ausdruck kommt. Humor als Charakterstärke bezeichnet die gelassene heitere Haltung, mit der wir die alltäglichen Herausforderungen leichter bewältigen können. Die Ausdrucksformen des Humors sind in den verschiedenen Humorstilen zu finden (Peterson &Seligman, 2004).

3.2 Humortraining nach McGhee

Ob jung, ob alt, ob ernst, ob heiter - Humor trainieren, bringt alle weiter (nach Rusch & Stolz, 2009)

Paul McGhee ist derjenige, der1996 das achtstufige Humortraining entwickelte. Dieses wurde 2009 von Sandra Rusch und Heidi Stolz ins Deutsche übersetzt und durch ihre Lizentiatsarbeitmit fast 100 Personen durchgeführt, um empirisch zu zeigen, dass der Sinn für Humor durch das beschriebene Humortraining erlernbar ist.In den sieben stündlichen Sequenzen, die wöchentlich stattfinden, wird Folgendes besprochen und gemacht (nach Falkenberg et al., 2013):

1. Sequenz: Sinn für Humor hat jeder – ich auch!

Es geht dabei darum, den Begriff und die Geschichte des Humorszu klären. Der Unterschied zwischen Lachen und humorvollem Sein wird aufgezeigt. Anschliessend bekommen die Teilnehmer die Gelegenheit sich über den eigenen Sinn des Humors klar zu werden und weshalb er im menschlichen Leben wichtig ist.

2. Sequenz: Ernsthaftigkeit im Endstadium? Der Wert der spielerischen Haltung

Um sich humorvoll zu Verhalten braucht der Mensch das Spiel. Es wird geklärt, was Spielen ist, warum der Mensch das instinktive Bedürfnis des Spielens in sich trägt und welche Reichweite an Ausdrucksformen eine spielerische Haltung haben kann.

3. Sequenz: Witze erzählen und Lachen

Hier wird erklärt, was in unserem Gehirn geschieht, wenn wir Menschen Witze verstehen und anschliessend lachen. Witze zu erzählen erfordert Präsenz in der Situation. Goldene Regeln zum Witzeerzählen werden gemeinsam besprochen und durchgespielt. Der grössere Fokus der Sitzung wird auf die intuitive Produktion des Lachens gelegt. Die Dimensionen des Lachens gehen sehr viel weiter, als die meisten Menschen oft als Erstes vermuten. In dieser Sitzung wird das Lachen als körpereigenes Instrument, als Ausdruck von Emotionen und als Belohnungssystem unseres Hirns erläutert. Auch das «echte Lachen», die körperlichen Reaktionen und die Gründe der Ansteckungskraft des Lachens werden dabei angesprochen.

4. Sequenz: Mit Worten spielen und Humor entstehen lassen

Wenn die Kursteilnehmer wissen, wie Witze zustande kommen, können auch eigene produziert werden. Mit Wortspielereien, doppel- und mehrdeutigen Wörtern, Phantasiebegriffen und Übertreibungen wird gespielt. Durch das Spiel und auf der Suche in Medien finden und produzieren die Teilnehmenden Pointen.

5. Sequenz: Alltäglicher Humor – dem Alltag mehr humorvolle Seiten abgewinnen

Zum einen geht es darum, humorvoll zu agieren und zum anderen vor allem darum bereits humorvoll Vorhandenes im eigenen Alltag bewusster zu entdecken. Konkrete Handlungsanweisungen begünstigen das Erkennen und das bewusstere Erfahren.

6. Sequenz: Über sich selber lachen lernen

Das Lachen über uns selbst hatAuswirkungen auf unseren Körper, unsere Psyche und auf unsere Beziehungen. Was geschieht, wenn nicht nur über andere/ anderes gelacht werden kann, sondern erlaubt ist, über einen selbst zu lachen?Oder sogar gemeinsam über sich selbst gelacht wird? Durch angeleitete Gedankengänge finden die Teilnehmenden selbst heraus, über was alles sie lachen und wie man zum Lachen über sich selber finden könnte.

7. Sequenz: in Stresssituationen den Humor behalten

Zuerst wird erläutert, welche Ursachen Stresssituationen haben können. Durch Humor und Lachen kann das emotionale Empfinden des Stresses gelindert, die Spannung der stessvollen Situation reduziert und die Handlungsbereitsschaft erhöht werden. Dazu werden Wirkmechanismen und mögliche Anwendungsformen durchgespielt und besprochen.

In die Struktur der Sequenzensind unter dem vielen Dialogisieren, Kommentieren und Diskutieren stetspositive Interventionen eingebaut. Als Kernstück jedes Humortrainings dienen sie dazu, die humorvolle Thematik mit unserer Erfahrung zu verbinden.Zudem helfen sie, dass das die Informationen ins Langzeitgedächtnis wandern (vgl. Birkenbihl, 2014). Ohne die eigene Erfahrung kann es so passieren, wie esElwyn Brooke White (1941) zu sagen pflegte und hier von der Verfasserin ins Deutsch übersetzt wurde: «Humor kann wie ein Frosch seziert werden. Die Sache stirbt beim Prozess, der Inhalt schreckt die Meisten ab und nur ein paar Wissenschaftler interessiert’s.»

Daher bekommen die Teilnehmenden jeweils Interventionsaufgaben für den Alltag mit. Dazu schreiben sie während des Humortrainings ein eigenes Humortagebuch. Dadurch könnenin den Zeiten zwischen den Lektionen die besprochenen Inhalte und die durchgeführten Interventionen verinnerlicht werden. Das aktive und bewusste Mitmachenhilft, dass die neuen mit den bekannten Erfahrungen und Gedankengängenreflektiert und verbunden werden können. Es ist so, wie wenn sich durch das «Gehirnjogging» neue «Gehirnmuskeln»antrainierenliessen.

Die 8. Sequenz ist eine Evaluationssitzung, damit Erfahrungen reflektiert und mit persönlichen Statementsvertieft für die Zukunft mitgenommen werden können.

3.3 Humortraining als motivierender Ressourcenstärker

3.3.1 Bedeutung

Sich selbst und andere achtsam führen (Christoph Emmelmann)

Der Grundgedanke des Humortrainings, den Christoph Emmelmann lehrt und selbst anwendet, zielt dahin, die eigenen Ressourcen für den herausfordernden Alltag auf humorvolle Art und Weise zu stärken und sie so trainiert erneuert anzuwenden. Der uralte Spruch, dass man seines Glückes eigener Schmied sei, drückt genau den Leitgedanken aus, welcher bedeutet, dass sich der Mensch seiner Eigenverantwortung für sein Leben wohl bewusst sein sollte. Voraussetzung dafür ist, dass das was erlebt wird, auch anders wahrgenommen werden kann. In dem Sinne könnte das persönliche Erleben gelenkt werden.

Genau darinliegt offenbar die Herausforderung der heutigen persönlichen Lebensweise, sich selbst in der Gesellschaft zurecht zu finden. Die Menschen werden bereits in die scheinbar unendlichen Möglichkeiten das Leben zu leben hineingeboren. In eine Welt des Hedonismus hineingeboren zu sein bedeutet, dass unter anderem das Streben nach der Maximierung von Vergnügen im Vordergrund steht (Ruch &Proyer, 2011). Gerade in der Schweiz zu leben kann bedeuten, dass man sich im Spannungsfeld zwischen dem Hedonismus und der Eudämonie befindet. Strebend nach einer gelungenen Lebensführung, die glücklich und zufrieden machen kann in einer stark strukturierten Gesellschaft mit geregelten Abläufen.Sich in diesem Spannungsfeld zu sehen, kann bedeuten sich als Opfer der Verhältnisse zu fühlen oder sich zu entscheiden diese zu meistern.Und wenn man die Verhältnisse nicht ändern kann, gibt es vielleicht die Möglichkeit seine Einstellung dazu ändern?

3.3.2 Humorsportler

Sport: nach bestimmten Regeln [im Wettkampf] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung. (nach duden.de)

Da die Teilnehmenden eines Humortrainings stets geistig und körperlich aktiv sind, werden sie «Humorsportler» genannt.

Humortraining erinnert und führt die Humorsportler wieder zu ihren ureigenen freien, beweglichen und spielerischen Lebensführungsmöglichkeiten zurück. Die Interventionen führen dazu das Denken und Handeln aufzufrischen.Damit wird neues Aufblühen im Alltag (Flow-Effekt erleben) erfahren(Seligman, 2011). Es entstehen Möglichkeiten neue Gedankenmuster zu entwickeln und sich von alten, eventuell negativ manipulierenden Gedankenstrukturen zu lösen.Das ressourcenstärkende Humortraining zielt dahin, dass wenn der Humorsportler den unterschiedlichsten Herausforderungen begegnen sollte, er fähig bleibt um damit bewusst umgehen und fortfahren zu können.

Es ist wichtig, dass sich die Humorsportler bewusst sind, dass mit humorvollem Verhalten, besonders mit dem korrektiven Humorstil stets weise und sorgfältig umgegangen werden soll. Der Gebrauch von humorvollem Verhalten hängst stark von individuellen und situativen Faktoren ab. Und obwohl mehrheitlich positive Wirkungen zu beobachten sind, können auch Nebenwirkungen auftreten (vgl. Wild, 2012). Martin (2007) unterscheidet 4 verschiedene Humortypen, welche ebenfalls geachtet werden sollen. Die Humorstile können adaptiv (verbindend bzw. selbststärkend) oder maladaptiv (aggressiv bzw. selbstentwertend) sein.

3.3.3 Grundprinzipien beim Trainieren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung 1: «Das Humorhaus» visualisiert nach Emmelmann, 2014))

1. J der persönliche humorvolle Umgang mit einem selbst
2. J das humorvolle Verhalten mit und durch Mitmenschen
3. J das humorvolle Verhalten mit der Natur, dem Leben und mit Gegenständlichem

Das Humorhaus nach Christoph Emmelmann versucht die Breite der Dimensionen eines Humortrainings und einer humorvollen Haltung aufzuzeigen. Diese Aufzeichnung des Humors zeigt ausserdem auf, dass ein humorvolles Relativieren auf Einsicht, Toleranz und Reife fusst und die Freiheit und Unabhängigkeit im Alltag fördert (vgl. Höfner & Schachtner, 1997). Das humorvolle Verhalten beeinflusst nicht nur die Gefühle, den Körper, das Erleben in der Welt, sondern auch ganz klar das Denken (Wild, 2012).Die spielerische Haltung ist dabei einer der wichtigsten Aspekte, weil sie zwischenmenschlich verbindet, nach stets vorhandenen Regeln funktioniert, ein Gefühl von Spannung und Freude, die Beweglichkeit und ein «sich anders fühlen können» fördert (vgl. Huizinga, 1944, in: Kreuzer, 1983).

3.3.4 Ablauf und mögliche Themen

Humor belebt, bewegt, befreit und macht zur Achtsamkeit bereit. (Salome Guggisberg)

Auch im ressourcenstärkenden Humortraining wird die Zahl der 7 Trainingssequenzen und einer 8. Evaluationssitzung,die möglichst innerhalb eines halben Jahres stattfinden, beibehalten. Die Inhalte sollen präsent bleiben und durch das stete Selbsttraining, ist es möglich einen Lerneffekt zu erzeugen.Diese Aussage wird durch dieVergessenskurve von Herrmann Ebbinghausen bestätigt, die er 1885 durch Selbstversuche entdeckt hat. Das stetige Wiederholen in kurzen Zeitabständen istfür unser Gehirn zentral, wenn wir neue Inhalte dazulernen möchten (Luchsinger, 2016).

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Humor – AHA?! Humortraining um den wohlwollenden und den korrektiven Humorstil zu trainieren
Hochschule
Universität Zürich  (Psychologisches Institut)
Veranstaltung
Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik
Note
übertroffen
Autor
Jahr
2016
Seiten
52
Katalognummer
V340672
ISBN (eBook)
9783668316577
ISBN (Buch)
9783668316584
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Humor, Humortraining, Willibald Ruch, positive Psychologie, Flourishing, Seligman, McGhee, Charakterstärken, Lebenszufriedenheit, Forschung, Alltag, Ressourcen, Praxis, Beispiele, Humordefinition, Interventionen, Fundgrube, Motivation, Emotion, Vorteile, provokativ, handeln, erleben, Stimuli, Lizentiatsarbeit, Universität Zürich, Körper, Geist, Seele, bio-psycho-soziales Wesen, korrektiv, wohlwollend, wohlwollender Humorstil, korrektiver Humorstil
Arbeit zitieren
Salome Guggisberg (Autor), 2016, Humor – AHA?! Humortraining um den wohlwollenden und den korrektiven Humorstil zu trainieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340672

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