Ein Vergleich einer literatursoziologischen Deutung mit einer psychoanalytischen Deutung der "Judenbuche"

Was ist Literatursoziologie, was ist Psychoanalyse?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Literaturtheorien
2.1 Psychoanalyse
2.2 Literatursoziologie

3. Interpretationen der Judenbuche
3.1 Gisela Greve: [] ich habe Euch ein schweres Gewissen zu danken – eine psychoanalytische Interpretation der Judenbuche
3.2 Richard T. Gray: Red Herrings and Blue Smocks: Commercialism, Ecological Destruction, and Anti-Semitism in Annette von Droste-Hülshoff’s Die Judenbuche

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Judenbuche – eine im Jahre 1842 erschienene Novelle von Annette von Droste-Hülshoff – gehört heute zu den meistgelesenen deutschen Texten.[1] Ein häufig gelesenes literarisches Werk wird ebenso häufig interpretiert und auf verschiedenste Weisen ausgelegt. Trotzdem bleiben immer wieder Fragen offen, die wohl niemals allgemeingültig beantwortet werden können. Jede Deutung beschäftigt sich aufs Neue mit Fragen wie „Welche Rolle spielt die Mutter in Friedrichs Entwicklung?“, „Ist Friedrich ein Mörder?“, „Begeht Friedrich am Ende Selbstmord?“ oder „Warum gibt sich der Rückkehrer als Johannes Niemand aus?“. Diese und viele weitere Fragen spielen in Interpretationen eine Rolle, die bestimmten Literaturwissenschaftlichen Methoden folgen. Ziel dieser Arbeit soll es sein, zwei Methoden herauszugreifen und detaillierter zu betrachten. Die jeweiligen Interpretationen der Judenbuche sollen untersucht, verglichen und auf ihre Plausibilität überprüft werden.

Dazu werden zunächst die zwei ausgewählten Literaturtheorien vorgestellt – die Literatursoziologie und die Psychoanalyse. Es wird erläutert, auf welcher Grundlage beide Theorien basieren, welche Autoren an ihrer Entstehung wesentlich beteiligt sind und wie durch sie literarische Werke betrachtet werden. Anschließend werden zwei Aufsätze analysiert, die den zuvor dargestellten Methoden folgen: „ […] ich habe euch ein schweres Gewissen zu danken – eine psychoanalytische Interpretation der Judenbuche “ von Gisela Greve und „Red Herrings and Blue Smocks: Commercialism, Ecological Destruction, and Anti-Semitism in Annette von Droste-Hülshoff’s Die Judenbuche “ von Robert Gray. In diesem Teil der Arbeit sollen die Argumentationsstrukturen beider Texte sowie deren Kernpunkte herausgestellt werden. Des Weiteren soll gezeigt werden, ob und wie diese Aufsätze den im vorherigen Kapitel dargestellten Methoden folgen. In einem abschließenden Fazit erfolgt eine Bewertung der Ansätze mit Rückblick auf den Ausgangstext, die Judenbuche. Dabei soll die Frage beantwortet werden, welcher Interpretationsansatz in seiner Darstellung der Figuren und Ereignisse plausibler erscheint.

2. Literaturtheorien

Literaturtheorien sind Methoden, mit deren Hilfe unterschiedliche Aspekte literarischer Texte fokussiert werden können.[2] Dabei bestimmen das Erkenntnisinteresse und das Erkenntnisziel die Fragestellung und die an den literarischen Ausgangstext gerichteten Fragen.[3] Nicht nur Inhalt, Motive, Themen, Form und Struktur können Ausgangspunkte für die Analyse sein, sondern auch die Betrachtung von Stellung und Funktion von Literatur im Literaturverständnis des jeweiligen Zeitkontextes wird einbezogen.[4] Literaturtheorien ermöglichen drei zentrale Dinge: die thematisch sowie ästhetische Dimension eines Werkes aufzuzeigen, seine gesellschaftliche Relevanz zu bekunden und seine humanwissenschaftliche Bedeutung darzustellen.[5]

Die im Folgenden betrachteten Methoden folgen den beiden letztgenannten Ansätzen. Die Psychoanalyse legt den Fokus auf den Autor, die Figuren sowie den Leser, die Literatursoziologie betrachtet das Werk in seinem Kontext. Im Folgenden sollen die beiden Methoden näher erläutert werden.

2.1 Psychoanalyse

Wir können nicht wissen, was ein Autor während des Schreibprozesses denkt, denn „[w]as Autoren gedacht, gefühlt, erlebt oder beabsichtigt haben, als sie ihre Texte schrieben, entzieht sich generell unserer Kenntnis. Das Bewusstsein Anderer lässt sich nicht beobachten.“[6] Diese Aussage bildet den Ausgangspunkt der Psychoanalyse, denn sie hat zum Ziel, Aussagen über das Unbewusste zu machen, die nicht „durch konventionell geregelte sprachliche Äußerungen repräsentiert sind“[7]. Dabei stellt psychoanalytische Literaturinterpretation die Instanzen Autor, Figur und Leser in den Mittelpunkt.[8] Der Fokus der Psychoanalyse liegt also auf dem Anteil des Unbewussten bei der Produktion literarischer Werke.[9] Das literarische Werk wird als Resultat der vom Autor erlebten Gefühle und Erfahrungen angesehen, daher forscht die psychoanalytische Textanalyse nach unbewussten Gefühlen, Sehsüchten und Trieben der Figuren und somit auch des Autors. Auch der Einfluss der frühen Kindheit sowie die unbewussten Handlungsmotive der Figuren werden hinterfragt.[10]

Diese Methode geht zurück auf die um 1900 von Sigmund Freud begründete Psychoanalyse und stellt das Element des Unbewussten der menschlichen Psyche in den Mittelpunkt.[11] Freud teilt das Seelenleben in drei Instanzen ein, das Es, das Ich und das Über-Ich. Das Es repräsentiert das Unbewusste, das Ich steht für die Realitätsprüfung und das Über-Ich repräsentiert den Bereich der sozialen Normen und Anforderungen, sozusagen das Gewissen.[12]

In seinem Aufsatz Der Dichter und das Phantasieren vergleicht Freud den Dichter mit einem spielenden Kind. Er kommt zu dem Schluss, dass ein Dichter – genau wie ein spielendes Kind – eine Phantasiewelt erschafft, die für den Hörer und Zuschauer des Dichters zu einer „Quelle der Lust“ werden.[13] Heranwachsende und Erwachsene, die nun auf kindliches Spielen verzichten, beginnen als Ausgleich zu phantasieren, sodass Tagträume entstehen.[14] Diese Tagträume sind von Außenstehenden schwer zu beobachten, denn sie sind intim und werden vor anderen versteckt. Diese Phantasien verändern sich mit der Zeit und passen sich den Lebensumständen an.[15] Neben Tagträumen, in denen wir phantasieren, sind auch unsere nächtlichen Träume solche Phantasien, die tagsüber aufgrund von Scham ins Unbewusste geschoben wurden.[16] Mithilfe dieses Wissens über Phantasien kann nun der Bezug zum Dichter getätigt werden. Gemeinsam ist vielen Novellen, Romanen und Geschichten, dass sie einen Helden haben, „der im Mittelpunkt des Interesses steht, für den der Dichter unsere Sympathie mit allen Mitteln zu gewinnen sucht und den er wie mit einer besonderen Vorsehung zu beschützen scheint“[17]. Der Leser entwickelt ein Gefühl der Sicherheit, denn der Held entkommt immer wieder aus bedrohlichen Situationen, sodass der Roman einen Fortgang hat. Aus diesem „verräterischen Merkmal der Unverletzlichkeit“ erkennt Freud „Seine Majestät das Ich, den Helden aller Tagträume wie aller Romane“[18]. Weitere Züge einer „egozentrischen Erzählung“[19] sind die Einteilung der Figuren in gut und böse bzw. Helfer und Feinde sowie die Verliebtheit aller Frauen in den Helden des Romans.[20] Dies ist nach Freud das Grundmodell des naiven Tagtraums, von dem viele literarische Schöpfungen weit abweichen. Trotzdem spalten viele Dichter ihr Ich in mehrere „Partial-Ichs“ und personifizieren ihr Seelenleben in mehreren Helden.[21] Freud fasst „die Gleichstellung des Dichters mit dem Tagträumer, der poetischen Schöpfung mit dem Tagtraum“[22] in einer Formel zusammen:

Ein starkes aktuelles Erlebnis weckt im Dichter die Erinnerung an ein früheres, meist der Kindheit angehöriges Erlebnis auf, von welchem nun der Wunsch ausgeht, der sich in der Dichtung seine Erfüllung schafft; die Dichtung selbst lässt sowohl Elemente des frischen Anlasses als such der alten Erinnerung erkennen.[23]

Die Textproduktion gleicht also einem Traum, dessen Deutung „Träume und Begehren von Autoren wie einer ganzen Gesellschaft offenlegen kann“[24]. Bei der Betrachtung literarischer Texte als Tagträume wird auch nach autobiografischen Aussagen des Autors gesucht, von denen sich die psychischen Zustände des Autors ableiten lassen.[25] Nach Freud ist die „dichterische Welt Ausdruck verborgener Wunscherfüllungen […], die sich in der Realität nicht durchsetzen lassen, in der Welt des ästhetischen Scheins jedoch ohne Hindernisse durchgespielt werden können“[26].

Ein weiteres prägendes Werk für die psychoanalytische Literaturwissenschaft ist Freuds Traumdeutung. Diese scheint eine „Theorie der Übersetzung“ zu sein, die „einen verborgenen Sinn hervorbringen will“[27]. Freud definiert die zentrale Kategorie der „Traumarbeit“. Diese untersucht die Beziehung zwischen Trauminhalt und Traumgedanken mit vier verschiedenen Methoden: Verdichtung, Verschiebung, Rücksicht auf Darstellbarkeit und sekundärer Bearbeitung des Trauminhalts.[28] Verdichtungsarbeit wird geleistet, da der eigentlich geträumte Traum im Vergleich zu den zu analysierenden Traumgedanken sehr kurz ist.[29] Die Analyse eines Traumes ist somit niemals abgeschlossen, da man niemals mit Sicherheit alle hinter dem Traum verborgenen Gedanken enthüllen kann.[30] Die Verschiebungsarbeit betrachtet die „Gliederung der Traumsequenzen in ihrer chronologischen Abfolge“[31]. Bei der Traumbildung aus verschiedenen Traumgedanken findet „eine Übertragung und Verschiebung der psychischen Intensitäten der einzelnen Elemente“ statt, sodass sich Trauminhalt und Traumgedanken unterscheiden[32]. Die Rücksicht auf Darstellbarkeit beschreibt die Eigenschaft des Traums, eine eigene Struktur zu entwickeln, die sich im Inhalt wiederspiegelt.[33] Freud vergleicht dies mit der Arbeit eines Dichters, denn [d]ie besten Gedichte sind wohl die, wo man die Absicht, den Reim zu finden, nicht merkt, sondern wo beide Gedanken von vornherein durch gegenseitige Induzierung den sprachlichen Ausdruck gewählt haben, der mit leichter Nachbearbeitung den Gleichklang entstehen läßt.[34]

Freuds letzte Methode stellt die sekundäre Bearbeitung des Trauminhalts dar. Bei der Analyse von Träumen muss beachtet werden, „daß nicht alles, was der Traum enthält, aus den Traumgedanken stammt, sondern daß eine psychische Funktion, die von unserem wachen Denken nicht zu unterscheiden ist, Beiträge zum Trauminhalt liefern kann“[35]. Die Traumarbeit setzt sich auch am Tage fort in der Analyse von Tagträumen.[36]

Insgesamt versucht Freud, den Traum als eine „Form der Entstellung“[37] zu verstehen, die auf dem Unterschied zwischen unbemerktem und offensichtlichem Trauminhalt beruht. Der Traum bekundet auf der manifesten Ebene einen verborgenen Wunsch, der nur durch indirekte Darstellung sichtbar werden kann.[38] Das Ziel der Traumdeutung ist also die Entschlüsselung des manifesten Traumes, sodass die verborgenen Inhalte aufgedeckt werden. Im Hinblick auf literarische Texte gilt: auch hier existieren zwei Ebenen, „von denen die eine die unbewusste Umschrift der anderen ist“[39]. Gemein ist Traumdeutung und Literaturwissenschaft also die Frage nach dem Unbewussten, das das Geträumte und Geschriebene lenkt.[40]

Zusammenfassen lässt sich die psychoanalytische Literaturtheorie als eine Methode, die auf Freuds Traumdeutung beruht und nach dem Unbewussten bei der Produktion literarischer Werke fragt. Der Fokus dabei liegt auf Autor, Figuren und dem Leser. Ist der Autor das Objekt der Analyse, wird das Werk im Hinblick auf dessen Psyche gelesen. Ziel ist es, verborgene Aspekte einer Lebensgeschichte aufzudecken.[41] Bei einer Fokussierung auf die Figuren bzw. deren Handlungs- sowie Verhaltensweisen werden deren unerwähnte Wünsche und Motive untersucht, die auch zum Verständnis des gesamten Handlungsverlaufs beitragen.[42] Freud selbst betrachtete literarische Figuren „als wären sie wirkliche Individuen und nicht Geschöpfe eines Dichters“[43]. Auch der Leser kann Objekt der Analyse sein, denn nach Freud konfrontieren literarische Werke den Rezipienten mit seinen eigenen verdrängten Kindheitswünschen.[44] Diese drei Instanzen sollen nicht isoliert voneinander betrachtet werden, denn

Autoren, Texte, Leser und Literaturanalytiker sind wechselseitig voneinander abhängige Bestandteile eines kommunikativen Prozesses, der eine zum Teil bewusste, zum Teil unbewusste Dynamik aufweist und in seiner Komplexität zu entsprechend komplexen Untersuchungen herausfordert.[45]

2.2 Literatursoziologie

Der Literatursoziologie liegen unterschiedliche Gesellschaftstheorien zugrunde. Im Folgenden sollen zuerst die marxistische und anschließend die systemtheoretische Literatursoziologie betrachtet werden.

Karl Marx und Friedrich Engels betrachteten literarische Produktionen als Bestandteil gesellschaftlicher Ideologieproduktion und daher als abhängig vom jeweiligen Stand des Klassenkampfes.[46] Theodor W. Adorno war ein Vertreter des Marxismus und hat das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft betrachtet. Dabei stellt er Kunst und Gesellschaft gegenüber.[47] Er fragt bei der Betrachtung literarischer Werke nicht nach der Intention des Autors, sondern geht über die Texte hinaus und versucht, einen Bezug zur Gesellschaft und Geschichte abzulesen.[48] Diese Lesart ist eine gezielte „Überinterpretation“, denn sie kann sich nicht durch die Aussagen des Textes steuern lassen.[49] Adorno liest literarische Texte vor allem im Hinblick auf ihre Zeichentheorie. Diese besagt, dass Texte auf nichts außerhalb ihrer selbst verweisen, sondern auf die Sprache, die sie beinhalten.[50] In dieser Sprache „lagern sich die gesellschaftlichen und historischen Erfahrungen ab“[51]. Ein literarischer Text ist im Sinne der Literatursoziologie dann gelungen, wenn er „sich der Aussage und Parteinahme [enthält], er sich nicht [engagiert], seine Sprache kein Kommunikationsmittel [ist], kein Medium der Mitteilung, sondern ihrerseits der Gegenstand“[52]. Die objektiven Zustände der Gesellschaft werden in der subjektiven Kunst gespiegelt, „nicht, weil sie deren Missstände direkt bezeichnen würde, sondern weil sich in der Sprache selbst die Entfremdung des Individuums von seiner Umwelt zeigt“[53]. Aufgrund der Überinterpretation wird auch dann in literarischen Texten nach einem Zusammenhang mit dem Gesellschaftlichen gesucht, wenn die literarischen Texte sich nicht absichtlich zu politischen oder sozialkritischen Abhandlungen äußern.[54] Dieser klassische marxistische Ansatz fasst das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Literatur als eine Art Spiegelmetapher auf: Literatur spiegelt Gesellschaft.[55] Dies ist jedoch eine sehr starke Vereinfachung, da die Beziehung sehr viel komplexer ist und auch auf anderen Ebenen betrachtet werden kann.

Weiterentwickelt wurde die Literatursoziologie durch die Systemtheorie in den 1980er Jahren von Niklas Luhmann.[56] Literarische Texte werden als eine Form kommunikativen Handels angesehen, die in verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft (Kunst, Religion, Recht, Erziehung) Anwendung finden.[57] Hier untersucht die Literatursoziologie die gesellschaftliche Wirkung von literarischen Texten.[58] Dabei wird nach der Funktion von Literatur in der Gesellschaft und nach der Aufnahme sozialer Themen in Literatur gefragt. Luhmann hebt die Gegenüberstellung von Kunst und Gesellschaft auf und unterscheidet nicht mehr zwischen Subjekt und Objekt, sondern bei ihm ist die Kunst ein Teilsystem der Gesellschaft und funktioniert „nicht anders als die Gesellschaft selbst“[59]. Kunst ermöglicht nach Luhmann eine bestimmte Form der Kommunikation und wird aus diesem Grunde hergestellt.[60] Er schreibt der Kunst die Funktion zu, Wahrnehmung in Kommunikation zu übersetzen.[61]

Manon Maren-Grisebach gibt einen Überblick über die Literatursoziologie, indem er Literatur als ein Moment des Zusammenhangs in der Gesellschaft beschreibt. Daher werden alle Aspekte literarischer Produkte mit Hilfe soziologischer Kategorien erfasst und im sozialen Zusammenhang platziert.[62] Literatur ist der „Ausdruck eines gesellschaftlich lebenden Individuums“[63], daher müssen „Biografie, Herkunft und Stellung des Dichters, Entstehung des Werkes, Gehalt, Sprachform und Stil, Wert und Wirkung“[64] betrachtet werden.

Maren-Grisebach beschreibt einige grundlegende Perspektiven der Literatursoziologie, die nun kurz skizziert werden sollen, um ihre Anwendung auf literarische Texte zu verdeutlichen.[65] Zum einen müssen das literarische Werk und seine enthaltenen Figuren im Hinblick auf „Gesellschaftlichkeit und Geschichtlichkeit“[66] betrachtet werden. Außerdem kann soziologisches Vorgehen auch bedeuten, „hinter dem Rücken des Autors“[67] vorzugehen und somit sein Werk von außen zu betrachten. Auch die „Soziologie der literarischen Formen“[68] kann betrachtet werden. Dabei können „Stile und Formen genauso wie Inhalte soziologische Erklärung und Deutung erfahren. Eine Soziologie der literarischen Gattungen (Drama, Lyrik, Epik) ist möglich“[69]. Des Weiteren können literarische Texte im Hinblick auf die in der jeweiligen Gesellschaft geltenden Werte selbst bewertet werden, denn „Werten ist eine bewußt integrierte Zielvorstellung“[70].

Bei der Anwendung der Literatursoziologie auf literarische Texte wird versucht, die textintern dargestellten Sozialstrukturen mit dem jeweiligen sozialen Umfeld von Literatur zu vergleichen. Die Literatursoziologie fragt also nach dem Einfluss von sozialen Umständen auf literarische Werke. Dabei kann politischer sowie wirtschaftlicher Wandel bewertet werden, die soziale Schichtung und der Differenzierungsgrad einer Gesellschaft können dargestellt, Herrschafts- und Wirtschaftsformen aufgezeigt, Berufs- und Geschlechterrollen portraitiert, Familienstrukturen beleuchtet und Lebensläufe einzelner Figuren als sozialhistorisch repräsentativ präsentiert werden.[71]

[...]


[1] Vgl. Anette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westphalen. Stuttgart: RUB 1975, S.69. Im Folgenden zitiert als ‚Judenbuche, S.x‘.

[2] Vgl. Becker, Sabina; Christine Hummel, Gabriele Sander: Grundkurs Literaturwissenschaft. Stuttgart: RUB 2006, S.219. Im Folgenden zitiert als ‚Becker 2006. S.x‘.

[3] Vgl. Becker 2006, S.219.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd., S.220.

[6] Anz, Thomas: Psychoanalytische Literaturinterpretation. Praktiken und Probleme psychoanalytischer Literaturinterpretation – am Beispiel von Kafkas Erzählung Das Urteil. In: Kafkas „Urteil“ und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen, hg. von Oliver Jahraus und Stefan Neuhaus. Stuttgart: RUB 2002, S.127. Im Folgenden zitiert als ‚Anz 2002, S.x‘.

[7] Anz 2002, S.127.

[8] Vgl. Becker 2006, S.246.

[9] Vgl. Renner, Rolf G.: Psychoanalytische Literaturtheorie. Einleitung. In: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, hg. von Dorothee Kimmich u.a.. Stuttgart: RUB 2008, S.147. Im Folgenden zitiert als ‚Renner 2008, S.x‘.

[10] Vgl. Becker 2006, S.246.

[11] Vgl. Gallas, Helga: Psychoanalytische Positionen. In: Literaturwissenschaft. Ein Grundkurs, hg. von H. Brackert und J. Stückrath. 6.Aufl.. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1992, S.593f.. Im Folgenden zitiert als ‚Gallas 1992, S.x‘.

[12] Vgl. Renner 2008, S.147.

[13] Freud, Sigmund: Der Dichter und das Phantasieren. In: Texte zur Theorie der Autorenschaft, hg. von Fotis Jannidis u.a.. Stuttgart: RUB, S.36. Im Folgenden zitiert als ‚Freud 1907, S.x‘.

[14] Vgl. Freud 1907, S.37.

[15] Vgl. Freud 1907, S.39.

[16] Vgl. ebd., S.41.

[17] Vgl. Freud 1907, S.41.

[18] Ebd., S.42.

[19] Freud 1907, S.42.

[20] Vgl. ebd.

[21] Vgl. ebd., S.43.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Becker 2006, S.247.

[25] Vgl. ebd., S.248.

[26] Geisenhanslüke, Achim: Einführung in die Literaturtheorie. Von der Hermeneutik zur Medienwissenschaft. Darmstadt: WBG 2004. S.31. Im Folgenden zitiert als ‚Geisenhanslüke 2004, S.x‘.

[27] Vgl. Simons, Oliver: Literaturtheorien zur Einführung. Hamburg: 2009, S.53. Im Folgenden zitiert als ‚Simons 2009, S.x‘.

[28] Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. Internet-Publikation, Projekt Gutenberg – DE: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-traumdeutung-907/6. Eingesehen: 10.03.2015. Im Folgenden zitiert als ‚Traumdeutung‘.

[29] Vgl. Traumdeutung.

[30] Vgl. Traumdeutung.

[31] Simons 2009, S.55.

[32] Vgl. Traumdeutung.

[33] Vgl. Simons 2009, S.56.

[34] Traumdeutung.

[35] Ebd.

[36] Vgl. ebd.

[37] Geisenhanslüke 2004, S.32.

[38] Vgl. ebd.

[39] Vgl. ebd.

[40] Vgl. ebd.

[41] Vgl. Anz 2002, S.140.

[42] Vgl. Becker 2006, S.249.

[43] Freud, Sigmund: Der Wahn und die Träume in W. Jensens „Gradiva“. Internet Publikation, Prjekt Gutenberg – DE: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-wahn-und-die-tr-930/1. Eingesehen 10.03.2015.

[44] Vgl. Anz 2002, S.145.

[45] Ebd., S.146.

[46] Vgl. Lethbridge, Stefanie: Literatursoziologie. In: Literaturwissenschaft in Theorie und Praxis, hg. von Ralf Schneider. Tübingen: Narr 2004. S.164. Im Folgenden zitiert als ‚Lethbridge 2004, S.x‘.

[47] Vgl. Simons 2009, S.115.

[48] Vgl. Ebd., S.116.

[49] Vgl. ebd.

[50] Vgl. ebd.

[51] Simons 2009, S.116.

[52] Ebd., S.117.

[53] Ebd.

[54] Vgl. ebd., S.118.

[55] Vgl. Lethbridge 2004, S.170.

[56] Vgl. Becker 2006, S.241f.

[57] Vgl. ebd.

[58] Vgl. ebd.

[59] Simons 2009, S.119.

[60] Vgl. Geisenhanslüke 2004, S.135f.

[61] Vgl. ebd., S.136.

[62] Vgl. Maren-Grisebach, Manon: Methoden der Literaturwissenschaft. 8.Aufl. München: Francke 1982, S.83. Im Folgenden zitiert als ‚Maren-Grisebach 1982, S.x‘.

[63] Maren-Grisebach 1982, S.82.

[64] Ebd.

[65] Für eine ausführliche Auflistung siehe: Grisebach-Maren, S.85f.

[66] Vgl. Maren-Grisebach 1982, S.85.

[67] Ebd., S.85f.

[68] Ebd., S.87.

[69] Ebd.

[70] Ebd. S.88.

[71] Vgl. Ort, Claus Michael: Sozialgeschichte der Literatur und die Probleme textbezogener Literatursoziologie – anlässlich von Kafkas Das Urteil. In: Kafkas „Urteil“ und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen, hg. von Oliver Jahraus und Stefan Neuhaus. Stuttgart: RUB 2002, S.104.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich einer literatursoziologischen Deutung mit einer psychoanalytischen Deutung der "Judenbuche"
Untertitel
Was ist Literatursoziologie, was ist Psychoanalyse?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
32
Katalognummer
V341494
ISBN (eBook)
9783668312265
ISBN (Buch)
9783668312272
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judenbuche, Literatursoziologie, Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Annette von Droste-Hülshoff
Arbeit zitieren
Merle Schwartz (Autor), 2014, Ein Vergleich einer literatursoziologischen Deutung mit einer psychoanalytischen Deutung der "Judenbuche", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341494

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ein Vergleich einer literatursoziologischen Deutung mit einer psychoanalytischen Deutung der "Judenbuche"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden