Soziale Netzwerke von Menschen mit Diagnose Schizophrenie

Ein Vergleich von Menschen mit Diagnose Schizophrenie und ohne Diagnose Schizophrenie mit Hilfe der Qualitativen Netzwerkanalyse


Masterarbeit, 2016

150 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzreferat

Abstract

Abbildungs-, Grafiken- und Tabellenverzeichnis

AbkürzungsverzeichnisXI

1.Einleitung1
1.1. Ausgangslage
1.2. Forschungsinteresse und Forschungsfragen
1.2.1. Erkenntnisbedarf und die Zielsetzung
1.2.2. Formulieren und Erläutern der Forschungsfragen
1.3. Aufbau der Arbeit Theoretische Grundlagen

2. Schizophrenie
2.1 Definition der Gesundheit
2.2. Definition der Schizophrenie
2.3. Diagnose nach ICD-10 und DSM-IV
2.3.1. Diagnosekriterien nach ICD-10, F
2.3.2. Diagnosekriterien nach DSM-IV
2.4. Ursachen der Schizophrenie
2.5. Beginn der Schizophrenie
2.6. Medikamentöse Behandlung der Schizophrenie
2.7. Psychotherapeutische Behandlung der Schizophrenie
2.8. Stigmatisierung schizophren erkrankte Menschen

3. Bio-psycho-soziales Modell in Klinischen Sozialen Arbeit
3.1. Bio-psycho-soziales Krankheitsmodell
3.2. Beispiele aus Forschungsergebnissen
3.3. Bio-psycho-soziale Behandlung

4. Lebensweltorientierung in Klinischen Sozialen Arbeit
4.1 Die Lebenswelt
4.1.1. Die Lebensweltorientierung nach Thiersch
4.1.2. Zentrale Handlungsmaximen nach Thiersch
4.2. Die Lebensweltorientierung in der Klinischen Sozialarbeit

5. Resilienzforschung
5.1. Definition der Resilienz
5.2. Beispiele aus Forschungsergebnissen
5.3. Resilienzfaktoren

6. Netzwerkanalyse
6.1. Der Mensch als soziales Wesen
6.1.1. Gemeinschaft und Gesellschaft
6.2. Definition von sozialem Netzwerk
6.3. Definition von Netzwerkanalyse
6.4. Die ego-zentrierte Netzwerkanalyse
6.5. Beispiele von ego-zentrierten Netzwerkstudien Empirische Untersuchung

7.Methodisches Design
7.1. Das Erhebungsinstrument
7.1.1. Die Schritte einer Netzwerkanalyse
7.1.2. Datenerhebung mittels ergänzenden leitfaden-gestützten Interviews
7.2. Die Stichprobe
7.3. Datenerhebung
7.4. Auswertungsmethoden
7.4.1. Datenauswertung der ego-zentrierten Netzwerkkarten
7.4.2. Auswertung der Interviews nach Mayring

8. Darstellung der Ergebnisse derego-zentrierten Netzwerkkarten
8.1. Ergebnisse der Netzwerkanalyse für Menschen mit der Diagnose Schizophrenie
8.1.1. Gesamtzahl der Personen im Netzwerk
8.1.2. Anzahl der Personen nach Lebensbereichen
8.1.3. Anzahl der Personen nach Lebensbereichen und Geschlecht
8.1.4. Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit Diagnose Schizophrenie
8.2. Ergebnisse der Netzwerkanalyse für Menschen ohne Diagnose Schizophrenie
8.2.1. Gesamtzahl der Personen im Netzwerk
8.2.2. Anzahl der Personen nach Lebensbereichen
8.2.3. Anzahl der Personen nach Lebensbereichen und Geschlecht
8.2.4. Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen ohne Diagnose Schizophrenie
8.3. Vergleich der Netzwerkanalyse von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie
8.3.1. Vergleich Gesamtzahl der Personen im Netzwerk
8.3.2. Vergleich Gesamtzahl Personen nach Geschlecht
8.3.3. Vergleich Anzahl der Lebensbereiche
8.3.4. Vergleich Anzahl der Lebensbereiche von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie nach Geschlecht
8.3.5. Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie
8.3.6. Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie. Vergleich nach Geschlecht
8.3.7. Vergleich Anzahl von Tieren in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie
8.3.8. Vergleich nach Größe der Bereiche von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie

9. Darstellung der Interviewergebnisse
9.1. In Bezug zum bio-psycho-soziale Modell
9.2. In Bezug zur Lebensweltorientierung nach Thiersch
9.3. In Bezug zur Resilienzforschung

10. Beantwortung der Forschungsfragen

11. Empfehlungen für die Klinische Soziale Arbeit

12. Literaturverzeichnis

13. Anhang

- Die ego-zentrierte Netzwerkkarte

- Netzwerkkarte und Interviewleitfaden

- Einwilligungserklärung

- Die Netzwerkkarte M1

- Interview M1: Mann, 32 Jahre alt, Diagnose: Paranoide Schizophre- nie

Abbildungs-, Grafiken- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1:Abgrenzung der Schizophrenien; Finzen , Asmus 2011, S. 87 mit einer Grafik von Tolle 199.S. 210

Abbildung 2:Das bio-psycho-soziale Modell; Pauls 2013, S. 99; nach Friedrich 2000, zn. Beck & Borg-Laufs 2010, S. 66

Abbildung 3:Professioneller Ansatz der Klinischen Sozialarbeit; eigene Darstellung

Abbildung 4:Resilienzfaktoren; Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 42

Abbildung 5:Landkarte der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung; Weyer 2014, S. 50

Abbildung 6:Egozentrierte Netzwerkkarte; EGONET-QF; Pfeffer

Abbildung 7:Erklärung Netzwerkkarte (F2); Ausarbeitung durch die Verfasserin basierend auf Straus et. al. 2012, S. 38

Abbildung 8: Ablaufmodell strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse; Mayring 2002, S. 120

Abbildung 9:Netzwerkkarte F1; Frau mit Diagnose Schizophrenie 50 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 10:Netzwerkkarte F2; Frau mit Diagnose Schizophrenie 60 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 11:Netzwerkkarte F3; Frau mit Diagnose Schizophrenie 50 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 12:Netzwerkkarte M1; Mann mit Diagnose Schizophrenie 32 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 13:Netzwerkkarte M2; Mann mit Diagnose Schizophrenie 29 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 14:Netzwerkkarte M3; Mann mit Diagnose Schizophrenie 30,5 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 15:Netzwerkkarte FG1; Gesunde Frau 44 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 16:Netzwerkkarte FG2; Gesunde Frau 39 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 17:Netzwerkkarte FG3; Gesunde Frau 31 Jahre alt; eigene Darstellung

Abbildung 18:Netzwerkkarte MG1; Gesunder Mann 35 Jahre alt; eigene Darstellung…

Abbildung 19:Netzwerkkarte MG2; Gesunder Mann 37 Jahre alt; eigene Darstellung.

Abbildung 20:Netzwerkkarte MG3; Gesunder Mann 57 Jahre alt; eigene Darstellung

Grafik 1:Anzahl der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Geschlecht (m); eigene Darstellung

Grafik 2:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen (m); eigene Darstellung

Grafik 3:Geschlechtliche Unterschiede von Lebensbereichen bei Menschen mit Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 4:Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit Diagnose Schizophrenie (m) ; eigene Darstellung

Grafik 5:Anzahl der Personen in der Netzwerkkarte bei Menschen ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Geschlecht (m); eigene Darstellung

Grafik 6:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen (m); eigene Darstellung

Grafik 7:Geschlechtlicher Unterschied von Lebensbereichen bei Menschen ohne Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 8:Positionierung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen ohne Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 9:Gesamtanzahl der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 10:Geschlechtlicher Unterschied von Gesamtzahl der Menschen in den Netzwerkkarten (m); eigene Darstellung

Grafik 11:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen (m); eigene Darstellung

Grafik 12:Anzahl der Personen in Lebensbereichen von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Geschlecht (m); eigene Darstellung

Grafik 13:Verteilung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 14:Verteilung der Personen in der Netzwerkkarte von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie, vergleich nach Geschlecht (m); eigene Darstellung

Grafik 15:Tiere in den Netzwerkkarten von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie (m); eigene Darstellung

Grafik 16:Vergleich nach Größe der Bereichen von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie (Angaben in %); eigene Darstellung

Tabelle 1:Zentrale Handlungsmaximen nach Thiersch; Ausarbeitung durch die Verfasserin basierend auf vgl. Schilling; Zeller 2012, S. 166f. mit vgl. Thiersch 1990, S. 85ff

Tabelle 2:Zusammenfassung der Befunde; Bengel; Meinders-Lücking; Rottmann 2009, S 45

Tabelle 3:Daten der Befragten; eigene Darstellung

Tabelle 4:Dauer der Interviews; eigene Darstellung

Tabelle 5:Kodierplan des Leitfadeninterviews; eigene Darstellung

Tabelle 6:Auszug Kodierplan mit Antworten der durchgeführten Interviews; eigene Darstellung.

Tabelle 7:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung

Tabelle 8: Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen; eigene Darstellung

Tabelle 9:Lebensbereiche von Männern mit Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung..

Tabelle 10:Lebensbereiche von Frauen mit Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung

Tabelle 11:Positionierung der Personen von Menschen mit Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung

Tabelle 12:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen; eigene Darstellung

Tabelle 13:Anzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen; eigene Darstellung

Tabelle 14:Anzahl der Personen im Netzwerk von Männern ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen; eigene Darstellung

Tabelle 15:Anzahl der Personen im Netzwerk von Frauen ohne Diagnose Schizophrenie, getrennt nach Lebensbereichen; eigene Darstellung

Tabelle 16:Positionierung der Personen von Menschen ohne Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung

Tabelle 17:Gesamtzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie; eigene Darstellung

Tabelle 18:Gesamtzahl der Personen im Netzwerk von Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie. Vergleich nach Geschlecht; eigene Darstellung

Tabelle 19:Ein Vergleich von Aussagen in Bezug zum bio-psycho-sozialen Modell von Menschen mit D. S. und der Kontrollgruppe; eigene Darstellung

Tabelle 20:Ein Vergleich von Aussagen in Bezug zur Lebensweltorientierung von Menschen mit D. S. und der Kontrollgruppe; eigene Darstellung

Tabelle 21:Ein Vergleich von Aussagen in Bezug zur Resilienzforschung von Menschen mit D. S. und der Kontrollgruppe; eigene Darstellung.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In diesen Kapiteln wird die Ausgangslage mit dazugehöriger Forschungsinteresse beschrieben. Die Forschungsfragen wurden formuliert und erläutert. Einen Überblick über die Forschungsarbeit wird in Aufbau der Arbeit erfolgen.

1.1. Ausgangslage

Der Mensch mit oder ohne Diagnose Schizophrenie ist ein soziales Wesen und befindet sich in ständiger Interaktion zwischen Individuen und der Umwelt, wo er lebt. Lersch (1964) zitierte die Worte des Aristotiles:„[…] es gehöre zur Natur des Menschen, in Gemeinschaft mit Wesen gleicher Art zu leben, und anders sei er nicht fähig zu existieren.“(Lersch 1964, S.11)

Ein subjektives seelisches Leben ist von inneren Prozessen wie Gefühlen, Gedanken etc. im Individuum geprägt. (vgl. Lersch 1964, S.11)

Die Seele nach Lersch ist mehr:„[…] ein Dialog zwischen dem Einzelnen und der Welt, in der er lebt und zu der er sich verhält.“(Lersch 1964, S.11)

Die seelische Erkrankung Schizophrenie hat einen Einfluss auf die Interaktion zwischen dem Individuum und seiner Umgebung. Soziale Beziehungen des Individuums bilden ein soziales Netzwerk, zu welchen meistens Familienmitglieder, Freunde, Kollegen sowie andere alltägliche Begegnungen mit Menschen gehören. Die sozialen Netzwerke haben einen Einfluss auf das bio-psycho- soziale Wohlbefinden der schizophren Erkrankten.

Pauls (2013) Aussage zu diesem Thema lautet:„Menschen die Belastungssituationen ausgesetzt sind, erfahren geringere schädigende Wirkungen auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden, wenn sie […] mit anderen zusammen sind […].“(Pauls 2013, S. 80)

Pauls (2013) erwähnt Ergebnisse einer Studie, welche über die Gesundheit forschte. Lt. den Ergebnissen, haben gesunde Personen ein großes soziales Netzwerk. In denen nehmen sie anerkennende stabile soziale Rollen ein. Das positive regelmäßige Gefühl, welches Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wurde durch die Gemeinschaftszugehörigkeit und Wertschätzung erzeugt. (vgl. Pauls 2013, S. 84)

In der vorliegenden Masterarbeit werden die Unterschiede zwischen sozialen Netzwerken von Personen mit Diagnose Schizophrenie und den Kontrollgruppe erforscht. Um eine Wirkung der Erkrankung auf soziale Netzwerke festzustellen, ist eine Vergleichsstichprobegruppe mit Nicht-Schizophrenen notwendig.

Nach Geiser (2009) unterscheiden sich soziale Beziehungen auf natürliche und künstliche Weise. Die familiären, freundschaftlichen sowie nachbarschaftlichen Beziehungen gehören zu den freiwilligen sozialen Systemen bzw. Netzwerken. Die künstlichen Systeme unterscheiden sich durch vorgegebenen Strukturen und Normen, sie haben einen kleinen Spielraum für Selbstbestimmung. Die soziale Position des Menschen im System hat einen Einfluss auf die Mitwirkung, Gestaltung und Umsetzung der Interaktion in den Bereichen Entscheidung und Kontrolle. (vgl. Geiser 2009, S. 162)

Dies ist bei Menschen mit Diagnose Schizophrenie, als bei Nicht-Schizophrenen anders. Die meisten Erkrankten haben einen Sachwalter, welcher über finanzielle Ausgaben etc. entscheidet, oder sie müssen z. B. in sozial-psychiatrischen Einrichtungen usw. leben. Oft hat die fehlende Selbstbestimmung natürlich eine Auswirkung auf die sozialen Netzwerke.

Die Schizophrenie prägt auf Betroffene und ihre Angehörigen einen stigmatisierenden Stempel, welcher einen zusätzlichen negativen Einfluss auf das soziale Netzwerk hat.

Die Alltagswelt der schizophren Erkrankten ist von mehreren negativen Faktoren geprägt. Die erfolgreiche Bewältigung von Alltagsbelastungen hängt von Ressourcen, individuellen Copingstrategien und sozialen Netzwerken der psychisch Erkrankten ab.

In der Literatur zu sozialer Unterstützung zeigt sich, wie wichtig soziale Netzwerke für Klienten der klinischen Sozialarbeit sind. Die sozialen Beziehungen bzw. Netzwerke ermöglichen einen Zugang zu verschiedene Arten von emotionaler, instrumenteller und informationeller Unterstützung sowie positiven sozialen Kontakt zu Bezugspersonen und einen Erfahrungsaustausch. (vgl. Pauls 2013, S. 80ff.)

1.2. Forschungsinteresse und Forschungsfragen

1.2.1 Erkenntnisbedarf und die Zielsetzung

Meiner Meinung nach ist dieses Thema „Soziale Netzwerke von Menschen mit Diagnose Schizophrenie“ nicht genügend erforscht. Es bestehen große Wissenslücken zu dieser Thematik.

Ziel meiner Untersuchung ist es, herauszufinden, was die psychisch kranken Menschen brauchen, dass sie sich nicht isolieren. Wie nehmen diese die aktuelle Situation selber wahr und was für Fähigkeiten und Unterstützung wünschen sie sich bei dem Betreuungs-personal? Diese Untersuchung wird mir helfen die betreuten Personen besser zu verstehen und meine Arbeit produktiv und gezielt zu gestalten.

1.2.2 Formulieren und Erläutern der Forschungsfragen

Es ist sehr wichtig die Fragestellung zu konkretisieren, denn dies erleichtert es ungemein, Klarheit über die formulierten Ziele zu gewinnen. Im meinem Fall ist die richtige Fragestellung vor allem bei der Konzeption des Forschungsdesigns, bei der Erschließung des Feldes sowie bei der Auswahl von Fällen und der Datenerhebung von höchster Wichtigkeit. Die Konkretisierung meiner Fragestellung ist nicht zuletzt von dem Ziel bestimmt, was konkrete Feldkontakte zutage fördern sollen.

Klare Vorstellungen über die verfolgten Fragestellungen sind auch dafür nötig, die Angemessenheit von methodischen Entscheidungen in doppelter Hinsicht beurteilen zu können: Welche Methoden sind notwendig, um die Fragestellung zu beantworten? Lässt sich die Fragestellung mit den verwendeten Methoden überhaupt untersuchen? Ist qualitative Forschung die angemessene Strategie zur Beantwortung dieser Fragestellung? (vgl. Flick 2010, S. 133).

Diese Fragestellung kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren betreue ich chronisch psychisch kranke Menschen und ich sehe, wie sich diese mehr und mehr aus der Gesellschaft isolieren. Ich möchte dieses Thema ansprechen und andere dafür sensibilisieren. Mich interessiert, ob das wirklich so ist. Für meine Forschungsfrage war die Netzwerkanalyse die erste Wahl. Und so formuliere ich und begründe meineForschungsfragenwie folgt:

1. Gibt es Unterschiede in den sozialen Netzwerken von gesunden Menschen und den sozialen Netzwerken von Menschen mit der Diagnose Schizophrenie?

2. Stimmen die durch die qualitative Netzwerkanalyse gewonnenen Ergebnisse mit den theoretischen Annahmen folgender Modelle überein?

2.1 Des bio-psycho-sozialen Modells in der Klinisch Sozialen Arbeit und

2.2 der Lebensweltorientierte Theorie in der Klinisch Sozialen Arbeit nach Thiersch?

3. Ein gutes soziales Netzwerk gilt in der Klinischen Sozialen Arbeit als wichtiger Resilienz-Faktor. Ist diese Erkenntnis für die Gruppe von Menschen mit der Diagnose Schizophrenie von Relevanz?

Diese Fragestellungen haben ihren Ursprung in meinen persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit meinem Beruf. Ich habe mich für diese Fragen aus praktischem Arbeitsinteresse entschieden. Ich will in meiner Betreuungsarbeit und bei der Arbeit an meiner Institution den Alltag und die Wissenschaft miteinander verbinden.

Ich werde die sozialen Netzwerke der Menschen mit der Diagnose Schizophrenie umfassend darstellen. Vor allem will ich dabei auch die Qualität meiner Arbeit verbessern und den Leuten bei der Rehabilitation und Integration in die Gesellschaft helfen. Dabei gezielt und leistungsorientiert zu arbeiten ist eine große Herausforderung. Wichtig für mich persönlich ist es dabei, die Bedürfnisse von psychisch kranken Menschen besser zu erforschen.

1.3. Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit gliedert sich in Einleitung, theoretische Grundlagen und empirische Untersuchung. In der Einleitung wird die Ausgangslage dargestellt, gefolgt vom Forschungsinteresse inklusive der Formulierung und Erläuterung der dazugehörigen Forschungsfragen.

Bei der Erarbeitung der theoretischen Grundlagen bildet in Kapitel 2. Die Auseinandersetzung mitSchizophreniesamt dazugehöriger Definition, den Diagnosekriterien, den möglichen Ursachen und dem Beginn der Erkrankung den Anfang. Weiteres werden die Behandlungsmöglichkeiten der Schizophrenie wie auch die Stigmatisierung der Betroffenen durch ihre Erkrankung beschrieben. Die erwähnten theoretischen Grundlagen ermöglichen hierfür ein besseres Verständnis der Schizophrenie, was für die vorliegende Forschungsarbeit von Bedeutung ist.

Schizophrenie ist nicht nur eine Erkrankung, welche mit einer aus der Balance geratenen Normalität verbunden ist, sondern auch eine soziales Problem. Dieser Aspekt wird in Kapitel 3.Bio-psycho-soziales Modell in Klinischen Sozialen Arbeitin Augenschein genommen. Dabei finden auch die Forschungsergebnisse sowie die bio-psycho-soziale Behandlung Erwähnung.

Die alltägliche Lebensbewältigung der Menschen werden mit theoretischen Überlegungen von Thiersch verbunden und in Kapitel 4.Lebensweltorientierung inder Klinischen Sozialarbeitveranschaulicht. Das alltägliche Leben trotzt schweren Leidens an Schizophrenie zu bewältigen erfordert einiges an Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten. Die dazu zählende Widerstandskraft gegenüber Schicksalsschlägen wird im Kapitel 5.Resilienzforschungbeschrieben. Der Mensch ist ein soziales Wesen und somit mit anderen Menschen auf verschiedene Arte verbunden. Diese Verbindungen bilden die sozialen Netze der Menschen, welche im Rahmen der theoretischen Grundlagen abschließend in Kapitel 6.Netzwerkanalyseerläutert werden. Die Netzwerkanalyse wurde vorab genau definiert und ihr Fokus auf Ego-zentrierte Netzwerkanalyse und deren Netzwerkstudien gerichtet.

Das letzte Teil, die empirische Untersuchung, beginnt im Kapitel 7.MethodischesDesignmit der Beschreibung des Erhebungsinstrumentes, der Stichprobe, der Datenerhebung und der Auswertungsmethoden. Das im Mittelpunkt stehende Kapitel 8.Darstellung der Ergebnisse derego-zentrierten Netzwerkkartenwidmet sich der Darstellung aller gewonnenen Daten, welche in diesem Zusammenhang interpretiert werden. Außerdem werden die beiden Stichprobengruppen zu einem Vergleich herangezogen. In Kapitel 9.Darstellung der Interviewergebnisse und in Kapitel 10.Beantwortung derForschungsfragensollen die erarbeiten Ergebnisse des theoretischen Teils dieser Masterarbeit in Bezug auf Lebensweltorientierung nach Thiersch/ Resilinzforschung/ bio-psycho-soziales Modell mit den Resultaten der Erhebung verglichen und anschließend in Kapitel 11.Empfehlungen für die Klinische Soziale Arbeitformuliert werden.

Theoretische Grundlagen

Dieser Teil der Forschungsarbeit erläutert die Theorien, welche die wissenschaftliche Grundlage für diese Masterarbeit bilden.

2.Schizophrenie

„Vor dem Ausbruch der Psychose findet man meist Änderungen im gewohnten Wesen. Die späteren Kranken werden empfindsamer und zurückgezogener, geben persönliche Beziehungen und Interessen auf.

Manfred Bleuler“ (Finzen 2011, S. 14)

2.1 Definition der Gesundheit

Mich interessierte Aaron Antonovskys Meinung zu „Gesundheit“ von, konnte aber keine klare Definition zum Begriff „Gesundheit“ finden. Er ist sehr vorsichtig und sieht in Definition von Gesundheit eine Gefahr, weil„[…] eigene Werte bzw. die Werte der Mächtigen, die Werte derer, die die Definitionsmacht innehaben, als gesund auszugeben.“(Antonovsky 1997, S. 188)

Die Definitionen Gesundheit und Krankheit waren schon oft von totalitären Regimes missbraucht worden und es wurden unzählige Menschen im Namen der Gesundheit vernichtet und unterdrückt. Antonovsky zweifelt auch an der WHO-Gesundheitsdefinition, weil sie nicht für alle Menschen geeignet ist. (vgl. Antonovsky 1997, S. 188ff)

Dies ist die berühmte und äußerst umstrittene Definition von Gesundheit der WHO:„Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung."(Bundesministerium für Gesundheit, mit Gesundheitsdefinition der WHO 1948)

In dieser Definition der WHO geht ein zeitlicher Faktor verloren, der mit Lebenserfahrung in Verbindung gebracht wird. Die Zeit prägt die Persönlichkeit und ihre subjektive Einstellung zu Gesundheit und Krankheit. Die unzähligen widersprüchlichen Aussagen zum Thema „Gesundheit“ machten mich stutzig und verwirrten mich, deswegen versuchte ich trotz Antonovskys Warnungen, selber den Begriff „Gesundheit“ zu beschreiben.

In der für mich stimmigen Definition stellt der Begriff „Gesundheit“ eine subjektive und wandelbare Variable dar, welche sowohl von unzähligen bio-psycho-sozialen, als auch von situationsbedingten und zeitlichen Faktoren abhängig ist.

Pauls (2013) schreibt in seinem Buch „Klinische Sozialarbeit“ über die Gesundheit:„Klinische Sozialarbeit betrachtet Gesundheit als Ausdruck der Passung und gelingenden Regulation somatischer, psychischer und sozialer Prozesse. Sie bezieht neben der psycho-sozialen auch eine sozio-somatische Ebene ein.“ (Pauls 2013, S. 117) Ausführlicher über die Bedeutung von Krankheit und Gesundheit findet sich inKapitel 3.1. Bio-psycho-soziales Krankheitsmodell.

Becker verwendet folgende Definitionen für „Seelischen Gesundheit“ nach Wolman:

„Ein Zustand, gekennzeichnet durch relativ gute Anpassung, Gefühle des Wohlbefindens und die Verwirklichung der eigenen Potentiale und Fähigkeiten.“(Becker 1997, S. 3; mit einem Zitat von Wolman 1973 S. 234).

Gemeint ist ein positiver Zustand ohne Anwesenheit einer seelischen Störung, ein Zustand, in welchem ein Mensch angepasst und zufrieden ist. Er empfindet Freude am Dasein und mit der Verwirklichung seiner selbst. (vgl. Becker 1997, S. 3; vgl. Englisch& Englisch 1974, S. 318).

Für mich ist seelische Gesundheit ein Bestandteil der allgemeinen Gesundheit. Das ist ein Zustand innerer Zufriedenheit ohne Anwesenheit psychischen Leidens, ein Leben in Frieden mit sich selbst und der bio-psycho-sozialer Umgebung.

2.2. Definition der Schizophrenie

„Unter dem Begriff Schizophrenie wird eine Gruppe psychotischen Störungen zusammengefasst, die durch massive Störungen des Denkens, der Emotionen und des Verhaltens gekennzeichnet sind. Das gestörte Denken zeigt sich darin, dass die Inhalte nicht logisch miteinander verknüpft sind. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit sind fehlerhaft. Der Affekt ist flach oder unangemessen. In der motorischen Aktivität treten bizarre Störungen auf. All dies führt dazu, dass sich die Patienten von den Menschen und der Realität zurückziehen; häufig in eine Phantasiewelt aus Wahnideen und Halluzinationen.“(Davison; Neale; Hautzinger 2007, S. 366)

Schizophrenie fällt unter dem Begriff von Krankheit:

„[…] eine Krankheit ist eine ist eine Störung der körperlichen oder seelischen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden erheblich einschränkt und die geheilt, d.h. beseitigt oder gelindert werden kann. Zweitens wird sie mit Medikamenten und in Krankenhäusern behandelt. Drittens fällt sie als chronische Erkrankung unter unser staatliches Versorgungssystem.“(Roggendorf, Rief 2006, S.18)

Die Schizophrenie ist eine vielschichtige psychische Erkrankung. Sie kann akut und beängstigend oder schleichend und kaum wahrnehmbar auftreten. Sie kann kurzfristig oder andauernd sein. Sie kann einmalig auftreten oder in längeren, unregelmäßigen Abständen manifestieren. Die Schizophrenie kann ausheilen oder zu Invalidität führen. Die Krankheit trifft Männer und Frauen aller Altersgruppen. (vgl. Finzen 2011, S. 11)

Die psychische Störung, welche weltweit bei einem Prozent der Bevölkerung vorkommt, tritt häufiger auf, als viele Leute wissen. Die oder der Betroffene kann ein Nachbar, eine Verkäuferin im Supermarkt, ein flüchtiger Bekannter, Arbeitskollege, ein Familienangehöriger oder auch sie beziehungsweise er selbst sein. Die Erkrankten meiden oft soziale Kontakte, vernachlässigen die Körperhygiene, haben ein bizarres Erscheinungsbild und zeigen ein seltsames Verhalten auf. (vgl. ebd, S. 31)

Die Betroffenen und ihren Angehörigen erleben oft Stigmatisierungen, Diffamierung und Zurückweisung, weswegen die meisten Familien die Krankheit ihres Mitgliedes sorgsam verstecken. (vgl. ebd, S. 31)

Der Begriff „Schizophrenie“ („Spaltungsirrsein“ aus dem gr.schizo-gespalten und phren-Seele, Geist) wurde von dem Psychiater Eugen Bleuler geprägt. Als Schizophrenie wird Zerfall der grundlegenden geistigen Funktionen bezeichnet. Diese schwere, aber behandelbare psychische Erkrankung verläuft meistens in unregelmäßigen Schüben, die „psychotische Episoden“ genannt werden und meistens im jungen Erwachsenenalter auftreten. Die schizophren Erkrankten kennen zwei Wirklichkeiten: die „allgemeine“ und die „private“ Wirklichkeit. Die „allgemeine“ Wirklichkeit ist mit dem normalen Verständnis und Erleben der Durchschnittsbevölkerung weitgehend übereinstimmend. Zur gleichen Zeit erleben Menschen mit der Diagnose Schizophrenie eine „private“ Wirklichkeit, in welcher sie Dinge erfahren und Sinneseindrücke wahrnehmen, die Gesunde nicht nachvollziehen können. Es fällt diesen Menschen sehr schwer zu unterscheiden, was real und was unreal ist. Sie werden während der Psychose von krankhaften Vorstellungen besessen und nehmen Realität und Widersprüchlichkeit nicht mehr wahr. (vgl. Bäuml 2008, S. 2)

Es werden nicht selten beide Begriffe, Psychose und Schizophrenie, gleichbedeutend verwendet: die Psychose, als eine von Art der Schizophrenie und Psychose, als ein Symptom der Schizophrenie. (vgl. Roggendorf; Rief; 2006, S. 17)

„Für die Diagnose der Schizophrenie ist erst die Kombination von verschiedenen Symptomen (formale Denkstörungen, Wahnphänomene, Halluzinationen, Ich-Störungen, Störungen des Affekts und psychomotorische Auffälligkeiten) relevant.“(Paulitsch 2009, S. 111)

Die Grafik von Rainer Tölle macht klar, dass die Schizophrenie-Diagnostik äußerst kompliziert und schwierig sein kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Abgrenzung der Schizophrenien

Quelle: Finzen , Asmus 2011, S. 87 mit einer Grafik von Tolle 199.S.210

2.3. Diagnose nach ICD-10 und DSM-IV

2.3.1. Diagnosekriterien nach ICD-10, F20

Die modernen Klassifikationssysteme (ICD und DSM) erleichtern die Diagnosestellung aufgrund wenig ausgewählter Symptome, vernachlässigt aber die biographische Entwicklung der Erkrankten. Die Diagnosen werden aufgrund eines Kriterienkataloges erstellt, in dem bestimmte Symptome vorgegeben sind.

Klaus Paulitsch definiert in seinem Buch : „Grundlagen der ICD-10-Diagnostik“ die Diagnosekriterien einer Schizophrenie:„Die Diagnose einer Schizophrenie stellt man, wenn ein Symptom der 1. Gruppe oder zwei Symptome der 2. Gruppe vorliegen und wenn die Symptomatik fast ununterbrochen während eines Monats länger besteht.

1. Gruppe

1. Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung

2. Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, Wahnwahrnehmung

3. Kommentierende oder dialogische Stimmen, die über das Verhalten des Patienten reden oder miteinander über ihn diskutieren, oder andere Stimmen, die aus bestimmten Körperteilen kommen

4. Anhaltender, kulturell unangemessener, bizarrer und völlig unrealistischer Wahn, wie z. B. die Überzeugung das Wetter kontrollieren zu können oder mit Außerirdischen in Verbindung zu stehen

2. Gruppe

1. Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, täglich und mindestens einen Monat lang, begleitet von flüchtigen oder undeutlich ausgebildeten Wahngedanken

2. Formale Denkstörungen in Form von Neologismen, Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit oder Danebenreden führt

3. Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypen, Mutismus, Stupor oder Negativismus

4. „Negative Symptome“ wie Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte“(Paulitsch 2009, S. 106)

Bleuler macht deutlich, dass es nicht nur die Schizophrenie, sondern auch je nach Verlauf und Symptomatik unterschiedliche „schizophrene Psychosen“ gibt. Nach ICD-10 gehören, je nach geprägter Symptomatik, zur folgende Untergruppen zur „Gruppe der Schizophrenien“:

- Paranoide Schizophrenie (F20.0)
- Hebephrene Schizophrenie (F20.1)
- Katatone Schizophrenie (F20.2)
- Undifferenzierte Schizophrenie (F20.3)
- Postschizophrene Depression (F20.4)
- Schizophrenes Residuum (F20.5)
- Schizophrenia simplex (F20.6) (vgl. Hahlweg; Dose 2005, S. 9)

2.3.2. Diagnosekriterien nach DSM-IV

Weitere Diagnosekriterien nach DSM-IV von 1996 sind beispielweise auch das Auftreten mindestens zwei der folgenden Symptome über mindestens einen Monat: „

1. Wahn
2. Halluzinationen
3. desorganisiertes Sprechen (z. B. Entgleisen oder Zerfahrenheit)
4. desorganisiertes oder katatones Verhalten
5. negative Symptome (verflachter Affekt, Alogie, Willensschwäche)

Hinweis: Bei bizarrem Wahn oder akustischen Halluzinationen mit einer kommentierenden oder mindestens zwei sich unterhaltenden Stimmen reicht eines der Symptome.

B) soziale und/oder berufliche Leistungseinbußen

C) Bestehen der Anzeichen der Störung über mindestens sechs Monate. In diesem Zeitraum treten mindestens einen Monat lang Symptome auf, die das Kriterium A erfüllen.

D) Ausschluss einer schizoaffektiven Störung und einer affektiven Störung mit psychotischen Merkmalen.

E) Die Symptome sind nicht auf die körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurückzuführen.

F) Bei einer Vorgeschichte mit autistischer oder einer anderen tiefgreifenden

Entwicklungsstörung wird Schizophrenie nur diagnostiziert, wenn mindestens ein Monat lang gleichzeitig Wahn oder Halluzinationen vorliegen.“http://www.beltz.de/fileadmin/beltz/downloads/kompakt/127755 Diagnosekriterien.pdf

Die Diagnosekriterien der ICD-10 unterscheiden sich von DSM-IV im Zeitkriterium. Laut ICD-10 müssen die Symptome einen Monat lang präsent sein, im DSM-IV– aber sechs Monate.

Für die Diagnose der für Schizophrenie charakteristischen Plussymptomatik (Wahn, Halluzinationen, Ich-Erlebnisstörungen, formale Denkstörungen und psychomotorische Erregung) und Minussymptomatik (Antriebsmangel, Affektverflachung, Passivität, Sprachverarmung, Mut- und Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühl, fehlende Spontaneität, Rückzugsverhalten und Kontaktverarmung, innere Leere). (vgl. Paulitsch 2009, S. 111)

Bei vielen Patienten können Plus- und Minussymptomatik gleichzeitig vorhanden sein, z. B. in Form von Verfolgungswahn, Halluzinationen und gleichzeitiger Lust- und Energielosigkeit sein.

2.4. Ursachen der Schizophrenie

Es gibt keine wissenschaftliche Erklärung, wodurch die Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis entstehen. Allerdings wurde wissenschaftlich bestätigt, dass die multifaktoriellen Bedingungsgefüge (Kombination aus unterschiedlichen Faktoren) von Bedeutung sind. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei vielen Patienten genetische (erbliche) Einflüsse die erhebliche Rolle bei der Entstehung der Schizophrenie spielen, aber nicht alleinige Ursache sind. Weitere Ursachen sind somatische Faktoren (Veränderungen der Gehirnarchitektur und des Nervenstoffwechsels). Die psychosozialen Faktoren (Familie, soziales Umfeld und soziale Schicht) sind auch relevant, sind aber nicht die hauptsächliche Ursache der Krankheit. Sie spielen aber eine große Rolle im weiteren Verlauf der Schizophrenie. (vgl. Bäuml; 2008, S. 30)

Psychischer Stress in Kombination mit einer biologischen Vulnerabilität sind die wichtigsten Ursachen der Schizophrenie.

Roggendorf und Rief meinen, dass es einen Zusammenhang zwischen Gesellschaft und auffallenden Persönlichkeiten gibt, welcher für die Entstehung der Schizophrenie verantwortlich ist. Die Gesellschaft nimmt dann ein Individuum auf, wenn er gut integriert und angepasst ist. Sie macht aus dem Rahmen fallenden Persönlichkeiten das Leben schwer. Das Gefühl der „Dazugehörigkeit“ ist sehr wichtig im Leben. Um die heranwachsende Persönlichkeit vollständig zu entwickeln, braucht das Kind enorme Zustimmung aus seiner Umgebung. (vgl. Roggendorf, Rief 2006, S. 76ff)

Menschen mit Diagnose Schizophrenie fühlen sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt und nicht verstanden.

Es gibt auch andere Meinungen bezüglich der Entstehung von Schizophrenie und so wurde im Jahr 1973 das Vulnerabilitäts-Stress-Modell formuliert:

„Ganz allgemein besagt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell, dass die „Außenhaut“ der Seele, das sog. Nervenkostüm nicht bei allen Menschen gleich stabil ist; dass es wohl einige Menschen gibt, die eine besonders „dünne Außenhaut“ haben.“ (Bäuml 2008, S. 33)

Beim Zusammentreffen vieler belastender Ereignisse kann es zu einer akuten Überforderung der nervlichen Belastbarkeit und als Folge zum Ausbruch einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis kommen.

Heute geht man davon aus, dass der Ausbruch der Krankheit von drei Faktoren abhängt:

1.Vulnerabilität (Verletzlichkeit)

2.Chronischer Stress (tägliche Belastungen)

3.Akuter Stress ( Schicksalsschläge).

(vgl. Bäuml 2008, S. 34)

Die Symptome der Schizophrenie können auch bei gesunden Menschen auftreten, zum Beispiel nach Schlafentzug, bei Übermüdung, Stress oder während einer Meditation.

2.5. Beginn der Schizophrenie

Die schizophrenen Psychosen beginnen am häufigsten im dritten Lebensjahrzehnt. Im Schnitt erkranken Männer ein paar Jahren früher als Frauen und meistens zwischen dem 18. und dem 23., Frauen zwischen dem 23. und dem 28. Lebensjahr. Die Wissenschaftler vermuten, dass die spätere Erkrankung bei Frauen vermutlich mit dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen zusammenhängt. Das Geschlechtsverhältnis bei den Erkrankten ist ausgeglichen. (vgl. Bäuml 2008, S. 9)

Schizophrenie kann auch nach dem vierten oder fünften Lebensjahrzehnt auftreten. Schizophrene Psychosen bei Kindern sind sehr selten und beginnen ab dem achten Lebensjahr. Mit Beginn der Pubertätszeit nimmt die Häufigkeit der Schizophrenie zu. Bei den Kindern treten folgenden Symptome in den Vordergrund: Kontaktverlust, Sprachzerfall, Wahnbildung und affektive Veränderungen. Meistens treten erste Anzeichen von Schizophrenie während der Adoleszenz auf und stätig verschlechtern sich in Lauf der Jahre. Ein solcher Verlauf hat eine ungünstige Prognose und ändert sich in eine chronische Schizophrenie. Die spät eintretende Schizophrenie hat meistens einen milderen Verlauf der Krankheit. Am häufigsten verläuft die Schizophrenie in Schüben. Der Mensch wird krank, was Wochen oder Jahren dauern kann, danach erholt er sich und mit der Zeit wird er wieder krank oder auch nicht, was nicht vorhersehbar ist. (vgl. ebd. 2008, S. 10 ff.)

2.6. Medikamentöse Behandlung der Schizophrenie

Die Schizophrenie ist eine rätselhafte Erkrankung, welche einen unvorhersehbaren Verlauf und einen unvorstellbare Wirkung auf Individuum hat.

Zu Behandlung der Schizophrenie werden Antipsychotika oder Neuroleptika eingesetzt. Antipsychotika erweisen den wirksamsten Einsatz sowohl bei hospitalisierten Patienten als auch zur Vorbeugung von Rückfällen bei Erkrankten. Antipsychotika wurden erstmals 1952 offiziell als Behandlungsverfahren bei Psychosen eingesetzt. Seither können die Patienten durch die Einführung von Antipsychotika oder Neuroleptika, was dasselbe ist, den Verlauf dieser Krankheit wesentlich verbessern, was zu einem selbständigen und unabhängigen Leben verhilft. (vgl. ebd. 2008, S. 71)

Die allgemeine Bevölkerung hat Angst vor und Vorurteile gegen Psychopharmaka. Antipychotika weisen einen beruhigenden, dämpfenden und sedierenden Effekt auf. Wichtig ist, dass das Bewusstsein und die Persönlichkeit der Erkrankten nicht beeinflusst werden. Durch die sedierende Eigenschaft der Neuroleptika kann ein schlafanstoßender Effekt erzielt werden. Deswegen kann die Hauptdosis des Medikaments in der Nacht genommen werde. (vgl. ebd. S. 73ff)

Anderer Meinung bezüglich Neuroleptika als Bäuml sind Roggendorf und Rief:

„Einfacher ausgedrückt: Die Medikamente wirken, indem sie in dem Hirnstoffwechsel eingreifen und die Verstandestätigkeit bremsen. Man hat die Wirkung mit einer inneren Zwangsjacke verglichen. Das macht die Menschen zwar alltagstauglich, bringt aber eine Persönlichkeitseinengung mit sich, unter der sie leiden, gegen die sie sich wehren, die sie - vollkommen richtig - als gewaltsamen Übergriff empfinden.“(Roggendorf, Rief 2006, S. 50)

Antipsychotika unterscheiden sich nach ihrer chemischer Struktur, ihrem Rezeptorwirkungsprofil oder ihrer Wirkstärke. Es müssen die chemische Struktur des Antipsychotikums und dessen Nebenwirkumsspektrum bei Behandlung von Patienten mit zusätzlichen körperlichen Krankheiten berücksichtigt werden. Neuroleptika werden oft in typische Antipsychotika und atypische Antipsychotika unterteilt. (vgl. Bäuml 2008, S. 73ff)

Das typische Antipsychotikum wird in hoch-, mittel- und niedrigpotent eingeteilt. Mit „potent“ wird die antipsychotische Wirkung bezeichnet. Je höher-potent ein typisches Antipsychotikum ist, desto niedriger ist seine Dosierung. Die hochpotenten Antipsychotika helfen bei Plussymptomen wie Wahnvorstellungen und Halluzinationen, haben aber den Nachteil, Muskelsteifheit mit Zittern und allgemeiner Bewegungseinschränkung hervorzurufen. Die mittel- und niedrigpotenten typischen Antipsychotika wirken beruhigen, verursachen starke Müdigkeit und Kreislaufbeeinträchtigung. (vgl. ebd. 2008, S. 76)

Die typischen Neuroleptika erzeugen schwerwiegende körperliche Symptome, wie Ataxie, Morbus Parkinson und Dystonie. Es werden auch Kognition und Emotionen oft negativ beeinträchtigt. (vgl. Naber 1995 in Röhricht; Priebe; 1998, S. 52)

Die atypischen Antipsychotika haben andere Nebenwirkungen als typischen Antipsychotika. Dies ist unter anderem eine Veränderung der Kalorienaufnahme, was zu Übergewicht mit Kreislaufproblemen und Zuckerkrankheit führen kann. Allerdings haben die atypischen Antipsychotika eine bessere Wirkung gegen die Plussymptomatik (Wahnerlebnisse, Stimmenhören und etc.) als typische Antipsychotika. Die Atypika erhöhen die Dopamimkonzentration im Gehirn, was Besserung der Minussymptomatik (Energielosigkeit, Lustlosigkeit, Desinteresse usw.) führen kann. (vgl. Bäuml 2008, S. 77ff)

Es werden neue Präparate gegen Schizophreniesymptomen entwickelt und getestet, was für Betroffenen die Hoffnung auf Heilung gibt.

Die Wissenschaft verfügt heutzutage neue Erkenntnisse auch über die nichtmedikamentöse Behandlung von Schizophrenie. Wenn die psychosoziale Belastungen bei Erkrankten reduziert werden, führt dies als Folge zur Besserung der Schizophrenie-Symptome. Sehr wichtig bei der Behandlung von Schizophrenie sind: Einbeziehung der Angehörigen, Aufklärung und Beratung über den Charakter der Erkrankung und ihre Rückfälle. Die häufigste Ursache von Rückfällen ist das Absetzen von Medikamenten durch den Patienten. Das Rückfallrisiko wird minimiert durch psychotherapeutische Behandlung, bei denen sowohl über die Krankheit, ihren Verlauf, und ihre Risiken aufgeklärt als auch Lebensereignisse und familiäre Verhaltensmuster, welche auch die Rückfall bewirken können, reflektiert wird. (vgl. Wittchen 1996, S. 223)

2.7. Psychotherapeutische Behandlung der Schizophrenie

Die psychotherapeutischen Behandlungsansätze der Schizophrenie werden in zwei Richtungen unterteilt:

Bearbeitung früheren Kränkungen und Traumata aus der Kindheit und Jugend. Es wird eine behutsame Familientherapie durchgeführt. Bearbeitung von Konflikten, welche auf Grund mangelnder Strategien zu Problembewältigung entstanden sind. In diesem Fall werden verhaltenstherapeutische Behandlungsmethoden äußerst hilfreich sein. Sehr wichtig auch bei der Behandlung der Schizophrenie sind psychoedukative Verfahren, in welchen Betroffene und Angehörige über die Krankheit und deren Behandlungsmöglichkeiten informiert und weitergebildet werden. (vgl. Bäuml 2008, S. 130f)

Die psychotherapeutischen Behandlungsformen unterscheiden sich nach den Behandlungsmaßnahmen während und nach der Akutphase. Während der Akutphase werden stützende psychotherapeutische Maßnahmen angewendet, wie:

Seelische Unterstützung durch Gespräche

Psychoedukation

Krankheitskonzeptbildung mit Compliance-Förderung

Hilfe bei der Verarbeitung der psychotischen Erlebnisse.

Nach der Akutphase wird das spezielle psychotherapeutische Verfahren an individuelle Bedürfnisse der Psychose erkrankten angepasst. Der behandelnde Arzt entscheidet über dieses oder jenes psychotherapeutische Verfahren:

- Entspannungsverfahren
- Stützende Psychotherapie
- Verhaltenstherapeutische Verfahren
- Tiefenpsychologische Verfahren
- Familientherapie. (vgl. ebd., S. 131)

2.8. Stigmatisierung schizophren erkrankte Menschen

Es wurde im August 1999 von Gaebler, Baumann und Witte mittels strukturierter Interviews zur Einstellung der Bevölkerung gegenüber Schizophrenie ein Forschungsprojekt zur Öffentlichkeitsaufklärung des bundesweiten „Kompetenznetzes Schizophrenie“ durchgeführt. Dabei wurden 7246 deutschsprachige volljährige Probanden befragt. (vgl. Vogt 2014, S. 154f übers v. Gaebler, Baumann, Witte 2002, S.165f).

Heike Vogt erwähnt in ihrem Buch: „Psychische Erkrankung. Vom Stress zur Resilienz“ von Gaebler, Baumann und Witte erhobene Zahlen zum Forschungsprojekt „Kompetenz Schizophrenie“:

„Etwa 18% der befragten Bevölkerung nehmen schizophren erkrankte Menschen aufgrund gewalttätigen Verhaltens als Gefahr für die Öffentlichkeit wahr und für rund 13% erregen psychisch Kranke wegen Betteln, mangelnder Hygiene oder merkwürdigem Verhalten öffentliches Ärgernis. […] Knapp 9% der Befragten hätten Angst eine Unterhaltung mit einem schizophren Erkrankten zu führen, rund 16% würden sich durch einen schizophren erkrankten Arbeitskollegen gestört fühlen, über 22% bekunden eine mangelnde Bereitschaft zur Fortführung einer Freundschaft mit einem schizophren erkrankten Menschen, eine Wohngruppe von Schizophrenen in der Nachbarschaft würde 31% beunruhigen, 41% würden sich durch einen psychisch kranken Zimmergenossen z. B. im Krankenhaus gestört fühlen, und ganze 71% würden keine Ehe mit einem schizophrenen Menschen eingehen.“(Vogt 2014, S.155 übers v. Gaebler, Baumann, Witte 2002, S.165f)

Die Erkenntnis, welche sich aus dieser Studie ziehen lässt lautet, dass die Bevölkerung allgemein große Wissenslücken, Vorurteile und Angst gegenüber Schizophrenen hat, was natürlich noch eine zusätzliche Bürde für die Betroffenen bedeutet. Für viele steht Schizophrenie in einem Zusammenhang mit menschlichem Versagen, Schwäche und Psychopharmaka. Scham steht im Mittelpunkt dieser Erkrankung.

Im Jahr 2008 wurde der Erste Österreichische Schizophreniebericht verfasst, welchem eine aufklärende und antistigmatisierende Aufgabe zuteil wird. (Österreichischer Schizophreniebericht 2008)

3.Bio-psycho-soziales Modell in Klinischen Sozialen Arbeit

3.1.Bio-psycho-soziales Krankheitsmodell

Die bio-psycho-soziale Sichtweise geht davon aus, dass eine Krankheit immer bio-psycho-soziale Wurzeln hat. (vgl. Pauls 2013, S. 97 ff.)

Die Krankheit ist nicht nur eine körperliche Dysfunktionsstörung, sondern auch ein Gleichgewichtsverlust der Normalität und damit im Grunde ein soziales Problem. (vgl. Gahleitner at al. 2014, S.19; Zitat von Hanses 2005, S. 193; vgl. auch Hanses 1996, 1998; Hanses & Börgartz 2001)

Engel formulierte in den 1970er Jahren einbio-psycho-soziales Krankheitsmodell:

„„Der Grundgedanke dieses Modells besteht darin, dass alle drei Bedingungen- die biologisch-organische, die psychische und die soziale – in sich kontinuierlich ändernden Wechselbeziehungen stehen und aus diesen Faktoren und deren Veränderungen sich Entwicklung und Verlauf von Störungen erklären lassen.“ (Jungnitsch 1999, 31)“(Pauls 2013, S. 98)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das bio-psycho-soziale Modell

Quelle: Pauls 2013, S. 99; nach Friedrich 2000, zn. Beck & Borg-Laufs 2010, S. 66

Was sich aus diesem bio-psycho-sozialen Modell schließen lässt, ist, dass der Mensch ein Teil eines Systems ist und sein Körper wiederum selber ein eigenes System bildet, welches aus vielen Subsystemen bis hinunter zur molekularen Ebene besteht. Nach Engel, ist ein wichtiges Element seines Models die Kommunikation:„[…] der einzelnen Subsysteme innerhalb ihres eigenen Systembereichs und zwischen den einzelnen Systemebenen.“(Pauls 2013, S. 99; vgl. Engel 1980, S. 539)

Der Mensch ist eine entscheidende Ebene bei der Wahrnehmung der Krankheit. Bei der Behandlung und im Umgang mit Erkrankungen spielen interpersonale, familiäre und gesellschaftliche Ebenen eine führende Rolle. (vgl. Pauls 2013, S. 99)

Paul sagt Folgendes über die Erkrankung:„Psychische und soziale Faktoren sind bei Entstehung, Verlauf und Heilung von Erkrankungen von entscheidender Bedeutung, so dass auch die Diagnostik und die Behandlung diese Dimensionen mit einbeziehen muss.“(ebd. 2013, S. 99)

Man kann sagen, dass eine erfolgreiche Krankheitsbehandlung abhängig von gut funktionierenden bio-psycho-sozialen Komponenten abhängig.

Die subjektive Wahrnehmung von „Krank-sein“, das In-Anspruch-nehmen oder die Verweigerung von medizinischer Hilfe sowie das Befolgen ärztlicher Ratschläge sind von psychischen und sozialen Faktoren abhängig. (vgl. Pauls 2013, S. 99f. aus Zitat von Bengel et al.1998, 17; vgl. auch WHO 2001, a. a. O.)

Nach Pauls (2013):„Krankheit und Gesundheit gehören […] zum Prozess des Lebens: sie treten mit- und nebeneinander auf. Kranksein ist eine Beziehungsstörung des Verhältnisses Organismus-Selbst-Mitwelt-Umwelt. Gesundheit wird aus einer bio-psycho-sozialen Perspektive im Hinblick auf das Bestreben eines lebendigen Organismus definiert, „eine lebensfähige Übereinstimmung zwischen seinem inneren und äußeren Milieu herzustellen.“ (Milz 1995, 20, zn. Sting & Zurhorst 2000, 10).“(Pauls 2013. S. 123)

Die Ottawa-Charta (1986) betonte die Notwendigkeit der Gesundheitsförderung bei allen Menschen:

„Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen […]. In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen.“ (Gahleitner at al. 2014, S. 22; mit einem Zitat von WHO 186, S. 1)

Von großer Bedeutung für einen Organismus sind nicht nur die protektiven Ressourcen, sondern auch eine vorhandene Vulnerabilität. Die modernen Forschungsergebnisse zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen psycho-sozialen Belastungen, Bewältigungsressourcen und körperlichen Vorgängen auf hormoneller und immunologischer Ebene, welche zur Erkrankung des Menschen führen. (vgl. Pauls 2013, S. 100)

3.2. Beispiele aus Forschungsergebnissen

Für meine Forschungsarbeit waren die Studienergebnisse von Grant, Barlow & Durand in Bezug auf die sozialen Netzwerke und die soziale Unterstützung von großem Interesse.

In einer Studie wurde eine Antwort auf die Frage gesucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Erkrankung an einem grippalen Infekt und dem sozialen Netz der Probanden. Das Ergebnis der Studie zeigt:„[…] diejenigen infizierten Versuchspersonen mit den geringsten sozialen Verbindungen wurden vier mal häufiger krank als die Infizierten mit hohem Ausmaß sozialer Verknüpfung – bei Kontrolle der anderen möglichen Einflussfaktoren (nach Barlow & Durand 1998).“(Pauls 2013, S. 101)

Eine weitere Studie von Grant at al. (1988) galt der Erforschung des Einflusses durch psycho-soziale Faktoren wie zunehmendes Alter und Krankheit. Es wurde nachgewiesen, dass eine Erkrankung als Sicherung der sozialen Unterstützung und Erhaltung bzw. der Verbesserung sozialer Netzwerken dienen kann. (vgl. ebd. 2013, S. 102)

Es wurde umfassend belegt, dass die Lebenserwartung abhängig von der Größe des sozialen Netzes und von der Häufigkeit der sozialen Begegnungen einer Person. Je größer ein soziales Netz ist, desto höher ist die Lebenserwartung einer Person. Einsame Menschen haben eine niedrigere Lebenserwartung. (vgl. ebd. 2013, S. 100)

3.3 Bio-psycho-soziale Behandlung

In der Klinischen Sozialarbeit kann die psycho-soziale Behandlung von hilfsbedürftigen Menschen sowohl mit als auch ohne deren bewusste Zustimmung stattfinden. Die sozialstrukturellen Maßnahmen für bzw. eine integrative Arbeit mit psychisch Kranken oder auch Interventionen im Krankhaus etc. werden manchmal auch ohne klare Bewusstheit von KlientIinnen ausgeführt. Gleichzeitig fördert Klinische Sozialarbeit die Autonomie von Betroffenen und somit ihre Selbstbestimmung. (vgl. Pauls 2013, S. 108f.)

Für eine erfolgreiche Behandlung von psychischen oder physischen Erkrankungen wie auch sozialer Desintegration ist es notwendig, die Ursachen auf den bio-psycho-sozialen Ebenen zu herauszufinden und die gewonnenen Ergebnisse bei den darauf folgenden Interventionen berücksichtigen. Für diese Interventionen muss die klinisch-sozialarbeitend tätige Fachkraft alle bio-psycho-sozialen Prozesse bei der Problemlösung mit beachten. Die Aufgabe der Klinischen Sozialarbeit ist, die ganze Lebenswelt den Betroffen (person-in-environment/person-in-situation) einzubeziehen. (vgl. ebd. 2013, S. 109ff.)

Pauls schrieb in seinem Buch „Klinische Sozialarbeit“ über die Aufgabenstellung Sozialer Arbeit nach Sommerfeld, Hollenstein und Krebs (2008):„[…] in der Koordination und Synchronisation individueller und sozialer Prozesse, als integrierten Prozessbezogen zwischen „drinnen“ (bio-psycho-sozial) und „draußen“ (sozio-psychologisch-biologisch). Primäre klinisch sozialarbeiterische Aufgabenstellungen liegen in der Arbeit im Formen der Integration von lebensweltlichen Kontexten der Klienten, wobei man sich dabei häufig auch in der Lebenswelt der Klienten (aufsuchend) bewegt.“(ebd. 2013, S. 111)

Die Klinische Sozialarbeit sieht Klientlinnen aus einer alltagsbezogenen Perspektive und begleitet die Betroffenen in ihrem alltäglichen Leben. Ausführlicher darüber in Kapitel 4.Lebensweltorientierung in der Klinischen Sozialarbeit.

Ein bio-psycho-soziales Behandlungskonzept muss in der Klinischen Sozialarbeit der medizinisch-psychologisch-sozialen hierarchischen Ordnung und Regeln folgen. Bei einem umfassenden bio-psycho-sozialen Behandlungskonzept werden bio-psycho-soziale Ebenen auf effizient einander abgestimmt. Bei einer erfolgreichen bio-psycho-sozialer Behandlung werden eigene reifere Problembewältigungsressourcen aktiviert und in einer System Selbst- in- der-Welt auf heilender Weise integriert. (vgl. ebd. 2013, S.117)

4. Lebensweltorientierung in der Klinischen Sozialarbeit

4.1. Die Lebenswelt

Die Lebenswelt und die Orientierung an dieser sind bekannte Begriffe in der Sozialen Arbeit.

Der Begriff der „Lebenswelt“ wurde von Husserl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eingeführt. Er versteht darunter, dass„[…] jeglicheWahrnehmungen von Welt auf dem Hintergrund des persönlichen Erfahrungshorizontes […] erfolgt.“(Schubert 2014, S. 41)

Die lebensweltlichen Überlegungen von Husserl wurden von Schütz (1974) übernommen und an das menschliche subjektive Erleben des Alltags geknüpft. Er entwickelte in seiner „Soziologie des Alltags“ lebensweltliche Gedanken weiter. Anders als Husserl beschäftigt er sich mit der Annahme, dass der Mensch seine Lebenswelt durch sein Tun erfährt und seine Lebenswelt aus der Interaktion der Person mit seiner sozialen Umgebung entsteht. Er betrachtet den Menschen als ein soziales Wesen mit seinen subjektiven aufeinander wirkenden Lebenswelten. Jeder Mensch hat seine eigenen Lebenswelten, durch welche er die gleichen Alltagsbedingungen wahrnimmt. (vgl. Kraus 2006, S. 4ff)

Kraus (2006) erweiterte den Gedanken von Schütz über Lebenswelt:

„[…] dass der Mensch seine Lebenswelt unter den jeweiligen Bedingungen seiner Lebenslage konstruiert.“(Schubert 2014, S. 41; mit einem Zitat von Kraus 2006 S. 125).

Und weiter nach Kraus: „Lebenswelt […] ist das Ergebnis der subjektiven Wahrnehmung der zur Verfügung stehenden Lebenslage.“(ebd. S.41)

Die Lebenslage mit ihren materiellen und ideellen Lebensbedingungen, ist unverzichtbar bei der Entstehung einer Lebenswelt eines Menschen. Die guten Kenntnisse über dessen Lebenslage, geben keine sichere Auskunft über seine Lebenswelt. Die Lebenswelt eines Menschen ist abhängig von der subjektiven Betrachtung seiner Lebenslage. Die lebensweltliche Orientierung ist subjektorientiert. (vgl. Kraus 2006, S. 11ff)

Die Lebenswelt unterlegt sogar einer doppelten Subjektivität: Die Menschen und deren die Lebensbedingungen unterscheiden sich voneinander. Entscheidend ist, als was und wie die Lebenswelt wahrgenommen wird. (vgl. Kraus 2006, S. 4ff)

4.1.1. Die Lebensweltorientierung nach Thiersch

Thiersch übernahm den Begriff der „Lebenswelt“ und betonte weiter ihren subjektiven Charakter:

„Lebensweltorientierung als Ausgangspunkt Sozialer Arbeit, verweist auf die Notwendigkeit einer konsequenten Orientierung an den Adressat/innen mit ihren spezifischen Selbstdeutungen und Handlungsmustern in den gesellschaftlichen und individuellen Bedingungen und den sich daraus ergebenen Schwierigkeiten und Optionen. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit agiert im Horizont der radikalen Fragen nach dem Sinn und der Effizienz sozialer Hilfen aus der Perspektive ihrer Adressat/innen.“(Kraus 2006, S. 8; mit einem Zitat von Thiersch, Grunwald 2002, S.129)

Die Lebensweltorientierung nach Thiersch bekam in der Sozialen Arbeit zunehmende Bedeutung. Sie ermöglichte die Entwicklung ihrer Qualitäten von sozialen Hilfen, zugeschnitten auf die Adressat/Innen. Es kam zu einer Reformierung.

„Lebensweltorientierung meint den Bezug auf die gegebenen Lebensverhältnisse der Adressaten, in denen Hilfe zur Lebensbewältigung praktiziert wird, meint den Bezug auf individuelle, soziale und politische Ressourcen, meint den Bezug auf soziale Netze und lokale/regionale Strukturen.“(Thiersch 2014, S. 5)

Im Rahmen meiner Forschungsarbeit ist von großem Interesse, wie die Menschen mit Diagnose Schizophrenie ihre sozialen Netze und lokale/regionale Strukturen nutzen, um ihr Leben bestmöglich zu gestalten. Wie helfen diese Netze dabei, Krisen und schwierige Lebenszeiten besser zu bewältigen?

Lebensweltorientierung wird auch oft mit dem Synonym Alltagsorientierung verglichen. Alltagsorientierung ist nicht nur ein Rahmenkonzept, sondern meint auch die Tätigkeitskompetenzen und einen Überblick über alltägliches Leben. (vgl. ebd. 2014, S. 6)

Die Lebenswelt des Menschen ist auf verschiedene Lebensbereiche unterteilt. Das sind z. B. Familie, Schule, Nachbarschaft, Arbeit, Vereine etc. Diese Lebensbereiche werden durch wichtige Mitmenschen erreicht, welche Sinn und praktische Ressourcen für die erfolgreiche alltägliche Lebensbewältigung vermitteln.

Moderne lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Thiersch und Grunwald (2004) akzeptiert und respektiert die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens der einzelnen KlientInnen. (vgl. Schubert 2014, S. 40ff)

4.1.2. Zentrale Handlungsmaximen nach Thiersch

Tabelle 1: Zentrale Handlungsmaximen nach Thiersch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ausarbeitung durch die Verfasserin basierend auf vgl. Schilling; Zeller 2012, S. 166f. mit vgl. Thiersch 1990, S. 85ff.

Wie präsent sind die fünf zentralen Handlungsmaximen nach Thiersch in Bezug auf die Betreuung von KlientInnen mit Diagnose Schizophrenie? Gibt es noch ein Verbesserungsbedarf bei der alltäglichen Betreuung von hilfebedürftigen Menschen?

Die lebensweltliche Haltung in der Sozialen Arbeit nach Thiersch (1992) wendet sich dezidiert gegen eine kontrollierende und unterdrückende Arbeitsweise mit Klienten.

Die Soziale Arbeit darf die bedürftigen Menschen nicht entrechten oder beherrschen. Sie darf die Probleme der Ratsuchenden nicht verleugnen oder zu Gunsten einer Auftragsinstitution umdefinieren. Einer der Leitgedanken von Thiersch ist, dass die Soziale Arbeit mit KlientInnen nicht mit Hilfe der Kontrolle durch den Staat zu dessen eigenen Vorteilen missbraucht wird. (vgl. Schubert 2014, S. 44f)

4.2 Die Lebensweltorientierung in der Klinischen Sozialarbeit

Pauls versteht: „Klinische Sozialarbeit als integrierten professionellen Ansatz zur Verbesserung der psycho-sozialen Passung zwischen Klient bzw. Klientensystem und Umwelt. Klinische Sozialarbeit ist spezialisiert beratende und behandelnde Soziale Arbeit in den Feldern des Sozial- und Gesundheitswesens. “(Pauls 2013, S. 17)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Professioneller Ansatz der Klinischen Sozialarbeit

Quelle: Eigene Darstellung

Lebensweltorientierung beschäftigt sich mit Problemverarbeitung und Problemlösung in der Lebenswelt der Betroffenen. Das ist eine Kombination aus gesellschaftlicher Situation, moralischen Normen und der Biografie von KlientIinnen. Dank der gesellschaftlichen Entwicklung wird die Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit zunehmend aktuell, was durch Leitgedanken, wie„Anfangen wo der Klient steht“, „Hilfe zu Selbsthilfe“deutlich wird. Besondere Bedeutung hat die Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit mit „schwierigen“, am Rand der Gesellschaft stehenden Menschen. (vgl. Rauschenbach; Ortmann; Karsten 1993, S. 12f)

Die Aufgabe der Klinischen Sozialen Arbeit in dem lebensweltorientierten Kontext ist die Unterstützung im gelungenen alltäglichen Leben der KlientInnen mit dem Hintergedanken, dass der„[…] Klient prinzipiell kompetent ist, sein eigenes Leben zu leben.“(Galuske 2013, S. 147)

Die Lebensführung erfolgt durch ständige Wechselwirkung zwischen einem Menschen und seiner Umwelt. Die Lebensführungssysteme eines Individuums setzen sich aus verschiedenen Lebensfeldern zusammen. Typische Lebensfelder, oder Lebensbereiche sind Familiensysteme, Sozialsysteme, Hilfesysteme, Arbeitssysteme etc. Die Aufgabe der Klinischen Sozialarbeit ist es, die Lebensführungssysteme bzw. Lebensfelder des Individuums zu verstehen und zu erfassen, damit die notwendigen Verbesserungsprozesse aktiviert werden können. Zu diesem Zweck verwendete ich als Forschungsmethode für vorliegende Master Arbeit verwendete eine qualitative Netzwerkanalyse mit einem ergänzenden Interview um die soziale Netzwerke der Menschen mit Diagnose Schizophrenie sichtbar zu machen.

Die Soziale Arbeit beschäftigt sich mit vielseitigen Bedingungen der Lebensführung sowie mit der Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens der Menschen. Die Soziale Arbeit interveniert in dem Moment, in welchem ein Individuum mit seiner Umwelt interagiert. Die Klinische Sozialarbeit folgt diesem Prinzip der Sozialen Arbeit und behält in ihrem Blickwinkel zusätzliche Belastungen und Risiken des alltäglichen Lebens mitsamt ihren Auswirkungen auf Lebensstil und Gesundheit der KlientInnen. (vgl. Schubert 2014, S. 36f)

Von größtem Interesse in der vorliegenden Forschungsarbeit sind die Beziehung zwischen Menschen mit Diagnose Schizophrenie und ihrer sozialen Umwelt.

Nach Graumann (1996):„[…] Je nach körperlicher Verfassung und individuellem Körperschema, nach Selbstbild und Stimmung u.a. werden Personen ihre Umwelt in unterschiedlicher Weise erleben und mit unterschiedlichen subjektiven Bedeutungszuschreibungen versehen, was seinerseits unmittelbaren Einfluss auf das individuelle Handeln in der gegebenen Umwelt hat. Eine für alle „objektiv“ gleiche Umwelt gibt es nicht. “(Schubert 2014, S. 38)

Die Klinische Sozialarbeit verlangt, dass die Umwelt aus dem Blickwinkel der in ihr handelenden Person dargestellt und in das therapeutische Arbeitskonzept einbezogen wird. Der Erfolg der psychosozialen Interventionen in Klinischer Sozialarbeit zur Bewältigung von Problemlagen ist abhängig vom Verständnis der Beziehungen zwischen einem Individuum und seinen sozialen Faktoren. Die Klinische Sozialarbeit legt ihr Augenmerk auf drei Ebenen: auf die Person, auf die Umwelt und auf die Transaktion zwischen diesen beiden. (vgl. ebd., S. 38f)

„Für eine reflexiv ausgerichtete Klinische Sozialarbeit […] bedeutet die wechselseitige Bezogenheit zwischen gesellschaftlichen […] und psychobiologischen Strukturen auch, auch die Problemlagen in den Lebensführungssystemen herauszuarbeiten und mit Betroffenen wie auch politisch Verantwortlichen kritisch zu reflektieren.“(ebd. S. 50)

Die Klinische Sozialarbeit legt einen hohen Wert auf die Stärkung der sozialen Netzwerke bedürftiger Individuen, was für meine Forschungsarbeit von Bedeutung ist. Mich interessieren Menschen mit Diagnose Schizophrenie in ihrer alltäglichen Lebenssituation, in ihrer Interaktion und in ihrem Austausch mit ihrer Umwelt. Wie beeinflussen die sozialen Netzwerke alltägliche Lebensführung und Lebensqualität dieser Menschen?

5. Resilienzforschung

5.1. Definition der Resilienz

Der Begriff Resilienz kommt aus englischer Sprache und bedeutet „Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität“. Für einen Menschen bedeutet das die Fähigkeit zu einer erfolgreichen Bewältigung negativer Lebensbelastungen und Schicksalsschläge.

Es existieren mehrere Definitionen und verschiedene Forschungsmeinungen über die Resilienz. Von Wustmann (2004) stammt meiner Meinung nach, eine kurze und dennoch gleichzeitig eine der umfassendsten Beschreibungen der Resilienz:

„[…] die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.“ (Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 10; mit einem Zitat von Wustmann 2004, 18)

Wustmann (2005) definiert die Erscheinungsformen von Resilienz:

- Die gesunde Entwicklung trotz Risikostatus (z. B. chronische Armut)
- Die Handlungskompetenzen unter akuten Stresssituation (z. B. die Scheidung, Arbeitsverlust)
- Die rasche Erholung von Traumata (z. B. die Gewalterfahrung) (vgl. Wustmann 2005, S.192ff)

Für die Entstehung der Resilienz sind folgende Faktoren, wie Risikosituation eines Individuums samt deren erfolgreichen Bewältigung ausschlaggebend.

Rosemarie Welter-Enderlin gibt folgende Definition der Resilienz:

„Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen.“(Welter-Enderlin 2010, S. 13)

Die Resilienz ist keine stabile Variable, sie ist nicht beständig und entwickelt sich in einem Austausch zwischen einem Menschen und seiner Umgebung. Die Entwicklung der Resilienz ist abhängig von Erziehung, Bildung, vorhandenen Ressourcen, Familie und sozialen Netzwerken. Die Resilienz verändert sich im Laufe des Lebens und kann in unterschiedlichen Situationen unvorhersehbare Auswirkung haben. Die Resilienz ist ein ständiger Anpassungs- und Entwicklungsprozess, auf welchen mehrere physiologische, psychologische, kognitive, soziale, emotionale biografische Faktoren wirken. Sie ist ein Konstrukt, welcher aus verschiedenen menschlichen Fähigkeiten zusammengesetzt ist. (vgl. Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 9ff)

Resilienz ist eine veränderbare Variable. Was in einem Lebenszeitpunkt resilienzförderend und hilfreich war, kann sich in der veränderten Situation einen Risikofaktor darstellen. Resilienz ist situations- und bereichsspezifisch, z.B. ist die Person in einem Bereich erfolgreich beziehungsweise resilient und in einem anderen weist sie Defizite auf. Dasselbe gilt auch für unterschiedliche Situationen.

5.2. Beispiele aus Forschungsergebnissen

Im Mittelpunkt der Resilienzforschung steht:

„-Die positive, gesunde Entwicklung trotz andauerndem, hohen Risikostatus […]

-Die beständige Kompetenz unter akuten Stressbedinungen […]

- Die positive bzw. schnelle Erholung von traumatischen Ereignissen […]“

(Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 11f; mit einem Zitat von Wustmann 2004, 19)

Die Resilienzforschung ist ressourcenorientiert und geht davon aus, dass der Mensch ein Gestalter seines Lebens ist.

Die Resilienzforschung begann am Ende der 1970er in Nordamerika und Großbritannien, welche die Risikofaktoren auf die Entwicklung der Kinder untersuchte. Seit den 1970er Jahren würden 19 Längsschnittstudien zum Thema Resilienz durchgeführt.

Längsschnittstudien in der Resilienzforschung spielen eine an den Erkenntnisgewinn gebundene, wichtige Rolle. Sie sind besonders aussagekräftig und tragen dazu bei, die Entstehung und die Entwicklung von Resilienz- und Risikofaktoren über längeren Zeitraum erfolgreich verfolgen zu können. Solche Studien sind allerdings sehr selten, weil sie erfordern viel Personal erfordern und, zeitaufwändig sowie kostspielig sind.

Die bekannteste Studie ist:

- Kauai-Studie (Werner/Smith 1982): Die ersten Resilienzforscherinnen Werner und Smith begleiteten den gesamten Geburtsjahrgang 1955 der hawaiianischen Insel Kauai mit 698 Menschen über einen Zeitraum von 40 Jahren. Es ist eine der ältesten und berühmtesten Studien zum Thema Resilienz. Dabei wurden Daten über unterschiedliche biologische, gesundheitliche, psychosoziale Risiko- und Schutzfaktoren und deren Wirkungen auf die Probanden erhoben. Knapp 30 % dieser Stichprobe war einer hohen Risikobelastung aufgesetzt. Die Forscherinnen stellten fest, dass trotz widriger Umständen und Schicksalsschläge ein Drittel der Kinder sich bis ins Erwachsenenalter sehr gut entwickeln konnten. Die Forscherinnen untersuchten die Auswirkung der schützenden Faktoren auf die Kindern und die später Erwachsenen. (vgl. Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 15f)

Die bekanntesten Studien in Deutschland sind:

- Die Mannheimer Risikokinderstudie (Laucht 1999) In dieser Studie wurde erforscht, wie sich Kinder unter verschiedenen Lebensbelastungen entwickeln und welche protektiven Faktoren wirken, um die Belastungen zu kompensieren. Die Ergebnisse machen die Risiken deutlich, welche sich negativ auswirken auf die Entwicklung der Kinder. Der Schwerpunkt dieser Studie war die Erforschung der Risiken, aber es wurde auch beschrieben, welche protektive Faktoren für die gesunde Entwicklung von Kindern eine Rolle spielen. (vgl. ebd. 16).

- Die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie (Lösel/Bender 2008). Dies war eine der ersten deutschen Resilienzstudien, welche die Resilienz von Kindern mit erhöhtem Entwicklungsrisikoerforschte. In ihrem Rahmen wurde nach Schutzfaktoren in der Familie und außerhalb der Familie geforscht. (vgl. ebd. 17)

- Für meine Masterarbeit interessant ist die derzeit durchgeführte Längsschnittstudie (Bengel 2009) BELLA. Diese Studie erforscht die psychische Gesundheit von Kindern. Sie will herausfinden, welche Risiken und Schutzfaktoren die Entstehung und Entwicklung von psychischen Krankheiten beeinflussen. (vgl. ebd. 15)

Die Zusammenfassung der Befunde beweist die große Bedeutung von Schutzfaktoren für die Entwicklung von Resilienz und für Bewältigung negativer Lebensumstände. Die Resilienzforschung untersucht die protektiven Faktoren, welche in personale, soziale und familiäre unterteilt sind. Wie in der Tabelle ersichtlich, sind die Befunde nicht immer eindeutig und weisen in der Resilienzforschung einige Wissenslücken auf.

Tabelle 2: Zusammenfassung der Befunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bengel; Meinders-Lücking; Rottmann 2009, S 45

5.3 Resilienzfaktoren

Die Resilienzfaktoren sind die schützenden Ressourcen eines Menschen, welche in Laufe seines Lebens erworben werden. Diese erworbenen Kompetenzen für die Bewältigung negativer Lebensumstände und Schicksalsschläge notwendig sind. Es gibt personale, familiäre und soziale Schutzfaktoren.

A Personale Schutz Faktoren

Die personale Faktoren werden zusätzlich in erworbenen und angeborenen Faktoren gegliedert. (vgl. ebd. 18ff)

Diese schützenden Faktoren kann man auch mit Lebenskompetenzen vergleichen. Die Weltgesundheitsorganisation definiert die 10 wichtigsten Lebenskompetenzen, welche helfen die Lebensbelastungen erfolgreich zu bewältigen:
„-Selbstwahrnehmung
- Empathie
- kreatives Denken
- kritisches Denken
- Fähigkeit, Entscheidung zu treffen,
- Problemlösefähigkeiten,
- effektive Kommunikationsfähigkeit
- interpersonale Beziehungsfertigkeiten
- Gefühlsbewältigung
- Stressbewältigung

“ (Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 41 mit einem Zitat von WHO 1994, übersetzt von Bühler/ Heppekausen 2005)

Nach Rönnau-Böse (2013) existieren sechs Lebenskompetenzen, welche wichtig sind, um die negativen Lebensumstände meistern zu können. Diese sechs Faktoren sind fest miteinander verbunden. Sie beeinflussen sich gegenseitig und sind voneinander abhängig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Resilienzfaktoren

Quelle: Fröhlich-Gildhoff; Rönnau-Böse 2014, S. 42

B Familiären Schutzfaktoren

In der Resiliänzforschung spielen die familiären Schutzfaktoren eine große Rolle. Die Resilienzstudien weisen folgenden Merkmalen auf, welche eine positive Wirkung für die Stärkung der Menschen haben. Das sind die sichere und stabile Bindung zu den Eltern und eine gute Geschwisterbeziehung. Die Ressourcen und der soziale Status der Familie darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. (vgl. Bengel; Meinders-Lücking; Rottmann 2009, S 49)

C Soziale Schutzfaktoren

Die soziale Unterstützung in belastendenden Lebensereignissen durch andere Menschen ist sehr hilfreich. Soziale Schutzfaktoren unterscheiden sich nach sozialer Integration und sozialer Unterstützung. Emotionale und materielle Unterstützung durch Mitmenschen bilden weitere Resilenzfaktoren der sozialen Unterstützung. Die soziale Unterstützung wird klar nach Zielgruppe und Art von benötigter Hilfe differenziert. (vgl. ebd. 2009, S 151ff)

6. Netzwerkanalyse

6.1 Der Mensch als soziales Wesen

Die Seele des Menschen ist ein Geschehen zwischen zwei Polen, ein Dialog zwischen dem Einzelnen und der Welt, in der er lebt und zu der er sich verhält. Die Seele und die Welt kommunizieren miteinander und wirken aufeinander. Die soziale Verflochtenheit des Menschen ist das Verhältnis des Einzelnen zu seinen Mitmenschen. Der Mensch lebt in einem sozialen Feld, also im Zusammenleben mit anderen: in der Familie, der Schule, der Berufs- und Arbeitsgemeinschaft, in den Gemeinschaften des Volkes und des Staates. (vgl. Lersch 1965, S. 11ff)

Lersch äußerte in seinem Buch „Der Mensch als soziales Wesen“ zitierte Feuerbach, welcher schon im 19. Jahrhundert folgende Gedanken:

„Der einzelne Mensch für sich hat das Wesen des Menschen weder in sich als moralischem, noch in sich als denkendem Wesen. Das Wesen des Menschen ist nurin der Gemeinschaft, in der Einheit des Menschen mit dem Menschen enthalten.“ (ebd. 1965 S.12; mit einem Zitat von Feuerbach 1843, §59)

Weiter zitierte Lersch Martin Buber:„Die fundamentale Tatsache der menschlichen Existenz ist der Mensch mit dem Menschen.“(ebd. 1965 S.12; mit einem Zitat von Buber 1954, S. 165)

In die gleiche Richtung geht die Aussage von Max Schelers, welche Lersch in seinem Werk zitierte:

„[…] das schon dem essentiellen Bestande des menschlichen Bewusstseins nach jedem Individuum die Gesellschaft auch irgendwie innerlich gegenwärtig ist und daß der Mensch nicht nur Teil der Gesellschaft ist, sondern auch die Gesellschaft irgendwie innerlich gegenwärtig ist und daß der Mensch nicht nur Teil der Gesellschaft ist, sondern auch die Gesellschaft als Beziehungsglied ein wesentlicher Teil von ihm; daß das Ich nicht nur ein „Glied“ des Wir ist, sondern auch das Wir ein notwendiges Glied des Ich.“ (ebd. 1965 S.12; mit einem Zitat von Scheler 1923, S. 265)

Die Weise, in der sich menschliche Existenz verwirklicht, die Welt überhaupt erst wahrnimmt und sich in dieser einordnet ist von großer Bedeutung. Der Mensch wird in eine Gesellschaft geboren. Die Gesellschaft hat seine spezifischen Mitglieder, welche ein Individuum durch sozialen, ökonomischen, moralischen und kulturellen Status nach seiner Geburt prägen und sein Leben lang begleiten. G. G. Jung denkt Folgendes darüber:

„Der Mensch kann nicht ohne die Sozietät existieren, ebensowenig, wie er auch nicht ohne Sauerstoff, Wasser, Eiweiß, Fett usw. sein kann. Wie diese, so ist auch die Sozietät eine der notwendigsten Existenzbedingungen.“ (Lersch 1965 S.13; mit einem Zitat von Jung 1945, S. 192)

Der Mensch ist von seiner Natur aus ein soziales Wesen. Isoliert gedachte Menschen sind künstlich oder durch ungünstige Lebensumstände erzeugt. Nach der Geburt ist ein menschlicher Säugling hilflos. Er ist auf soziale „Umsorgung“ seiner Umwelt angewiesen, um nicht nur in der biologischen Erhaltung seines Daseins sicher zu sein und überleben zu können, sondern auch, um im Erwerb der Sprache und im Umgang mit den unterschiedlichsten Dingen gefördert zu werden. Auch als erwachsener Mensch ist er mit der Welt fest verbunden. Der Mensch hat Bedürfnisse und die Bedürfnisse müssen befriedigt werden. Er hat leibliche, seelische und geistige Bedürfnisse. Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, braucht das Individuum andere Menschen. Eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Einzelnen ist nur möglich durch arbeitsteiliges Zusammenwirken mehrerer Personen. Gegenseitige menschliche Hilfe und Bestätigung hält Menschen zusammen, so bilden sich verschiedene soziale Netze. Die Menschen verbinden sich miteinander und wirken auf andere ein. (vgl. ebd. 1965, S. 12ff)

6.1.1. Gemeinschaft und Gesellschaft

Die Gemeinschaft verbindet in sich Komponenten, wie seelische Verbundenheit, Gefühl der Solidarität, Zusammengehörigkeit. Das verbindet die Menschen miteinander und es entsteht eine gemeinsame Bindung durch Neigung, Glauben, Vertrauen, Gewohnheit und etc.

Gesellschaft entsteht aus anderen Bindungsgründen als Gemeinschaft. Eine Gesellschaft verfolgt ein Ziel. Zur Erreichung dieses Ziels verwendet die Gesellschaft technisch-zweckrational die produktivsten Mittel. Die Gesellschaft ist nur vorübergehendes, zielorientiertes, gefühlloses, mechanisches Zusammenleben. Sie ist homogenes und organisches leben miteinander. Die Gemeinschaft hingegen hat eine warme, lebendige Seele. (vgl. Lersch 1965, S. 40f)

Gemeinschaft und Gesellschaft unterscheiden sich quantitativ. Die Gesellschaft ist viel größer als die Gemeinschaft, weil die Gemeinschaft nur in kleinen Gruppen möglich ist. Die Gesellschaft behält sich vor, sich neu zu organisieren, sobald es die veränderten Verhältnisse als zweckmäßig erscheinen lassen. (vgl. Lersch 1965, S. 40ff)

Menschen mit einem chronischen Verlauf der Schizophrenie leben häufig in kleinen Wohngemeinschaften. Das bestätigte sich auch im Rahmen meiner Forschungsarbeit. Die Erkrankten bleiben unter sich. Sie unterstützen und schützen sich gegenseitig. Unter Gleichgesinnten müssen sie ihre Diagnose und ihre Schicksalen nicht verbergen. Meinen Beobachtungen nach exkludieren sich diese Menschen aus verschiedenen Gründen aus der Gesellschaft. Die häufigsten Gründe sind die Scham und Stigmatisierung.

6.2 Definition von sozialem Netzwerk

Der Begriff „soziales Netzwerk“ ist sehr aktuell und wird heutzutage sehr oft verwendet. Es gibt zu ihm verschiedene Definitionen. Ich zitiere deshalb die Definition von Niemann:

„Ein soziales Netzwerk bezeichnet die Einbindung des Individuums in die ihn umgebende soziale Umwelt. Familie, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen, Betriebe und Behörden kennzeichnen eine räumliche, eine funktionale und vor allem eine soziale Verbindung zwischen den Menschen. In ihrer Gesamtheit bilden diese sozialen Verbindungen ein komplexes Gerüst einer Menge miteinander verknüpfter Menschen, Organisationen und auch Orten - ein Netz eben.“(Niemann 2005, Kapitel 2, Kindle-Edition)

Die Menschen sind miteinander sozial verbunden, unterschiedliche Typen von Verbindungen bilden spezifische soziale Netzwerke.

In der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung gibt Wayer (2014) eine weitere Definition für und Sichtweise auf den Begriff „Soziales Netzwerk“:

„Unter einem sozialen Netzwerk soll daher eine eigenständige Form der Koordination von Interaktionen verstanden werden, deren Kern die vertrauensvolle Kooperation autonomer, aber interdependenter […] Akteure ist, die für einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und dabei auf die Interessen des jeweiligen Partners Rücksicht nehmen […].“(Weyer 2014, S. 48)

Die Menschen sind miteinander sozial verbunden, unterschiedliche Verbindungstypen bilden spezifische soziale Netzwerke. Die Netzwerkanalyse legt ihr Augenmerk auf soziale Beziehungen zwischen Individuen und nicht auf das Verhalten einzelner Menschen. Um einen hohen Erkenntnisgewinn zu erzeugen, werden meistens „partiale Netzwerke“ analysiert, bei welchen Interessen und Ziele klar definiert sind. Eine übliche Form der Erhebung partieller Netzwerke ist die Analyse „egozentrischer Netzwerke“. Die Netzwerkanalysen beschreiben soziale Beziehungen von Menschen und wie sie funktionieren. (vgl. Gerhardter 2001. S.1)

In der vorliegenden Master Arbeit beschreibe ich die sozialen Beziehungen von Menschen mit Diagnose Schizophrenie mittels Analyse ihre egozentrischen Netzwerke.

In der Netzwerkforschung wird ein Schwerpunkt in Richtung Struktur gesetzt, was für mathematisch-statistische Auswertungsverfahren ein großes Spektrum an hochspezialisierten Verrechnungsmöglichkeiten bietet. Die Struktur eines Netzwerkes ergibt sich aus der Interaktion zwischen Personen und einzelnen Sektoren in der Netzwerkkarte. Für die Netzwerkanalyse sind folgende Begriffe wie Erreichbarkeit, Reichweite, Netzwerkgröße, Dichte, Stabilität, Offenheit, Hierarchien, Berufe, Cliquen, Zentralität von Bedeutung. In einem egozentrierten Netzwerk wird beschrieben, zu welchen Menschen die Verankerungsperson einen Kontakt hat und von welcher Qualität dieser ist. Die Analyse des persönlichen Netzwerkes gibt Auskunft über Interaktionen zwischen Personen-Kategorien in einem Netzwerk. Allerdings wird unterschieden zwischen eindimensionalen und mehrdimensionalen sozialen Netzwerken. Die eindimensionalen Netzwerke bestehen ausschließlich aus Personen einer Kategorie, z.B. Familienangehörige. Hingegen bei Netzwerken mit mehreren Kategorien, wie Nachbarschaft, Familie, Arbeit etc. über mehrdimensionale soziale Netzwerke gesprochen. Bei einem sozialen Netzwerk müssen solche Faktoren wie Ort und Zeit berücksichtigt werden. Alle diese strukturellen Besonderheiten liefern Hinweise auf Widerstandskraft (Resilienz) des sozialen Netzwerkes gegenüber schicksalhaften Lebensereignissen und Krisensituationen der Verankerungsperson. (vgl. Gerhardter 2001. S.1 mit vgl. Keupp 1987, S.26f.)

Schenk beschäftigte sich mit folgenden Kriterien von sozialer Beziehung wieuniplexe Beziehungen– das sind vielseitige, voneinander unabhängige soziale Beziehungen. Bei der Bewältigung von Krisen könnte die soziale Unterstützung auf mehrere Personen verteilt, somit hilfreiche Informationen von verschiedenen Stellen eingeholt werden und aufgrund dessen größere Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Alsmultiplexe Beziehungenwerden zerstreute, miteinander verbundene, intensive, dauerhafte Beziehungen genannt. Das sind z. B. Verwandte, Freunde etc. In diesen Beziehungen geht es um Austausch von Inhalten. Sie vermitteln eine Sicherheit und erhöhen parallel normative Kontrolle und sozialen Druck. Interaktionen zwischen Netzwerkmitgliedern unterscheiden sich indirekteundindirekte. Die Beziehungen zwischen Netzwerkakteuren werden alsstark, oderschwachbezeichnet. Starke Beziehungen sind dauerhaft, intensiv und intim. Menschengruppen, welche durch starke Beziehungen miteinander verbunden sind, haben einen homogenen Charakter. Die schwachen Beziehungen sind eher von heterogenem Charakter und ermöglichen nur vereinzelt einen Zugang zu Ressourcen und Informationen. (vgl. Gerhardter 2001. S.1 mit vgl. Schenk 1983, S.92ff.)

6.3 Definition von Netzwerkanalyse

„Die Netzwerkanalyse ist ein Instrument, das soziale Ressourcen oder soziales Kapital erfassen kann. Unter sozialem Kapital versteht man einen Aspekt der Sozialstruktur, der individuellen oder korporativen Akteuren breitere Handlungsmöglichkeiten eröffnet.“(Jansen 2003, S. 26)

Soziales Kapital unterscheidet sich vom ökonomischen und Humankapital dadurch, dass es die Eigenschaft hat, nicht im Besitz einer einzigen Person zu sein. Es ist abhängig von der Art von Beziehungen, welche der Mensch in seinem Netzwerk zu anderen Akteuren pflegt. Die Netzwerkakteure müssen nicht unbedingt miteinander verbunden sein. Sie haben trotzdem einen Einfluss auf das soziale Kapital. (vgl. Jansen 2003, S. 27)

Gerhardter betont die Wichtigkeit der Netzwerkanalyse für die erfolgreiche Sozialarbeit. Sie sagt Folgendes dazu:„[…] für die Sozialarbeit können die Analyse sowohl von sozialen als auch von Organisationsnetzwerken für die Praxis erkenntnisreich und handlungsleitend sein, einerseits für die KlientInnenarbeit, andererseits für die institutionelle Zusammenarbeit.“ (Gerhardter 2001, S.1)

Dank Netzwerkdiagnostik werden nicht nur die Störungsursachen von Klienten in einem Individuum gesucht, sondern auch nach sozialen Ressourcen für die Problemlösung. Nach Priller (1999) ist bei der Netzwerkdiagnostik die Qualität des sozialen Netzwerkes in sechs Dimensionen bestimmbar. Das sind die Erreichbarkeiten des Netzwerkes, Haltbarkeit, Häufigkeit, Reichweite, Inhalt der Beziehungen und Zugänglichkeit des aktuellen Netzwerkes. Die Netzwerkdiagnostik der personalen Netzwerke von den hilfsbedürftigen Menschen stellt je nach Aufgabe eine Voraussetzung für die gelungene Netzwerkinterventionen oder Netzwerkförderungen dar. Die Netzwerkdiagnostik kann im Rahmen der Anamnese erfolgen und mit anderen diagnostischen Methoden ergänzt werden. (vgl. Pauls 2013, S. 220f.)

Der Schwerpunkt der psycho-sozialer Diagnostik liegt auf die Ressourcen und Defizienten der Klienten. (vgl. Pauls 2013, S. 222)

Weiter nach Pauls (2013):„Nur wenn wir wissen, welche Ressourcen Klienten zur Verfügung stehen, wie diese Ressourcen auf sie wirken, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass zu wenig Ressourcen vorhanden sind und welche Faktoren unsere Klienten hindern, vorhandene Ressourcen zu nutzen, können wir ihre Lebenswelt oder ihren sozialen Raum in einer ausreichenden Differenzierung erfassen.“(Pauls 2013, S. 223)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Landkarte der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung

Quelle: Weyer 2014, S. 50

Wie aus der Landkarte der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung ersichtlich ist, gibt es verschiedene Netzwerkforschungsmöglichkeiten zur Analyse von sozialen Netzwerken. Für die vorliegende Forschungsarbeit sind die formale Netzwerkanalyse bzw. Beziehungs-Netzwerke von Bedeutung. In meiner Arbeit fokussiere ich mich auf Ego-Netzwerke von Menschen mit Diagnose Schizophrenie.

6.4 Die ego-zentrierte Netzwerkanalyse

Das ego-zentrierte Netzwerk ist eine von Form des persönlichen Netzwerkes. Es kann mittels Umfrageforschung erhoben werden. (vgl. Jansen 2003, S.65)

Jansen beschreibt das so weiter:„Es geht um eine fokale, im Interview befragte Person Ego. Diese wird mit einem sogenannten Namensgenerator aufgefordert, Personen zu nennen, zu denen sie soziale Beziehungen unterhält. Für diese sogenannten „Alteri“ werden dann zusätzliche Angaben erfragt, z. B. ihr Alter, ihr Geschlecht, ihr Bildungsniveau und ihre Einstellung. Damit das Netz als „Netzwerk“ qualifiziert werden kann, ist es insbesondere erforderlich, dass auch die Beziehungen zwischen den Alteri […] erfragt werden.“(Jansen 2003, S.65)

Die Analyse von Ego-Netzwerken ist zur Beantwortung meiner Forschungsfragen geeignet, in denen es um die Beziehung von Akteuren in ihrer sozialen Umwelt geht.

Die ego-zentrierte Netzwerkforschung hat ein großes Potenzial. Ihre Anwendungsbereiche nach Jansen :„[…] medizinsoziologischer Forschung zur schützenden Wirkung persönlicher Netzwerke gegen Krankheit (Kadushin 1982; Lin/Ensel 1986; Keupp/Röhrle 1987; Laireiter 1993) über die Debatte der Frage „community lost“ oder „community liberated“ in der Diskussion der Folgen gesellschaftlicher Modernisierung für die soziale Integration (Wellmann/ Wortley 1990, Wellmann et al. 1988; Diewald 1991; Diaz-Bone 1997, Kim 2001), weitere über Fragen der Bedeutung von Netzwerken für den Wirkungsweg von Medien, für Wahlentscheidungen oder die Bereitschaft zu politischen Protesten (Schenk 1995, Ohlemacher 1993, Pappi 1987a), bis hin zur Analyse der Bedeutung von persönlichen Netzwerken für berufliche Mobilität, Statuserwerb und Karriere.“ (Jansen 2003, S.65)

Eine genaue Darstellung des Instruments mit dem ich meine Erhebung durchgeführt habe, findet sich unterKapitel 7.

6.5 Beispiele von ego-zentrierten Netzwerkstudien

Einige Beispiele von Netzwerkstudien mit einem Fokus auf ego-zentrierte Netzwerkanalyse sind:

Straus et al. (1989):„Soziale Netzwerke psychosozialer Berater“.

Die Daten wurden in einem Zeitraum von drei Jahren erhoben. Straus arbeitet mit einer frühen Variante von EGONET mit mehreren Auswertungskarten. Die Auswertungskarten wurden von den Befragten selbst außerhalb der Interviewzeiten erstellt.

Krumbein (1995):„Selbstbild und Männlichkeit“.

Die Studie veranschaulicht ein biografisches Einflussnetzwerk von Männern. Krumbein verwendet eine biografische Netzwerkkarte mit dem Ziel zu erkennen, welche Personen in der biografischen Lebensgeschichte erforschter Männer deren Entwicklung zum Mann geprägt und beeinflusst haben.

Hollstein (1999):„Aktuelles Netzwerk von verwitweten Personen“.

Die Studie wurde in Berlin zwischen 1992 und 1995 durchgeführt. Hollstein erforschte die Lebenssituation von 18 verwitweten und verrenteten Frauen und Männern zwischen 63 und 73 Jahren. Der Schwerpunkt ihrer sehr aufwändigen ego-zentrierten Netzwerkstudie lag auf der Lebensgeschichte der Interviewten unter Berücksichtigung ihrer sozialen Beziehungen. Die Personen wurden vor und nach ihrer Verwitwung befragt. (vgl. Stegbauer 2010, S. 97)

Keupp et al. (1999): „Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne“.

Mit Hilfe der ego-zentrierten Netzwerkkarte wurde die Identitätsentwicklung bei 152 jungen Erwachsenen in dem Zeitraum von 1991-1996 erhoben.

Hintermaier et al. (2000):„Wie Eltern stark werden. Soziale Unterstützung von Eltern hörgeschädigter Kinder. Eine empirische Bestandsaufnahme“.

Diese Autoren haben eine quantitative Befragung bei Eltern hörgeschädigter Kinder und gleichzeitig eine qualitative Begleitstudie durchgeführt. Das zentrale Erhebungsinstrument war dabei eine ego-zentrierte Netzwerkkarte.

Straus at al. (2012):„Netzwerke von SOS-Kinderdorffamilien im urbanen Raum. Teilstudie zum Projekt „SOS-Kinderdorffamilien im urbanen Raum““.

Diese Erhebung wurde in Deutschland in einem Zeitraum zwischen 2009 und 2011 in zwei Teilstudien durchgeführt. In einem komplexen Design wurden 120 Interviews geführt und qualitative Netzwerkkarten sowohl mit den Kinder/Jugendlichen wie auch mit deren Fachkräften erhoben. Es wurden die Kinderdorfnetzwerke von urbanen und ländlichen SOS-Kinderdorffamilien miteinander verglichen. Ein Ziel in dem komplexen Untersuchungsdesign war u.a. die Frage der Vertrauensentwicklung im Spannungsfeld von Herkunftsfamilie und stationärer Lebensform.

Borucki (2013):„Armutspolitische Netzwerke lokaler Parteien und sozialer Träger“.Die Studie wurde 2012 durchgeführt. Dazu wurden an 2 Standorten (Jena und Trier) 41 qualitative Interviews und 36 qualitative Netzwerke erhoben. In beiden Städten wurden Verbandsvertreter, Parteienfunktionäre und Angehörige der Stadtverwaltung interviewt. Ziel war es die jeweiligen armutspolitischen Netzwerke der beiden Städte zu erheben und in Bezug auf Kooperation und Sozialkapital hinsichtlich der Armutsbekämpfung und –Prävention zu vergleichen.

Bernhard (2014):„Identitätskonstruktionen in narrativen Interviews. Ein Operationa-lisierungsvorschlag im Anschluss an die relationale Netzwerktheorie“.

In 40 narrative Interviews zur Erwerbsbiographie mit geförderten Selbständigen wurden qualitative Netzwerkkarten zur sozialen Einbettung in der Gründungsphase erhoben. Ziel war es unterschiedliche Identitätskonstruktionen zu analysieren.

Empirische Untersuchung

7. Methodisches Design

In dieser Masterarbeit werden die Daten zur Beantwortung der Forschungsfragen quantitativ sowie qualitativ erhoben.

7.1. Das Erhebungsinstrument

Die Netzwerkkarte nach Straus stellt ein strukturiertes, teilstandardisiertes Erhebungsinstrument dar. Die sechs konzentrischen Kreise sind strukturierende Elemente. Diese haben keine festgelegten Vorgaben.

„[…] als weiteres strukturierendes Element gibt es verschiedene Sektoren, die die wichtigen Lebensbereiche von Ego abbilden sollen (z. B. Familie, Arbeit, Freizeit). Auch für diese Sektoren gibt es keine festen Vorgaben. Die Karte wird im Rahmen qualitativer Interviews eingesetzt: Sie wird parallel zum Interview geführt und dient als Medium der Kommunikation über die Beziehungen und Netzwerke. Sobald im Interview eine noch nicht genannte Person erwähnt wird, wird diese in das Diagramm eingetragen.“

http://www.pfeffer.at/egonet/Hollstein%20Pfeffer.pdf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Egozentrierte Netzwerkkarte

Quelle: EGONET-QF; Pfeffer

Die Egozentrierte Netzwerkkarte stellt alle Personen des sozialen Umfeldes eines Menschen dar, welcher auch als EGO bezeichnet wird. In der Mitte der Netzwerkkarte befindet sich ein Kern: „Ich“. Je „wichtiger“ ein Mensch für „EGO“ ist, desto näher wird er ins Zentrum gesetzt.

Dieses Verfahren ermöglicht die visuelle Exposition der sozialen Beziehungen von Menschen mit sowie ohne Diagnose Schizophrenie. Anhand des Interviews werden alle aktuell relevanten sozialen Beziehungen in Bezug auf Nähe/Distanz, Familie, Arbeits- und Ausbildungsplatz sowie die Zugehörigkeit zusammenfasst und die gesammelten Daten in einer Netzwerkkarte visuell darstellt. Die einzelnen Netzwerksegmente jeder Karte werden in drei Etappen ausgewertet.

Zuerst werden die einzelnen Sektoren der Netzwerkkarte der psychisch gesunden und psychisch kranken Menschen benannt sowie ihre Größen bestimmt.

In einem Interview werden die Einzelheiten der Sektoren erfragt. In einem nächsten Schritt teilt die oder der Befragte die für ihn/sie relevanten Personen in den jeweiligen Netzwerkbereich ein. In einem Interview werden die psychisch gesunden und psychisch kranken Menschen nach der Bedeutung der eingetragenen Menschen befragt. Am Ende des Interviews wird im Hinblick auf die Netzwerkkarte gemeinsam mit den Befragten das Resümee gezogen. (vgl. Hollstein; Straus 2006, Kapitel III; VII, Kindle-Edition)

Durch zusätzliche ergänzende Fragen zur erstellten Netzwerkkarte werden die Forschungsfragen schließlich beantwortet.

7.1.1. Die Schritte einer Netzwerkanalyse

Die VorbereitungZuerst wird die Netzwerkkarte vorbereitet. Die Netzwerkkarte benötigt eine feste Unterlage und eine Grundkarte. Auf dieser sind mehrere konzentrische Kreise um ein in der Mitte gelegenes Ich (Person des Interviewten) gruppiert. Mit diversen Materialien (Markierungsnadeln zum Stecken) werden die Namen eingezeichnet.

Die Rollenverteilung und der BeginnDie Netzwerkkarte wird durch den Interviewten selbst gestaltet. Die Person wird ihre Alltagswelt in Sektoren (z.B. Arbeit, Familie, Freizeit) einteilen. Danach werden alle Menschen eingetragen, mit welchen eine interviewte Person zurzeit in Beziehung steht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 150 Seiten

Details

Titel
Soziale Netzwerke von Menschen mit Diagnose Schizophrenie
Untertitel
Ein Vergleich von Menschen mit Diagnose Schizophrenie und ohne Diagnose Schizophrenie mit Hilfe der Qualitativen Netzwerkanalyse
Hochschule
Fachhochschule Vorarlberg GmbH
Veranstaltung
Soziale Arbeit - Klinische Soziale Arbeit
Autor
Jahr
2016
Seiten
150
Katalognummer
V340782
ISBN (eBook)
9783668308251
Dateigröße
4836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schizophrenie, soziales Netzwerk, qualitative Netzwerk-analyse, Lebensweltorientierung, Resilienzforschung, bio-psycho- soziales Mo-dell
Arbeit zitieren
Olga Karaseva-Suppan (Autor), 2016, Soziale Netzwerke von Menschen mit Diagnose Schizophrenie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340782

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