Wie kann das Themenfeld der Risikowahrnehmung bei besonderen Lagen in der Ausbildung zum Notfallsanitäter umgesetzt werden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsbestimmung
1.1 Risiko
1.2 Risikowahrnehmung
1.3 Großschadenslage
1.4 Entstehung des Curriculums des Bildungsinstitutes Mitteldeutschland der Johanniter Akademie

2. Risiko - Zentrale Elemente
2.1 Risikokonzepte
2.2 Faktoren der Risikowahrnehmung
2.3 Umgang mit Risiko

3. Das Curriculums
3.1 Die Entstehungsabschnitte (Steps)
3.2 Zielgruppen und Ziele des Curriculum
3.3 Vorgaben des sächsisches Staatsministerium für Kultus
3.4 Risikowahrnehmung in der Notfallsanitäterausbildung – die Learning Unit 6.1 und 6.2

4. Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Arbeitsalltag des Rettungsdienstes müssen wegweisende und maßgebende Entscheidungen in kurzer Zeit getroffen werden. Diagnostische, therapeutische aber auch einsatztaktische Handlungsweisen können erhebliche Konsequenzen haben. Deshalb gilt der Rettungsdienst als besonders risikoreich. (Madea et al. 2007) Durch die Einführung des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) und der Notfallsanitäterausbildungs- und Prüfungsverordnung (NotSanAPrV) im Jahr 2014 müssen berufsbildende Schulen, die Notfallsanitäterinnen / Notfallsanitäter ausbilden, Lehrpläne, Lehrinhalte und Prüfungen neu gestalten und konzipieren.

Dadurch ergibt sich die Frage:

„Wie kann das Themenfeld der Risikowahrnehmung bei besonderen Lagen (Großschadenslagen) in der Ausbildung zum Notfallsanitäter umgesetzt werden?“

Die Hausarbeit beantwortet diese Frage am Beispiel des Bildungsinstitutes Mitteldeutschland der Johanniter Akademie. Sie zeigt mit Hilfe des Curriculums die Ausbildungsziele von Notfallsanitätern in dem Bereich der psychosozialen

Notfallversorgung.

1. Begriffsbestimmung

Im Folgenden werden einzelne Begriffe geklärt. Die Arbeit gibt einen kurzen Einblick in die Entstehung des Curriculums des Bildungsinstitutes Mitteldeutschland der Johanniter Akademie.

1.1 Risiko

Für Risiko gibt es keine einheitliche Definition. (Banse und Bechmann 1998, S. 9) Der Begriff Risiko wird häufig dann verwendet, wenn der Grund beziehungsweise die Möglichkeit eines Schadens auf das eigene Verhalten zurückzuführen ist. (Luhmann 2003, S. 27–31) Das Risiko an sich ist kein reales Objekt, sondern ein Merkmal, was Objekten, Aktivitäten und Situationen aufgrund von Wahrnehmungs-, Lern- und Denkprozessen zugeschrieben wird. Diese Prozesse führen zu einem Urteil oder Gefühl bezüglich des Risikos der Gefahrenquelle. (Jungermann und Helmut Slovic 1993, S. 171) Dies lässt das Risiko aus alltäglicher Sicht ein vieldimensionales Konstrukt, das sich für jede Gesellschaft, für jedes Individuum anders darstellt und definiert und sich durch innere und äußere Gegebenheiten beeinflussen lässt – es gibt also kein objektives Risiko. (Jungermann und Helmut Slovic 1993, S. 201) Die Technik und Wissenschaft gebraucht den Begriff Risiko als Möglichkeit eines Schadens oder Verlustes als Folge eines Ereignisses oder einer Handlung. Nur hier kann laut Jungermann von einem objektiven Risiko gesprochen werden (Jungermann und Helmut Slovic 1993, S. 169)

Als subjektives Risiko bezeichnet man, wie Menschen in einer bestimmten Situation ein spezifisches Risiko beobachten und bewerten. Gilt die Risikoeinschätzung demgegenüber empirisch als hinreichend gestützt, wird weiterhin von objektivem Risiko gesprochen. (Görke 1999, S. 25)

1.2 Risikowahrnehmung

"Risikowahrnehmung i.e.S. kann als zielgerichtet strukturierter und methodisch orientierter, somit bewußt organisierter und reflektierter, empirisch oder theoretisch, deskriptiv oder normativ ausgerichteter Prozeß des Erkennens und Begreifens von Risiken, des Aufweisens und des Erfassens von möglichen Schadens- und Gefahrensdimensionen, von Ursache-Wirkungs- bzw. Ursache-Folgen-Beziehungen, von Gewinnchancen, Verlustmöglichkeiten und Gefährdungspotentialen usw. verstanden werden." (Banse und Bechmann 1998, S. 11) Zu erheblichen Verzerrungen der individuellen Risikowahrnehmung kann es durch schlechte Erfahrungen (Psychisches Trauma) und der Einnahme von Rauschmittel oder Medikamenten kommen. (Banse und Bechmann 1998, S. 12) Objektive Umweltereignisse können durch den jeweiligen subjektiven Beobachtungsstandpunkt variiert und gegebenenfalls verstellt werden (Görke 1999, S. 25) Auch die persönliche Betroffenheit (Distanz) zur Gefahrenquelle (z.B. gefährliche Industrieanlage) sowie ihr Potential, sind ausschlaggeben für die Risikowahrnehmung. Dem gegenüber steht der Nutzen von dem man profitiert, wenn man das subjektiv erhöhte Risiko eingeht. (Görke 1999, S. 26) Unbekannten Aktivitäten oder Objekten, den man unfreiwillig ausgesetzt ist gelten im Vergleich also als riskanter, somit potentiell katastrophaler und ungerechter. (Görke 1999, S. 26)

1.3 Großschadenslage

Die Großschadenslage wird als "Durch ein → Großschadensereignis hervorgerufene Situation" definiert. (Deutschland 2013, S. 14) Das Großschadensereignis ist ein "Ereignis mit einer großen Anzahl von Verletzten oder Erkrankten sowie anderen Geschädigten oder Betroffenen und/oder erheblichen Sachschäden unterhalb der Schwelle zur → Katastrophe" (Rettungswesen DIN 13050:2009-02, S. 4)

1.4 Entstehung des Curriculums des Bildungsinstitutes Mitteldeutschland der Johanniter Akademie

Hintergrund der Entwicklung und Etablierung eines Notfallsanitätercurriculums am Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter-Akademie war die Einführung des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) und der Notfallsanitäterausbildungs- und prüfungsverordung (NotSanAPrV). Seit dem Jahr 2014 kann man den Beruf des Notfallsanitäters ab dem 16. Lebensjahr erlernen. Das Curriculum wurde am Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter Akademie von Thomas Kohns, Claudia Martin, Mario Preller, Fabian Walker, Lars Menzel und Matthias Degusan erarbeitet. Die Handreichung zum Lehrplan NotSan des Freistaat Sachsen waren und sind nicht umfassend genug. Zum damaligen Zeitpunkt fehlte eine offizielle Einstufung in den European Qualifications Framework. Der Rettungsassistent wird im European Qualifications Framework 4 eingegliedert. Wir wollten desweiteren die höhere Eingruppierung des Berufes Notfallsanitäter auf das European Qualifications Framework 5 (EQF Level 5) durch das neue Curriculum erreichen. EQF ist ein Übersetzungsinstrument, das nationale Qualifikationen europaweit verständlich macht und so die Mobilität von Beschäftigten und Lernenden und deren lebenslanges Lernen fördert. Die Forderungen zielen insbesondere darauf ab, die Kompetenzkataloge von Ausbildungen nicht aus einer fachtheoretischen Perspektive zu formulieren, sondern aus einer fachpraktischen. Daher wurden folgende Schritte bei der Erstellung des Curriculums durchgeführt:

1. Analyse der Arbeitsprozesse(working processes) eines Notfallsanitäters

2. Analyse der Lernfelder(learning units) und Lerneinheiten (learning outcomes), welche zur Erfüllung der Arbeitsprozesse benötigt werden.

3. Formulierungder Kompetenzen in den verschiedenen Lerneinheiten.

Als Grundlage der Analyse diente das Notfallsanitätergesetz mit den Ausbildungszielen in §4 und den Vorgaben zum theoretischen und praktischen Unterricht der Anlage 1 der Notfallsanitäterausbildungs- und Prüfungsverordnung (NotSan-AprV). Durch die bundesweit einheitliche Grundlage der Notfallsanitäterausbildung, dem Gesetz und der zugehörigen Prüfungsordnung, ist das entwickelte Curriculum universell einsetzbar. Die Anwendung englischer Begriffe ist ein Tribut an die europäische Ausrichtung zur Erstellung des Curriculums. Hier wurden wir durch das Erasmus+ Projekt „European Partnership for service specialists“ begleitet. Bewusst sind im Curriculum keine Vorgaben zur Methodik oder Didaktik enthalten. Es wurde darauf verzichtet, da der Weg zum Erreichen der Kompetenzen in den Händen jedes einzelnen Dozenten / Ausbilders liegt. Es ist die Freiheit der Lehre dem Auszubildenden einen Weg zu ebnen. Es muss das Ziel, also die Kompetenz des Schülers, erreicht werden. Die Arbeit an einem Curriculum ist kein statischer Prozess, der irgendwann dauerhaft beendet ist. Es ist eine fortlaufende Auseinandersetzung mit den Anforderungen an die Arbeitsprozesse, den sich wandelnden Lehrinhalten und der Beschreibung der verschiedenen Kompetenzen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wie kann das Themenfeld der Risikowahrnehmung bei besonderen Lagen in der Ausbildung zum Notfallsanitäter umgesetzt werden?
Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V341050
ISBN (eBook)
9783668305588
ISBN (Buch)
9783668305595
Dateigröße
955 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
themenfeld, risikowahrnehmung, lagen, ausbildung, notfallsanitäter
Arbeit zitieren
Matthias Degusan (Autor), 2015, Wie kann das Themenfeld der Risikowahrnehmung bei besonderen Lagen in der Ausbildung zum Notfallsanitäter umgesetzt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341050

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