Ovids Metamorphosen 15, 72-175. Dürfen Menschen Tiere essen?


Facharbeit (Schule), 2015
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Übersetzung

3 Analyse
3.1 Einleitung (V. 75-95)
3.2 Das goldene Zeitalter (V. 96 - 106)
3.3 Seelenwandlung (V. 165-175)
3.4 Fazit

4 Vegetarismus in der heutigen Zeit
4.1 Ausprägungen
4.2 Motive
4.2.1 Religion
4.2.2 Ethik
4.2.3 Gesundheit
4.2.4 Ökologie
4.3 Verbreitung
4.3.1 Soziodemografisch
4.3.2 In Deutschland
4.3.3 Weltweit

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anhang

Originaltext

1 Einleitung

Dürfen Menschen Tiere essen? Mit dieser Frage beschäftigten sich bereits Philosophen der Antike, wie z. B. Pythagoras. Die pythagoreische Lehre zum Vegetarismus veranlasste Publius Ovidius Naso (Ovid) eine Rede zu verfassen, die Teil seiner Metamorphosen wurde. Ein Ausschnitt dieser Rede soll im Folgenden übersetzt und analysiert werden. Abschließend befasst sich diese Arbeit mit Ausprägungen, Motiven und der Verbreitung des Vegetarismus in der heutigen Zeit.

2 Übersetzung

[Pythagoras] tadelte, dass Tiere auf Tische gelegt werden:

„Unterlasst, Sterbliche, die Körper in gottlosen Festmahlen zu entweihen! Es gibt Früchte, es gibt Obst, das Äste durch sein Gewicht abwärts zieht, und geschwollene Weintrauben an Weinreben, es gibt zarte Pflanzen, und andere, die durch Feuer mild und weich werden können; weder wird euch Milch geraubt, noch nach einer Blume riechender Honig von Thymian: Die verschwenderische Erde liefert Reichtum und milde Nahrung und bietet Speisen ohne Mord und Blut. Tiere stillen ihren Hunger mit Fleisch, aber dennoch nicht alle: denn das Pferd, Schafe und Rinder leben von Gras; aber denen ein unsanfter und grausamer Geist eigen ist, armenische Tiger, jähzornige Löwen und Bären mit Wölfen, freuen sich über Speisen mit Blut. Ach, es ist ein so großes Verbrechen, dass Fleisch in Fleisch versenkt wird, dass der gierige Leib mit einem Leib, der verschlungen wird, fett wird und dass mit dem Tod eines Lebewesens ein Lebewesen erhalten wird. Selbstver- ständlich erfreut es dich bei so großem Vermögen, das die Erde, die beste der Mütter, her- vorbringt, nicht, dass du unheilvolle Fleischstücke mit grimmigen Zahn isst und den Ritus der Zyklopen wiederherstellst, und du wirst, wenn du nicht einen anderen vernichtet haben wirst, den Hunger des gefräßigen und schlecht gesitteten Bauchs nicht stillen können.

Aber jene alte Zeit, welche wir goldene nennen, war reich mit Früchten von Bäumen und Pflanzen, die die Erde großzog, und das Gesicht war nicht mit Blut beschmutzt. Damals bewegten auch die Vögel gefahrlos die Flügel durch die Luft, und der Hase irrte furchtlos mitten in den Feldern, auch hängte seine Leichtgläubigkeit keinen Fisch an die Angel. Al- les war ohne Fallen, es gab kein Verbrechen, das gefürchtet wurde, alles war voll Frieden. Nachdem der nicht taugliche Begründer, wer auch immer es war, wegen der Nahrung der Götter neidisch war und die fleischernen Speisen in den gierigen Bauch versenkte, errich- tete er dem Verbrechen den Weg.

Alles wird verwandelt, nichts stirbt: Das Leben war und kommt von dort hierhin, von hier dorthin, und nimmt beliebige Glieder in Besitz und wandelt sich aus den Tieren in menschliche Körper und von uns in Tiere. Sie geht durch keine Zeit verloren. Wie das geschmeidige Wachs in eine neue Form gebracht wird, weder hat es Bestand, wie es war, noch bewahrt es dieselbe Form. Also, damit das Pflichtbewusstsein nicht durch die Begierde der Bäuche besiegt wird, warne ich: Unterlasst das unsägliche Jagen von blutsverwandten Tieren durch Mord. Blut wird nicht mit Blut genährt!“

3 Analyse

Zunächst ist anzumerken, dass sich die übersetzten Verse inhaltlich zwar auf eine Rede bezieht, die Pythagoras‘ Ansicht zum Vegetarismus wiedergibt, allerdings ist Ovid der Autor des vorliegenden Textes. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass Ovid selbst ein pythagoreischer Anhänger war, „da er [die Rede] in erster Linie zu dichterischen Zwecken formuliert hat.“1 Die Textpassage wird so analysiert, als sei Ovid der Redner.

3.1 Einleitung (V. 75-95)

Direkt zu Beginn des ersten Abschnitts fordert Ovid die Zuhörer, die Sterblichen („mortales“, V. 75), auf, den Fleischkonsum einzustellen. Speisen, bei denen Fleisch ge- gessen werden, seien gottlos („nefandis“, V. 75) und damit moralisch nicht zu rechtferti- gen. Er präsentiert zahlreiche Alternativen, wie z. B. Früchte („fruges“, V. 76), Obst („poma“, V. 77), Weintrauben („uvae“, V. 77) oder Pflanzen („herbae“, V. 78). Diese „roh eßbaren Früchte [werden] den durch Kochen genießbar zu machenden“2 entgegengesetzt (vgl. V. 78f.). Damit möchte der Redner darauf aufmerksam machen, dass auch nicht flei- scherne Speisen nicht immer geschmacklos sein müssen, sondern durch gute Zubereitung eine annehmbare Alternative seien. Auffällig ist ebenfalls die Anapher „sunt“ (V. 76, 78) und die Erwähnung, dass die Erde verschwenderisch („prodiga […] tellus“, V. 81) an vege- tarischen Speisen sei. Beides verdeutlicht die Vielfalt der vegetarischen Ernährung.

Anschließend erklärt Ovid, dass friedlebende Tiere, wie Schafe oder Pferde, sich von Gras und Pflanzen ernähren, aber andere, die „für ihre Wildheit bekannt“3 seien, wie Löwen oder Bären, den Fleischverzehr genössen (vgl. V. 84-87). Er will hiermit einen Bezug zur Menschenwelt herstellen: Untugendhafte Personen verzehren Fleisch, während sich sittliche Menschen davon distanzieren sollten.

Ebenfalls ist es für den Redner ein Verbrechen, dass Fleisch Fleisch („in viscera viscera“, V. 88) verzehre, gierige Leiber Leiber („corpore corpus“, V. 89) verschlängen und Lebewesen mit Lebewesen („animans animantis“, V. 90) erhalten würden. Er möchte besonders durch die mehrfache Verwendung der gleichen Vokabeln auf die „Gleichartigkeit des Essenden und Gegessenen“4 aufmerksam machen.

3.2 Das goldene Zeitalter (V. 96 - 106)

Im folgenden Abschnitt beschreibt Ovid jene Zeit, die gemäß der pythagoreischen Lehre als golden („aurea“, V. 96) bezeichnet wird. Hiermit möchte er auf den Naturzustand des Menschen zurückgreifen, um seine Forderung auf Verzicht auf Fleisch zu bekräftigen. Er schreibt, dass die Welt reich an Früchten gewesen sei, und keine fleischernen Speisen verzehrt worden wären (vgl. V. 97f.). „Auch Vergil […] bezeichnet die Jagd […] als [Erfindung] des auf das goldene folgenden Zeitalters“5. Die aktuelle Forschung geht tatsächlich davon aus, dass sich die menschlichen Vorfahren vorwiegend von pflanzlicher Kost ernährten, während tierische Nahrung einen geringen Anteil ausmachte. Auch bei heutigen Menschenaffen ist dieser Anteil nur ca. vier bis acht Prozent groß.6

Des Weiteren wird das goldene Zeitalter als friedliche Epoche (vgl. V. 103) beschrieben, die allerdings durch den Beginn des Fleischverzehrs durch einen nicht nützenden Begründer („non utilis auctor“, V. 103) beendet worden sei.

Daraus kann man folgern, dass, wenn keine Tiere mehr verzehrt würden, eine neue Epo- che, die dem goldenen Zeitalter bezüglich des friedlichen Lebens ähnlich wäre, beginnen könnte.

3.3 Seelenwandlung (V. 165-175)

Diesen Abschnitt beginnt Ovid mit „omnia mutantur, nihil interit“ (V. 165), was das „[Thema] poetischer Natur, nämlich eben der Metamorphosen“7 ist. Die Metamorphosen handeln, wie der Name bereits verrät, von Veränderungen und Verwandlungen. Die pytha- goreische Lehre deckt dieses Themenfeld durch die Seelenwandlung ab. Die Seelen wan- dern von dort hierhin („illinc huc“, V. 165f.) und von hier dorthin („hinc illunc“, V. 166). Dabei auffällig ist der Chiasmus, der durch die Verwendung ähnlicher Adverbien, die le- diglich in ihrer Endung verändert wurden, aber eine ähnliche Bedeutung vorweisen, ent- steht. Dieser unterstreicht nochmals, dass Seelen beliebig zwischen Lebewesen wandern und dabei keine Rücksicht darauf nehmen, ob sie einen Tier- oder Menschenkörper besit- zen. Daraus folgt, dass Menschen und Tiere seelisch gleich sind und es damit schon kannibalisch ist, Tiere zu essen.8 Um nochmals diesen variablen Vorgang zu verdeutlichen, vergleicht Ovid die Seelen mit geschmeidigem Wachs, das verformt werden kann, aber nie so bleibt, wie es ist (vgl. V. 169f.).

3.4 Fazit

Ovid beschreibt mit der Rede die pythagoreische Lehre zum Vegetarismus, die vorgibt, dass Menschen keine Tiere essen sollten. Menschen und Tiere seien gleich, da beide Grup- pen gleich beseelt seien, d.h. ein Mensch könnte als Tier und ein Tier als Mensch wieder- geboren werden. Tiere zu verzehren könne man also dem Kannibalismus gleichstellen.

Darüber hinaus lässt sich erkennen, dass es eine Aussicht auf ein Leben voll Frieden geben könnte, wenn die Menschen kein Fleisch mehr konsumieren würden, denn der natürliche Zustand des Menschen ist gemäß Pythagoras ein vegetarisches und friedliches Leben.

4 Vegetarismus in der heutigen Zeit

4.1 Ausprägungen

Mit der Zeit haben sich verschiedene Ausprägungen an Vegetariern gebildet, die alle gemeinsam haben, dass sie Nahrungsmittel von getöteten Tieren meiden. Lediglich unterscheiden sich die Formen des Vegetarismus an der Einbeziehung von Lebensmitteln, die von lebenden Tieren stammen, wie z. B. Eier oder Milch. Die Lakto-Ovo-Vegetarier meiden fleischerne Speisen, zu denen auch Fisch zählt, während die Lakto-Vegetarier zusätzlich Eier und die Ovo-Vegetarier Milch meiden. Strenge Vegetarier, oder auch Veganer genannt, meiden alles, was vom Tier stammt.9 Darüber hinaus gibt es noch die Frutarier, die nur Lebensmittel essen, die die Pflanzen nicht beschädigen. Dies sind in der Regel Früchte, Nüsse und einige ausgewählte Gemüse-Arten.10

Anteilsmäßig sind ca. neun von zehn Vegetariern Lakto-(Ovo-)Vegetarier, während Veganer und besonders Frutarier eine Minderheit bilden.11

[...]


1 Leitzmann & Keller, 1996, S. 43

2 Haupt, Ehwald & von Albrecht, 1975, S. 429

3 Bömer & Schmitzer, 1986, S. 281

4 Haupt, Ehwald & von Albrecht, 1975, S. 430

5 Haupt, Ehwald & von Albrecht, 1975, S. 431

6 Leitzmann & Keller, 1996, S. 30

7 Bömer & Schmitzer, 1986, S. 302

8 vgl. Carr, Winslow & Whorian, 2001, S. 485

9 vgl. Leitzmann & Keller, 1996, S. 22

10 vgl. Carr, Winslow & Whorian, 2001, S. 5

11 vgl. Leitzmann & Keller, 1996, S. 23

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ovids Metamorphosen 15, 72-175. Dürfen Menschen Tiere essen?
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V341331
ISBN (eBook)
9783668311831
ISBN (Buch)
9783668311848
Dateigröße
972 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ovid, Metamorphosen, Pythagoras, Vegetarismus
Arbeit zitieren
Janik Kruse (Autor), 2015, Ovids Metamorphosen 15, 72-175. Dürfen Menschen Tiere essen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341331

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ovids Metamorphosen 15, 72-175. Dürfen Menschen Tiere essen?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden